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Full text of "Englische Studien"

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HANDBOL'ND 
AT THE 



UNTVERSITY OF 
TORONTO PRESS 






ENGLISCHE 



STUDIEN. 



Herausgegeben 



dr. EUGEN KÖLBING, 

docenten an der Universität Breslau. 




IL band. 



£}e\lbvonn. 

Gebr. 
J879. 



Verlag von Gebr. Henninger. 







Paris. 








Con&on. 




(67. 


Rue Richelieu.) 






(57 


& 59. Ludgate Hill.) 


F. 


Vieweg, 


Librairie A. 


Franck. 




Trübner & Co. 










TZemJQovt, 














(524. Broadway.) 












1!. 


Westermann & Co 







3 

Q 
■/. 2. 



Unberechtigter nachdruck aus dem inhalt der Engl. Studien ist untersagt. 
Uebersetzungsrecht vorbehalten. 






INHALT DES ZWEITEN BANDES. 

Seite 

Zur englischen grammatik. I. II. III. Von IV. Sattler i. 384 

Zum altenglischen wörterbuche. Von F. LT. Stratmann 19 

Ein altenglischer schwank. Von F. Liebrecht 20 

Beiträge zur erklärung und textkritik von Dan Michel' s Ayenbite of Inwyt. 

Von H. Varnhagen 27 

Versificirte Benediktinerregel im »northern dialect«. Von K. Böddeker. . . 60 

The tale of Gamelyn. I. II. Von F. Lindner 94. 321 

Zu einer stelle des altenglischen gedichts von der kindheit Jesu. Von K. Köhler 1 1 5 

Nachtrag. Von E. Kolbing 117 

£ in Layamon. Von F. H. Stratmann 118 

Verbesserungen zu altenglischen texten. Von F. H. Stratmann . . . . 119 

Ueber das neuangelsächsische pronomen. Von Witte 12 1 

Die historischen demente in Shakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen«. 

Von J. Caro 141 

Beiträge zur feststellung u. erklärung des Shakspearetextes. Von Ed. Tiessen 185.440 

Zu Popes Rape of the lock. (Schluss.) Von F. Bobertag 204 

Zu Amis and Amilloun. Von E. Kolbing 295 

Some of the sources of the anglo-saxon chronicle. Von Henry Sweet . . 310 
Old english etymologies. Von ILenry Sweet. 

I. Beöhata 312 

II. Gärsecg 314 

Notizen zur altenglischen grammatik. Von F. LL. Stratmann 316 

Zu Sir Beves of Hamtoun. Von E. Kolbing 317 

Ueber die spräche der Benediktinerregel. Von K. Böddeker 344 

Ueber drei Ralegh'sche Schriften. Von A. Buff 392 

Ueber Nathaniel Lee's leben und werke. Von R. Mesen 416 

LITTERATUR. 

B. Schmitz, Encyclopädie des philol. Studiums der neueren sprachen, 

hauptsächlich der franz. und engl. 2. verb. aufl. Th. I — IV. Leipzig. 

Koch. 1875 — 76- Anhang: Varnhagen. Systematisches verzeich- 

niss etc. Von W. Meter 223 

E. Fiedler, Wissenschaft!, grammatik der engl, spräche. I. bd. 2. aufl., 

nach dem tode des Verfassers besorgt von E. Kolbing. Leipzig. 

Violet. 1877. Von F. Lindner 227 

A'. Körner, Einleitung in das Studium des Angelsächsischen. I. theil : 

Angelsächsische formenlehre. Heilbronn. Henninger. 187 S. Von 

E. Kolbing 229 

C, Abel, Die engl, verba des befelils. Berlin. Liepmannssohn. 1878. 

Von D. Ashcr 232 

K. Elze, William Shakspeare. Halle. Waisenhausbuchh. 1876. Von 

R. Koppel 23") 

A. Tanner, Die sage von Guy von Warwick. Untersuchung über ihr 

alter und ihre geschichte. Heilbronn. Henninger. 1877. Von 

E. Kolbing 246 

Beowulf. Traduit par /.. Botkine. Havre 1877. Von K. Körner . . 24S 
Cynewulf's Elene. Mit einem glossar herausgegeben von j. Zupitza. 

Berlin. Weidmann. 1877. Von K. Körner 252 

Zur englischen litt erat Urgeschichte, IL Von /■.. Kolbing. 

II. Taine, Geschichte der engl, litteratur. Deutsch bearbeitet und 
mit anmerkungen versehen von /. . Katscker. Autorisirte ausg. 
1. bd. I >ie anfange und die renaissancezeit. 1. lief. Leipzig. 

L. J. Günther. J S 7 7 . Von /-.'. Kolbing 262 

Anglia. Zeitschrift für engl, philologie. Herausgeg. von R, P, Wulcker. 

Nebst kritischen anzeigen und einer bücherschau, herausgegeben von 

M. Trautmann. 15d. 1. Heft 1 u. 2. Halle. Lippert'sche buchh. 

1877. Von /•-'. Kolbing 264 

Lehr- und Übungsbücher für die engl, spräche. I. II. Von W. Bertram 275. 520 



VI Inhalt. 

Seite 

M. Retzsch , Outlines to Shakespeare's dramatic works. Fourth edition. 

Leipzig. Fleischer. 1878. Von E. Kölbing . . 280 

/. Jastrow , Zur strafrechtlichen Stellung der sklaven bei Deutschen 

und Angelsachsen. Breslau. Koebner. 1878. Von K. Maurer . 476 

The Libell of Englishe Policye. 1436. Text und metrische Über- 
setzung von Wilhelm Hertzberg, mit einer geschichtlichen ein- 
leitung v. Reinhold Pauli. Leipzig. S. Hirzel. 187S. Von F.L'mdner 488 

Englische Alexiuslegenden aus dem XIV. und XV. Jahrhundert. 
Herausgeg. von J. Schipper. Erstes Heft. Version I. (Q. F. XX) 
Strassburg und London. Trübner. 1877. Von E. Kölbing . . 489 

Friedrich Diez. Etymologisches Wörterbuch der romanischen sprachen. 
4. ausg. Mit einem anhange von August Sehe/er. Bonn. Marcus. 
1878. Von E. Koschwitz 492 

Urban Jarnick. Index zu Diez' etymologischem Wörterbuch der 

roman. sprachen. Berlin. Langenscheidt. 1878. Von E. Koschwitz 494 

The Ormulum. With the notes and glossary of dr. R, M. White. 
Edited by Rev. Robert Holt. M. A. Vol. I. II. Oxford 1878. 
Von E. Kölbing 494 

Altenglische dichtungen des ms. Harl. 2253. Mit grammatik und 
glossar herausgegeben von dr. K. Böddeher. Berlin. Weidmann'sche 
buchhandlung. 1878. Von E. Kölbing 499 

Four chapters of North's Plutarch containing the lifes of Caius Marcius 
Coriolanus, Julius Caesar', Marcus Antonius and Marcus Brutus as 
sources to Shakespeare's tragedies Coriolanus, Julius Caesar, 
Antony and Cleopatra and partly to Hamlet and Timon of 
Athens , photolithographed in the size of the original edition of 
1595. With preface, notes comparing the text of the editions 
°f 1579 1 x 595 an< i '603 and reference-notes to the text of the 
tragedies of Shakespeare. Edited by F. A. Leo, ph. dr. prof. 
vice-president of the english Shakespeare-society , member of the 
board of directors of the german Shakespeare-society, lecturer at 
the academy of modern philology at Berlin. London: Trübner 
and co. Strassburg: Karl J. Trübner. 1878. Von E. Kölbing . . 517 

The Poetry of Germany , consisting of selections from upwards of 
seventy of the most celebrated poets, translated into English Verse, 
with the Original .Text on the opposite page by dr. Alfred Baskerville 
4th Stereotype edition. Baden-Baden and Hamburg. Händcke 
and Lehmkuhl. 1876. 670 Seiten. Von G. Wendt 518 

Auswahl englischer gedichte und prosastücke für schulen und zum 
privatgebrauch. In 4 stufen geordnet und mit erklärenden an- 
merkungen , präparation und kurzen biographien der dichter ver- 
sehen von dr, J. Finck. Weinheim. Ackermann. 1878. 192 
seiten. Von G. Wendt 527 

MISCELLEN. 

Zur legendenforschung. Von E. Kölbing 281 

Auslassung des relativ-pronomens im Angelsächsischen. Von E. Kölbing 282 

Entgegnung. Von E. Kölbing 282 

Heinrich Leo. Von M. Heyne 284 

Vorlesungen über englische philologie im sommersemester 1878 . . . 290 

Zeitschriftenschau 292. 536 

Eingegangene recensions-exemplare 294. 537 

Zu Chaucer's: The Knightes tale. Von E. Kölbing 528 

Nachträgliches zu Otway. Von A. Moseh 532 

Nachtrag zu S. 316. Von F. H. S 'tratmann 533 

Nachträgliches zum Tristan. Von E. Kölbing 533 

Eingesandt ' 534 

Vorlesungen über englische philologie im Wintersemester 1S78 79. Von 

E. Kölbing 534 

Nachträge und berichtigungen zu band II 539 



ENGLISCHE STUDIEN 

ZWEITER BAND. . 



ZUR ENGLISCHEN GRAMMATIK. 



I. 

»The men of high birth or renown for social success, belonging, 
my dear father, to your time, are still distinguished by an air of 
good-breeding, by a style of conversation more or less polished and 
not without evidences of literary culture, from men of the same rank 
in my generation, who appear to pride themselves on respecting 
nobody and knowing nothing, not even grammar.« 

Diese klage, welche Bulwer dem Kenelm Chillingly, dem helden 
seines gleichnamigen romans , in den mund legt, findet sich auch 
sonst vielfach wiederholt und ist nicht ohne eine gewisse berechtigung. 
Wie bei so manchen englischen , namentlich aber amerikanischen 
Schriftstellern das streben pikant und einen eignen stil zu schreiben, 
nicht selten die deutlichkeit beeinträchtigt und zu manirirtheit , zu 
barocken Wendungen verleitet, so muss sich auch die grammatik der 
laune des einzelnen mehr oder weniger fügen. Dazu kommt, dass 
jede spräche heutzutage, wo zur befriedigung der bedürfnisse der 
tagespresse so viel, und oft so schnell und von unberufener hand 
übersetzt wird , unter dem einflusse dieser berührung mit fremden 
sprachen durch die zahlreichen neu aufgenommenen wörter an ihrer 
reinheit im ausdruck, aber auch durch zum theil unbewusste nach- 
ahmung fremder konstruktion in ihrem eigensten \\ esen , in der 
grammatik Wandlungen erleidet, die erst nach ablauf einer längeren 
reihe von jähren deutlicher hervortreten. 

Von derartigen erscheinungen nehmen unsere englischen gram- 
matiken bislang noch gar nicht, oder viel zu wenig notiz. Wer daher 
nicht inmitten des lebens der spräche steht und gelegenheit nimmt, 

Kölbing, Englische Studien. II. i. I 



2 W. Sattler 

solch allmälig sich vorbereitenden Wechsel aufmerksamer zu beobachten; 
wer die spräche nur aus den grammatiken selbst gelernt hat und nur 
daraus sie wieder lehren will, der wird seinen Schülern gegenüber oft 
genug einen schweren stand haben. Andrerseits gilt aber auch hier 
das : Uiacos inter muros peccatur et extra, d. h. nicht allein englische 
Schriftsteller sündigen gegen die regeln der eigenen grammatik, auch 
die art und weise, wie solche regeln von den deutschen grammatikern 
aufgestellt und erklärt werden, lässt in manchen fällen noch viel zu 
wünschen. Indem ich mir vorbehalte, demnächst einige proben der 
ersteren art aus meinen collectaneen mitzutheilen, will ich nachstehend 
den besonderen Sprachgebrauch in einigen fällen untersuchen und 
näher festzustellen versuchen. 



My own. — Of my own. 

Wann heisst es my own , wann of my own ? ist eine frage , die 
nicht allein von schülern unzählige male wiederholt wird. Und mit 
recht — mir ist wenigstens keine grammatik bekannt, wo der grund 
dieses Unterschiedes klar entwickelt und bündig festgestellt worden. 
Zieht man nun gar mehrere grammatiken zu rathe, so geräth man 
erst recht in die enge, denn da findet sich wahres mit falschem ge- 
paart, oft dieselben beispiele, doch nicht immer zu demselben zwecke, 
halbe andeutungen und nicht selten offene Widersprüche. Es wird 
genügen , hier nur einige solcher erklärungen und bemerkungen an- 
zuführen; schon der vergleich ist in mancher beziehung belehrend. 
So heisst es bei : 

Baskerville, An english Grammär fc.v the use of the Germans. 

P- 7 1 - 343- The word own is soJ 1061 " 1165 a ^ded to the 
possessive pronouns to give more emphasis P° tne ^ ea °^ P os " 
Session. She had a large fortune of her own. >>7.' lose norse is 
that? My own. 

Behn-Eschenburg, Schulgrammatik. 

ß- 337- 599- Own, eigen, steht dem possessiv nach, wie m, 
deutschen: mein eigenes haus, my own house. Ich habe ein 
eigenes haus heisst: I have a house of my own. Sie hat kein 
eigenes vermögen, she has no fortune of her own. They had 
some private reasons of their own, sie hatten einige privatgründe = 
sie hatten ihre besonderen gründe. Das of my, bis, her, their 






Zur englischen grammalik ■> 

own kann man häufig auch durch für mich, dich u. s. w. über- 
setzen: Wir haben einen garten für uns, we have a garden of 
our own. Shakespeare hat die längere form vor own : thine own 
act and valour. Macb. i, 7. 

Plate, Schulgrammatik der englischen spräche für mittel- und ober- 
klassen höherer lehranstalten. 

p. 155. Wenn das verstärkende oum mit dem verbum to 
have in Verbindung steht , so steht das possessive pronomen mit 
seiner Verstärkung im genitiv nach seinem Substantiv. She has 
no fortune of her own (kein eigenes vermögen). They had some 
reasons of their own. That is quite a singularity of his own. We 
had a house of our own situated near the river. 

Plate, Lehrbuch der englischen spräche. 

p. 379. B. 3. Die Possessivpronomen können durch own 
verstärkt werden. Vor own steht immer die adjektivische 
form, auch wenn das pronomen sich auf ein vorangegangenes 
Substantiv bezieht. They were betrayed by a relation of their own. 

Nach to have steht das Possessivpronomen mit der Verstärkung 
own immer im genitiv nach dem beziehungssubstantiv : They 
had a house of their own. She had some property of her own. 

Crüger, Lehrbuch der englischen spräche. II. 

p. 271. Wenn ein possessiv mit dem demonstrativ und andern 
adjektivischen fürwörtern (z. b. all, both, half, no, such) zusammen- 
kommt, so steht es hinter diesen, wie im deutschen, at this our 
parting, bei diesem unserm abschiede. 

Man kann aber im letzteren falle auch einen andern aus- 
druck gebrauchen und das absolute possessiv im genitiv dem Sub- 
stantiv anhängen, also this parting of ours. 

Wird das possessive pronomen noch durch own verstärkt, so 
muss es in der konjunktiven form stehen: a particular affair of mv 
own, eine besondere mich speziell betreffende angelegenheit. 
Gesenius, Lehrbuch der englischen spräche. II. 

p. 46. 91. 2. Wenn own dem possessiv zur Verstärkung hinzu- 
gefügt wird, so muss die adjektivische form des fürworts gewählt 
werden. He is a friend of my own. The first assailant was a 
countryman of our own. (Macaulay.) Of my own, of his own, 
of our own, hat oft die bedeutung eigen. We have no house 
of our own, wir haben kein eigenes haus. The man who has .1 
character of his own is little changed by varying his Situation. 



4 W. Sattler 

(Lady Montague.) Edward IV. was a sort of merchant himself, 
for he had many trading vessels of his own. (Markham.) Man 
würde nicht sagen : no own house, an own character. 
Schmidt, Lehrbuch der englischen spräche. II. 

p. 301. Anm. 3. Statt mine wird als Verstärkung gebraucht 
my own. She has some property of her own = some private 
property. I have some reasons of my own. He has nothing of 
his own (nichts eigenes). Own wird immer nur gebraucht mit 
einem konjunktiven possessivum. Kein eigenes haus, no house of 
one's own. 

Durchaus unklar ist, was Ogilvie, Imperial Dictionary, sagt: 
Own. It is used as a Substitute. 

That they may dwell in a place of their own. 2. Sam. 7. 
In this case a noun cannot follow own. 

Ohne mich nun näher auf eine berichtigung der obigen erklärungen 
einzulassen, will ich versuchen, den verschiedenen gebrauch von my 
own und of my ozvn in einer weise klarzustellen, welche, wie ich 
glaube, allen anforderungen genügen und alle zweifei beseitigen wird. 
Bei der auswahl der beispiele glaubte ich mich anfänglich auf einen 
Schriftsteller — A. Trollope — beschränken zu sollen, weil der Sprach- 
gebrauch in der that keinerlei abweichungen aufweist. Im weitern 
verlaufe der Untersuchung sah ich mich indessen genöthigt, von diesem 
plane abzugehen und vereinzelt wenigstens frühere collectaneen heran- 
zuziehen. Insofern es darauf ankam , den bestehenden gebrauch fest 
zu präzisiren, dürfte die zahl der beispiele nicht zu gross erscheinen. 

1. Own steht nie wie das deutsche eigen allein, sondern 
findet sich nur in Verbindung mit den possessiven pronomen 
my, his etc., die dadurch verstärkt werden = mein eigen 
u. s. w. 

Johnson. Own. This word is of no other use than as it is 
added to the possessive pronouns, my, thy, his, her, our, your, their. It 
seems to be a Substantive ; as my own, my peculiar; (vergl. anm. 1.) 
but is, in reality the participle passive of the verb owe, in the parti- 
ciple owen or own ; my own ; the thing owned by, or belonging to me. 

2. It is added generally by way of emphasis or corroboration. 

3 . Sometimes it is added to note Opposition or contradistinetion ; 
domestick, not foreign ; mine, his, or yours, not another's. 1 ) 



1) Besonders stark: I wished to have my own life always in my hand. T 
cannot justly consider it mine. It is owed. Mulock. Life for a Life. 



Zur englischen grammatik 5 

1. I suppose I may have my own ideas. Troll. Am. Sen. 

2. He had his own way of looking at life. Id. 

3. She will have her own room, of course; the room she always 

has. Austen. Emma. 

4. She had her own theory and her own plan in the present 

emergency. Troll. Am. Sen. 

5. The Duchess always had her own way. Id. Pr. Min. 

6. As man you are of course to have your own way. Id. 

7 . As a married woman you are entitled to have your (nun way. 

Id. Is He a Popinjay? 



8. I will maintain mine*) own ways before him. St. John. 13, 15. 

9. I can scarcely credit the evidence of my cnvn ears. Mulock. 

L. f. L. 

10. I went up into my own room. Id. 

11. I set up practice on my own account. Id. 

12. I have always regarded myself as the architect of my own 

fortune. Troll. Pr. Min. 

13. As far as my own seif and my cnun will are concerned. Id. 

14. O speak him fair, Harold, for thine own sake. Tennys. Harold. 

15. If the man find the duplicate of his own being in that my- 

sterious Union. Bulw. K. Chili. 

16. It was his custom to go thither in his own brougham. Troll. 

Pr. Min. 

17. He was much puzzled by the extent of his own authority. Id. 

18. Is there another man would come into his own house and 

speak only to one person. Id. 

19. Let every pedlar carry his own bürden. Prov. 

20. She knew her own heart. Bulw. K. Chili. 

21. She had no companion of her own age. Id. 

22. She had thought much of her own happiness ; had made herseif 

the centre of her own circle. Troll. Pr. Min. 

23. His daughter referred to the matter without disguise of //<r 

oivn feeling. Id. 



1) Dass nicht allein bei Shakespeare, sondern überhaupt in der älteren 
spräche, wie auch in der poesie und sonst vereinzelt mint und thine vor 
einem vocale steht, bedarf keiner weiteren belege. Hin und wieder findet es 
sich sogar vor consonanten; ganz gewöhnlich in der Verbindung mint host. 

Imagine to thyself the being to which thinc wholt of life moved insensibly, 
as I thin'k. Bulw. K. Chili. 

He was thine hos/ in England. Tennys. Harold. 



6 W. Sattler 

24. The duke stood over her in her own room upstairs. /</. 

25. Yet shc has it all her own way. Id. Popinj. 

26. He always did likc to have his own way. Id. 

27. He lets me have my own way. Id. 

28. Every tub must stand upon its own bottom. Proverb. 

29. And then the swelling thought of being the architect of one 1 ! 

own fortune. Warren. Diary. 

30. Pride is not a bad thing when it only urges us to hide our 

own hearts. Eliot. Middl. 

3 1 . Make a page of your own age. Prov. 

32. She reached their own house. Troll. Pr. Min. 

33. Our helpless folk are wash'd away, waiting, in their own blood. 

Tennys. Harold. 
Anm. 1. Own findet sich in Verbindung mit einem Possessiv- 
pronomen nicht nur substantivisch my own, mein eigen, eigen- 
thum , sondern auch in beziehung auf ein vorhergehendes Sub- 
stantiv adjectivisch ohne das in diesem falle gewöhnliche one. 

34. My gracious lord, I come but for mine own. 

Your own is yours ; and I am yours, and all. Shak. R. II. 

3, 3> iQi- 

35. Is it not lawful for me to do what I will with my own? St. 

Mtth. 20, 15. 

36. Swear thou to-day, to-morrow is thine own. Tennys. Harold. 

37. When thou art home in England, with thine own. Id. 

38. Who shall give you that which is your otvn? St. Lk. 16, 12. 

39. God sends us of our own when rieh men go to dinner. Prov. 
so auch in der Redensart to hold one's own. 

40. England our own thro ; Harald's help, he shall be my dear 

friend. Tennys. Harold. 

41. I had much ado to hold mine own against old Gurth. Id. 

42. Hold thine own, if thou canst. Id. 

43. In a few days he held his own uncommonly well. Thack. 

Virg. 



44. No man's opinion can compensate me for the loss of my own. 

Dick. D. C. 

45. Oh! Harold, for my sake and for thine own. Tennys. Harold. 

46. King Edward encouraged the Scottish subjeets to appeal from 

the court of Baliol to his own. Scott. Tales. 



Zur englischen grammatik 7 

47. Mr. Wolfe, in return for a fine bow from Mr. Batts's hat, 

scarcely touched his own with his fore-finger. Thack. Virg. 

48. It was the subject of the sermon. Whether he who takes life 

forfeits his own. Midock. L. f. L. 

49. The lost life repurchased by his own. Id. 

50. I thought whether it was for my sake or her own, that one 

young lady had taken the trouble. Id. 

5 1 . Mary's fortune is her otvn. Troll. Pop. 

52. It would be ridiculous to chose one's sister's husband after the 

pattern of one } s own. Id. 

53. There are few whose Company one can tolerate so well as 

one's own. Id. 
Anm. 2. Es braucht kaum bemerkt zu werden, dass wie das 
possessiv überhaupt, so auch my own fernere attributive bestim- 
mungen hinter sich duldet, sofern dieselben den ausschliess- 
lichen Charakter des possessivs nicht beschränken. 

54. His agitation roused me from the natural shyness I had in 

setting forth my own girlish opinion. Mulock. L. f. L. 

55. My own dear little bed. Id. 

56. How many a man had lived to bless God that his own petty 

will had not been done. Id. 

57. Much safer is that amount of work which a man can do with 

his own two hands and head. Id. 

58. She had clothed it with the charm of her own infantine fancy. 

Bulw. K. Chili. 

59. The tomb must be that of her own romantic invention. Id. 

60. She was giving away almost her own little income. Troll. 

Popinj . 

61. Ay, ever give yourselves your own good word. Tennys. Harold. 
2. Own findet sich in derselben weise mit dem possessiven 

genitiv eines Substantivs oder p r 011 o mens verbunden. 

62. Young Cousin Harry whose own blush would have become 

any young woman. Thack. Virg. 

63. Apparently, it was better than the lady's own. Id. 

64. We cannot do better now than quote DickensV own words. 

Forster. L. of D. 

65. The well worn colours of the 9ist. Highlanders, now the 

»Princess Louise 's Own« were destroyed. III. A 

66. The auction was held at the poor woman' s own house. 

Graphic. 



W. Sattler 

67. Allodium is every man's own land. Cowell. (Johns. Diction.) 

68. The crown land is in the Kings own hands in right of the 

crown Id. 

69. Miss Hester must proceed to make such fun of Harrys own 

immediate pursuits. Thack. Virg. 

70. There were their ladyship's own private drums and assem- 

blies. Id. 

71. When I have a party of my own. Thack. Virg. 

72. He has, perhaps, a care of his otvn. Id. 

73. Lady Mountfencer's nag was fast and had a will of his own. 

7 roll. Popinj. 

74. The good gentleman was determined to help him even against 

Mr. Wolfes own advice. Id. 

75. The money no doubt was Mary's oivn money. Troll. Pop. 



3. Die possessiven pronomina my etc. dulden ebenso wenig 
wie mein, dein u. s. w. weder den artikel noch ein adjek- 
tivisches fürwort vor sich. 

Eine ausnähme bilden davon all, dieser und jener im 
deutschen, all mein geld, dieser, jener mein freund, 

im englischen diejenigen fürwörter, welche wie all, bolh, 
half, double auch vor dem artikel stehen, 

all my money, both my friends, half my fortune, double my in- 
come, seltener 1 ) dagegen auch this und that, welche dann nachdrück- 
licher hervorgehoben werden. 

Grant that these my sons may sit, the one on thy right hand, and 

the other on thy left, in thy Kingdom. St. Mtth. 20, 21. 
Trebonius doth desire you to o'er-read, 

At your best leisure, this his humble suit. Shak. I. C. 3, 1, 5. 
Such is thy name with this my verse entwined. Byron. Ch. H. to 
Janthe 5, 1. 



1) Verhältnissmässig häufiger findet sich diese Verbindung in der älteren 
spräche wie in der p o e s i e. Sonst regelmässig : 

These letters of mine I also may one day burn. Mulock. L. f. L. 
She looked round the table with those bright eyes of hers. Id. 
He has never changed that hat of his for twenty years. Thack. Virg. 
He is restlessly pacing to and fro the room with that quarterdeck march of 
his, that betokens an uneasy mind. Chamo. Journ. 



Zur englischen grammatik q 

The spider was scared by the sight of men in that his dull do- 

main. Dick. D. C. 
I now sometimes feel jealous over even a stränge touch of this 

my hand. Mulock. L. f. L. 
When you reach these my years. Id. 

4. Obiger regel zufolge sagt man also nicht ein 1 ) mein freund 
kein mein freund, a 7ny friend, no my friend, sondern statt dessen 
ein freund von mir, kein freund von mir oder im englischen a 
friend of mine, ein freund von den meinigen, no friend of mine, kein 
freund von den meinigen. 

Anmerkung. Mätzner, Englische grammatik II. 2, 225 
sagt darüber: »Statt der Verbindung des fürworts mit seinem Sub- 
stantiv zieht die jüngere spräche oft die anfügung des unverbundenen 
possessiv mit of vor. So entsteht eine Umschreibung, bei welcher 
ursprünglich zum Possessivpronomen das vorangehende Substantiv in 
der mehrzahl hinzuzudenken war, wodurch die gesammtheit der gegen- 
stände befasst wurde, welcher ein oder mehrere einzelne angehören. 
Die ursprüngliche anschauung ist aber durch den gebrauch so weit 
verdunkelt, dass das mit of angefügte pronomen nicht mehr schlecht- 
hin eine mehrheit andeutet, sondern selbst da eintritt, wo das pos- 
sessiv überhaupt nur einem einzelnen gegenstände zukommt. Das 
in betracht kommende Substantiv ist, wenn es in der einzahl steht, 
gewöhnlich von einem determinativen, namentlich demonstrativen 
worte wie this, that, von dem artikel an, a, einem unbestimmten für- 
worte oder einem zahlworte etc. begleitet. 

Dem possessiv kann own beigegeben sein. You had land enough 
of your own (Shak. Cymb. 1,3.) Laws . . that have no passsion of their 
own (Butl. Ep. ofHud. 131.). Every room above, and every cask . . . 
appeared to have a separate peal of echoes of its own. (Dick. C. C.) 

Gewiss soll bei den verschiedenen Wendungen they are my fricnds, 
und they are friends of mine der ursprünglich bestehende unterschied 
ebenso wenig unter allen umständen zum ausdruck gebracht werden, 
wie bei dem deutschen : es sind meine freunde, und es sind freunde 
von mir. 

5. Da own nie allein steht, sondern nur zur Verstärkung eines 
possessiven pronomens dient (vergl. unter 1.), man also nicht sagen 



1) Richtig , wenn auch nicht erschöpfend (vergl. unter 6.) , heisst <_■> darüber 
bei Baskerville, Praktisches lehrbuch der englischen spräche. II. 

p. 65. 160. Die Wendung a friend of mine findet sich ausser bei <? auch 
noch bei this, that, soi/ic, no, several. 



IO W. Sattler 

kann an own house, sondern nur my own house etc., so tritt es in 
den unter 6. angeführten fällen naturgemäss mit diesem hinter das 
betreffende Substantiv ; 

ein eigenes haus ist also je nach der verschiedenen beziehung 
des eigen a house of my, thy, his, her etc. (nun. 

Ich habe ein eigenes haus, I have a house of my own. 

ich wohne in einem eigenen hause, I live in a house of 
my own. 

Dagegen: ich wohne in meinem eigenen hause, I live in my 
own house. 

es ist mein eigenes haus, it is my own house. 

Ebenso (vergl. unter 3.) ich habe all mein eigenes geld ver- 
loren, I lost all my own money. 

ich habe mein halbes eigenes vermögen verloren, I lost half my 
own fortune. 

meine beiden eigenen hände, both my own hands. 

Doch kommen die Verbindungen mit all, both, half, der natur 
der sache nach, nur selten vor. 

6. Die ausdrucksweise of my own etc. findet sich nicht allein 
in den fällen , wo ohne own , of mine etc. erfordert wird (vergl. 
unter 4.), wo also das zugehörige Substantiv den unbestimmten 
artikela, an zu sich nimmt oder durch irgend ein adjektivisches 
fürwort oder zahl wort, wie one, any, some, afew, many. no (daher 
auch nothing = no thing) , such, this , that u. s. w. bestimmt wird, 
sondern auch, wo das Substantiv im singular oder plural 
ohne artikel allein oder mit irgend einer näheren be- 
stimm ung steht. 

eignes Land, also nicht own land, sondern land of his (her 
etc) own. 

sein eignes land, his own land. 

er hielt einen eignen brougham, he kept a brougham of his 
own. (beisp. 82.) 

es war seine gewohnheit, in seinem eignen brougham dahin 
zu gehen, it was his custom to go thither in his own brougham. 
(beisp. 16.) 

76. I have a boat of my own at the Temple Stairs. Dick. D. C. 

77. I presume to have a will of my own against a will of yours. 

Bulw. K. Chili. 

78. A man whom I could never admit as an acquaintance of my 

own. Auslcn. Emma. 



Zur englischen grammatik 1 1 

79. You forget that I have a husband of my own. Troll. Pr. Min. 

80. Unless Kenelmy had a son of his own. Bulw. K. Chili. 

81. The lad has a spirit of his own. Id. 

82. He kept a brougham of his own. Troll. Pr. Min. 

83. He had an opinion of his own. Id. 

84. He had not settled himself in a house of his own. Id. 

85. The Duke choses to have a way of his own. Id. 

86. He has also had a private income of his own. Id. Popinj. 

87. She might have a house of her own. Allsten. Emma. 

88. She saw her go away attended by her husband to a carriage 

of her own. Id. 

89. You know, Emily has a will of her own. Troll. Pr. Min. 

90. Some of them were, said Emily, making a mental reservation 

of her own. Id. 

91. She had once ventured to preach a sermon of her own. Id. 

92. A married woman should always have a house of her own. 

Id. Pop. 

93. His daughter should have a house of her own. Id. 

94. He had stipulated that his daughter should have a house of 

her own. Id. 

95. She has a will of her own. Mulock. L. f. L. 

96. Melancholy has a happiness of its own. Bulw. K. Chili. 

97. A regulär Brotherton Hunt associated with a collar of its 

own. Id. 
q8. We each live in a distinct world of our own. Mulock L. f. L. 
99. We must have a house of our own. Chamo, fourn. 

100. I guess from your question that you have a little child of 

your own. Bulw. K. Chili. 

101. I am anxious you should have a home oj your own. Troll. 

Am. Sen. 

102. Get an atmosphere and a sun of your (neu. Sherid. Riv. 

103. A fine, firm fellow with a will of your own. Chamo. Journ. 

104. You should have a house of your own. Troll. Popinj. 

105. Each of them had a private income of iheir own. All year. 

106. He unfolds his great projeet of building a yacht, a real yacht 

of their own. Chamb. Journ. 

107. It would be a comfort to me to have him for a friend — one 

of my very own. Mulock. L. f. L. 

108. He had been very unwilling to express any strong opinion 0) 

his own. Troll. Popinj. 



I2 W. Sattler 

109. An attempt to make her embody some thought of her own. 

Bulw. K. Chili. 

110. The Duke has some craze of his own about decimal coinage. 

Troll. Pr. Min. 
in. She was the mistress of some deep policy of her own. Id. 

112. I had nothing of my own. Troll. Popinj. 

113. He had nothing of his own. Td. 

114. He continued to hold his present uncomfortable position by 

no will of his mvn. Id. Pr. Min. 

115. O. (a town) has no character of ils own. Id. Am. Sen. 

116. They had enjoyed no particular income of their man. Id. 

117. Mr. and Mrs. Ch. having no children of their own, offered 

to take the whole charge of the little Frank. Ansten. 
Emma. 

118. The next day Mr. Harry was off on some expedition of his 

own. Thack. Virg. 

119. And then he has such faults of his own. Troll. Pr. Min. 

120. Far as he knew in this poor world of ours. Tennys. Harold. 

121. They seem to nie too narrow, all the faiths of this grown 

world of ours. Id. 

122. She might participate in that feeling of his own. Id. 

123. He occupied a small piece of land of his own. Fielding]. Andr. 

124. That depends on whether a man has got money of his own. 

Troll. Am. Sen. . 

125. The chaplain had reasons of his man. Id. 

126. He had never been liked by the ladies at Manor Cross, as 

having ways of his own which were not their ways. 
Troll. Popinj. 

127. Miss Tallowax, also, had money of her man. Id. Popinj. 

128. A lady who has plenty of money of her own can hold her 

head up anywhere. Id. 

129. As a married woman she had rights of her own. Id. 

130. Attributes which we can never approach in attributes of her 

own. Bulw. K. Chili. 

131. Theo composes, and sings songs of her own. Thack. Virg. 

132. All had tongues of their own. Troll. Pr. Min. 

133. They had stories of their own to teil. Thack. Virg. 

134. Such a character is subject to certain dangers of its own. Id. 

135. Westminster is an Institution which has distinct traditions of 

its own. All year. 



Zur englischen grammatik I -i 

136. Surely Paddy has bulls enough of his own to answer for. 

Chamb. Journ. 

137. I have acres enough in Virginia of my aivn. Thack. Virg. 

138. He had peculiar Privileges of his own. Troll. Pr. Min. 

139. He has peculiar gifts of his own. Id. 

140. When you have half-a-dozen JSnglish children of your own. Id. 

141. I have ten thousand pounds from my father, of my owti. 

Thack. Virg. 

Anmerkung. Aus den vorstehenden beispielen ergibt sich 
zur genüge , dass der gebrauch des of my owti u. s. w. sich in allen 
den fällen findet, wo die natur der weiteren bestimmung den aus- 
schliesslichen charakter des possessivs, d. h. den besitz aufhebt und 
entweder ein partitives verhältniss bedingt oder wenigstens das 
possessive verhältniss dieser weiteren bestimmung gegenüber an be- 
deutung zurücktreten lässt. 

Tritt dieses am schärfsten bei a und negativ bei no hervor, 
so findet es gleichmässig überall da anwendung, wo das Substantiv 
allgemein, ohne artikel oder mit irgend einer beliebigen 
bestimmung steht. Am deutlichsten zeigt sich dies an dem half-a- 
dozen English children of your own (beisp. 140), aber auch sonst 
können ausdrücke wie no (beisp. 117), such (beisp. 119) ohne weiteres 
ausgelassen werden. 



Fassen wir nun die obigen bemerkungen in der kürze zusammen, 
so ergibt sich daraus die eben so leicht fassliche, wie auf alle Ver- 
hältnisse anwendbare regel: 

Own steht im Englischen nie allein wie das deutsche eigen, 
sondern dient nur zur Verstärkung eines possessiven pro- 
n o m e n s oder eines g e n i t i v s. Wie dieses den unbestimmten 
artikel oder irgend ein adjektivisches für wort, mit aus- 
nähme von all, both , half und in der regel auch this und that 
nicht yor sich duldet, so auch die verstärkte form my own, his 
own u. s. w. In diesem falle (also nach a, no, one, any, sotne, much, 
many , a few , oder nach enough. certain u. s. w. U. s. w.) wie auch 
bei ganz fehlendem artikel und pronomen (eignes land, 
eigne bücher) tritt own, analog dem a friend ofmine, friends <;/ 
nunc, no friend of minc u. s. w. mit dem possessiven pronomen 
hinter das zu bestimmende Substantiv: a house of my own. 
houses of my own, no house of my own u. s. u . 



I4 W. Sattler 

Oik>// wird ferner substantivisch gebraucht, my own, mein 
eigen, eigenthum (beisp. 34 — 43), und steht mit beziehung auf ein 
vorhergehendes Substantiv ohne das in diesem falle sonst ge- 



wöhnliche one (beisp. 44 — 53). 



• * . II. 

The first of January. — The first January. 

Die Wahrnehmung, welche wir auf anderen gebieten machen, 
dass das äuge des beobachters eben durch beobachtung sich schärft 
und ihn dinge beobachten lässt, an denen andere arglos vorübergehen, 
wiederholt sich auch in der grammatik. 

Zu einem aus Franklin's Autobiography entnommenen bei- 

spiele 

We arrived in London the 24^- December 1724 
in meinen »Beiträgen zur englischen grammatik' notirte ich in einer 
anmerkung: »gegen die regel findet sich of vor dem monats- 
namen einzeln ausgelassen«. On the 1 $ th - September it 
became evident. Chamb. Joitrn. Seitdem habe ich , aufmerksam 
gemacht durch die wiederholte auslassung des of in Scott' 's 
Tales of a Grandfather den gebrauch specieller ins äuge gefasst und 
zu meiner Überraschung gefunden, dass of durchaus nicht nur ver- 
einzelt ausgelassen wird. 

Was zunächst jene Tales von Scott betrifft , so stellt sich das 
verhältniss sogar so, dass nur an 6 stellen of gebraucht, an j/ 
dagegen dasselbe ausgelassen ist. 

1. It was upon the 23^ of June (13 14) the King heard the news. 

2. 3. Lennox reeeived Information on the 28'*- of March, that the 

\2 th - of April was appointed for the day of his trial. 

4. On the i2 /A - of May, the Queen made a public declaration. 

5. This was upon the 15'*- of June 1567. 

6. James arrived in London on the 7'*- of May 1603. 

Dagegen : 

1. They met ön the g tA - June 1291. 

2. This fatal battle was fought upon 22^ July 1298. 

3. He was crowned on 29 March 1306. 

4. On the i8' /,! - May he was exeommunicated by the Pope. 

5. At length he died on the 6 f/l - July 1307. 

6. The next morning, being the 2ä t tk - June, the battle began. 



Zur englischen grammatik I e 

7. This battle was fought-at Neville's Cross, near Durham, on 

tjtA. October, 1346. 

8. David the Second died 22^ February 1370 — 1. 

9. Robert II died io/ Ä - April, 1390. 

10. A great many English knights and nobles were slain at this en- 

counter, 22^- March 142 1. 

11. Upon the fj tA - August, 1424, Douglas received a message. 

12. It was on the io tt - May, 1489, that Lord David Lindsay wa> 

called upon before the Parliament. 

13. He entered England near the castle of Twisell , on the 

22^ August 15 13. 

14. This great victory was gained by the Earl of Surrey on 

g i/l - September 1 5 1 3 . 

15. She was bom 7**- December 1542. 

16. The Queen Regent began the quarrel by commanding the 

Protestant preachers to be summoned to a court of justice 
at Stirling, upon xo ih - May, 1559. 

17. Mary set sail from France 15^ August, 1561. 

18. This battle was fought 28^- October, 1562. 

19. On the 9 /Ä - March 1566, six persons had partaken of supper. 

20. On the 19^ June 1566, Mary was delivered of a son. 

2T» On the coming of the g tA - February, several persons came in 
secret to the Kirk of Field. 

22. On the next morning, being i6' ; '- June, 1567, Mary was escorted 

to the Castle of Lochleben. 

23. On 13'*- May 1568, Murray occupied the village of Langside. 

24. He died 2 9 i ' /! - October 1572. 

25. From the time of the surrender of Edinburgh Castle, 29^- May 

1573, the Regent Morton was in complete possession. 

26. On the i th - July 1575, Carmichael met Sir John Forster. 

27. Morton, on the \2 th - March 1578, resigned bis office of Regent. 

28. On the 23*- August, 1582, the Earl of Gowrie invited the king 

to his castle. 

29. On the 14'*- October, 1586, these commissioners held their court. 

30. On the S th - February, 1587, the Queen was brought down to 

the great Hall. 

31. Upon one occasion, which occurred 27'*- December, disputes 

came to such a height. 
Unsere grammatikcn, soweit ich solche zu rathe gezogen, 
schweigen über diesen punkt Während es bei Mätzner, Englische 



i6 



\Y Sattler 



grammatik. II. 2, p. 169 heisst: »Die eigentlich elliptische bezeichnung 
der monatstage geht erst später aus der vollständigen hervor. Alte. 
The verste day of Octobre this conseil bigan (R. of Gl. II. 504). 
A Sein Suithine's eue, of Jim the verste day (IL 526). The xij day 
of December ys the shortest day of the yere (Wright and Halliw., 
Rel. Ant. I. 318). The vj. day of October, the son arysetb (I. 319); 
so findet sich unmittelbar vorher unter den beispielen zu ßß) < Nach- 
namen deuten die Ordnungszahlen namentlich in ihrer konventionellen 
bezeichnung der monatstage u. dgl. an.« J. W. Goethe was born 
on the 28^- August (Lewes, G. I. 15) ohne weitere bemerkung neben : 
On the 17* of August '(Carl. Fr. Revol. I, 7, 1). 

Nur bei Plate, Lehrbuch der englischen spräche, Dresden 1878, 
findet sich s. 40. 3 der regel: »Die Ordnungszahlen dienen auch zur 
angäbe des datums, werden dann aber substantivisch auf- 
gefasst und darum mit of verbunden« die anmerkung hinzugefügt: 
»In geschäftlichen briefen lässt man of häufig aus und 
schreibt z. b. i st June oder June i st -, 2 d - May oder May 2 d - etc.« 

Dass aber der ausdruck »geschäftliche briefe« zum wenig- 
sten ungenau ist, ergibt sich schon zur genüge aus den oben aus 
Scott angeführten beispielen. 

Als vorherrschend darf wol der gebrauch bezeichnet werden, 
das datum nachzustellen. Wenigstens geschieht es regelmässig 
in den tagebüchern wie briefen von Arnold (The Life and Corre- 
spondence of Thomas Arnold, by Arthur Stanley), Macaul ay (The 
Life and Letters of Lord Macaulay, by G. O. Trevelyan) , nicht 
ganz so regelmässig von Palmerston (The Life of Viscount 
Palmerston, by the late Right Hon. Sir Henry Lytton Bulwer). Hier 
finden wir : 

London, 5. June, 1844. 

i4 M - October. We had a very agreeable dinner, 
und einmal in beständiger folge i6' Ä - April 1847. — l° th ' A P ri1 l8 47- — 
6 th - May 1847. — 26^- May 1847. — 13*- June 1847. — 6*- July 1847. 
Andrerseits giebt Kinglake (Invasion of the Crimea) seine 
citate fast ausschliesslich in dieser form. 

Despatch to the Secretary of War 3^ Nov. 1854. 

English Army (Morning State of 3* Nov. 1854). 

Lord Raglan to Duke of Newcastle, 28'*- Oct. 1854. 

After mentioning in his private letter of 28'*- Oct. 1854. 

Lord Raglan to Duke of Newcastle, private letter, % th - Nov. 1854. 

See Lord Raglan's letter of the 3^ Nov. 



Zur englischen grammatik j - 

Private letter to Duke of Newcastle, $ d - Nov. 1854. 
Despatch deciphered 19/j/. Oct., in the evening. 
Bosquet's report, i th - Nov. 1854 u. s. w. 

Ich habe ferner daraufhin die Elegant Epistles (London 1822) 
durchgesehen, eine Sammlung, die mehr als tausend briefe von Sidney 
und Bacon bis auf Franklin und Gibbon in chronologischer reihen- 
folge enthält. Sehen wir von den beiden ersten abtheilungen ab, 
welche Übersetzungen von briefen des Cicero und Plinius enthalten, 
so ergiebt sich, dass das datum 

in der 3. abtheilung mit 49 briefen 19 mal mit of, 10 mal ohne 

of voran-, 8 mal nachsteht, 1 ) 
in der 4. abtheilung mit 96 briefen 3 mal mit of, 51 mal ohne 

of voran-, 33 mal nachsteht, 
in der 5. abtheilung mit 182 briefen stets nachsteht, 
in der 6. abtheilung mit 16 briefen stets nachsteht, 
in der 7. abtheilung mit 101 briefen 1 mal mit of, 1 mal ohne 

o/voran-, sonst stets nachsteht, 
in der 8. abtheilung mit 37 briefen stets nachsteht, 
in der 9. abtheilung mit 223 briefen stets nachsteht, 
in der 10. abtheilung mit 146 briefen 1 mal mit of, 17 mal ohne 

of voran-, sonst stets nachsteht, 
in der n. abtheilung mit 78 briefen stets nachsteht. 

In den älteren briefen findet sich auch this fourth of Februar} , 
1576 (Sir Henry Sidney. Lett. 3, 10), wie es ausführlicher this fourth 
day of February heutzutage noch in proclamationen , Verordnungen, 
testamenten und sonstigen documenten gebräuchlich ist. Von den 
17 fällen in der 10. abtheilung, wo of ausgelassen ist, kommen 
13 auf die briefe des Dr. Beattie (1763 ff.), der regelmässig so datirt, 
aber auch im texte schreibt : 

Who makes the offer conveyed to me in your friendly letter of 
the 24' 7 <- July. (Lett. 16.) 
Ausgelassen findet sich of aber ebenso in den anmerkungen 
des herausgebers. 

Sir Sam. Barnardiston, 14'*- February, 1683 — 4, was fined 10,000 L. 
Frederic de Schomberg was killed at the battle of the Boyne, 

i st July, 1690. 
His son Charles was mortally wounded at the battle of Marsiglia. 
24 /A - September, 1693. 

■ I >:i nicht alle briefe datirt sind, stimmt die summe nicht mit der iah 
der briefe. 

K ilb'ing, Englische Studien. II. i. - 



ig \\ . Sattler, Zur englischen grammatik 

He was created I). I). by the University of Oxford on the 2d th - 

February, 1689 — 90. 
Rd. Kidder was killed zi 1 ' 1 - Novemb., 1703. 

Sonstige beispiele bieten besonders zahlreich die Zeitungen und 
Zeitschriften, und in einzelnen fällen, wie bei der im Graphic er- 
scheinenden Übersetzung von Victor Hugo's Histoire d'un Crime, 
lässt sich dies vvol geradezu auf eine nachlässigkeit des Übersetzers 
zurückführen. 

The Carnival of 1876 is one of the longest on record, ending on 

the ztf h ' February. All Year. 
On the i2 <Ä - June, 1791, he spent a happy day in his own peculiar 

fashion. Id. 
On the i st - April, 1792, he says. Id. 

William Windham born in Golden-square, on the 3^ May, 1750. Id. 
There is a significant domestic scene under date of the $" 1 - July, 

1664. Athenäen m . 
On the 7 th - September, the quiet encampment was plunged into 

confusion. Chamo. Joum. 
Those who lived to return on the \V l - May 1805, were bene- 

volently reinstated in their rightful possessions. Id. 
There, to him was born a daughter, Louisa, 2o // - March 1776; 

and a son, Charles, 31/'- January 17 81. IV. Chambers. 
It was begun on the \$ th - December, and was finished on the 

ttk. May, 1852. Graphic, passim. 
We assembled in Hutton Lane, on the 2 d - September last. Id. 
Mr. Stanley left Nyangwe on the $ tk - November last year. Id. 
The baths are opened from i si - March to the end of October. Id. 
On 14^- February Lord John Russell brought forward his amend- 

ment. Buhe. Life of Palmerston. 
On the 2$ t/l - February Mr. Christopher proposed another sliding 

scale. Id. 
Your honoured letter of 2o M - June has been forwarded to me duly. 

Thack. Virg. 
My dear Lord (wrote Mr. Warrington on Saturday morning, the 

25'^ August, 1756.) Id. 
I take up my pen to acknowledge your honored favor of the 

i6<*- July. Id. 

Bremen. 

W. Sattler. 



F. H. Stratmann, Zum altenglischen wörterbuche iq 



ZUM ALTENGLISCHEN WÖRTERBUCHE. 



Sptwen, speowen. 

In meinem altengl. wörterbuche habe ich , nach dem vor- 
gange der angelsächsischen lexikographen, speopen als derivativum von 
spipen angesetzt. Nach wiederholter betrachtung sehe ich mich jetzt 
aber veranlasst, es für identisch mit spipen zu halten. Da im wörter- 
buche kein räum ist, meine gründe darzulegen, so erlaube ich mir, es 
hier zu thun. 

Die von altengl. spipen, speopen bis jetzt aufgefundenen 
formen sind: infin. speopen, spewen; präs. speoped, speped; imperat. 
spi; partic. ispewed, ispüwed. Stellen wir diesen formen diejenigen 
von snipen, sneopen : präs. sniwep, sniup, snewep ; partic. sneuwinge ; 
präterit. sneu, snewede; partic. (bi)sniwe, (bi)snewed gegenüber, so 
fällt die gleichheit derselben sofort in die äugen; durch vergleichung 
des altholl. sneeuwen, speeuwen, altisl. snyja 1 ), spyja, neuengl. snew, 
spew wird sie unverkennbar. 

Die meinung, dass i vor p nicht durch eo vertreten werden 
könne 2 ), bewog Ettmüller und Grein speopian, prät. speopde mit 
kurzem eo anzusetzen, snipde dagegen i zu lassen ; diese meinung 
Hess sie sogar die abwesenheit des konjugationsvokals in speopde 
übersehen 3 ). Leo bildet aus snipde, speopde die infinit, »snivan, 
spivan (speovan)« ; ebenso wol hätte er auch für das mittelhochd. 
schwache präteritum sniwen, spiwen aufstellen können. 

Der wahre Sachverhalt ist demnach folgender: neben dem alten 
spipan entstand schon im angls. eine form speopan (gleichsam ahd. 
spiuwan), die sich im altengl. weiter verbreitete und im neuengl. allein 
behauptet hat. 



i) Dieser infinitiv ist wol anzunehmen, obgleich nur das präs. snyr nach- 
zuweisen ist. — 2) »v wirkt umlautend auf kurzes i, aber nicht auf langes; hyv. 
heov color für hiv, aber htv familia.« Holtzmann, Gram. I. 198. heop, hi 
heopen = hip , hipe, hipen sind nun im altenglischen wörterbuche genügend be- 
legt. — 3) Der conjugationsvokal fällt bekanntlich nur nach langem Stamm- 
vokal aus. 



F. Liebrecht 



B 1 o u t. 



Das nur einmal erscheinende altengl. blout , sowie das altisl. 
blaut r (mollis), habe ich, mich strenge an den buchstaben haltend, 
im wörterbuche zu bleat, blc-t (nudus, miser) gesetzt; bin aber jetzt 
überzeugt, dass altisl. blautr, wenn ich auch den lautwechsel noch 
nicht genügend erklären kann, nichts anderes als blaudr ist und 
altengl. blout folglich zu blead, blöd gehört. 

Im neuengl. hat dieses wort keine spur zurückgelassen, es sei 
denn das bei Shakespeare, Hamlet ed. Stratm. III, 4, 188, vor- 
kommende blowt, wofür die neueren herausgeber bloat setzen. 



Das suffix ild 

dient im altenglischen dazu, personennamen von verben zu bilden. 
Ohne eine erklärung desselben zu versuchen theile ich die mir vor- 
gekommenen beispiele hier mit , um die aufmerksamkeit der mit- 
forscher darauf zu lenken. Eine entstellung von -inde, -ende kann es 
nicht wol sein, da dieses suffix in denselben quellen vorkommt. 

Beggild (v. 1. beggere) 1 ), von beggen, cheapild, fostrild, grucchild, 
madelild (v. 1. madelere), mötild, forschuppild, sunegild. 

Krefeld. 

F. H. St rat mann. 



EIN ALTENGLISCHER SCHWANK. 



Ueber Gualterus Mapes, den Verfasser der Nugae Curialium, 
finden sich nähere angaben in der vorrede zu der von Thomas Wright 
besorgten ausgäbe (London, 1850. Camden Society); s. auch G. 



1) Die stellen , wo die Wörter vorkommen , sind aus dem wörterbuche zu 
ersehen. 



Ein altenglischer schwank 2 I 

Phillips', Vermischte Schriften. Wien, 1860. III. 114 Walter Map«. 
Mapes war in einer der an Wales stossenden grenzgrafschaften ge- 
boren und wurde im jähre 1196 zum archidiaconus von Oxford er- 
nannt ; später verlieren wir ihn ganz aus den äugen. Das material 
zu seinem buche begann er, wie es scheint, etwa um das Jahr 1180 
zu sammeln und mag es bis n 93 vervollständigt haben. Es ist in 
fünf bücher, Distinctiones, getheilt und enthält ein wunderliches 
gemisch der verschiedenartigsten gegenstände. Eine gedrängte Über- 
sicht des inhalts der meisten in dieser Sammlung enthaltenen sagen 
und erzählungen habe ich in Pfeiffer's Germania V, 47 ff. gegeben 
und zwar nur derer, die mir veranlassung zu vergleichungen und 
anderen bemerkungen darboten. Seitdem aber habe ich die dort 
übergangenen kapitel noch einmal genauer durchgesehen und bei 
dieser gelegenheit eine schwankartige erzählung gefunden, die einzige 
dieser art, da Mapes sonst nur ernsthafte Stoffe behandelt, und die 
ich früher eben deshalb unerwähnt gelassen, weil mir parallelen zu 
derselben ganz unbekannt waren , während ich jetzt einen directen 
abkömmling oder seitenverwandten derselben nachzuweisen vermag, 
aber nur einen einzigen und zwar merkwürdigerweise nur aus sehr 
später zeit. Zuvörderst jedoch, ehe ich näher hierauf eingehe, lasse 
ich der verhältnissmässigen Seltenheit des buches wegen eine genauere 
inhaltsangabe der erzählung des Mapes folgen. Sie ist überschrieben 
De Sceva et Ollone mercatoribus (Dist. IV, cap. 16). 

Sceva und Ollo, beide aus dem volke und gleich an alter, aber 
verschieden an charakter, haben sich »nostris temporibus« nach und 
nach in gemeinschaftlichem handel ein grosses vermögen erworben, 
in folge wovon sie bei wachsender geldliebe sich von einander trennen 
und Sceva sich in Ravenna niederlässt , Ollo aber in Pavia , wo er 
sich mit einer schönen frau verheirathet. In der ersten zeit gehen 
zahlreiche briefe zwischen ihnen hin und her; mit der zeit indess 
hört dies ganz auf, sodass Sceva sich mit einer zahlreichen diener- 
schaft aufmacht, um Ollo in Pavia zu besuchen. Unterwegs jedoch 
begegnet er letzterem, der sich mit waaren auf eine ferne messe be- 
gibt. Nach gegenseitiger begrüssung befragt Ollo seinen freund Dach 
dem zweck seiner reise, und da er denselben vernimmt, entschuldigt 
er sich mit seinen eigenen geschäften dafür, dass er Dicht mit ihm 
nach Pavia zurückkehre und ihm auch aus vielen gründen keine 
herberge in seinem hause anbieten könne, eigentlich aber, wie später 
erhellt, aus blosser knickerei. lieber dieses benehmen Ollo's höchst 
ungehalten, setzt Sceva gleichwol seinen weg nach Pavia fori, und da 



22 F. Liebrecht 

er auf demselben dem viehhirten Ollo's begegnet und von ihm alle 
Verhältnisse und heimlichkeiten dieses Letzten) erfährt , so benutzt er 
diese kenntniss nach seiner ankunft in Pavia bei der fratt Ollo's auf 
geschickte weise und verschafft sich aufnähme in ihr haus. Dort ver- 
anstaltet er eine reihe prachtvoller feste, wozu er alle weit einlädt, 
»ut tarn uxor Ollonis quam omnes alii sempiternam optent Ollonis 
absentiam et praesentiam Scevae«, und von denen auch Ollo endlich 
durch das sich überallhin verbreitende gerüeht hört, ohne jedoch 
vor Sceva's abreise heimkehren zu wollen. Inzwischen gelingt es 
letzterm Ollo's frau zu verführen, und damit noch nicht zufrieden 
sagt er zu ihr: »Carissima mi electa et super animam meam dileeta, 
potes si placeret menti placare mentem sollicitissimam meam et 
totam tuis inflammatam amoribus, ut secure simul omnimodis caetero 
convivamus, scilicet ut redeuntem non admittas Ollonem, sed quasi 
cum admiratione omnium eum diffitearis et devoveas et abneges te 
nosse hominem. Hoc a vicinis omnibus et notis evincam fieri, vice- 
comitem et omnes ministros ejus in hanc inducam sententiam, dum- 
modo mihi faveas, et quieunque conati fuerint fidem facere judieibus 
aut alicui potestati quod ipse [tuus] fuerit aut maritus tuus aut di- 
vitiarum possessor istarum, nie statim audito quiescent, et si oporteat 
jurabunt in contrarium ut sibi ipse de se discredat et fascinata mente 
alias extra se putet Ollonem.« Die frau lässt sich trotz aller zweifei 
an dem erfolg des planes doch endlich überreden, und Ollo macht 
sich an die ausführung desselben. Er säet überall geschenke und 
Versprechungen und erreicht auf diese weise bei allen freunden sowol 
wie beim landeshaupt und den gerichtsbeisitzern seine absieht ; >: non 
enim sunt firmae cum perversis moribus amicitiae.« Es scheint allen 
ein ganz vortrefflicher s^pass , wobei es ihnen überdies auch ganz 
vortheilhaft dünkt »einen unfruchtbaren feigenbaum umzuhauen und 
eine fruchtbare Olive an dessen stelle zu pflanzen«, während inzwischen 
Sceva auch alle hausgenossen unterrichtet, wie sie dem heimkehrenden 
Ollo auf seine reden antworten sollen. Dieser indess verzögert seine 
rückkehr und wartet immer auf die abreise Sceva's, um sich dann 
ungehindert an seiner frau w r egen ihres benehmens rächen zu können 
und andererseits um nicht die Verschwendung seiner habe mit eigenen 
äugen ansehen zu müssen ; »minus enim laedunt avaros invisa suarum 
rerum detrimenta quam visa.« Endlich jedoch dauert ihm die sache 
zu lange, und er macht sich auf den weg nach hause. Daselbst an- 
gelangt, geräth er in eine ungeheure wuth, da ihm auf sein pochen 
nicht gleich geöffnet wird, lärmt und tobt und ruft seinen thürwart 



Ein altenglischer schwank 2 t. 

Nicolaus mit lauter, drohender stimme. Dieser naht endlich , öffnet 
jedoch nicht, sondern beginnt hinter der geschlossenen thür und mit 
gleichem zorn eine Unterhaltung, die ich um des folgenden willen 
und ihrer dramatischen form wegen wörtlich wiedergebe. — »Wer 
bist denn du«, sagt Nicolaus, »und warum machst du denn einen so 
grossen spektakel? welcher teufel reitet dich denn? was plagst du 
uns mit deiner tollheit und störst den schlaf des hausherrn? bist du 
etwa mondsüchtig oder verrückt? wenn du deinen verstand verloren 
hast, so werden wir ihn dir bald wieder eintrichtern, und wenn du 
nicht bald aufhörst, wird dich mein knüttel bald zum aufhören 
bringen.« Hierauf erwidert Ollo: »Lieber Nicolaus, ich bin es ja!« — 
Nicolaus: »Ich weiss ganz wol, dass du du bist, aber du selbst 
weisst das ja nicht.« — Ollo: »Weisst du denn nicht, dass du mein 
knecht bist? Mach mir gleich meine thür auf!« — Nicolaus: »Deine? 
Da sieht man auf der stelle, dass du nicht bei sinnen bist. Entweder 
hältst du gleich dein maul, oder ich mache dich mit diesem knüppel 
für alle zeiten still.« — Ollo: »Du nichtswürdiger schelm , bin ich 
nicht etwa Ollo, dein herr, der dich zum thürwart dieses hauses 
(curtis) gemacht hat?« — Nicolaus: »Du, du niederträchtiger hallunke? 
Ollo, mein herr , ist hier drinnen und liegt bei seiner frau in ihrem 
bette.« — Ollo: »Mit was für einer frau sagst du da, du spitz- 
bube?« — Nicolaus: »Selbst ein spitzbube! Bei wem anders soll er 
schlafen als bei seiner schönen frau Biblis, meiner herrin?« Da Ollo 
den namen Biblis hört, so fällt er bewusstlos vom pferde, und nach- 
dem er wieder zu sich gekommen, spricht er: »Komm doch 
heraus, Nicolaus , und sieh mich genauer an ; du wirst dann wieder 
zu verstand kommen und sehen, dass ich dein herr und der mann 
der Biblis bin.« Da erwidert Nicolaus mit lautem lachen: »Ich sehe 
dich deutlich genug durchs Schlüsselloch, und du bist vielleicht Ollo, 
aber nicht jeder Ollo ist der mann der Biblis.« — Ollo: »Ich bin der 
Ollo , der sie in deiner gegenwart von ihrem vater Mela und ihrer 
mutter Bella zur frau bekommen hat.« — Nicolaus: »Noch niemals 
habe ich einen besoffenen oder verrückten menschen gesehen, der 
ein so gutes gedächtniss gehabt hätte wie du; denn magst du auch 
die namen wie auch immer erfahren haben, du hast sie jedenfalls gut 
behalten, Mela, Bella, Nicolaus; hast du vielleicht auch unsere magd 
Christine nennen hören?« — Ollo: Ich brauchte sie nicht nennen 
zu hören, denn ich habe sie und dich und euch alle gross gezogen 
und dieses haus gebaut, und alles was darin ist. gehört mir. — 
Nicolaus: »Christine, Christine, heda, Christine ! komm doch nur 



2 4 



F. Lieljrecht 



einmal her und schau den verrückten kerl hier an , der alles weis-,, 
alle weit gross gezogen hat und dem alles gehört! Das ist eine pos- 
sirliche tollheit, die ihn fast schon zum könig macht. <iuck' mal 
her! ist das nicht derselbe patron , der neulich wegen todtschlag.-. 
baumeln sollte, aber unterwegs in eine kirche entwischte und nun 
sich unsern herrn nennt? scheint's dir nicht so? — Christine: /Ich 
wollte dir eben sagen, dass es der nämliche mann ist; doch muss 
man ihn gewähren lassen, mag er sagen was er will, da er ja doch 
seinen verstand verloren hat. Als er dies hört, sagt Ollo vor sich 
hin : »Wie frech und unverschämt ist doch dieses dienerpack ! Sceva 
hat sie alle bestochen, und nun verleugnen sie mich. Sobald er aber 
mein hab und gut durchgebracht haben und davongegangen sein 
wird, da werden sie mir zu füssen fallen und mich um Verzeihung 
anflehen, gleich als hätten sie ohne wissen sich vergangen. Doch 
hol mich der teufel , zeige ich ihnen nicht , dass ich haare auf den 
zahnen habe.« (Pereat Ollo, si non eis ostenderit pilosum dentem.) — 
Nicolaus: »Brumm' nur immer zu, du tollhäusler ! mach, dass du weg 
kommst, wenn du nicht braun und blau geschlagen werden willst.' — 
Christine: »Hör' einmal, du da, der du dich für unsern herrn aus- 
gibst ; du sagst , wir seien verrückt , und wir sagen , du seiest nicht 
recht gescheidt. Ruf doch die nachbarn herbei, und wenn sie dir 
dasselbe sagen, wie wir, so glaube nur immer, dass du deine fünf 
sinne nicht beisammen hast.« — Ollo ruft hierauf die nachbarn zu- 
sammen und theilt ihnen mit wie es ihm geht; sie aber behaupten, 
sie kennten ihn durchaus nicht und hätten ihn nie gesehen; sie 
lachen ihn aus, wollen ihn binden und jagen ihn endlich mit stein- 
würfen fort. Auf ähnliche weise wird er von den gerichten abge- 
wiesen, sodass er, überall das nämliche hörend, am ende an sich 
selbst irre wird und die seinigen fragt, wer er denn eigentlich sei 
und wie es sich mit der sache verhalte ; denn ganz anders als früher 
glaubt er jetzt andern mehr als sich selbst. Jene jedoch, von Sceva 
ebenso bestochen wie die übrigen , sprechen ganz so, wie es ihnen 
vorgeschrieben worden , und einer von ihnen , namens Baratus , sagt 
zu ihm: »Wir wissen ganz gut, wie es mit der sache steht; du zeigst 
dich aber so barsch und borstig gegen uns , dass wir aus furcht vor 
dir die Wahrheit verhehlen. Dein haus und deine frau Biblis, die du 
hier suchst, sind beide in Ravenna; wenn du es wünschest, so wollen 
wir dich hinbegleiten, damit du dort findest, was du hier gesehen 
zu haben glaubst. « Gesagt, gethan ; sie verlassen Pavia ; aber schon 
in der ersten nacht von den seinigen im stich gelassen, wird Ollo 



Ein altenglischer schwank 2 S 

fast wahnsinnig über den verlust aller seiner habe, und es bleibt ihm 
nur noch übrig sich an seinen hirten zu wenden und die schafheerden 
sowie andere bewegliche guter, so viel er deren habhaft werden kann, 
mit sich fortzuführen. Allein auch dies gelingt ihm nicht; denn 
Sceva, der durch das gerücht davon hört, eilt ihm nach und bringt 
ihn als dieb gebunden nach Pavia zurück, sodass Ollo aus furcht vor 
den gerichten und der drohenden Verhöhnung alle ansprüche eidlich 
aufgibt. 

Hiermit schliesst die erzählung des Mapes, deren quelle zu ent- 
decken mir bisher nicht gelungen ist, obwol ähnliche schwanke, wo 
jemand durch andere dazu gebracht wird an seiner eigenen Identität 
zu zweifeln, sich mehrfach finden; so in dem von dem -dicken 
tischler« (Kellers Italien. Novellenschatz. Leipzig, 1851. I, 301 ff.; 
Dunlop-Liebrecht , S. 214a 1 ), in dem des Grazzini (v. d. Hagen, 
Gesammtab. Bd. II, S. LH) u. a. Es könnte vielleicht scheinen, als 
ob jene quelle eine italienische war, indem fast alle darin vorkommen- 
den namen einen italienischen klang haben, wie Sceva, Ollo, Mela, Bella, 
besonders aber der des am schluss auftretenden lügnerischen B a r a t u s , 
der an barattiere (= truffatore) erinnert. Doch lässt sich kaum an- 
nehmen , dass Mapes direkt eine _ italienische novelle benutzt habe, 
und eher liesse sich an ein fabliau oder auch an einen im volke um- 
laufenden schwank denken. Wie dem aber auch sei, in früherer zeit 
ist, so viel ich weiss , der vorliegende Stoff nicht behandelt worden, 
obwol dies unzweifelhaft der fall gewesen sein muss , da eine bear- 
beitung desselben plötzlich in der ersten hälfte des 16. jahrh. auf- 
taucht und zwar in Dänemark. Es findet sich nämlich eine unleug- 
bare Übereinstimmung zwischen der vorliegenden erzählung des Mapes 
und einem lustspiel Justesen Ranch's (geb. 1476, gest. 1577), welches 
betitelt ist Harrig Niding« (Geizteufel), zuletzt herausgegeben in 
Hieronymus Justesen Ranch's Danske SkuespilogFug- 
levise. Udgivne ved S. Birket Smith. Kjöbenhaven, 1876. 
Der Vorwurf ist folgender. Ein sehr grosser knicker, namens Niding, 
dessen steter verdruss es ist, dass in seinem hause zuviel gegessen 
wird, beschliesst, um zu sparen und sich zugleich den klagen seiner 
hausgenossen zu entziehen, sieh auf einige zeit fortzubegeben und die 



1) Bessere daselbst: Es i-i bereits erwähnt worden 's. 211b), dass zu der 
zahl von hundert ursprünglichen novellen spätei noch vier hinzugefügt wurden. 
Eine von diesen (die dritte) ist die oft nachgeahmte geschiente von dem 'dicken 
Tischler' (Grasso Legnajuolo) , wo dieser dazu gebracht wird, an -einer eigenen 

Identität zu zweifeln u. s. w , 



20 F. Liebrecht, Ein alten^l ank 

Schlüssel zu allen Speisebehältnissen mitzunehmen. In seiner abwesen- 
heit und während weih, kinder und dienstboten in gefahr sind zu 
verhungern, kommt ein bettler, namens Jep Skald, ans haus (gaard» 
und bittet um almosen. Da er aber hört, wie die Sachen stehen, 
tritt er selbst als wohlthäter auf, indem er den inhalt seines bettel- 
sacks unter die hausbewohncr austheilt, und gewinnt dadurch die 
herzen aller in so hohem grade, dass Niding's frau ihm die rechte 
ihres mannes einräumt und sie sowol wie das dienstvolk beschliessen 
es so zu machen , dass Jep in zukunft den wirklichen hausherrn er- 
setzen soll. Man stellt sich in folge dessen bei Niding's heimkehr so 
an, als kenne man ihn nicht und als ob er fehl gegangen sei, auch 
das haus nebst allem was es enthält, nicht ihm, sondern Jep Skald 
gehöre. Der plan gelingt auch wirklich mit beistimmung und hülfe 
von Niding's gutem freunde und nachbarn Eubulus und nachdem 
jener sich mit seinen knechten Knep und Tocki und seiner magd 
Beengiaer, die ihn nicht erkennen wollen, erst längere zeit an der 
thür herumgezankt. Endlich gibt er nach, glaubt was man ihm sagt, 
und zieht weiter, um sein haus und seine frau anderwärts zu suchen. 
An der Identität des Stoffes von Mapes' erzählung und dem lust- 
spiel Justesen's lässt sich trotz einiger Verschiedenheiten nicht zweifeln 
wenn sich auch die sie verbindenden mittelglieder nicht nachweisen 
lassen, nämlich solche, welche alle gemeinschaftlichen züge jener 
enthalten; denn andere, welchen namentlich aber die abweisung des 
heimkehrenden geizigen hausherrn fehlt, finden sich wol, und schon 
in Pfeiffers German. I, 262 (wo Ranch statt Rauch zu lesen ist) 
habe ich auf die Verwandtschaft von Justesen's lustspiel mit v. d. 
Hagen's Gesammtab. nr. 36 'Das warme Almosen', so wie mit einer 
reihe deutscher Volkslieder hingewiesen, von denen wenigstens eins 
(Uhland nr. 285 'Bettler') Justesen bekannt gewesen sein muss, da 
er eine bearbeitung desselben in sein stück eingelegt hat ; dass jedoch 
die in dem Hede fehlenden züge des letzteren nicht von ihm her- 
rühren, erhellt deutlich aus Mapes' erzählung, wodurch sich das von 
Birket Smith a. a. o. s. LXXXI bemerkte berichtigt. Welches die 
nächste quelle des dänischen dichters war und in welchem verhältniss 
diese zu der erzählung des Mapes stand, ist mir, wie bereits be- 
merkt, nicht bekannt, und nur emen, vielleicht freilich ganz zu- 
fälligen und unwesentlichen umstand will ich erwähnen, dass nämlich 
das haus Ollo's sowol d o m u s wie c u r t i s genannt wird und dies 
dem hu us und gaard des dänischen lustspiels entspricht, so wie 
andererseits der oben hervorgehobene mir nur als deutsch bekannte 



H. Varnhagen, Dan Michel's Ayenbite of Inwyt 2 7 

ausdruck 'zeigen , dass man haare auf den zahnen habe' (ostendere 
pilosum dentem) bemerkenswerth erscheint. 

Ich habe bereits auch darauf hingewiesen, dass Mapes den Stoff 
seiner erzählung vielleicht dem volksmunde entnommen ; dass der- 
selbe früherhin, wenn auch nur theilweise, eine dramatische Gestalt 
gehabt, wäre wol möglich, und in diesem falle ist es eigen, dass er 
schliesslich auch in Dänemark diese form angenommen. 

Es bleibt mir nur noch anzuführen, dass Kausler, Denkmäler alt- 
niederländischer spräche und litteratur (III, 523), in seinen nach- 
weisen über das gedieht 'Van eenen verwaenden coninc', zu welchem 
legendenkreise z. b. auch v. d. Hagen Gesammtab. nr. 71 'Der 
nackte König' gehört, folgendes bemerkt: »Eine nichts weniger als 
legendenmässige , vielmehr zu einer art grober posse umgewandelte 
behandlung des vorliegenden Stoffes scheint mir die bei Gualterus 
Mapes De Nug. Cur. Dist. IV. c. 16 mitgetheilte erzählung.« Ob 
dies richtig ist, lasse ich unentschieden. 

Lüttich. 

Felix Lieb recht. 



BEITRÄGE ZUR ERKLÄRUNG UND TEXTKRITIK VON 

DAN MICHEL'S AYENBITE OF INWYT. 



III. 

Nachdem ich in theil I und II dieser beitrage (in Engl. Stud. 
bd. I p. 379 ff.) hauptsächlich zu den ersten drei abschnitten des 
englischen werkes, d. h. den 10 geboten, dem Credo und den 7 tod- 
sünden erläuterungen und textkritische bemerkungen gegeben habe. 
soll auch noch dieser dritte theil jenen abschnitten gewidmet sein. 
In den beiden ersten theilen habe ich nur an ganz vereinzelten stellen, 
wo es die sache gerade mit sich brachte, auf versehen in der ausgi 
von Morris aufmerksam gemacht. Eine vollständige collation zu 



28 "• Varnhagen 

jenen abschnitten zu liefern — eine allerdings ebenso undankbare als 
ermüdende, aber nothwendige aufgäbe — ist dieser dritte theil be- 
stimmt. Da das prin/.ip der Morris'schen ausgäbe, wie der ausgaben 
der Early Knglish Text Society überhaupt, eine diplomatisch genaue 
wiedergäbe der hs. ist, so werde auch ich bei meiner kollation mit 
gleicher genauigkeit zu verfahren haben, d. h. ich werde im folgenden 
jede, auch die geringste und unbedeutendste abweichung von der hs., 
bis zur Interpunktion herab zu notiren haben. Ich citire nach seiten- 
und Zeilenzahl von Morris' ausgäbe. 

i, z. 15 makying. z. 20 leaue. z. 23 leaue. 3, z. n hd. hat 
unrichtig zweimal bene. z. 25 fehlt die zahl 37. b. 6, z. 7 sseppere. 
z. 18 op (sie), z. 21 wyp oute. z. 23 uorzuerp. z. 31 dyadlich. 
z. 32 zuereb | . 7, z. 1 ilke | . z. 5 hinter sabat ein punkt (nicht doppel- 
punkt). z. 9 serui, sseppere . z. 1 1 huichen | . z. 12 hinter ordayrede ein 
punkt. z. 14 serui. z. 17 dyadlich. z. 18 stat. z. 19 wes | . 
z. 24 ze;/ne. z. 31 uor. z. ß^ festes | . 8, z. 27 writinge. z. 30 berp. 
9, z. 13 na^t | . z. 17 zuiche. 10, z. 27 wyp oute. 11, z. 12 hinter 
grace doppelpunkt. z. 24 zene^ep. z. 25 tuels (Schreibfehler). 
12, z. 8 hinter godhede ein punkt. z. 14 pe (nicht the). 13, z. 10 zixte; 
hinter article ein strich anstatt hinter is. z. 12 he vor aros steht 
nicht in der hs. z. 15 sanyt (natürlich Schreibfehler), z. 17 hinter 
deciples kein komma. z. 24 and statt ande, das e ist in der hs. 
durchgestrichen, z. ^^ hinter pet is kein komma. 14, z. 6 zeue. 
z. n yefp | . z. 15 yeue. z. 17 hs. hat coHrarie , das t fehlt, 
z. 30 sseawynges. z. 35 zeue. 15, z. 2 him zelue. z. 9 diuerse 
maneres. z. 11 hinter uolk kein zeichen, z. 14 dyeuel. z. 16 der 
accent, der sich auf cruelte und einigen anderen Wörtern findet, fehlt 
in der hs. Morris hat ohne festes prinzip accente hier und da ein- 
geführt. Dieselbe z. uorzuel^e. z. 18 heaueden. z. 26 wyp | oute (sie). 
16, z. 8 hauedzennes. z. 1 1 zeuen | . z. 14 uela^rede , liztbere. 
z. 15 uor. z. 26 ham zelue. 17, z. 1 uenym. 18, z. 24 y yeue. 
19, z. 3 pe po^tes | and pe <wzsentemens. z. 4 zaule, das s da- 
hinter ist durchsgetrichen. z. 15 manhod. 20, z. 12 y yeue. z. 27 
ssoldest | . 23, z. 2 friinges (s. bd. I p. 297 dieser Zeitschrift). 24, z.lii 
hinter yefpes doppelpunkt. 26, z. 20 zeuende. 28, z. 22 to | ssende, 
my2jte. z. 29 hs. hat conraxioxxs. z. 35 zenne | zuo. 29, z. 12 benimp 
ase. 30, z. 4 felonye. z. 10 wrepuollo. z. 18 simale (sie), z. 26 uolk. 

31, z. 10 hinter uerste is ein doppelpunkt. z. 28 pet nicht pat. 

32, z. 18 failinde. z. 25 uice | huerof. 33, z. 14 ualp | ine. z. 27 
brengp. 34, z. ^^ pyefpe. | pe. 35, z. 27 nollep | hit. z. 28 gaue- 



Dan Michel' 5 Ayenbite of Inwyt 20 

linge | is. z. 29 to lene | of. z. 31 zenne | ne. z. 33 caorsins | pet. 
36, z. 4 ping | huet. z. 3 v. u. poure | an. 37, z. 2 paneworpes j of. 
z. 7 maneres | be. z. 13 an statt and. z. 19 byep pe kueade , of 
fehlt, z. 22 dedes | and. z. 25 makep | pe. 38, z. 9 v. u. cornees, 
so von Michel falsch für franz. coruees gelesen. 39, z. 2 hinter 
marchons ein punkt. 40, z. 15 hinter nimep kein strich, z. 16 hinter 
opren ein punkt. 41, z. 1 coporeaus. z. 7 v. u. saynte. 42, z. 6 
dyngnetes | of. 43, z. 16 hinter kueadnesse kein strich, z. 6 v. u. 
discord | and. 44, z. 15 ase guodcheap. z. 24 tau^rnyers. 47, z. 20 
leuedi. 48, z. 6 hinter wyfman ein punkt anstatt eines Striches. 
49, z. 16 religion. 5b, z. 2 v. u. ylefp. 52, z. 2 done | and. 
z. 14 falsch lolouede. 55, z. 7 eche. 56, z. 13 wessep | pet. J ) 
57, z. 9 ase. 58, z. 5 ase. 62, z. 10 a mes. z. 6 v. u. ine. 
69, z. 4 hinter rebel ein punkt anstatt eines Striches. 70, z. 16 
pis boc. 



IV. 

Als letzten theil dieser beitrage theile ich einen grössern abschnitt 
des französischen originales nach der erwähnten Cotton-hs. (Brit. Mus., 
Cott. Cleop. A. V.) mit. Ich wähle dazu die abhandlung über das Vater- 
unser, die in dem Ayenb. s. 98 — 118 einnimmt. Hieran schliesse 
ich den grundtext zu den kurzen abschnitten, die in den altenglischen 
lesebüchern von Zupitza und Wülcker abgedruckt sind. Ich denke, 
dies wird besonders den fachgenossen willkommen sein, die die ge- 
nannten lesebücher bei Vorlesungen benutzen. In den beigefügten 
anmerkungen weise ich auf manches bemerkenswerthe hin und be- 
spreche einzelne punkte ausführlicher. Erschöpfend sollen diese an- 
merkungen natürlich nicht sein. 

(Fol. 79 v.) Ensi comence la pater nostre. 2 ) 

»Peres nostres qui es es cieus.« Regarde coment nostre bons 
avocas e nostres dous maistres Jesu Cris, qui est la sapience dieu 



1) lieber das wenige zeilen vorher stehende ssazst, wie Moni-, hat, s. unten. — 
2) Die einleitung zum vaterunser ist in bd. I, s. 384 dieser Zeitschrift bi 
abgedruckt, weshalb sie hier fortbleibt. Ich theile dieselbe aber hier nach dem 
dritten, mir damals nicht zugänglichen englischen paralleltext des Ayenb., Oxford 
Bodl. ms. 283, mit. Die hs. gehört der ersten hälfte des 15. Jahrhunderts an und 
zeigt vielfach eine ganz abweichende redaktion. 

(Fol. 102 r.) Whan a man settith a childe firste to lettre. | atte tlie begyn- 
nyng. | men lemeth hym bis pater aoster. | Whoo soo wil könne thi> clergie. | he 
moste become meke as a childe, | (Tor to siehe scoleris . oure goode mais 



30 "■ Varnhagen 

le pere , e set toutes loies e les usaiges de sa < ourt, t'enseigne bien 
a plaidier c sagement e soutivement e briefme/zt a parier. Certes eis 
pr^miers mos que tu dis, se il est bien entendus e porsuis, te dorra 
toute ta querele. 1 ) Car saint Bernars si dist que l'oroison qui com- 
mence par le dous non dou pere nous done esperance d'empetrer 
toutes nos proieres. Cis dous mos peres qui tout le remenant fait 
dous te moustre (pie tu dois croire, e te semont a ce que tu dois 
faire; e ces n choses sauve//t home , quant il < mit bien e a droit 
e il fait apres ce qu'il doit. Quant tu L'apeles pere, tu conois qu'il 
est sires de l'hostel, c'est du ciel e de la terre, e cheveteins e com- 
mencemens e fontaine dont toute creature e tüit li bien vienent e ensi 
(80 r) reconois tu sa poissance. Apres puisqu'i] est peres, il est 
ordeneires e governieires e porveeires a sa maisnie' e nomeement de 
ses enfans, c'est des homes quH\ meismes a cries e fais a son sem- 
blant. E ensi reconois tu sa sapience. De rechief 2 puisqu'il est 
peres par nature e par droiture, il aime ce qu'il a fait, si comme 
dist li livres de sapience, e est dous e debonaires e si aime e norrist 
ses enfans, e lour fait lor preu mielz qu'il ne seussent deviser, e les 
bat e les chastie, quant il mesfont, por lor preu commo. bons peres, 
e volentiers les reeoit quant il viene/zt a lui. 

Ore te moustre 3 ) dont cis mos, que tu dis »peres«, sa poissance, 
sa sapience e sa bonte. II te ramentoit d'autre part toi meismes ta 



Ihesu. | lernep pis clergie. | the whiche is be most profitable clergie thas is . and 
the feirest, whoo soo vnderstandeth it wel and kepith it. | for siehe ther be pat 
wenep to knowe it. | and tou vnderstande it wel. | the whiche knewe never but 
the barke withoute. | That is to seye. | the lettre the whiche is goode. | but that 
vayleth litil to regarde of the mary. | the whiche is ful sweete inward. | It is ful 
short in worde. | and ful longe in sentence. | light to seye. | and soutil too vnder- 
stonde. || . This prayer passith alle other. j in . III. thyngys . in dignitee. | in shor- 
tenesse. | and in profite. | The dignite is because. | that godde the son. j made it. 
too godde the fader. | in worde godde the hooly gooste is that. | the whiche men 
asketh there. | Also he woolde that it sholde be shorte. | because that noon sholde 
ascuse hym. | of the lernyng. | and because that noon sholde be anoyed. | for to 
seye it. | gladly and often. | and for to shewe that godde the fadir hirith vs. 
gladly. | whan wee praye to hym with goode herte. | for hee reckith not of longe 
riott. | ne of rymes ne polisshed woordes. | ffor as seint Gregor seithe. | verily too 
praye. | is not to seye. | feire wordes polissed. | with the mouthe. | but too caste 
compleyntes. j and deepe sygheyng of herte. | the value and the profit of this 
prayer is so greet. j that it encloseth in shorte wooides. j al that euer man maye 
desire with herte. I and require be mouthe. | that is too seye. | that men maye be 
delyuered . from alle evillis. | and fulfilled with al goodnes. | as that the pater 
noster seithe. | 

1) Die letzten worte sind nicht ganz klar. Der Midland -text übersetzt sie 
durch schal wyne be al pi querele, also = »soll dir deinen ganzen prozess ge- 
winnen«, und so werden wir sie wol auch zu nehmen haben. — 2) De rechief, 
das Michel an einer andern stelle sinnlos durch of heauede übersetzt (s. Studien I. 
s. 418), gibt er hier ungenau durch a last wieder; ebenso s. 104 der ausgäbe von 
Morris. — 3) Michel schreibt: Nou ich pe sseawy banne pis word pet pou 



Dan Michel' s Ayenbite of Inwyt 3 1 

noblesce, ta biaute e ta richesce. Plus grant noblesce ne pues avoir 
que estre 1 ) fiz a si grant emperor que dieus est 2 ). Plus grant richesce 
ne puet estre que estre rois de quanques il i a. Plus grant biautes 
ne puet estre que de lui resembler a droit. Laquele biautes est si 
grant que ele passe pensee d'ome e d'angle. Dont eis mos peres 
te ramentoit que tu es fis , pour ce que tu te paines de lui resam- 
bler, come bons fiz doit resembler son bon pere, c'est a dire que 
tu soies preus e vigereus 3 ) e fors e puissans a bien faire, e que tu 
(v) soies saiges e avises , larges e cortois, dous e debonaires , nes e 
sans vilenie, ausi comme il est, eque tu hees pecchie e ordure e toutes 
mauvaisties comme il fait, si que tu ne forlignes mie. Cis mos don- 
ques te rame;/toit toutes les fois que dies la pater nostre que , se tu 
es drois fis , tu le dois resembler par nature , par comandeme//t e 
par droiture, que tu li dois amour, honur e rev^rence, cremour, ser- 
vise e obedience. Ore pense donc quant tu dis ta pater nostre que 
tu li soies bons fiz e loiaus, se tu veus qu'il te soit bons peres e de- 
bonaires. »Pense quex fiz tu es« dist on au chevalex novel, quant il 
entre au tornoieme-'/t. Ore vois tu bien come//t cis premiers mos est 
dous e coment il t'amoneste que tu soies vaillans e preus, e t'enseigne 
quiex tu dois estre. 

Ore te demans je por quoi tu dis »pere nostres« e no« pas 
»pere miens«, e qui tu acompaignes avoec toi 4 ), quant tu dis donc 
nous« e ne dis mie »done moi.« E le te dirai se tu veus. Nus 
ne doit dire »pere miens fors eil seus qui est ses fiz par nature sans 
:V//vmencement, sans fin li vrais fiz dieu. Mais nous ne sumes pas 
si fil par nature, fors en tant que nous sumes fais a s'ymage. Mais 
ausi sont li Sarrazin ; mes nous sumes si fil par grace e par adopeion. 
(81 r) Adopeion si est uns mos de lois. Car selom les lois de 
Fempereor, quant uns haus hons n'a nul enfant , il poet eslire le fil 
d'un povre home, se il veut, e faire ent son fil par adopeion, ce est 
par avoerie, si qu'il ert terms \>or son fil avoue e emportera son 



zayst : vader his mizte cet. ; das ich hat er also eingeschoben, da er moustre für 
die erste person genommen hat. Dass durch dieses ich der satz unverständlich 
wurde, bemerkte er nicht. Ebenso hat er gleich darauf aus dem pues, welches 
zweite person ist, may ich gemacht. 

1) Die andern hss. haben dem to by entsprechend d'estre. •) Michel über- 
setzt unrichtig pet is god. — 3) vigereux umschreibt Miehel hier und noch 
einmal weiter unten durch of grat wyl; ähnlich im folgenden preu durch ol 
guode wylle. — 4) Aus diesem »und wen du zu dir gesellest • hat Michel durch 
missverstehen des qui und einschiebung eine-, him das sinnlose and pet pou 
him uelazest mid be gemacht. Der Midland -text hat richtig: and whiche 
felawes pow hast. 



12 "• Varnhagen 

heritage. Ceste grace nous fist dieus li peres Sans nostre deserte, 
< omc dist saint Pous, quant il nous fist venir au bapteme qui cstions 
povre e nu e fil d'ire e d'enfer. Dont quant nous disons i 
nostres« e nous disons done nous«, nous acoillons tous nos frere- 
avoec nous de adopcion, qui sont fil de sainte eglise par la foy quo 
re^oivent en bapteme. 

Ore nous moustre dont eis mos nostre la largesce e la cor- 
toisie dien nostre pere 1 ), qui nous done plus volentiers asses que 
petit e a plusors <iue a un seul. Dont saint Gregoires dist que 
oroison comme est plus commune e plus vaut, ausi come la chandoile 
est mielz emploie'e qui sert a une sale pleine degent 5 ), que cele qui 
ne sert k'a un seul home Cis mos nous amoneste a rendre graces 
de tous nos cuers de ceste grace que il nous a faite, par quoi nous 
sumes si fil e si hoir e <\nc mout ardaume/zt devons amer nostre 
aisne frere Jesu Crist, qui nous acompaigne avoec lui (v) en ceste 
grace. Cis mos nous amoneste que nous gardons en nos cuers 
soigneusement 3 ) le saint esperit, qui est nostre tesmoins. Ceste adop- 
cions est ausi comme gages, si come dist saint Pol, par quoi nous 
sumes seur que nous aurons l'eritage nostre pere, c'est la gloire de 
paradis. Cis mos nous aprent e dist que nous sumes tuit frere grant 
e petit, povre e riche, haut e bas, d'un pere e d'une mere, c'est de 
dieu e de sainte eglise, e que nus ne doit autre despire mais amer 
come frere, e qui li uns doit aider a lautre com fönt li membre dun 
meisme cors, e p/ver li uns por l'autre , si come dist saint Jakes , e 
si est nostre preu malt grant 4 ). Car quant tu mes ta priere en 
cowmunaute de toute sainte eglise, por une pat^;- nostre que tu dis 
tu engaignes plus de cent mile. Cis mos nostres nous enseigne 
a hair trois choses nomeement : orgueil , haine e avarice. Orguex 
met home hors de compaignie , car il veut estre desus les autres ; 
haine le met hors de compaignie, car quant il guerroie l'un , il guer- 
roie tous les autres ; avarice met home hors de compaignie, car il ne 
veut ne soi ne ses choses communer avoec les autres. E por ce tieus 
gent n'ont part en la sainte pater nostre. Cis mos -nostres nous 



i) Im Ayenb. lautet diese stelle: Nou ous ssewep huerof bis word oure pe 
largesse and be cortaysye god oure uader. Dies ist ganz unverständlich, erklärt 
sich jedoch leicht durch den französischen text : Michel hat bei dont das pronomen 
mit dem adverb verwechselt und nicht erkannt, dass dieu genitiv ist. Denselben 
fehler in Übersetzung des französischen dont finden wir wenige zeilen weiter. — 
2) Englisch: bet serueb to ane halle and uol of uolk. Michel hat das e in sale 
getrennt gelesen = und ; daher das and des englischen textes. — 3 y Ayenb. holy- 
lyche , also Verwechselung mit saintement. — 4) Ayenb. : And zuo hit is oure 
ureme wel grat; das hierin mindestens überflüssige hit beruht auf einem versehen. 



Dan Michel' s Ayenbite of Imvyt 33 

moustre que dieus est nostres, se nous (82 1) volons, e li peres 
e li fiz e li sains erperis, ce est se nous gardons ses comandemens. 
Ensi dist il en l'evuangile saint Jehan. 1 ) 

Peres nostres qui es es ciels.« Quant je di »qui es es ciels , 
je di II choses: qu'il est rois e qu'il est a paris, ausi quant je di 
qui es es ciels;, je di qu'il est e qu'il est es ciels. L'en troeve 
escrit ou second livre de la loi que dieus s'apparut a Moyses en une 
montaigne e li dist : > Va t/en en Egypte e di au roi Pharaon de par 
moi qu'il te delivre mo// pueple , les fiz d'Ivael 2 ) , du servage la ou 
il les tient. < vSire, dist Moises, s'e on me demande 3 ), come«t vous 
aves a non, que dirai je?« »Je sui qui sui« dist dieus. Ore dient 
li saint e li bon clerc que entre tous les haus nons nostre seignor 
eis est li pr^miers e li plus p/-<?pres, e qui plus adroit nous enseigne 
a conoistre ce que diex est. Car tuit li autre non ou il parolent de 
sa bonte ou sa sapience ou de sa puissance, ou q'il est tiex e tiex, 
c'est li tres bons , li tres loiaus , li tres sages , li tres puissans e mout 
d'autres manieres de paroles q'on dit de lui, qui ne dient point 
p/vprement la verite de l'estre dieu 4 ). Mais nous qui sumes gros e 
■rüdes a parier de si haute chose, parlons 5 ) de dieu ensi corae on 
sieut deviser I hom?«e dont on (v) ne set pas le non, corae on dist : 
II est rois ; il est quens, il est si grans, si biaus, si larges e mout de 
tiex choses; par quoi on puet, comment que soit, Tome conoistre 6 ^. 
Mais ne dient pas adroit son nun ; ausi comme 7 ) nous p«/-lons de 



1) Diesem entsprechend hatte die hs. des Ayenb. ursprünglich: and zuo he 
zayp ine pe godspelle saint Jon. Erst nachträglich , wol bei der korrektur . hat 
Michel dann das he durchgestrichen, welches bei der art, wie er den gruhdtexl 
auch hier übersetzt hat, allerdings nicht in den Zusammenhang passt. — 2) Irael, 
sie! Der Ayenb. hat dieselbe form yrael, was Morris in ysrael ändert. Diese Über- 
einstimmung zeigt einerseits wieder die nahe Verwandtschaft des Michel vorliegenden 
französischen textes mit der Cotton-hs. ; andrerseits ist sie ein weiteres bei 
für die sklavische abhängigkeit Michel's von seinem originale. — 3) Dem grund- 
texte entsprechend hatte der Ayenbite ursprünglich : yef me aksep me. Bei der 
korrektur aber übersah Michel die verschiedene bedeutung der beiden me ; er 
glaubte darin einen Schreibfehler zu sehen und strich das zweite me durch. - 
4) Auch diesen anakoluth hat Michel genau nachgeahmt. — 5) Michel hat: Ac 
we {>et . . . speke we; das doppelte we ist natürlich falsch. — 6) Die letzten 
worte hatte Michel ursprünglich so übersetzt: huerby me may ywyte pet bj pe 
man knawe. Hierin entspricht wort für wort dem grundtexte, nur anstatt des 
französischen comment hat Ayenbite ywyte. Michel hat sich in dem comment 
entweder verlesen oder er hat absichtlich geändert, weil er das comment que 
nicht verstand. Jedenfalls ist die übersetznng sinnlos. Er bemerkte dies bei der 
korrektur und suchte durch ein hit, das er hinter pet überschrieb, und ein hou, 
das er an den rand setzte, nachzuhelfen. — Zwei zeilen vorher hat Michel sieut, 
'las von soloir herkommt, fälschlich von savoir abgeleitet und durch conne Über- 
setzt. — 7) Wenn Michel an andern stellen das ausi comme des grundtextes ein- 
lach durch as übersetzt, so ist dies ganz richtig; z. b, Mais VII prineipaus parties 

Kölbing, Englische Studien, I!. 1. 3 



■)a II. Varnhageo 

dieu, mout trovons de mos ([ui nous moustrent queque soit de lui'j. 
Mais n'i a nul si propre com eis mos »qui est , qui si pr<?prement, 
si briefm#rt, si attaignaument e si soutivement les nons nome, en tant 
comme nostre entendement se puet estendre. Car dieus est eis qui 
seuls est si come dist saint Job. II seuls est, a droit parier, car il 
seuls est pardurablement sans commencement e sans fin; ce ne puet 2 ) 
dire de nule autre chose Apres il seuls est vraiement, car il est 
vrais e verites sor toutes choses crie"es; e si sont toutes creatures 
vaines e vanites e com dist Salemons nient 3 ) au regard de lui; e a 
nient vendroient, se il ne les soustenoit par sa vertu. De rechief il 
seuls est estableme-vt e fermement 4 ) en I meisme point sans soi 



i a, qui sont ausi comme VII branches — Ac zeuen principals doles per byep, 
pet byep ase zeue bozes (s. 17). Dass in der vorliegenden stelle aber die Über- 
setzung mit as nicht anging, bemerkte Michel nicht. Einen andern fehler lässt 
derselbe sich an folgender stelle zu schulden kommen: Les VII chies de la beste 
d'infer sont li VII chevetain pecchie , par les quex li diables trait a soi ausi 
comme tout le monde. Das ausi comme, hier = »fast«, hat er auch hier ruhig 
durch ase wiedergegeben (s. 15). 

1) Ayenb.: huet pet hit bi of him; doch ist das hit von Michel erst später 
bei der korrektur übergeschrieben. — 2) Ayenb.: pet me ne may zigge; doch ist 
nie, das im grundtexte kein entsprechendes Wort hat, erst bei der korrektur an 
den rand geschrieben. — 3) Ayenb. hat vor dem nazt ein nicht dahin gehöriges 
and. — 4) Die adverbien establement (wenige Zeilen später wiederkehrend) und 
fermement hat Michel für Substantive angesehen ; er gibt sie durch zetnesse und 
uestnesse wieder. Das erstere wort macht noch Schwierigkeit in beziehung auf die 
ihm an dieser stelle beizulegende bedeutung. Morris im Glossar und Stratmann im 
Wörterbuch nehmen es = stability. Das wort kommt noch an einer andern stelle 
im Ayenbite vor: pe markes ne pe zetnesses of spoushod (s. 223); hier nun nimmt 
Morris wieder eine neue bedeutung an, indem er das wort = bounds setzt. 
Nehmen wir dazu die gewöhnliche bedeutung = Satzung, so wären dies drei 
verschiedene bedeutungen. Sehen wir uns dieselben etwas näher an. Im ags., wo 
die verben settan, äsettan und gesettan im Sinne von gesetzlich bestimmen 
nicht selten vorkommen, finden wir auch die drei entsprechenden Substantive seted- 
ness , äsetedness und gesetedness nebst verschiedenen verkürzten formen in der 
bedeutung Satzung und nur in dieser. Belege geben Bosworth, Ettmüller und 
Grein in ihren glossaren und Mätzner, Spp. II, s. 55 anm. 8. Für das alteng- 
lische weist Stratmann setnesse in derselben bedeutung nach aus Orm. (16837) und 
Mätzner, Spp. II, 55 aus Small, Metr. Hom. p. XX, sowie ersterer isetnesse aus 
der proclamation und Old Engl. Hom. ed. Morris I, 87. Diesen beispielen reiht 
sich die zweite der oben angeführten stellen aus dem Ayenbite an, wo pe zetnesses 
of spoushod = die Satzungen der ehe ist. In allen mir aus dem ags. und 
altenglischen zu geböte stehenden stellen finden wir also nur die bedeutung 
Satzung. Es bleibt nur die erste stelle aus dem Ayenbite übrig, wo das 
wort = stability sein soll. Diese bedeutung ist von Morris und Stratmann 
nur aus dem zusammenhange entnommen, da Satzung hier keinen sinn 
geben würde. Es wurde jedoch schon früher bemerkt, dass, bei der ganz eigen- 
tümlichen beschaffenheit unseres denkmals , in der herleitung einer sonst nicht 
vorkommenden bedeutung eines Wortes aus dem zusammenhange mit der aller- 
grössten vorsieht zu verfahren ist; als beweise wurden die Wörter manhode 
(E. St. I, 381) und dedes (ib. 412) angeführt. Wenn deshalb in dem vorliegenden 
falle sich einleuchtend zeigen lässt, wie Michel durch den grundtext zu dem worte 
zetnesse kam, so ist damit der bedeutung stability sofort jeder boden entzogen. 



Dan Michels Ayenbite of Inwyt 3; 

torbler, sans soi chang^r, sans soi muer en nule maniere, corae dist 
saint Jakes. Toutes autres choses sont muables en quelq^i? maniere 
de lor nature. Dont il est pr<?preme»t apeles »qui est.« Car il est 
vraieme^t sans vanite, establement sans nule muance, p#rdurablement 
sans (8$ r) fin , sans chief, sans fu, sans iert , car il n'i a nul 
trespassement. 

Ore dois entendre ci qu'il liest riens q'on peust mielz savoir 
que ce que dieus est ; mais il n'est riens si fort a savoir comme quoi 
e quele chose diex est. Por ce te lo je bien que tu n'i muses pas 
trop a l'enquerre, car tu i porroies trop forvoier. Souffise toi que tu 
li dies: »Biau pere qui es es cieus.« Verites est qu'il est partout pri- 
sies, en terre e en mer, en enfer com il est es cieus. Mais on dist 
qu'il est es cieus por ce qu'il est le plus vieus 1 ) e plus coneus e plus 
ames e plus honores. Apres il est es cieus esperitueus, ce est es 
sainz cors qui sont hauz, clers e nes, come est li cieus ; car en tieus 
cuers il est veus e coneus e cremus e honores e ames. 

Ore as tu oi ces IUI mos: »Pater nostre qui es in celis. « Li 
pmniers te semont a dieu honorer; li secons a dieu amer; li tiers 
;i dieu redouter. Car ancore soit il peres nostres, toutes voies 2 )ilest 
justes 3 ) e no-v muables. Li quart a toi avigorer 4 ) ; car puisq'il est 



Dies ist aber sehr leicht. Michel hat in dem fälschlich für ein Substantiv ge- 
haltenen adverb establement das wort establissement zu sehen geglaubt und das- 
selbe genau übersetzt. Zur absoluten gewissheit wird dies, wenn wir sehen, dass 
auch in der proclamation isetnesses dem französischen establissemenz entspricht. — 
Es ist daher in Stratmann's wörterbuche die nur mit dieser stelle belegte be- 
deutung stability unbedenklich zu streichen. 

i) Ayenbite gibt diese worte wieder durch: uor pet he is pe eldeste . Le 
plus vieus kann diese bedeutung nicht haben, da diese in unserm zusammenhange 
sinnlos wäre. Wenige Zeilen später finden wir in ganz gleichem zusammenhange 
veu = gesehen von Michel ebenso durch cid übersetzt, und isl offenbar auch das 
vieus zu verstehen; die andern französischen hss. haben auch veuz. Dieselben 
haben ferner übereinstimmend la = dort anstatt le vor plus vieus, was jedenfalls 
das bessere ist. Diese beiden abweichungen der Cotton-hs, von den beiden andern 
beweisen wiederum das nahe verhältniss des Ayenbite zu jener hs. — 2) Ueber 
die Libersetzung von toutes voies durch alneway 3. E. St. I. -. 406. — ; ) Dil 
wort gibt der Ayenbite durch das sinnlose bezide \\ ieder. Michel hat 
juste = lat. juxta mit dem adjektiv = justus verwechselt. — 4 ) Im Ayenbite 
stand ursprünglich: [>e uerbe to pe to strengpi, also buchstäblich genaue, aber 
sinnlose Übersetzung der worte des grundtextes. Bei der korrektur bat dann Michel 
das to vor \>c durchgestrichen. Ich bemerke dies besonders, wie ich auch schon 
früher auf ähnliches hingewiesen habe, weil sich aus den korrekturen im verein 
mit andern umständen mit zweifelloser Sicherheit der wichtige nachweis führen 
lässt, dass wir den Ayenbite in der originalhandschrift Dan Michel's haben. 
herausgeber Stevenson und Morris haben /war beide dieses ausgesprochen, aber 
ohne auch nur den schatten eine-- beweises zu geben; und wie vorsichtig man 

de dergleichen äusserungen gegenüber sein muss, zeigt uns Wright, der sieh 
nicht scheute, die hs., in der Shoreham's gedichte enthalten sind (nebelfbei bemerkt 
jetzt auf dem Brit. mus., add. 17376). für die originalhandschrift dieses dichter- 



•?6 H. Varnhagen 

si haut e tu si bas, se tu n'es preus e viguerus, tu n'avendras ja la 
ou il habite. Li premiers mos nous moustre la longesce de sa eternite ; 
li secons la largesce de sa charite; li tiers la parfondesce (v) de sa 
veritd; li quars la hautesce de sa majeste. Ki aura bien ces IUI 
choses ataintes 1 ), sans doute il seroit boneures. 

Ore as tu oi lc prologue de la sainte pater nostre qui est ausi 
com une entree de viele. He diex! qui bien sauroit toute la chancon, 
come troveroit de beles notelettes ! Car n'est pas doute que en la 
chancon que la sapience dieu fist eil qui enseigne les oisiaus a chanter, 
n'ait 2 ) mout de notes sotives e douces, encore i ait petit de lettres. 
En ceste chancon a VII notes qui sont les VII peticions qui ein- 
petrent les VII dons du saint esperit qui esterpent les VII vices che- 
vetains du euer, e il pla/*te/zt e norrissent les VII vertus par lesqueles 
on vie«t as VII boneurtds. De ces VII peticions les III premieres 
fönt home saint tant comme on puet estre en cest siecle. Les IV apres 
le payfont parrfitement juste. Toute la saintete d'om/«e qui est fais a 
l'image de la trznite est 3 ) selom III choses qui sont en Palme: me- 
moire, entendeme#t e volente, en ce que Palme soit parfitemewt pur- 
giee en la volente, parfitement enluminee en Pentendement, p^rfite- 
me«t confermee en dieu avoec dieu en la memoire. K com plus 
reeoit Palme habundaume^t (84 r) ces III dons de dieu, e 4 ) ele 
plus propreme/zt approche a sa droite biaute naturele, c'est a la sem- 
blance dou pere e dou fil e dou saint esperit. Ce est quant diex li 
peres li conferme sa memoire ; dieu li fis li enlumine son entendement ; 
dieu li sains esperis li espz^rge sa volente. Ces III choses nous re- 
querons es trois premieres peticions de la pat^r nostre. 

Qua;?t nous disons: »Sanctificetur nomen txmml«, nous mou- 
strons a nostre bon pere cortoisement nostre prmeipal desirrer que 
nous devons tous jours avoir, c'est que ses nons soit saintenes e con- 



zu halten (vorrede, s. VII der ausgäbe der gediente), während sich aus dem texte 
mit ziemlicher Sicherheit das gegentheil nachweisen lässt , ganz abgesehen davon, 
dass wol auch die abfassungszeit der hs. frühestens in das letzte viertel des 
14. Jahrhunderts zu setzen ist. Ich habe mich in den Vorbemerkungen zu I. dieser 
beitrage über die Originalität der hs. des Ayenbite reservirt ausgesprochen , kann 
aber jetzt erklären , dass ich auch nicht den geringsten zweifei mehr an der 
Originalität habe und dass letztere sich schlagend nachweisen lässt. Ich komme 
auf diese frage im folgenden zurück. Eine vollständige darlegung dieses nach- 
weises ist einer spätem gelegenheit vorbehalten. 

i) Anstatt ataintes muss Michel acertes gelesen haben, denn er gibt es durch 
zopliche wieder. — 2) Während Michel das gleich folgende i ait und a richtig 
durch per by , resp. byef» übersetzt , schreibt er hier unrichtig das wörtlich ent- 
sprechende hep. — 3) Ayenb. trinite | pet is; das pet ist ein das Satzgefüge 
störender zusatz Michel' s. — 4) Auch dieses den hauptsatz einleitende e gibt 
Michel wörtlich wieder. 



Dan Michel's Ayenbite of Inwyt 37 

fermes en nous. Dont quant nous disons: > Sanctificetar nome« tuuw ! , 
c'est a dire: Sire, c'est nostres sovrains desirrers , ce reqz^rrons sor 
toute riens que tes beneos nons, c'est ta bone renomee, ta conoissance, 
ta foi, soit confermee en nous,« en ceste premiere peticion nous re- 
querows le premier e le principal don du samt esperit, c'est le don 
de sapience qui ferme e conferme le euer en dieu e le Joint si a lui 
que il n'e;/ puet estre desjows ne dessevre's. Sapience est dite de 
saveur e de savourer 1 ). Car quant li hons reeoit cestui don, il gouste 
e assavoure e sent la doueor de dieu, ausi come l'en sent la doueor 
du bon vin au goust mielz que a veoir. Mais a ce que tu entendes 
(v) mielz que est a dire: »Tes nons soit saintinds en nous tu dois 
savoir que eis mos sains vaut autant comme purs, comme sanz terre, 
come dedids au servise dieu, come taint ou sanc, comme confermds. 
En ces V manieres saintefie l'esperit de sapience le euer de l'home. 
Primes il le nettoie e purge ausi comme li feus purge e afine l'or 2 ). 
Apre's il oste toute ceste ordure de toute terriane amour e de toute 
affection charnele, e fait devenir tout fade quanqz/rs on soloit devant 
amer, ausi come l'eaue est fade a celui qui est alechie's au bon vin 3 ). 



1) Ayenbite wird wieder nur durch obiges verständlich : Wysdom is yzed of 
smac and of smacky (s. 106). — 2) Ayenb. : ase deb bet uer clenzeb and fineb 
pet gold (s. 106). Das deb, welches die konstruktion stört, ist ein zusatz Michel's. 
Morris schiebt, um die worte lesbar zu machen, hinter uer ein bet ein. Will 
man ändern, so ist eher das erstere bet zu streichen. Doch lässt man bei der 
ganz eigenthümlichen beschaffenheit unseres denkmals, besonders in beziehung auf 
die art der Übertragung des grundtextes, sowie mit rücksicht auf den umstand, 
dass wir die Originalhandschrift des Übersetzers besitzen, besser den überlieferten 
text möglichst unberührt und begnügt sich damit , sich das Zustandekommen der 
unverständlichen und sinnlosen stellen zu erklären. Dies wird auch der Standpunkt 
sein , von welchem aus eine kritische ausgäbe dieses denkmals zu behandeln sein 
wird. Einen »lesbaren« text herstellen zu wollen, wenigstens in dem gewöhn- 
lichen sinne dieses wortes, wäre ein unding. Die bedeutung des werkes liegt ja 
auch ganz ausschliesslich auf der sprachlichen seite. — 3) Ayenb. : Efterward 
he deb away al be ilke uelbe of alle erbliche loue and of alle wylle of ulesse, 
and makep to comene al out of smak al bet me wes ywoned byuore to louie, 
ase bet weter is out of smak to ban bet is ywoned to be guode wyne (s. 106). 
Das devenir = werden des grundtextes gibt Michel durch to comene wieder; er 
hat also getrennt de venir gelesen. — Das zweimalige out of smak dieser stelle, 
welches als Übersetzung des französischen fade dient, ist von bedeutung für den 
nachweis der Originalität der hs. des Ayenbite. Das out of smak ist Dämlich beide 
male von dem Schreiber der hs. (die hand ist zweifellos dieselbe) mit hellerer 
tinte, woran man die meisten der zahlreichen nachtrage leicht erkennen kann, erst 
später in den text geschrieben, und zwar nicht etwa über eine rasur, sondern es 
ist beide male gleich beim niederschreiben der hs., da WO jetzt das out of smak 
steht, ein freier platz gelassen worden. Die frage ist nun: Kann dieser Ursprung« 
lieh freigelassene räum und seine spätere ausfüllung von einem Schreiber herrühren. 
der nicht zugleich der Verfasser war? 

War der schreiber unserer hs. mit den Verfasser nicht identisch, so kann der 
grund, warum er eine Lücke im texte liess, ein dreifacher gewesen sein. Erstens, 
er fand in seiner vorläge ebenfalls zwei freie stellen, behielt sie zunächst bei und 



■?8 H. Varnhagen 

Apres il le dedie du tont 1 ) au servise dieu. Car il l'oste de tout 
corous c le met du tout a penser a dieu, e a lui amer e servil', ausi 

ergänzte sie dann später nach eigenem gutdünken mit out of smak. Aber wie 
ist es zunächst dann zu erklären , dass er an beiden stellen denselben ausdruck 
wühlte, ohne dass er WUSSte, dass im originale dasselbe wort stand' Wie vor allen 
dingen kam er gerade auf diesen so ganz ungewöhnlichen ausdruck, der mit franz. 
fade verglichen den Stempel der Übersetzung oder vielmehr Umschreibung so deut- 
lich an der stirn trägt und sich sonst wo] schwerlich wird nachweisen la 
Ein kopist würde eher jedes andere adjektiv ergänzt haben , als diesen ausdruck. 

Eine zweite schon an und für sich unwahrscheinliche annähme könnte die- 
sem, der Schreiber habe für das wort, das er in seiner vorläge fand, und das ihm 
nicht gut dünkte, ein anderes passenderes einzusetzen beabsichtigt; da ihm ein 
solches jedoch augenblicklich nicht gegenwärtig gewesen sei, habe er zunächst den 
räum frei gelassen und dann später out of smak übergeschrieben. Hiergegen ist 
zunächst derselbe grund wie oben geltend zu machen , dass der Schreiber dann 
zweifellos ein anderes wort gewählt haben würde. Ferner aber schliesst sich die 
annähme einer solchen vermeintlichen Verbesserung von selbst aus durch den 
blühenden unsinn, den der lext an hunderten von stellen bietet. Hat der ab- 
schreiber diesen ruhig wort für wort kopirt, so wird er nicht an einer andern stelle 
ein wort, das ihm nicht ganz richtig scheint, für das er aber zunächst selbst keinen 
bessern ersatz weiss, fortlassen. 

Es bleibt demnach nur noch die dritte annähme übrig, der Schreiber habe in 
seiner vorläge an den beiden stellen die worte out of smak nicht lesen können. 
Woher, fragen wir, hat er denn schliesslich die worte bekommen ? Eigenes fabrikat 
des Schreibers können wir nach dem , was oben gesagt wurde , darin nicht sehen. 
Wir könnten also nur annehmen , dass es ihm später gelungen sei , dieselben in 
seiner vorläge zu lesen. Hiergegen ist nun zunächst einzuwenden, dass kaum an- 
zunehmen ist , dass gerade dieselben drei zusammengehörigen worte an zwei ver- 
schiedenen stellen unleserlich gewesen sein sollten, während sonst an beiden stellen 
alles deutlich und richtig gewesen sein müsste. Aber zahlen beweisen. Wenn ein 
Schreiber in seiner vorläge ein oder mehrere worte nicht lesen kann , und behufs 
späterer nachtragung einen freien räum lassen will , so wird er letztern doch der 
Länge der worte, die er nicht lesen kann, ungefähr entsprechend lang machen. 
In der hs. des Ayenbite nun und speziell auf dem blatte, das unsere stelle ent- 
hält, nimmt im durchschnitt ein buchstabe einen räum von 0,3 centimeter ein. 
Der Schreiber würde also für die neun buchstaben des out of smak ungefähr 
2,7 centimeter räum haben lassen müssen. Der räum aber, der an der ersten 
stelle geblieben, ist nur 1,2 centimeter lang, also noch nicht die hälfte ; mit 
andern worten, es haben auf demselben nur vier buchstaben platz. Eine so total 
falsche raumabschätzung ist schwerlich anzunehmen bei einem Schreiber , dessen 
schrift — die spätem korrekturen und nachtrage kommen dabei nicht in betracht — 
Sorgfalt und gleichmässigkeit zeigt (eine photographische kopie der letzten seite ist 
dem 4. bände des Cursor mundi beigegeben). 

Stossen wir so mit der annähme, dass Verfasser und Schreiber der Ayenbite-hs. 
verschiedene personen seien, überall auf unüberwindliche hindernisse, so liefert uns 
andrerseits die annähme der identität beider eine einfache erklärung. Dan Michel 
war das französische fade zwar gewiss nicht unbekannt , denn das wort hat sich 
schon früh im Englischen eingebürgert. Bei seiner Vorliebe jedoch für Wörter 
sächsischen Ursprungs, eine Vorliebe, die, wie schon früher bemerkt, ihn sogar 
neubildungen und Umschreibungen nicht scheuen Hess, zog er es vor, auch dieses 
wort durch ein sächsisches wiederzugeben oder doch zu umschreiben. Da ihm 
nicht gleich eine Übersetzung oder Umschreibung zur hand war, Hess er einen 
freien räum stehen und zwar bemass er die länge desselben ungefähr nach der des 
französischen Wortes , welches vier buchstaben hat , und Hess einen räum von 
1,2 centimeter frei, also nach dem durchschnitte gerade für vier buchstaben ge- 
nügend. Bei der korrektur nun fand er für fade die Umschreibung out of smak 
und suchte sie nun in die beiden freien stellen einzuzwängen. An der ersten 
brachte er nur out of hinein und musste smak an den rand schreiben ; an der 



Dan Michel' s Ayenbite of Imvyt 39 

cdwme li mostiers est dedies au servise dieu, si c'on n'i doit autre 
chose faire que le servise dieu. Apres il taint en sanc. Car il 



zweiten , deren räum etwas grösser ist , gelang es ihm alles bis auf das k ein- 
zudrängen, welches überschrieben wurde. 

Solcher stellen, die beim niederschreiben der hs. offen gelassen und erst später 
mit hellerer tinte ausgefüllt sind , findet sich namentlich in der zweiten hälfte 
eine ziemliche anzahl. An andern stellen , besonders gegen das ende 'hin , aber 
gelegentlich auch schon früher , hat Michel auch bei der korrektur ein ent- 
sprechendes englisches wort für das des französischen grundtextes noch nicht zu 
finden vermocht und hat nun das französische wort unverändert entweder in die 
freigelassene stelle des textes eingetragen oder vielfach auch nur an den rand 
gesetzt. Fälle, wo erst nachträglich das französische wort in den text geschrieben 
ist, hat Michel zum theil selbst hervorgehoben durch ein kreuz am rande und ein 
mit diesem korrespondirendes über dem betreffenden worte. Dieses zeichen machte 
er sich jedenfalls , um das französische wort später noch durch ein englisches zu 
ersetzen, ist dann aber nicht dazu gekommen. Morris hat alle diese französischen 
Wörter , mögen sie sich nun im texte selbst nachgetragen oder an den rand ge- 
schrieben finden, ohne etwas darüber zu bemerken, in den text aufgenommen. 
Hierdurch löst sich dann der Widerspruch, dass, während wir Michel in vieler 
beziehung trotz grosser inkonsequenz als eine art von sprachpuristen anzu- 
sehen haben , der sich nicht scheute , das französische circonstances durch aboute- 
stondinges (s. 174, 175, 176) wiederzugeben, sich in seinem werke eine nicht 
unerhebliche anzahl von romanischen Wörtern findet , die entweder damals noch 
nicht oder überhaupt nie in die englische spräche aufgenommen sind. Solche 
französische wörter, die wir als dem Ayenbite-text völlig fremde anzusehen haben, 
sind: apeluchier (s. 253, z. 8); ariere (s. 165, z. 9); boune (s. 150, z. 4 v. u.); 
cerceaus (s. 159, z. 9 v. u.); corues (s. 38, z. 9 v. u., Michel, der das wort 
nicht verstand, schrieb dafür cornes) ; fanc (s. 251, z. 19; so die hs.; Morris liest 
fauc und erklärt dieses, an lat. faux denkend, im glossar mit scythe; wie diese 
bedeutung in den Zusammenhang passen soll, sagt er nicht ; der grundtext lautet . 
Cele fonteine ne sent pas le fanc, ne la terre, ne le mareis de cest mond, wo 
fanc = neufranz. fange ist); foleant (s. 244, z. 7 v. u.); forriers (s. 195, z. 11); 
piecaille, cheuaille (s. 112, z. 12 v. u., ersteres für pietaille, letzteres für chenaille ver- 
lesen, s. u. s. 45, z. 9); quarteaus (s. 159, z. 18); soigneus (s. 157, z. 19). S. 171, z. 5 
v. u. hat Michel im text nicht für ein einzelnes wort , sondern für das ihm unver- 
ständliche s'est geus einen freien räum gelassen und die französischen worte an den 
rand geschrieben. S. 121, z. 3 v. u. ist hinter izixt im texte ein freier räum von 
1,7 centimeter geblieben, ohne dass sich am rande das französische wort notirt 
findet. Im grundtext steht as ielz , was er als ein wort gelesen und deshalb 
nicht verstanden hat. 

Von den vielen anderweitigen korrekturen , aus denen allein sich schon der 
nachweis der Originalität der hs. des Ayenbite führen Hesse, führe ich hier nur 
eine sehr häufig vorkommende an. An vielen stellen, wo die präposition öfter im 
Morris' sehen texte ganz richtig steht, hat in der hs. zuerst das adverb efterward 
gestanden und dann ist erst die zweite silbe durchgestrichen worden , während 
andrerseits an vielen stellen der hs., wo das adverb stehen muss, zuerst die prä- 
position gestanden hat und erst bei der korrektur die zweite silbe übergesetzl ist. 
Wie soll man sich diese Verwechslung erklären? Kann man auch annehmen, 
dass ein Schreiber, der aus einer englischen vorläge kopirle , von efterward die 
letzte silbe vergass , wobei jedoch sehr auffällig ist, dass gerade dieser fehler 
ihm so sehr häufig passirte , so kann man dagegen kaum eine erklärung dafür 
finden , wie es kam , dass er ebenso häufig efterward anstatt efter sehrieb. 1 ' 
annähme der identität von Verfasser und schreiber erklärt diese versehen wi( 
auf die einfachste art. Michel übersetzte, wie schon ofl erwähnt, wort für wort, 
ohne sich viel um den Sinn zu kümmern. Für das apres, das er sowol als prä- 
position wie als adverb im grundtexte fan< 1 er mm bald efter, bald efter- 

ward und korrigirte erst später. 

S. 38 n. 1) du tout von Michel wörtlich mit of al übersetzt. 



ao H. Varnhagen 

le ') met en unc si ardant amour e une si douce devocion de Jesu Crist 
que, comu il pense en lui e a s;i passion, il est ausi tains e abevrds 
du precieus sanc que Jesu (Vis espandi por lui, come est une soupe 
de pain chaut quant on la boute ou vin. C'est uns noviaus baptesn 
rar taindre e baptizier est tout un. Apres il le conferme si en dieu 
que rief/s ne l'en puet dessevrer 2 ) ne desjoindre. Ore veult (85 1) 
donques dire eis mos 3 ): >Tes nons soit saintefie's en nous , c'est a 
dire: done nous Pesperit de sapience par quoi nous soions si afine 
come or e nettoie" de toutes ordures; par quoi nous soions si enyvre de 
t'amour, que toutes autres doueors nous soient ameres ; par quoi nous 
soions si adonds a toi e a ton servise, que jamais d'autre n'aions eure ; 
par quoi nous soions non pas sans plus 4 ) lavd, mais taint en grämt- 
e renovele e rebaptize ou sanc Jesu Crist par devocion de fervent 
amour; par epioi li nons nostre pere soit si confermds en nous, qu il 
soit nostre peres e nous si fil en si hoir, si conferme epie nule chose 
que puist avenir ne nous puisse desjoindre de ceste fermete ne de 
ceste grace. Mout est grant grace de dieu quant le volente est si 
enracinee en dieu, qu'ele ne puet crouller 5 ) por nule temptacion. Plus 
est grant chose quant on est si afferme's en Vamur e abevrds en la 
doueor dieu, que nuls solas ne nul confort on ne reeoit se de lui no//. 
Mais adones est li cuers parfitement e confermes, car la memoire est 
si aerse a lui qu'ele ne puet a riens penser 6 ) se en lui non. Et ce 
li requerons nous, quant nous disons : »Sanctificet?//- nomen tun///. Sire, 
tes nons soit saintifids en nous.« 

(v) »Adveniat regnuw tuuw. . Cest la seconde peticion de la 
pater nostre ou nous prions que li regne dieu viegne a nous e soit 
dedens nous. Nostres sires dist en l'euvangile a ses deciples : »Li regnes 
de dieu est ja dede;/s vous.« Ore enten bien come;/t ce puet estre. 
Quant dieu done une grace que on apele l'esperit d'entendeme^t ou 



1) Ayenbite unrichtig hise. — 2) Ayenbite : bet 110 fiing ne may him to parti 
ne onioyni (s. 107). Hierin ist toparti als Übersetzung von dessevrer als ein wort 
zu lesen , also to-parti nach Morris' Schreibweise. Morris dagegen trennt hier to 
und parti, während er s. 170 toparte als ein wort hat. — 3) Ayenbite: banne 
wyle pis word nou zigge (s. 107) ; Morris' Einschiebung von he hinter banne ist 
also dem sinne nicht entsprechend. — 4) Auch diesen gallicismus hat Michel wört- 
lich übertragen: by we nazt wypoute more ywesse. Ebenso weiter unten noch 
öfter. — 5) Ayenbite: zuo yroted ine god huich ne may to cryepe (s. 107). 
Hierin ist ein doppeltes missverständniss; statt qu'ele hat Michel quele gelesen 
und crouller = zittern unrichtig durch cryepe wiedergegeben; weiter unten, s. 116, 
schreibt er dafür rocky. — 6) Ayenbite : f>et ne of no bing penche (s. 107) ; es 
ist also von Michel ein dem puet entsprechendes may und auch das subjekt ver- 
gessen worden. 



Dan Michel' s Ayenbite of Inwyt 41 

euer, ausi come li solaus oste les tenebres de la nuit e gaste les nues 
e les bruines del matin, ausi gaste li sains esperis toutes les tenebres 
du euer e li moustre ses pecchiez e ses defautes, si que eis qui cuidoit 
estre tous nes, trove lors tant de defautes x ) e de pouties e de poudre 
sans nombre, ausi come li rais du soleil moustre les pouties e les pou- 
drettes qui sont aval la maison. Aprds li remostre d'autre part ne 
mie sans plus ce qui est dedens lui, mais ce qui est desouz lui [en] 
enfers ; e ce qui est desus lui ou ciel 2 ) ; ce qui est environ lui, toutes 
les beles creatures qui toutes loent dieu e li tesmoignent come dieus 
est bons e puissans, sages e biax, grans, debonaires e dous ; e com 
plus voit cler les creatures e plus est desirrans de lui meismes veoir 3 ). 
Mais il voit qu'il n'est ne purs ne dignes a lui veoir; adonques 
s'echaufe li bons cuers loiaus e se corrouce a lui meismes. Lors prent 
son pic e sa (86 r) pele e comence a fouir e a miner e entre 
en ce euer la dedens e trueve tant de pecchie's e de vices e tant de 
defautes, tant de poudres e de tribulacions de euer e de pensees e 
de mauvaises volentes que il se corrouce e s'adole, e prent im mau- 
talent a soi meismes, si qu'il comence le euer a nettoier acertes, e a 
gett'r hors toutes ces ordures qui li toloient la veue dieu en lui, e ce 
fait il o la pele de vraie confession. Mais quant il a longuement 
mine e il a toutes ces ordures getees hors, lors trueve pais e repos 
e soulas e joie, tant q'il li semble que tous li mondes soit uns enfers 
au regart de cele clarte e de cele pais que il trueve en son euer. E 
ce demandons nous quant nous disons: : Adveniat regnum tuuw. 
c'est a dire : Biau pere, plaise toi que li sains esperis nous voelle 
enluminer le euer e nettoier e espurgier tant que il soit dignes de 
dieu veoir, e qu'il daigne venir e manoir come rois et come sires, e 
gov^rnerres e comanderres, si que tous li cuers soit siens e il en soit 



1) Diese stelle lautet im Ayenbite ganz ungenau : zuo bet be ilke wende 
by al klene . fianne wyndeb hi zuo uele defautes (s. 108). — 2) Ayenbite. f>el 
bet is benebe pe helle and \>et bet is aboue him ine heuene (s. 108) ; Michel hat 
also statt lui vor enfers gelesen oder verbessert: li. Der französische text, wie er 
oben lautet, ist korrumpirt ; vor enfers ist en einzuschieben, was die andern hss. 
bieten. — 3) Ayenbite: and be more me zy£t be sseppinges briete : be innre liii 
\ ynynde him-zelue to yzyenne (s. 108); dies ist ohne den grundtext wieder 
ganz unverständlich. Im französischen texte ist als subjeet ein auf euer im vorher- 
gehenden bezügliches il zu nehmen: »Und je klarer es (das her/, d. li. der 
mensch) die g« ieht, um so mein- wünscht es, ihn d. h. gott) selbst zu 

sehen.« Welche sinnentstellenden fehler Michel nun gemacht hat . sieht man 
leicht. Nur über wynynde ist noch ein wort zu sagen. Morris erklärt es im 
glossar mit prevailing. Aus dem grundtexte desirrans ist zu ersehen, dass wynynde 
einfach verschrieben ist für wylnynde. An einer andern -teile. -.11. , . 2, wo 
Michel ebenfalls zuerst wynep geschrieben, hat er hei der korrektur das 1 noch 
übergeschrieben. 



42 H- Varnhagen 

rois, e que tous jors le puissons veoir, car ce est vie pardurable e le 
regne dieu avoir dedens nous. Por ce dist nostres sires en l'envangile, 
que li regnes dieu est ausi comrae uns tresors en un champ repus, 
c'est en euer que plus est grans que tous li mondes. 

(v) »Fiat voluntas tua sicut in celo et in terra. C'est la der« e 
peticion ou nus prions nostre pere du ciel que sa volente soit faite 
en nous ausi com ele est es ciels, c'est come es ') sains angles du cid 
qui sont si enlumine e conferme en dieu que il ne puent autre chose 
voloir fors ce que dieus vuelt. Ceste priere nous ne poons avoir se 
nous n'avons le don de conseil qui est le tiers don du saint esperit qui 
nous enseigne la siene bone volente e qu'il 2 ) nous conv^rtisse la 
nostre chaitive volente e la conferme du tont a la soe bone 3 ), si que 
en n'ait ne pr<?pre sens ne propre volente, mais la siene tant sulement 
qui soit dame de tout le euer entierement, e face en nous quanques 
ele veut, ausi com ele fait e est faite es sains angles du ciel qui fönt 
tous jors sa volente sans mesprendre e sans contredit. 

Ore as tu oi les III premieres peticions de la pater nostre, qui 
sont les plus hautes e les plus dignes. En la premiere nous deman- 
dons le don de sapience; en la seconde le don d'entendement; en la 
tierce le don de conseil 4 ), si come je t'ai desus moustre. Ces III choses 
nous ne reqz/^rons mie por ce que nous les aions en ceste vie mortele 
parfitement ; mais nous moustrons a nostre pere nos desirrers qui sont 
ou doivent estre a ce que (87 r) ces III prieres soient en nous 
faites e acomplies en la vie pardurable. Es 5 ) autres IV qui apres 
vienent nous parlerons I autre langage, car nous disons ap^v-tement a 
nostre pere : Done nous, pardone nous, garde nous, delivre nous. Se 
ces IV prieres de lui n' aions, nous sumes mort e maubailli en cestui 
siecle. Car eles nous sont necessaires en ceste vie mortele. 

»Panem nostrum cotidianu;;/ da nobis hodie.« Moutnous enseigne 
nostres bons maistres a parier humblement e saigement, quant il nous 
apre«t a dire: »Biau pere, nostre pain cotidien nous done hui.« Ke 
puet li fiz mielz demander a son pere que du pai« sans plus por le 
jor passer. II ne demande nul outrage, ne vin, ne char, ne poisson; 



1) Ayenbite unrichtig: ase be holy angles (s. 109). — 2) Das que, welches 
hier als Vertreter des vorhergehenden se mit negation einen negativen bedingung>- 
satz einführt, ist von Michel ganz wörtlich und unenglisch wiedergegeben durch 
J>et. — 3) Ayenbite unrichtig: confermy al to be hez;e guode (s. 109). — 

4) Michel hat dafür gelesen: le bon conseil, denn er übersetzt f>et guode red. — 

5) Auch hier, wie öfter, hat Michel les anstatt es gelesen oder verstanden. 



Dan Michel's Ayenbite of Inwyt 43 

du pain sans plus requiert 1 ); ne mie a l'an 2 ) ne portoute la semaine, 
mais sans plus au jour passer. Ore semble que ce soit mout petite 
chose ce que nous demandons; mais certes mout est grant chose. 
Quant on requiert I abbe le pain de s'abaie, on requiert la fraternite 
e la compaignie e part e droit en tous les biens de la maison 3 ). Ausi 
est ci qui qua l'otroi de cestui ])ain 4 ). II a la fraternite e part e 
compaignie e droit en tous les bienfais 5 ) qui sont ou ciel. C'est li 
pains de celui beneoit covent, li pains (v) du ciel, li pains des angles, 
li pains delitables, li pains de vie pardurable, car il done bone vie e 
garde 1'alme sans morir. Dont verite dist en l'evangile: »Je sui li 
pains de vie qui descendi du ciel. Qui mangera de cest pain, il 
vivra tous jors sans morir. « Cist pains est viande adroit, car il estanche 
toutes les feins du monde e saoule l'om///e si qu'il a asses. Ce ne 
fait nule autre viande. C'est li pains e la viande que tu prens ou 
sacreme«t de l'autel, que tu dois manger hastivement e gloutement, 
si come enseigne 1'escripture, ausi coihiwq fait li lecherres la bone 
viande, qui aucune fois engloutist le bon morsel sans maschier; c'est 
a dire que tu dois pre//dre ceste viande a grant ardeur de euer e a 
grant desirrer; e la dois ausi come transgloutir sans maschier, c'est 
a dire croire en gros que c'est li vrais cors Jesu Crist e l'alme e la 
deite tout ensemble, sans encerclw come;/t ce puet estre. Car dieu 
puet plus faire que hons ne puet entendre. Apr/s doit on ceste 
viande rongier ausi come li bues l'erbe qu'il a transgloutie ; c'est .1 
dire c'on doit recorder doucement e menuement par petites p<7/-ties 
toutes les bontes nostxe. seignor, e quanques Jesu Cris souffri en terre 
por nous. Adonc troeve li cuers la droite savour de ceste viande e 
reeoit une tres grant ardour de l'am//r de dieu (88 r) e I tres 
grant desirrer de faire assez e de souffrir por lui quanques il porroit; 
e tout ce fait la vertu de cest pai//. Car c'est li pains qui conforte 
e enforce le euer a ce qu'il soit bien fors a souffrir e faire grant 
chose por Yamur de dieu. Mais ce ne puet estre sans le quart don 
du saint esperit qui est apeles li dons de force, qui arme les Chevaliers 
dieu e les fait corre au martire e les fait rire entre les torraens. ( >iv 



1) Morris schiebt im Ayenbite ac vor bread und he vor byi ein; der grund- 
text zeigt, dass beides nicht gerechtfertigt ist. — -') Im Morris'schen texte ist a 
ycr zu trennen. — 3) Ayenbite: Huanne me bit be broberhede and pe uela^rede 
and pari and ri^t ine alle ne guodes of be house (s. 110); es sind darin also 
hinter huanne mehrere worte ausgefallen, Ich führe die stelle noch nach dem 
Midland-texte an: Whan men biddep an abbot be bred of bis abbay, men b 
hym part of liis broberhede and part and companye and ri^i i« all. be 
be hous. — *) Ayenbite falsch: fiel smakep of bi tl< 

bite hat vor in alle be guode dedes ein nichl hingehörendes and. 



44 "■ Varnhagen 

pues tu bien veoir coment cortoisement, quant nous demando//s cestui 
pain, nous demandons le dem de force. Car ausi come li pains cor- 
poreus soustient e enforce le cors , ausi le don de force fait le euer 
fort a souflfrir e a faire grans choses por dien. Cestui pain nous ape- 
lo;/s nostre, car il fu fais de nostre paste — beneoite seit la prode 
ferne qui du sien i mist la flour 1 ), ce fu la vierge Marie — e fris 
en la paille de la croiz si com il dist ou sautier: ^Voire, voire, fris 
en son propre saim 2 ), car ce fist il en la grant ardeur 3 ) de s'amour 
que il ot a nous. Et ce est li besquis dont il garnist sa nief, ce est 
sainte eglise, pour passer la grant mer de cest perillous monde. II 
est nostres, car il le nous laissa a son congie prendre, e a son darrain 
testament, Jesu Cris li tres larges, come le plus grant tresor qu'il nous 
peust laissier, e le nous dona ««/nie (v) le plus biau jouel qu'il nous 
peust doner e que nous le gardissons por l'amor de lui. II est 
vraiement nostres, car riens ne le nous puet tolir maugre nostre [vo- 
lente]. Nous l'apelons nostre pain cotidien , c'est a dire de chasa/n 
jour 4 ); car ce est la cotidiane distribucion que diex done a ses chanoines 5 ) 
chaseun jour qui fönt son servise e cha;/tent ses hores , c'est a tous 
bons cuers qui chasc//« jour doucement par vraie amour fönt memoire 



i) Ayenbite: pe guode wyfman , ]>et of hiren pet flour perto dede (s. Hl). 
Hierin ist die form hiren auffällig. Morris erklärt im Glossar s. 315 das wort 
durch her und in den anmerkungen s. 276 durch herseif. Wie er sich die form 
erklärt , sagt er weder an einer dieser beiden stellen , noch in seinen 'Histor. 
Outlines of Engl. Accid.', wo er s. 125 formen wie ouren = ours, heren = theirs 
als im altenglischen bisweilen vorkommend erwähnt und bemerkt, dass sich noch 
in heutigen englischen dialekten hisn, hern, ourn, theirn finden, was auch Mätzner, 
gram. I, s. 316 angibt. Ausser an der obigen stelle kommt hiren noch zweimal 
im Ayenbite vor; s. 38, z. 6 v. u. ; s. 60, z. 21; beide male ist of hiren = of 
theirs, wie der Zusammenhang und der grundtext, der du leur hat, ergibt. In dieser 
form hiren ist also an hire, d. h. den vermittels des pluralischen genitivsuffixes 
r (re) gebildeten genitiv pluralis des pron. pers. der 3. person , welcher im alt- 
englischen allgemein als pron. poss. gebraucht wird, noch das singulare genitiv- 
suffix n angehängt worden, und die so entstandene form (hi -f- re + n) ist dann 
als substantivisches pron. poss. verwendet worden. In der obigen stelle, die zur 
besprechung dieser form veranlassung gab , ist dieselbe bildung an dem gleich- 
lautenden hire, dem gen. sing, fem., vorgenommen worden; hiren ist hier 
also = hers. Diese doppelte genitivbildung und ihre Verwendung als pron. po». 
ist ein genaues analogon zu der neuenglischen und auch im altenglischen schon vor- 
kommenden bildung derselben form mit s anstatt des n: theirs, hers ect. Ausser 
hiren = theirs verwendet Michel auch hire (hyre), z. b. s. 96, z. 10 v. u., sowie 
die nebenform hare, z. b. s. 144, z. 16 als substant. poss. pron. — 2) Ayenbite: 
in his ozene blöde (s. Hl), also Verwechselung von franz. sann mit sanc. — 
3) Im Ayenbite unrichtig durch wylle übersetzt. — 4) I m Ayenbite entsteht durch 
Übersetzung des cotidien durch of eche daye eine tautologie : We hit clepiep oure 
bread of eche daye, pet is to zigge of eche daye (s. 112). Ueber ähnliche tauto- 
logien s. E. St. I, s. 389. — 5) Für dieses wort, das sich ebenso in den andern 
hss. findet , hat der Ayenbite wel wilynde ; doch hat ursprünglich nur wel wynde 
dagestanden, und il ist erst nachträglich von Michel über wynde geschrieben. 
Wie Michel zu diesem ausdrucke kommt, ist mir nicht klar. 



Dan Michel' s Ayenbite of Inwyt Ar 

e ramembrance de sa passion. Le gros de la p/wende nous prenons 
en nostre apust ou ciel quant nous le verrons a descovert en sa biaute 
si com il est. II est dist(il) por ce cotidiens, que chascun jour il 
nous est necessaires, e chascun jor le doit on prendre ou au sacrement 
de l'autel, come fönt li prestre ou espirituelment par droite foi. Cist 
pains est tres precieus e tres nobles e tres bien appareillies , ce est 
viande roiaus en cui sont toutes manieres de delices e toutes bones 
savours, si come dist li livres de sapience. Ce n'est pas viande a 
garconer 1 ) ne a doner ne a pietaille ne a chienaille ne a vilains, 
mais as cuers nobles e gentius e cortois e nes , c'est au euer qui 
est gentix par grace, nobles par bone vie, nettoies et laves par vraie 
confession. De sa vertu parle sai«s Ma[t]hius l'evangelistes e l'apele 
pain seursustan- (89 r) ciel, 2 ) c'est a dire qui passe e sormonte 
toutes sustances e toutes creatures de loins en vertu e en dignete" e 
en toutes manieres de valour ; ne le puet mielz descrire ne plus souf 
fisaument que sens substancieus 3 ). On dist que viande est sustancieuse 
quant il i a assez de sustance e de norrissement, e com est plus bien 
norrissans, plus dist on qu'ele est sustancieuse. E por ce que en ce 
pain a plus de verta e de bien e de norreture q'on ne porroit penser 
ne dire, ne dist on pas qu'il est sustancieus , ains dist on qu'il est 
sorsustancieus, c'est vertueus e sustancieus outre entewdement e cuidier. 
Ce pain nous requerons a nostre pere, e le prions qu'il nous doint hui 
en cest jor 4 ), c'est en ceste vie mortele, si que nous puissons bone 
jornee faire e attendre plus liement nostre loier, c'est le denier qu'il 
done a ses ovriers quant vient au vespre, c'est a la fin de lor vie. 
»Dimitte nobis debita nostra. sicut et nos dimittimus debitorib?/.f 



1) Ayenbite: pet ne is na^t mete to gromes (s. 112). Michel hat also ge- 
lesen: a gargons. Der französische Ausdruck ist allerdings etwas eigenthümlich. 
Man kann garconer, das sonst heist : Jemanden einen Schurken nennen, nur in dem 
allgemeinen sinne »beschimpfen« nehmen. Der Verfasser des niidland- textes hat 
es ebenso wie Michel verstanden: pet is'no mete to z;eue knaues and pitaille ne 
to houndes ne to cherles. — 2) Ayenbite: and hit clepep ziker bread substanciel 
(s. 112); Michel sah in der ersten silbe des Wortes seursustanciel das ad 
seur = sicher und übersetzte demgemäss. Einige zeilen später dagegen um- 
schreibt er das wort durch ope substance , ein gegenstiiek zu dem stud. 1, S. ^V 
besprochenen ope {je woke, franz. seursemaine. — 3) Die hs. hat sens substan- 
cieus und diese lesart hat auch Michel vorgelegen , der es mit wit substances 
wiedergibt. Doch ist die lesart des grundtextes wohl korrumpirt; die Lesarten der 
andern französischen hss. habe ich nicht notirl. Die einfachste änderung schein! 
die von sens in seur zu sein. Im Ayenbite-texte entsteht in der ganzen stelle d 
dazu dienen soll, den sinn des Wortes seursustanciel klar zu machen, ausserdem 
noch besonders dadurch grosse Verwirrung, dass Michel das franz. sustance und 
sustancieus einmal durch myzte und miztuol übersetz) und gleich darauf beibehält. 
Den sinn der ganzen stelle hat er nicht verstanden, — +) Ayenbite liai tautoloj 
to day, ine [>ise daye (s. 11; 



4 6 



II. Varnhager, 



nostris/ En ceste peticion nous requerons nostre pere du ciel qu'il 
nous voelle \>ardoner nos mesfais, ausi < om nous pardonons a ceus 
qui nous mesfont Oll ont mesfait. Dont nous li disons ainsi : Biau 
pere, quite nous nos dettes ausi come nous quitons a nos detteors. 
Nos dettes (v) sont nos pecchids <|iie nous avons acreu sor nos alme . 
c'est le meillor gage de l'hostel, dont li pecchierres par I seul pecchic 
mortel qui si tost est passes quant au delit ou quant au fait est ob- 
ligie*s a si grant usure qu'il na pooir de finer, < est a la peine d'infer 
c|ui est sans fin. Apres il en doit a dieu qu'il a corrouce" si grant 
amende qu'il n'a pooir de paier. Car en toute sa vie se il vivoit 
C ans ou plus, il ne porroit mie faire souffisant penitance d'un seul 
pecchie mortel, se dieus voloit user de rendre justice. Et por ce te 
covient recorre a la cort de misericorde , e crier merci e demander 
pardon ; car par le droit de la cort de justice li pecchierres seroit 
juges e <vwdampnes a mort pardurableme/rt. Por ce nostres bons 
maistres Jesu Cris nous enseigne ci a demander pardon e quitance, 
quant nous prions nostre hon pere qui est dotis e debonaires por 
doner larges e cortois que il nous pardoint nos mesfais. Mais pren 
toi bien garde coment tu pries: Pardone nous nos mesfais ausi come 
nous pardonons a ceus qui nous ont mesfait.« Car se nous ne par- 
donons a ceus qui nous ont mesfait, dieu ne nous pardorra mie les 
nos mesfais si co/// il meismes nous dist en l'evangile. Dont eil 
(90 r) qui dist sa pater nostre e a en son euer raneune, ou fe- 
lonie, ou baine, il prie plus contre soi que por soi , car il prie dieu 
que il ne li pardoint mie, qu<mt il dist: Pardonez moi ausi come je 
pardone.*. E por ce toutes les fois que tu dis ta pater nostre devant 
dieu qui voit ton euer, tu dois pardonev ton mautalent e geter de ton 
euer toute ire et toute haine e raneune. Autrement ta priere est plus 
contre toi que por toi. Se il te semble forte chose e grief a pardoner 
ton mautalent a ceus qui te heent ou qui mal te voelent ou il t'ont 
mesfait '), pense que dieu pardona sa mort a ceus qui le crueifierent, 
por toi doner essample de pardomr a ceus qui t'ont mesfait, e plus 
encor de lor bien faire s'il ont mestrr de toi. Car si com il dist 
en l'evangile: Nest pas grant chose ne grant deserte vers dieu de bien 
faire a ceus qui bie// nous fönt , ne d'amer ceus qui nous aime//t ; 
car ce fönt e paien e Sarrazin e autre peccheor.« Mais nous qui sumes 
fiz dieu par foi e par grace e sumes crestien nome de Jesu Crist e 



1) Ayenbite: huer he al misdef», was sinnlos ist. .Michel hat ou übersetzt 

und -tatt t'ont gelesen : tout. 



Dan Michel' s Ayenbite of Inwyt 47 

sumes heyr avoec lui de l'heritage de paradis, devons pardoner l'un a 
l'autre 1 ) e amer nos anemis, c'est a dire lor persones e prier por eus 
e lor bien (v) faire, se il en ont mestier* e vous le puissies faire, car 
ensi le *w//mande il en l'evangile. Dont nous devons hair tant seu- 
lement les pecchie's e amer les almes, qui sont fait a l'ymage nostre 
seignor. Ausi com I membre de cors aime e deporte Vautre, se uns 
membres blesce l'autre par aventure, li autres ne se venge mie por ce. 
Nous sumes tout uns cors en Jesu Crist, si come dist li apostres, e 
por ce nous devons amer Tun l'autre e no« mie hair ne grever a tort 
Tun l'autre. Qui autrement le fait, il est homicides 2 ) e se dampne, 
si come dist l'escriture. Tiex seut dire sa pater nostre 3 ), mielz li ve;;- 
droit 4 ) qu'il se teust , car il amaine son juge ^w/tre soi. En ceste 



') Ayenbite: of ous to uoryeue J>e on to pe opre (s. 114); wieder sinnlos. 
Anstatt devons hat Michel de nous gelesen und übersetzt. — 2) Ayenbite: he is 
mansla^te (s. 115); dieses ist das abstraktum = homicidiura, während im grund- 
texte homicides das konkretum = homicida ist. Wir finden diese Verwechslung 
noch an drei stellen des Ayenbite: s. 8, z. 7 v. u.; s. 54> z. 7 v. u. ; s. 171, 
z. 16. Hier wie auch an den beiden andern stellen, s. 30, z. 22 und s. 57, z. 3, 
wo das wort richtig als abstraktum gebraucht ist, wechselt die form manslaZte mit 
mansla^pe. Im anschluss an die erste der erwähnten stellen (s. 8) hat Mätzner 
in den Sprachpr. II, s. 65 die frage aufgeworfen, ob vielleicht >dem Süden Englands 
eine Vermischung des abstraktums mit dem konkretum geläufig« gewesen sei. Er 
führt ausser den obigen beispielen noch zwei stellen aus Shoreham und eine 
aus The ten commandements (Sprachpr. I, s. 130) an, wo scheinbar sich 
dieselbe Verwechslung findet. An und für sich ist eine solche vertauschung wenig 
wahrscheinlich; dem ags. dürfte sie ganz fremd sein. Freilich sind die beiden 
stellen aus Shoreham sehr auffällig: 

He pat hatye[) eny man, 

I le seche[J>] pat he hym sla^e. 

Manye suche manslez,pen bep, 

)>at al day men forgnaZ,ep. (s. 98.) 

For [iat he hys mansle^pe pur. (s. 152.) 

Hierher gehört ferner noch: And £ef per hys mansleZpe pur (ib. s. 9S). 
(Wright trennt in allen drei fällen pe res]). [>en von manslez.) Diese stellen würden 
unter andern umstanden als beweis vielleicht schon genügen. Aber bei der außer- 
gewöhnlich schlechten Überlieferung des textes, dessen Schwierigkeiten durch Wright's 
ausgäbe noch vermehrt sind, müssen wir die obigen stellen zunächst bei seite lassen, 
bis wir eine schon längst nöthig gewordene kritische ausgäbe besitzen die in nicht 
.allzu langer zeit zu erwarten sein dürfte, wenn ich recht unterrichtet bin). 

Ohne jede beweiskraft sind die stellen aus dem Ayenbite. Dass Michel 
an allen stellen das franz. homieide gleicherweise durch manslazpe übers. 
ohnc sich darum zu kümmern, ob es homicida oder homieidium war, ist bei 
seiner art zu übersetzen nicht weiter auffällig; solche versehen gehören ja bei 
ihm ZU den ganz unbedeutenden. 

Es bleibt zunächst also nur die eine stelle aus The ten com. "übrig, die natürlich, 
so lange sie allein steht, ohne belang ist. — 3) Diese worte scheinen korrumpirl zu 
sein. Die lesart der übrigen li-s. habe ich nicht angemerkt. Wie Michel die stelle 
übersetzt (zuych can zigge his patei noster), passt sie nicht in den Zusammenhang, 
Der midland-text hat: Suche könne not seie here pater noster, — ' Die andere 

ältere hs. hat vaudi'oit. 



48 II- Varnhagen 

priere que nous faisons a dieu nous li requerons I don du saint esperit, 
qui est apeles li dons de science, qui fait l'ome apense" 1 ) e piain de 
science. Cis esperis li moustre que il est, e en quiex perils il est, e 
dont il vient e la ou il voit, e ce qu'il fait, e le mesfait qu'il a fait, 
e combien il a ci acreu, e combien il doit. Et quant il voit qu'il 
dont finer, adonc le fait cis esperis plorer e merä crier a dieu e dire : 
Sire, pardones moi mes dettes, ce sont mi pecchie , car je sui mout 
ent dettes vers toi e por les maus que j'ai fait e por les biens que 
j'ai ob- (91 i") lies e laissie's a faire, que je peusse e deusse avoir 
fais e por tes biens que tu m'as fait e tes grans bontes que j'ai tous 
jors receus, dont j'ai mauvaisemrat use , e toi mauvaiseme;zt servi ; e 
por ce, sire, je n'ai dont faire paiement; pardones moi ce que je doi. 
Quant cis esperis la si enlumine que il conoist ses defautes, lors li 
fait geter fors du euer toute haine e toute raneune e tout pardoner 
son mautalent, s'il en a point, e se il ne la il est en volente e en porpos 
de pardoner de euer, se l'en ly mesfait. Adonc puet eil bien dire : 
»Biau pere, pardones nous nos mesfais, ausi come nous faisons a ceus 
qui nous ont mesfait.« 

»Et ne nos inducas in temptacionem. « Eschaude's eaue crient 2 ,, 
e cis qui est aueune fois cheus en pecchie , quant li pecchie li sont 
pardone, il en est plus humbles e plus cremus e plus a gra«t paor 
de temptacion. Por ce prie ci eil a cui diex ses mesfais pardone que 
il le gart de' renchair. »Et ne nos inducas in temptacionem.« C'est 
a dire : Biau dous pere , ne nous maine mie juques dedens la temp- 
tacion. Li diables est li tempteires, car c'est son mestier, de quoi il 
sert en l'ostel dieu de esprover les Chevaliers noveaus, e se la temp- 
tacion (v) ne feust bone e profitable as bons, dieu qui tout fait por 
nostre preu ne souffrist pas qu'ele venist. Mais si come dist saint 
Bernard : » Quant li tempterres nous martele sor le dos, il nous forge 
nos corones de gloire,« ausi come eil qui sor le dos au bon Chevalier 
fiert e frape, li forge son los e sa gloire. Li diables a ce p/vprement 
tempte l'ome, qu'il le puisse esrachier de l'amour de dieu. Por ce 
prie saint Pol ses deciples qu'il soient fonde come tors , enracine 



1) Ayenbite: pet makes pane man ine po£te (s. 1 15). Michel hat also anstatt 
des partizips apense = bedacht gelesen a penses. — 2) Dies ist, wie sich aus 
den folgenden zeilen ergibt, unser Sprichwort: »Gebrannte kinder fürchten das 
feuer«. Dass hier der gebrannte das wasser fürchtet, wie auch die andere ältere 
französische hs. hat (Eschaudez aigue crient) , findet seine erklärung darin , dass 
hei ss es wasser gemeint ist; die Roy.-hs. nämlich hat: Eschaudez yaue chaude 
crient. Der Ayenbite hat dem deutschen sprichworte gemäss: pe ybernde uer 
dret (s. 116). 



Dan Michel's Ayenbite of Inwyt 40 

. orame arbres en charite", si que nule temptacion ne les puisse movoir 
-ne crouller. Por ce en ceste peticion nous demandons l'aide de dieu 
en nostre bataille e le don de pite, c'est une grace qui arouse le euer 
e le fait dous e piteus e le fait tout raverdir, e porter assez fruit de 
bones oevres par dehors, e parr dede//s terre fermer ces racines en la 
terre des vivans ;• c'est ausi come li bons eimens dont Ten fait les 
bons murs sarrazinois que on ne puet desconfire ne a pic ne a per- 
riere. Quant nous disons donc: »Et ne nos inducas in temptacionem . 
c'est a dire: Biau dous peres, fai nos cuers fermes e estables que il 
ne se moevent por nule temptacion que ior viegne. Nous ne prions 
pas que nous ne soions tempte, car ce seroit fole priere e hontouse, 
(92 r) ausi com li fiz a I prodome qui seroit noviaus Chevaliers 
lui prioit : Biau pere, je vous pri que vus rac gardez que je ne voise 
jamais ne a poigneiz n'a tornoiemens. Nous volons bien estre temptes, 
car c'est nostre preu en mout de manieres ; car nous en sumes plus 
humbles e plus cremetous e plus sages en toutes manieres, e plus 
preus e plus esprove. Car si com dist Salemons : qui n'a este 
temptes z ) il ne puet riens a droit savoir« , fors ausi com Ten set la 
bataille de Troies par oir dire. Car il ne puet soi meismes conoistre 
ne soi enfermer en la force de ses anemis ne lor soutivete, e com 
cliex est loiaus au besoing por son ami aidier, ne de quans pecchiez 
ne de quans periex il l'a sovent garde, e por toutes ces raisons il ne 
satira ja a droit dieu amer ne li gracier de ses bien.s. Mais nous ii 
prions qu'il nous gard nos cuers qu'il n'entrent en temptacion; c'est 
que ne s'i consentent. Car quant est de nous, nous sumes si povre 
e si fehle que nous ne poons pas une höre de jor soustenir les assaus 
au diable sans l'aide nostre seignor. Et quant il nous faut , nous i 
entrons. Quant il nous aide, nous arestons e nous combatons e nous 
v aincons. Et por ce disons nous : Biau p f ve (v) ne nous maine en 
temptacion-, ce est: ne soufFrez mie que nous i entrons par con- 
sentement. 

~Sed libera nos a malo. Amen. Sains Augustins dist que les autres 
vices nous fönt ou les mals faire ou'les biens laissier a faire. Mais tout 
ce k'on a fait e tous les dons la'on a conquis orguez bee a destruire e 
a tolir. Et por ce quant ilieus a done a home ce qu'il a requis en ce s Vit 
peticions devant dites, adonc primes est il mestien s «juil le 

delivre du mauvais e de ses agaiz. Et poi ce vient au darrein ceste 



i) Ayenbite: Ze pet ne hep bise uondinges ». 117). Michel hat anstal 
n ceste und temptes für ein Substantiv genommen. Die form ze scheint nur 
an il im Ayenbite vorzukommen, Das femininum /y findet sich s, u 

Kölbing, Englische Studien. II. 1. 4 



cq H. Varnhagen 

peticion come l'ariere-garde qui dist cnsi : Sed li'.era nos a nialo. 
Amen.« C est a dire: Biau pere, delivre nous du mauvais, c'est a 
dire du dyable e de ses engins que nous ne perdons par orgueil les 
biens que tu nous as dones. En ceste peticion nous li prions qu'il 
nous doint le don de paoui par quoi nous soions delivre du mauvais 
e de tout autre mal, c'est de tout pecchie' e de tous perils en cest 
•siecle e en l'autre. Amen. 

Ore a tu oi les notes que on sieut noter sor ceste changonette 
que diex fist, c'est la pat^r nostre. Ore garde que la saches bien 
chanter en ton euer, car grans biens t'en avendra, se ensi le fais. 



Grundtext zu den beiden ersten in Zupitza's Altenglischem 
Übungsbuch s. 58 fl. abgedruckten abschnitten x ). 

(Ayenbite s. 87 — 89 u. s. 191.) 

(Fol. 70 v). Qui la seconde franchise dont j'ai parle avoir porra, 
a grant noblesce vendra 2 ). La vraie noblesce vient du euer gentil. 
Certes nus cuers n'est gentix qui n'aime dieu. Dont il n'est noblesce 
que en dieu servir e amer, ne vilenie fors du contraxre, c'est de dieu 
( orroucer e de pecchie faire. Nuls n'est a droit gentix ne nobles de 
la gentillesce du cors. Car quant au cors touz sumes fiz d'une mere, 
c'est de terre e de boe, dont nous preismes tuit e char e sanc. De cest 
cote nus n'est a droit gentix ne frans. Mais nostre droit peres est li 
rois du ciel qui forma le cors de la terre e cria l'ame a s'ymage e 
a sa semblance. Et tout ausi com il est dou pere charnel qui m»lt 
est lies quant ses fiz le resemble, tout ausi est il de nostre pere 
espirituel qui par escriptures (71 r) e par ses messages ne nous fine 
de semondre e pr/er que nous mettons peine de lui resembler. E 
por ce nous envoia il son beneoit fil Jesu Crist en terre por nous 
aporter le vrai essamplaire, par qui nous sumes reforme 3 ) a s'ymage 
e a sa biaute, come sont eil qui habitent en sa haute cite du ciel — 
ce sont li angle e li saint de paradis — ou chaseuns est de tant plus 
haut e plus nobles com plus pr<?prement porte cele bele ymage. Et 
por ce li saint home en cest siecle mettent tout leur euer e lor paine 



1) Der grundtext zu dem dritten abschnitte ist abgedruckt in den Vor- 
bemerkungen zu Morris' ausgäbe. — 2) Ayenbite : to greate noblesse hit ssolde 
come. Das hit ist ein nicht in den Zusammenhang passender zusatz Michel's. — 
3) Ayenbite hat unrichtig einfach yssape ; auch weiter unten gibt Michel dasselbe 
wort nur durch ymad wieder , während er sonst das re in Zusammensetzungen 
meist durch eft wiedergibt. 



Dan Michel' s Ayenbite of Imvyt c j 

a dieu conoistre e.amer, e de lor cuers 1 ) pecchie du tout espurgier. 
Car de tant corae li cuers est plus purs e plus nes, de tant voit il 
cele face Jesu Crist plus apertement, e com plus la voit apwteme//t 
e plus l'aime ardaument, tant le resemble il plus proprement; e c'est 
la vraie noblesce que nous fait fiz dieu. Et por ce dist trop bien 
saint Jehan li apostres, que adonc serons nous fiz dieu e le resemblerons 
pr<?prement, quant nous le verrons, si com il est apertement. Ce sera 
en sa gloire quant nous serons en paradis, car ci ne voit nus a des- 
covert la blaute" dieu , mais ausi corae parmi I mireor si corae dist 
saint Pol. Mais lors- nous le verrons face a face clerement. 

La vraie no-(v) blesce donc de l'home commence ci par grace 
e par xertn e est parfaite en gloire. Ceste noblesce fait le saint es- 
perit es cuers qu'il espurge en purte, e enlumine en verite e parfsät 
en charite. Ce sont les III plus granz biens que dieu done as angles, 
si come dist saint Denis, par quoi il resemblent a lor creatour. Ensi 
oevre li sains esperis es cuers de pr^domes par grace e par vertu, 
par quoi il sont reforme a l'ymage e a la sewblance dieu tant cowraie 
estre puet en ceste vie ; car il les lieve si en dieu e les embrase si en 
s'amour, que toute lor entente e lor entendeme//t est, ce est lor en- 
tencion, toute lor volente, toute lor memoire, c'est lor ramenbrance 
qui est convertie en dieu, ceste amour e eis desirrers qui enjoint e 
onit si le euer a dieu , qu'il ne puet autre chose voroir que ce que 
dieu veut, car il n'ont entre lui et dieu que une meisme volente 2 \ E 
adonc a l'ymage 3 ) e la semblance dieu si come on pooit avoir en 
terre. E c'est la plus grant noblesce e la plus haute gentillesce a qui 
on peust tendre ne monter 4 ). 

He dieu ! couime sont loins de ceste hautesce eil qui sc fönt si 
cointe de cele povre noblesce q'il ont de par lor mere la terre , qui 
porte e norrist ausi bien les pourciaus conimz ele fait les rois , e 
va/7- (72 r) tent de tor gentillesce pour ce qu'il cuident estre d 
gentil boe, e cestui parage sevent trop bie« conttx, e lautre coste* ne 
regardent mie dont lor vient la vraie noblesce e li gentix parag 

1) Ayenbite: of hire herte, wahrend unmittelbar vorher richtig his herte und 
his payne steht. Michel hat vergessen , dass er den plur. li saint home (irrthüm- 
lich) durch den singular übersetzt hat. Cf. s. 56 anm. 7 und s. 5c) anin. I, 
2) Dieser sat/ icheint corrumpirt zu sein. Die lesart der andern hs<; habe 
ich nicht angemerkt. Im Ayenbite i>t hier eine lücke; es sind in der hs. mehrere 
worte ausradirt. — -') Ayenbite: and panne to pe ymage, also Verwechslung der 
präposition a mit der verbalform; dasselbe versehen wurde oben notirl i st. I, 
S. 409 und öfter. — •*) Ayenbite: bei nie may to hopye and cliue. I>ie un- 
richtige Übersetzung von franz. tendre durch hopye hat ihren grund wol in 
:er lesung. Anstatl tendre scheint Michel attendre gelesen oder verstanden 
haben. 



t 2 H. Vamhagen 

II deussent regarder a lor vrai cssamplaire Jesu Crist, qw plus') ama 
e honoura sa mere que onques ne fist autre home; e toutes voies 
quant on li dist: Sire, vostre mere e vostre cousin vous demandent. , 
il respondi: »Ki est ma mere e qui sont mi cosin? Quique onques 
fait la volente mon pere du ciel, il est mes freres e ma suer e ma 
mere.« Car c'est li nobles costes e li gentix parages dont vient e 
naist au euer vraie gloire, ausi comme de Vautre vaine noblesce naist 
orgoil e vaine gloire. 



(Fol. 144 r). Apres il fu I povre home, si com on dit, qui avoit 
11 ne vache e oi dire a son prestre en sarmon que dieu disoit en 1 e- 
v^ngile que dieu rendoit a cent doubles quanque on donast por lui. 
Le prodowzme du <w/seil sa femme dona sa vache a son prestre qui 
estoit riches. Le prestre la prist volentiers e l'envoia pestre avoec 
les autres qu'il avoit. Kant vint au soir, la vache au povre home 
s'en vint a son hostel chies le povre ho///me com ele avoit a cou- 
stume, e amena avoecques soi toutes les vaches au prestre jukes a cent. 
Quant le bon home vit ce, si pe;/sa que ce estoit le mot de l'ewangile 
que li avoit re^du 2 ). Eli furent ajugiees 3 ) devant son evesque contre 
le prestre. Cest ensample moustre bien que misericorde est bone 
marchande, car ele multiplie les biens temporeis. 



Grundtext zu dem in Wülcker's Altenglischem lesebuch I, 
s. 112 — 116 abgedruckten abschnitte. 

(Ayenbite s. 50 — 57.) 

Le VII. chief de la beste 4 ). 
(Fol. 43 v). Li setimes chief de la beste male si est li pecchies 
de la bouche. Et por ce que la bouche a II 'offices, dont Tun apar- 
tient au goust come a boivre e meng^r , l'autre si est en parier, por 



1) Ayenbite unrichtig mest. — 2) Diese letzten worte sind wohl zu verstehen: 
■Dass es das wort des evangeliums wäre, welches (nom.) sie, d. h. die kuh ihm 
zurückgegeben habe.« Michel hielt que, welche form als nominativ in unserm 
texte seltener vorkommt, für den aecusativ und li = il ; so erklärt sich seine un- 
verständliche Übersetzung: pet he hedde yyolde. — 3) Ayenbite: and him weren 
yloked. Die falsche Übersetzung von ajugiees durch yloked hat ihren grund jeden- 
falls wieder in einem missverständnisse. Was Michel aus dem französischen worte 
herausgelesen , vermag ich nicht zu vermuthen. Sonst dient loke zur Übersetzung 
des franz. guarder. — 4) Eine provenzalische Übersetzung der ersten hälfte dieses 
abschnitts ist abgedruckt bei Bartsch, Chrest. prov., 3. aufl., sp. 343 fl., und ein 
kleiner theil in einer ganz abweichenden redaktion nach einer Oxforder hs. bei 
P. Meyer, Rapp. 266 fl. (S. A.). 






Dan Michel's Ayenbite of Inwyt c^ 

ce se devise cel pecchid en II parües principaus , c'est a savoir en 
pecchid de glotonie qui est en boivre e en menger, e en pechie de 
male langue qui est en folement parier. Et premierement dirons du 
pecchid de glotonie qui est uns vices qui piaist mout au diable e mout 
desplaist a dieu. Par tel pecchie a li diables mout grant pooir en 
home. Dont nous lisons en l'euvangile que dieu dona congie' as diables 
d'entrer en porciaus; e quant il i furent entre, il les noierent en 
(44 r) la mer, en signifiance que es glotons qui mainent vie de por- 
ciaus, a li diables congie d'entrer e de eus noier en la mer d'infer e 
de eus tant faire meng«' que il crevent, e tant boivre q'il se noient. 
Quant li Champions a spn compaignon abatu e il le tient par la gorge, 
a envis se relieve. Ausi est de celui que li diables tient par cest vice ; 
e por ce volentiers li court a la goule come li lous a la berbiz por 
li estrangler, come il fist a Eve e a Adam en paradis terrestre. C'est 
li peeschierres d'enfer qui prent les poissons par la goule a le emecon '). 
Cest vice desplait mout a dieu. Car li glotons si fait trop grant honte, 
quant il fait son dieu d'un sac piain de fiens, c'est de son ventre 
q'il aime plus que dieu, e le crient 2 ) e le sert. Dieu li commande a 
jeuner; li ventre dist: »No/z feras, ainz mangerez longuement e atrait. 
Dieu li comande de matin lever; son dieu dist: : No// feras; je sui 
trop plains ; dormir m'estuet. Li moustiers n'est pas lievres, il m'a- 
tendr<z bien.« Et quant il se lieve, si cowmence ses matines e ses 
oreisons e prieres, e dist: »Dieu, que mangerons hui? Trovera l'en 
chose que vaille?;; Apr/s ces matines vienent les laudes ; e dist: 
»Dieu, come nous eumes bon vin ersoir e bones viandes.« Aprds si 
plore ses pecchids e dist: »Las, dist-il, j'ai este a nuit mors; trop fu 
fort le vin d'ersoir; la teste me duelt ; je ne serai a aise, si aurai beu. 
Ci a malvais dit 3 ). Cel vice maine home a ho//te. Car premierement 
il devient tavernier; puis jue as dez; puis vent le sien; puis devient 
ribaus, houlers e lerres ; e puis le pent on. Ce est l'escot qu'il en 
paie souvent. Cist pecchie se devise selom saint Gregoire en V 
branches. Car en V manieres pecche l'en par mangier e par boire: 
ou por ce que l'on mangue e boit devant höre, ou sanz mesure* , 
ou trop ardaument, ou trop plentureusement. La premiere branche 
donc de cest pecchid est mang.v devant höre. Trop est laide chose 



1) Siehe E. st. I, s. 415. — 2) Ayenbite: and ine bim ylefb; anstatt crient 
hat Michel croil gelesen und tibersetzt. — ; ) Diese worte, deren sinn i>t: l'.is 
ist eine schlichte rede«, hat Michel falsch wiedergegeben mit bous to be kueade 
zayb. ■ — •») Ayenbite: touore time, obei to lostuolliche, if mesure. Das 

ober to lostuolliche, das im französischen texte fehlt, ist auch in der hs. des Ayen- 

erst nachträglich an den rand geschrieben, doch von Michel selbst. 



Ca II. Varnhagen 

dorne qui a age quant il ne puet attendre höre de mangier. E de 
grant leccherie de goule avient que hons qui est fors e sains de cors 
sanz acheson resnable devant droite höre cort a la viande w»«ne fait 
une beste mue. E mout de pecchiez aviene/zt de tele acoustumance. 
Dont il avient que tel home dist qu'il ne puet jeuner ne faire pe- 
(45 r) nitence; car il a, ce dist, trop mauvais chief 'i — e il <!ist 
voir, car il a teu fet — e mauvais euer ausi que li a fet le chief mau- 
vais 2 ) et li a fait briser sa jeune qui est grant pecchid. E se il se 
dampnast par lui seul, ne peust chaloir; mais il vuelt avoir com- 
paignons qui ausi facent come il ; lesquels il trait de bien faire et maine 
avoec soi en enfer. Car il lor fait briser lor jeunes e faire les glo- 
tonies, dont il se gardassent se ne fussent les mauvaises co/wpaignies. 
Car eil beveor e eil leccheor entre les autres maus que il fönt [fönt] 3 ) 
proprement I pecchie qui est au diable, quant il retraie//t de bien 
faire. II dient qu'il ne puent jeuner, mais il mentent ; car petite ainor 
de dieu lor a ce fait dire 4 ). Car s'il amassent tant la vraie gloire du 
ciel «me il fönt la vaine gloire du monde, ausi comrae il jeunent 
por les besoignes temporeus jusqz/'ö la nuit, ausi jeunassent il bien 
jusqu'a none por dieu 5 ), se tant 1' amassent. Mais il sont ausi corame 
li enfes qui vuelt touz jours avoir le pain en la main. Et dois savoir 
que ausi comme Ten pecche en trop matin lever por mengier, ausi 
pecche l'en (v) a trop tart souper. Dont ces genz, qui tant aiment 
a souper e a veillier de nuit e gastent le tens en oiseuses e couchent 
tart e lievent tart, pecchent en mout de manieres. Primes en ce qu'il 
gastent le tens, e il le bestorne;/t quant il fönt de la nuit jor e du 
jor nuit. Tiels ge//z dieu maudit par le p/vphete. Car Ten doit le 
jor bien faire e la nuit dieu loer e prier. Mais eil qui se couche 
quant il devroit lever, dormir le estuet quant il devroit orer e son 
servise oir e dieu loer ; e ensi pert il tout son tans e la nuit e le jour. 



1) Ayenbite: Vor he hep pet yzed ich habbe a to kuead heaued. Michel hat 
ce dist nicht verstanden und deshalb ich habbe eingeschoben. — 2) Ayenbite bei 
Morris: pet hep ymad pet kuead. In der hs. aber steht, dem grundtexte ent- 
sprechend, heued vor kuead, ist jedoch durch irgend ein versehen durchgestrichen 
worden. — 3) font ist in unserer hs. einmal ausgefallen, und so steht auch im 
Ayenbite nur einmal dop. Die übrigen französischen hss. haben richtig font zwei- 
mal. — 4) Ayenbite: Vor litel love of god ham hep pet y do zigge. Wülcker's er- 
klärung dieser worte (denn wenig liebe zu Gott hat sie, das thue ich sagen) wird 
durch den grundtext hinfällig. Im englischen texte ist ydo ein wort. — 5) Ayen- 
bite : ase wel hi mizten ueste huet non uor god. Morris gibt in den anmerkungen, 
s. 275 die erklärung des huet non = until noon und führt die worte des grund- 
textes an. Auch Mätzner hat diese erklärung. Wülcker scheint beides übersehen 
zu haben, denn er gibt die Übersetzung: »Ebenso wol könnten sie fasten, warum 
nicht Gottes wegen, wenn sie ihn ebenso sehr liebten.« 



Dan Michel's Ayenbite of Tnwyt cc 

Apr/s en tieus veilleries Ten fait mult de maus, comme. juer as esches 
ou as tables, e dist l'en mout de gas e de folies, e ensi gaste li 
chaitifs son tens e son sens e son despens, e courrouce dieu e grieve 
son cors e plus l'alme. La seconde branche est de boivre e de 
mangier a outrage e sans mesure. Cil sont pn?preme//t gloton qui 
tout engloutent come fait li goufres de Satalie 1 ). C'est trop sens 2 ) 
de garder mesure en me//gier e en boivre e grant sante ; car mout 
de genz en moerent e sovent en viene//t mu\t de grant maladies. 
Mais qui ceste mesure vuelt aprendre il doit savoir e entendre qu'il 
sont mout (46 r) de manieres de vivre au monde. Li un vivent 
selom la char, li autre selom lor jolivete, li autre selom lor fisike , li 
autre selom lor honestete, li autre selom ce que lor pecchie'z requierent, 
li autre selom l'esperit e selom l'amor de dieu. Cil qui vivent selom 
la char, si come dist sai«s Pols, il oscient lor alme, car il fönt de lor 
ventre lor dieu. Cil ne tienent ne raison ne mesure, e por ce auront 



1) Die erklärung dieses ausdruckes im anschluss an Ducange s. E. st. I, s. 416. 
Der provenzalische text bei Bartsch hat: le gorx de Satanas. Dies ist auf jeden fall 
unrichtig. Wohl aber ist noch eine andere erklärung des ausdruckes möglich. Satalie 
könnte einfach = satanie, hölle, sein, obgleich ich hierfür keinen beleg beizubringen 
vermag. Sathanie nicht in dem sinne von hölle , sondern als eigenname eines zu 
derselben führenden Schlundes im meere findet sich in dem von Comparetti, Virgilio 
nel medio evo, II, s. 196 tl. unter dem titel »Li Roumans de Vespasien abge- 
druckten altfranzösischen roman. Das buch ist mir augenblicklich nicht zugänglich. 
Ich bin daher auf die inhaltsangabe angewiesen, die Stengel in den » Mittheilungen 
aus französischen hss.« gibt. Dort heisst es s. 16: Die teufel stürzten sich ins 
meer und bildeten darin einen weiten Schlund, namens Sathanie, durch welchen 
das wasser in die hölle stürzte.« Vielleicht mögen beide bedeutungen von satalie = 
Sätalia und = satanie in dem ausdrucke goufres de satalie zusammen geflossen 
sein. — Was Michel's Übersetzung der worte come fait li goufres de satalie 
durch ase dep pe kete of his sperringe betrifft, so scheint mir die E. st. 1. 
S. 416 nur zweifelhaft gegebene erklärung, wie er zu diesen Worten gekommen sein 
mag und wie demnach sperringe zu verstehen ist , die ganz richtige zu sein. Bei 
goufre hat er an lat. vultur gedacht, welchem kete ja genau entspricht; satali 
er in sa und talie zerlegt und talie, indem er es = lat. talia Balken nahm, durch das 
von sperren claudere abgeleitete Verbalsubstantiv sperringe in dem sinne de- 

hnst gebräuchlichen sparre übersetzt, welches letztere wort ja dem lat. talia ent- 
spricht. Dass dies »wie der geier von seinem balken thut>< kaum einen sinn giebt, 
kann nach den proben, die wir von Michel's Übersetzungskunst und dem, was er 
an unsinn zu leisten vermag, gesehen, diesem erklär ungsversuche durchaus keinen 
eintrag thun. Gegen die von Morris aufgestellte und von Mätzner und Wülcker 
aeeeptirte erklärung von sperringe = Sperling spricht zunächst die wenigstens für 
mich bestehende unmöglichkeil darzuthun, wie Michel durch das vermeintliche talie 
dann auf sperringe kommen konnte, vor allem aber der umstand, d.iss , worauf 
Mätzner aufmerksam macht , ein solches mit der endung ing oder ling gebildetes 
Substantiv sich weder im Angelsächsischen und Altenglischen , noch auch in einer 
der andern altern germanischen mundarten rindet. Erst das mittelhochdeutsche 
hat sperlinc neben sparwe. Die anwendung des Verbalsubstantivs im konkreten 
sinne kann dabei nichl anstössig sein. Ein solcher gebrauch Bndel sich schon viel 
früher; s. Koch, Gr. III a, s. 65 und Mätzner, Gr. 1, s. 497. — >) I >i>- andere 
ältere hs. hat: ("est trop granz sens. 



/- II. Varnhagen 

en Patitre siecle painc sanz mesure. Cil qui vivent selom lor joli/ete. 
vuelent tenir lor foles compaignies; eil ne sevent ne ne puewt I 
mesure. Cil qui vivent selom ypoerisie, qui sont martk au diable,, 
ont II mesures; car li II diables 1 ) qui lipo* rite tormentenf sortf malt 
contraire Tun a l'autre. Li uns li dist: »Mangue asse-s tant que 
soies biaus e cras.« Li autres li dist: »Non feras, ai ras tant 

que tu soies pales e mas. Ore li covient avoir H mesures., une 
petite e escharse, dont il use devant la gent, e une autjre bone e 
large dont il use que nuls nel voit. Cil ne tient pas la droite mesure. 
Cil qui avarice mainent ont tele mesure comvag. la borse veut, qui 
est dame e owmianderösse 2 ) de l'ostel. Dont entre la borse e le 
ventre du gloton avera trop bele desputison. 3 ). Li ventres dist: Je 
voel estre plains.« Et la borse dist: »Je voel estre pleine. Li ventiv-. 
dist: »Je voel que manjues e boives e despendes. ■ Et la borse d 
»Non feras; je voel que tu gardes e restraignes.« Et que fem, eis 
las chaitis qui est serf a tieus II seignors mauvais? II mesures fait 
par pais faisant 4 ): la mesure du ventre en autrui ostel bone e large, 
e la mesure de la borse ou sien 5 ), qui est doloureuse e escharse. 
Cil qui vivent selom fisike tienent la mesure Ypocras qui est petite 
e estroite; e avient sovent que eil qui par fisike vit par fisike muert. 
Cil qui vivent selom lor honestete eil tienent la mesure de raison e 
vivent honourablement au sieele, qu'il manjuent a tens e a höre 6 ), e 
prene/zt a bon gre ce qu'il ont e cortoisement e lie'ment. Cil qui 
vivent selom ce que lor pecchiez req#/erent, tienent tele mesure cowme 
l'en lor charge en penitance. Cil qui vivent selom l'esperit sont eil qui 
en l'amour de dieu mainent, a cui li sains esperis enseigne a tenir 
ordre e raison e mesure. Cil ont la seignorie sor le cors qui est si 
disciplinds 7 ) e endoctrines qu'il ne demande nul outrage, e fait ce que 



i) Hs. . diabiet. — 2) S. E. st. I, s. 416. — 3) Ayenbite: banne solle we 
betuene be porse and pe vvombe of pe glotoune habbe a uayr strif. Das solle we 
ist von Michel erst bei der korrektur übergeschrieben. Ursprünglich hatte er 
avera falsch für den infmitiv gelesen und durch habbe übersetzt. •*) S. E. st. I, 
s. 416. - 5) Ayenbite: of his ; s. ebd. s. 417. — 6) Es ist bemerkenswerth, 
dass Michel bei dem engl, oure absichtlich das h abfallen Hess. In der hs. 
stand nämlich zuerst houre, und erst nachträglich ist das h durchgestrichen, oure 
findet sich ebenfalls s. 19, z. 8. — 7) Ayenbite: po pet habbefi \>t lhordssip ope 
pe bodyes J>et is zuo ytazt. Die falsche Übersetzung des franz. eil durch po pet 
anstatt nur po hat ihren grund darin , dass die vier unmittelbar vorhergehenden 
sätze mit eil qui beginnen, was richtig durch £>o pet wiedergegeben ist. Eine 
zweite Unrichtigkeit dieser stelle ist der plural bodyes ; denn wie sich aus dem is 
und dej> des folgenden, sowie dem grundtexte ergibt, passt nur der Singular in 
den Zusammenhang, weshalb auch Mätzner bodye herstellt. Doch liegt hier keines- 
wegs ein blosser Schreibfehler Michel's vor. Vielmehr finden wir öfter französische 
Substantive, die auf s endigen, aber singulare sind, durch den plural wiedergegeben. 



Dan Michel's Ayenbite of Inwyt c 7 

li esperis ^wmande (47 r) sanz mwrmure e sanz contredit. Ore 
pues tu veoir por ce que nous avons ci dit que mout d'engin a li 
diables por prendre a la goule la gent. Car primes il lor moustre 
les vins e les viandes qi sont beles e deliciouses comvsse. il fist a Eve 
la pome. E se ce ne li vaut, il li dist: »Manjue e boi, comxas. fet 
eil e eil ; compaignie te covient tenir ; veus tu k'on se gäbe de toi e 
q'on te tiegne por papelart?« x ) Ou il li dist: »La sante' de ton cors 
tu dois garder; qui n'a sante' il n'a nient. Ne soies pas homieides 
de toi meismes; tu dois a ton cors la sustenance.« Ou il li dist: 
Regarde les bie//s que tu fais ou pues faire; tu ne menjues mie por 
ton cors delicier, mais por dieu s^rvir. Tu dois ta force a dien 
garder, si come dist David.« Ces raisons sont si attaignans que li 
plus saige e li plus saint home sont a la fois 2 ) deceu. La tierce 
branche de cest vice est trop ardaument corre a la viande come fait 
li chiens a la charoigne 3 ). E come plus grans est ceste ardour, plus 
est grans li pecchie's. Car ausi comme il n'est pas pecchie d'avoir 
richesces , mais de eles trop aimer , ausi n'est ce pas pecchies de 
xnenger les bones viandes, mais de manger trop ardaument ou des- 
ordeneement. Toutes 4 ) viandes sont bones as bons e a ceus qui 
par raison e par mesure en usent e les prenent o la sause de la 
paour nostre seignor. Car en doit touz jors avoir paour k'on ne mes- 



während umgekehrt ebenso häufig französische Substantive im plural, die aber kein 
s haben, durch singulare übersetzt sind, ohne dass sonst in dem satze irgend eine 
Änderung vorgenommen ist, also bei einem Substantiv im pural das verb im singular 
steht und umgekehrt. S. S. 59 anm. 1 und ebenfalls E. st. I, s. 406. 

1) Ayenbite: z,ef pe wylt bet me ne scorne pe naz,t and pet me j>e ne hyalde 
uor papelard. Dass die hs. hier scorne hat und nicht storue, wie Moni- liest, 
wurde schon oben bemerkt (E. st. I, s. 417)- Hiermit fällt auch Wülcker's kon- 
jektur storme von altfranz. estormir fort. — In dem obigen satze haben wir eine 
der wenigen stellen, wo Michel bewusst und gleich beim niederschreiben des eng- 
lischen textes, nicht erst bei der korrektur, Veränderungen vorgenommen hat. Wie 
er in unserm falle dazu kam, sehen wir leicht. Das veus tu, das frage i>t, i 
er als bedingung (^ef pe wylt), und nun erforderte der sinn eine negation in dem 
abhängigen satze, die Michel denn auch einfügte. Der Verfasser des Midlatid-textes 
und Caxton haben die stelle richtig verstanden. Ersterer hat: wolt pou pat men 
eize pe to scorn (Fol. 16 r). Caxton: wylt thou that men mocke and scorne the 
ikap. 24). — 2) Ayenbite unrichtig: operhuyl, also Verwechslung von .1 la fois mit 
quelquefois. — 3) E. st. I, s. 417 habe ich mich vergeblich bemüht, eine eiklärung 
für das dem charoigne entsprechende lies des Ayenbite beizubringen. Jetzt sehe 
ich mich durch eine freundliche notiz Zupitza's in den stand gesetzt . eine solche 
zu geben, hes ist = es mit parasitischem h, welche einleuchtende erklärung auch 
Stratrnann im wörterbuche unter 6s gibt. Freilich scheint sieh d:is parasitische h 
im Ayenbite sonst nicht zu linden. Eine Unsicherheit aber im gebrauche des h 
zeigt sich in dem oben erwähnten oure anstatt houre, ferner in alf (alfp< 
neben half, eresye s. 69 neben heresye 5. 267, eretiks s. 182 neben heretiks s, 134« 
Freilich kommen die romanischen wörter auch im Altfranzösischen mit und ohne 
h vor, und bei dem letztgenannten worte hält sieh Michel mit rücksicht auf das 
ts in die Orthographie des grundtextes, ' S. E, st. I. 3. 417. 



c8 H, Varnhagen 

])reigne par outrage 1 )» e doit on dieti loer et rendre graces de ses 
dons. E par la doucour de la viande que saous ne puet estre 2 ), doit 
on penser la dougour dieu e a cele viande qui saoule le euer. Vor 
ce lit on es maisons de religions a me//gier , por ce que (plant li 
eors prent sa viande d'une part, que li cuers repraigne la soe d'autre 
part. La quarte branche est li pecchies de ceus 3 ) qui trop noblement 
voelent vivre, qui despendent e gastent por lor goule emplir ce dont 
cent povre porroient vivre e estre souffisaum«zt peus. Tiex gens 
pecchent en mout de man^res. Premierement en granz despens qu'il 
fönt; apy/s en ce qu'il l'usent en trop grant ardour e a trop grant 
delit; e apr/s en la vaine gloire qu'il en ont. Car ce n'est pas tant 
solement leccherie de goule, ainz est mout sovent por boban que il 
quierent si riches viandes e mo/Heploient tant de mes dont sovent 
vienent mout de maus. La quinte branche [est] la curieu- (48 r) 
sete des glotons qui ne quierent fors a lor palais deliter 4 ). Cil sont 
p/-<?prement leccheor qui ne quierent fors les deliz de lour goule. En 
III choses nomeement gist li pecchiez de tieus genz. Premierement 
en la grant eure qu'il ont en porchacier e appareillier 5 ). Apres ou 
grant delit 6 ) qu'il ont en user. Apres en la gloire qu'il ont en re- 
corder. E qui porroit raconter quele curiosite il mettent a ce que 
lor viandes soient bien appareillees e chaseune a sa propre saVour, 
e come/;t il puissent faire d'une viande div^/-s mes desguisez por lor 
palais deliter? 7 ) Et qua//t li mes sont venuz l'un apres l'autre, lors 
sont les bordes e les truffes por entremes. E ensi li te//s s'en vait ; 
li chaitis s'oublie; la raison dort. L'estomac crie e dist: »Dame 
geule, vous rae tues 8 ); je sui si plains que je crieve.« Mais la langue 
la lecheresse li respont e dist: »Se tu devoies crever, ne lairai je pas 
ce mes eschaper. « Apres la lecherie qui est en mengier vient la 



1) Ayenbite: ouerdede; sonst auch outtrage (s. 54). — 2) S. E. st. I, s. 392. — 
3) Ayenbite: f>e uerpe bo^ of bise zenne of ban pet ect. Das of hinter boz, 
erklärt sich als ein versehen. — 4) S. E. st. I, s. 394. — 5) Was als objekt zu 
diesen beiden verben zudenken ist, ergibt sich aus der Roy. -hs., welche hinzufügt : 
les viandes et les vins. — 6) Ayenbite: efterward mid grat lost. Man erwartet, 
wie Mätzner bemerkt , in be anstatt mid. Aber Michel hat in dem grundtexte 
das ou, welches dativ des artikels ist, mit der gleichlautenden präposition = mit 
verwechselt. — 7) Den interrogativen charakter des satzes hat Michel nicht erkannt, 
wie die Übersetzung des qui durch huo bet beweist. Ueber zwei weitere versehen 
in der stelle s. E. st. I, s. 417 fl. — 8) Morris liest in der hs. ssast, das er in 
den anmerkungen s. 275 = ssla^st nimmt. Wülcker nimmt es = ssabest: du 
schadest. Der grundtext zeigt, dass letztere konjektur nicht haltbar ist. Eine 
genaue betrachtung der schriftzüge in der hs. hat mir ergeben, dass Michel aller- 
dings anfangs ssast geschrieben zu haben scheint , dann aber das zweite s durch 
einen kleinen strich unten nach dem a hin in ein allerdings schlechtes 1 verbesserte, 
so dass wir ruhig slast lesen können. 



Dan Michel' s Ayenbite of Inwyt -g 

gloire qi est en recorder. Apres si souhaident qu'il eussent col de 
grue e ventre de vaiche por ce que li morsiaus lor demorast J ) plus 
en la gorge e plus puissent devorer. Ore as tu oi les pecchiez qui 
vienent de glotonie e de lecherie. E por ce que tiex pecchiez sor- 
dent owmunalment en la taverne qi est fontaine de pecchie, por ce 
voel je un poi toucruv- des pecchiez qui sont fait en la taverne. La 
taverne est l'escole au diable ou ses deciples s'estudient e sa propre 
chapele la ou Ten fait son servise e la ou il fait ses miracles teles 
comme il afiert au diable. Au moustier set dieus ses vertas moustrer 
e ses mirales faire : les avoegles enluminer , le contrait redrescer, 
rendre le sens as forsenez , la parole as mues , l'oie as sous. Mais 
li diables fait tout le contraire en la taverne. Car quant li glous 
va en la taverne , il va touz dres ; qz/ant il revient, il n'a pie 
qui le puisse soustenir ne porter. Quant il i va , il voit e oit e 
parle bien e entert; quant il revient, il a tout ce perdu comme eil 
qi n'a sens ne raison ne memoire. Tieus sont les miracles que li 
diables fait. E quex lecons i list il? Toute ordure i aprent on : 
glotonie, lecherie, jurer, p^/jurer, mentir, mesdire, renoier dieu, 
mesconter, bareter e trop d'autres manieres de pecchies. La sordent 
les tengons, les mellees, les omieides. La aprent on a embler e a 
pendre (49 r). La taverne est une fosse a larrons e forteresce 2 ) 
au diable por guerroier dieu e ses sains. E eil qui tavernes sous- 
tienent sont parconier de touz les pecchies qui sont fait en lor ta- 
vernes. Et certes se on i disoit ou faisait autant de honte a lor pere 
ou a lor mere, ou a lor garcons, come on i fait a lor pere du ciel, 
a nostre dame e as sainz de paradis, mout se courrouceroient e autre 
conseil i mettroient que ne fönt. 

Hamburg, november 1877. 

Her m a n n V a r n h a g e n . 



1) Ayenbite: uor bet pe mosseles blefte lenger. Weder Mätzner Doch Wülcker 
scheint bemerkt zu haben, dass der plural mosseles ein verburn im singular bei 
sich hat, denn der plural würde bleften lauten. Dieser fehler erklärt -ich auf die- 
selbe weise wie au andern stellen (s. oben s. 56 f. ) dadurch, dass Michel das trau/. 
morciaus wegen des s für Acn plural hielt , ohne jedoch da- zugehörige verbum 
nun auch in den plural zu setzen. — -") Das wrort forteresce, da- Michel -. .• 1 
/. 21 (s. E. st. I. 397) und -. 240. /. 7 \. u. durch strengbe wiedergibt, übersetzt 
er hier und auch sonst durch castel. 



6o K. Böddeker 

VERSIFIZIRTE BENEDIKTINERREGEL 

IM »NORTHERN DIALECT 

Der nachfolgende text der Benediktinerregel ist dem ms. Cotton. 
Vesp. A. 25 des britischen museums entnommen, derselben hand- 
schrift, aus der ich im Jahrbuch für rom. und engl. Lit. N. F. II, 
pag. 81 ff. unter dem titel »Englische lieder und bailaden aus dem 
16. Jahrhundert, eine reihe von poesien verschiedenen inhalts init- 
getheilt habe. Was dort über das alter der handschrift und über 
die person des Schreibers derselben gesagt worden ist, findet auf die 
benediktinerregel keine anwendung ; diese ist vielmehr bedeutend älter 
und steht auf pergamentblättern, welche aus irgend welchen zufälligen 
gründen in das manuskript, einen papiercodex, eingefügt worden sind. 
Schriftzeichen, Orthographie und grammatische formen veranlassen 
mich zu der annähme, dass sie im anfange des 15. Jahrhunderts 
niedergeschrieben worden ist. 

Dass unsere Version nicht Originalbearbeitung des lateinischen 
textes, sondern kopie einer vorläge ist, geht aus verschiedenen aus- 
lassungen und fehlem hervor: v. 261 heueyn für he wyn; in v. 386 
ist nön ausgelassen; in v. 610 fehlt god ; zu vv. 951 und 1298 fehlt 
die reimzeile, so dass das original mindestens zwei verse mehr gezählt 
haben muss; v. 1506 saue für serue; v. 2083: /// für And; v. 2078: 
De uidumentis für De uesümentis ; v. 2431: strengh in für strengthen ; 
v. 2440: at für as. Einzelne verse sind zweifellos korrumpirt , so 
v. 235 (nott be oure might emendirt in witt oure might), v. 979. 

Eine eingehende erörterung der spräche unseres textes mit be- 
sonderer berücksichtigung der eigenthümlichkeiten des »northem 
dialecU und einen vergleich derselben mit den entsprechenden er- 
scheinungen der andern dialekte behalte ich mir für das nächste heft 
der Engl. Studien vor. 

Bereits im jähre 1872 hatte ich von der Benediktinerregel des cod. 
Vesp. A. 25 abschrift genommen. Später wurde mir von Mr. Furnivall 
mitgetheilt, die Early English Text Society beabsichtige eine parallel- 
ausgabe verschiedener Versionen der Benediktinerregel. Da dieselbe 
bisher nicht erschienen ist, vielleicht auch ganz aufgegeben wurde, so 
hielt ich es für angezeigt, mit der Veröffentlichung wenigstens einer 
version nicht mehr zu zögern, um so mehr, als unser text nur an 
einigen wenigen stellen einer emendation bedarf, wie sie ein vergleich 
mit anderen texten ermöglichen würde. 



Versifizirte Benediktinerregel im northern dialect« 



6l 



Regula beati benedicti in anglicis verbis translata. 



fol. 

76 a. All pat wyll sely lyue in land, 
Als sant Benet has ordand, 
1 )r wyll gyf pair deuocioun 
Vn to pe rowle of religioun, 
5 In pis boke pay may see sett 
pe suthfast rewle of sant Benett, 
Wat lere pontes pat partens par to, 
Xyght & day how pay soll do. 
Monkes & als all leryd men 

10 In latyn may it lyghtly ken, 

And wytt parby how pay sali wyrk 
To sarue god and haly kyrk ; 
Bott tyll women to mak it couth, 
pat leris no latyn in par zouth, 

15 In ingles is it ordand here, 
So pat pay may it lyghtly lere. 
For ilkon pat par to er vun, 
Er haldyn it clerly for to kun, 
And to fulfyll it att par myght 

20 In word and dede both day & nyght ; 
And ryght to gar pis reule up ryse 
pe wytty man says 011 pis wyse : 
Asculta o filia disciplina ma^ 

.gistre tue. 
Doghter, he says, tak tent & lere 

25 pe techynge of pi maystres here, 
76 b. And lat pine eris bowand be 

To pe bydynges of pi moder fre; 
Whylk moder es cald haly kyrk, 
Whas wyll vs aw alway to wyrk ! 

3° parfor pou sali fände to fulfyll 
All pat pi modir tels pe vntyll, 
And be bowsum to pi souerayn, 
pan sali pu turn to god o gayn, 
Fro wham pat pou depayrtyd es 

35 Thnrth pine awin vn bowsumnes 



40 



45 



And, doghter, to my tale tak tent: 

For godes sak we sali assent 

All fleschly wyll for to for sak, 

And gostly armurs vntill vs tak, 

Thnrth obediens by day and nyght 

Ogans pe fend our fa to fyght. 

Doghter, when pou dose ony dede, 

Pray specially god pe to spede; 

And what werk so pou sali to wend, 

Pray hym at bryng it tyll gude end, 

So pat pen he vowches saue, 

For hys doghters here vs to haue, 

pat we neuer wit oure wykkydnes 

Wreth hym pat oure fader es. 

So for to mak hym turn hys mode, 

To hald fro vs hys gostly gode, 

Or vs deferyd by pat skyll 

Fro pe blys pat he boght vs tyll; 

And put vs vnto pyen for pi, 

Als wykkyd saruandes er worthy, 

pe whylk yf pay dyde, wele myght wend 

To blys pat es witoutyn end. 

And parfor suhl we vs avyse, 

Out of our syn sone for to ryse, 

And our hertes vn to heuyn at rayse, 

Als haly wrytt on pis wyse sayse : 

pe houre es now, if we tak kepe, 

In whylk vs aw to ryse fro slepe ; 

pat is, we suld ryse out of syn, 

And wyrk so pat we heuyn may wyn : 05 

And opyn our eghen to cryst on hyght, 

pat namyd es ailastand lyght ; 

And opyn our eris hys vose to here, 

Als bokes vs bydes 011 pis manere: 

H o d i e s i vncera eins audieritis 

Nolite obdurare corda uestra. 



11 



60 



7' 1 



2i. garfags. gearvian) hier: dafür sorge tragen, sich bemühen. — -3- Ausculta 
o fili praecepta magistri S (die mit S bezeichneten citate weisen auf die Version 
der Benediktinerregel hin, welche sich im ersten bände des von Schilter heraus- 
gegebenen Thesaurus Antiquitatum Teutonicarum, Ulm 17-7. findet). — 27. pi. 
ms. p> — admonitionem pH patris (admanungu des eerhaftin fateres), ut ad eum 
per obedientiae laborem redeas, a quo per inobedientiae desidiam recesseras S. — 
30. pou, ms. pu. — 31. pi, ms. pi (= pai). — 46. ben, ms. sen, $6. dyde 
i. e. be worthy, — 62. Hora, esl jam nos de somno surgere S. 70. Ueberein- 
stimmend mit S. 



6 2 



K. Böddeker 



If pat z,e here hys vose fjis day, 

77 b. Tun) noght z,oure hertes fro hym oway ; 

Pott tyll hys voce z,e tak gude hede, 

75 And fandes to fulfill yd in dede, 
Sen god hafe geuen 2|ow eris & wytt. 
For on bis wyse says haly wrytt : 
Quihabetauresaudiendi,audiat. 
( 'risi vs kens on bis mauere, 

8oAnd says: he bat hase eris, suld here 
he law of god, and pan tak hede 
To fulfyll yd in word and dede. 
For [jus pe haly gost wyll ken 
Thruth haly kyrk all cristyn men. 

85Venite filii, audite me: 

Cums hider ( suns, my wordes to here, 
be drede of god I sali Z.ow lere. 
Haly kyrk, for our be-houe, 
Leris how we oure lord sali lufe, 

90 And lede oure lyf to hys lykyng, 
And drede [hym] ouer all oder thyng. 
Ryu we suld whyls we haue day, 
f>at mirknes mare vs noght pe way. 
pat mens, we suld lyf wele iwane, 

95 Or we wit dynt of dede be tayne ; 
For in oure lyf here may we chese, 
Whyder we our seif wyll saue or iese. 

78 a. And oure lord sekes in world all wase 

Who wyll be sauyd, and pusgayt sayse: 
lOOQuis est homo qui vult vi tarn 
Whilk man is he pat lyf wyl haue, 
And se gude days hys saule to saue? 
Als so say, of hym am I fayne. 
And if pou pan answer o gayrie 
105 And says pus: lord, pat man am I, — 
pan to be says god almyghty: 
Man, if pou wyll haue lastand lyf. 
And won in welth wit outyn stryf, 
On pis wyse be houes pe 'Hio 
Iio Als I sali teil be vn to: 

P r o i b e linguam tuam a raalo: 
In pe beginning still pi tung, 
And spek no uyl of ald na Zong, 



And »payr pi lipes, & hald pam still, 
So [tut pay opyn noght wit ill. 115 

Turn fro euil <.V seke to gude, 
And seke to pese wit mayn & mod •. 
And pus if we wyll wirk alway, 
pan ivyl] oure lord pus tyll vs 
Myne eghen on zow sali luk ful clere, 120 
And min eris sali zour prayers here; 
And when ^e to me call or cry, 

all I say pus: here am I. 78b. 

What mirth to man myght mor acord, 
pan to here pis voce of oure lord? 125 

Lo, how mekly & hou euen 
bat he vs teches ]>e way to heuen ' 
Now sen oure mighty lord iesus 
Vnto hys kyngdom euer cals vs, 
Ordand we vs in word & dede 130 

At wend to hym wit outen drede ; 
And wit our werk mak vs worthy, 
In endles blis to beld hym by. 
For of pat blis may we not spede, 
Bot if our werks be worthy mede. 135 

And if we ask here in oure steuen: 
Whylk er po men sali won in heuen? 
Als dauid in pe sawter boke 
Askes of oure lord who likes to loke: 
Domine quis habitabit i n t a b e r - I40 

naculo tuo? 
pus of our lord he askes & says: 
Lord who sali won in pi palays, 
Or ryst apon pi haly hyll ? 
And pus oure lord answers per tili : 
Qui ingreditur sine macula! 145 

He answers pus by prophet steuen, 79 a> 

Wysand vs pe way to heuen : 
He pat enters pis world within 
Clensid clen of all hys syn, 
And always wyrkes pat ryghtwis es, 150 
And says no thyng bot suthfastnes ; 
bat in hert hase 110 wykkyd thoght 
Ne wit hys tong no uil hase wroght 
pat to hys neghburs dose no noy , 



78. Uebereinstimmend mit S. — 85. Uebereinstimmend mit S. — 94. iwane 
= in wane (in dürftigkeit). — 100. Uebereinstimmend mit S. — 103. Als so 
say, der sage es. — m. Prohibe 1. t. a. m. S. — 128. iesus, ms. ihc mit 
querstrich durch h, also iesu crist. Der reim verlangt aber >desus«. — 136. we, 
ms. he. — 140. u. 145. Uebereinstimmend mit S. — 153. Qui non egit dolum 
in lingua sua S. 



Yersifizirte Benediktinerregel im »northern dialect* 



63 



155 In stede ne stayll bare staite to stroy, 
And bay pat Standes and twels til end 
Ogans pe fendyng of pe fend, 
And wyll not doy efter hys rede, 
Ne suffer hym in pam hafe 110 stede, 

t6oBot settes pair hert & pare powere 
All onto crist pat boght pam dere; 
And for godes sake who will assent 
To be bowsum and obidient, 
And for his luf lyfes halily, 

165 And es not eghe in hert for pi, 

Bot knaws pat paire gude dedes ilkon 
Er of pe grace of god allon. 
For thurth oure mightes mor no les 
May we begyn nonekyns gude; 

iyoEuil dedes er of oure awn entent, 

9b. And all gude dedes fro god er sent. 
perfor hym suld we lofe all ways 
Wit pe prophett pat pusgayt says: 
N o n n o b i s doraine s e d nomini 
tuo da gloriam. 

175 Lord vntil vs be no loueyng, 

Bot to pi naym ouer alkins thyng, 
F'jr of oure seif we haf bot sin, 
And al gude böse in pe bygin ; 
Namly pat helpes to hele of saule, 

l8opnre for on pis wyse says sant paule : 
G r a t i a d e i s u m i d quod sum. 
AU pat in erth to me es ton, 
Itt is of pe grace of god allon; 
Mine awn power es noght to prayse, 

185 Bot wirchep be to god always. 

And who so makes myrth mor or min, 
In god behoues his ioy begin, 
Für all oure comforth in hym dwels, 
Ais hym seif in pe godspel tels. 

1 90 II- says: who to my wordes takes hede, 
And fandes to fullill pam in dede, 
I sali mak hym wele like to be 
A ful wyse man in all degre. 
Whylk man for his hous sal last, 



Apon a ston hase byggid itt fast; 80 a. 

When it sali windes or flodes feil, 

Euer may itt stand stifli & wele, 

And härm pair to may pai do none, 

Be caus itt es biggid on a stone. 

bis stone es crist, pat we on call, 200 

He gifes vs force pat we not fall, 

And ilka day til vs hc techis 

Thurth haly wordes pat his raen prechis ; 

And als thurgh law of hali kyrk, 

How we in world sali wisely wirk; 205 

And al be days of oure lifyng 

Er lent vs allane for pis thyng. 

For we suld here oure mis amend, 

Thurgh hali kirkes crist hase kend; 

pair for god lens vs oure lif days, 210 

Als pe appostel proues & says. 

He says: kan z,e not vnder stand 

pe sufferance of god alweldand? 

Vnto penance it suld zow lede, 

To mak amendes for zoure misdede; 215 

Of swilk sufferance god schewes til vs 

In his godspel whaire he says ]>us : 

N o 1 o mortem p e c c a l o r i s s e d v t 

mag" 
Iwil not pe dede of sunful man, 
Bot pat he turn hym & lif pan ; 220 

And if he of me ask mercy, Sob. 

Ful gladly for gyf hym wyl I. 
pus if we bis question craue, 
Whilk bai er ])at heuyn sal haue, 
And won wit god in blisses clere, .225 

Answer haue we halili here. 
And hardeli if we ful fill 
pe offese pat fals paim vntill 
pat er ordand in blisses to be, 
Dan aires of bat ilk blis er we; 230 

pan i- it gude bat we here dr< 
Our hartes wit all oure bisines, 
For to ful tili in pat we may 
Godes bidinges both nigt & 



159. hafe, ms. hafs. — 165. eghe, 111-. egh mit querstrich durch hat. Ich 
in dieser form das ags. heh«, das ich hier in der bedeutung •hochmiithig 
auffasse. — 174. Non nobis Domine non nobis, sed nomini tuo da gloriam S. 
175. loueyng wird als sb. verb. zu ags. »lofian« (laudare) aufzufassen sein. — 
181. Uebereinstimmend mit S. — 218. Nolo mortem peccatoris, -cd ut convertatur 
ei vivat S. Die handschrift hat hinter mag das zeichen * welches hier ohne 
ifel auf eine abkttrzung hinweisen soll. — 233 — 262 sind isrer hand- 

schrift, im texte Mm S. fehlt das entsprechende. 



64 



K. Böddeker 



2 35 And pat we may witt oure might 
Pray hym to perfourn it right, 
And for to grant vs might & maine 
Thurgh his grace pat most may gaine, 
bat we may fle fro paines of hell, 

24° And be worthi in blis to dwell. 
Oude councel es to man & wife, 
Whils we lend in ]iis dedely life, 
Vn to swilk warkes for to take hecle, 
pat vs to lastand life may lede; 

2 45 And gif vs fully att follc in fere, 
81 a. To iesu skoles his laus to lere, 
pat er pe laus of haly kirk, 
Of whilk vs a\v not to be irk ; 
AI if vs thynk it hard to take, 

250 We sali it suffer for godes sake ; 
And if sere enmis vs assayle, 
paire for we sali not fayntly faile, 
Bot thynk, if it be heuy & hard, 
What mede we sal haue afterward ; 

255 For who to wele lifing sali win, 
Wit greuous grete paim bus bigin; 
Bot seth a swetnes haue pai sali, 
And at be last swetest of all; 
For who so wil godes lesons lere, 

260 May saue pair saules & hele paim here, 
And mak thrugh meknes he wyn 
Commers in pe kingdom of heuyn. 
De iiijor condicionibus reli- 
gio 11 i s. 
In pis ilk rewle of sant Benett 

265 Er sere folk in sere plasses sett, 
To serue god in- sere degre, 
Men or wemen, whider pai be, 
pat sum er gude, & sum not so, 
Four maners mai men fynd of po; 

270 be first es men here or women, 
8lb.bat pair awn kynde wyll clerly ken, 
And wilfully alway wil wirke 
Elfter pe laus of haly kirke ; 



And euermor be bowsum & baine 

Vn to pe ... i| beir sufferaine, 275 

Als pai may lcire in pis boke, 

Eftefward who likes to loke. 

be secund maner es ful parfite 

Als to be angcr or eremete, 

Agains pe fend thurgh faith 280 

Wit dedes of penance day & night, 

Not ainly bi lereing on büke, 

Bot bi pe order pat pai tuke; 

And penance pat pai put paime to, 

Sal mak pam myghty so to do ; 285 

AneJy life all if pai lede, 

Of pe deuel haue pai 110 drede, 

For god makes pam so mekli ofmayne, 

And stalworth to stand him a gayne, 

pat al his dartes may pam not dere, 290 

Ne his faindinges may pam not fere. 

pe thrid degre es not so gude : 

Men or wemen of wilful mode 

pat order of religion takes 

And al obseruaunce pat syne for sake- ; 295 

pat nowder will be obidient 82 a. I 

Vntyl sufferayne ne til couent, 

For 110 thing pat men telles pam til, 

Bot lifes efter pair wordly will; 

An serues more to wordly thyng, 500 

pan vn to god of heuen kyng ; 

Syngne of religion haue pai non. 

Ne takyn, bot tonsure allon ; 

Vnto no'hird pai wil tak kepe, 

Bot raykes forth als raueand schep ; 505 

And wharto so pai turn pair mode. 

pat think paym law and reson gude ; 

And whar to pai haue no likyng, 

pat think pam es vn lefful thyng. 

Be no rewle wil pay be arrest, 310 I 

Bot lifes als ane vnskilful best. 

pe forit degre ^it es pair als 

Of sum pat er in order fals ; 



256. greuous, ms. greuus mit erhöhtem u über dem zweiten u. — 257. Ms. 
»Bot seth in a swetnes haue pai sali. — 261. he wyn, ms. heueyn. — 263. Hier 
beginnt der eigentliche text der regel, den S. einleitet mit der Überschrift: Cap. I. 
De generibus Monachorum. Auch hier vier genera : Primum [genus] Coenobitarum, 
hoc est monasteriale militans sub regula , vel Abbate. — 278. Deinde secundum 
genus est Anachoritarum, id est Heremitarum S. — 292. Tertium vero Monachorum 
peterrimum genus est Sarabaitarum etc. S. — 295. syne ist adverbium. — 
312. Quartum vero genus est monachorum quod nominatur gyrovagum S. 



Versifizirte Benediktinerregel im »northern dialect« 



65 



bat light leues al heuy thing, 

3 1 5 And folous euer pair flessh likyng, 
bai raik bout in sere contresse, 
For pai pair likyng wil not lese. 
In non abbay wil bai dwell, 
82 b. Bot wendes a bout fro cel to cel, 

320 And tels lesynges here & bair, 
To gar men mak pam mery fare. 
bai lede bair lif in lechori, 
And in dronkynnes & in clotony; 
bair lifyng es ay war and were, 

325 bair for of pam I spec no fare, 
Bot to pe first I wend o gayn, 
For to perfourn our processe playn, 
To tel what pontes falles pam vnto, 
And als what dedes pam aw to do, 

330 bat for godes sake here sett 
Vnder be band of sant Benett, 
Whare prioures es principall, 
And what pontes per to suld fall, 
In pis begynnyng sal be kend ; 

335 God help pat it myght haue gude end. 
llterius de priorissa et eius con- 

dicionibus 
A priores ow for to be 
Principall in gude degre, 
Both in pe abba & with oute, 

340 Whar so sehe ganges or rides o boute ; 
And to be honored euer hir aw, 
Bot in her seif sehe sal be law, 
&3a.Pryde in hert for to haue none, 
Bot loue god euer of al his lone; 

345 And wirchip him [in] werld al wais, 
Als be apostel plainly sais 
Vn to all folk, who so it be, 
bat takes swilk staite of dignite : 
Accepistis spiritum adepeionis. 

35° He sais z,t take pe gaste of mede, 
bat lele folk vnto lif suld lede; 
In pe whilk gaste we call & cry 
Vnto our lord god al myghty ; 
And fader abbot, pus we say, 

355 Bi 5er wordes vnderstand we may, 



bat soueranse aw no thing to do, 

Bot anely als crist kens bam to ; 

Ne no thyng suld bai tech ne lere, 

Ne no thyng bid by baire power, 

Bot pat myght turn in feld 6c towne 360 

bair sogetes to saluacioune. 

Techyng sal be to bam, it beres, 

Als gastly sede sawn in bair eres; 

And to teching bai sal be bayne, 

Als gude soietes to bair souerane; 365 

For wele wit sehe & so wit bai, 

pat in dorne on be dredful day 83 b. 

Sal reknyng by how sehe pam leres, 

And als who wele hir lessons heres; 

And both ban sal bai haue bair mede 370 

Efter bair lif bat bai here lede. 

A priores may knaw wele pan, 

Sehe beres be charch of a hirdman ; 

And als a graue bihoues hir be, 

bat eure hase tayn to kepe hir fe. 375 

And hir awn sawle wele may sehe saue. 

AI if hir schepe vnryght wyl raue, 

If sehe gude techyng teil pam to, 

And chastes als hir aw to do 

Efter pe rewle pat crist hase kend, 380 

And pai wil not pair mys amend, 

Bott reklisly hir rede refuse, 

To crist pan may scho hir excuse 

In dorne a pon pe dredful day, 

And with pe prophet pusgate say : 3S5 

Iusticiam t u am non a bs c o n d i in 

corde meo 
V e r i t a t e m t u a m &salutaretuum 

dixi 
pus for hir werk seht) may haue mede, 
And pai dampned for pair mysdede. 
Also we se zit, to pe same !>4 *■ 

Of priores who takes pe name, 
In dede and saw her bus assent 
To fulfil it to düble intent ; 
pat es, scho sal in wark fulfyll 
AI pat scho sal tech ober vntill, 395 

So bat al hir doghters der«, 



314. light, ms. lighth. — 316. raik ist das ags. »racian« hier in der be- 
deutung »umherschweifen«. — 332. prioures, ms. priours. — }>}fi. Cap. II. 
Qualis debeat esse Abbas S. — 386. non fehlt im ms., S. wie vorstehend. — 
390. Ergo cum aliquis suseepit nomen Abbatis, duplici dabei doctrina Miis preessi 

diseipulis S. 

Kölbing, Englische stuilien. 11. 1. 5 



66 



K. Böddeker 



be 



pat godes law lightly wil lere, 

Bi wordes allayn may haue knawyng, 

How pai sal do in al thyng; 

4°°And oper pat of hertes er herd, 
And oute of mesure more fraward, 
Mai be informcd bi hir dede, 
And lere how pai pair üf su ld lede. 
pus aw hir seif in dede to do 

4°5 AI pat scho sal tech oper vnto ; 

And when scho hir sugetes reproues, 
On al maners luk hir be houes, 
So pat scho hase not done po dedes, 
Whilk scho vntil oder for bedes; 

4*°For pan hir lare is not to prays, 
And crist pan vnto hir pus sais 
Quare tu enarras iusticiam tu am? 
Whi teches pu in rightwisnes, 
84 b . And pu pi seif mor synful es ? 

415 du hates my techyng & my lare, 
Sen pou pi seif hase sined mare; 
And my wordes putes pu be 

hinde, 
For of my teching ert pou blind. 
Ful wele pou may perceaue & se 

4 2 ° A litil moti in pi sister ee, 
Bott a grete balk in pin awn 
Vnto pi sight may not be knawn. 
pus nedes pam seif for to be clere, 
bat oper folc sali tech & lere. 

4 2 5 A priores aw to be slike 
bat scho luf ilkon in like, 
And noght til on for fauor spare, 
And mak anoper to trauel mare; 
Bot serue ilkon in pair degre, 

430 Samen als sisters aw to be ; 

For haly writ sais wele pair bi : 
In crist we er all o body, 
And all bat serues vnto a lord, 
In an hede aw pam to acorde; 

435 And right als god takes no rewarde, 

For riches bat no man be sparde, 
85 a. Ne non put doun for pouerte — 
So suld it emang sisters be. 



For crist on cristyn folk es heued, 

And we his lyms, bat here er leuyde, 44° 

And godes seruandes in haly kirk, 

pat er ordand his werk to wirk; 

Aw to be lufid in ewyn degre 

Of hir pat sal pair souerayn be. 

D e eadem. 
A priores pat wil wirchcp win, 445 

Aw to chastes on maners thin 
pam pat scho sese wil be schrews, 
Als be apostil playnly schews: 
Argue obsecra & increpa. 
bat es to mene on pis manere: 450 

pai pat er herd & lath to lere, 
pam sal sehe chasti wit hardnes, 
Of werk & word als worthy es; 
And pay pat er meke & obedient, 
And to hir saws wil euer assent, 455 

pai sal be chastede when pai sin 
Wit fair wordes, pam for to wyn; 
And pai pat wil hir lare despise, 
Or als rebels o gans hir rife, 
With pam aw hir for to trete 85 b. 

Wit preson & wit penance grete ; 
And sone when pat scho mai, 
pair syn lat noght pe tym ouer way, 
Bot chaistese pam, & tery noght, 
Efter pe wark pat paue wroght; 4^5 

For parel pat mai fall parby, 
Als wos proued of pe prophete hely, 
And oper mo pat men may teil, 
How grete drede es yn sin to dwell. 
Bot first hir seif, & right non eis, 470 

Sal councel pam, als crist vs tels 
Bi wordes warli anes or twis; 
And if pai wil not pairfor rise, 
To chastese pam scho sal not spare 
With penance hard, als I said aire; 475 
For hali writ sais on pis wise: 
pe fole with word may non chastese, 
For pai wil let bi no man saw, 
parfor pam bus haue harder aw; 
And to pis sam, als clerks may kun, 480 
pe wiseman sais : chastise pi sun, 



417. et proiecisti sermones meos post te S. — 437. for, ms. pat. — 445. Kein 
abschnitt im lat. texte. — 466. Memor periculi Heli Sacerdotis de Silo, S. — 
478. let, ms. set. 



Versifizirte Benediktinerregel im »northern dialecU 



67 



And bete him wit a wand, I rede, 
ban liuers pou his saule fro drede. 

De eadem. 
86a. A Priores aw for to wite, 

485 Als beres witnes in haly vvrit, 

Who mekel takes in town or felde, 
Of mekil be houes pam rekning ijelde; 
And so hir a\v to vnderstand, 
What hard wark scho takes on hand, 

49° To gouerne pe saules of sere women, 
And all pair erthly maners ken ; 
Suni gude, sum ill, sum eueyn bitweyn, 
Als es in ilk a semble sene ; 
And pair for scho pat z,eme 'bam sali, 

495 Bus haue hir euynly vntil all, 

And fully knaw what falles bam to, 
Als a gude hird aw for to do; 
So pat al hir flok may proue, 
And encrese vnto criste bihoue. 

500 No gude hirdes sal set pair thoght 
On erthli gudes bat gase to noght, 
Mor ban be saules for to saue, 
Of wham pai sal here keping haue; 
For mor we suld z,ern hele of saule, 

505 pan of bodi, os sais sant paule; 
And also crist in his godspell 
86b. Of pis same makes minde o mell: 
I'rimum querite regnum dei. 
Frist sal z,e seke pe blis of heuyn, 

510 And pe rightwisnes of it ful euyn, 
\nd pan all pat nedes 50U vntill 
Sal Ze haue at Z.our awne wyll. 
And forpermare 51t may men rede, 
< >ure lord here if we luf & drede, 

515 pan sal no thing here fro vs fayle, 
j)at to our saule hele may avayle; 
And man or woman pat here wil haue 
Cure of saules fro syn to saue. 
Vnto reknyng sali pai cum 

520 For po saules on pe day of dum; 
For al {je saules pai hafe in weide, 
And for his awn saule sali he z.elde 



Reknyng to crist, pe domes man; 
It nedes pat pai avise pam pan 
For to do pat in pam es; 
For if ony of pair schep peris, 
And pe faute be not in pam fun, 
pair awn saule pen haue vn bun; 
And souerans z,it sal haue pe mede 
For saules pai wyn wit word or dede, 
With gude ensampil pat pai gife, 
Or wit gude lifyng pat pai lif, 
Or eis wit rightwise chastisyng, 
pam falles gret mede for al swilk thyng. 
De adhibendis ad consilium so- 

roribus. 
In all tymes when oght es to do, 
pat any grete charge fals vnto, 
pe priores sal to geder call 
All pe conuent, grete & small, 
pat orderd er both old & 5mg, 
And ask pair counsel in pat thing. 
When ilkon hase said pair avise, 
pe priores pan, if scho be wise 
Sal se who acordes reson vnto, 
And efter pair rede sal scho do. 
And god schews his myght be Z,e bald 
Als wele in Z,ong folk als in ald; 
And pairfor sal in swilk a thing 
Samyn com both olde & $yng, 
And mekely ilkon sai pair saw, 
And nother let for luf ne aw. 
And when pai al per sawes hafe saide, 
Als scho assentes, pai sal be paide, 
Als gude discipels sali al ways 
Be paide what so pair maistres sai-; 
And scho wit gude descrecioun 
Sal rewle hir wordes bi right reson, 
And all pai aw be day & night 
To saue pis rewle in all per myght, 
And in no ponte, for gude ne ill, 
To wirk efter pair awn will, 
Bot euer to be bowsum & bayn 
Vnto pe sawes of |>air sufiferane ; 



5-5 



53o 

S- >.. 



535 



540 



5-15 



55o 



S;b. 
555 



; 



484. Kein abschnitt im lat. texte. - 4S7. rekning, ms. reking. — 50.S 
mum quaerite regnum Dei. et justitiam eju>, et haec omnia adiicentut vobis, S. — 
513. Et iterum: Nihil deest timentibus cum, S. — 535. Cap. III. De adhibendis 
ad Consilium Fratribus, S. — 536. Quotiens aliqua praecipua agenda sunt, S. — 
550. sai , 111-. -al. 

5* 



68 



K. Böddeker 



And who so wil not for grete harte, 

565 With greuous aw to be gart. 

Bot luke pe priores, for no thing 
Pase pe righl rewle of chastising, 
Bot soberly to wirk al way, 
For drede of dorne in pe last day. 

57oWhen oder lese thynges er to do, 
pan may pe priores cal hir to 
iij or iiij wysest women, 
And do als pair counsel wil ken, 
So pat scho hafe witnes al ways, 

575 Als pe wise man witnes & says: 

Fac cum consilio et post factum 

non penitebis. 
Do all pi dedes be gude counsell, 
88 a. pan sali pe noght rew pi trauayle. 
pair for a souerayn sal not do, 

580 Bot if scho ask counsel pair to, 
Owper of sum, or eis of all, 
Efter pe thyng es grete or small. 

De vijtem operibus. 
Here er pe warkes on vaw to rede, 
bat sesis oure sins & makes mede. 

585 First sal we luf god loud & still 
With al our hert & al our will, 
And syen our neghburs sal we luf 
Als our seif, for our saul be hove; 
No man ne women slay wit wrang, 

59oNoper wit word, ne wapyn sträng; 
Of oper mens we sal ne steyl, 
Ne couet here no wordly wele; 
Fals witnes we sal non bere, 
Bot honor al pat cristynd ere; 

595 Godes naym we sal not tak in vayn, 
Ne swer it bot for thyng sartayn; 
And to non here sal we do, 
Bot als we wold war don vs to; 
Oure awn seif we sal deny, 

600 And folow oure lord god al myghty ; 
Pine oure flesch wit penance grete, 
And couet non delicious mete; 
88 b. Fast & do gude almus dede, 



And cleth pe naked, pat hase nede; 

Seke men suld we viset wele, 605 

And bring pe dede on to biriele; 

Help al po pat harmes haues, 

And couimile pam pat counsele craues ; 

And rek not of pis erthli gude, 

Bot vnto [god] turn al our mode; 610 

In our hertes sal we hold non ire, 

Ne vengeance sali we non desire ; 

Fals frenschep we sal non make, 

Trew charite so for to sake ; 

We sal not swer on euyn ne morn, 615 

For fardnes for to be for sworn; 

Euyl for euyl we sal not jjelde, 

Bot mayntene right in town & felde; 

And if we wranges of oper take, 

We sal it suffer for godes sake; 620 

Our enmys aw vs for to lufe, 

And noght ban pam pat vs reproue ; 

For mekely suld we mor & les 

Suffer reproue for rightwisnes; 

Wit pride in hert we sal not rise, 625 

Ne be to slaw in god saruyse; 

No vs aw lightly to lac, 89 a. 

Ne speke no härme be hind pair bac; 

In god we sal set al our thoght, 

And think pat of our seif es noght, 630 

Bot sin & sorow & wrechidnes, 

And ilka gude dede of god es. 

pe day of dorne vs aw to drede, 

An vn to hell we suld take hede, 

And were vs euer wit al our mayn 635 

Fro filth of sin pat sarues payn; 

And couaite heuyn euer inwardly, 

And thynk ilk day pat we sal dy, 

And rewle our warkes by reson ryght, 

And think pai er euer in godes sight. 640 

If euyl thoghtes our herte tak, 

Käst pam oute for godes sake, 

And kepe oure moth fro grete carpyng 

Of wikkidnes or of wordly thing. 

Vn to prayers we sal vs spede, 645 



564. Nullus in Monasterio proprii sequatur cordis voluntatem, S. — $6$. greuous, 
ms. wie v. 256. — 572. seniorum tantum utatur consilio, S. — 576. Omnia fac 
cum consilio , et post factum non peniteberis , S. — 583. Quae sunt Instrumenta 
bonorum operum, S. — 610. god fehlt im ms. — 611. Iram non perficere, S. — 
614. for to sake = to forsake. — 622. »vs aw« ist zu ergänzen; »wir sollen 
nicht verfluchen die . . .« 



Versifizirte Benediktinerregel im »northern dialect« 



69 



And hali lessones here & rede; 
And for our mysdedes don be forn 
Suld \ve mourn both euyn & morn; 
In prayers to god we [suld] vs schriue, 
650 And mak amendes so in our life ; 

89 b. We sal hate to wirk our awn will, 

Or our flesch £ernyng to fulfill; 
And on al wise we sal be bayn 
Vn to pe saws of our souerayn, 

655 pat we aw our obedience to; 
And also, if we se hir do 
Operwise or wer als god for bede, 
ban scho teches vs to do in dede, 
Dan sal we ordand our wirkyng 

660 Als crist vs teches in al thing : 

Secundum opera eorum nolite 

facer e. 
He sais: pus workes efter per saw, 
And to pair dedes luke £e not draw; 
bat es to say, if pai wirk wrang, 

665 And tech 5011 grathly for to gang. 
We sal not couet in our mode 
Wit folc for to be haldyn gude; 
Godes bidynges we sal fulfill 
Airly & laite, and loud & still, 

670 And luf clennes and chastite, 
And frendly vnto al folk be. 
Fast suld we fle al vayn louyng, 
And mak no strif wit old ne ^ing; 
To old folk suld we do honour, 

675 And febil we sal sucoure; 

90 a. For our enmes sal we pray, 

Til a recorde be redy ay; 
And seker help ay sal we haue, 
Of godes mercy our saules to saue. 
680 per er pe pontes of parfite lifyng, 
bat nedful er to old & 5mg; 
For if we wil pam gladly do, 
Ful fair reward fals vs vnto; 
bat es in endles blis to dwell, 



Als crist sais pus in his godspel: 685 

Oculus non vidit nee aures au- 

diunt. 
None eghen mai se, ne eris here, 
Ne hertes thynk pe blisses clere 
Whilk god ordand to per bi houe, 
bat yn fair liues hym lely luf. 690 

bar for es gude pat we tak hede 
Hym for to luf & als to drede, 
pat vn to slik blis may vs bryng. 
Vn to pat lord be euer loueyng ! 
De obediencia ad deum. 695 

Now wil I tel, who wil tak tent, 
How we sal be obedient, 
To honour god wit ilka lym, 
And luf no thynk better pan hym. 
God suld we luf for thynges thre, 
Namely al bat hase dignite: 
And in haly kirk to sing & rede, 
For he til vs merkes slik mede, 
And for drede of pe payns of hell, 
And for ^ernyng in blis to dwell. 7°5 

For merit of pes thynges thre 
Suld we euermor bocksum be, 
And hertli faunde for to fulfil 
All pat oure souerayn telles vs tili ; 
ban wil god of our wark be paide, 7 10 

And pan vntil vs salbe saide, 
Als crist sais in be sauter büke 
Thurgh be prophet, who likes to luke: 
Als sone als euer he heres my will, 
Bowes he baynly me vntill. 7*5 

pus may be saide be old & %yng, 
bat baynly bowes to godes bedyng; 
And also ^it our lord iesus 
Vntil his techers . tels pus: 
Who so heres 5011, he heres nie, 720 

ban be f>er sawes wele may we se: 
bai pat er to per souerayn bayne, 
To god he dose f>e same o gayne; 



646. Os suum a malo , vel pravo eloquio custodire , S. — 649. And prayers 
to god we vs schriue, ms. Ich venmithe, das »And« der folgenden Beile hat d:\^ 
»And« im eingange dieses verses veranlasst. — 661. Quae dieunt fache quae 
autem faciunt facere nolite, S. — 676. Cum discordante ante solis occasum in 
pacem redire, S. — 686. Quod oculus non vidit, nee auris audivit, nee in cor 
hominis asscendit , quae praeparavit Deus his qui diligunt eum, S. — 695 Di 
Obedientia, S. — 701 — 706. Der text ist wahrscheinlich .um theil korrumpirt. 
S. liest: propter servitium sanetum, quod professi sunt, seu propter nutuni gehennae, 
vel gloriam vitae aeternae. 



7 o 



K. Böddeker 



91 a. And |>ar fore who so wil be bown 

725 To lif bi rewle of religiown, 

Fro tyme pai wit per souerayn will, 
In wark pai sal it fast fulfill; 
pair souerayn wil & per wirkyng 
Suld go to geder euyn als a thing ; 

730 And al pat wil do pus in dede, 
be way to heuyn it wil pam lede ; 
And harder it es pan ober ways, 
Als god vntil vs suthli sais: 
be way to lif who likes to layte, 

735 E** sa ^ mic * ^ otn nar ^ & stra i le ; 
For whi al bat wil com per tili, 
Mai not wirk wit per awn will, 
Bod hard or softe whider it semys, 
Ai bus pai do os oper demys; 

740 ban of per wark es crist wele paide, 
bat pus til his discipils saide: 
Non .veni facere voluntatem 

meam etc. 
I com not to wirk myne entent, 
Bot aynly his pat hase me sent. 

745 Ensampil pus he techis vs til, 
pat sal wirk our souerains wil. 
Obediens pus if it be stabil, 
To god & man es acceptabil ; 
Not to tary, ne gruch ogayne, 
01b. Ne to answer wit worde in vayn, 
Ne to be heuy in hert or thoght, 
For swilk obedience profites noght ; 
Bot if pe hert & wark acorde, 
It es not likand til our lord; 

755 For al if we fulfil pe dede, 

We gete per for 110 grace to mede, 
Bot titter payn pat ordand es 
To pam pat vses vnbousumnes; 
And if we answer oght o gayn, 

760 Ful mekil mor mune be his payn. 
perfar es alway gude to do, 
Als pe prophet telles vs to; 
For in pe sauter pus he sais: 



I said pat I sal ^eme my wais 

In ilka tyme, both old & 5«ng, 765 

pat I trispast not in my tung; 

To Jeme my moth also I seke, 

And on pis wises I am maide meke; 

And gude warkes hafe I non don eis 

Lo, how pe prophet playnly tels: 770 

Wise men sum tyme letes to say 

Wordes pat menes bot wele alway, 

Be caus pai wil no ianglers be; 

pan of mare force may we se, 92 a. 

pat euyl wordes suld non here speke 775 

pe whilk wit wo er worthi wreke; 

And mykel spekyng who so vse, 

If it oft gayn, sum tym it unse ; 

For pe wis man vitnes & sais : 

If pu vse many wordes always, 780 

Fro syn on no wise may pou fle ; 

And in a noper stede sais he, 

pat in a manes tung es contende 

Life & dede to fa & frende, 

And namly pai pat soietes er, 785 

Gret spekyng pi suld for bere. 

For til a maistres fals ij thynges, 

To spek & tech hir vnderlynges; 

And pe discipels suld be stil 

And here what es tald pam vntil ; 790 

And if pai oght wil aske or haue. 

Wit gret reuerance pai sal it craue, 

And al spekyng pai sal for bere, 

And hering pat pe saule may dere; 

And gif pam vnto god allayn, 795 

Whas trauel pai haf vnder tayne. 

De XII gradibus humilitatis. 

Of meknes may we merure take 92 b. 

Of crist, pat sais pus for our sake 

In his gospel, als Clerkes ken, 800 

Confortand al cristin men: 

Qui se humiliat exaltabitur. 

Who highes hym seif, he bese made law. 

Proude men reproues he in pis saw ; 



748. Sed haec ipsa obedientia acceptabilis erit Deo , et dulcis hominibus , si 
quod jubetur, non trepide , non tepide , non tarde, aut cum murmurio, vel cum 
responso nolentis efficiatur, S. — 753. Bot if »ausser wenn, es sei denn dass«. — 
760. mune, ms. mu~; es wird das altnordische »ek mun« in diesem verbum zu 
sehen seien , das ' auch sonst futurbildend vorkommt. — 758. Cap. VI. De 
Taciturnitate. S. — 781. on no, ms. on on. — 797. Cap. VII. De Humilitate. S. — 
802. U ebereinstimmend mit S. 



Versifizirte Benediktinerregel im >northern dialect« 



71 



93 a 



805 And pam to confort pat er meke, 
pus he says who so wele seke : 
Qui se exaltat humiliabitur. 
He pat laws hym seif here, 
He salbe high in heuyn clere. 

810 bus schews he wele, & suth it es, 
bat oute of pride comes al eghnes; 
And for prophet wald it fle, 
In pe sauter pus sais he : 
Domine non est exaltatum cor 
m e u m . 

gjrLord, my herte ne mi eghen sight 
Haf I not rasit vp in hight, 
Ne in grete thinges haf I not gayn, 
To mak maruayls many ayn; 
Bot my lif mekly haf I spende, 

820 -^nd highed my saule in to pi hende ; 
berfor, lord, fro schäm me schylde, 
Als pe moder dose pe childe. 
If we our dedes wil duly drese, 
To haue pe meret of mekenes, 

g 21 . And win vnto pe hight of heuyn, 

To whilk mekenes may lede vs heuyn ! 
Hus bus be gin wit hert & wil 
To rase pe stegh pat rechis per til, 
Bi whilk Jacob in visioun 

g. Q Saw angels wend both vp & doun; 
And pis ilk stegh, als (clerkes) tels, 
To vnderstandyng es not eis, 
Bot tliurgh heghnes doun to descend, 
And thurgh lawnes vpward to wend; 

„And als pe stegh wit outin strife 
Es hkand til our erthli life, 
pe whilk stegh thurgh our mekenes euyn 
God rases vp right to pe heuyn. 
Two sides per of may signin 
Both oure saules & our bodi, 
In pe whilk sides, als men may se, 
Es XII steles ordand to be, 
Whilk er XII degrese of mekenes, 



S40 



And rightway vnto heuyn pat es; 

And who se likes pat way to lere, 845 

be XII degres pus may pai here : 

Primus gradus humilitatis. 93 D i 

The first degre of meknes ryght 

Is euer to set be for our sight 

pe drede of god in ilk degre, 850 

So pat it neuer for getin be ; 

And thinke how pai pat him for sake, 

pair mede in hell wit mournyng takes; 

And who so hym wil luf & drede, 

In heuyn sal pai haf pair mede. S55 

parfor our lord ay suld we luf, 

And drede him for our saule bi houe, 

And kepe fro sin & fro foly 

AI pe limes of our body, 

And do oway al flesch likinges, 860 

Thynkand pat god sese al thinges 

pat we in world here euer wToght, 

Ouper in wark or word or thoght. 

For als pe prophet proues & sais: 

God enserches & sese al wais 865 

be hertes & pe ententes of men, 

Als clerkes on pis maner may ken: 

Scrutans corda & renes deus. 

And also ^it pe prophet sais: 

Lord, pou wate my wil alwais, S70 

And thoghtes pat in my hert er hide, 

Vn to pe er pai knawne & kide. 

parfor who wil life wel alway, 93 a. 

In his hert sal he think & say 

Befor godes sight & salbe clene: S75 

Yf I waste myne euil dedes be dene. 

It is for bed pus for pis skill 

Any to folow per fleschly will, 

Als haly write comaunctes ..K: sais : 

Turn ^e fro tleschlikynges alwais. ggg 

And pray we god wit wil & thoght, 

pat his wil in vs euer be wroght, 

Hali write schews certan skil, 



807. Uebereinstimmend mit S. — 814. Domine non est exaltatum cor meum, 
neque elati sunt oculi mei , S. — 831. Clerkes, das betr. wmt in der hand- 
schrift scheint zu heissen crales (?). — Non aliud sine dubio descensus ille et ascensus 
a nobis intelligitur, nisi exaltatione descendere et humilitate ascendere, S. 
847. Keine Überschrift, wohl aber abschnitt im lat. text. — 861. Thynkand pat 
god pat sese al thinges, ms. — 868. Uebereinstimmend mit S. S7}. Die hand- 

schrift hat zwei auf einander folgende blätter mit 03 |>.u_;inirt. — S75 u. E 
Diese stelle ist offenbar korrumpirt. 



7 2 



K. Böddeker 



Whi we sal not wirk our awn wil: 

885 For sum warkes pat vs think parfite, 
In godes sight er dedely delite ; 
Sum pat pe bodi thynk gude & fine 
Wil lede pe saule vntil hei pyne ; 
And for pi of slike rekles warkes 

89° Sais haly -\vrit os kens pir Clerkes : 

Corrupti sunt et abhominabiles. 
pai er corrumpid & maide ful vile, 
bat uses wit filth pair flesch to file ; 
And when so we £ern ony thing 

895 bat may fall vnto flesch likyng, 
Thinke we, god waites vs weterly, 
Als pe prophet sais pus perby: 
AI my desire both day & nyght, 
93^- Lord, es set be for bi sight; 

9°° And al mi ^arnyng may bou se, 
II or gude wheder it be. 
perfor euyl desire suld we fle, 
For dede es euer in be entre, 
Redey to fei vs in pat fit; 

9°5 And perfor pus sais hali writ : 
Wend pou not for hard ne nesch 
Efter pe ^arnynges of pi flesch : 
Secundum desideria cordis non 
ambules. 

910 bensen we wote our lord iesus 
Es euer bi haldand vntil vs, 
And sese who sekes to godes seruyse, 
And wil not als wriches vnwise. 
And als we wote, oure gude angel 

915 AI our warkes to god wil tel, 
AI be it neuer so litil a schar: 
ban es wisdom, to be war, 
No warkes to do our god te greue, 
For al if he here lene vs leue, 

920 For to a mend vs whils we may. 
Neuer be lese on be last day 
Sal he reherce & sai vs til : 
pus did you & I held me stil. 
Secundus gradus humilitatijs. 



Ane ober degre our meknes proues, 94 a 

bat es, who hir awn wil not lufes, 9 2 5 

Ne hase no likyng to fulfil 

bat hir desire entisice hir til ; 

Bot of bis wordes makes hir myrour 

Whilk iesus saide, our sauiour: 

Non veni facere volun tat em 930 

meam. 
I com not to do myn entent, 
Bot his allaine bat hase me sent ; 
bat es my fader in heuyn on hight, 
His wil I do both day & night. 
And hali writ wil proue ful playn, 935 

bat our awn wil es worthi payn ; 
And who so of per wil here misses 
Serues be croun of endles blisses. 
parfor for sake we here our wil, 
pat we may cum bat blis vntil. 94° 

III gradus. 
The third degre es bis to take, 
Who bat gladli for goddis sake 
Wilbe obedient wit per mayne 
Vnto wil of beir souerayne, 
And bat wit gude chere wil fulfil 945 

What so pair souerayne tels bam vn til 
As be be apostil es pupplist, 
bat sais pus of our lord crist: 94^. 

He wos meke to his fader rede, 
And obedient vnto be dede, 95° 

To gif ensaumpil mor & lese, 
bat bai suld so obedient be 
To beir souerayne in ber degre, 
And tent no thyng to ber awn wil, 
Bot ber souerayns fast to fulfil 955 

Wit obedience in word & dede, 
Than es ber wark worth mikyl mede. 
IUI gradus. 
The fourt degre of mekenes clere 
Es of al bai bat suffers here, 
And dose what so ber souerayn sais; 960 
AI if be wark be wrang alwais, 



891. Corrupti sunt et abominabiles facti sunt in voluptatibus suis. — 900. mi , 
ms. in. — 903. quia mors secus introitum delectationis posita est, S. — 908. Post 
concupiscentias tuas non eas , S. — 909. iesus, ms. wie in v. 128. — 923 wie 
847. — 929. iesus, ms. wie in v. 128 u. 909. — 930. Uebereinstimmend mit 
S. — 937 u. 938. et necessitas parit coronam, S. — 947. pupplist = puppli- 
gched. — 951. Vor oder hinter dieser zeile fehlt ein vers in der handschrift, da 
zu »lese« kein reimwort vorhanden ist. 



Versifizirte Benediktinerregel im >northern dialecU 



Or greuus til pam for to do, 
ret sal pai sone assent per to, 
And do it wele wit al our mayn, 
965 Wit outyn ony grochin o gayne ; 
And irk not pan or it be done, 
Als hali writ wil tech ful son : 
Qui perseuerauerit usqne in 

f inem. 
He pat lastes vntil pe end, 
970 Salbe safe & vnto blis wende. 
95 a. And also haly writ sais pus 
Ane oper claus comford vs: 
pi hert, he sais, sal comford take 
To be souerand for godes sake. 
975 In oper places he proues alway, 

How souerand men to god suld say : 
Propter te mortificamur tota die. 
Lord, we suffer here wit sere payn, 
AI pe day for pi sake we be slayn. 
980 pat mens, we suffer payn mekely, 
Als lams pat er lede for to dy ; 
And we er not ouercumen per in, 
For mede we hope perby to wyn ; 
Bot al we suffer it for iesus ; 
985 And for his sake pat so lufyd vs 
* bat wit his awn wil & his rede 
For our sake wold suffer dede, 
To do saue vs thurth his grace. 
And also in ane oper place 
990 May meke men say on pis manere : 
Lord, pou hase asaide vs here 
Wit angers a gayns our desire, 
Als siluer es asaide wit fire; 
95 b. pou hase vs vnto pe snare, 
995 And made vs to haue angers pair, 
For to assay vs in swilk thing, 
If we be meke to his bidyng; 
And also for to schew pat we 
Suld to a souerayn bowsum be, 
iooo And wirk efter per wil alway, 



Vnto our lord pus may he say: 
Lord, o bouen [vs] set hase pou 
Souerayns to wham vs bus bow; 
bus for god sake we suld be bown 
To suffer sere persecucioun, 1005 

What so men wil vntil vs do, 
Als pe gospel techis vs to : 
Who so betes vs on a scheke, 
To bede oper we suld be meke ; 
And wrang of vs who - wil oght haue, £0I ° 
To bede pam mor pan pai wold craue; 
ban es our mekenes mykil at prase, 
Als sant paule pe appostil sais: 
It be houes folk of religioun 
Suffer tenes & tribulacioun, 1015 

And honor pam pat dose pam scath, 
Whider pai be wele paide er wrath ; 
And per meret it may not eke, 96 a. 

Bot if pai in per hertes be meke, 
To suffer wilfully alwais 1020 

What so men to pam dose or sais; 
And be not greuyd wit word ne dede, 
Swilk mekenes makes vs mykil mede. 
V gradus. 
The fift degre es to be swift 
Eftir our sin to seke to schrift, IO -5 

And trewly tel wit outyn trayne 
AI our lif, & nothing layne; 
Als haly writ on pis wise sais : 
Vnto god sal I schew my wais, 
And al my sines wit mayn & mode '°3° 
Sal I schew to god so gude ; 
For his mercy may mend & pas 
All wikkidnes put in world euer was 
And pai pat pus per sines wil bete 
pus may pai sai wit pe prophete: io 35 

Lord, all pe sines pat er myn awne, 
Vnto pe haue I made pam knawn ; 
And all onright pat euer y dide, 
Lord, vnto pe I haue not hide; 



968. Uebereinstimmend mit S. — 972. claus? — Confortetur cor tuuin . et 
sustine Dominum, S. — 977. Propter te morte adücimur tota die. S. — 979. Die 
handschrift liest: AI pe day for pi sake for wbe slayn. — 9S4. iesus, ms. wie 
in v. 128. — 989. place, sollte »claus«, v. 972, nicht eine verwandte bedentung 
haben? — 990. Probasti nos, Deus, igne nos examinasti, sicut examinatur argen- 
tum; Induxisti nos in laqueum, posuisti tribulationes in dorso nostro, S. — 
1002. o bouen vs, m>. nur u bouen; super capita nostra, S. — 1003. bow, 
ms. bew. 



74 



K. Böddeker 



1040 Bot T sal pronunce for sertanc 

All my mysdedes my seif o gayne 

96 b. barfore, der Lord, do bou to me 
Eftir pi grace so grete plente, 
And, lord, not efter my mis dede, 

1045 Bot efter pi mercy graunte me mede. 

VI gradus. 
The sext degre of mekenes pan 
\Vho salbe meke, man or woman, 
Bus hald pam seif vile & worthy 
AI maners of charch to vnderly, 

1050 And think pai es worthi to do 
Mor pan oni vvil put pam to ; 
And pat pai er worthi to haue 
Wor pan any on pam vouches safe ; 
So litil be pam seif to set, 

1055 Say pan pus wit pe prophet: 

Consumptus sum et humiliatus. 
I am wastid wor pan I wend, 
For myne awn kind not I kend. 
Now als a best meke sal I be, 

ioöoAneli, lord, for luf of pe. 

God len vs so to be bowsum, 
bat we may to his kingdom cum. 

VII gradus. 
The seuent degre pan of pe twelue 
Es pat vs aw to law our selue, 

1065 And in hert hald vs vnworthi 

97 a. To cum in any gude Company; 
And for our seif we sal say pen 
Os pe prophet wil clerely ken : 
Ego sum vermis & non homo. 

1070 1 am a worin, & no woman, 
And pusgaite folos par on pan, 
Mine awne condicions wil I ken, 
Reproue & oute käst of al women ; 
My highnes in hert pen wil I knaw, 

1075 Bot, lord, pi law hafe mayd me law; 
Wele es me yn pis lif here 
To be so meke pi laws to lere. 



God lend vs so his laws to lufe, 
bat we bide in blis obufe! 

VIII gradus. 
The aght degre of meke Hfyng 
Es pat non sal do no thing, 
Ne no wark pat es for to wirk, 
Bot efter pe rewle of per kirk ; 
Or be ensampil to vnder stand 
Of pam we knaw er wele lifand ; 
For ensawmpil of oper dede 
Salbe merure vs for to lede 
In our doing both nyght & day, 
So bat we folow our rewle alway. 

IX gradus. 
The neyntt degre to ald & 5011g 
Es pat vs aw to ^em our tong, 
And spek not bot we be requerde, 
For hali writ pus hase vs lerde, 
bat who so mykil speking vse, 
Of sin pai may not pam excuse ; 
And gret spekers er not worthy 
For to cum in gude Company; 
parfor es gude to take reward 
Wit onest folk pat spek be spaird, 
And ordan vs to spek no thyng, 
Bot honestly to godes loueyng. 

X gradus. 
The X degre es pus to lere, 
Not to lagh wit ouer lyght eher, 
Ne wit laghing our voce to raise, 
For hali writ pus leres & sais: 
A fole, he sais, bi day & nyght 
In laghing rais his vose on hight; 
parfor es gude to man & childe 
For to 1er be at laghter myld, 
And of al cowntnanse myld & stil 
Wit outyn ony mater of iL 

XI gradus. 
The XI wisses pus alway: 
AI if vs aw litil to say, 



1080 



1085 



97 b. 



1095 



1056. Ad nihilum redactus sum, et neseivi; ut jumentum factus sum apud 
te, S. — 1069. Ego autem sum vermis et non homo, opprobrium hominum, et 
abiectio plebis, S. — 1074 u. 75. Exaltatus sum et humiliatus, et confusus, S. — 
1082. bat es to wirk »das zu thun ist«, gethan werden muss. — 1084. to 
vnder stand »(nach dem beispiele), das zu ersehen ist (an denjenigen. . .)«. — 
1086. oper dede sdie thaten andrer«. — 1095. in multiloquis non effugitur pecca- 
tum. S. — 1097. vir linguosus non diregitur super terram, S. — 1109. For to 1er 
at be laghter myld, ms. 



Versifizirte Benediktinerregel im »norfhern dialect« 



75 



98 a. And in laghing not rudely rise, 

1 1 1 5 zit es gude pat we vs avise, 

When so we speke bi morn or noun, 
To say our wil in wordes föne, 
And bat our wordes be wittely, 
For bus be wisman sais berbi : 

H2oSapiensinpaucisverbisexpediet. 
He bat es wise in word & dede, 
His wark wit föne wordes wil he spede, 
And naymly women nyght & day 
Aw to vse fune wordes alway. 

XII gradus. 

1125 The twelft degre wele for to seke 
Es of pam pat salbe meke, 
Not aynli to be meke in wil, 
Bot in wark mekely to fulfil 
AI bat es to ban cumand, 

1130T0 gang, or ride, or sit, or stand; 
In kirk, in closter, in town, & feld, 
In way, in $erd, in ^outh, & eld, 
Wit law lowting pai salbe bayn 
Wit outyn ony gruching o gayn ; 

1135 Vnto erth down sal bai luke, 

Sorowand for syn, as sais be büke 
Of be pupplicane bat prayde 

98 b. Vnto god & pusgaite saide : 

Miserere me peccatore. 
Lord, al thinges wele knaw pou can, 

1 140 Haue mercy on me sinful man! 
I am vn worthi, lord, said he, 
To lift myn eghen vp vnto be, 
Or for to luke vp vnto heuyn; 
And also sais pe prophet hewyn : 

ii4eCuruptus sum & humiliatussum 
nimis. 



I am bowed to be erth, he sais, 
And so I am meke mayd alwais. 
Now haue I tald pis twelf degrese, 
bat er of meknes for to chese; 
pe whilk may bring vs for to be 
Wit god in parfite charite ; 
And al our lif lely to lede, 
Wit outyn trauel or ony drede. 
We sal do gladli of custum 
pat air til vs wos ful irksum, 
And not aynli payn to eschew, 
Bot allayn for luf of iesu. 
And pat lufe & swete delite, 
bat in vs salbe so parfite, 
Oute of al wais it sal vs wise, 
And bryng vs vnto endles blis. 
De officiis in noctibus. 
In tyme of winter, in Descember, 
Fro be kalandes of Xouember 
Vn to be pase es risyng right 
At pe aght our of pe nyght, 
And after mydnyght for to rest, 
bat bar mete may bi wele degest. 
ban sal bai rise to syng & rede, 
And after ban who so hase nede, 
May haue ber meditaciounes 
In sawters, saulms, & orisowns; 
And fro al tyme of pase bi al left 
Vnto bo same kalandes cum eft, 
ban es it ordand on pis wise, 
bat nunes sal vnto matens rise, 
When be day be gyns to daw, 
bat bai litters bi light may knaw. 
Mor how bai sal serues do 
Nedes not her to tel pam to ; 



II 50 

"55 

1160 
99a. 

1165 
1 170 
lI 7> 



1120. Sapiens verbis innotescit paucis, S. — 1136. dicens sibi in corde semper 
illud, quod publicanus ille evangelicus fixis in terram oculis dixit: Domine non 
sum dignus ego peccator levare oculos meos ad coelum. — 1138- Ms. m pcore 
mit einem striche über m und über pcore, zum zeichen, dass etwas ausgelassen 
ist. — 1145. Incurvatus sum et humiliatus sum usquequaque, S. — 1151. in cari- 
tatem dei perveniet, S. — 1 154. velut naturaliter ex consuetudine, S. — 1 1 55- qua« 
prius non sine formidine observabat (monachus) , S. — U5°- non .' :un 0™°** 
gehennae, S. — 1160. mundum a vitiis et peccatis .... dignabitur demonstrare, 
S. — 1161. De Officiis divinis noct. S. — 1 1 62 ff. Hyemis tempore, id est, a 
calendis Novembris usque in Pascha, iuxta considerationem rationis, oetava honj 
noctis surgendum est, ut modice amplius de media aoete pausetur, et jam digesti 
surgant etc. S. — "79- I" folge dessen sind übergangen folgende abschnitte von 
S: Cap. IX. Quanti Psalmi dicendi sunt noctnrnis horis; Cap. X. Qualiter aestatis 
tempore agatur nocturna laus; Cap. XI, Qualiter Domin icis diebus Vigüiae agan- 
tur; Cap. XII. Quando matutinorum solemnitas agatur; Cap. XIII, Matutini privatis 



7 6 



K. Böddeker 



Jl8opai knaw per salines & ilka verse, 
parfor pe rowle I wil reherce, 
How pai sal clo wirchep ahvay, 
When pai to god sal sing or say : 
Vbique credimus diu in am esse 
praesenciam. 

99b. We trow & wele we vnderstand, 
pat our lord god al weldand 
In ilka place es redi bown 
To here our prayer & orisown ; 
And euyl & gude al heres he, 

U90Riche & pouer in ilk degre; 

And most we trow he be present 
In haly kirk bi bis entent 
bat his seruandes most comynli 
Serues him per als es worthy. 

1195 bansen bat we wote bat he es per, 
Oure mynd on hym suld be be mayr 
To serue hym dredfully always, 
Als be prophet vs teches & sais: 
Seruite domino cum timore. 

1200 He sais, pus serues £or god in drede, 
Hopand of hym to haue £or mede; 
And wisely sais he, we suld sing 
Lessons vn to goddes leoueyng. 
In ayn oper plase sais he, 

1205 pat angel sal our synging se: 

In conspectu anglorum psallam 

tibi. 
On bis maner til vs he teles 
And sais: lord, in sight of angels 
100 a. Sal we syng to pi wirchep. 

1210 pan aght vs for to tak gude kepe, 
pat our prayer & orisoune 
Be done wit gude deuocioune, 
So pat our hert & moth acord, 
pan es it likand til our lord ; 

1215 And vnto his angels also, 

Sen we may se al pat we do, 



And pat we say bi day or nyght, 
Als es set befor pare sight. 
Bi gude ensaumpel may we se, 
IIow bayn & bowsum we wold be 
Vn to a lord her whar we lif, 
pat ony gude myght til vs gif; 
We wold hym loute es not at layn, 
And til his bidyng be ful bayn. 
Wit al wirchep pat we may weld 
pan of mor force in town & feld 
Wirchep suld we til him bede, 
pat in heuyn sal merk vs our mede ; 
Wit sorow of syn we suld him seke, 
And wirchep wit wordes meke; 
For haly writ lely vs leres, 
pat law hertes lightly he heres. 
Our prayers suld be ordand euyn 
Schort & clen to god of heuyn ; 
Bot if deuocion cum emang, 
And likyng forto hald pam lang, 
For haly writ bus leli leres : 
Heuyn es thirld wit schort prayers, 
pat es to say if pat pai be 
Mellid wit 110 kyns vanite, 
Bot vnto godes wirchep alway ; 
God grant vs grace so for to pray! 
All samyn onyghtes lig pai sali, 
If a hows wil herber pam all; 
And ilkon serly in a bede, 
And ilkon in a kirtil clede, 
And girdid o bown on alwise 
pat pai may be redy to rise; 
And if par be gret Company, 
pat al may not in a hows ly, 
In sere bedes als I said hare, 
pan ald women & wise of lare 
May haue 5ong nunces pat pai lere 
To lig in a bed both infere. 
In the hows whar lig o nyght 



1225 



1230 



100b. 
«235 



1240 



1245 



1250 



1255 



diebus qualiter agantur; Cap. XIV. In Natalitiis Sanctorum qualiter agantur Vi- 
giliae; Cap. XV. Alleluja quibus temporibus dicatur; Cap. XVI. Qualiter divina 
opera per diem agantur; Cap. XVII. Quod(?) psalmi per easdem horas dicendi 
sunt; Cap. XVIII. Quo ordine ipsi Psalmi dicendi. 

V. 1184 entspricht dem anfange von Cap. XIX. De Disciplina psallendi. — 
Ubique credimus divinam esse praesentiam, S. — 1199. Servite Domino in timore, 
S. — 1206. So S, ms. t mit einem abkürzungszeichen statt »tibi«. — 1242. Es 
folgt im lat. Texte Cap. XXI. De Decanis Monasterii, welches in unserem texte 
übergangen ist. — Cap. XXII. Quomodo dormiunt Monachi, S. 



Versifizirte Benediktinerregel im »northern dialect« 



77 



Candel or laumpe sal euer be lyght; 
And kniues to bed pai sal non bere 
For ded bat bai myght do pam dere. 

Ol a. When tyme es ordand on alwise, 

1260 Wit outyn tareyng lnk bai rise, 
And hast bam hertly forto cum 
Vnto godes serues al & sum; 
And bis es be encheson why 
bat bai sal al in a hows ly: 

1265 Be caus no idilnes sal vse, 

Ne fro godes serues bam excuse; 
And if bar ony vnbowsum bene, 
Or prowd in hert os sum er sene, 
pat to bar rewle ne per souerayn 

1270 Wil not bow, bot gruch o gayn : 
Twise preuely pai salbe blamyd, 
And bot pai sese, opynly schamyd ; 
And if ane wil not mend her so, 
Opyn reprofe falis hir vnto 

I2 75 Omang pe couent euer ilkane; 
And if sehe 51t be ouer tayn 
And sehe ken be perils of cursing, 
Sehe salbe cursid for pat same ping; 
And if sehe wil not mend hir mynd, 

l2Sopan bodely sehe salbe pynd, 

And in hert penance sal sehe lende 
loi b. Vntill sehe wil hir mys amend. 
Modus castigacionis. 
Noman suld curs mor ne lese 

1285 Bot for thyng pat ful greuous es, 
And so sal penance mor & myn 
Be gyfyn & getyn efter pe sin; 
Als light penance for litil thing, 
And for gret greuous chastyng. 

1290 Als if a . non . be nyght or day 
fforget pat sehe suld sing or say, 
Or ony werk pat sehe suld wirk 



In couent or yn . hali . kirk, 

Sehe . salbe suspend fro pe mete 

AI tyme pat hir felows sal . ete; 1295 

Allayn at mete syne sal sehe sit, 

bat oper may hir trispas wit; 

Sum seruyse salbe fro her let 

Mor pan for oper on raw, 

pat sehe may to hir trispase knaw. 13 00 

Mor greuous syns if on wil wirk, 

Sehe salbe suspend fro pe kirk, 

ffro mete . & for al Company, 

bat sehe myght oght be cumfort bi ; 

Allone by hir seif sal sehe do 1 02 a 

That wark so sehe es put vnto, 

So for to punych hir body, 

As pe appostil speks perbi : 

Swilk men, he sais, sal trauel fast, 

Wit grete fullyng per flesch to wast, 13 10 

So pat per saules may safly cum 

Bi for god on pe day of dorn. 

Ut non communicent cum 
exeommunicatis. 
« None or nouese mor er lese 
Comyn wit pam pat cursed es, 
Or cum vntyl hir, whar sehe dwels, 1315 
To ete or speke or do oght eis: 
pe same payn sal pai vnderly 
pat sehe suffers for hir foly, 
Vntil pai haue pat mys amend ; 
Bot if par souerayn haf pam send, 1320 

pan may pai baldly speke & do 
Als far os pai haf leue vnto. 
De pertinentibus ad custodem. 
Ane abbot or a priorese 

bat so ouer order kepers es, 1325 

Aw besily forto be gyn 
To hele pam pat er hurt wit syn, 



1257. cultellos suos ad latus suum non habeant dum dormiunt; ne forte pei 
somnum vulneret dormientem , S. — 1284 — 1323. Der inhalt dieser verse zerfällt 
im lat. texte in vier kapitel: Cap. XXIII. De excommunicatioiu- Culparum« 
Cap. XXIV. Qualis debet esse modus exeommunicationis. Cap. XXV. De gra- 
vioribus eulpis. Cap. XXVI. De his qui sine jussione junguntur exeommunicatis. — 
1298 u. 99. Die stelle ist zweifellos korrumpirt, zumal die reimzefle zu v. 1298 
ganz fehlt. Der lat. text bietet keinen halt. — »310. fullyng zu mlat. »fullare« 
neuengl. »to füll«. — 1313. Vor »None« ist vermuthlich »if« ausgelassen. Ich 
habe den text an dieser stelle nicht geändert, da späterhin zu einer kritischen be- 
leuchtung des textes hoffentlich das material geboten sein wird. — 1323. I >.\i 
Qualiter debeat Abbas sollicitus esse circa exeommunicatos. 



7 8 



K. Böddeker 



Thurgh haly lernyng [iam to leche 
Als crisl pus in pe gospel teche; 
J02 b. He sais : to helfolk es no nede 
fficiciens her for to bede, 
Bot do men . bat er seke & sore 
Nedes for to haue medcyns mor. 
A souerayn aw parfor to send 

'335 To pe synful, pair mys to mend, 
Of pe edelst & be most wise, 
Bi pair resons to ger pam rise. 
And tech . pam . tunnentes for to take, 
And suffer pam for godes sake ; 

'34° And so assay bi per soft saw 
The synful to meknes at draw ; 
ffor ane sinful al suld bai pray, 
bat god wise hir to better way. 
Ilka hird aw to do bis, 

*345 So bat non of his schep perise ; 
And in case bat on perist were, 
Ensaumpil of crist may we 1er, 
To comford bam at our power, 
ffor he tels vs on pis maner, 

I 35°Bi ensaumpil, how a hirdman 
A febil schepe wärest & wane: 
He left al his flok os him list, 
And went to seke ane pat he myst; 
103 a. And sune when he had fon bat same, 

I 355 Apon his bak he broght it harn, 
And per of wos he so wele payd, 
bat to his neghburs pus he said : 
Congratulamini me quia inueni 

ouem quam &ca- 
Bes glad, & makes mery wit me, 
My schep wos lorn & fun es he ! 

J 3o°So aw a souerayn forto seke 

pam pat dose wrang wit wordes meke, 
And fathly found wit myght & mayne 
To get bam til be flok ogayne. 
And if it fall als god for bede 

J 365 bat ony haue don gret mysdede, 
And wil not mend her bi no way 
ffor noght bat men may do or say, 



ffor fair wordes ne for chaistying, 
Ne for dred of be gret cursyng: 
pan sal be souerayn nyght & day 
Ger al hir sisters for hir pray; 
And if sehe non wise wil amend, 
pan als be appostil hase vs kend 
Sehe salbe catchid fro cumpany 
bat o^er bi not hermyt hir by ; 
ffor thurgh a schep bat rote hase hent 
May many schep wit rote be schent. 
So may a synful man do scath 
Vnto him seif & ober bath; 
Swilk foles es best forto forsake, 
Sen bat pai wil no merey take. 
And if ane so for wikkid dede 
leue hir abbay & hir wede, 
And lif in world efter ber wil, 
And sine wold turn be hows vntil : 
pe penance to hir sehe sal restore 
Of bat dede pat sehe went oute fore, 
And profer hir seif to suffer payne 
At be ordenance of hir sofferayne; 
So pat men may hir meknes knaw 
Thurgh hir lifyng if it be law; 
And if sehe eft a way wil go, 
Eft sal sehe be resauyd so, 
And be third tyme if sehe be gone, 
A gayn hir aw not to be tone; 
Bot whar hir list pan lat hir pas, 
Als sehe pat neuer of order was. 
Chastying aw mesured to be 
To ald & 51mg in sere degre, 
ffor pe trispas of childer £ing 
Aw men to vse soft chastisyng, 
Als fastyng & betyng wit wände, 
And noper strakes of staf ne hande ; 
And if pai wil of wordes haf drede, 
To bete pam pan it es no nede. 
De proposita subpriorissa. 
In pis maner it ordand es 
pat a president subpriores 
Sal non be chosin for no chanch 



1328 u. 29. Ms. leche , teche, mit querstrich durch h in beiden Wörtern. — 
1338. tech, wie in v. 1329. — 1358. Die lat. worte neben dem texte fehlen in 
S. — 1364. Cap. XXVIII. De his qui saepius correpti emendare noluerint, S. — 
1383. Cap. XXIX. Si debeant iterum reeipi fratres exeuntes de Monasterio, S. — 
1398. Cap. XXX. De pueris minore aetate qualiter corripiantur, S. — 1406 — 1466. 
Nichts entsprechendes in S. 



Versifizirte Benediktinerregel im »northern dialecU 



79 



i4ioBot by pe priores puruyanch; 
ffor it wor done oper wise, 
Strif & debate myght lightly rise; 
ffor if sehe wor chosin be po same 
pat chaps pe priores by nayme, 

141 5 pan thurgh eggyng of pe fende 

A highnes in hir hert myght lend, 
Thinkand pus in hir awn rede : 
If pat pe priores wor dede, 
po same by wham sehe chosin es 

1420 Wold ches me vnto priores ; 

And so par chanch in swilk a case, 

If contek in pe couent rase, 

De subpriores so wit pride 

A gayns hir souerayn suld sone chide, 

1425 And gete oper of hir assent 

To maynteyn hir in swilk entent, 

104 b. And for to supplant hir souerayn. 

And in swilk case myght sum be slayn, 
And pereis fall als folk may feie ; 

1430 And parfor es it ordand wele, 
pat subpriores & segerstone, 
And oper offecers ilkon 
Sal non be chosin bi no way 
Bot als pe priores wil puruay ; 

x 435 And who so oper wise hase chose, 
pe priores aw pam to depose, 
And oper in par stede to take 
In gude luf & for godes sake. 
Subpriores sal euer be bayne 

1440 Vnto pe saws of hir souerayne, 

And no thing wirk a gayns hir wil 
Arely ne layte, ne loude ne stil ; 
ffor pe mor high State pat pai haue, 
pe mor pam aw per rewle to saue; 

1445 And if sehe groche oght for to do 
Of thyng pat touches pe rewle vnto, 
( >r if sehe maynteyn mor or lese 
ffor to myspay hir priores, 
Or eis rebel . a . gayns hir rise, 

1450 15e word sehe salbe warnyd thrise ; 

And bi pe IV tyme bot if sehe mende, 
Be chasted als pe rewle hase kende; 

105 a. And if sehe wil not mend hir äo, 

Sehe salbe pute hir offiee fro 
1455 And ordand in hir stede to be 



On pat es abil to pat degre; 

And if sehe wil not mend hir 51t, 

Oute of pair flok sehe salbe flit. 

Bot euer pe priores bus nede 

Haue gude discreciun in hir dede. 1460 

Scho bus wirk be non enuy, 

Bot for pe luf of god anely, 

Be charite & concience clene, 

And pe rewle right to maynteyn; 

And if sehe so ordand hir dede, 1465 

Of god pan getes sehe mykil mede 

De electione celararii. 

A Celerer sal schosin be 

Bi counsel of pe comunalte, 

And fully bi pe hale assent 1470 

Of pe priores & pe couent, 

Wise & meke & of myld thews, 

Not prowd, ne lither like to schrews, 

Not slaw, ne grochand in hir dede, 

Bot swilk als wil god loue & drede. 1471; 

Scho sal tak £eme to mor & les 

Bi puruyance of pe Priores; 105b. 

ffor al sal cum into her hend, 

pat salbe in hir offece spend. 

Hir offece sal sehe gladly do, 14S0 

And ^eme wele pat es takyn herto; 

And who so askes hir skilwis thyng, 

Sehe sal not greue pam wit groching ; 

Bot if it acord not wit wit, 

Mekely sal scho warn pam it ; '4^5 

And if it aw forto be done, 

Scho sal it gif gladly & sone. 

So vnto hir gret mede may rise, 

Als pe appostel sais on pis wise: 

Q u i b e n e administrauerit 

gradum bonum s ib i ac q u i r i t 

Who serues wele wit hertes fre, 

Wins to pam seif a gud degre, 

A celerer aw to be myld & meke 

ffor to serue pam pat er seke, i4"5 

And 5ong cbilder, & gestes pure, 

And oper pat askes at pe dore, 

Vnto al swilk tent sal sehe t.ike. 

And serue {um for godes sake; 

Witand of all swilk doing iy>o 

( >n domes daj sal mak reknj ng. 



1445. groche', ms. groch mit Querstrich durch den oberen theil des h. 
1467. Cap. XXXI in S. — 14S0 u. 1491. Uebereinstimmend mit S. 



8o 



K. Böddeker 



AI pe vessel of pe abbay 
Aw hir to z.eme in right aray, 
So bat non perise, ne be lorn 

1 505 Bc hir defaute, ne euyn ne morn ; 
Scho sal not serue hir selu vntil, 
Bot wirk albe souerayn wil ; 
ffair of answer sal sehe be 
To euer ilkon in per degre; 

i5loffor meke answer es mykil at prays, 
Als hali writ witnes & says: 
Sermo bonus super datum Optimum, 
ffair wordes in ilka plase 
Er oboun oper giftes of grace. 

1515 A celerer sal gladly fulfil 
AI bat fals his offece vntil, 
And gladly gif when oper craue, 
And mekely ask what so wil haue ; 
And if scho so rewle al hir dede, 

1 520 pan may scho serue ful mykil mede 
De officio sacriste. 
The priores & oper nane 
Aw for to ches a segerstane, 
To ring pe bels in right aray 
Til al per seruys nyght & day; 
106 b. And wisely aw hir forto wirk 

To kepe enourmentes of pe kirk, 
Als chalese, boke, & vestmentes, 
Relekes, waxe, & annual rentes. 
Er aw to ordan al be dene, 

1530 Als vessel close, & kep pam clene, 
Indentures suld pai be ilkon, 
And pe priores sal kepe pe tone, 
So pat when on sal out flit, 
By per endenturs may pai wit, 

1 53 5 What thynges efter on er left 
To hir pat sal resaf pam eft; 
And who so wil reklesly wirk, 
Or files pe pinges of haly kirk, 
pai salbe chasted greuusly 

154° Efter per warkes es worthi. 

De septimariis coquine. 



In pe kechin sal pai serue oboute 

Ilkon per wouke wit outyn doute; 

And serues sal non refuse, 

Bot if skilwis caus pam excuse. 

pat pai til oper thinges takes tent, 1545 

Mor profetabil to pe couent, 

And euer pam aw to tak rewarde. 

At euer pe eldest most be sparde; 107 a. 

And when on hase endid hir wouke, 

Besily hir aw to luke, 1550 

pat albe clene pat to hir feil, 

Both howses, clothes, & wessell; 

To liuer os clene os scho kan 

Vnto hir pat sal serue pan, 

So pat if oght wantand be, '555 

In whom defaut es may men se ; 

And who so pus salbe seruand, 

May tak a sop wele be for hand, 

So pat per penance bi not gret 

fforto bide til pe latter mete; 1560 

And for pai sal wit meri eher 

Serue ilkon on sides sere. 

When on hase seruyd a wouk to end, 

And sal oute of per seruys wend, 

Kneland bi for pe couent 1365 

pus sal scho say wit gud entent: 

Benedictus es domine qui adiu- 

uisti me. 
Blissid be pou lord pat neuer falted, 
pat hase me helpid & counseld 
Thris on pis wise sal scho say, '5 70 

And blisyng take, & wend hir way 
And scho pat enters in seruese, 107 b. 

Kneland sal say on pis wise : 
Deus in adiutorium m e u m i n - 

tende. 
Lord to my helping pou take hede.. 1-7C 
And hast pe hertly me to spede. 
And wit hir hed scho sal bow down. 
And mekely take hir benysoun. 
And on pis wise when sehe don has 



15 16. serue, ms. saue. — 1521. Cap. XXXII. De Ferramentis vel rebus 
Monasterii, S. — 1521. Im lat. texte folgen zwei abschnitte, die in unserem texte 
an andrer stelle zu finden sind: Cap. XXXIII. Si quod debet monachus proprium 
habere. Cap. XXXIV. Si omnes aequaliter debeant necessaria aeeipere. — 
!539- Cap XXXV. De septimarariis coquinae, S. — 1567. Benedictus es Domine 
Deus meus qui adjuv as ti me, S. — 1571 . quo dicto teriio, aeeipiat beneditio- 
nem oyrediens S. — 1574. Uebereinstimmend mit S. 



Versifizirte Benediktinerregel im snorthern dialect« 



81 



i58oVntil hir serues sal scho pas. 

De delinquentibus in ecclesia. 
If pat on faile in ony thing, 
In verses or saulms to rede or sing, 
Or in lessons: pam er kend, 

1585 Bot pai mekely pat mys amend, 
pair in presens of Company 
Grete payn sal pai vnderly ; 
And pe nouices, whils pai er 5ing, 
Aw to be storid for swilk a thing; 

1590 And als who so wil fayntly faile, 
And not trewly do per trauayle 
In kechin, celer, or in cels, 
In bakkows, brewhows, or ourels, 
Or eis pat loises mor or les 
108 a. Bi resoun of per reklesnes, 

And comes not son to per souerayne, 
ffor pat trispas to tak per payne, 
Bot layus it stil os no man wist, 
Til it wir. oper be puplist : 

1600 ban sal mor payn to pam be layde 
pan if pam seif pe suth had saide; 
ffor if none wit per of bot pay, 
Vnto per souerayn suld pai sai, 
Or til per confessure in hi, 

1605 pat may pam mend al preuely. 
De horis assignandis. 
Subpriores als woman wise 
Sal kepe pe oures of god seruyse, 
Er eis a noper bi her assent 

iöioVnto pat office sal tak tent, 
So pat seruyse bi day & nyght 
In ilk seson be rewlid right; 
And scho sal assigne old & zing 
Til all pat pai sal rede er sing; 

16 15 And se pat non sal syng ne rede, 
Bot pat er abil vnto pat dede. 
And dredefully ilkon sal do 
AI pat pai er assigned vnto. 



De mensura ciborum. 

Who to pe kechin sal tak tent, 108 b. 

Sal ordan wele for pe couent 

Euer ilka day II maners of mete, 

Bi caus pat who so may not ete 

Of pe ton for nokins nede 

Of pe toper pai may pam fede. 1625 

So til a couent suffes may 

II maner of potege ilka day. 

If pai hafe appils or oper thing 

Ordand of peir awn growyng, 

pen sal pai make seruys of slike 1630 

Vnto euer ilkon in like. 

To ilka lady suffise may 

A pond of bred a pon a day 

Wheder pai wil ete ons or twise, 

If it be ordand on pis wise, 1635 

pat euer ilkon wil of hir laue 

pe third part til hir sopper saue. 

And to pe celerer wil it seme 

Swilk seruys for to saf & zeme. 

And who so wendes gret trauel til, 1640 

Salbe seruyd at per souerans wil 

Wit mor or les: pat es to mene 

Bot euer pat non outrage be sene, 

ffor no thyng es gret enmy 109 a. 

Vnto godes folk als glotony. 1645 

And parfor pus sais iesu crist, 

Als witnes wele pe euangelest: 

Vi d ete ne grauenturcorda u e s t r a 

crapula et ebrietale. 
Greues not zour hartes for no nede 1650 
Wit glotony & dronkenhede, 
And les mesur in ilka thing 
Salbe vsid to childer £yng. 

De mensura potUS, 
The mesure salbe of per drink 
Set efter per souerayn think, 1655 

Efter pai trauel arely & late, 



1581. Cap. XXXVI. De infirmis fratribus S. — 1606. Hier folgt im lat. texte: 
Cap. XXXVIII. De Senibus vel infantibus. Das entsprechende in unsrer version 
später. Andrerseits ist der inhalt der verse 1606 — 1618 unsrer version im lat. texte 
nicht vertreten. — Der alsdann folgende abschnitt in S. ist überschrieben: Cap. 
XXVIII. De hebdomadaris Lectore. Diesem entspricht der mit v. 1738 beginnende 
theil unsres textes, überschrieben: De leccione ad praiulium. — 1619. Cap. XXXIX. 
De mensura eibi (von Holstein emendirt in »ciborum«), S. — 1627. Ergo duo 
pigmentaria coeta fratribus Omnibus sufficiant, S. — 1644. Quia nihil sie con- 
trarium est omni Christiano quomodo crapula, S. — 1648. Videtc ne graventur 
corda vestra crapula, S. — 1654. Cap. XL. De mensura potus, S. 

Kölbing, Englische Studien. IT, 1. 6 



82 



K. Böddeker 



And after pe plais es cald or bete; 
Bot al pai neuer assent vntil 
pair flesch zernyng fully to fil. 

i66oSoftly sal f»ai tast & fair 

Drynk pat may per hedes inpair, 
Als myghty wyne or nobil aile, 
ffor pe wisman tels slik a taile: 
Wine pat es myghty & sträng 

1665 Mase witty men forto wirk wrang; 
parfor es wit to lest & mast, 
Wine or aile softly to tast; 
And if pai in slik places be 
109b. pat pai of noper haf plente, 

l67oSwilk os pai find pen sal pai fände, 
And loue god hertly of his sande. 
Vt nichil proprium habeant. 
In religion, als it es knawn, 
Sal pai haf no thing of per awn, 

1675 Ne no ping clame bi propirte, 
Bot al ping sal in comun be. 
No giftes sal gif ne take, 
Bot anly for peir souerayn sake ; 
Ne no ping sal pai clayme ne craue, 

1680 Bot als per souerayn wouches saue. 
Tabels, boke, ne oper gere 
Wit outyn hir wil sal pai none were, 
Bot whatkyn ping so on haf sali, 
pat salbe comun vnto pam all. 

1685 Scho pat wil not wirk on pis wise, 
Scho salbe warned anes or twise, 
And if scho so mend not hir hert, 
Wit greter payn scho salbe gert ; 
ffor haly writ witnes & sais 

1690 How pai pat wons so in abbais 
Aw to haue leuerty of al thing 
pat leful es to peir lifing ; 
And ilkon aw in like to haue, 
1 loa. And eftermor aw non to craue, 

1695 Bot euer ilkon, als I air saide, 
Of hir part sal hald hir paide ; 



And if ony be s<> vnbayne, 

In word or werk to groch ogayn, 

And scho perof pan be astried, 

Wit penance sal scho be chastid. 1700 

De sororibus infirmis. 

When ony of godes saynd es seke, 

All pe oper sal wit lierte.i nicke 

Confort hir & wit hir dwell, 

Als crist vs kens in his gospell : 1 7°5 

Seke I wos, suthly sais he, 

And kindly com z,e vnto me ; 

ffor pat 2|e did oper in my name, 

Vnto my seif £e did pe same. 

pai pat er seke sal vndertake 17 10 

pat oper pam serues for godesake, 

And forto fulfil charite, 

And nothing for per awn degre. 

In seknes suld pai haf sufferans, 

And loue god euer of alkyn chanch; 171 5 

ffor pe mor pai er meke & Stil, 

pe mor mede es ordand pam til. 

And so a souerayn sal euer be meke 

And bowsum to pam pat er seke, liob. 

And wit gude alway to spend 1 720 

On ony ping pat myght pam mend ; 

And ordan seruandes pam vntil, 

pat wil pam serue wit gude wil, 

And honest place forto be in, 

Whor pai may it wit outyn dyn ; 1725 

Bathes & bawmes sal pai haue, 

Als oft sithes os pai wil craue; 

And gladli sal men to pam gete 

fflesch or fisch, what pai wil ete; 

And when pai er fulli amend, 1730 

lif furth als pe rewle hase kend. 

A souerayn aw forto be hald, 

& apli vnto Z,ong & ald, 

pat euer ilkon in per degre 

Be ordand als pam aw to be ; I 735 

So pat pe 5011g may traue! tast, 



1658. assent conj. praes. »sollen zustimmen«; hoc consentiamus , ut non 
usque ad satietatem bibamus, sed parcius: Quia vinum apostatare facit (cf. Mase, 
v. 1666) etiam sapientes , S. — 1672 — 1700. Der inhalt dieser verse entspricht 
Cap. XXXIII und XXXIV des lat. textes; vgl. die betr. bemerk, zu v. 1521. — 
1691. leuerty, ms. leuer mit einem haken, der »er<, aber auch ganz allgemein 
eine abkürzung bedeuten kann. — 1696. placatam sibi habeat, S. — 1701. Der 
entsprechende abschnitt geht im lat. texte voran, vergl. die bemerk, zu v. 1581. — 
1732 — 1737. Der inhalt dieser verse entspricht Cap. XXXVII des lat. textes; vgl. 
bemerk, zu v. 1606. 



Versifizirte Benediktinerregel im »northern dialect« 



83 



And pe eldest be hordand mast. 

De leccione ad prandium. 

The couent when pai set at mete, 
I 74°ffor to rede sal pai not for gete. 

On pe sunnday sal on be gin, 

And al pat wouke scho sal not blin 
III a. Vnto hir felos sal scho say, 

Besekand pat pai for hir pray ; 
1 745 And sone when pat scho enters in, 

bis vers to say scho salbe gin: 

Domine labia mea aparies. 

Lord, opin my lippes als gastlylech, 

And my moth sal pi louyng tech. 
I 75°Hir souerain sal blis hir gud spede, 

And so scho salbe gin to rede. 

pan of al nose pai salbe stil, 

And grathly tak entent hir til. 

If any of pam nede oght to haue, 
I 755Softly vvit signes pai sal it craue; 

And scho pat redes sal sithen ete 

Wit pam pat serues at pe mete; 

And in order pai sal not rede, 

Bot who so best can do pat dede, 
i7 6 °And most likandly tels & leres. 

Vnto pam pat pe lesson heres. 

In quibus horis reficiantur. 

Of time of mete now es to lere. 

Tri times & sesons of pe Jere 

i'fro pas right vnto witsummday 
1765 At the sext our ete sal pai, 

pe whilk es midday for to mene; 

And sine sal pai soupe bedene. 
III b. In somer fro witsunday be past 

Wedinsday & friday sal pai fast, 
177° Bot if pai oper swink or swete. 

In hay or com wit trauel grete; 

And if pai non slike trauel done, 

On pos days sal pai fast to none; 

And on oper days, als I air saide, 
1775 At mydday sal per mete be graide. 



Bot al pis salbe purued playn 

At pe ordinance of per souerayn ; 

What seson so scho putes pam to, 

Wit outin groching sal pai do. 

ffro time pat december be gin 1780 

Vntil clene lentyn cum in, 

At hi none sal pai ete, 

per sesons sal pai not for gete ; 

In lentyn sal non to mete gang 

Or efter pe our of euyn sang; 1785 

And al seruys pan sal pai sai 

Efter mete bi light of day, 

So pat albe rewlid right 

At wend to bede bi dais lyght. 

Vt non loquatur post complec - 1790 

torium. 
In times when pai sal soup infere, 
pen sal pai set efter soppere 
AI in a stede whor pai wil sit 112 a. 

And rede lessons of hali writ, 
Or eis of liues of hali men, 1795 

pat gastly comfort may pam ken. 
Tales of trofils pai sal non tel, 
Ne oper maters pan of mel, 
pat may let haly orisoun, 
Or driue pam fro deuocioun, 1800 

On fastyngdais in ilka place 
Efter euynsang a litil space 
In a stede pai sal set down 
And mak a schort colaciown ; 
And als son os pai haf done, 1S05 

AI samen sal pai wend ful son 
Vnto complin mor & myn; 
And efter pe our of complin 
In per hertes al sal pai hurd, 
And non haue lef to spek a word, tISio 

Bot gestes or oper pinges it gar, 
Bot pai spek it myght be war; 
Or if per souerayn say pam to 
Nedeful thinges [>ai er to do, 



1747. Domine labia mea aperies, S. — 1761. Cap. XLI. Quibus horis oportet 
reficere fratres, S. — 1764. A Sancto Pascha usque ad Pentecosten ad sextam 
reficiant f ratres et ad seram coenent , S. 1790. Cap. XLII. l't post com- 
pletorium nemo loquatur, S. — 1801. Si autem ieiunii dies fuerit, dicta vespern, 
parvo intervallo mox accedant ad lectionem consolationum ul diximus, et fectis 
quatuor aut quinque foliis, vel quantum hora permittit, omnibus in unum con- 

currentibus per haue moram lectionis S. — 1S07. Omnes ergo in unum 

positi compleant, S. 

6" 



84 



K. Böddeker 



l8i5"Vnto hir sal pai answer pan 
Als curtesly als euer pai kan ; 
And preuely so sal pai say, 

112 b. j, a t non pam here bot scho & pay ; 

And ober speking salbe none 

1820 ff r o tyme pat pai haue complyn done. 
Vt cito veniunt ad missam & ad 

111 e n s a m. 
Als son als bai here pe beles 
To nies, matyns, or oght eis, 
ban sal |>ai hast pam on al wise 

1825 Sone to com to godes seruyse; 
Wheder so euer bai sit or stand, 
AI thyng sone sal bai lef of hand, 
And wightly to pe kirk at win, 
Bot neuer pe les pai sal not ryn ; 

J 830 And who es not redy grayd 

When gloria efter be first saulm es 

said, 
In order pen bai sal not be, 
Bot stand in pe lawest degre, 
bat pai be of per souerayn sene, 

1835 And °f P a i f sisters albedene; 
And so pai sal wit repentans 
Mak amendes for swilk a chanch, 
ffor in pam seif pai sal haue schäme, 
bat pai er worthi to ber slik blaym; 

1840 In be quer sal pai stand algate, 
And al if on cum neuer so late. 

113 a. ffor eis sum wold take no kepe, 

Bot oper ianglyng or eis slepe, 
And als for pai pat Standes in quere 

1845 Sal haue part of al pat pai here; 
And if on dwel so lang oway 
At ony of pe houres of pe day, 
pe same pan salbe beir mede, 
And nober sal bai sing ne rede; 

1850 In pe lawest stede sal pai stand 

Bot if peir souerayn pam command ; 
At pe mete so sal it fair 
Of pam pat er not redi pair, 
To say pe grace & take per sete 

1855 pai sal bide to pe latter mete ; 



And who so wil not be chastid, 

Til langer eftei sal scho bide, 

And sine be hir allayn to sit, 

And sum seruice sal hir want £it 

Of mete or drynk pat myght hir glade, 1860 

Vntil scho haue amendes mayde. 

be same payn es to pam puruayde 

pat bides til pe grace be sayde 

Efter mete, als it es vsed, 

Bot pai haue caus to be excused. 1S65 

Scho pat es for cursed kend, '13 b. 

And wilfully wil hir amend, 

Scho sal wait pe tyme of pe day 

When pe couent in pe schapiter pray, 

And doun scho sal fall in pe flore 1870 

Opon hir face be for pe dore, 

And oblis hir vntil per fete, 

Murnand sore, hir mys to bete; 

And ilkday sal pis be hir niese, 

Vntil hir souerayn bid hir sese. ^75 

And if hir souerayn pedir hir call, 

Vntil hir fete first sal scho fall, 

And sine lig in hir aller way, 

Besekand pam for hir to pray. 

If hir souerayn, pat hase power, 1880 

Gif hir leue to cum in quer, 

On hir knes doun sal scho fall, 

pat scho may be sene of pam all; 

bis penance ilk day sal scho do 

Vntil hir souerayn se perto; 1885 

And when scho ful mendyng may trow, 

Scho sal say: sese, it suffes now. 

De operibus cotidianis. 
All pat wons in religioun 
Aw to haue sum ocupacioun, 
Ouper in kirk, or hali bedes, 1 14 a. 

Or stodying in oder stedes; 
ffor ydilnes, os sais sant paul, 
Es grete enmy vnto pe saul. 
And perfor es ordand pat pai 
Sum gude warkes sal wirk alway, 1895 

And sum certane times of pe 5er 



1821. Cap. XLIII. De his qui ad opus Dei vel mensam tarde oecurrunt, S. — 
1831. Post gloriam Psalmi XCIV ti, S. — 1863. Jedenfalls fehlt die negation. — 
Vor 1866: Cap. XLIV. De his qui exeommunicantur quomodo satisfaciant. S. — 
1887. Im lat. texte folgt: Cap. XL V. De his qui ialluntur in Oratorio. Cap. XLVI. 
De his qui in aliquibus rebus delinquünt. Cap. XLVII. De significanda hora 
Operis Dei. — 1888. Cap. XLVIII. De opere manuum cottidiano, S. 



Versifizirte Benediktinerregel im »northern dialect« 



85 



To wirk wit hand os men may her. 
ffro pase thurgh al cristyndome 
Til pe kalandes of october cum 
900 Vnto prime sone sal pai rise, 
And sine ilkon wirk on per wise 
What so es most nedeful labore, 
Vntil pe tyme of pe third oure; 
And lessons sal pai rede pan next 
9° 5 ffro pe third our vnto pe sext; 
And efterward thurgh wirchep 
ffro oures & mes wend vnto mete; 
And efter mete pen sal pai slepe, 
And silence al samen sal pai kepe, 
9 IO So pat none do oper disese, 
Bot ilkon paid oper to plese; 
Sone efterward when pis es done, 
And pai haf said pe our of none, 
Vntil peir werk pen sal pai gang 
4b. Vnto pe tyme of euynsang, 

To scher or bind, if it be nede, 
Or dike, or eis do oper dede; 
ffor vnto trauel wor we born, 
And al our eiders vs be forn ; 
9 2 ° Bot trauel aw mesurd to be 
Til ilkon efter per degre, 
To men or women old or jjing 
Ilkon to do diuers ping. 
ffro october, os I are sayd, 
9 2 5 Vnto lentyn es pus puruayd : 
In orisons & in per oures 
And lessons salbe per laboures. 

De obseruanciis in XL". 
In lentyn tyme pen sal pai rise 
Arly & say per seruyse 

'93° And orisons til godes honoure, 
Vntil it be past pe third oure; 
pan to pe tent our sal pai wirk, 
And sine til non . serue in pe kirk. 
And in lentyn aw pam to luke 

"935 f>at ilkon haue ordand a büke, 
Whilk salbe red right to pe end, 
Als pe cours of pe rewl hase kend ; 
And who so groches oght here gayn 

15 a. Salbe punest wit greuus payne. 



Who tentes to trofils, & wil not rede, 1940 

And pai ouertayn wit pat dede, 

Wit payn pai sal amendes make, 

So pat oper ensaumpil take. 

In lentyn aw pam to be clere 

Be for all oper times of pe ijere, 1945 

In haly bedes pat tyme to lif, 

And vnto god haly pam gif, 

Abstenand pam fro drynk & mete, 

And gif pam vnto penance grete ; 

And fand to fle al flesch likyng, »95° 

And honor god ouer alkines ping. 

Wit clene desire so sal pai bide 

pe tyme of paise pai sal pat tide, 

And kepe pat lord so wit clene life, 

pat medcyn es to man & wife. 1 955 

pai pat sal walk bi way or wirk, 

And may not cum to haly kirk, 

In what stede so pai be sett, 

peir seruise sal pai not forgete ; 

Bot kepe all pe oures of pe day i960 

Wit als grete honoure os pai may, 

And say per seruyse in ilk seson 

With wil & gude deuocioun. 115 b. 

And if on sal on erand wend 

ffurthward vnto ony frend, 1965 

A pinkes to com a . gayn pat day : 

AI if men vnto mete pam pray, 

ffor to ete sal pai not assent, 

Bot if pai asked leue or pai went. 

And who so trispas in pis ping, 1970 

pai ryn in peryl of cursyng. 

De oracione in secretu. 
In chapiter or kirk who likes to lend 
When godes seruys is sayd til end, 
To mak peir meditaciouns 
In haly prayers & orisouns; 1975 

So preuely pen sal pai pray, 
pat non oper here quat pai say ; 
And preualy furth sal pai wyn, 
pat pai let none pat lefes perin. 
pus euer ilkon sal hald silence 1 180 

When pai sal pray in godes precens, 
Noght wit crying, ne voce l'ul giete, 



1927. Cap. XLIX. De Quadragesimae Observatione, S. — 105,1). Ca]'. I.. De 
Fratribus qui longe ab oralorio Laborant aut in via sunt, S. — 1964. Cap. 1.1. 
De Fratribus qui nun longe proficiscuntur, S. — 1972. Cap. 1-11. De oratorio 
Monasterii, S. 



86 



K. Böddeker 



Bot with murnyng on brest to bete. 
Who so wil not do os I tel, 
1985 In prayyng pai sal not dwel, 

Bot furth pai sal be had in hy, 
1 6 a. pat ober be not harmyd perby. 
De hospitibus suscipiendis. 
A priores aw to be prest 
l990fforto resaue ilka gude gest, 

And at hir myght pam mere make 
Soueraynly for godes sake. 
Namely pam pat er pilgrams knawn, 
And pouer, pat hase not of per awn ; 
1995 ffor god vntil pus sal say 

In dorne apon pe dredful day: 
Hospeseramet colligistis me. 
I wos a gest in my degre, 
And in ^our hous $e herberd me. 
pan aw vs gestes & gud pilgrims 
2000 ffor to releue in al pere lims, 
And forto refresch in al right 
Als it es det be day & nyght, 
And oblis barn kissink of pese, 
Perfite luf forto encres; 
2005 And when pai cum bi day or nyght, 
And also when pai wend to flight, 
Loute vnto pam aw grete & small, 
Or eis vnto per fete at fall; 
Witand wele in pat sesonne, 
2010 pai honour crist in per personne; 
ffor who so resaues pe pure man, 
116 b. In crist name resaues crist pan. 
A souerayn sal ger gestes kepe 
With honour & wit gret wirchepe, 
2015 Or rede to pam, or ger be rede, 
How hali men per liues lede; 
So pat he be to pam puplist, 
How pai sal lif be pe law of crist. 
A priores hir fast sal breke 
2020 And silence, when scho suld not speke, 
To myrth hir gestes in pat scho may, 



Bot if it be dere fasting day, 

And ymbrin days, or eis vigil, 

Whilk ilka man es bun vntil. 

Bot al if scho brek be 7<z bold, 2025 

pe couent sal peir right curs hald; 

Scho sal gif water vnto per hand, 

And wesch peir fete, als crist hase kend : 

When pai so do, pai sal reherce 

Word bi word, & say pis verce: 2030 

Suseepimus deus misericord i an 

tuam in medio. 
We haue resauyd, lord, pi merey 
In pe mydes of pe hows haly. 
On pis maner crist wil vs ken, 
To resaue pilgrims & pouer men; 2035 

ffor when we pam resaue wit wil, 117 a. 

Crist resaue we vs vntil. 
pe gestes kechin salbe set 
Allone pat it no noper let, 
So pat pai be seruyd at ese, 2040 

And ilk man redy pam to plese, 
And luk per bedes ordand bene 
Wit litter larch & clothes clene; 
And swilk seruandes assigned pam til, 
pat wil pam serue' wit gude wil ; 2045 

None aw pam do forto greue, 
Ne speke wit pam wit outyn leue; 
Bot loutand hals pam wher pai go, 
And wit blissing pase furth pam fro. 
Vt nichilaccipiantsine lisencia. 2050 
If litters or bils be sent to rede, 
Or oper giftes of greter mede 
Be send fro frendes in feld or toun 
Til women of religioun, 

Scho sal resaue non hir vntil, 2055 

Bot scho first wit hir souerayn wil; 
And if hir frendes fer or nere 
Send hir gudes or giftes sere, 
Or scho pam tak for ony nede, 
To pe Priores scho sal pam bede; 117 b. 



1088 Cap LIII. De hospitibus suscipiendis. S. — 1996- Hospes fui, et 
suseepistis me. S. - 2022. nisi forte praeeipuus sit dies jejunn , qui non possit 
2s - 2041. Suseepimus Deus misericordiam tuam in medio temph tui. S. - 
2038 Coquina Abbatis et hospitum super se sit ut incertis hons supe^ementej 
hosoites qui nunquam desunt Monasterio, non inquietent fratres. S. — 2048. sed 
ÄvSvS, au?viderit, salutatis humiliter, ut diximus, et petita benedictione 
nprtrinseat dicens; Sibi non licere loqui cum hospite. S. — 2050. Cap. l,iv. 01 
S^MonSs'literas vel aliquid 4 suseipere , S. - 2056. sme praeeepto Ab- 
batis, S. 



Versifizirte Benediktinerregel im »northern dialect« 



87 



And if pe priores at hir wil 
Gif po giftes a noder vntil, 
Scho vnto wham pe giftes wer sent 
Sal not be greuyd in hir entent. 

2065 If hir presand be so puruayd, 

Bot in hert sal scho hold hir payde, 
ffor what per souerayn dose ilk dele 
Aw pam to think worthi & wele 

De uidum entis. 
Thay sal be clede ful wele, we wate, 

2070 Efter per place es cald or hate ; 
ffor in cald stedes who so er sted, 
pam nedes forto be better cled ; 
And who er in hate cuntre, 
Sich clething to pam may be; 

2075 And al it sal be puruayd playne 
At pe ordinance of peir souerayne. 
In comun places for alkins note 
Sufficis a kirtil & a rote ; 
And mantels sal pai haue certayne, 

2080 In winter dubil, in somer playne; 
And changing kirtils sal pai haue 
In nyghtes, per oper forto saue, 
Schos pai sali haue whor pai dwel 
(i8a. Swilk os pai may find forto sei; 

2085 Of pe farest pai sal not by, 
Bot pe vilist ful bowsumly. 
And peir souerayn aw forto se 
pat pair gere euynly ordand be, 
Mete for pam pat sal it fang, 

2090 And noper to schort ne to lang. 
When pai tak new, pe old sal pen 
Be partid til pouer women. 
And when pai sal went in cuntre, 
pair clething sal mor honest be ; 

2095 And home a gayn when pai cum eft, 
pen sal pai were slik os pai left. 
Vntil peir beddyng sal pai haue 
At suffise pam fro cauld to saue. 



And oftsithes sali per bede be sene 

pat no tresure be pam be twene, 2100 

Be no gude pat to pam may gayne, 

Who so it hase sali soffer payne, 

ffor whi per souerayn sal pam bede 

All vnto pam pat es nede; 

Bot when scho gifes scho salbe hald 2105 

To pis pat holi writ hase tald, 

And set to se for certayne 

In pe dedes of pe appostil playne: 118b. 

Diuidebatur singulis prout cui- 

que opus erat. 
He tels: how crist depairted hase 21 10 

Intil ilkon, os myster was, 
So suld a souerayn in hir daile 
Tak reward to seke & haue 
To z,ing or old wheder pai be, 
And serue ilkon in peir degre. 21 15 

De mensa priorisse. 
A Priores bord aw forto be 
Euer mor vntil al gestes fre, 
pat es to mene vnto pouer men ; 
And when non cumes, scho sal take pen 2 1 20 
Of pe eldest & pe most nedy 
Of hir sisters pat wons hir by, 
In stede of pouer folk pam to fede, 
So may scho wyn hir mykil mede. 
If ony woman can oght do 2I2 5 

pat ony wining falles to, 
All pe profit of peir wyning 
Vnto peir souerayn sal pai bryng. 
And if ony hafe pryde per by, 
It sal be tayn fro pam in hy; 2130 

And neuer more sal pay negh nere 
Bot pe priores gif pam power, 
And pat sal not fall, bot scho se 119 a. 

pat pai be meke & obedient be, 
And wil gif al peir wyning fayn 2I 35 

To pe ordenance of per souerayn ; 



2063. wer, ms. wher. — 2069. Cap. LV. De Vestiario vel Calciario fratrum, 
S. — 2073. And, ms. In. — 2071 — 74. quia in frigidis regionibus amplius in- 
digetur in calidis vero minus, S. — 2078. cucullam et tunicam, S. 2088. ordand, 
ms. odand. — 2101. Dieser vers ist offenbar entstellt. Vielleicht: For no gude to 
pam may gayne, denn kein (eigenes) gut kann ihnen \<.n\ nut.en sein. — 
2109. Quia dabatur singulis prout cuique opus erat, S. — 21 16. Cap. I \ 1. De 
Mensa Abbatis, S. — 2125. Cap. LVII. De artifieibus Monasterii, S. — 2127. pro- 
fit, ms. pphet mit durchstrichenem pp, also prophet, — 2130. Hie talis eveUatur 
ab ipsa arte et denim per eam non transeat , aisi forte humiliato ei herum Abbas 
j übe bat, S. 



88 



K. Böddeker 



And wil Inf god in ilka place, 

pat gifes to pam swilk giftes of grace. 

De probacione suscipiendorum. 

2140 All if a vvoman ful eld haue, 
And religion wil to hir crauc, 
And hase non entisment per til, 
Bot oblis hir awn wil ; 
ffully resauyd saT scho not be 

2145 Or tyme pat hir perseuerans se; 

And prow hir both bc nyghtes & days, 
Als pe appostil playnly says : 
Hir hert & wil er both to proue, 
If pai be gifin til godes bi houe, 

2 '■ 5° And mak pam forto vnderstand 
pe hardnes of religioun band ; 
And if scho bide IUI days or fyue, 
And schews grete lawnes in hir liue, 
Vnto hir salbe grante entre, 

2155 Bot als a gest £it sal scho be; 

And sine a place forto haue grayde 
119 b. Als vnto nouysces es puruayd ; 
And a mastres her forto lere 
Hir obseruandes, & seruys sere, 

2 160 And schew hir both gude & ill 
pat scho salbe obidient til; 
And if scho be willy always 
To suffer what hir mastres sais, 
Sithen efter . II . moneth space 

2165 pan sal pai bring pis rewle in place, 
And tel vntil hir opinly 
pis law pat hir aw to lif by. 
When it es red on right array, 
pe priores sal til hir say: 

2 170 pis rewle if pou may £eme & saue, 
We grant pe entre here to haue; 
And if pou may not perwit lend, 
We grant pe lefe frely to wend; 
And if scho pan wil langer dwel, 

2175 Scho sal bide in pe noues sei, 
At gud laser to lig & rise, 
So pat scho may hir wele awise 
In hir hert, if scho be bald 
pe rewle tö tak pat scho es tald. 

2 180 When sex moneths er fully gon, 



pen sali pis rewel eft furth be ton, 120 a. 
And red to hir os mykil os nedes, 
How scho sal rewle both wordes \ 

dedes ; 
And if scho £it wil lely last 
When . XII . moneths er playnly past, 2185 
pis sal eft be to hir red, 
So bat scho be not lyghlli led, 
And pat scho wit be on & on 
pe pontes wher to scho hase hir tone ; 
And if scho so with a visement 2190 

Hete to fulfil wit gude entent 
What so pai deme bi day or nyght, 
pen sal scho be resauyd right 
Into pe kirk emang pam all, 
And pat day perin dwel scho sali; 2195 

In hir seif pen sal scho knaw 
pat scho sal neuer for godes aw 
ffro pat rewle reklisly gang, 
Sen pat scho es avised so lang. 
To chapitur sine scho salbe tayn 2200 

In mang pe couent euer ilkayn, 
And vnto god per sal scho hete, 
ffalland doun be for per fete, 
pat scho sali fathfuly fulfill 120 b. 

AI bat pai haue told hir tili ; 2205 

Vnto mary, cristes moder dere, 
And to al halows of heuyn clere 
Sal scho hete per pam emang: 
pan may scho wit if scho do wrang 
Or maynten it not wit hir mayne, 2210 

AI wil pai witnes hir ogayne ; 
pan sal scho make blithly hir bown, 
And puruay hir peticioun; 
Wit hir awn hand it salbe wroght, 
Or with a noper, if scho can noght; 2215 
Bot scho sal luke pat it be lele, 
And set perto signet or sele ; 
On pe awter scho sal it lay, 
And per wordes pen sal scho say : 
Suscipe me domine secundum2220 

eloquium tuum et viuam 6c 

non confundas. 
And pir same on pis wise 



2139. Cap. LVIII. De disciplina suscipiendorum fratrum. S. — 2210. mayne, 
ms. mayine. — 2220. Suscipe me Domine secundum eloquium tuum, et vivam, et 
ne confundas me ab expectatione mea. S. 



Versifizirte Benediktinerregel im »northern dialectc 



Sal pai ilkon reherce thrise, 
With gloria patri put perto, 

2225 And sicut erat sine also. 

pe nouese pan be for pam all 
AI flat vnto pe erth sal fall, 

21 a. Besekand pam on ilka side 
ffor to pray for hir pat tide. 

2230 ffro pat day sal scho rekynd be 
On pe couent in hir degre; 
And al pe pinges pat scho hase pen, 
Ouper sal scho gif pam to pouer raen, 
Besekand pam for hir to pray, 

2235 Or eis vnto hir awn abbay; 

Vnto hir seif scho sal haue noght 
Of al pat scho hase peder broght; 
Vntil oper scho sal it take, 
And hir awn wil scho sal for sake; 

2240 Hir awn wedes scho sal lay doun, 
And take cloths of religioun ; 
Hir cloths sal pen albedene 
Be samyn layd & kepid clene, 
pat if case fall at pe zere end 

2245 pat scho in to pe world wil wend, 
pe same wede pat scho pan for sake, 
pat sal scho were & wit hir take; 
Bot hir bil of peticioun 
Sali leue Stil in religioun. 

2250 De nouiciis iuuenibus suscipien- 

dis. 
121 b. M a y fal pat ouper man or wife 
Wold haue per child haly life, 
And offer it vnto haly kirk, 
On pis wise pam aw to wirk : 

2255 If per child be so zung 

pat it can not tel with tung 
What es to leue ne what to take, 
pen sal pe frendes peticions make; 
Tak pai sal pe childcs hand, 

2260 And bil, & per awn ufferand, 

Wit reuerence os pe rewle hase kend, 



And law al on pe awter end ; 

And when pai mak peticioun, 

A certayn soume pai sal lay doune, 

Or eis hete of per gudes to gif 2265 

Whor of per child may lere to lif; 

Til it seif sal pai gif no thing 

Gold ne siluer, broch ne ryng 

Bot opinly it gif sal pai 

Vnto god & to pe abbay. 2170 

And childer pat frenchep hase none, 

ffor godes sake pai salbe tone. 

And fro time pai resauyd be, 

AI salbe sarued in o degre, 122 a. 

Rieh & pure, & zong & old, 2275 

In form os be for es told. 

Bot pe zpng whor so pai er 

Sal ordan pam pat er eider, 

And pe eider in alkins ping 

Sal luf & lere pam pat er 5111g. 2280 

Daunsel pe zongest es, 

pe eider madam & mastres; 

pe priores als principall 

Es lady & leder of pam all; 

And not al for hir awn bi houe, 22S5 

Bot for hir staite & cristes luf; 

And whor so euer pai gang oboute, 

pe Zonger sal pe eider loute, 

And do pam reuerence als es right 

In word & dede be day & nyght. 2290 

De eleccione prio risse. 
A priores aw to be chosen 
pe best in lifyng leli losen, 
Be ordinance 6c bi hali assent 
And councel of al pe couent, 
Takand non for luf ne mede, -295 

Ne leue, and non for awne drede, 
Bot for gude luf & for godes sake. 
A worthi souerayn sal pai take, 122 b. 

Whilk pai knaw perfite & stabil, 
And als emang pam most abill 2 ;oo 



2224. adjungentes: Gluria patri ETc. S. — 2225. Die hinzufügung von * >ic tu 
erat« fehlt in S. — 2246. pan, ins. can. — 2250. Cap. LDC. I V Filiis aobilium, 
aut pauperum qui offeruntur. S. — Auf 2272 folgt in S: Cap. IX. De Sacer- 
dotibus , qui forte potuerint in monasterio habitare, Cap. LXI. De Monachis 
peregrinis, qualiter suseipiantur. Cap. LXII. De Sacerdotibus Monasterii. — 
2273 — 2290. Der inhalt dieser verse entspricht Cap. 1 .XIII des hu. textes, über- 
schrieben: De ordine Congregatiunis. — 2291. Cap. LXIV. De ordinando 
Abbate. S. — 2300. pam, m.-. pai. 



9 o 



K. Böddeker 



Of wit & cunsel & of cunyng, 
And vsand euynhed in al thing. 
And if it fei, os god forbede, 
pat ony wold for worldly mede 

2305 Samyn be pam seif assent 

Wit outyn consel of be couent, 
fforto chese swilk a souerayn 
Als to per bedynges wold be bayn, 
And bair doyng wor fundyn slike, 

2310 pen sal be bisschop of bat rike 
Swilk a priores sone depose, 
And mak on bi beir aller chose. 
And soles bat in per fath wil fayle, 
bat salbe chasted fro cownsaile; 

2 3 ! 5 So bat in godes hows may be 
A gude ferner of godes men£e; 
ffor wit bai wele bat bai sal cum 
To reknyng on be day of dorne 
ffor ber myschesing pam omang, 

2320 Als sehe sal for hir warkes wrang ; 

And if bai chese wele & lely, 
123 a. pam falles a ful grete mede ber by; 
So bat bai tak gude rewarde, 
bat noder on be spede, ne ober sparde 

2325 ffor no ponte pat men may pruefe, 
Bot anely for our lordes lufe. 
When scho es chosin on bis maner, 
And confermyd in hir playne power, 
ben aw hir forto luke alleyn 

2330 Vnto bat charch bat scho hase tayn, 
And vnto wham hir aw to 2|eld 
Reknyng both in z;outh & eld, 
Jll or wele wheber scho spend 
be charch pat scho hase tayn in hend. 

2335 AI if scho be highest in degre, 
In hir seif lawest sal scho be; 
Hir aw to be gude of forthoght, 
What thinges es to wirk, & what noght ; 
Chaste & sober, meke & myld, 

2340 Of bering bowsum os a child, 
Sin & vices sal scho hate, 
And luf hir sisters ayrly & laite. 
Scho salbe sober in al thyng, 
And naymly in hir chastying; 



To lay on pam bat vnder hir er 
No euyer band ban bay may ber ; 
bat whils scho rubes a way be rust, 
be vessel sal not alto dust. 
Ilir maistri euer sal mesurd be, 
Thinkand on hir awn freie; 
Lik to a rede in a forest, 
bat bows wit wind & wil not brest; 
Scho sal so her what ilkon sais, 
And be wise in hir wordes alwais. 

De condicionibus Priorisse. 
A Priores hertly sal hast 
AI vice & syns away to waist, 
And ordan for bam gastly bute 
Or tyme bat bai haue takin rute, 
And ordan alway hir entent 
ffor to be lufid of hir couent, 
bat bai hir honor in word & dede, 
ffor luf, & not aynly for drede. 
Scho sal not be contrarius, 
Ne ouer lyghtly suspecius; 
In al hir bidinges scho salbe 
Resonabil & also avise, 
Wheder it be for gastly thing 
Or worldly pat scho makes bidyng; 
And when scho comaundes oght to do, 
Swilk rewling sal scho hafe per to, 
bat it be mesured on gude maners, 
Als sant Ion be apostil leres: 
Si greges meos faciam &c. 
If I ger my bestes, he sais, 
Trauel mor be nyghtes or dais, 
ban per power perfourn may, 
pan wil pai fall down in pe way. 
pus bi ensaumpil sal scho take, 
Materly al thinges to make ; 
And pat al thinges in dede & saw 
Be mesured euermor os pam aw ; 
And ilka thing in per degre, 
Bodely or gastly wheder it be. 
And pis ilk rewle pus if scho rede, 
And fulfil it in word & dede, 
ben may scho per wordes vnderstand, 
How crist says of a gud seruand: 



2345 
123 b. 



235° 



2355 



2360 



2365 



124 a. 



2375 



2380 



2385 



2332. in zouth & eld, ms. in z.outh in eld. — 2355. Kein neues kapitel im 
lat. texte, sondern zweite hälfte von Cap. LXIV. — 2373. Si greges meas plus in am- 
bulando fecero laborare, morientur euneti una die. (Dazu bemerk, von Holstein : meos). 



Versifizirte Benediktinerregel im »northern dialect« 



9 1 



Super omnia bonasuaconstituet 

eum. 
He pat in life es funden lele 
2390 In word & wark alway to wele, 
Hym wil pe lord wit outyn lete 
Ouer al his gudes assingnes & sett, 
And haly put in til his hand 

124 b. Both corn & katel, hows & land ; 
2395 And charich hym wil he for no new, 

Be reson pat he findes him trew; 
And eiterward for his gude dede 
pe lord wil larchly gif him mede. 
So sal al po haue, wele we knaw, 

2400 pat trewly dos euer os pam aw. 
Si inpossibilia iniungentur. 
A Priores, als I sayd air, 
Aw to be mesured euermair 
To bind non als bot pai may bere, 

2405 And efter per warkes worthi ere, 
And bid non do by nyght & day 
Vn mesurely mor pan pai may; 
And if scho put any vntil 
Mor wark pen pai may fulfil, 

2410 Til hir bedynges bai sal be bayn, 
And noper gruch ne spek ogayn; 
Bot forther if pai se in sight 
pat pe trauel passes per myght, 
Vn to hir sal pai pray mekely 

24i5fforto relese pam sum party, 

Telland to hir al per encheson; 
And if scho wil not her per reson 

125 a. ^it sali pai not pam seif it slake, 

Bot suffer it for godes sake, 
2420 Thinkand on pair mikil mede, 

pan sal god strengh in per dede. 
And on al wise pai sal take tent 
pat no ping be don in couent, 
In^word ne wark ne nokins wise, 
2425 Wharof outward myght sclaunder rise. 



Vt nulla aliam cedat vel offen- 

dat. 
Tham aw to tent vnto pis ping 
pat non of pam sal oper dyng, 
Ne none herdy oder to greue, 
Bot as pe Priores gifes leue 2430 

And power oper to chasty, 
pat funden er in ony foly ; 
And pai pat opinly er blamyd, 
AI opinly pai sal be shamyd, 
So bat oper may wernyd be 2 435 

ffro al slik folis forto fle. 
pe nouece pat pis rewle sal lere, 
Vntil pai be past xv ^ere, 
Sal be in keping of mastres, 
To chasty pam when worthi es, 2440 

Als it falles pe trispas to; 
And oper wise if pat scho do, 125 b, 

Scho sal be punyst for pat dede, 
ffor it es writyn, os men may rede: 
Until a noper pou sal not do, 2445 

Bot os pou wold wor don pe to. 
On pe sam wise sali ilk souerayn 
Do os pai wil take o gayn. 
De exeuntibus et redeunttibus, 
A sister when scho sal oute wende 2450 

To fadir or modir or ober frend, 
pan sal scho tak wit -gude entent 
Hir leue of all pe hale couent, 
Besekand pam for hir to pray, 
pat god hir wise in all her way; -455 

And al pe couent small & grete 
Aw no day forto for gete, 
Bot ilkay day to mak per bone, 
When seruys of pe day es done, 
ffor per sister pat er not pair, 2460 

pat god enforce pam in per fair; 
And when on so hase bene to play, 
When scho cummes home al pe first day. 



2388. Uebereinstimmend mit S. — 2395. h e , ms. I. — 2400. In S folgen : 
Cap. LXV. De Praeposito. Cap. LXVI. De ostiariis Monasterii. Cap. 1 Wil 
De Fratribus in viam directis. — 2401. Cap. LXVIII. Si Fratri impossibilia in- 
junguntur. S. — 2421. Der text, dessen kopie uns die handschrifl bietet, wird 
gelesen haben: pan sal god strengthen Jier dede. — 2425. Im lat. texte folgt: 
Cap. LXIX. Ut in monasterio non praesumat alter alterutnim defendere. — 
2426. Cap. LXX. Ut non praesumat passim alium quisquam caedere aut ex- 
communicare. S. — 2430. as, ms. at. — 2449. Der inlialt dieses abschnittes ent- 
spricht Cap. LXVII im lat. texte, Vgl. bemerk, /u. v. 2400. 



9 2 



K. Böddeker 



Praying sal pai put pam to, 

2465 Besekand oder to pray al so, 
126 a. pat god forgif wit gude enteilt, 

If pai oght wrethid hym sen |>ai went, 

In sight or in hering of eres, 

In vvord or dede pat pe sawle deres; 

2470 Or wantunly if pai haf wroght, 

Outher in word, or dede, or thoght, 
Of god pai sal ask for gifnes, 
And make amendes for mor & lese. 
To per sisters pai sal not teil 

2475 Whils pai wer furth how it befeil 

Of thing pat myght oght turn to tene, 
fror of slik hase harmes bene sene. 
Ne outward sal pai no thing say 
pat es done wit in peir abbay, 

2480 N e ou t e f close sal pai not pas, 
Bot pai leue of per souerayn ass; 
Ne no chargeand thing sal pai do, 
Bot if pai haue hir lef perto. 
And who so dose oght here ogayn, 

2 47 5 Efter pe rewle sal suffer payn. 

De officio hostiarii. 
Ane old man sal pe z,ates ^eme 
pat witti es & wele wil seme 
ffor to welcum wit wordes fre 
Euyr ilk man in per degre. 
126b. His dwelling salbe -dyght algayte 
In a cel be side pe gate, 
So pat he be redy ay 
Til al pat cums be nyght or day. 
And when so ony knok or call, 

2495 Softli answer pam he sali ; 

To her per wordes sal he be bayn, 
And bryng pam grath answer ogayn; 
And baynly sal he bryng & take 
AI pat men sendes for godes sake; 

2500 And euer him aw to z,eme pe gate 
ffor al auenturs arely & layte. 
In abbais aw to be al thing 
bat nedeful es to peir lifing, 
And watter for to do al per dedis, 



Miln, kiln, & ouen, & al pat nedis; 2505 

Gardins & al ober ger 

Wit in pam wroght pat pai sal wer, 

So pat pai sal not outward gang 

To say for dred or wirk oght wrang. 

pus es pis rewle ordand to rede 25 ro 

Oft sithes als it es nede, 

So pat non sal pam excuse 

To knaw peir rewle & right it vse. 127 a. 

De obediencia ad inuicem. 
Ilk sister sali obedient be 
Vnto oper in pair degre, 2515 

Witand pat es pe sekir way 
Vnto pe lif pat lastes ay. 
Bot pe Priores os prencipall 
Sal be honord ouer pam all; 
And oper efter pai haue power 2520 

Salbe honord wit seruis ser; 
And sithen sal ilkon bainly bow 
To honour oder & wil per prow; 
And who so euer vnbowsum es, 
Or rebel to per priores, 2525 

Or greues hir in ony degre: 
AI if pe trispas litil be, 
Be for her fete down sal pai fall, 
And so lang per lig pai sali; 
And who so gruches her ogayn, 2530 

pai sal be gert wit greuus payn; 
And if pai wil not mend perby, 
pai sal be chaisted for Company; 
ffor right os euel luf mor or les, 
pat es fulfilid of bitternes, 2535 

Twins fro god, os Clerkes teil, 
And ledes a man to pyne of hell, 127 b. 

Right so gude luf in al degre, 
pat es fulnllid of charite, 
Twins a man for syn & strif, 2540 

And ledes him vnto lastand lif. 
And pat ilk luf suld sisters haue 
Emang pam seif, per saule to saue ; 
And ilkon honor oper alwais, 
Als pe appostil playnly sais: 2545 



2486. Dieser abschnitt entspricht Cap. LXV1 des lat. textes, vgl. bemerk, zu 
v. 2400. — 2505. omnia necessaria; id est aqua molendinum, pistrinum, hortus, vel 
artes diveisae etc. S. — 2514. Cap. LXXI. Ut obedientes sibi sint invicem. S. — 
2534. Cap. LXXII. De Zelo bono quem debent Monachi habere, S. Anfang: Sicut 
est Zelus amaritudinis malus, qui separat a Deo, et ducit ad infernum ; ita est et 
zelus bonus, qui separat a vitiis, et ducit ad Deum et ad vitam aeternam. 



Versifizirte Benediktinerregel im »northern dialect« 



93 



»55 



2500 
128 a. 



2565 



Honore inuecem preuenientes. 

Sekenes sal pai gladly bere, 

Bodily or gastly wheder pai ere; 

peir awn winyng pai sal not wayt, 

pat oper win pai sal couayt; 

God sal pai hertly drede & luf, 

And per souerayn for his be houe, 

So pat pai set non erthly ping 

Be for pe luf of crist, heuyn kyng ; 

ffor his lofers ledes he euyn 

Vntil his kyngdom hegh on heuyn; 

Vnto pat kingdom he vs lede, 

bat sufferd dede for our mysdede. 

Conclusio totius regule. 
This rewle es ordand pus to rede, 
To mend our mys & merk vs mede, 
And grath teching til wat gif 
In cristes law we sal lif; 
And to draw fro alkin strife 
Onto parfection of gude life; 
ffor it teches to les & more 
Of haly faders pat war before; 
And if we per in haue delite, 
It ledes vs to lif parfite ; 
ffor al lessons, als men may luke, 



pat wretyn er in haly büke, 2570 

Wheper pai be of moises law, 

Or of cristes, whilk we suld knaw, 

And liues of marters & confessours, 

And teching of godes dere doctours, 

And pat haly virgins lede, -575 

And rewies pat vntil vs rede, 

Of basil, Bede, & ojjer mo, 

AI er pai teching vs vnto; 

And ensaumpil how we sal vse, 

Gude vertuse, & vices refuse; 2580 

To pam pat lifes wele old or z,ing 

Er swilk lessons ful grete likyng; 

And to pam pat lifes synfully, 

And refuses to be rewlid perby, 

pan es it grete confucioun, 128 b. 

And hertly schäme in ilk sesoun ; 

ffor if your lifyng be vnlele, 

pam think dedeyn wit it to dele. 

perfor al pat parto hase hight, 

Saue pis rewle, & £eme it ryght, 2590 

And pray god hertly wit gude wil 

To gif pam myght & grace pertil. 

pen endles lif sal be pair mede. 

Vnto pat lif our lord vs lede! || amen |' 



Explicit. 



2546. ut honore se invicem praeveniant, S. — 2559. Cap. LXXIII. De hoc 
quod non omnis justitiae observatio in hac sit regula constituta, S. Anfang: Re- 
gulam autem hanc descripsimus, ut hanc observantes in monasterio aliquatenus vel 
honestatem morum aut initium conversationis nos demonstremus habere. — 
2576. Sed regula sancti Patris nostri Basilii, S. — 2579. Exempla et instrumenta 
virtutum, S. — Ende in S: Explicit Regula Sancti Benedicti Abbatis. 

Ich bemerke schliesslich , dass die zahlen neben dem texte nicht die anzahl 
der englischen verse unsrer Version der Benediktinerregel angeben , sondern die 
anzahl der Zeilen, welche dieselbe in der handschrift füllt. Die bei der Zählung 
übergangenen lat. citate und Überschriften stehen in der handschrift neben dem 
texte, am rande. 

Stettin. 



K. Böddeker. 



g4 F. Lindner 



THE TALE OF GAMELYN. 



I. 

Wie verdient sich auch frühere herausgeber um Chaucer gemacht 
haben (besonders Tyrwhitt, dessen mühselige arbeit früher viel ge- 
schmäht wurde, in neuester zeit aber wieder mehr zu ehren gekommen 
ist), so ist es doch erst in den letzten jähren gelungen, zunächst die 
dem dichter wirklich gehörenden werke von den untergeschobenen 
zu trennen (cf. besonders Ten Brink's Studien zu Chaucer), wobei 
die reime als sicheres unterscheidungsmittel mit überraschendem er- 
folge in betracht gezogen wurden, eine kritische ausgäbe seiner echten 
dichtungen, welche die Clarendon Press Delegates übernehmen wollen, 
durch den Six-text vorzubereiten , die chronologische reihenfolge der 
einzelnen gedichte zu finden und dadurch zugleich die lebensschicksale 
des grossen dichters in neues licht zu stellen. 

In dem eben erwähnten Six-text findet sich nun in der ausgäbe 
von 1870, part. II hinter der fragmentarischen erzählung des kochs 
»the Cokes Tale of Gamelyn« nach den sechs besten handschriften 
abgedruckt, nämlich dem Royal-ms., Harleian-ms., Sloane-ms., Corpus- 
ms., Petworth-ms. und Landsdowne-ms. Die wirklich echten Canter- 
bury Tales sind abgedruckt nach folgenden sechs handschriften: 
Ellesmere, Hengwrt, Cambridge, Corpus, Petworth und Landsdowne. 
Verdacht gegen die echtheit der erzählung von Gamelyn wird schon 
durch den umstand erregt, dass dieselbe in den besten handschriften 
besonders dem Ellesmere-ms. fehlt. Cf. Fred. J. Furnivall : Recent 
work at Chaucer, p. 10. Mit dem abdruck dieser erzählung verträgt 
sich schlecht deren ausdrückliche ausschliessung von dem Six-text, 
welche von dem hochverdienten direktor der Chaucer Society, F. 
J. Furnivall a. a. o. p. 10 ausgesprochen wird. Bei gelegenheit der 
besprechung der Übergänge zu den einzelnen erzählungen sagt er: 
»Many false and foolish ones were written by scribes to link together 
groups or single Tales left unlinkt by Chaucer; but these, as well 
as the spurious tale of Gamelyn have of course been rejected from 
the Chaucer Society's edition.« 

Es heftet sich eine ordentlich rührende anhänglichkeit an dieses 
an sich kunstlose gedieht, so dass es scheint, als könne kein heraus- 



The Tale of Gamelyn nc 

geber es über sich gewinnen , dasselbe, obgleich er es für unecht 
erkennt und ausdrücklich für untergeschoben erklärt, aus den Can- 
terbury Tales wegzulassen. In allen ausgaben nach dem codex 
Harleianus, wie der von Jephson in R. Bell's annotated edition, 1 ) 
der von Th. Wright etc. findet sich erst die feierliche erklärung, 
dass die in rede stehende erzählung unecht sei — und hinterdrein 
doch der abdruck derselben. Cf. Bellas edition, band I p. 238 : 
. . . it is retained in this edition as a curious specimen of a species 
of composition long populär among the Anglo-Saxon peasantry. 
Darauf folgt die erklärung, dass das gedieht zu dem kreise der 
Outlaw-dichtung gehöre. Unmittelbar dahinter steht: The verse ot 
this tale is that of the other spurious pieces which have been inter- 
polated to supply deficiencies in the Canterbury Tales and is never 
used by Chaucer . . . Und einige zeilen weiter: »Though possessed 
of great merit and displaying much of the quaint humour so con- 
genial to the English mind this tale has none of the characteristics 
of Chaucer's manner etc.« Th. Wright sagt in seiner ausgäbe der 
Canterbury Tales p. 51: »Tyrwhitt omits this tale, as being certainly 
not Chaucer's in which judgement he is probably right . . . The 
tale of Gamelyn belongs to the Robin Hood cycle and is curious as 
a picture of the times. Dazu cf. p. V: The Cokes Tale was evi- 
dently left unfinished by the author, and it was probably the person 
who reduced the whole to its present form, that first introduced the 
tale of Gamelyn to fill up what he supposed a lacuna, but whence 
he obtained this tale it is difficult to conjeeture . . . The style of 
Gamelyn would lead us to judge that it is not Chaucer's , but we 
can only reconcile this judgement with its being found so universally 
in the manuscripts, by means of the supposition of the posthumous 
arrangement of the Canterbury Tales and its Insertion by the arranger. 

Auch hier tritt das bewusste, klare verfahren Tyrwhitt's recht 
deutlich hervor. Er erkannte das gedieht als unecht und verbannte 
es daher aus Chaucer's werken. Das ist auch die richtige konsequenz. 
Ebenso hat Hertzberg in der Übersetzung der Canterbury Tales ver- 
fahren. Auch er erkennt die unechtheit der erzählung von Gamelyn 
an, — cf. pag. 46: »die längeren einschaltungen fallen vollends in 
den alten balladentrott zurück, und niemandem wird es jetzt noch ein- 
fallen die erzählung von Gamelyn und die abenteuer der pilger in 
Canterbury für Chaucer's arbeit zu halten — und scheidet sie in 

1) Eine ausgebe, welche bedeutende abweichungei) von dem I l.irleian - in-, 
aufweist. 



q6 F. Lindner 

folge dessen aus, lässt sie unübersetzt. So muss es auch sein. Eine 
neue kritische ausgäbe von Chaucer's werken wird hoffentlich die 
erzählung von Gamelyn ausschliessen, obgleich sie im Six-text auf- 
nähme gefunden hat, wenn auch unter dem vorsichtigen titel: Ap" 
pendix of the spurious tale of Gamelyn. 1 ) 

Hier sind eben alle gelehrten einig, dass das in frage stehende 
gedieht unecht ist, dass es Chaucer nicht angehört haben kann, — 
und doch wird der abdruck desselben unter Chaucer's werken nicht 
aufgegeben. 

Soviel mir bekannt ist bisher eine monographie über Gamelyn 
noch nicht erschienen. Ich habe mich dieser aufgäbe, die interesse 
genug bietet, unterzogen und gebe hier den ersten theil der ent- 
standenen arbeit. 

Zunächst muss der gedanke ausgeschlossen werden, dass Chaucer 
in diesem gedieht etwa die lieder, die zu dem cyklus der bailaden 
von Robin Hood und seiner genossen gehören, habe lächerlich 
machen wollen. Travestie wie das reimgedicht von Sire Thopas 
kann unsere erzählung schon deshalb nicht sein, weil sich bei Chaucer 
überall Sympathie zeigt mit solch' handfesten volkscharakteren , wie 
sie hier auftreten, weil er im herzen mehr Angelsachse als Normanne 
ist. Cf. Hertzberg a. a. o. p. 53. Eine parodie auf die abenteuer- 
lichen rittergeschichten konnte er seinem Charakter nach verfassen, 
eine parodie auf das Volkslied, zu dem wir ja auch das gedieht von 
Gamelyn zählen müssen, nie. 

Ausserdem hätte er dann auch die färben stärker aufgetragen 
wie man an Sire Thopas erkennt. Gamelyn enthält durchaus nichts 
Übertriebendes oder etwas, das von anderen gleichartigen gedienten 
abstäche. Die annähme einer parodie wäre also an sich hinfällig und 
ist auch, so viel ich weiss, noch von niemandem bisher aufgestellt 
worden. Dagegen ist meiner ansieht nach, die sich hier von der 
anderer trennt, kein beweis für die unechtheit der erzählung, dass im 
prologue to the Manciples Tale angedeutet wird, der koch habe seine 
erzählung noch nicht zum besten gegeben. Es würde dadurch auch 
das fragment the Cokes Tale als untergeschoben angesehen werden 
müssen, was jedoch noch nicht geschehen ist. Solche versehen und 



1) Doch will ich damit keineswegs gesagt haben, dass der abdruck im Six-text 
ohne nutzen sei, es würde mir schwer geworden sein, mich mit Gamelyn eingehend 
zu beschäftigen, wenn dieser genaue sorgfältige abdruck der sechs handschriften 
nicht vorhanden gewesen wäre. 



The Tale of Gamelyn 07 

Widersprüche finden sich in den Canterbury Tales häufig und zeugen 
nur davon, dass das ganze eben unvollendet geblieben ist. 

In der gewöhnlichen reihenfolge der erzählungen folgt the Tale 
of Gamelyn hinter der erzählung des kochs. Der Übergang zu Ga- 
melyn ist nach den verschiedenen handschriften verschieden. Das 
Corpus-ms. beginnt mit: Incipit ffabula. Das Landsdowne-m. hat als 
Übergang : 

Fye ther-one it is so foule I wil nowe teile no forthere 
For schäme of the harlotrie that seweth after 
A velany it were thare-of more to spell 
Bot of a knyghte and his sonnes My tale I will forthe teil. 
Petworth-ms. hat: 

But here-of I will pas as nowe 
And of yonge Gamelyn I will teile you. 
Royal- und Sloane-ms. haben übereinstimmend: 
But here of I wil passe as now 
And of yong Gamelyn I will teile you. 
(Tale) 
The tale of yong Gamelyn. 
Das Harleian-ms. hat: 

Here endeth o tale of the Cooke and 
her folowyth a nother tale of the same cooke. 
Die erzählung wird also von den interpolatoren mit einer art 
entschuldigung versehen, dass sie überhaupt aufgenommen wurde, 
was Chaucer gewiss nicht eingefallen wäre. 

Am Schlüsse steht im Royal-ms. keine bemerkung; Harleian-ms. 
hat: here endith the Cokis tale; Sloane-ms.: Here endith the tale 
of the Coke; Corpus-ms.: Amen pour charite; Petworth-ms.: here 
endeth the tale of the Coke ; Landsdowne-ms. : Explicit fabula Coci. 
Was die zahl der verse betrifft, so hat die erzählung in den 
meisten ausgaben deren 899. Die handschriften zeigen 902 verse. 
(In keiner ist übrigens die volle anzahl verse enthalten, jede besitzt 
lücken, oder vielmehr auslassungen von versen , die wieder aus den 
andern manuscripten ergänzt werden können.) Es fehlen in den 
ausgaben vers 563 : And let the wirket stond ful stille — wodurch 
erst der reim auf wille im folgenden ve] uzt wird, und außer- 

dem vers 601 und 602 : 

Adam saide Gamelyn, what ben now thi redes 
Here cometh the sherreue and wil tum eure hedes. 
Die verse sind paarweise gereimt, aber ausserordentlich un- 

Kölbing, Englische Studien. II, 1. 7 



9 8 



F. Lindner 



regelmässig gebaut. Der vers ähnelt dem später von Surrey ge- 
brauchten, und besteht aus meist sechs hebungen mit cäsur in der 
mitte, um welche sich die ungleich vertheilten Senkungen gruppiren 
Nirgends in Chaucer's echten gedienten findet sich dies metrum, und 
Hertzberg sagt a. a. o. p. 46 mit bezug hierauf treffend: »Wie 
schwer es den Zeitgenossen Chaucer's wurde , ihm das geheimniss 
seiner technik abzulauschen, tritt zum erschrecken deutlich an den 
tag in den versuchen späterer interpolatoren, die unvollendeten Can- 
terburygeschichten durch ausfüllung der lücken und hinzufügung neuer 
erzählungen zu ergänzen. Der kontrast zwischen dem stümper und 
meister ist in jedem einzelnen falle so eklatant, dass man nicht 
begreift, wie die Verfasser sich nur einen augenblick vor ertappung 
sicher gewähnt haben.« Wie wir im weiteren verlaufe sehen werden, 
ist nun unsere erzählung nicht wie andere untergeschobene, z. b. die 
abenteuer der pilger in Canterbury speciell zu dem zwecke gedichtet 
worden, lücken in den Canterbury Tales auszufüllen , wohl aber ist 
sie in dieser absieht von dem anordner eingeschoben. Wir werden 
weiter unten zeigen, dass Gamelyn wahrscheinlich schon ungefähr 
100 jähre vor Chaucer gedichtet ist. 

Das metrum deutet durch seine Unregelmässigkeit 1 ) wol darauf 
hin, dass dieses gedieht ursprünglich nicht zum lesen bestimmt war, 
sondern recitando gesungen wurde. Bei solchem vortrage konnten 
längere und kürzere verse von der Unregelmässigkeit, wie sie unsere 
erzählung bietet, ohne schaden und ohne bemerkt zu werden mit 
unterlaufen ; beim lesen stösst man an sehr vielen stellen an. Diese 
vermuthung wird bestätigt durch die häufigen aufforderungen an die 
zuhörer aufmerksam der erzählung zu folgen, ganz in der weise, wie 
es die fahrenden sänger jener zeit zu thun pflegten. Cf. auch Hertz- 
berg a. a. o. p. 647. Folgende verse enthalten diese ermunterungen 
zum aufmerken, ganz ähnlich denen, die sich auch in Percy's Reliques 
vielfach finden : 
v. 1 : Litheth and lestneth and herkneth aright 

And ye schul heere a talking of a doughty knight. 
v. 169: Litheth and lestneth and holdeth your tonge 

And ye schul heere talking of Gamelyn the yonge. 
v. 289: Now lithneth and lestneth bothe yong and olde 

And ye schul heere gamen of Gamelyn the bolde. 



1) Wahrscheinlich war das versmaass des Originals regelmässiger. Wir finden 
in den verschiedenen handschriften häufig stellen , an denen durch hinzusetzung 
oder weglassung eines wortes dem metrum nachgeholfen wurde. 



The Tale of Gamelyn gg 

v. 341 : Litheth and lestneth and holdeth your tonge 

And ye schul heere gamen of Gamelyn the yonge, 

Herkneth, lordynges, and lestneth aright. 
v. 551: Now lytheth and lestneth, so God gif you goode fyn 

And you schul heere good game of yonge Gamelyn. 
v. 769: Litheth and lestneth and holdeth you stille 

And ye schul heere how Gamelyn had al his wille. 
auch in v. 615: Lete we now this false knight lyen in his care 

And talke we of Gamelyn and loke how he fare — 
wendet sich der dichter persönlich an die zuhörer. 

Diese einschaltungen stehen an der spitze von ganz bestimmten 
abschnitten, von denen jeder ein abenteuer des helden zu ende bringt. 
Der erste theil, vers 1 — 168, enthält die einleitung; die vertheilung 
der hinterlassenschaft des Jean of Boundys an die beiden ältesten 
söhne desselben, wobei der jüngste, Gamelyn, wider den wünsch des 
testators leer ausgeht; das erwachende Selbstgefühl Gamelyn's, sowie 
dessen streit und nachfolgende aussöhnung mit seinem ältesten bruder. 
Der zweite theil, vers 169 bis 288, beschreibt den ringkampf, aus 
dem Gamelyn als sieger hervorgeht. Im dritten abschnitte , vers 
289 — 340, finden wir die rückkehr Gamelyn's in begleitung seiner 
genossen nach dem hause seines ältesten bruders und das gelage, 
welches er auf kosten dessen , der ihn um die erbschaft betrogen, 
veranstaltet. Von vers 341 — 550 wird erzählt, wie Gamelyn über- 
listet und gefesselt wurde und auf welche weise er sich mit hilfe des 
treuen kellermeisters Adam an seinem bruder und den hartherzigen 
mönchen rächte. Der fünfte abschnitt, vers 551 — 614, schildert den 
kämpf Gamelyn's und Adam's mit den leuten des sheriff, welche 
den habsüchtigen, hinterlistigen bruder Gamelyn's befreien, diesen 
selbst aber mit seinen genossen zur flucht in die wälder zwingen. 
Im vorletzten theile, vers 615 — 768, wird das leben der outlaws in 
den waldein, Gamelyn's erwählung zu ihrem könige erzählt, ferner, 
wie er von seinem betrügerischen bruder vor gericht gefordert wird 
und eingekerkert werden soll, davon aber durch die persönliche bürg- 
schaft seines zweiten bruders Otto, der hier zum eisten male auftritt, 
befreit wird. Der schluss, vers 769 bis ende, löst den knoten, (i.i 
melyn kehrt mit seinen geführten zur rechten zeit zurück, um seinen 
bruder Otto der bürgschaft zu entheben, hält selbst gericht über 
seinen ältesten bruder und die bestechlichen lichter, wird schliesslich 
vom könige begnadigt und zum aufsehet- der königlichen forsten 
bestellt. 

17* 



l oo F- Lindner 

Man sieht, an sich ist der stoff, der hier verarbeitet ist, sehr 
anregend und mannigfaltig, die handlung schreitet rasch fort und hält 
das interesse bis zum Schlüsse, der eine glückliche, auch das gefühl 
befriedigende lösung gibt (wie sie übrigens in vielen mit diesem ver- 
wandten gedichten ähnlich vorkommt), rege. Die grundzüge dieser 
erzählung hat ja auch Shakespeare benützt in As you like ist , ob- 
gleich er wol nicht unmittelbar aus unserem gedieht seinen stoff ent- 
nahm, sondern erst durch vermittelung der erzählung von Thomas 
Lodge, die zuerst 1590 veröffentlicht, in zweiter aufläge von 1592 
folgendes titelblatt hat : Rosalynde. Euphues golden Legacie found 
after his death in his Cell at Silexedra. Bequeathed to Philautus 
Sonnes, nursed vp with their Father in England. Fetcht from the 
Canaries by T. L. Gent. Eine genaue analyse dieser erzählung, aus 
der man den Zusammenhang mit Gamelyn sofort erkennt, findet sich 
in der Shakespeare-ausgabe von Delhis , Elberfeld 1872, band II. 
pag. 347, einleitung zu »As you like it.« Zugleich wird daraus 
ersichtlich wie weit Shakespeare seiner vorläge gefolgt ist. Cf. auch 
Hertzberg a. a. o. p. 610 und 649, bemerkung zu vers 13670. 

Wenn wir nur nach dem inhalt urtheilen sollten, dann könnte 
das gedieht Chaucer wol zugehört haben. Es würde dann dasselbe 
eine probe der beim volke beliebten lieder gewesen sein, wie wir ja 
in Chaucer's werken proben verschiedener dichtungsarten finden, ganz 
abgesehen von parodie auf die rittergedichte. Wir dürfen uns aber 
nicht nur nach dem inhalt richten, der bei näherer betrachtung sich 
den nachdichtungen der Robin Hood-balladen eng anschliesst, sondern 
müssen auf metrum , reim, spräche und behandlungsweise rücksicht 
nehmen. Dann ergibt sich aber eclatant, dass, wenn die annähme 
einer travestie, wie oben gezeigt, ausgeschlossen ist, das gedieht un- 
möglich von Chaucer herrühren kann. 

Wie wir bei der betrachtung der reime gleich sehen werden, 
macht das ganze den eindruck, als ob es nach mündlichem vortrage 
gewissermassen stenographirt wäre. Es kann sich auch ähnlich ver- 
halten haben. Es mag das lied vielleicht am abend von einem 
sänger aus dem gedäehtniss vorgetragen worden sein , der dann am 
nächsten morgen gebeten wurde es zu diktiren. Aus solchem nach- 
schreiben erklärt sich vieles , worauf wir unten noch zu sprechen 
kommen werden, besonders aber die auslassungen vieler verse in 
jedem manuskript, welche aus den andern zu ergänzen sind. Dasselbe 
vermuthet Schipper von den » Altenglischen Alexiuslegenden « , Strass- 
burg 1877, pag. 8 und 9. 



The Tale of Gamelyn IOI 

Die reime spielen eine so wichtige rolle bei der besprechung 
dieses gedichtes, dass ich mich der mühe unterzogen habe, sie genau 
zusammenzustellen und lasse ich deren verzeichniss nach den vokalen 
geordnet hier folgen : 



A. 



place] 
gracel 
made| 
gladej 



267. 

469, 689, 699. 



stafl 

gaf J 499, 59i- 

brak) wrak) slak 1 spakl 

crak/ 2 45- brak) 3°3> brak }7». brak/ 8 * 1 " 

wakel 

take } 549- 

alle] „ bifallel , Q- al 1 stallel falle 1 _ 

falle} '5' alle j 68 5' 737, wal J r.i, aUe } 179, halle j 485. 

halle } , hallel 00 o « « 

withalle} 475 ' 6xi - alle J "' l8 5' 38 7 , 7*7, 811, 813, 835. 

hals] 

falsj 391- 407. 

namel ^ schamel , schamel , game 1 

gamej 3' blame / ' '' name J yy ' ' blamej 44 

ram 1 „ nam 1 

} 281, } 215, 733. 

camj cam J J ,0 ° 

wan 1 man 1 „ 

biganj •*' biganj 4 3- 

tharel „ 

yarej 89 ' 793 " 

armes ] e 

harmesj I43 ' 5*3- 653. 

fare 1 , fare 1 care 1 

> 199, 615, > 271, > 275. 

carej yy J warej ' warej ,J 

barstl 

arst j 5 37- 

was 1 ^ wasl 

purchasj 3' grasj y ^' 

fast 1 00 « o agastl fast! last | 

agastj I2 7- 28 7, 383, 5*5, 809, ^ j 7, cast J 437, fast ) 7 -'5 

massei 

passe j 5 5 ' *> '•>' 

gate 1 yate 1 gate 1 

thatej I91 ' theratej 293 ' skapej 



sat 1 

thatj 7 



575- 



gravel , 
knavej 9 ' 



F. Lindner 



Ay. 



dYy} "' "' 65 ' niy) 25 ' 33 ' way} 331 ' day} 337 ' 433 ' 443 ' 



delayl 
day } 7 



playl awayl wayj ß 

awayj ° " say j JJJ ay J 

swaynesl 

J 5 2 7- 
waynes j J 

Au, Aw. 

deliverauncel unsawel ~ 

chaunce* J ' ^' i-drawej 3 ' 
awe 1 outlawel , , , , 

lawe} 543, schawe } 6 37, 669, 6 95 . 



E, Ee. 

nie 1 . thel thel nie) , 

threj 35, 4 7 ' me) 379, 4I3 ' 447 ' 747 ' 8 33> se J577, be J 43, 743, 751 ' 
be 1 , thel threl fiel be 1 

threj 5 6 9> fle) 131 ' fle ) 593, ^901,299,519, the ) 233, 

249, 3 6 7, 435, 7 J 9, th gj 3 6 3> 399- 

charite) charite) lewtel , 

be ) 4 5 J ' me ) 5*3. be ) 6 57- 

leedes 1 , leedel leede 1 R wedel steedel 

steedesj ' feedej ' ' meedej 95, leedej 3 ' speedej 
stedel 

2I3 ' dedej 42 5' 8 57- 
needel , reedl , reed 1 

heede) 9 6 > h eed) 429 ' 6o1 ' 75 9> 8l 9> bree d) 53*. 
bredl 

bed ) 3 59- 

rekkel 00 stekel anreke] „ cheekel 

nekke) 8Sl ' spekej 32 9> speke ) 723 > 823 ' eeke } 479 " 
helel deel 1 , 

dele} 4I ' meelj ö35 ' 
well feile 1 

fel ) 75, 255, 305, pestelle) I 5 I - 

dwellel teile 1 teile 1 , 

welle J 32 5' welle] 37 ' dwellej 9 
elde 1 , biheeldl „ 
yelde) ° 4 9> feeld J 787 * 



The Tale of Gamelyn 103 

myselvel ( 

twelve J ^ 

yemel „ 

demej ** " 

ende 1 heendel beendel „ wentl ^ went 1 

wende/ 339 ' wende] 7 ^' heendej 37 ' hentj ^ 9 ' schentj 7 ° 3 ' 

rj 5^. 

bendesl 
lendes j 457 ' 

L epe ] "3. 

hepej ° 

yerdel 

berdej 8l ' 2 ^ 

ner 1 Rycherl Rycherl Rycherl seleerl 

bokelerj J: " ner J 0/J courserj '*" yer J J3 " ner J • 50 ' 

spencerj dyner 1 Rycherl fi 

yer j ^ J spenserj ^ J ' spencerj 

heere] there) feerel , , feerel ,, sweerel 

> 220, V 2151, > 62=5, 862, ., > 667, , > 273, 

were y were J were J there " deere 




tere j 

reesl 

> 101, 547. 
peesj 



prestl restel , rest 1 „ , _ feste 1 

best | 237 ' 82 9' beste) 67 * que st) 841 ' 86x ' 871 ' eheste} 327 ' 
feste 1 

\ ACr\ 



mestej 4 59- 
neest 1 „ 
forest] " 



hetel gete 1 , , 

bete} '' metej •*■ 

skeetl „ feet 1 biheetl „ setel 

feet ) l87 ' biheet) 377 ' 4 * 7 ' seet J 78 9' f ee t) 8 55- 

mettel sette 1 sette 1 

dettej V 1 ' grettej 7 ° 5 ' spettej 5 " 

byreevedl g greevel 

byleved J 5 ' 97 ' leve J 3 3- 

Ei, Ey. 

eyghe 1 heirl 

pleyghej l2 -> 2 ^> feyrj 8 9 7 ' 



104 F. Lindner 



knewl rewe "I 

threwj ^35- schrewej 7 " 



Ew. 



I, Y. 



sly} 559 \ 

ryde 1 uydel 

beside) I77 ' l8x - ryde} 3"- 

wyfl lyf 1 

lyf j 7 * 3 ' stryf/ 757 * 

stille} „sc c c stillel , 

wille) 23 ' 49 ' 55 ' 67 ' 5 6 3, 57i, 655, 769, yUe j 617. 

whüe} 36 9- 56i, 579, ™^ e } 545- 

g} **■ 

Martynl Martyn 1 Gamelynl 

myn } ^' Gamelyn) 22 5' myn ) ll 3> 375. 539- 873, 

Gamelynl , fin 1 , fyn ] in 1 

> 31 5, 607, ~ , > 551, 681, J J427, > 201, 

wyn J ° J ' " Gamelyn J 0J ' ' wynj ^ " pynj y ' 

chynl chynl , in ] , 

pynj 2 97- in ) 5 6 7, Gamelyn} 46x ' 

fyndel ., 

lyndej 6 ™> 7 ° r - 

thyne] 

> 241. 
mynej ■ 

kyngj ^' 7 ' kyng J *>9» kyng J 7 ' kyng j ^3> ying I 47 ' 
wrastlyngj kyng 1 ryng 1 

ryng J wrastlyngj ^° mornyngj "" 

Syng 1 197- 

wryngj v ' % 

atwynnel synne 1 bylynnel 

thrynne J 3 7 ' bygynnej 449 ' mne j 557- 

sirel sirel , schirel spirel 

hire} 221 ' ire) 6 ? 7 ' sire } 7I 5> fire } 5°3. 

amysl amysl iwysl wiysl rys 1 

is J 0/ this J °' is J ^ ' this J :); " prysj " ' *> 

JU - tiSe ! 845, JUStiSe | 869, 889. 
anse J ^ J ' assise J 7 ' y 

wistel , 

kiste} l67 " 

sitte 1 , wytl 

witte) 749 > 76 5' bet} XI1 ' 



The Tale of Gamelyn io s 

blyvel fwe] lyve 1 M thryvel _ blyve ] 

lyve } * 9 ' lyve) 57. stryve) I57 ' lyve J 227 > 4»7, tl / ryve j 585. 



r 6 ) 783- 
hryvej ' ° 



Ight. 

arightl dight \ , . knightes) 

knightj '' 2 9> aright} 87 ' 343 ' 627 ' 641 ' 84 7' rfghtes } I7 ' 

knight l7"0 Wight ll07 adight ] 7 ^l might Ul7 Upright 1^8o 

dight j 729 ' knightj IO/ ' light j 731 ' fight j" 17 ' night j 3 * 9 ' 

"F*?! 421, alm j ht j 631. 
night j ^ sight J ° 

Ie, Ye. 

h ye} 333 ' drye) 879 " 

baillvel vilonye] 

. - > 700, . J > 721. 
cne J ' y cne J ' 

mangeryel , trecheriel 

trecherie J 3 *" 4 3 ' folye J 



88^ 



O, Oo. 

twol go 1 wo] so) so 1 thol 

go ) 45 ' FhoJ I09 ' 223 ' go} 33 *' goj 821 ' twoj 431 ' mo} 735 ' 

thertol , _ 

do ] i73, 673, 797, 815. 

bystroodl stoodl „ stoodl blood] ,, 

rood j l89 'wood| 38 5' 4 7^ goo d| 5 °5» 8 53> good | 491 ' 52I > 66 3- 

goodl roodel , 

hoodj 597. goode ) 639, 707. 

bookl 

cookj 9 

olde 1 „ bold 1 boldel woldel 

boldej 79 ' 2Ö9 ' housholdj 353 ' woldej 553, moldej b "' 

nom 1 nomel , 

chanounj 78l> comej II9 ' 5 8 3- 683 ' 741 ' 79 5- 

lond 1 bondl londe \ , stondel „ sondel 

hondf 59- lond j 4or, 409, stonde ( 63, honde J 381, hondc J 410. 

hondesl 

bondesj 439 ' 

anoonl anoonl stoonl , noon 1 , 

> 115, 24?, > 247, > 26-5, *qs 42?, T , > JOS, 

oon j J ' *°' noon J ' noon j J ' ° 7J ^ J ' JohanJ - 1 D 

noonl , foon ] , woonl anoonl 

} JOS, } 54 1 . 573, 647, > 12s, > 210. 

oon j J ' anoonj J J/ ° ' goon j D goon I 

noonl oon 1 , _ schon] 

415, 453, 407, > 347, > 565, 5 S 1 . > 2?s. 

t j- tjji ty/, troonj °^" goonj J ° J goon j J3 



IOÖ F. Lindner 



anoonl , oones 1 bonl bonel 

boon j 6l 3- «49, booncs ) 141, 455, ,™ 489, ^^ i 5 3. 

rlnnn 1 ' 



doon 1 

schoon] 2 ° 7 ' 2ii, 269 



£g} '** 34'. CT} 3,7, 8„, ££} ,„, 863 . 



yore\ n ^ morel 

sore | 

j^.s^a,^}--^}^,— }-,4 8, 



„.'JfcW. rr} »S. 36,, 2 6 5 , «},„, ta»J 8lT> 

ore 
nomorel 



cors 1 

worsj 73 9- 779, 875 

mootl Ote 1 

foot j 373, foote ] 727. 



bX}39, 483, 753, 785, 801,859, ™?} 73, 5- ™ th ] 

cloth 1 anotherl 

wrothj 493 ' other j 44 5- 

Ou, Ow. 

}prow| 
93 ' now j 3ÖI> lowdel 

flowe 1t,, sowe \ a cowdel 47- 
wyndowej 33, lowej *' 



now 
now 



bough 1 

ynoughj °°' ' ' ö 



nought 1 wroughtel thoughtl nought 1 

iwroughtj 3 ' 5I ' broughtej 3 °9, brought J 495, brou ö ght J 623, 

thoughtl noughtl noughtl soughti 

nought/ 43 ' 4 73- bought | 355, sought | 763, bou * ht 277. 

stoundel stoundel founde 1 

groundej 2? ' bounde/ 349, bounde / 393, 605, 761, 777. 

champiounl passiounl chanounl 

adoun / 2 ^' prisoun / 477 ' doun / 5°9- 



crounel 
towne j ' l 
boui 



bour 1 
fraytourl 4 °^' 

rm T tC \ 28^ aboute l r on aboute") aboute) Q 

withoute/ 2b 5> route ] 599, doute ] 629, ^ l 807. 

mowthel A , routhe 1 , 
couthe | l6 3- 465. trouthe ] 677. 



U. 
cursl durel _ 

purs/ 3 2I > 885, hure | 831. 



The Tale of Gamelyn 107 

Aus dieser reimzusammenstellung ergibt sich 

1) die fast durchgängige reinheit der reime. Nur drei weichen 

nach allen handschriften ab: ™j} in, fj^J 575 und ™" oun } 781. 

Doch ist letzterer nur äusserlich unrein , in der ausspräche da- 
maliger zeit galt er als reiner reim, cf. Ten Brink, Studien zu Chaucer 
p. 178 anmerkung 20. Schon diese zwei assonanzen sind ein guter 
grund das gedieht für unecht zu erklären. »Wenn in einem werke 
von dem umfang des Romaunt of the rose sechs assonanzen mit 
unterlaufen, so brauchen wir uns darüber nicht zu wundern; wenn 
aber in einem gedieht von etwas über 2000 versen, wie Chaucer's 
dream, deren sieben vorkommen, so ist auch dies ein umstand, 
welcher die echtheit des werkes sehr unwahrscheinlich macht.« Ten 
Brink a. a. o. p. 166. Hier kämen auf 900 verse zwei assonanzen, 
die allein schon das ganze verdächtig machen. 

Reime mit gleichen Wörtern, sogenannte rührende reime, welche 
von den kunstdichtern im mittelalter häufig angewandt wurden, giebt 
es selten: now — 93, other 445,. the — 363, 399. Der ganzen 
natur unseres gedichtes nach müssen wir aber letztere eher für ein 
zeichen von Ungeschicklichkeit, von Verlegenheit um ein passendes 
reimwort, als für künstelei halten. 

2) dass wahrscheinlich ein im nördlichen dialekte verfasstes 
original den in die südliche mundart umgesetzten fassungen, wie wir 
sie besitzen, zu gründe gelegen hat. Vergleiche besonders die I-reime. 

3) dass fortwährend dieselben oder ganz ähnliche worte zu reim- 
worten verwendet werden. Ein blick auf vorstehendes reimregister 
genügt um sich zu überzeugen wie häufig dieselben oder ähnliche 
reime sich wiederholen. Der dichter, oder sagen wir besser der vor- 
tragende, war offenbar nur auf die am leichtesten sich ergebenden 
reime eingeübt, ja vielfach schiebt er irgend welche nichtssagende 
redensart als lückenbüsser ein , um nur einen reim zu bekommen. 
Es werden eben nur die alltäglichsten, gebräuchlichsten, kunstlosesten 
reime verwendet, wie die bekannten deutschen, von grossen dichtem 
verschmähten reime: herz und schmerz, sonne und wonne, liebe und 
triebe u. s. w. 

4) dass ganze reihen von reimen mit demselben vokal hinter- 
einander vorkommen, ohne jedoch darum längere reimtiraden zu 
bilden. Man vergleiche beispielsweise: vers 135 — 138 — litel ner- 
bokeler, Rycher — ner, vers 261 — 270: — sore , more — stoon, 
noon, — more, sore — place, grace — schoon, idoon, vers 315 — 318 : 



jo8 F. Lindner 

Gamelyn, wyn — atwynne, thrynne, vers 529 — 534: frere, heere — 
reed, breed — frere, chere, vers 649 — 652: elde, yelde — myselve, 
twelve, vers 729 — 732: knight, dight — adight, light, vers 811 — 814: 
alle, halle — alle, halle und andere ähnliche stellen, aus denen man 
jedoch nicht schliessen kann, dass das original in vierzeiligen Strophen 
abgefasst war. 

Es scheint, als ob der dichter, wenn er einmal ein reimwort 
im sinne hatte, dasselbe nicht wieder loswerden konnte, ohne es un- 
mittelbar oder wenigstens nicht lange nachher wieder anzubringen. 
Das macht in der that den eindruck, als ob der vortragende impro- 
visirt und seine verse aus dem Stegreif diktirt habe. Dieser eindruck 
wird noch verstärkt, wenn wir abgesehen von den reimen Wieder- 
holungen derselben worte und redensarten in unmittelbarer nähe 
finden. Als beispiele führe ich nur an : 
v. 10: that deth was comen him to, and handled him ful sore 

the goode knight cared sore . . . 
v. 42 : . . . his londes for to dele 

for to delen hem . . . 
v. 72 : And Gamelyn himselfe to clothen and to fede 

He clothed him and fed him . . . 
v. 85 : His parkes were ibroken and his deer byreeved 

Of alle his goode steedes noon was him byleved. 
Dazu vergleiche 
v. 97 : My parkes ben to-broken and my deer byreeved 

Of myn armure and my steedes nought is me byleved. 
v. 99, 157, 161, 360: AI that my fader me byquath . . . 
v. 120: Gamelyn was war anon tho he seigh hem come 

Tho Gamelyn seigh hem come he loked over al 

And was war of a pestel . . . 
v. 149: Com adoun than to me and graunte me my bone 

Of thing I wil the axe and we schal saught sone 

Doun than cam his brother that fykil was and feile 

And was swithe sore agast of the pesteile 

He seyde, Brother Gamelyn, aske me'thy bone 

And loke thou me blame but I graunte sone. 
v. 190: And toward the wrastelyng the yonge child rood 

Tho Gamelyn the yonge was ride out . . . 
Es dürfte wol nicht nöthig sein weitere derartige stellen vor- 
zuführen, es ist genügend darauf hinzuweisen ; sie fallen beim durch- 
lesen von selbst auf, weil sie in sehr grosser anzahl vorkommen. 



The Tale of Gamelyn I q 

Wie wenig dem vortragenden die worte zu geböte standen, zeigt 
sich auch an der häufigen Wiederholung stehender redensarten, welche, 
abweichend von Chaucer's art, der solche ebenfalls oft in anwendung 
bringt, an vielen stellen recht unmotivirt angebracht erscheinen. Als 
beispiele dienen: 

ther he lay n, 21, 25, 33, 50, 52, 66. 

Cristes cors mot he have 106, 114, 116, 818. 

by Cristes ore 139, 159, 231, 332. 

he bigan to goon 126, 220, 236, 498. 

evil mot ye the 131, 363, 448, 720. 

al so mot I the 379, 413, 577. 

whil he was on lyve 19, 58, 157, 225, 228. 

Nach alle dem ist klar, dass die ursprüngliche fassung des 
gedichtes, welches, wie ich weiter unten näher zeigen will, im 13. Jahr- 
hundert entstanden sein muss , in keiner der vorliegenden hand- 
schriften enthalten ist. Deren abweichungen von einander, sowie die 
lücken, welche sie enthalten , erkläre ich mir dadurch , dass ich an- 
nehme, dass die vortragenden, welche dann das gedieht nieder- 
schrieben oder diktirten in der gestalt, wie es in den verschiedenen 
handschriften enthalten ist, die ursprüngliche fassung desselben 
kannten, dass sie aber häufig das gedächtniss im stich liess und sie 
nun gezwungen waren zu imprövisiren. Damit lässt sich auch das 
unregelmässige metrum entschuldigen. Ich will jedoch nicht aus- 
gesprochen haben, dass etwa sechs verschiedene sänger die sechs 
verschiedenen manuskripte diktirt hätten, dazu ist die Übereinstimmung 
derselben zu gross, vielmehr sind letztere auf zwei verschiedene 
fassungen zurückzuführen, die wiederum von einem original stammen. 
Das ergiebt sich aus folgendem : 

Die vorhandenen lücken finden sich folgendermassen vertheilt : 
Es fehlen im : 



Royal-ms. 


Harl.-ms. Sloane-ms. 


Corp 


us-ms. 


Petworth-ms. 


Landsdowne- 
ms. 






V. 


264 




v. 263—265. 


v. 281 — 283. 


v. 281 u. 282. v. 281 u. 282. 






v. 281 u. 282. 


v 341—344- 


v. 375-377. 


v. 375*i- 376. v. 375—377- 
v. 441 11. 442. 
v. 496. 






v.375 l '-376. 




^••731- 










v. 73»- 

v. 733 ■ 
v. 769 11. 770. 


v. 813 u. 814. 


v. 813 u. 814. v. 813 u. S14. 
v. 856 u. S57. 






••■ 813 ... 814. 





j j F. Lindner 

Uebrigens muss in allen handschriften hinter vers 617 wol eine 
längere auslassung von versen stattgefunden haben. Es fehlt eine 
beschreibung davon , wie Gamelyn und Adam lange zeit im walde 
umhergeirrt und nichts zu essen gefunden hätten. Daraus erklärt 
sich auch, dass im Landsdowne-ms. vers 618 steht: And Adam 
spencer loked right 111, während die anderen handschriften: liked this 
ill bieten. Die letztere lesart würde ohne die annähme einer lücke 
keinen sinn geben. Es heisst nämlich vers 617: Gamelyn into the 
wood stalkede stille — das musste dem Adam gefallen , denn er 
selbst hatte ja den Vorschlag gemacht in den wald zu fliehen. Daher 
erklärt sich auch erst ihre freude die outlaws zu finden und die erste 
bitte, welche sie an letztere richten ist, um essen und trinken, vers 675. 
Ehe sie in den wald flohen, hatten sie nahrung zu sich genommen, 
cf. vers 608 , es musste also geraume zeit vergangen sein , ehe sie 
so hungrig werden konnten, aber die Schilderung ihrer Wanderung im 
walde und ihrer hilflosen läge fehlt eben, sodass wir hier eine grössere 
lücke in allen handschriften annehmen müssen. 

Nach dieser Zusammenstellung allein schon ergibt sich die 
superiorität des Corpus-ms., dem nur ein einziger vers fehlt. Ferner 
zeigt sich die Übereinstimmung des Petworth-ms. mit dem Harleian-ms., 
welchem letzteren sich dann das Royal-ms. zunächst anschliessen 
würde. Das Sloane-ms. ist bei weitem das schlechteste, es sind viel 
mehr lücken vorhanden , als bei den andern und der text sehr in- 
korrekt. Das Landsdowne-ms. weist zwar auch viele lücken auf, 
stimmt indessen dem text nach mit dem Corpus-ms. in den meisten 
fällen überein , ja bietet vielfach bessere lesarten als das letztere. 
Es zerfallen somit die handschriften in zwei gruppen , die bessere 
besteht aus dem Corpus-ms. und dem Landsdowne-ms. k welche jedoch 
kaum von einander abhängig sind, sondern auf eine gemeinsame 
fassung hinweisen. Die zweite gruppe umfasst die übrigen hand- 
schriften, deren beste das Petworth-ms. ist. Das verhältniss der beiden 
gruppen zu einander ist schwerer zu bestimmen. Am wahrschein- 
lichsten scheint die annähme, dass die gestalt, in der wir die erzählung 
in den Canterbury-Tales-manuskripten finden, sicfL genau zwei ab- 
weichenden, wahrscheinlich aus dem gedächtnisse niedergeschriebenen 
fassungen anschliesst, mit allen deren fehlem und Vorzügen, woraus 
sich uns zwei gruppen ergeben. Das uns vorliegende material ist 
erst von diesen abgeschrieben. Es sind also die uns erhaltenen hand- 
schriften von einander unabhängig entstanden, doch so, dass gruppe I 
abschriften von fassung I aufweist, gruppe II abschriften von fas- 



The Tale of Gamelyn III 

sung II, während fassung I und II wieder zurückgehen auf das 
original, welches uns leider auch nicht erhalten ist. Die wähl der 
betreffenden fassung I oder II war natürlich sache der interpolatoren, 
welche diese erzählung den Canterbury Tales einverleibten. Auch 
die verschiedenen eingänge stammen von ihnen. Dass eine gemeinsame 
fassung des gedichts zu gründe liegt, zeigt die allgemeine Übereinstimmung 
aller 6 handschriften, auf welche verhältnissmässig wenige abweichungen 
kommen, besonders aber solche fälle, in denen nicht wie gewöhnlich 
die lesart des Corpus- und Landsdowne-ms. übereinstimmt, sondern 
die des Corpus- und Petworth-, des Landsdowne- und Harleian-ms., 
oder in denen die richtige lesart ausnahmsweise in den manuskripten 
der zweiten gruppe zu finden ist. 

Alliteration findet sich in geringerem masse als man von vorn- 
herein erwarten sollte. Wo sie angewandt wird , dient sie durchaus 
nicht zum schmuck des verses, wie bei den kunstdichtern , sondern 
tritt unwillkürlich und unabsichtlich auf. Es finden sich dafür etwa 
folgende beispiele x ) : 

Litheth and lestneth — i, 169, 289, 341, 343, 551, 766. 

böte of bale — 32, 34, 628. 

stond stille — 55, 102, 238, 473, 570, 598. 

stoon stille — 67, as stille as stoon 263, 395, 423, stalkede 
stille — 614. 

lond and leedes — 6i, 71, 104, 892. 

under gras igrave 69, to handien with his hond 82, breke my 
bones 142, 304, main and might 143, fykill and feile 151, steedes in 
the stalle 179, A steede was sadeled, smertely and skeet 187, pleyed 
his play 307, a ram and a ryng 172, 184, 186, 280, 281, 283, for 
werkes the he wroughte 309. Comen to Gamelyn God give him good 
grace 268, And sent aftir feteres to feteren him fast 384, Good 
gamen 441, 773, pay large livery for the love of me 514, the ser- 
vantz served hem 544, And I will wenden to Gamelyn to witen his 
wille 571, drank a draught 605, wenten her way 606, wilde wood 619, 
fetered ful fast 723, 806, leden her life 754, 881, falsnes and 
folye 881. 

Was nun die spräche des gedichtes betrifft, so ist zunächst auf- 
fällig, dass Wörter romanischen Ursprungs in weit geringerer anzahl 
vorkommen, als bei Chaucer. Die konstruktion der sätze ist ent- 



1) Zur vergleichung verweise ieh auf meine abhandlung: • The Alliteration in 
C'haucer's Canterbury Tales«. Chaucer Society. Essays OD Chaucer , his words 
and works, Part III p. 197 — 226. 



112 F. Lindner 

schieden niederdeutsch , der nebensatz spielt noch eine sehr unter- 
geordnete rolle, meist sind koordinirte hauptsätze neben einander ge- 
stellt. Daher finden wir auch sehr wenige konjunktionen. Die in- 
direkte rede wird verschmäht und der direkten anführung der worte 
der vorzug gegeben. Bemerkenswerth für den angelsächsischen typus 
dieser dichtung ist auch, dass in vielen stellen der inhalt des ersten 
halbverses entweder positiv, oder, was häufiger vorkommt, negativ 
gefasst, wiederholt wird. Ich mache aufmerksam auf verse wie die 
folgenden : 

v. 107 : I am 110 worse gadelyng — ne no worse wight. 
v. 165: For to preven his might — what he cowthe do. 
v. 179: . . . of steedes in my stalle 

Go and chese the the best and spare non of alle 
Of steedes or of coursers, that stünden hem bisyde. 
v. 196: He lighte down of his steede — and stood on the gras, 
v. 217 : How he dorst auntre him — of him to don his might. 
v. 221: Who is thy fader — and who is thy sire. 
v. 235 : It was well withinne the night — and the moon schon, 
v. 264: For to abyde wrastelyng, but ther com noon 

There was non with Gamelyn wolde wrastle more. 
v. 381 : Tho made they Gamelyn to sitte — might he nat stonde. 
v. 699 : Tho were his bondmen sory — and nothing glade. 
v. 732: He was wonder sory — was he nothing light. 

Es liegt wol hier noch ein rest vor von der bekannten eigen- 
thümlichkeit angelsächsischer gedichte, den einzelnen gegenständ von 
verschiedenen seiten zu beleuchten, eine eigenthümlichkeit , die den 
fortschritt der erzählung hemmt, um möglichst deutliche anschauung 
zu geben, ohne jedoch diesen letzten zweck immer zu erreichen. 
Vergleiche: Ten Brink, Geschichte der englischen literatur, Berlin 1877, 
band I p. 25 ff. 

Was nun die zeit der entstehung und abfassung unserer erzählung 
betrifft, so möchte ich dieselbe besonders in anbetracht des inhalts 
in das dreizehnte Jahrhundert setzen. Diese erzählung steht nur lose 
mit den früheren outlaw-dichtungen in Verbindung. Wie es häufig in 
der sage und Volksdichtung vorkommt, ist der älteste söhn der böse- 
wicht, der schliesslich seinen verdienten lohn erhält; der jüngste aber, 
obgleich anfangs unterdrückt, bekommt doch zuletzt durch die rein- 
heit seines Charakters und die biederkeit seines sinnes, die zu dem 
übermuthe und der hinteTlist des ältesten bruders in scharfen gegen- 
satz gestellt wird , die überhand. Dies motiv ist sehr vielen sagen 



The Tale of Gamelyn j j ? 

gemeinsam. Auch in unserem gediente findet sich gleich in den 
ersten versen diese Charakteristik. Sie wird zwar nur mit wenigen 
worten angedeutet, genügt aber, weil die zuhörer schon gewohnt 
waren solche Charaktere entwickelt zu sehen. Mit diesem zu gründe 
liegenden plane wird nun ein zweites motiv in Verbindung gebracht, 
der trotz und die Widersetzlichkeit gegen die Unterdrücker, wie er sich 
in Wirklichkeit in dem leben der outlaws , in der poesie in den gc 
dichten von Robin Hood und seinen gefährten kund gab. Cf. auch 
Behnsch, Geschichte der englischen spräche und literatur von den 
ältesten zeiten bis zur einführung der buchdruckerkunst, Breslau 1853, 
pag. 176 — 179. Auch die freude an rohheiten, an der misshandlung 
der geistlichen bezeugt recht den volksthümlichen Ursprung. Chaucer 
hat gewiss die mönche nicht geschont, aber seine satire gegen sie 
wird stets motivirt durch irgend einen fehltritt, der vorher erzählt 
wird, für welchen sie bestraft werden. Hier aber ist die geschichte 
mit den mönchen wie vom zäune gebrochen. Warum werden als 
gaste des ältesten bruders gerade geistliche gewählt und nicht andere 
leute? Offenbar nur um sich die gelegenheit zu verschaffen die geist- 
lichen zu verspotten und lächerlich zu machen, und der dichter kann 
seine innere freude darüber, dass dieselben ihre wohlgezählte tracht 
prügel erhalten, kaum verbergen. Cf. R. Bell's ausgäbe, band I. 
P a S- 2 55> anm. 1 und Wright's ausgäbe: Gamelyn vers 775, an- 
merkung. In diesem punkte zeigt sich eine gewisse ähnlichkeit von 
Gamelyn mit dem mönch Ilsan im Grossen rosengarten : 
Da schaute der von Berne mönch Ilsan's schwert: 
»Eines guten predigerstabes seid ihr dabei gewährt. 
Wenn ihr den bann entschlaget mit eurem predigerstab 
Ich geb' euch meine treue, es folgt ihm bis ins grab. 
Wüssten es am Rheine die Burgunden hehr, 
Ehe sie euch beichten wollten, sie würden ketzer ehr.« 
Wie man sieht, spielen die outlaws hier eine ziemlich unter- 
geordnete rolle, das hauptinteresse konzentriit sich um Gamelyn's 
Schicksale, ehe er in die wälder zu fliehen gezwungen war. Darum 
besonders möchte ich Gamelyn nicht in das 12. Jahrhundert setzen, 
sondern dies gedieht dem von Fulke Fitz Warin an die seite stellen, 
mit dessen anläge unsere erzählung grosse ähnlichkeit hat. Im 
12. Jahrhundert war das gefühl der erbitterung und des hasses gegen 
die eroberer in den unteren schichten des volkes weit stärker, die 
outlaws waren damals berühmte volkshclden , »wo sich — anfangs 
wenigstens — eine art nationaler ja patriotischer regung in die sym- 
pathische bewunderung für sie einmischte, und wo andererseits die 

Kölbing, Englische Studien. II. i. 8 



IIA F. Lindner, The Tale of Gamelyn 

furchtbare strenge der Jagdgesetze denjenigen, welche über ihre Voll- 
streckung zu wachen hatten , den bittersten hass zuzog. Frühzeitig 
bemächtigte sich daher die dichtende phantasie der geschichte solcher 
helden.« Cf. Ten Brink, a. a. o. pag. 186. Von alle dem findet 
sich herzlich wenig in unserem gedieht. >Jn späterer zeit aber sahen 
auch normannische barone sich in die läge des rechtslosen, geächteten 
versetzt, wie unter könig Johann jener Fulke Fitz Warin, den ein 
anglo-normannisches gedieht feiert, welches uns in einer prosa-auf- 
lösung erhalten ist, und von welchem es auch eine poetische nach- 
bildung in englischer spräche gegeben hat.« Cf. Ten Brink, a. a. o. 
pag. 187. Das letztere trifft hier zu. Gamelyn entstammt einer 
reichen, vornehmen normannischen familie. Darauf deutet u. a. auch 
der name seines vaters, der gewöhnlich Johan of Boundys geschrieben 
wird, der aber im Sloane-ms. Johan de Boundys genannt wird, welche 
form schon mehr den französischen Ursprung verräth. Dieser wird 
verstärkt durch die form des namens: John of Burdeux, cf. YVright's 
ausgäbe, pag. 51, anmerkung. Auch in der nachbildung, der novelle 
von Th. Lodge , cf. oben , ist der letztere name angewandt. Der 
reichthum der familie wird in den ersten versen schon hervorgehoben : 
vers 14: AI the lond that he had, it was verre purchas. Vers 57 — 62, 
vers 97 — 99. Vielfach wird bezeugt, dass der vater ein »knight« 
gewesen sei, besonders vers 107 und 108: 

I am no worre gadelyng ne no worse wight, 
But born of a lady and geten of a knight. 

In dieser beziehung steht also unser gedieht dem obigen parallel, 
es hängt nur in seinem letzten theile mit dem cyklus der lieder über 
Robin Hood zusammen, gehört also in die zeit der nachbildungen 
dieser dichtungsgattung, also in's 13. Jahrhundert. In R. Bell's aus- 
gäbe findet sich pag. 266, anm. 2 eine andeutung, dass dies gedieht 
in das 13. Jahrhundert zu setzen sein könnte: »This is the usual de'- 
nouement of all the tales of this class, and it may possibly be 
founded upon fact. For it might be sound policy on the king's part 
to enlist the Services of a bold and populär outlaw like Gamelyn in 
the cause of order, at a time when personal valour and daring were 
often able to set the law at defiance. An honest, but inexperienced 
and unwarlike magistrate would have been of very little use in a 
forest of in Nottinghamshire in the thirteenth Century. 

Rostock. 

F. Lindner. 



R. Köhler, Zu einer stelle des altengl. gedichts von der kindheit Jesu 1 1 e 



ZU EINER STELLE DES ALTENGLISCHEN GEDICHTS VON 
DER KINDHEIT JESU. 



In dem von C. Horstmann in seinen »Altenglischen legenden« 
(Paderborn 1875) herausgegebenen gedieht von der kindheit Jesu 
wird v. 639 — 78 erzählt, wie Jesus als knabe einst seinen wasserkrug 
an einem Sonnenstrahl aufhing, wie andere knaben dies ihm nach- 
machen wollten, ihre krüge aber zu boden fielen und zerbrachen, 
und wie endlich Jesus auf ihre bitten die zerbrochenen krüge segnete, 
worauf sie alsbald wieder unverletzt und voll wasser dastanden. In 
den apokryphen evangelien in den ausgaben von Thilo und Tischen- 
dorf findet sich diese erzählung nicht, aber H. Rückert theilt in seiner 
ausgäbe von bruder Philipps Marienleben, s. 383, mit, dass in der 
noch ungedruckten Vita Beatae Mariae Virginis et Salvatoris metrica 
eine rubrik mit der beigefügten quellen angäbe »Infantia Salvatoris« 
lautet : 

»Quod Jesus suspendit amphoram suam super radium solis« — 
und in den von O. Schade aus einer Giessener handschrift heraus- 
gegebenen »Narrationes de vita et conversatione Beatae Mariae 
Virginis et de pueritia et adolescentia Salvatoris« (Halis Saxonum 1870) 
berichtet der abschnitt XLIII: 

»Legitur etiam ibi [in libro de infantia Salvatoris] , quod dum 
Jesus quandoque matri aquam de fönte ferret, super solis radium 
suspendit vasculum et post se radium sicut funem cum vasculo 
traxit.« 

Dass die knaben es Jesus nachmachen wollen, wird wol auch 
schon in dem Liber de infantia Salvatoris vorgekommen und in den 
Narrationes nur weggelassen sein. 

Eine nachahmung unserer legende ist es, wenn in dem englischen 
gedieht »Tom Thumbe, his Life and Death« J ) erzählt wird (v. 73 — 80), 
dass Tom , um sich an anderen knaben für einen ihm angethanen 
streich zu rächen, topfe und gläser an einem Sonnenstrahl auf- 
gehangen habe. 



1) Die erste bekannte ausgäbe des gedichts ist eine londoner vom j;ihr 1630, 
es scheint aber schon vor 1584 vorhanden gewesen zu sein. Man sehe W. CarCT 
Hazlitt, Remains of the Early Populär Poetry of England, vol. II, London 1S66, 
s. 167. 

S* 



1 1 6 R. Köhler, Zu einer stelle des altengl. gedichts von der kindheit Jesu 

The other boyes to doe the like, 

in pieces broke them quite; 
For which they were most soundly whipt, 

whereat he laught outright. 

Es gibt noch eine andere legende aus der kindheit Jesu von 
einem sonnenstrahlwunder. Sie findet sich in dem Codex Laurentianus 
des Pseudo-Matthaeus-Evangeliums (Tischendorf, Evangelia apocrypha, 
ed. altera, Lipsiae 1876, s. 106, unter dem text) und in dem von 
K. Bartsch in den »Denkmälern der provenzalischen litteraturc, 
s. 270 — 305, herausgegebenen provenzalischen gedieht von der kind- 
heit Jesu (s. 279, z. 26, — 281, z. 35). An ersterem Orte 
lesen wir: 

»Et cum Jesus cum aliis infantulis super radios solis 1 ) ubique 
plures ascenderet et sederet, multique simili modo facere coeperunt, 
praeeipitabantur , et eorum crura frangebantur et brachia. Sed do- 
minus Jesus sanabat omnes.« 

Das provenzalische gedieht erzählt dasselbe, nur ausführlicher. 
Jesus ist mit anderen knaben in einem grossen haus, in das die sonne 
durch ein fenster scheint. 

Jhesus vai sul solelh pojar 

E par dessus corre e sautar, 

E pueis se mes de cavalgos. 

Die knaben wollen es ihm nachmachen, aber stürzen hin und zer- 
brechen sich die glieder oder fallen sich gar todt. Ihre eitern und 
verwandten kommen herbei und rufen auch den Joseph herzu. Darauf 
springt Jesus von den Sonnenstrahlen herab und macht die todten 
knaben wieder lebendig und die beschädigten wieder heil. 2 ) 

Weimar, märz 1878. 

Reinhold Köhler. 



1) Die handschrift hat abgekürzt: sol'. Tischendorf hat merkwürdigerweise 
gar nicht daran gedacht, dass solis zu lesen ist; er druckt vielmehr »super radios 
solus (? solarii?)«. — 2) Wenn Adolf Kressner in seiner unlängst in dem Archiv 
für das Studium der neueren sprachen und literaturen , LVIII , 291 — 310, ver- 
öffentlichten abhandlung über »Die provenzalische bearbeitung der kindheit Jesu«, 
s. 296, sagt: »Das dritte wunder unseres provenzalischen berichtes (Bartsch 279 — 281) 
lässt sich auf keine unserer quellen zurückführen«, — so ist dies also irrig, nicht 
minder, wenn er sagt: »Von den modernen bearbeitungen weist nur die englische 
diese erzählung auf«. 



E. Kölbing, Nachtrag j i y 



Nachtrag. 

Zu diesen dankenswerthen nachweisen R. Köhler' s kann ich 
einen weiteren aus einer ungedruckten me. infantia salvatoris, cod. 
Harl. 3904 des Brit. Mus. beibringen, welche ich vor mehreren jähren 
gefunden und copirt habe. Zuerst über sie berichtet hat Wülcker, 
Jen. literaturz. 1875, p. 871, wo auch metrum und inhalt derselben 
kurz skizzirt werden. Da Horstmann diese version in seine legenden- 
ausgabe für die E.E.T.S. aufnehmen wird, so begnüge ich mich, die 
betreffende stelle (v. 343 ff.) hier mitzutheilen. Sie lautet: 

Hie ient (!) ad aquam pueri cum ollis. 
Aßterward on an oper day 
euery chyld to oper gan teile : 
»Wend we fort wit good aray 
on to pe water, our pottys to fylle!« 
Alle hee lokyddyn, I zou say, 
qvych of hem wasi (!) most snelle ; 
hee 5edyn fort in here way, 
fful lytyl qwyle gun per duelle. 
Jhesu fyrst pe water hent. 
Arka dede Jhesu wrong, 
hisi) pot tobrak, pe water out went. 
Jhesu seyde: »Suych xalt pou fong!« 
pan Jhesu hol hys pot. gan make, 
ant to hys frende he seyd anon : 
»Wyl we pleyn be pe lake? 
On pe sunnebem xul our pottes gon!« 
On pe sunebem pei hem honge, 
Crystes heng stylle, here gan don falle; 
alle pei brokyn, he were not stronge, 
and Archa weppe sore wit alle. 
»Archa«, quop Jhesu, »pou were to blame: 
qwy madyst pou my water to shede? 
Now hast pou an oper shame, 
and after pi gylt pou hast pi mede!« 

Josep seyde al in pat throwe: 
»Jhesu is lord of gret poste! 
Wel aut we hys myth to knowe 
ffor pe meraelys pat we se 
ffro day to day for vs to shewe! 
My pot pat was brokyn on III, 
it wold ben hol and pou wohl leue: 
now help, Jhesu, pat art so fre!« 

1) h9 ms. 



jjg F. H. Stratmann, £ in Layamon 

»Josep«, quo]> Jhesu, »for pi sake 
pe pottys xullyn ben hole anoun!« 
Gret joye pe chyldryn gun to make, 
synggande to toune he wentyn homi). 

E. Kölbing. 



se IN LAYAMON 



ist im allgemeinen = angels. & ; dass es dann für e und ea steht, 
lässt sich leicht begreifen; merkwürdig ist nur, dass es auch für ä 
eintritt: diese fälle wollen wir daher näher betrachten. 

se findet sich i. für angels. ä 2 ) = got. ai, altisl. althd. ei, 
altnd. e in ged (oath) 704 u. 4340, sonst ad, oad, brsed (broad) 14219, 
gewöhnlich bräd, cl&d (cloth) 22878, sonst cläd, gsere (telum, hasta) 
15225, sonst gäre, gabst (ghost) 17 130, gewöhnlich gast, htel (whole, 
hale) 1252, gewöhnlich häl, lsed (load) 6245, ked (loath) 8803, ge- 
wöhnlich lad, mjeh (minxit) 17726, swaet (sweat, sudor) 2221, wraed 
(se vertit) 6729; 

2. für angels. ä = got. ai, altisl. ei, se, ä, altnd. althd. e in 
aere (honor) 22382, sonst äre, beer (boar) 1697, sonst bär, laere 
(lore) 1014, gewöhnlich läre, meere (more) 5522 , gewöhnlich märe, 
S£er (sore) 7289, gewöhnlich sär; 

3. für angels. ä = althd. ä, mhd. & in blsewen (blow) 21937, 
sonst bläwen. 

Soll dieses sb, wie altholl. ae, nur den laut ä bezeichnen? Die 
reime (eed: wräd, br&d: pr&d, claed: l&d, aere: märe) lassen die frage 
unentschieden, aber die anderwärts vorkommenden formen gere, meh, 
swete beweisen den laut sb. Auffallend ist freilich, dass im neueng- 
lischen keine andere spur davon übrig ist als sweat 3 ). 

Krefeld. 

F. H. Stratmann. 



1) hörn ms. — 2) Für gast, hal rindet sich auch im angels. gfest, häel. — 
3) Neuengl. hale, altengl. hail, verdankt sein dasein dänischem einflusse. 



F. H. Stratmann, Verbesserungen zu altenglischen texten nü 



VERBESSERUNGEN ZU ALTENGLISCHEN 
TEXTEN. 



1873 veröffentlichte ich in Notes and Queries (4. series, vol. 
11 & 12) eine reihe »corrections« ; da diese Zeitschrift in Deutsch- 
land nicht sehr bekannt ist , so will ich die Verbesserungen , so weit 
sie für Deutsche von interesse sein können, hier noch einmal zum 
abdruck bringen. 

The Ancren Riwle, 

p. 92, »pet ou agrupie a^ean ham«. 

here agrupie seems to be a mistake for agrupie, Germ, ergraue 
(horreat) - , the other MSS. have the synonyms grise, uggi. 

p. 370, »stod on holi mon neorrento«. 

neorrento, translated, at random, by »not far off«, is a nonentity 
which owes its existence only to a mistake of u (v) for n ; the 
right reading is veorren to (as before p. 288). 

Seinte Marharete, 

p. 9, »to crenchenut« 

is translated in the glossary by »to crane out« (the meaning of 
which, I must confess , I do not understand), on comparing it 
with Germ, kranich. Now the reading of the Bodleian MS., 
verenge wid«, shows that the true reading is crenche mit; then, 
if we look about for the modern English word, we find cringe, 
older crinch, the original meaning of which seems to have been 
equal to Germ, krenken (crank, curve, wind), which excellently suits 
our purpose. 

p. 14, »ich leade ham ipe leinen«. 

leinen {j>lins, pools*., glossary) is a mistake for leiven (J>alus)\ see 
my Dictionary, s. v. la^e. 

Old English Homilies, 1. series, 
p. 123, in the passage »he tuhte & spuhte pet folc to cristes 
cwale « , 
spuhte is translated by »beguiled«, on what authority is not stated ; 
it is obviously = sputte, and seems to mean pushed, urged. 



I2o F. H. Stratmann, Verbesserungen zu altenglischen texten 

p. 153, in »spei and leow«, 

translated by »idle stories and lies«, leow is a mistake for leop, 
easily made, because the O. E. characters p (porn) and p (p£n) 
look very much alike. 

Old English Homilies, 2. series, 

p. 179, »& mid wo^e-dome binimed him his bilive«, 

po^e dorne is not a Compound, but a declined adjective and Sub- 
stantive; as a Compound it would be poh-, or po^dome. 

p. 215, »waferiht« 

is probably miswritten for paherift. 

The Story of Genesis and Exodus, 

1. 2962, the reading of the MS. bitov<?ren, altered to bitoernen, and 
identified, in the Notes p. 162, with biturnen, may be right, = 
M. L. Germ. O. Dutch betöveren, M. H. Germ, bezaubern (fa- 
scinare). 

1. 481, »grusnede«, 

gratuitously rendered by >groaned« , is probably a mistake for 
grufnede, which may be derived from O. Icel. grufa (bcege sig ned, 
se inclinare); at all events it is not to be compared with O. Dutch 
grijsen, grijnsen (ringere), or with Germ, grausen (horrere), least of 
all, with Germ, grunzen, which is O. Engl, grünten. 
Ayenbite of Inwit, 

p- 55, »yerne to pe mete ase dep pe hond to pe hes« 

hes is = es, not hare. [Jetzt bestätigt durch Varnhagen's mit- 
theilung der lesung des grundtextes: charoigne. Engl. stud. I, 417]. 

p. 88, »of hire herte alle zenne to waynye«. 

waynye is plainly a mistake for wayvye, and not = wanie. 

p. 116, »pet non vondinge him ne mo^e refye ne rocky«. 

In the glossary refye is rendered by »move, shake«, on the 

authority of A. S. reafian. Not to mention that A. S. reafian 

would have the form reavie in the Ayenbite, what connexion is 

there between reave , despoil , and move , shake ? Now the case 

simply is, that refye is a mistake for resye, which, indeed, means 

move, shake, and really occurs before, p. 23. See Dictionary i. v. 

hrusien. 

Krefeld. 

F. H. Stratmann. 



Witte, Ueber das neuangelsächsische pronomen 



UEBER DAS NEUANGELSÄCHSISCHE 
PRONOMEN. 



1-0 

Der Verfasser der nachfolgenden seiten beabsichtigt nicht, das 
capitel des altenglischen oder auch nur neuangelsächsischen prono- 
mens endgültig abzuschliessen. Es konnte ihm nur darauf ankommen, 
zu zeigen, dass auch dieser abschnitt der altenglischen grammatik 
einer sorgfältigen behandlung an der hand der neu edirten texte 
noch sehr wohl bedarf. 

Sollte es, wie er hofft, einer deutschen feder vorbehalten bleiben, 
die zusammenfassende und abschliessende darstellung des ganzen ge- 
biets zu unternehmen , so würde er sich freuen , durch die nach- 
stehenden bemerkungen einen bescheidenen beitrag hierzu geliefert 
zu haben. 



Auf der sog. nags. sprachstufe (noo — 1250) zeigt das pronomen 
vielfach dialektische Verschiedenheit, wie ja auch noch heutzutage 
die dialekte grade beim pronomen eine grosse mannichfaltigkeit der 
form sich bewahrt haben. 

Hand in hand damit geht freilich die entgegengesetzte tendenz 
der Vereinfachung der form, die in der neuenglischen Schriftsprache 
zum endgültigen abschluss gelangt ist. 



Pronomen personale. 

In bezug auf das ungeschlechtige pronomen der 1. u. 
2. person ist wenig zu bemerken. Dass sich aus dem ags. ic ich 
(ih) i (I) entwickelt hat, ist bekannt. 2 ). 



1) Diesen ersten abschnitt meiner Untersuchungen habe ich voriges jähr der 
germanistischen section der Wiesbadener philologenversammhmg als begrfissungs- 
schrift gewidmet. Da das heftchen nicht in den buchhandd gekommen ist und 
weitere capitel folgen sollen, so wird der Wiederabdruck gerechtfertigt erscheinen. W. 

») Layamon ic , ich, i; Orm Icc u. I; S. Marh. ich; Ancren Riwle ich; 
O.E.H. ic, ich, ih. 



122 Witte 

Dialektisch kommt der dativ pe für den nom. pu vor 1 ), im 
übrigen findet sich nags. noch durchweg pu, bei Layamon, Orm, 
in den Homilien, Ancren Riwle, S. Marherete u. s. f. 

In der jüngeren handschrift des Layamon (B) tritt pou für pu 
ein, welches im Altenglischen, also von der mitte des 13. Jahrhunderts 
an, die regel wird. 

Für den dat. u. acc. gelten me und pe, die acc. mec und pec 
sind aufgegeben. 

Der plural der ersten person ist we , häufig weo 2 ) geschrieben, 
für die zweite person gilt noch das ags. ge, ye. Als nom. dürfte 
sich you nags. nicht nachweisen lassen 3 ). 

Der dual der 1. und 2. person ist im aussterben: ags. lautet er 

bekanntlich : 

1. wit 2. git 

uncer incer 

unc ine 

unc uncit ine incit 

Layamon A. bewahrt wit . , 

incker 
unker 

B. hat den dual aufgegeben. 

O.E.H. bieten wit ^it hinc 4 ) incker. 

Das geschlechtige pron. der 3. pers. ist im singl. masc. he. 

So Layamon und Orm. Nebenformen bieten O.E.H. ho und heo, 



1) Im dialekt von Kent. Ayenb. o. J. bei Wülcker p. 113 pe sselt conne; 
p. 115 yef pe wylt u. ö. Daneben pou. Auch ags. herrscht grosse Vorliebe für 
diesen casus, wovon später die rede sein wird. — 2) So bei Lay. und sonst, z. b. 
Pater Noster 

v. 9 Loke weo us 

v. 24 Bute weo hes holden. 

3) Zweifelhaft scheint folgende stelle in Ancren Riwle p. 92 Ye schullen biholden 
sume time touward te pine of helle, pet ou agrupie a^ean ham & fleo pe swudere 
urommard ham ; wo Morton übersetzt : that you may abhor them & flee etc. Strat- 
mann im wtbch. führt das verb. agrupie auf agrüwen ergrauen horrere zurück und 
bezweifelt die im texte gegebene Schreibung agrupie. [Vgl. oben p. 119. In 
meinem exemplar habe ich bei der collation zu diesem worte nichts bemerkt. E. KP\ 
Der sinn wäre dann »dass euch vor ihnen graue und dass ihr fliehet« u. s. w. 
agrupie (?) wäre unpersönliches verb und vor fleo der nom. £e zu ergänzen. 
Wie nags. ist auch nordhumbr. der nom. ge, gee, gie cas. obl. iuh Matth. III 
7 u. s. f. Bei Lay. lauten die übrigen cas. der plur. dieses pron. 

gen. A. eower dat. A. eow 

eouwer B. zou. 

B. ^oure, ^ure acc. A. eou, eow 

B. 30U, ou. — 

4) P. 93 hwi iweard hinc swa pet £it dursten fondian .... wie kam es e"uch 
beiden an, dass ihr beide u. s. f. 



Ueber das neuangelsächsische pronomen 12"? 

Ancren Riwle ha neben he, wie ja auch im modernen dialect a für 
he vorkommt 1 ). 

Der sing. fem. lautete ags. heö (hie hiö auch hi). 

Layam. A. heo, B. ^eo, Orm ^ho (wohl mit dem weichen zischlaut 
gesprochen ; Rieh. Rolle de Hampole schreibt später dafür scho). A. R. 
heo und ha 2 ), ebenso S. Marh. 3 ), O.E.H. ha (ho), daneben si 
für seo 4 ). 

Die entstehung des neuengl. she kann kaum zweifelhaft sein. 
Wie die ags. demonstrativformen pa und pam zu den personalformen 
they und them geworden sind, so das demonstrative seo zu she 5 ). 
Es ist daher nicht nöthig mit Koch (III, 4) auf das altfries. se, alts. 
siu zurückzugehn, da ja das ags. selbst diese form darbot. 

Dieser Übergang des demonstrativum zum person. hat an und 
für sich nichts befremdendes und in manchen ags. stellen schon ist 
dies pronomen vom persönlichen kaum zu unterscheiden 6 ). Andrer- 
seits stammt he heo hit wie fries. hi hiu hit und alts. masc. hi he 
hie von einem demonstr. hi und altfries. geht im fem. hiu und se 
neben einander her. Alts, hat im fem. siu. Es handelt sich also um 
zwei demonstr. stamme si und hi, aus deren ersterem im verlauf der 
zeit , vielleicht der schärferen Unterscheidung wegen , das englische 
das fem. she an stelle des in der älteren spräche gebräuchlichen heö 
entnahm. 

Einiges bleibt zu sagen über die andern casus von he. Statt 
des gen. his findet sich schon häufig of him. Die Unterscheidung 
des dat. und acc. hört gegen ende der neuags. periode allmählich 
auf. Wie mec und pec durch die dative me und pe ersetzt werden, 
so das immer seltener werdende hine durch den dativ him. 

In Lay. A. ist hine noch das gewöhnliche, in B. nicht mehr 7 ). 
In Ancren Riwle hält die form hine dem ebenfalls gebräuchlichen 



1) Vgl. u. a. Romeo & Juliet (Mommsen) I 5 

ß : Capul. a bears him like a portly gentleman, 
wo die herausgeber he setzen. — 2) P. 182 he oder heo er oder sie, ha, z. b. 
p. 128. — 3) Neben einander p. IO & heo na ha seh Bis. — ■•) P. 235 u. ö. 
& si (das gesetz) zeleste sume wile. — [5) Vgl. Fiedler I2 p. 244, E. A'.] — 6) Vgl. 
Beowulf 2021 ff., dohtor Hrodgares . . pa ic Freavare . . nemnan hyrde . . siö 
gehäten väs . . gladum suna Frodan, sie war verlobt u. s. f. Jul. 258 frägn h& 
fromltce seö pe forht nc väs, sie welche u. s. f. — 7) Zu einzelnen Sonderbarkeiten, 
die im text auffallen, gehört, dass in A. die casus zuweilen verwechselt werden: 
I 63 fluten his iferen to pon Kinge Goffar & saiden hine tidende saere. — hine 
und him neben einander, ib. p. 81 igrap (sc. Corincus) hine bi pon gurdle & him 
grim liehe heaf (B: hine mainliche heof), vgl. p. 152 ich hit wulle swa nimen 
alse ich hine misten als wenn ich von ihm nicht wiisste (Cordelia gibt vor, von 
ihres vaters ankunft nicht zu wissen). Madden übersetzt as if 1 knew it not und 
meint in den Gloss. remarks: hine appears an error for hit, wozu wo] kein anlass. 



124 



Witte 



him ungefähr das gleichgewicht. In der ersten hälfte des buches 
haben wir hine p. 34. 52. 58. 78. 86. 92. 96. 106. 124. 134. 162 
(neben him). 178. 218 gefunden. In den älteren hom. steht durch- 
weg hine, in den jüngeren vielfach him. S. Marh. bietet ebenfalls 
beide formen. — Bezüglich des neutr. hit (it) ist zu bemerken, dass 
dasselbe (dialektisch) den plural vertritt. O.E.H. p. 279 hu mon pe 
ofte seide schomeliche wordes & hadfule hokeres long weren hit al 
to teilen 1 )- 

Ebenso wie im masc. him für hine, tritt im fem. der dativ hire 
(her) allmählich für den acc. hi heo ein. Lay. A. bietet noch heo, 
B. dagegen hire. Bei Orm, der auch in der substantivflexion der 
Vereinfachung sich befleissigt 2 ), steht hire schon fest. In den O.E.H. 
dagegen finden wir neben hire here auch noch heo ha hi und dann 
es hes und his 3 ). Die geschlechtige Unterscheidung im plur., die das 
ags. wenigstens im nom. und acc. (hi u. heo) noch zeigt, beginnt im 
nags. zu schwinden. Zudem tritt, wie im fem. sing., eine demon- 
strativform auch in den plural ein — they. Wie she entstammt auch 
sie dem norden. 

Lay. bietet noch heo (hi), B. hü, A.B.. heo (ha), O.E.H. heo 
{ha hi hio he ho), daneben aber auch pai (tai), welches bei Orm in 
der Schreibung pe^ die allein gebräuchliche form ist. 

Dieses they ist der plur. pä des ags. demonstrativpron. se peo 
pät, welches seinen demonstr. Charakter frühzeitig durch die gleich- 
zeitige anwendung als artikel verlor 4 ). Geschrieben wird dieser plural 
gewöhnlich peo. 

Das ursprüngliche pers.-pron. ist , wie bemerkt , bei Lay. noch 
in der form heo hi hü bewahrt, doch kommt peo (paie) in ziemlich 
entsprechender weise auch schon vor, so dass der völlige Übergang 
begreiflich wird. 

I. 226. 227. vre childre to gisle . . peo scullen beon icorne 

& swide wel iborne. 
ib. 351 B Somme hü crope topan wode on hire bare cnowes 
and paie were amorwe alle idon to deape. 



1) Vergl. Gen. u. Exod. 147. 1920; ferner die von Morris herausgegebenen 
und von ihm Pearl Cleanness Patience genannten gedichte, z. b. Pearl 1198 Lorde! 
mad hit am pat agayn pe stryuen. — 2) Vgl. meine abhandlung über die plural - 
bildung im Nags. in Lemcke's Jahrbuch 1876 p. 345 ff. — 3) Vgl. poem. M. v. 55: 
be pet echte wile habben wel hwile pe he mu£e es weiden (v. 40 his, v. 56 hes). 
So viel ich weiss, ist über diese formen noch keine aufklärung gegeben; bei den 
wenigen mir hier zu geböte stehenden quellen konnte ich leider eine gründlichere 
Untersuchung nicht anstellen. — [4) Vgl. Fiedler I2 p. 244. E. K.~\. 



Ueber das neuangelsächsische pronomen 125 

273. per wes moni god Brut & moni bisi kempen 
peo fihten widpone duke al pene daei longe. 

(B. pane duck hü fohten wip) vgl. auch A. R. p. 76. Hire 
(der Maria) uorme wordes pet we reded of weren po heo onswerede 
pen engle Gabriel & peo weren so mihtie u. s. f. 

ib. 250. Vre Louerdes laste wordes . . peo weren of 
swete luue. 

Ganz als persönl. pronomen erscheint pai (tai) in der Wohunge 
of ure Lauerd, in welcher Hom. überhaupt nördliche formen vor- 
herrschen 1 ). Der Gen. ist ags. hira — Layamon heora here (B. hire 
hure) A. R. höre und hire, O.E.H. heore (höre), Orm here heore und 
pe^re (pära von pä). 

Der dativ pl. ist ags. him, der acc. entspricht dem nom. hie 
(hig, hi) heö. 

Der ags. dativ ist noch ziemlich lange erhalten , obwol die Über- 
einstimmung mit dem für dat. und acc. verwendeten sing, him als 
ein übelstand empfunden werden musste. 

O.E.H. p. 89 bi pam pet pe holie gast him (die apostel) tahte. 

In refl. Bedeutung ib. 1 1 1 : pa dusian him sculen efre adreden. 
Pater Noster v. 219 f. hwa swa (pl.) ne forgefed heore hating (hass 
gegen sie) ne god ne forgeued him naping, wofür Morris heom 
setzen möchte. 

In den südlichen dialecten , wo sich die alten formen länger er- 
halten, finden wir diesen plural nicht selten, vgl. Wilh. v. Sh. De 
hostiariis (Wülcker p. 23) The bisschop, wanne he ordreth thes 
clerekes, Takth hym the cherche key^e And seyth u. s. f. 2 ). 

Der ags. dem nom. gleichlautende acc. ist selten. 

O.E.H. p. 105 don hi butan 2jelpe. Bei Lay. finden wir heom 
(hem) für dat. u. acc. B. harn (z,am). Auch hier tritt der ursprüng- 
liche dativ für den acc. ein. 

A.R. hat harn zum nom. ha und heom zum nom. heo. Orm 
bewahrt, wie es scheint aus euphonischen rücksichten hemm neben 
pe^m. 

Wie aber die südlichen dialekte ältere formen, so zeigen sie auch 
bildungen , die aus dem ags. nicht erklärt werden können. Hierzu 
gehört der acc. pl. hes Pater Noster v. 24. Bute weo hes halden 3 ). 



1) Die proclamation Heinr. III. , das älteste denkmal des eigentlichen Alt- 
englischen, bietet heo. — 1) Vgl. noch Cleanness 130 f.: bedc hym be myry 
Solased hem u. s. f. — 3) Vgl. v. 302 ff". : 



126 Witte 

Aehnlich finden wir im dialekt von Kent his und hise. vgl. 
Dan M. Ayenb. o. J. bei Wülcker p. 112 z. 12, p. 113 z. 57. 
Wülcker denkt an altfr. hia se für alle 3 geschlechter, >/hise konnte 
also vielleicht ein durch den andern pronominalstamm verstärktes 
pron. hi sein?« (p. 174) eine meinung, die viel wahrscheinliches für 
sich hat. 



Pronomen reflexivum. 

Das englische reflexivpronomen ist bekanntlich verschieden 
gebildet: die erste und zweite person durch Zusammensetzung des 
possessivs, die dritte durch Zusammensetzung des personale mit seif. 

seif trat ursprünglich nur als Verstärkung zum subst. und pron. 
hinzu, unserm »selbst« entsprechend, da die reflexive beziehung in 
der alten spräche durch das einfache personale ausgedrückt werden 
konnte. Auch neuengl. muss unterschieden werden, ob das mit seif 
zusammengesetzte pron. nur eine Verstärkung, (I myself have done it) 
oder ob es reflexivum ist (I defend myself). 

Die entstehung des reflexivpron. der 3. person ist einfach zu 
erklären , insofern die dative des pers. mit seif zusammentreten J ) ; 
schwieriger, warum nicht auch in der 1. und 2. pers. die person. 
beibehalten wurden. Denn dass auch hier nags. jene dative ver- 
wendet wurden, erhellt aus den quellen. 

Bei Lay. erscheint myself zunächst nur als Verstärkung im 
nominativ mit ich verbunden. 

I 34 mi seif ich wlle (B. mi seolf). 

136 noch: me seolf ich habben (habber) 
(B. mi seolue). 

seif ist hier offenbar substantivisch zu fassen, als apposition zu 
ich (ich, mein selbst). So wird myself zunächst gebräuchlich. Wenn 
daneben noch vereinzelt meself vorkommt, so erklärt sich dies aus 
der eigenthümlichen Verwendung des dativs, die schon ags. hervor- - 



pole us to bi-wepen ure sunne 

pet we ne steruen noht |>er inne 

And zif us lauerd pes ilke zjfte 

pet we hes (die sünden) ibeten purh halie scrifte 
Amen. 
Vgl. auch An Bispel p. 237: eter gate (am thore) me his scyft & per me hi to 
Zesceoded (die ankömmlinge). 

1) it in itself ist selbstredend nominativ. Falsch ist daher, wenn Morris, 
Historical Outlines of English Accidence p. 123 sagt: In himself, themselves, it 
seif (not its seif) the old dative remains unchanged. 



Ueber das neuangelsächsische pronomen 12 7 

tritt und von der noch weiter zu reden sein wird. In den andern 
casus ist myself wenigstens A. noch nicht regel. 
I 36 mid me seolfan 
B. mid me seolue 
96 me seolfan 
B. mi seolue 
355 purh me seolfne 
B. purh mi seolue. 
In der 2. person ist A. auch im nom. noch das person. ge- 
wöhnlich beibehalten. 

I 135 pu seolf B. pou pi seolf 
312 pu sulf mi mon bicumen 
B. pou pi seolf mi man bicome. 
In den andern casus A. pe s. 

I 215 swa pu woldest . . don pe seoluen bismare 

B. dopi silue bismare. 
In den wenigen fällen, wo uns pi seif im A. begegnet ist, lehnt 
es sich an das pron. pers. 

II 329 pweore pu Uder piseolf 

B. pwere Uder pou piseolf wäre du, dein selbst, Uther. 

III 249 auere pe is selere 

pi sulf pat pu heo habbe 
II 240 A. biforen pae seolue 
B. bivore pi sulue. 
Madden pi? allein pae ist offenbar = pe. 
Die einzige ausnähme scheint 

II 326 fonde pi seoluen zu sein. 
Man sieht, die possessiva haben sich noch nicht eingebürgert. 
Erst nachdem dies geschehen und der substant. gebrauch von 
seif für diese personen feststand, konnten sich ourselves und yourselves 
entwickeln. 

Layamon hat sie noch nicht, weder A. noch B. 
Dem ags. analog sind : 
II 142 we seolf 
206 jp seolf. 
Das gewöhnliche sind die dative 

I 141 A. vs selve 1 ) we habbet cokef 
vs sulue we habbet bermen 

1) So noch in der proclamation Heinrichs III : Witnesse usselven , welches 
Mätzner und nach ihm Wülcker nach analogie der lateinischen formel teste me 
ipso = testibus nobis erklären. 



128 Witte 

B. hus seolf. 
221. im acc. us seoluen B. hus seolue 
247. eow seluen. 
Die dative werden von A. auch im dual verwandt. 
I 5 7 r I* fehten wet scullen unc seoluen 
B. £> fihte we feile ous seolue 

I 570 bitwixen unke seolue 

B. ous seolue. 
Die Verwendung der dative ist, wie schon bemerkt, aus der 
Vorliebe des Ags. für diesen casus zu erklären : theilweise, aber durch- 
aus nicht immer, ist er als ein dat. commodi anzusehn. Er tritt 
allein oder mit seif verstärkt auf. 

Beow. 2737 ff. Ic on earde bäd mael - gesceafta , heöld 
min tela, ne söhte searo-nidas ne me svör fela äda on 
unriht 
ib. 954 pu pe seif hafast daedum gefremed & ff. 
Gen. 611. pu meaht nu pe seif geseön. 

Christ IV 113 f. pät pu pä beorhtan us sunnan onsende and 
pe sylf cyme u. ö. 
So auch in der dritten person. Dem modernen himself ent- 
spricht schon ganz 

Beow. 1839 f- feorcydde beöd selran gesohte päm pe him 
selfa deäh 
wol nicht mit Heyne zu übersetzen »dem, der sich selbst vertraut«, 
sondern »dem der selbst tüchtig ist« 1 ). 

Die pleonastischen dative sind bei Layamon A. noch häufig. 

II 327 Maerlin säet him stille 
392 com him Uder Pendragon 
395 pus him ispac Octa 2 ) 

ib. Uder him pis isaeh 
409 for daed him wes Uder 
B. for dead was U. Pendragon 
beim fem. III 173 pa burh . . gon hure (hire?) to bernen himself ist 
übrigens bei Lay. A. noch nicht regel. 

Nicht selten tritt seif noch an den nominativ 
II 170 he seolf wende ^ond pis lond 
B. himself 



x ) Vgl. Satan III 283: for pon mag gehycgan se pe his heorte deäh, er 
dessen herz taugt (sepe his = he whose). — 2) S. Marherete ed. Cockayne p. 18 
Jet him cvved Olibrius Cockayne: yet to her quoth O. (?). Es heisst einfach: 
O. sprach. 



lieber das neuangelsächsische pronomen I2o 

II 432 I 

546 / A. he seolf. 

574 ) 
Leider ist dieser nominativ, man kann sagen, nicht zum vor- 
theil der spräche, allmählich verdrängt 1 ). Selten ist die ags. form 
des acc. 

I 79 ford come Corineus & fusde hine sulfne 
aber 26 Brutus . . hiolde himself. 

Das begleitende he im nom. kann schon wegfallen 

II 130 & al dude on londe swa himsulf wolde 
(I 169 him seolf he sende A. u. B.) 

Fem. nom. III 138 whader heo weore on dede . . pa (oder ob) heo 

hereself weore isunken in pe watere. 
Dativ I 160 hire suluen heo was lad 

ib. heo . . binom hire seoluen pat lif 
acc. ib. pat wes an uuel raed pat hire suluen makede dead 

Madden ergänzt she: That was an evil counsel that she herseif 
should kill; wol unnöthig: das war ein übler rath, der sie (selbst) 
todt machte. 

In analoger weise wird der plural behandelt. Es ist nicht auf- 
fällig, wenn wir noch einige male im nom. heo s. finden, wenigstens 
in A: II 93. 

I 255 (B. heom) 

I 233 heomself B. hü ham seolue 
sonst steht heom seoluen im nom. und den cas. obl. 
Auch wird das pers. ausgelassen 

III 74 heom seolue fusden 

B. hü 2;am solue. 
Bei Orm finden wir die Schwankungen nicht, die uns bei Lay. 
begegnen. Er bedient sich überall der dative : die possessiva hat er 
nicht benutzt: 

n 81 5 I me sellf 
2450 purrh pe sellfenn 
899 tili uss sellfenn 
17952 f. and ^e ^uw sellfenn berenn me God witness 
16877 swa sum himmsellf itt se^de (das pers. wird sehr 
häufig ausgelassen) 

8685 3I10 . . . htre sellf. 9052 purrh hire sellfenn 



1) Vgl. auch II 32 he seolf him wolde speken wid. 
Kö lb 'i ng, Englische Studien. II. i. 



130 



Witte 



18936 ^iff pe^^ hemm sellf ne wolldenn 
266 of hemm sellfenn '). 

Aehnlich wie bei Lay. ist das pron. in den Hom. behandelt. 
Das poss. ist noch selten. 

p. 187 min heoueneliche leche pet makedest us of pi seolf 
se mihti mediane. Hier steht seolf entschieden substantivisch »aus 
deinem selbst, deiner eigenen person« (sc. welche Christus opferte). 

p. 99. 100. ich vorsoc al pet me leof was Vor pine luue And 
zef de al mi suluen, mein ganzes selbst. 

p. 119 lesen wir noch ic seolf, was aber sehr selten. 

p. 277 Ach ich was (fearful) meself. 

P. M. V. 29 ne beo pe loure pene pe seolf ne pin mei ne pin 
ma^e, lieber als du selbst, eine charakteristisches beispiel, wie leicht dativ 
und nominativ verwechselt weiden, wie wir dies oben bei den Schrift- 
stellern von Kent gesehen haben 2 ). 

64 I to de 1 
p. „ } > suluen 

1 64 j to pe j 

p. n ^if we wullet us seolue wenn wir selbst wollen 

35 understondet eouseluen, ^e hit iseod eowseluen 

53 heom seluen 109 he seolf 

13 to him seoluen 

17 hine seolfne 

25 hine seolfe u. s. f. 

Durchgedrungen ist das poss. auch in A. R. noch nicht. 

p. 12 dem de suluen euer woc 

28 me sulf 

100 pe sulf acc. 

aber 120 tu schalt demen pi suluen wod 

124 pu dest me god &: hermest pi sulf. 

ib. bute ^if pi sulf hit makie 

180 o pi sulf 3 ). 

1) Auch in der flexion zeigt Orm eine lobenswerthe consequenz. Regel ist 
bei ihm: Nom. sg. u. pl. sellf, casus obl. sellfenn. Ausnahmen sind selten, vgl. 
v. 17952 f. — 2) Noch Rob. of Gl. schreibt p. 194 & bat pou be be sulf pere. 
Für diese Verwechselung der casus , die bis in die moderne (volksthümliche) 
Sprache hinein reicht, vgl. noch z. b. p. 211 : beo de weorld [dead] to me & me 
to pe weorlde, möge die weit todt sein für mich und ich für die weit. — 
3) 3 person : ' p. 10 bi hire suluen, 

14 bi himsulf, 
- himsulf acc, sich selbst, 

- 56 him suluen, ebenso, 

- 106 he weop himsulf, 

- 88 to ham suluen, 

- 154 heo hamsulf. 



Ueber das neuangelsächsische pronomen 131 

Dass S. March, eher vor als nach dem anfang des 13. Jahr- 
hunderts geschrieben ist, beweist die behandlung des reflexiv- 
pronomens. 

p. 16 tu . . pe seolf 

p. 4 of pe seoluen p. 19 to te seoluen, nie seolf acc. 

p. 18 ow seoluen 

21 ow seolf 
p. 13 ham seoluen 
14 ham seolf a. pl. 

Aus den gegebenen beispielen erhellt, dass nags. das possessiv 
zur bildung des reflexivs nur in der 1. und 2. person sing, und auch 
da noch durchaus nicht ausnahmslos verwendet wird. Es herrscht, 
wie überhaupt auf dieser stufe der spräche, schwanken und Unsicher- 
heit. Nur ein Schriftsteller, Orm, hat sich auch hierin eine feste und 
sichere form gebildet; doch ist sie nicht massgebend geworden. Für 
den pl. der 1. und 2. und für die 3. person bedient man sich, im 
anschluss an das ags. der dative des persönlichen pronomens. Das 
allmähliche aufkommen der possessiva kann nur durch den substan- 
tivischen gebrauch von seif gedeutet werden, my seif mein selbst, 
thy seif dein selbst. Es ist nicht daran zu denken, dass mi und thi 
als gen. des person. gefasst worden wären : als solche erscheinen 
diese abgeschwächten formen nirgends J ). 

Dass seif schon ags. als subst. auftritt, kann nicht geläugnet 
werden : ob der so vielfach im Beowulf vorkommende, alleinstehende 
genitiv selfes so zu erklären ist, erscheint mir allerdings sehr fraglich 2 ). 
Unzweifelhaft aber spricht für diesen gebrauch das von Mätzner II. 1 1 
gegebene beispiel: And häfdon ealles geveald ge heora ägenes sylfes 
on eallum pingum. 

Vielleicht Hessen sich dieser stelle noch andre ähnliche anreihen ; 
sie allein genügt aber schon vollkommen , um die auffassung der 
spräche unzweifelhaft festzustellen. 



Aehnlich wie bei seif steht der dativ bei one: ib. he was iflowc men & was him- 
sulf one, peo pet beod . . ham one, so p. 160 heo was — al hire one u. ö. 

1) Dieser ansieht war Grimm. Auch Morris, Outlines p. 122 spricht von den 
gen. mi und thi. — 2) Im Beow. erscheint seif als adj. in starker und schwacher 
form. 595 pu seif, 954 pu pe seif, 1964 f. se hearda . . . sylf ; mit ausgelassenem 
pron. : 1469 selfa ne dorste, 29 he selfa , 962 hine selfne u. s. w. In der form 
selfes steht es allerdings sehr häufig allein: so in den redensarten seife-- dorne, 
selfes mihtum, sylfes daedum u. s. w. Doch ist hier wol überall der gen. des 
entsprechenden personale his u. 5. w. zu suppliren , ebenso wie in dem beispiele 
selfa ne dorste das pers. he zu ergänzen i^t. Dieser gen, hat durchaus possessiven 
Charakter und entspricht der bedeutung nach unserm »eigen«, selfes dorne nach 
eigenem belieben u. s. f. 

9* 



132 



Witte 



Hierdurch sowie durch die gegebene Übersicht aus nags. quellen 
dürften die auslassungen Koch's I. 470 erledigt sein. Ebenso dürften 
die von Mätzner I. 318 geltend gemachten bedenken durch die er- 
wägung, dass mi und thi als pers. sich nicht finden, beseitigt werden. 
Das bewusstsein aber, dass in den formen mi seif und pi seif seif 
ein subst. darstellt , ein bewusstsein , welches in Lay. (besonders A.) 
in der appositionellen Verbindung mit ich und pu hervortritt, scheint 
wenigstens für diese formen allmählich geschwunden zu sein, insofern 
seif die adj. endungen e und en auch mit dem possessiv beibehielt, 
welche bei nie und the seif erklärlich sind. Es liegt hier offenbar 
eine Übertragung vor. Andrerseits trat später dieses bewusstsein in 
den bildungen our , yourselves ') und in dem plur. selves überhaupt, 
wieder hervor. Es darf eben nicht vergessen werden, dass das nags. 
ein Übergangsstadium bzeichnet, eine werdende spräche, die von der 
klarheit und bestimmtheit der alten wie der modernen Schriftsprache 
gleich weit entfernt ist. 



Pronomen possessivum. 

Der Angelsachse bediente sich des gen. der pron. pers. als poss. 

pron. Dasselbe findet im Englischen statt (their ist erst mit they 

aufgekommen, pära gen. von pä). 

ags. sing, min bin (sin) his m. u. n. 1 

-- . . , > plur. hira 

hira f. J 

Dual, uncer incer 
Plur. üser eöwer 
(üre) 
Diese pron. haben sich im wesentlichen erhalten. Der dual ist 
gefallen, neben min und pin steht my und thy. Für den plur. der 
3. pers. ist their eingetreten und für das neutr. hat sich durch an- 
hängung eines genitiv. s ein besonderes poss. its gebildet 2 ). 

Während aber ags. die pron. der 1. und 2. pers. eine voll- 
ständige starke fiexion aufzuweisen haben, sind nags. davon nur noch 
spuren zu finden, sin ist aufgegeben. 



1) Versuche wie hisself und theirselves sind, vielleicht aus gründen des Wohl- 
lauts, nicht durchgedrungen. — 2) Altengl. finden wir it für its, z. b. in dem von 
Morris ed. & Pearl genannten gedichte 

108. Lorde! dere watz hit adubbement u. ö. 
so noch bei Shakespeare, namentlich in den älteren drucken: Rom. & Jul. I v. 376 
upon it brow, erst in der 3. folio in its geändert, s. Mommsen p. 22. 



lieber das neuangelsächsische pronomen 133 

Bei Lay. begegnen noch einzelne Überreste der flexion. 

1. pers. dat fem. mire. 

I. 30 mid alle mire mihten 

B. mid alle mine mihte 

45 inne mire peöden ags. minre 
acc. masc. I 34 minne hörn ags. minne 
dat. pl. I 165 allen minen dohtren 

B. mine dohtres ags. minum. 

2. pers. gen. sg. m. I 149 pines fader ags. pines. . 

Der gen. u. dat. fem. pire findet sich A. häufig: ags. pinre. 
z. B. III 122 Modred pire suster sune 

B. pin suster sune 
Acc. masc. I 216 pinne broder ags. pinne. 
Der plural der 1. person ist ure (oure), der zweiten eore eouwer. 
(Spuren der decl. I 45 eoure duke und ähnliches.) Ebenso wie B. 
^eo für heo (A.) als fem. des pron. pers. bietet, hat diese hdschr. 
^oure für eouer. 

3. pers. his her PI. heore heora here 

B. hire hure 
Dualis I 217 incker moder ine hated 
B. ^oure moder ^ou hatep 
221 pa ferde of unker londe 
379. biforen vnkere cnihten. 
Nach analogie des ags. bedient sich Lay. des his als subst. 
gen. 0- . 

I 99. ac he nom his enne hired mon 

B. ac he nom one hired man von den seinigen 
II 292. Ardur nom his ane ferde 
B. A. his one ferde nam 
I 178 & pus heo (he) heom seide on his som runan 

in einer seiner mittheilungen 
vgl. Daniel 676 his pät pridde cneöv die dritte generation 
der seinigen. 
Satan III 240 ff. sigetorht aräs ece drihten and gebletsode 

bilevidne heap . . and his se deora sunu 
Crist. 651 ff. He väs upp hafen engla fädmum in his pa 
miclan meahta spede heah & haiig ofer heofona prym. 



1) Moderne Wendungen, wie a friend of mine, a friend of his, beruhen auf 
diesem gebrauch. 



134 Witte 

Im übrigen ist die substantivische Verwendung wie im heutigen 
Englisch. 

I 419 pu and pine du und die deinigen 

prädicat. III 75 heore wes pat wurse. 
Bei Orm ist die flexion beschränkt. 

Sing. min pin pi hiss hire 

PI. mine pine hise 1 ) 

PI. ure ^ure pe^re 2 ) 

Dual. ^unnkerr here heore. 

In A. R. ist die flexion im verfall. 

1. person sg. mine p. 6 bi mine read 

2. ,, ,, pi pine p. 12 mid God pi louerd 

p. 28 pin icorene deine erwählten 
i pin eadi nome. 
Subst. p. 38 i den ilke flesche . . ne i dine 
p. 106 pinne mud 

p. 180 o pe oder o pine auf dich oder die 
deinen. 

1. „ pl. p. 8 ure louerd 

2. „ „ p. 32 penced & gedered in oure heorte 

ib. in ower pouhte 
p. 50 our eien eure äugen. 

3. „ sg. m. his 

Wie Orm bietet auch A. R. hise die seinigen 
p. 114 vorte leren hise 
aber auch his 

p. 130 alle his alle die seinigen 
3. person sg. fem. hire 

subst. p. 46 & al is hire pet holi chirche reded oder singed. 



1) hise; das e ist nicht, wie z. b. Bouterwek in seiner einleitung zu den nord- 
humbr. evang. p. CXXIX will, mit jenem unorganischen e zusammenzustellen, 
welches er als eine sprachverschlechterung ansieht und welches sich so häufig nags. 
wie nordhumbr. bei subst. findet (z. b. wege im acc. u. ähnl.), vielmehr ist dies 
e pluralzeichen; vgl. pise und pose (aus pä, po entstanden). — 2) Einmal finden 
wir pe^res 

25O3 ff. and all ann ane wise feil 

Till e^perr pe^ress herrte 

All patt tatt owwperr here come 

Off sellpe and off unnsellpe. 
White lässt sich über die stelle nicht aus. Koch I 473 hält pe^ress für einen 
gen., der verstärkt zu e^perr getreten ist. Der gen. des pers. ist pe^re (pära) 
wie in e£3perr pe£Z,re, nowwperr pe^re. pez^ress ist wol pl. des poss. to either 
heart of theirs und alles betraf auf eine weise jedes herz von den ihrigen , alles 
was einem von beiden zustiesss von glück und von Unglück. 



Ueber das neuangelsächsische pronomen \ic 

3. person pl. höre 

subst. p. 78 as höre: as theirs. 
hire & höre (her, their) wird wol auch verwechselt (irrthum 
des Schreibers?) 

p. 314 one lefdi . . . hefde ileaned . . . on of höre weaden 

statt hire 
p. 192 in hire hond ^if pis cumed hit mei beon ham vroure 
statt höre. 
In den Hom., die sich theilweise wie Lay. noch eine reichere 
flexion bewahrt haben, fallen einige formen auf, die entschieden dia- 
lektischen Ursprungs sind. Wie oben einem acc. pl. his = them, 
begegnen wir hier einem his = their. 

Woh. o. u. L. p. 269. Summe (sc. makes luued) mäht & strengde 
to beo kid & kene i fiht his riht for to halde. p. 43 Summe per 
reowliche gne^ed his a^ene tunge. 

Für den pl. von his finden wir p. 281 hise fan 

293 hise limes, 
eine von Orm gebrauchte form, die auch später noch im norden 
beliebt ist. Havelok bietet: 
hise children 
hise two douhtres 
hise men 1 ) etc. 
In bezug auf die flexion bemerken wir : 

p. in pu ane ne brukest naut pinra welena g. pl. 
1 1 pines drihtenes 
13 pin ponkes & pines ponkes. 
Dat. f. p. 25 pa hwile pu peowest pire sunne 
acc. masc. p. 35 minne licome u. dgl. ö. 
subst. p. 213 pu hauest binume me fulst of monne uor pu 

wult pin ^eouen me 
p. 249 euch is warde to witene, pe ehnen hare, pe mud his. 
S. Marh. bietet hare = their : sonst zeigt das possess. keine 
abweichungen. 



Pronomen demonstrativum. 

I. ags. sg. se (pe) seö (peö) paet 

paes paere paes 



i) Die form kommt übrigens auch im westen und Süden vor. vgl, die procl. 
Heinr. III: to alle hise holde ilaerde & ileawede etc. 



136 Witte 

pam paere pam 

pone pa paet 

instr. py pe — py pe 

pl. pä 
para 
pam 
pä 
Layamon hat diese formen fast alle bewahrt. 
peo I 115 Gloigin hehte pa alre elduste 

peo wes purh all ping pa aedelest 
pat I 20 al swa pat ilke folc 
paes neutr. gen. I 76 wel wes Brutus pes 
pam zu pan geschwächt: I 6 füll neh pan ilke stude 
pone, pene I 31 pene king. 

n. pl. peo für pa: I 43 peo quides weoren leoue 
g. „ pare I 229 pare kingene 
d. ,, pon I 31 ut of pon benden 
determinativ II 612 to paeinen pere quene & pan pet mid 

here weoren 
B. to saruy pe cwene & paie pat mid hire were. 

In B. ist die anwendung dieses pron. schon willkürlich: auch in 
A. an manchen stellen. 

I 51 B. to pan leafdi 1 ) 

104 B. of pan kinge & pane cwene 
234 A. sogar nom. pon keiser 
B. pan kayser 

161 pat broperan 2 ) 
Auch in Ancren Riwle ist noch einiges von diesem pronomen 
erhalten. 

p. 52 Mesire peo ded also die thut es auch. 

272 penchest tu he seid hwu pe oder peo spec of flesches 

golnesse der oder die . . 
406 Hwi luuedestu pene mon oder peo wummon u. ö. 
determ. 206 peo pet iveled hire schuldi diejenige, welche. 



1) Das bewusstsein des geschl. besonders unpersönl. subst. ist im schwinden: 
A. I, 112 Aerest he makede ane burh & Kaer Ebrauc heo cleopede , B. erest he 
makede anne burh & Kayr Eb. . c hine cleopede (ags. bürg f.). — 2) O.E.H. ist 
einmal pet determinativ, zwar nicht beim pl. aber beim masc. neuengl. that ent- 
sprechend; p. 35 Vfel is pet mon alded, das rel. ist ausgelassen. 



Ueber das neuangelsächsische pronomen 137 

Auch in A. R. ist das bewusstsein für das geschlecht, abgesehen 
von personennamen, im abnehmen. 

p. 34 al pene world 
aber noch p. 54 te (pe) wummen of pere buruh 
p. 18 valled to per eorde 
p. 134 per ancre hus. 
Die Homilien: 
Nom. sg. masc. p. 3 pe helend 1 ) 
fem. p. 233 si moder 

p. 185 pe sunne nis boten a schadwe ase peo 
pet leosep here liht 
gen. sg. masc. p. 9 pes flesces 

235 ses helendes 
fem. p. 5 pere burh Jhesu Christes 
neutr. p. 223 and ham (Adam und Eva) pas scamede 
empfanden schäm darüber. 
Dat. sg. masc. p. 7 from pam deofle 

fem. p. 3 toward ierusalem pare burh 
neutr. p. 37 of pon pet pu mäht ifordien. 
Acc. sg. masc. p. 3 in pane castel al pane weye 
nom. plur. p. 3 pa apostles 

gen. ,, 89 pera apostla 

dat. ,, 91 pam apostles. 

Orm hat die flexion aufgegeben: er bietet im sing, patt adj. 
und subst. im pl. pa adj. z. b. 2796 pa meh patt subst. z. b. in der 
Verbindung alle pa patt. Offenbar hat zur abschwächung der formen 
dieses pron. die Verwendung als artikel viel beigetragen 2 ). 
Das neuengl. entlehnt diesem pron. 

1) den art. the 

2) das pers. they 



1) P. 227 se sode sceppende, vgl. si moder, ses helendes ; danach berichtigt 
sich Koch's bemerkung I, 475: Im nags. verschwindet se u. seo. Die auffälligen 
nags. pronominalformen sind also 

pr. pers. poss. 

sg. fem. hise seine, die seinigen (bis). 

acc. es, his, hes bis ihr ihre (their). 

pl. 

acc. hes his (hise). 

pron. dem. 

g. sg. masc. ses. 
Dazu kommt noch Poema Morale v. 221: Neuer in helle hi com, wo hi =» I, 
ich; vgl. his v. 223, wobei Morris auf Ayenb. o. J. p. 215 verweist. — ») Der 
ags. instrum. ist selten; vgl. O.E.H. adam & eua weron t«> di gesceapene pat. . . 



ij8 



Witte 



3) das poss. their 

4) die demonstr. that und those 
(letzteres aus pä mit pluralzeichen s, se). 

II. ags. sg. n. pes peös pis 

g. pises pisse pises 
d. pisum pisse pissum 
a. pisne pas pis 
pl. n. a. pas 

gen. pissa pyssa 
d. j. pisum. 
Bei Layamon (A) sind diese formen im wesentlichen erhalten. 
N. sg. masc. p. 18 pes cniht B pis cniht 

subst. I 271 pes bi^et pesne kinedom 
fem. p. 12 peos ^unge wiman 

B. pis ^unge mayde (mägden ags. n.) 
g. sg. neutr. p. 35 pisses folkes king 
B. pis folkes kinge 
fem. 104 B. pat was pissere leod king 
d. sg. fem. p. 104 under pissere blisse 
B. vnder pane blisse 
neutr. p. 99 A. ut of pissen londe 
B. vt of pisse londe 
acc. sg. masc. p. 271 pesne kinedom 
p. 35 pesne king 
B. pisne king 
fem. p. 112 adas half Scotlonde 
a peos half Scotlond 
pl. nom. u. p. 3 peos boc B. pes bokes 
acc. p. 43 pas word 

p. 56 subst. peos habbed swa murie song (A. u. B) 
p. 167 pas bredren 
p. 315 Sixti seipen heo makeden 
. . . peos weoren al neowe 
gen. p. 306 pissere leodene 
dat. II 27 of pissen lifdazjen. 
Beachtenswerth sind die formen pissere für gen. dat. sg. und für 
den gen. pl v weil sie an das alts. pesara pesaru pesaro erinnern '). 

1) Diese älteren formen finden sich auch nordhumbr. Math. XII 41 mid disre 
cneorisse; XXI, 3 hlaferd haefed disra nytt. g. pl. ; XXXI, 31 on dasser naeht, 
34 on disser naeht; i ist nordhumbr. vielfach zu a getrübt: Math. XXV, 45 änum 
dassa metdmaasta. 



Ueber das neuangelsächsische pronomen 130 

Für die zunehmende verkennung der flexionsformen würde 
sprechen 

I 431 B. purh pissere gode man 

A. purh pisne ilke aedele mon, 
vorausgesetzt, dass hier kein druckfehler vorliegt. 

A. weist also bei diesem pron. theils die ags. theils noch ältere 
formen auf: in B. dagegen ist die flexion schon sehr abgeschwächt. 
Auch O.E.H. bewahren jene älteren formen, 
gen. p. 105 pissere Sterke worlde 

119 pissere weorlde 
dat. p. 89 on pissere worlde 
91 on pissere tide 1 ) 
p. 233 of pese feder 
235 ut of pese life 

ib. for pan pe god is purh pesen (die 5 gesetze) ^ecnowe, 
widute peser la^e. 
Der vocal e dieser formen, das r in peser, der pl. pesen (alts. 
thesun) weisen unzweifelhaft auf das Altsächs. hin. Ueberhaupt scheint 
die frage , in wie weit das Nags. und die altengl. dialekte eine be- 
sondere Verwandtschaft mit dem alts. sowol wie mit dem friesischen 
und nordhumbrischen zeigen, noch einer gründlichen Untersuchung 
zu bedürfen. 

Die angeführten beispiele finden sich übrigens nur in einzelnen 
Hom., in andern ist die flexion schon sehr im verfall, 
p. 49 in pis worlde 

51 in pis putte (in pisse putte) 
83 bi pis 2 ) forwundede mon. 
In Woh. of u. L. ist die Vernachlässigung der flexion besonders 
charakteristisch p. 269 of pis worlde u. s. f. 
Dies wie der plur. pise 

(p. 271 pise uttre pinges acc. 

277 purh ut pise twa 

278 pise wordes acc.) 



1) Dieselbe form im Kentdialekt vgl. Wüleker, Lesebuch p. 138. Die form 
peses p. 225 und p. 237 vermag ich nicht zu erklären. Es scheint ein druck- 
fehler vorzuliegen. — 2) Morris bemerkt XU: If »bi pis mon« p. Sj be not an 
error of the scribe for »pisse mon« \ve have an instance of the modern form of 
this. Die moderne d. h. unflectirte form this findet sich nags. nicht blos hier, 
sondern in anzähligen andern fällen. Es ist daher ganz willkürlich, gerade hier 
einen Schreibfehler annehmen zu wollen. Die vorausgesetzte einw irkung der präp. 
auf die flexion ist eben nags. im erloschen, vgl. meine abhandlung über die 
pluralbildung p. 316. 



IAO Witte, Ueber das neuangelsächsische pronomen 

dem poss. hise entsprechend und andrerseits das pers. pai zeigen 
deutlich, dass in dieser Hom. nördliche formen vorwalten. 

In den ersten Hom. haben wir den acc. pisne pesne (desne), den 
n. sg. pes fem. peos, aber auch pas (p. 35 pas weorld), den pl. pas 
p. 11 pas preo la^e 

15 pas godes la^e these laws of god 
p. 29 pas sunnen. 
Ancren Riwle. 
p. 52 pes eppel 
p. 2 peos riwle 
p. 12 peos boc 
p. 2 pis dieses 
p. 10 o pisse wise 
p. 8 ide frumde of pis boc 
p. 18 mit tis üke worde 
p. 32 pesne psalm 
p. 12 peos pinges 

p. 8 peos (these) and swuche opre 
p. 16 mit teos vif gretunges 
pis tritt allmählich für alle geschlechter ein. 
p. 48 pis min heorte 

(heorte ist A. R. fem. ib. wite wel pine heorte uor soule 
lif is in hire) 
p. 144 pis lif obwol pes wei 
194 pisses worldes fi^elunge. 
Ueberhaupt verliert sich allmählich, wie schon bemerkt, das 
bewusstsein des geschl. Unterschiedes der subst., insofern sie nicht 
Personennamen bedeuten. 

Syntaktisch wäre zu bemerken, dass häufig pis prädicativ. mit 
bezug auf ein subj. im plural angetroffen wird. 

p. 76 pis beod sein Gregories wordes, neuengl. these 
p. 88 pis beod pes deofies neddren 
98 pis beod nu two pinges u. ö. 
S. Mark 

peos: 1) fem. sg. p. 1 teos wake world 

2 peos seli meiden 
aber p. 2 mit tis meiden 

3 wid pis meiden 
2) plur. p. 1 of teos veannen 

3 peos cnihtes 



J. Caro, Die hist. demente in Shakspeare's «Sturm« u. »YVintermährchen« xAl 

4 of peos wordes 
19 peos wettres 
Orm bietet piss (ohne flexion). PI. pise (s. oben). 
D. 69 upponn all piss boc 
2714 affterr pis lifess ende 
that bezeichnet bei Orm das entferntere, this das näherliegende 
object. 

8007 fra patt da^ tili piss. 
Eigenthümlich ist Orm das pron. same, welches dem sächs. und 
fries. dialekte fehlt. 

9913 f. makenn cwike raenn paer off pa same staness. 
Dieses pron. hat sich erst später im süden eingebürgert, 
^onnd jener, jene, jenes fehlt als fürwort ebenfalls dem ags. und 
fries. und kommt bei orm vor nur 

10580 und 10588 o ^onnd hallf pe flumm 
auf jener seite des flusses. 

Unter II gedenke ich in einem der nächsten hefte der Engl. Studien 
über das neuags. relat., interr. und indef., von denen ersteres nament- 
lich eine genauere prüfung erheischt, zu handeln. 

Wiesbaden. 

Witte. 



DIE HISTORISCHEN ELEMENTE IN SHAKSPEARE'S 
»STURM« UND »WINTERMÄHRCHEN«. 1 ) 



Dort wo die preussische Ostseeküste ostwärts von der tiefen 
buchtung der Odermündung einen stark gekrümmten bogen beschreibt, 



1) Einige auf das »Wintermährchen« bezügliche hinweise habe ich in den 
anmerkungen meiner geschichte Polens in bd. II u. III gemacht. Dieselben 
wurden vielfach aufgenommen und umgestaltet, ohne eigentlich tiefer begründet 
zu werden , so von dem grafen Stadnicki und von Stanislaus Kozmian , der auch 
im londoner »Athcnaeum« ein referat darüber veröffentlichte. Neulich aber hat nun 
gar Wilhelm Goldbaum, ein litterarischer strandrfiuber untergeordneter gattung, in 
seinem aus fast lauter plagiatcn cusammengesetzten buche Entlegene eulturen«, 
das der »Berliner litteraturverein« /ur besserung der deutschen litteratur unter seine 
fittige zu nehmen das missgeschick halte, meine anmerkungen und zwar natürlich 



142 L Caro 

liegen hinter dick angehäuften dünenketten, welche den seestrand von 
den unschönen , flachen strandseen trennen, und die von ihrem wul. 
stigen aussehen den namen > Wollsäcke c erhielten, zwei überaus kleine 
Städtchen, Leba und Ryxhöft, in einer entfernung von einigen Meilen 
von einander. Etwas über 1200 einwohner hat das erstere, wie 
Klödens handbuch der geographie angibt , und das andere findet 
derselbe zuverlässige gewährsmann überhaupt nicht erst der erwähnung 
werth. Die kleinen flecken waren aber auch ehedem nicht grösser 
und bedeutender, wie es die kümmerliche und ganzrandige küste 
durch ihre unwirthlichkeit mit sich brachte , und wenn wir auch aus 
dem mittelalter vernehmen , dass hier ab und zu einmal ein schiff 
anlegte, dann dürfte es nach der bemerkung Hirsch's, des trefflichen 
kenners dieser lande, schwerlich ^freiwillig geschehen sein. Wer 
nach Danzig wollte , und hier mit seinem schiff an diesen wüsten 
sandhügeln seine anker auswarf, den hatten sicher stürm und noth 
dazu gezwungen. 

Ob es ein stürm war, der die grossen englischen schiffe, welche 
um den 12. juli 1390 zu Boston die anker gelichtet und den grafen 
Heinrich v. Derby, den nachmaligen könig Heinrich IV von England, 
den ältesten söhn des herzogs Johann v. Lancastre, mit grossem ge- 
folge über das meer gebracht hatten , hier anzulegen nöthigte , das 
wissen wir nicht. Denn wir entnehmen die meisten details in bezug 
auf diese reise des englischen magnaten dem rechnungsbuche seines 
Schatzmeisters, Richard Kingston , das ein günstiges geschick uns er- 
halten hat 1 ), und das rechnungsbuch beginnt eben erst mit dem 
augenblick der landung. Aber abgesehen von der thatsache , dass 
die landung an diesen öden gestaden weit vor dem eigentlichen 
reiseziel (Danzig) auf »unfreiwilligkeit« hindeutet, scheint der andere 
umstand , dass der graf selbst mit einem theil seines gefolges in 
Ryxhöft, und der andere theil bei Leba ans land steigt, mit noch 
grösserer Wahrscheinlichkeit die Voraussetzung eines Sturmes zu unter- 
stützen. Jedenfalls wissen wir, dass Heinrich bald nach seiner landung 
drei seiner leute, Robert Waterton, Thome Toty und Johannes Payn 



mit dem irrthümlichen citat, daselbst wörtlich abgeschrieben und ausdrücklich für 
»seine Untersuchung" ausgegeben. Um nun nicht für den abschreiber meines ab- 
schreibers gehalten zu werden, habe ich die gelegenheit ergriffen; die von mir 
hingeworfene vermuthung tiefer und umfänglicher zu begründen., und namentlich 
das unsinnige missverständniss zu beseitigen, als wollte ich eine bekanntschaft 
Shakspeare's mit irgend einer polnischen chronik behaupten. 

1) In Scriptores rerum Prussicarum II, 789. Vgl. Pauli in den Abhandlungen 
der berliner akademie der Wissenschaften, 1857. 



Die historischen demente in Shakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen<r 14X 

nach Leba schickte, vielleicht um das verlorene volle zu suchen und 
mittlerweile auf gemietheten wagen mit den seinigen nach Danzig 
auf dem landwege fuhr. Die zwei schiffe aber, von welchen das 
rechnungsbuch uns zuverlässige künde gibt, und von denen das eine 
den grafen nebst einem theile seines gefolges, das andere die »senior 
pars« der herrschaftlichen dienerschaft trug, sind gewiss nicht die 
einzigen englischen schiffe gewesen, welche herüber nach Preussen 
gekommen waren, denn da wir durch eine andere quelle erfahren 1 ), 
dass nicht weniger als tausend englische bogenschützen hinter der 
fahne des Lancastre in Preussen einherzogen , so muss er wol für 
dieselben und ihr geräth eine kleine flotte bei sich gehabt haben. 
Uebrigens war Heinrich sehr bald auch von einer suite heimischer 
aristokraten umgeben, denn den uns erhaltenen geleitsbriefen zu folge 
schlössen sich ihm auf seinem zuge master Thomas Percy, master 
John Bushy und der bischof von St. Davids nebst vielen andern an. 
Ob der bekanntere Heinrich Percy »Hotspur« nicht auch dabei ge- 
wesen, muss dahingestellt bleiben. Jedenfalls ist bemerkenswerth, 
dass master Thomas Percy im September 1391 schon wieder in 
London sich befindet 2 ), während wir vom Januar bis juli 1392 einen 
Percy als den führer der englischen fahne an den grenzen Litthauens 
im heidenkampfe thätig sehen. Entweder ist daher master Thomas 
Percy kurz nach seiner ankunft in England wieder einmal nach 
Preussen ausgezogen, oder der »nobilis dePerse«, welcher nachdem 
ausdruck des Chronisten 3 ) »das fähnlein der Engländer entfaltet hat« 
(1392), ist der ältere Henry, der graf von Northumberland , was 
jedenfalls angemerkt worden wäre, oder einer der Jüngern, nämlich 
entweder Radulph Percy oder, was wol das wahrscheinlichste ist, 
Henry »Hotspur«. 

Ueberhaupt aber scheint in England und Schottland gerade in den 
jähren 1390 bis 1392 die idee der Preussenfahrten bei der hohen 
aristokratie ganz besonders in aufnähme gekommen zu sein, und 
zwar aus gründen, die ebensowol hüben wie drüben, in England 
wie in Preussen lagen, und von denen wir bald reden werden. Im 
herbst des Jahres 139 1 machte sich auch der herzog von Glocester, 
Wilhelm Woodstock , mit zahlreichem gefolge auf den weg nach 
Preussen »zur rettung seiner seele«, wie es in den officiellen acten- 
stücken heisst , aber , wenn man seine politische Stellung in dieser 



») So a. a. o. II, 642 note 1SS1. Nach Joh. v. Posilge p. 164 nur 300. — 
2) Rymer Foedera VII, 707. — 3) Wigand v, Marburg, p. 64S. 



144 J* ( -' ar0 

epoche betrachtet und auf sein nachfolgendes missgeschick hinblickt, 
wird man nicht fehl gehen, wenn man annimmt, dass es ein wenig 
auch »zur rettung seines leibest geschah. Aber er sollte seinem 
verhängniss nicht entrinnen, denn widrige stürme zwangen den herzog, 
der schon ausgefahren war, zur rückkehr nach England. So stark 
aber muss damals die Sehnsucht nach Preussen und den heiden- 
kämpfen gewesen sein, dass sich Engländer und Schotten zu einer 
flotte von nicht weniger als 240 schiffen vereinigten und dem 
Schwiegersöhne des königs von Schottland, dem tapfern Wilhelm 
Douglas v. Nyddisdale, die leitung derselben übertrugen. Schon 
waren diese vereinigten schaaren in Preussen angelangt, als sich hef- 
tige reibungen zwischen Engländern und Schotten erhoben , und der 
wegen seiner ritterlichkeit in hohem ansehen stehende bastard des 
häuptlings Archibald Douglas von Galloway , der eben genannte 
Wilhelm Douglas von Nyddisdale in Danzig (oder Königsberg, die 
angaben lauten verschieden) durch die hand eines meuchelmörders 
ein opfer derselben wurde. Den feigen Clifford bezeichnete man an- 
fänglich als mittelbaren, späterhin gar als unmittelbaren Urheber der 
mordthat. Das ereigniss fand einen mächtigen widerklang in England, 
Schottland, und wie nachweisbar ist, in Frankreich selbst, und noch 
mehr als ein Jahrhundert darnach hatten dichter von diesem Vorgang 
zu singen und zu sagen 1 ). 

Aber alle Wahrscheinlichkeit und die sitte jener zeit sprechen 
dafür, dass die heldenthaten dieser Preussenfahrer nicht erst ein Jahr- 
hundert auf ihre Verherrlichung durch sang und sage zu warten 
brauchten, sondern unter den unmittelbaren augenzeugen schon ihre 
dichter fanden. Denn wenn diese ritterlichen herrn nach Preussen 
zogen, waren sie immer umgeben von einem zahlreichen tross von 
minnesängern , herolden , pfeifern , fahrenden leuten und dgl., deren 
geschäft es ja war, die abenteuer und erlebnisse ihrer brodherrn auf- 
zuzeichnen, in verse zu bringen, zu erzählen, zu rühmen, zu preisen. 
Waren sie doch in jenen tagen eines der mächtigsten mittel der 
publicität; vertraten sie doch damals vielfach die zeitungen späterer 
Jahrhunderte und waren die barden und skalden ihrer lohnherrn 2 ). 
In einem ausgabenverzeichniss auf der Preussenfahrt des grafen 
Wilhelm von Holland und Ostervant (1386/87) finden wir eine be- 
sondere und sehr lange rubrik mit der Überschrift: »ghegheven pipers 



1) The buik of the chronicus of Scotland or a metrical version of the history 
of Hector Boece by Will. Stewart ed. by Will. B. Turnbull. London 1858, III, 
445 ff. — 2) Vgl. Lenz, K. Sigismund u. Heinrich V von England, p. 21 anm. 



Die historischen demente in Shakspeare's »Sturm« und »Wmtermährchen« 14c 

en hirauden« l ). Im provinzialarchiv zu Arnheim findet man die 
kostenrechnung des herzogs von Geldern gelegentlich seiner Preussen- 
fahrt von 1388 unter der Überschrift: rekening over extraordinär 
als piper, eeralden, minstrelen, varende luten, badeloen, seelgelt etc., 
und in dem rechnungsbuche Richard Kingstons , das derselbe für 
die Preussenfahrt des grafen Heinrich von Derby geführt hat, finden 
wir ausser vielen summarisch bezeichneten Gerolden und harfnern« 
tres fithelers facientibus minestralciam coram domino in festo natalis 
domini 12 sh. VIII. d. ; dann cuidam tumbleo eodem die; ferner 
»Croyslet herald domini ducis Gloucestrie« ; ferner »minestrales de 
Conyngburgh« ; ferner octo minestralles ville de Dansk, und endlich 
den officiellen herold des hauses Derby, der briefe an den könig von 
Polen trägt. Man sieht also, dass es auch um Heinrich herum an 
leuten nicht fehlte , welche durch einen bericht in prosa oder in 
versen, durch eine epische chronik oder eine bailade das zu verewigen 
die neigung haben konnten, was ihr ritterlicher herr erlebte oder 
erfuhr. Und gesetzt selbst, dass keiner dieser professionellen sänger 
unmittelbar während der Preussenfahrt daran dachte, die abenteuer 
des grafen aufzuzeichnen, so mochte doch wol einer oder der andere 
in späteren tagen , als derselbe graf könig von England geworden 
war, auf ein grösseres publicum rechnen, wenn er im liede dessen 
gedachte, was derselbe auf der an Seltsamkeiten reichen reise einst 
erfahren und gesehen hat 2 ). 

So lange aber nicht eine glückliche entdeckung diese vermuthung 
hres Charakters entkleidet , ist es unsere sache , die vielen umstände 
Und thatsachen aus den kümmerlichen und bruchstückartigen quellen, 
über welche wir zu verfügen haben , zu einer erzählung zusammen- 
zustellen, auf welche sich das wort Prospero's anwenden Hesse: 

Denn eine chronik ist's von tag zu tag, 
Nicht ein bericht bei einem frühstück. 

Frömmigkeit allein und abenteuersucht allein war es gewiss 
nicht, was Heinrich von Derby und so viele vornehme herren mit 
ihm damals veranlasste, die kreidefelsen von England im rücken zu 
lassen. Seitdem könig Richard in seinem geheimen rath am 3. mai 
1389 die naive frage gethan, wie alt er sei, und die antwort erhalten 



1) Script, rer. Pruss. II, 767. — 2) Nach dieser richtung hin die Forschung 
in England anzuregen, ist der zweck dieses aufsatzes, nicht die quellen Shakspeare's 
aufzusuchen, was ich füglich den bessern Shakspeare-kennern Überlassen muss. 
Shakspeare's und Greene's anklänge an diese hier dargelegten ereignisse sind nur 
ein anhaltspunkt zu der vermuthung, dass es im XVL Jahrhundert noch eine solche 
darstellung der Preussenfahrten von 139t' — 1 392 gegeben haben mag. 

Kölbing, Englische Studien. II. I. IO 



146 J- Car0 

hatte: 22 jähre, wehte eine scharfe luft in England für alle die herren, 
welche seit dem herbst 1386 ihm diesen umstand hatten ausreden 
wollen 1 ). War zwar Heinrich v. Derby nicht einer der elf pairs, 
die damals die regierung für den könig in die hand genommen 
hatten, so war er doch einer der eifrigsten »appellanten« , welche 
das jähr darauf die kette um den könig um so fester zogen, je mehr 
er bewegungen gemacht hatte, sich derselben zu entledigen. Hatte 
er sich auch nicht mit Glocester in die präcedentien, betreffend die 
absetzung eines königs, vertieft, so durfte er doch gewiss sein, dass 
Richard jenen Winterabend nicht vergessen werde , an welchem er 
mit dem könige auf die mauer des Tower hinausgetreten , um ihn 
durch den augenschein zu belehren, dass ihm einstweilen noch nichts 
übrig bleibe , als sich unmündig zu bekennen. Es half dem grafen 
v. Derby wenig, dass er etwas weniger blutgier als die übrigen apel- 
lanten im process wider die gegner an den tag gelegt hatte, immer- 
hin klebte noch blut genug an seinen händen, und die unpopularität 
seiner freunde fiel mit nicht geringerer last auch auf ihn. Von dem 
angenblick, da Richard gefordert hatte, was jedem mündel in seinem 
reiche zustand , fühlte Heinrich ebenso wie der herzog v. Glocester, 
dass es ihm gut sein würde , etwas für die rettung seiner seele zu 
thun, zumal die rettung des leibes dadurch einschliesslich zu erlangen 
war. Als das januar-parlament von 1390 gezeigt hatte, dass könig 
Richards erwachen von dem beifall des englischen volkes begrüsst 
werde, liess sich Heinrich von den königlichen Zärtlichkeiten für seinen 
vater , der die ganze letzte zeit in Aquitanien verbracht hatte und 
somit nicht compromittirt war, nicht beirren, sondern liess sich von 
diesem seinem herzoglichen vater 3533 £ 6 sh. zu einer expedition 
nach Preussen schenken 2 ), wohin vor etwa 40 jähren der erste herzog 
von Lancastre, auch ein Heinrich, auch einmal ausgezogen war 3 ). 
Preussische herolde zogen genug damals umher, um zu dem heiden- 
kampf, zu dem geheimnissvollen »ehrentisch« , zu ungewöhnlichen 
erlebnissen einzuladen 4 ). Und was sie zu erzählen hatten von dem 
bekehrten heidenkönige , der einem deutschen prinzen die wunder- 
schöne braut listig abgerungen, und mit der hand der schönen eine 
neue kröne gewonnen, das klang einem ritter jener tage so lockend 
und verführerisch, als immer nur ein Wahrheit gewordener«roman es 
sein kann. Der orden der deutschen ritter in Preussen hatte nur zu 



1) Pauli, Gesch. von England IV, 572 ff. — 2) Nach Kingston's rechnungs- 
buch. — 3) Knighton, Cronica fol. 2603. — 4) Nach London kommt 1388 der 
preussische herold Bartholomaeus Luthenberg. Rymer Foed. VII, 589. 



Die historischen demente in Shakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen* 147 

wohl begründete veranlassung, jene romantischen Vorgänge höchst 
ernst aufzufassen, und wenn er die ganze europäische ritterschaft zu 
seinen »reisen« , wie man die kriegsfahrten wider die heidnischen 
Litthauer nannte , mit allen lockmitteln einladet , so hat er ein be- 
wusstsein davon, dass in dem verlauf jenes romans, von dem wir 
bald reden werden, eine gefahr für seine existenz und herrschaft 
emporgestiegen. Und die gefeiertesten ritter jener generation machen 
sich auf, um in Preussen ihren durst nach abenteuern und heiden- 
kampf zu stillen. So war das eine jähr herzog Wilhelm VI von 
Holland , und das andere Wilhelm II von Hennegau , und der viel- 
besungene Jean le Maingre , genannt Boucicant , gar drei — oder 
eigentlich vier mal nach Preussen ausgezogen. Noch wenige monate 
vor dem Zeitpunkt, von welchem wir reden, war der herzog Wilhelm 
von Geldern J ), ein verwandter könig Richard's 2 ), nach der seltsamsten 
und schicksalvollsten Preussenfahrt stracks nach London gekommen 3 ), 
und deutsche Ordensritter 4 ) waren mit ihm in London in den tagen, da 
Heinrich v. Derby seine bogenschützen und seine schiffe nach Boston 
bringt, um sie für die ausfahrt nach Preussen zu rüsten. Auf solche 
art war nun auch der söhn des herzogs von Lancastre über das 
meer nach Preussen hergekommen, und an den unwirthlichsten stellen 
der küste mit zertheiltem gefolge ans land gestiegen. 

Als die Engländer in den augusttagen des jahres 1390 bei Leba 
und Ryxhöft aus den schiffen stiegen , werden sie aller Wahrschein- 
lichkeit nach mit personen und Verhältnissen , denen sie hier auf 
preussischem boden zu begegnen hoffen durften, nicht völlig unbe- 
kannt gewesen sein. Von einem der wunderlichsten männer wenig- 
stens, der grade auf die Schicksale der Engländer einen besondern 
einfluss haben sollte, und dessen lebensschicksale lebhaft an die des 
Florizel im »Wintermährchen« erinnern, konnte Heinrich von Derby 
schon seit 9 jähren gute nachlichten haben , und ein wunder wäre 
es, wenn nicht am hofe der königin Anna von England, der böh- 
mischen fürstentochter , von diesem ihrem fernen vetter gesprochen 
worden wäre. Aber auch abgesehen davon, konnte ein ström von 
nachrichten sehr gut aus Preussen nach England dringen, denn von 
jeher waren die beziehungen zwischen beiden ländern die innigsten 
gewesen, und zwar nicht blos in rücksicht kaufmännischen Verkehrs. 
In einer denkschrift der londoner kaufherrn an könig Richard II 



1) Voigt, Gesch. Preusscns V, 508. Script, rer. Pruss. II, 634 note 1 795 u. 
beil. VII. — 2) Rymer, Foedera VII, 556. 564. — 3) Rym. VII, 672. — •») v . 
Gehmen und v. Endelsdorp. Am 20. mai 1390 sind sie in London. 



148 J- Caro 

gelegentlich eines Streits mit den Preussen, rufen jene ihnen in's ge- 
dächtniss, »wie sie vor allen nationen der weit in London bevorzugt 
worden seien« , und dass sie nicht vergessen sollten , »wie oft und 
wie viele ritter und kriegsleute aus England mit grossen opfern an 
blut und habe sich den beschwerlichen kriegen gegen die Litthauer 
zu gunsten der Preussen unterzogen haben«. Und in späteren jähren, 
als einst gegner des deutschen ordens Heinrich von Derby als könig 
zur Parteinahme für sie bestimmen wollten, rief er aus: »Wie kann 
ich denn das , bin ich doch fast ein preussisch kind ! « Demnach 
dürfte Heinrich wol gewusst haben , für wen und mit wem er und 
seine bogenschützen in der heidenfahrt im somraer 1390 kämpfen 
würden. Und vielleicht wussten es seine minstrels und herolde und 
balladenmacher auch. 

Nur in kurzen zügen wollen wir die läge skizziren, welche die 
Engländer hier im osten vorfanden. Acht jähre vorher, im jähre 
1382, war könig Ludwig aus dem hause Anjou, der herrscher von 
Ungarn und Polen, gestorben, und hatte zwei töchter, Maria und 
Hedwig, als erben seiner krönen hinterlassen. In beiden reichen 
aber, in Polen wie in Ungarn , erhoben sich über die thronfolge hef- 
tige gährungen, nicht sowol aus Widerwillen gegen die königstöchter, 
als gegen die ihnen in frühester kindheit angetrauten gatten. Maria 
war nämlich dem markgrafen Sigismund von Brandenburg, dem söhne 
Carl's IV, dem nachmaligen kaiser, Hedwig dagegen dem söhne des 
herzogs Leopold von Oesterreich , dem herzog Wilhelm , angetraut. 
In beiden reichen herrschte damals die gleiche besorgniss, durch 
deutsche regenten ganz und gar die nationale Selbstständigkeit ein- 
zubüssen, und hier wie dort strebten die nationalen parteien darnach, 
die ehen ihrer königinnen gewaltsam zu lösen und ihnen gatten 
eigener wähl aufzudrängen. Für Ungarns weitere Schicksale in der 
geschichte und für seine weltstellung war es ebenso verhängnissvoll, 
dass jenes streben nicht gelang, und Sigismund nach harten kämpfen 
und blutigen Zwischenfällen der gemahl Maria's und könig von Ungarn 
blieb, wie es für Polen von der entscheidendsten bedeutung für sein 
ganzes dasein wurde, dass es wirklich gelungen ist. Die Schwierigkeit 
der eheauflösung war in Polen ungleich grösser als in Ungarn, denn 
während Maria von Ungarn ihrem jungen gemahl Sigismund mit aus- 
gesprochener abneigung gegenüberstand, empfand Hedwig von Polen 
für den herzog Wilhelm die heftigste und innigste liebe, und kaum 
war sie in Krakau 1384 als »könig« gekrönt, so liess sie auch schon 
den geliebten ihrer frühesten kindheit zu sich kommen, und die hei- 



Die historischen elemente in Shakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen« 14g 

teren Zusammenkünfte im refectorium des Franziskanerklosters zu 
Krakaii gestalteten sich bald zu einem der anmuthigsten liebeshöfe, 
von denen das mittelalter zu erzählen wusste. Fast täglich sah man 
einen heiteren zug fröhlicher frauen , in deren mitte Hedwig vor 
allen erglänzte, vom schlösse herniedersteigen, während von der Stadt 
her der reigen der männer und ritter, um den blonden Jüngling ge- 
schaart, in die pforten des klosters einzog. Musik und gesang erscholl 
alsbald in den sonst so stillen räumen, und fröhlicher tanz einte die 
lustigen paare. Mit dem jauchzen der lust wechselte liebesgefiüster, 
und herrliche tage feierten Hedwig und Wilhelm hier. — Mit vollem 
recht hat Gervinus x ) dieses verhältniss für eins der eindrucksvollsten 
beispiele einer aufrichtigen und reinen minne im mittelalter angesehen, 
die hier nicht blos erzählt, sondern erlebt wurde. 

Mittlerweile aber verhandelten bereits die polnischen magnaten 
mit demjenigen fürsten, der diesen freuden ein rasches ende bereiten 
sollte, mit dem grossfürsten Jagiello von Litthauen, welcher damals 
noch ein heide war. Für Staatsmänner, welche den anspruch mensch- 
licher gefühle vor dem politischen interesse gering anschlagen, bot 
eine Vereinigung Hedwig's mit diesem Jagiello so ausserordentliche 
vortheile, dass Wilhelm von Oesterreich dagegen nicht aufzukommen 
vermochte. Jener war Slave von abstammung, führte ein ausgedehntes 
reich — das einzige in Europa, das noch dem heidenthum gehörte — 
dem christenthum zu, brachte den Polen eine kriegsmacht mit, 
welche den bestand Polens gegenüber dem andrang des Germanen- 
thums verbürgte , und während Polen einen friedlichen nachbar ge- 
wann , erwuchs dem erbfeinde der Polen , dem deutschen orden in 
Preussen, ein seine existenz aufs tiefste bedrohender Widersacher. 
Mit schonungsloser gewalt wurde das fürstliche liebespaar auseinander- 
gerissen, Wilhelm von Oesterreich aus Krakau vertrieben und Hedwig 
gezwungen , mit dem zum könig von Polen ausgerufenen Litthauer- 
fürsten vor den traualtar zu treten. 

Man muss sich erinnern, welche bedeutung gerade im vierzehnten 
Jahrhundert, da das ritterwesen in vollster ausblüthe stand, die be- 
kämpfung der heiden, zumal in Litthauen, bei dem europäischen adel 
hatte, um zu begreifen, dass die unerwartete wendung überall staunen 
und Verwunderung erweckte. Bis zu banger furcht aber steigerte 
sich das missbehagen darüber beim deutschen orden. War Litthauen 
nicht mehr heidnisch, was hatte dann noch diese mönchs ritter-aristo- 



1) Gesch. der deutschen nationalliteratur II, 218. 



150 J. Caro 

kratie für einen zweck in der weit? Und gab es keine heidenfahrten 
mehr, dann strömte nicht mehr der deutsche und fremdländische 
adel jähr aus jähr ein nach Preussen, und die reichen hülfsquellen 
des ordens versiegten. Mit heissem eifer sucht daher der hochmeister 
all überall, an höfen wie bei körperschaften, den eindruck der künde 
aus Polen und Litthauen abzuschwächen. Der übertritt des Lit- 
thauers sei nicht ernst gemeint; er sei im herzen heide, und mehr 
noch das volk. Mit verstärkter lebhaftigkeit werden die heiden- 
fahrten, »reisen« genannt, aufgenommen; der ganze europäische adel 
wurde in bewegung gesetzt. Herolde zogen umher und kündigten 
als reizmittel die abhaltung des »ehrentisches« , einer mystischen 
herrlichkeit des ritterwesens, an, und der erfolg blieb auch, wie wir 
sahen, nicht aus. Je beschwerlicher und bedenklicher namentlich für 
die nordeuropäische ritterschaft ein zug nach dem heiligen lande 
wird, desto mehr wird von dem bequemeren mittel zur erlangung einer 
indulgenz durch eine Preussenfahrt gebrauch gemacht. Freilich be- 
ruht die gelegenheit zum heidenkampf in Litthauen, von der jene in 
der weit umherziehenden herolde unter monströsen Schilderungen der 
in betracht kommenden persönlichkeiten ungeheuerliche bilder geliefert 
haben mögen, eigentlich auf einer kleinen täuschung, oder wenigstens 
auf der nicht-anerkennung von thatsachen von seiten des deutschen 
ordens , welche er im trieb der selbsterhaltung noch ungeschehen 
machen zu können hoffte. Denn mit der taufe Jagiello's, des gross- 
fürsten von Litthauen , und seines volkes , mit der einsetzung latei- 
nischer bischöfe und der einrichtung einer römisch-katholischen hier- 
archie konnte eigentlich von einem heidenkampf hier im norden nicht 
mehr gesprochen werden. Aber einmal suchte der orden allerwärts 
die meinung zu verbreiten, dass Jagiello nicht ehrlichen herzens christ 
geworden sei, und sowol selbst wie sein ganzes volk das heidenthum 
noch pflege — eine meinung, der, wie wir urkundlich belegen können, 
der orden grade am englischen hofe noch jähre darnach, zur zeit 
Heinrich's IV, eingang zu schaffen suchte. Zweitens war in der that 
eine provinz des litthauischen reiches noch übrig, in der es nicht ge- 
lungen war, das christenthum einzuführen, und aus der immer noch 
ein erbitterter krieg gegen die christlichen ritter geführt wurde, die 
provinz Gamogilien, welche erst in den zeiten des constanzer concils 
den christlichen glauben annahm. Und drittens glaubte der hoch, 
meister des deutschen ordens die tiefen Zerwürfnisse in dem geschlechte 
des litthauischen grossfürsten benutzen zu können, um eine zeit lang 
noch die in seinem berufe liegenden kriegsfahrten fortsetzen und 



Die historischen demente in Shakspeare's »Sturm« und AVintermährchen« 15t 

nöthigenfalls dann eine solche Ordnung durchführen zu können, bei 
welcher das christenthum als solches nicht viel, desto mehr aber 
der orden für seinen bestand gewonnen haben würde. 

Diese Zerwürfnisse interessiren uns aber an diesem orte hier um 
so mehr, als nach allem was wir wissen, Heinrich von Derby und 
die ihm folgenden Engländer nur innerhalb ihres kreises, nur für eine 
der streitenden parteien gefochten haben , und es zweifelhaft bleibt, 
ob die zu frommem wallfahrtskrieg herangezogenen Engländer und 
Schotten auch nur e'inen wirklich ungetauften zu sehen bekommen 
haben. Von jenen Zerwürfnissen aber müssen Heinrich und seine 
Engländer entschieden kenntniss genommen haben, denn kaum 20 
tage nach ihrer landung standen sie verbunden und vereint mit einer 
der streitenden persönlichkeiten gegenüber der andern in der schlacht, 
und einen halben monat später in einer mehr als 4 wochen dauern- 
den belagerung. Es wäre ungereimt, zu meinen, dass die Engländer 
nicht erfahren hätten, um was man sich schlägt, während die person, 
für welche das blut vergossen wird , in ihrem eigenen lager oder 
neben demselben auf ihrer seite sich befindet. Ja wir können sogar 
das actenstück bezeichnen , aus dem sie ihre kenntniss der Situation 
wenn nicht geschöpft haben, so doch geschöpft haben können. Es ist 
eine über jene Streitigkeiten von dem unterdrückten fürsten beim 
orden eben in jenen tagen eingereichte denkschrift J ), die vielleicht, 
insofern sie lauter umstände enthält, die dem orden nicht neu sein 
konnten, zur orientirung für die fremden abgefasst war. Der sie 
eingab, war Witold, der fürst von Litthauen, der leibliche vetter und 
ehemalige Jugendfreund des jetzigen königs Jagiello von Polen und 
seines bruders Skirgiello, welcher zur zeit der anwesenheit Heinrich's 
in Preussen mit weib und kind schutzflehend nach Preussen gekom- 
men war, und für welchen eben die kriegsfahrt unter betheiligung der 
englischen herren und bogenschützen im august 1390 unternommen 
werden sollte. Was er erzählte, war eben auch eine chronik , wenn 
auch nicht von tag zu tag, so doch von jähr zu jähr. Sein vater 
und er, trug er vor, hätten nicht nur ein anrecht auf Wilna gehabt 
— womit nach litthauischem hausgesetz die grossfürstenwürde ver- 
bunden war — sondern »darin was her gewaldig, wen er hette ge- 
wolt, so hette er die Wille (Wilna) genomen.« Aber aus rücksicht 
auf seinen altern bruder Hessen sie Jagiello auf dein grossfürstenstuhle 
»als lange bis das her uff wuchs, vnd als lange bis das cli lute sin 



J ) Script, rer. Pruss. II, 712. 



152 J- Caro 

gewonten«. Aber als Jagiello sich stark genug fühlte, knüpfte er ver- 
räterische Verbindungen mit auswärtigen feinden an, und er und sein 
bruder Skirgiello tödteten des Witold vater und mutter, und warfen ihn 
selbst in's gefängniss, aus dem er heimlich nur entronnenwar. Er floh 
nach Preussen und nahm den lateinischen glauben an. Durch Über- 
redung aller art wusste Jagiello zwar den vetter unter dem versprechen, 
ihm sein väterliches erbtheil wiederzugeben, hinzuhalten, aber er hielt 
sein wort nicht, sondern gab das väterliche gut wie das grossfürstenthum 
seinem bruder Skirgiello unter dem vorwande, dass er seines glaubens 
wegen untauglich zur regierung sei. Der wahre grund aber war, dass 
Skirgiello die lehnspflicht für das ihm übergebene land über- 
nommen hatte, und das freie und selbstständige Litthauen dem 
»könige von Krakau« , was Jagiello geworden war , als vasallenland 
unterwarf. Dass Witold aber dem Skirgiello unbequem war, versteht 
sich von selbst, >und nochten romte er (berathschlagte) her, wi her 
mich mochte toten«, heisst es in der klageschrift. Vielleicht that er 
es nur deshalb nicht, weil Witold in der that, wie auch die folge 
zeigte, beim volke sehr beliebt war. Ein ander mal wieder suchte 
Skirgiello den Witold wider den Polenkönig zu gewinnen, um ihn in 
einem solchen complot zu verderben, aber Witold hütete sich, darauf 
einzugehen. Aber Skirgal nahm ihm seine ganze Umgebung, und 
»damals hatte ich«, heisst es weiter in der klageschrift, »nicht soviel 
freiheit, dass ich boten oder briefe senden konnte, wohin ich wollte'; 
ich war wie ein eigener; ich hatte in keinen dingen freiheit, auch 
nicht an »ein meidelin, min tochterchin« , und hatte keinen willen, 
dass ich's geben konnte, wem ich wollte, obgleich man sie viel von 
mir erbat, aber man wehrte mir, sie fortzugeben, aus furcht, es 
könnten mir ihrethalben freunde erstehen.« — 

Diese in ihren grundzügen mitgetheilte klage findet in einzelnen 
punkten auch von anderwärts her ihre volle bestätigung, aber ihr fehlt 
noch der schluss. Es war nämlich im winter 1389, als Witold sich 
die erlaubniss erbat, die hochzeit einer Schwester in der hauptstadt 
feiern zu dürfen. Zu diesem feste Hess er eine menge Schlitten in die 
Stadt bringen, die scheinbar mit fleisch und wildpret, in der that 
aber mit versteckten bewaffneten männern beladen waren, um sich 
die abwesenheit des grossfürsten zu nutzen zu machen und die 
hauptstadt durch ' Überrumpelung sich zuzueignen. Der anschlag 
misslang , und Witold erkannte , dass seines bleibens im lande nicht 
mehr war. Er und sein töchterlein und seine ganze familie verliessen 
den heimathlichen boden und gingen nach Preussen in's exil (im april 



Die historischen demente in Shakspeare's »Sturm« und «Wintermährchen« 153 

1390), um von dem deutschen orden hülfe und schütz und Wieder- 
einsetzung in die väterliche herrschaft zu erbitten. 

Denken wir uns einen minstrel oder herold Heinrich' s, der in 
jamben erzählte, was hier die Engländer zu hören bekommen hatten, 
und der die barbarischen namen in gefälligere umsetzte, z. B. Witold 
in Prospero, Skirgal in Antonio, Jagiello könig von Krakau in Alonso, 
könig von Napel und Sophia in Miranda, Wilna in Milan, dann 
würde er den vertriebenen fürsten ungefähr folgendermassen sich 
ausdrücken lassen: 

Mein bruder und dein oheim — er hiess Antonio 

— — — Er, den ich nächst dir 

Vor aller weit geliebt, und ihm die führung 
Des landes anvertraut, das zu der zeit 
Die kröne aller herzogthümer war. 



Ich warf das regiment auf meinen bruder 

Und wurde meinem lande fremd. 

Dein falscher oheim 

So bald er ausgelernt, wie man gesuche 

Gewährt, wie abschlägt; wen man muss erhöhen 

Und wen als üpp'gen schössling fällen 1) : schuf er 

Geschöpfe neu, die mir gehörten, tauschte, 

Versteh mich, oder formte neu sie. 

So hatt' er diener und des dienstes Schlüssel, 

Und stimmte jedes herz im Staat zur weise, 

Die seinem ohr gefiel ; war nun das epheu, 

Das meinen herzoglichen stamm versteckt ; 

Das grün mir ausgesogen. — — 

Mein zutraun, wie ein guter vater, zeugte 
Verrath von ihm. — — — — — 

— — — — — Er, nun hen\ 

Nicht nur von dem, was meine renten trugen 
Auch allem sonst, was meiner macht gebührte 

— er glaubte, 
Er sei der herzog selbst, durch seine Stellvertretung 
Und freies walten mit der hoheit äusserm schein, 
Sammt jedem Vorrecht; dadurch wuchs sein ehrgeiz — 
Um keine Scheidewand zwischen dieser rolle 
Und dem zu sehn, für welchen er sie spielte, 
Nimmt er sich vor, der unumschränkte Mailand 
Durchaus zu sein. Mich armen mann — — 

— — — — — — für weltlich regiment, 



1) Bis das her vff gewuchs, vnd als lange bis das die lute sin gewollten, 
heissts in Wilold's klage. 



154 J- Caro 

Hält er mich ungeschickt «) ; verbündet sich 
(So lechzt er nach gewalt) mit Napels könig 
Tribut zu zahlen, huldigung zu thun, 
Den fürstenhut der kröne zu verpflichten 2), 
Sein freies herzogthum — ach armes Mailand ! 
Zu schnödem dienst zu beugen 3). 



Nun die bedingung. 
Der könig Napels, mein geschworener feind 
Horcht dem gesuche meines bruders: nämlich 
Er sollte, gegen die versprochenen punkte 
Von lehnspflicht, und ich weiss nicht, wie viel zins, 
Mich und die meinen gleich vom herzogthum 
Austilgen, und zu lehn das schöne Mailand 
Sammt allen würden meinem bruder geben. 
Drauf, als man ein verrätherheer geworben, 
In einer nacht, erkoren zu der that, 
Schloss nun Antonio Mailands thore auf 
Und in der mitternächtigen stille rissen 
Die diener seines anschlags uns hinweg, 
Mich und dich weinend kind**). 

Miranda. 
Warum nicht brachten sie 
Zur stund uns um? 

Prosp ero. 
Ja mädchen, gut gefragt! 

Das vor'ge heischt den zweifei. Kind, sie wagsten's nicht, 
(So treue liebe trug das volk zu mir) 5) 
Der that solch blutig siegel aufzudrücken, 
Und schminkten schöner den verruchten zweck. 

Allerdings war Witold kein exorcist und kein zauberer, allein 
wenn man sich erinnert, was Aeneas Sylvius 6 ) aus ihm für ein mon- 
ströses ungeheuer angeblich nach den aussagen eines mönchs machte, 
dann wäre es nicht zu verwundern , wenn ihm in einer darstellung 
der Preussenfahrt des Lancastre auch solche züge zugelegt sein 
mochten. Jedenfalls erinnert das , was eben jener gewährsmann bei 



1) In der klage Witold's angeblich wegen seines religiösen glaubens. — 
2) Ganz genaue und correcte bezeichnung des staatsrechtlichen Verhältnisses , das 
zwischen Litthauen und Polen hergestellt wurde. — 3) Des is nu ein jar, das her 
(Jagello) hat herczog Skirigaln vorschreben mit Privilegien alle min feterlich erbe 
uff dem huse czu Lublin vnd vor mynen ougen, das was mir gar leid, jch klagte 
herczogen Jagaln dicke dorumb vnd jch sach wol , das ich dorczu nichts nicht 
mochte getun, vnd ich mochte der Privilegien mit nichte nedirwerffen, heissts in 
der klage Witold's. Der vertrag von Lublin im orig. in d. bibl. zu St. Peters- 
burg. — 4) In Wirklichkeit freilich gerade umgekehrt, wie oben erzählt. — 5) Vgl. 
Voigt, Gesch. Preussens V, 538. Caro, Gesch. Polens III, 98. — 6) Hist. de 
Europ. fol. 418. 



Die historischen demente in Shakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen« j r e 

dieser gelegenheit von den dämonenbewohnten bäumen und hainen, 
die Witold umzuhauen gestattet, an die flehte, in deren spalt Ariel 
12 jähre von der hexe Sycorax geklemmt war, und die Prospero 
erst klaffen Hess. Wie viel zauberspuk und zauberscenerie umgibt 
schon Witold in der darstellung dieses Schriftstellers , dem doch 
historischer sinn nicht abzusprechen ist, geschweige denn erst 
bei einem epiker oder romanschreiber. Freilich wird er nicht 
wie Prospero »auf einem faul' gerippe von boot» dem meere preis- 
gegeben, aber auch dieser war ja nicht ohne »leinewand, zeug 
und allerlei geräth« in die einöde gelangt. Ueberhaupt wäre es ja 
wol ein zu kühnes unterfangen, alle die Veränderungen ausdenken 
zu wollen, welche die historischen thatsachen bei dem durchgang 
durch eine poetische Verarbeitung, namentlich wenn diese ein ritter- 
roman gewesen sein sollte, erfahren haben kann. Zunächst ist es 
unsere sache nur, dem im ersten augenblick überraschend erschei- 
nenden umstände, dass die an der äussersten ostgrenze des damals 
civilisirten Europa's sich abspinnenden geschichten in England bekannt 
gewesen sein sollen , weiter nachzugehen und darum fahren wir in der 
historischen erzählung auf grund beglaubigter quellen fort. Nach dem 
durch das rechnungsbuch Kingston's sich ergebenden itinerarium 
Heinrich's v. Derby war derselbe um den 10. august in Danzig, am 14. in 
Elbing, am 16. in Königsberg, am 18. in Cremitten ; am sonntag 
den 21. august betritt er die »wildniss« (wyldrenesse) ; am mittwoch 
den 25. steht er am ufer der Memel; am 26. vor der Georgenburg, 
und am 28. findet in der nähe von Alt-Kauen ein zusammenstoss 
zwischen den Litthauern unter Skirgal und dem von Heinrich von 
Derby und Witold begleiteten ordensheere 1 ) statt, bei welchem die 
erstem zurückgeworfen werden. Nach seinem siege dringt das ordens- 
heer, das übertriebener weise auf 40,000 mann geschätzt wird , und 
dessen absieht dieses mal auf die hauptstadt von Litthauen , auf 
Wilna selbst gemünzt war, unmittelbar weiter vor, und steht schon 
am 4. September vor den mauern der hauptstadt, während die führer 
desselben, wie Heinrich selbst, erst den n. September bei demselben 
wieder eintreffen. Die belagerung und der kämpf um Wilna , bei 
denen nach dem ausdrücklichen zeugniss der zeitgenössischen quellen 
ebensowol Witold als Heinrich v. Derby zusammen mitwirkten, 
dauert dann bis zum 7. october, und wird schliesslich trotz der 
tapferen mithülfe der Engländer, von denen ebensowol der preus- 

1) Wigahd v. Marburg II, 642: signanter cum filio Anglici ducis Lankasten 

comes de Terpi etc. : Wytaudus dux interfuit. 



156 J- Caro 

sische chronist, Johann v. Posilge 1 ), als der englische, Walsingham 2 ), 
das rühmlichste zu erzählen wissen , ohne wesentliches ergebniss 
wieder abgebrochen. Am 20. october finden wir Heinrich wieder in 
Königsberg. Für unseren zweck ist nur wichtig , festzustellen , dass 
Heinrich v. Derby und Witold mehr als vier wochen mit einander 
verbracht haben, und der eine von dem andern wissen konnte, ja 
wissen musste, was bei ihm vorging. Wenn wir von dem preussischen 
Chronisten erfahren, dass Witold's gemahlin und seine engere familie 
mittlerweile in Cremitten zurückgeblieben waren , und aus dem 
rechnungsbuche Richard Kingston's ersehen , dass Heinrich am 
18. august in Cremitten übernachtete, so ergibt sich sogar die Wahr- 
scheinlichkeit, dass der graf von Derby auch die gemahlin Witold's, 
und insbesondere auch »das meidelin«, die tochter Witold's, kennen 
zu lernen gelegenheit hatte. 

In eben denselben tagen aber — wir können freilich nicht sagen 
an welchem ; wir können urkundlich nur feststellen , dass sie am 
17. august bereits von Riga nach Preussen abgesegelt waren, — 
erschienen vor Witold drei herren von so fremdartigem wesen, wie 
sie Heinrich und die Engländer daheim gewiss noch nicht zu sehen 
bekommen hatten. Für sie mögen diese gestalten so wunderlich ge- 
wesen sein , als die amerikanischen menschen , welche man zur re- 
gierungszeit Elisabeth's in London um geld sehen liess. Und wer 
weiss, was die minstrels ihnen in ihren erzählungen und gesängen für 
Wunderlichkeiten noch zugelegt haben mochten. Grossrussische Bo- 
jaren waren es: Pole hiess der eine, Belewut der andere, der dritte 
aber hiess Seliwan (Celiban) 3 ). Der in liedern gefeierte Dimitri 
Donskaj war im jähre 1389 gestorben, und sein junger söhn Wassily 
hatte den zarenthron bestiegen. Schon seit langer zeit (1386) hatte 
er mit Witold Verbindungen angeknüpft, und vermuthlich gehörte er 
vornehmlich zu den freiem um die tochter Witold's, welche zu erhören 
der könig von Polen ihm verboten hatte, damit er nicht freunde ge- 
winne. Jetzt, da Witold über seine tochter frei verfügen konnte und 
Wassily den thron bestiegen hatte, war seine solenne gesandtschaft 
erschienen, um für ihren zaren um die hand der fürstentochter an- 
zuhalten. Sie wurde ihnen gewährt, und noch zur zeit der anwesen- 
heit der Engländer in Preussen wurde sie den gesandten übergeben. 
So wie sie zur see gekommen waren , so stiegen sie auch mit der 



1) Script, rer. Pruss. II, p. 1667. — 2) Hist. brev. in Camden's Anglica, 
Normanica, Hibernica , fol. 343. — 3) Vollständige Sammlung russ. chroniken 
II, 351; V, 244; VIII, 61. Joh. v. Posilge p. 167. 



Die historischen demente in Shakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen« i ty 

braut wiederum in Danzig zu schiffe und brachten sie zur see nach 
Nowgorod und von dort nach Moskau, wo die hochzeit gefeiert 
wurde. Ein etwa anwesender Gonzalo würde ausgerufen haben: 
»Ward Wilna darum weggebannt von Wilna, damit sein geschlecht 
gelangt auf Moskau's thron« ? 

Einen augenblick unterbrechen wir hier die geschichtliche erzäh- 
lung, um uns eine kleine literarische abschweifung zu erlauben, die, 
wie sich gleich zeigen wird, uns von unserer aufgäbe nicht entfernt. 
Für eine untergeordnete auffassung schwindet allerdings die berech- 
tigung zu Untersuchungen über die herkunft der fabel eines Stückes 
überhaupt, denn ihr zu folge besteht im erfinden einer solchen die 
hauptsächlichste thätigkeit des dichters, und aus dem plus oder minus 
der Originalität entnimmt sie den nächsten massstab für die beurthei- 
lung des kunstwerks. Ist doch das ersinnen irgend einer beliebigen 
gut gefügten fabel so leicht , dass sie den legionen von novellisten 
und romanschreibern alle tage gelingt, warum sollten grosse, geniale 
meister, deren einbildungskraft die höchsten flüge wagt, nicht mit 
ihnen zu wetteifern vermögen ? Wir erwägen nicht weiter das recht 
dieses einwurfs und stellen ihm nur die thatsache gegenüber, dass die 
meisten grossen hellenischen und germanischen dramatiker, auch dort, 
wo sie nicht auf dem boden eigentlicher geschichte stehen , auf ge- 
gebenem bauten, ihre Stoffe nahmen, wo sie sie fanden , ohne sich 
lange mit dem ehrgeiz der ursprünglichkeit im punkte der fabel auf- 
zuhalten. Sie haben besseres zu thun. Das hingegen, was sie aus 
dem genommenen machen, was sie ihrem höchsten zweck zu liebe 
darin umbilden, umformen, verkürzen, verknüpfen, hinzufügen, ver- 
schränken und lösen, hinüber und herüberschiessen und zu neuen 
formen sich verschlingen lassen, das ist ihre Schöpfung, das fällt unter 
ihre Verantwortung. Wer Shakspeare's unermessliche erfindungskraft 
in gestalten, formen, empfindungen, Situationen und peripetien nur 
von oben her kennt, wird ihm auch die fähigkeit zutrauen, ein mähr- 
chendrama von ansprechendem inhalt aus der eigenen phantasie 
schöpfen zu können. Aber wer dann trotzdem wieder sieht, dass er 
in mehr als dreissig dramen auf dieses übermass von dichterruhm 
verzichtet, der wird die gewissermassen induetiv gewonnene Wahr- 
scheinlichkeit nicht abweisen, dass er auch in den beiden mährchen- 
dramen seine methode nicht verändert hat. Allerdings lässt der 
dichter — gleichviel ob er einer italienischen novelle oder der eigent- 
lichen historie folgt — sich von seinem Stoffe keinerlei fessel aufer- 
legen, und natürlich am wenigsten im mährchendrama, wo er nicht 



158 J- Caro 

einmal der materiellen natur und ihren gesetzen eine schranke seiner 
gestaltungskraft gestattet. Wenn schon bei keiner andern seiner dich- 
tungen die quelle mit völliger congruenz das drama deckt, dann 
dürfte es beim mährchendrama am wenigsten geschehen. Wenn daher 
in unserer geschichtlichen erzählung die züge auseinander gehen, die 
im drama zusammengefasst sind, wenn in unserer geschichte nicht 
der söhn des königs von Polen (er hatte damals gar keinen) die 
tochter des helden heimführt, sondern ein anderer königssohn , wäh- 
rend im drama der könig von Napel mit seinem söhne zugleich den 
könig von Polen und den zaren von Moskau vertritt, so kann doch 
dieser umstand den werth der übrigen Übereinstimmungen nur wenig 
herunterdrücken, zumal wir ja durchaus nicht der ansieht sein kön- 
nen, dass Shakspeare die geschichtlichen facta in ihrer unmittelbar- 
keit gekannt und behandelt habe, zumal wir ja immer wieder mit 
nachdruck die vermuthung hervorheben, dass der geschichtliche Stoff 
durch mehrerer dichter hände gegangen ist, ehe er in die des voll- 
kommensten meisters gelangte. Wer weiss, was schon der erste 
Heinrich v. Derby begleitende minstrel daraus gemacht hat, und wer 
weiss, was dann noch die andern?! Weiset doch die bei Shakspeare 
nach Tunis hin verheirathete Clanbella, die tochter des königs von 
Napel, der eben von der hochzeitsreise heimkehrt, auf einen roman 
im style der unzähligen französischen des mittelalters hin ! 

Bevor wir aber die Übereinstimmung von geschichte und drama 
in bezug auf die lösung, die Versöhnung Prospero's mit dem könig 
von Napel und die restitution seiner herrschaft verfolgen, müssen 
wir noch einer thatsache erwähnung thun, die für die richtigkeit der 
fährte mindestens, auf der wir uns bewegen, zu sprechen scheint. 
Soviel mir bekannt ist — ich mache keineswegs den anspruch dar- 
auf, in der literatur der Shakspeare-forschung sehr belesen zu sein, 
ich würde meine Studie gern besseren kennern überlassen haben, 
wenn ich diesen nicht einige materialien aus der ihnen vielleicht we- 
niger bekannten geschichtsliteratur hätte vermitteln können — so viel 
mir also bekannt, ist eine zutreffende quelle von Shakspeare's »stürm« 
bis jetzt nicht angegeben worden. Allerdings finde ich in Goedeke's 
Grundriss 1 ) die nirgends anderwärts z. B. weder bei Delius noch in 
Friesen's Shakspeare-studien berücksichtigte notiz, dass der spanische 
roman des Juan de Flores »Von Aurelio und Isabella, des königs in 
Schottland tochter», von welchem Ticknor II, 225 eine englische 



1) Grundriss p. 504. 



Die historischen demente in Skakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen« jcn 

Übersetzung anführt, »für die quelle von Shakspeare's »Sturm« ge- 
halten wurde." Aber der roman ist mir nicht erreichbar, und die 
angäbe scheint von neueren forschem doch nicht für bestätigt an- 
gesehen worden zu sein, denn sie schweigen davon. Ueber eine an- 
dere angebliche quelle, über die ballade »The inchanted Island« be- 
steht unter den Shakspeare-forschern eine lebhafte discussion, in die 
ich mich bei leibe nicht mischen will, die aber doch zeigt, dass nicht 
alle von dieser erläuterung befriedigt werden 1 ). Schon L. Tieck 
aber hat auf die ähnlichkeit einiger details in Shakspeare's » Sturm« 
mit Jacob Ayrer's »Comedia von der schönen Sidea« aufmerksam 
gemacht, und nachdem später in England wiederholt davon gesprochen 
war, haben Albert Colin 2 ) und Johann Meissner 3 ) eingehend die 
Übereinstimmung geprüft, und sind unter mitwirkung äusserer gründe 
zu der behauptung vorgeschritten, dass Ayrer's »Schöne Sidea« als 
die stoffliche quelle von Shakspeare's »Sturm« angesehen werden 
müsse. Meines erachtens mit vollem recht sträubt sich v. Friesen 
gegen diese annähme und will nur die möglichkeit einer gemein- 
schaftlichen Urquelle für Ayrer und Skakspeare gelten lassen. Sit, ut sit. 
Andere mögen entscheiden, ich könnte nur hinzusetzen, dass, wenn 
dem so ist, Shakspeare dem geschichtlichen der Substanz nach, Ayrer 
hingegen im formalen näher steht , denn Ayrer's vertriebener fürst 
heisst: Ludolf oder Leupolt, der fürst in Littau, und der Usurpator 
heisst bei Ayrer: Leudegast, der fürst in der Wiltau (der im deut- 
schen orden gebräuchliche namen für Wilna) die ,, Julia" bei Ayrer 
(Act V) ist die tochter des königs von Polen. 



Nun erst nehmen wir die historische erzählung wieder auf. Wir 
verliessen Heinrich v. Derby und die Engländer, als sie von der be- 
lagerung von Wilna ohne einen andern erfolg als einen weithin 
schallenden kriegsruhm zurückkehrten. Am 20. october 1390 finden 
wir Heinrich wiederum in Königsberg, wo er den ganzen winter hin- 
durch bis zum 9. februar 139 1 als gast des Ordensmarschalls Engel- 
hard 4 ) Rabe, der den zug gegen Wilna geleitet hatte, verweilt. Dass 



1) Friesen, Shakspeare-studien III, 520 ff. — =) Shakspeare in Germany p. 6S. 
Dort auch ein abdruck der »Schönen Sidea«. — 3) Untersuchungen über Shakspeare's 
»Sturm«, p. 1 — 16. — +) In der glosse zur altem hochmeisterchronik (V, 1 2 1 ^ 
wird er gelegentlich der Schilderung des »ehrentisches« Engelbrecht genannt. So 
heisst bei Ayrer der söhn des fürsten in der Wiltau. Bei diesem ehrentisch, 
den nach einer quelle Engelhard Rahe (also '390), nach andern Conrad Wallentod 
(also 1391), zurichtete in Alt - Kauen , wird der tluilnahine der französischen und 
englischen herren, grafen, ritter und knechte ausdrücklich gedacht. Pen vorsfU 



i6o • J- Car0 

man in spätem tagen noch der den Engländern erwiesenen gast- 
freundschaft in London eingedenk war, zeigt die lebhafte Verwendung 
des herzogs Johann von Lancastre und könig Richard's für ihn beim 
hochmeister, als das gerücht umging, dass ihm eine Zurücksetzung 
widerfahren sei 1 ). — Wenn nun diese ritter und kämpen in den 
langen abenden des nordischen winters in der schlosshalle zu Königs- 
berg sassen, umgeben von ihren zahlreichen herolden, minstrels, Harf- 
nern und fiedlern, dann mochte wol manches »wintermährchen» er- 
zählt, ausgesonnen und gesungen worden sein. Aber am meisten 
beschäftigte natürlich die gemüther das unmittelbar erlebte, die fragen 
des tages, die personen, mit denen man direct oder indirect dadurch 
in berührung gekommen war. Dass unter allen diesen in erster reihe 
der könig von Polen, Jagiello, stand, der erst vor vier jähren durch 
»die schönste prinzessin der weit« vom heiden zum Christen bekehrt 
worden war, liegt auf der hand. Hatte doch Heinrich selbst seinen 
herold vom hause Derby um Weihnachten , behufs auslösung zweier 
in gefangenschaft gerathener englischer ritter, und als die Verhand- 
lungen auf Schwierigkeiten stiessen , am 26. märz von Danzig aus 
noch einmal mit briefen an den Polenkönig gesandt 2 ). Möglicher- 
weise brachte dieser herold eben die hübsche eifersuchtsgeschichte 
vom polnischen königshofe, von der man bald überall, in Preussen, 
Polen, Schlesien und Oesterreich sprach, als neuigkeit mit. Vorge- 
kommen war sie um eben diese zeit. Als Jagiello nämlich aus Lit- 
thauen 1388 nach Polen zurückgekehrt war, so erzählte man, habe 
ihm sein unterkämmerer Gniewosz zugeraunt , dass inzwischen Wil- 
helm von Oesterreich in Krakau gewesen und während eines mehr- 
tägigen aufenthalts geheimen verkehr mit der königin Hedwig gehabt 
hätte. Darüber sei der könig in eifersucht entbrannt und nur durch 
die kluge dazwischenkunft der magnaten seien die zwistigkeiten be- 
seitigt worden. Bald aber war neuer Zwiespalt, neues misstrauen ein- 
getreten, und es war deutlich erkennbar, dass Verleumder des königs 
ohr gewonnen, und ähnliche einflüsterungen auch das leben der kö- 
nigin vergifteten. Endlich veranlassten doch die ernsteren hofleute 
die beiden gatten, sich gegenseitig die böswilligen Zuträger offen zu 



führte Kuno von Richardsdorf, der beim heiligen grabe gewesen und »dorezu waz her 
gegangen mit andere ritterschaft yn eynen holen berg und bieben dorynne eynen 
tag und eyne nacht. Dy andern bieben alle daryne tod und her quam wedir. 
Nymande wolde her sagen alle seyne tage waz her gesehen ader gehört hatte in 
dem berge. 

1) Rymer, VII. — 2) Kingston's rechnungsbuch. Vgl. Voigt, Gesch. Preussens 
V, 578. Nach 1394 treffen wir englische herolde in Krakau. 



Die historischen demente in Shakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen« jßi 

nennen. Wie erstaunte man, als von beider lippen derselbe name 
erscholl : Gniewosz. Die empörung war gross. Jagiello und Hedwig 
versöhnten sich bald. Die königin aber drang, um ihren guten ruf 
zu retten, auf ein ordentliches gericht, und auf ihren wünsch wurde es 
in Wislica abgehalten. Nachdem der erste ritter des reiches, Johann 
Tenczynski durch einen körperlichen eid der königin persönlich die 
Überzeugung von ihrer Unschuld gewonnen hatte, trat er als ritter der 
hohen frau auf, und mit zwölf edelbürtigen eideshelfern an der scite 
forderte er den unterkämmerer vor gericht auf, die Verleumdung zu 
widerrufen. Gniewosz verstummte. Die richter aber erklärten, die 
königin Hedwig für keusch und rein, und jeden Vorwurfs ledig , den 
unterkämmerer aber verurtheilten sie unter seine bank zu kriechen 
und wie ein hund zu bellen, zum zeichen dass er, wie es im polni- 
schen gesetzbuche heisst, wie ein hund gelogen hat 1 ). 

Unzweifelhaft ein artiges capitel in einem ritterroman, wobei der 
der königin vor allen reichsgrossen und rittern gemachte process der 
ausmalenden einbildungskraft die schönsten gelegenheiten bot. Aber 
die reihe der abenteuer, welche die Engländer auf ihrer preussenfahrt 
erleben sollten, war bei weitem noch nicht geschlossen, obwol Hein- 
rich v. Derby allerdings am 25. april 1391 wieder in England ein- 
getroffen war, und erst mehr als ein jähr darauf, im sommer 1392 
zum zweiten male nach Preussen mit 300 mann im gefolge kam, 
um gewissermassen die lösung aller der Verwickelungen zu erleben, 
die sich während seiner ersten Preussenfahrt eingefädelt hatten. Als 
Heinrich das zweite mal nach Preussen kam, fand er nach dem 
ausdruck des englischen Chronisten 2 ), nicht mehr die seinen wünschen 
entsprechende gunst bei den gebietern jener provinz. Die Ursache 
war, dass die Engländer mittlerweile in Preussen sich anstössig genug 
für den deutschen orden betragen hatten. Erstens war der schon 
früher erwähnte conflict mit den Schotten, welchen William Douglas 
von Nyddisdale mit seinem leben büssen musste , und der geeignet 
war, den ruf der Preussenfahrten zu compromittiren, in der zeit zwi- 
schen der ersten und zweiten pilgerfahrt Heinrich's von Derby vor- 
gekommen. Zweitens hatten die Engländer in Danzig einen preußi- 
schen edelmann, Hans von Tergowitz, erschlagen, und endlich waren 
sie gar während der im Spätherbst 1391 für Witold und mit Witold 
unternommenen kriegsfahrt mit den Deutschen wegen des tragens der 



1) Dlugossi, Hist. Pol. lib. IX, 122. Vgl. jedoch meine Gesch. Pol. 111, 046. — 
2) Jon, Capgrave, Lib. de ill. Henricis cd. by Kingeston, p. 99» 

Kölbing, Englische Studien. II. I. •! 



162 J- Caro 

fahne des heiligen Georg in einen harten streit gerathen. Die Deut- 
schen nahmen dieses alte Vorrecht für sich in anspruch und über- 
trugen die fahne einem deutschen ritter. Die Engländer aber liessen 
durch »den edlen Herrn v. Percy«, der, wie wir gesehen haben, 
Master Thomas Percy, der im September 1391 noch am englischen 
hofe weilt, nicht gewesen sein kann, sondern aller Wahrscheinlichkeit 
nach der »heisssporn« war, auch ihrerseits eine fahne entfalten, was 
die Deutschen nicht zugeben wollten, und es wäre zu hartem zusam- 
menstoss gekommen , wenn nicht Witold und seine gemahlin Anna 
sich vermittelnd eingemischt, und der „parteiung ein ende gemacht 
hätten« *). 

Witold weilte damals im winter 1391/92 mit seinem ganzen haus- 
gesinde, mit seinem weibe und namentlich auch mit seiner Schwester 
Ryngala, sowie mit einem theile der ihm hülfreichen kriegsgäste auf 
der eigens für ihn erbauten bürg Ritterswerder an der Memel, wo- 
hin er nach und nach auch alle seine mit ihm nach Preussen geflo- 
henen verwandten gezogen hatte, und als die winterkälte gewichen 
war, machte sich »herr Percy aus England« mit den seinigen auf, 
»nach Ritterswerder dem Witold zu hülfe zu ziehen«, wohin ihnen 
einige wochen zuvor ein junger mann vorausgegangen war, der we- 
gen „der auszeichnung, mit welchen er von den comthuren von Balga 
und Christburg aufgenommen worden war«, ferner wegen der angeb- 
lichen mission, einen frieden zwischen Polen und dem orden zu stände 
zu bringen, und endlich wegen der seltsamen Schicksale, die schon 
des jungen mannes wiege umgeben hatten , ihnen um so mehr auf- 
gefallen sein musste, als er ein wenn auch entfernter verwandter ihrer 
königin Anna von England war, und sie den roman seines lebens 
etwa zehn jähre zuvor schon in London zu hören , gelegenheit 
hatten. 

Dieser junge mensch, der damals etwa 22 jähre alt sein mochte, 
war jetzt bischof von Plozk, Heinrich mit namen, und ein söhn des 
herzogs Ziemowit v. Masowien. Sein vater war ein harter tyrann 
gewesen, den die kirche wiederholentlich wegen seiner gewaltthätig- 
keiten mit dem bann belegen musste. Mit den heidnischen Litthauern 
stand er auf gutem fusse und wahrte dadurch seine landesgrenzen 
vor schaden, gegen seine untergebenen aber war er meist ein wüthi- 
ger herrscher (maxime saeviens), der harte unerhörte und fast uner- 
trägliche leistungen vom adel wie vom volke heischte. Er liebte es, 



1) Wigand v. Marburg, p. 646. 



Die historischen elemente in Shakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen« 163 

grosse ausgaben und ausländem häufig glänzende geschenke zu 
machen. Im jähre 1381 (17. juni) kurz vor der zeit, da die deutsche 
kaisertochter Anna von Böhmen das elterliche haus verliess, um den 
thron Englands neben könig Richard zu besteigen, war er gestorben 
und hatte ausser zwei töchtern drei söhne hinterlassen, zwei aus 
erster ehe, und eben den erst genannten Heinrich von seiner zweiten 
gemahlin, die er ruchlos im gefängniss hatte erdrosseln lassen. Das 
war nämlich so zugegangen : 

Nachdem Ziemowit nämlich seine erste gattin Euphemia 
(12. febr. 1359) durch den tod verloren hatte und wittwer geworden 
war, erblickte er einst unter den damen am hofe des königs Carl 
von Böhmen, des deutschen kaisers, ein fräulein »von herrlichem 
antlitz und grosser körperschönheit», in die er sich sofort verliebte. 
Sie stammte aus hohem hause, denn sie war eine tochter des her- 
zogs Bolko von Münsterberg in Schlesien, und war dem kaiserhause 
verwandt. Ziemowit zögerte daher auch nicht, sie zu seiner gemahlin 
zu machen und liebte sie aufs zärtlichste, mit heisser empfindung und 
kam allen ihren wünschen bereitwillig entgegen. Es dauerte aber 
gar nicht lange, so ging unter den unterthanen des herzogs das ge- 
rücht, dass die herzogin diese liebe nicht erwidere , und sich ehe- 
brecherischen Umgangs mit andern schuldig mache. Aber keiner 
wagte dem herzog etwas davon zu sagen, bis denn doch einige leute 
der schwester Ziemowits und ihrem söhne Premislaus — welcher 
deutscher hofrichter und reichsverweser war — doch die angeblichen 
schandthaten der herzogin zutrugen, und durch sie erfuhr es der ge- 
kränkte gemahl bei einem aufenthalt in Schlesien. Eiligst kehrte er 
nach hause zurück, und sofort Hess er seine gemahlin im schlösse zu 
Rawa einsperren und bewachen, um vollgültigere beweise zu erlangen. 
Die damen, welche in ihrer unmittelbaren Umgebung waren, wurden 
mit den verschiedensten torturen gequält, aber keine konnte der her- 
zogin eine schuld nachsagen, keine wollte einen schimpf auf sie kom- 
men lassen. Die herzogin aber war schwanger gewesen, als man sie 
in den kerker warf, und nur deshalb hatte ihr wüthender gemahl sie 
geschont, bis sie geboren haben würde. Aber als sie darnach einem 
söhne das leben gegeben und noch einige wochen gelebt hatte, wurde 
sie von einigen dienstleuten auf befehl des herzogs selbst, den böser 
menschen rath berückt hatte, erdrosselt. Ueber diese unthat jedoch 
empfand der herzog einen unermesslichen schmerz, und so lange er 
lebte, hörte er nicht auf, seine reue darüber an den tag zu legen. 
Den mann aber, welcher dieses ehebruchs bezüchtigt und in Preussen 



164 J- Caro 

ergriffen worden war, Hess der herzog mit pferden schleifen und hier- 
nach aufhängen. Der von seiner unschuldigen mutter aber im ge- 
fängniss geborene knabe wurde von einer armen frau (paupercula) in 
der nähe von Rawa auferzogen. In seinem dritten lebensjahre mochte 
er stehen, als plötzlich zur nachtzeit zAvei reiter kamen und den 
knaben, so sehr die amme sich auch sträubte, aus der wiege nahmen 
und ohne zu sagen wohin, mit sich fortführten. Die reiter aber 
waren von einer der töchter des herzogs Ziemowit, von der herzogin 
Margaretha von Stettin abgesandt worden, um das unglückliche kind 
ihrer Stiefmutter zu holen. Sie sorgte nun dafür, dass ihr halbbruder 
eine standesgemässe erziehung erhielt. Da aber der heranwachsende 
knabe in seinen zügen immer mehr das bild seines vaters ausprägte, 
dem er „ganz ausnehmend" glich, so nahm ihn dieser mit ausser- 
ordentlicher liebe auf, und ihn den Wissenschaften widmend, be- 
stimmte er ihn für den geistlichen stand, und überwies ihm eine pfründe 
in seinem eigenen herzogthum. Als der erzbischof von Gnesen da- 
gegen Schwierigkeiten erheben wollte, rückte Ziemowit mit einem 
heere in das erzbischöfliche gebiet ein, zum schütz seines sohnes, 
der dank der mächtigen Verwendung seines vaters und seiner brüder 
bald zum bischof von Plozk befördert wurde. *) 

An der vollen historischen Wahrheit dieser erzählung ist nicht 
zu zweifeln, denn sie wird uns von einem der glaubwürdigsten, zeit- 
genössischen Chronisten, von dem vicekanzler könig Kasimir's des 
grossen von Polen erzählt, und ist in vielen einzelnheiten namentlich 
rücksichtlich der personen und ihrer verwandtschaftlichen beziehungen 
zu einander durch das noch vorhandene testament Ziemowit's , wie 
durch mehrere andere Urkunden zu erweisen. Den namen der traurig 
umgekommenen herzogin, dieses prototyps der Greene'schen Bellaria 
und der Shakspeare' sehen Hermione, nennt weder der chronist, noch 
ist er aus den Urkunden zu ersehen. Polnische genealogen nennen 
sie ganz willkürlich ohne begründung bald Elisabeth, bald Eudoxia, 
während sie in einer noch zu berührenden fortbildung des Stoffes im 
munde des volkes den namen Ludomila trägt, einen slawischen na- 
men, der in Schlesien nicht üblich war. Mag der name der heldin 
aber auch wie immer gewesen sein , jedermann wird auch ohne ge- 
nauere kenntniss von der grossen sachlichheit, bestimmtheit und 
glaubwürdigkeit unseres Chronisten den eindruck haben, dass nicht 
eine von den unzähligen ersonnenen findlingsgeschichten, wie sie 6eit 



*) Chron. Jan. z. Czarnkowa, Mon. Pol. II, 92. 



Die historischen elemente in Shakspeare's »Sturm -< und »Wintermährchen« ißt 

dem späteren mittelalter namentlich in der italienischen literatur häufig 
geworden sind, hier vorliegt, sondern ein historisches ereigniss, vor- 
gekommen unter personen von fleisch und blut, die uns noch durch 
anderweitige beziehungen bekannt sind. 

Dass aber die künde von diesem romantischen ereigniss schon 
in dem jähre, da Ziemowit starb, nach England gelangt sein kann, 
dafür liegt eine nahe Wahrscheinlichkeit vor. Wenn nämlich jene 
prinzessin von Münsterberg am hofe kaiser Carl's IV vor ihrer ver- 
heirathung gelebt hat, dann war sie jedenfalls, um nicht zu viel zu 
sagen, eine bekannte der töchter und gemahlin kaiser Carl's, und so- 
mit ein gegenständ ihres interesses. Unter diesen töchtern aber war 
Anna eben im jähre 1381 mit könig Richard II von England ver- 
heirathet und von Prag aus nach London unter begleitung der land- 
gräfin Elisabeth von Hessen geführt worden. Gesetzt aber auch, 
dass Anna, die königin, die romantischen Schicksale der Münsterber- 
gerin nicht gekannt hätte; gesetzt, die grosse zahl von böhmischen 
und schlesischen edelleuten, die seit dem moment der verheirathung 
Annas mit könig Richard nach England einwanderten, um dort ihr 
glück zu machen — war doch diese Zuwanderung, welche wegen der 
aufnähme wiklifitischer lehren durch böhmische unterthanen welt- 
historisch geworden ist, so stark, dass sie den Unwillen der englischen 
aristokratie erregte und zu regressiven parlamentsbeschlüssen führte 
— gesetzt, dass auch diese edelleute von jenem roman nichts zu er- 
zählen wussten, so kam doch einer aus anlass eben jenes ehebünd- 
nisses nach London, dessen genaue kenntniss der einschläglichen Ver- 
hältnisse und personen völlig ausser allem zweifei steht. Denn der 
procurator jener ehe, derjenige, welcher schon im Januar 138 1 nach 
London im auftrage könig Wenzels von Böhmen gekommen war 2 ), 
die Verhandlungen zu führen, die ehepacten zu schliessen , war nie- 
mand anders als eben jener Premislaus, der schlesische herzog, der 
neffe herzog Ziemowits von Masowien, der nebst seiner mutter zuerst 
von den über die herzogin umgehenden gerüchten künde erhalten, 
und zuerst dem eifersüchtigen gatten davon mittheilung gemacht 
hatte. Während seiner anwesenheit am englischen hofe (vom januar 
138 1 bis august 1382) war also sein oheim von Masowien, der eifer- 
süchtige wütherich (17. juni 1381) gestorben, und da die königin 
Anna erst im december 138 1 in Dover landete, so spricht die w.ihr- 



1) Pauli, Gesch. Englands TV, 584. — 2) Rymer VII, 2S2. 283. 290—297. 
301. 302. 305. 



i66 J- Caro 

scheinlichkeit dafür, dass sie oder die herren in ihrem gefolge ihm 
die nachricht davon brachten, wenn anders er sie nicht schon früher 
erhalten hat. Jedenfalls erlaubt dieses zusammentreffen die Voraus- 
setzung, dass der roman der prinzessin von Münsterberg und des 
herzogs von Masowien in England schon früher bekannt geworden 
ist, und können wir es auch nicht nachweisen, so ist es doch nicht 
gar so schwer zu denken, dass auch die jungen ritter Heinrich von 
Derby und Heinrich Percy oder leute aus ihrem gefolge davon 
kenntniss bekommen haben mögen. Man hat doch auch in jenen 
tagen bei festlichkeiten, bei hochzeiten und furnieren geplaudert, er- 
zählt und sich unterhalten von dem, was man erlebt hat, namentlich 
wenn es so piquant war, wie das, was der schlesische herzog mitzu- 
theilen wusste. Den namen des alten herzogs Johann von Lancastre 
wenigstens finden wir mit dem des Premislaus in einer Urkunde bei- 
sammen genannt. 

Wenn nun unter den zahlreichen Engländern, die sich im winter 
1391 — 92 dort im norden an der litthauischen grenze unter Percy's 
leitung aufhielten, einer war, der die Schicksale des jungen bischofs 
von Plozk, dieses namens, der schon ein romanheld im mutterleibe 
war, kannte, so kann man denken, mit welchem interesse der Jüng- 
ling von ihnen angesehen worden ist. Aber bald sollten sich seine 
Schicksale noch weiterhin so romanhaft verwickeln, und bald sollte 
er namentlich für die Engländer selbst eine so bedeutungsvolle Wen- 
dung der dinge herbeiführen, dass man sich nicht wundern dürfte, 
wenn ein sänger dieser kriegsfahrten ihm ein bedeutendes capitel in 
seinem epos gewidmet hätte. 

Bevor wir jedoch in der erzählung dieser dinge vorschreiten, 
möchte ich die aufmerksamkeit des lesers auf eine eigentümliche 
romanhafte ausbildung der erzählung des polnischen vicekanzlers 
richten, die sich in Masowien selbst durch den volksmund vollzogen 
hat. Sie findet sich in einer von Theodor Nasbutt, 2 ) einem litthauischen 
historiographen, aufgefundenen handschrift aus dem XVI. Jahrhundert, 
welche eine genealogie der masowischen herzöge nebst einigen bio- 
graphischen notizen enthält. Hier ist es, wo die zweite gemahlin des 
Semovit mit dem namen Ludomila bezeichnet wird. Und zu diesem 
namen fügt der alte Verfasser der handschrift eine längere anmerkung 
hinzu, die er selbst einen „excurs" nennt, und die ich hier wörtlich 
übersetze : 



1) Rymer VII, 292. — 2) Kleinere hist. Schriften, p. 292 ff. 



Die historischen demente in Shakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen* 167 

„In betreff der beispiellosen todesart der herzogin Ludomila 
machen wir einen besonderen historischen excurs, gestützt auf die 
angaben von Volksliedern, die in der gegend von Rawa von dem 
gemeinen volke gesungen werden, und geschichtlichen denkmälern. 
Semovit der alte, herzog von Masowien , hatte sich über die ritter 
des deutschen ordens in Preussen zu beklagen, und suchte eine 
rechtsentscheidung bei kaiser Carl IV nach. Am hofe dieses mo- 
narchen freundlich aufgenommen, erblickte er an der seite der kai- 
serin die tochter des herzogs Bolko oder Boleslaw von Münsterberg, 
Ludomila. Da er wittwer war, konnte er seinem verlangen nach- 
geben, und nahm sie im jähre 1372 (?) zur frau. Die dame war 
von seltener Schönheit, fröhlichen temperaments , musterhaft in jeder 
beziehung, wohlthätig, fromm, ohne stolz oder hoffahrt. Der herzog 
liebte sie grenzenlos, und sie hatte bei ihm jede freiheit in Vergnü- 
gungen ebenso wie in der Verfügung über die schätze. Als sie nun 
einst in Teschen war, gelang es einer person, die einen heftigen groll 
gegen die herzogin von Masowien gefasst hatte, der herzogin von 
Teschen (ihrer leiblichen schwester) und Przemyslaus, ihrem bruder 
(??) zuzuflüstern, dass Ludomila in unehelicher Schwangerschaft sich 
befinde, und sie wies sogar auf den mann hin, welcher der Urheber 
dieser fürstlichen schände sein sollte ; sie deutete auf den mundschenk 
des herzogs von Masowien, Dobek, einen sehr beliebten hofmann 
hin. Schliesslich kam das alles dem herzog Semovit zu ohren. 
Dieser, ein eifersüchtiger greis, beschloss in seinem zorne sich an der 
verdächtigten gattin und an ihrem Verführer zu rächen, schickte so- 
fort nach Plozk einen geheimen befehl, den mundschenk Dobek zu 
verhaften, und kehrte selbst so rasch als möglich mit seiner frau 
nach Masowien zurück, ohne jemandem etwas zu verrathen. Zu 
hause aber empfängt er die nachricht, dass jener Dobek entflohen 
wäre und versiegelte briefe an den herzog und die herzogin zurück- 
gelassen hätte. Aus diesen briefen ergab sich dass der mundschenk 
sich mit einem frommen priester, den er ein jähr zuvor in Pommern 
kennen gelernt, und mit dem er sich damals im geheimen verabredet 
hatte, auf eine wallfahrt zum heiligen lande begeben habe. Die 
damen aus der Umgebung der herzogin wurden nun herbeigeholt, 
grausam gefoltert, ausgefragt, aber sie sagten nichts anderes aus, als 
was aller weit bekannt war, nämlich, dass Dobek, als vertrauterund 
liebling des herzogs auch bei der herzogin in achtung stand. Die 
herzogin, eingekerkert im thurme des Schlosses zu Rawa, gebar nicht 
lange darauf einen söhn, der in der taufe den namen Heinrich er- 



168 J- Caro 

hielt. Einem seiner alten diener befahl der herzog das kind so un- 
terzubringen, dass niemand von demselben etwas wüsste. Die frau 
aber liess man durch kohlendunst im gefängniss ersticken. Mittler- 
weile aber erfuhr Salomea (Margaretha), die halbschwester Heinrichs, 
die herzogin von Stettin, alles, was vorgegangen war, kam an den 
hof ihres vaters, und forschte bei dem alten diener nach dem ver- 
steck des kindes. Endlich brachte sie aus ihm heraus, dass es Ver- 
stössen bei einer armen edelfrau sich befinde. Sofort liess die her- 
zogin mit hülfe zweier knappen den knaben des nachts ergreifen und 
mit sich fortführen. Damals war Heinrich noch nicht ganz drei 
jähre alt. Alles dies geschah ohne wissen des herzogs Semovit. Das 
siebente jähr war schon seit dem tode der Ludomila verflossen, als 
der herzog in erfahrung brachte, dass Dobek aus dem heiligen lande 
zurückgekehrt wäre und sich in Preussen aufhielte. Auf der stelle 
setzt Semovit alle mittel in beweg-ung, ohne das geld zu sparen, und 
lässt Dobek nach Masowien locken , und in ketten vor sich nach 
Plozk bringen. So wie er ihn erblickt, schlägt er mit einem streit 
kolben ihn auf den köpf, bereitstehende häscher reissen ihn weg, 
und im augenblick darauf ist er von pferden zerrissen. Aber dieser 
grausame Vorgang enthüllt die Unschuld sowohl der herzogin als auch 
des mundschenks, denn es offenbarte sich, dass Dobek ein verklei- 
detes frauenzimmer war. Aus weiteren nachforschungen ergab sich, 
dass diese dame die tochter eines geistlichen gewesen sei, die unter 
männlicher Verkleidung bei ihrem eigenen vater auferzogen wurde. 
Als sie dann später an den hof des herzogs Semovit gekommen war, 
verstand, sie ebensowol ihr geschlecht zu verbergen, als sich die 
gunst ihrer herrschaft zu erwerben. Als aber die herzogliche familie 
abwesend war, nahm jener geistliche sie mit sich nach dem heiligen 
lande, wo er gestorben ist. Sie aber kehrte nach Pommern zurück, 
wo sie ein geheimes testament ihres vaters vorfand und ihre fernere 
Stellung in erwägung zog. In dieser zeit lockte man sie verrätherisch 
nach Rypin (in Masowien) und brachte sie nach Plozk. Dieser Vor- 
fall bewegte den herzog aufs tiefste ; er erkannte seine Voreiligkeit, 
und furchtbar gequält in seinem gemüthe, begann er in seiner ge- 
sundheit zu verfallen. Während so gram und ungewissheit an ihm 
nagten, kam zu ihm der Franziscanermönch Rajmund aus Teschen, 
der ihm noch ein zweites geheimniss offenbarte. Die person nämlich, 
aus deren munde die Verleumdung der herzogin Ludomila hervor- 
gegangen, war bald nach dem tode jener fürstin in eine lethargische 
krankheit verfallen. Vor ganz kurzer zeit aber (die lethargie muss 



Die historischen demente in Shakspeare's »Sturm* und »\Vintermährchen-< 160 

also über sieben jähre angehalten haben) gewann sie ihre besinnung 
wieder, widerrief die Verleumdung, enthüllte die hässlichen beweg- 
gründe derselben, und in ihrer beichte auf dem todenbette verpflich- 
tete sie den Franziscaner alles dem herzog Semovit zu entdecken. 
Der fürst gestand, dass der mönch die Wahrheit rede, und setzte hinzu : 
»Sonst hätte nur der böse geist dir die dinge entdecken können, von 
welchen ausser mir und jenem Verleumder niemand etwas wissen 
konnte.« Dem Franziscaner gelang es, den moralischen schmerz des 
fürsten zu besänftigen, der nunmehr ein herrliches grabmahl seiner 
frau und dem von ihr geborenen söhne herstellen Hess. Alle kirchen 
erhielten gaben. Während dessen war aber auch jener alte diener 
aus kummer gestorben. Als er nämlich das kind dem vater zurück- 
geben wollte , und dasselbe nicht fand , vielmehr entdeckte , dass un- 
bekannte , bewaffnete leute es aus dem hause der edelfrau geraubt 
hatten, welkte er in wenigen stunden dahin. In dieser zeit aber be- 
suchte die pommerische herzogin Salome (Margaretha) ihren vater in 
Plozk zu seinem grossen tröste und setzte es bei ihm durch, dass er 
mit ihr nach Stettin reiste. Dort am eingang zu dem palaste seiner 
tochter wurde er von einem knaben, von überraschender Schönheit 
und herrlichem anstand begrüsst, der in zierlicher rede den würdigen 
gast willkommen hiess. Als der herzog über diese begegnung sich 
verwundert äusserte, nahm die herzogin den jungen Heinrich bei der 
hand und dem vater zu füssen fallend, entdeckte sie die ganze bege- 
benheit. Der herzog erkannte in dem söhne die lebhafte ähnlichkeit 
seiner eigenen züge, und fiel in eine grenzenlose rührung , und von 
diesem augenblicke an wurde Heinrich ihm der liebling unter seinen 
kindern. Da er über sein erbe schon zu gunsten seiner beiden altern 
söhne verfügt hatte und gott doch wegen seiner unerhörten grausam- 
keit gegen Ludomila und Dobieslawa (der weibliche name des Do- 
bek) versöhnen wollte, bestimmte er Heinrich zum geistlichen stände.« 
Für die art , wie die historie in sage übergeht , scheint mir, 
liefert diese erzählung ein sehr unterrichtendes beispiel. Natürlich 
sind Umbildungen solcher art von den mannigfachsten bedingungen 
des locals, der zeit, und namentlich auch von der zahl und begabung 
der erzähler abhängig, durch deren hände der Stoff gegangen ist. 
Eine andere gestalt wird ihm in der tradition masowischer barbaren 
verliehen , eine andere von einem englischen oder französischen 
romancier. Seltsam genug, wenn in der letzten redaction der volks- 
legende und in der letzten, durch den grössten dichter bewirkten re- 
daction des romans noch eine solche anzahl übereinstimmender mo- 



j-O J. Caro 

tive geblieben ist. Und gerade die hautpmomente, namentlich insoweit 
sie mit der wirklichen historie übereinstimmen, sind es nicht so sehr, 
welche in rücksicht auf das »Wintermährchen unsere aufmerksamkeit 
anregen, als vielmehr die kleinern nebenumstände: die enthüllung des 
geheimnisses durch den priester , was in Verbindung mit der ein- 
mischung der wallfahrt ins heilige land die erinnerung an das orakel- 
motiv (act. III, sc. i) erweckt. Auch Camillo war »ein mundschenk, 
den aus niederem stände ich (Leontes) hob« (act I, sc. i). Und wie 
der bar dem Antigonus die Schulter ausreisst und ihn ganz und gar 
zerfleischt (III, 3) fällt dem leser bei der zerreissung Dobek's durch 
die pferde ein. Auch hier geschieht, da der alte diener stirbt, eben 
als er das kind dem vater wiedergeben wollte , das , was der »dritte 
edelmann« mit den worten bezeichnet: »Alle Werkzeuge, welche 
zur aussetzung des kindes beitrugen, gingen gerade da unter, als das 
kind gerettet ward.« Insbesondere aber muss die vieljährige lethargie 
hier freilich der Verleumderin auffallen, da sie unwillkürlich an die 
von Paulina (V, 3) mit dem worte: »Dem tod vermach dein starr- 
sein!« bezeichnete Situation erinnert. Und nun gar das thun und 
eingreifen der herzogin Salome (Margaretha) , wer denkt da nicht an 
Paulina, für welche wenigstens in Shakspeare's nächster (?) quelle, in 
Greene's »Dorastus und Faunia« nicht der mindeste anhaltspunkt 
gegeben ist. 

Aber was halten wir uns mit den vergleichungsmomenten auf; 
fallen sie nicht von selbst auf, dann wird sie der Vortrag nicht ver- 
stärken. Suchen wir lieber die eigenthümlich in einander geschränkte 
lösung der beiden historischen ereignissgruppen zu gewinnen , bei 
welcher andauernd die Engländer zeugen und in gewissem grade 
betheiligte gewesen sind. 

Unter dem vorwand der friedensstiftung war der bischof v. Plozk 
vor den deutschen Ordensrittern erschienen, und da er erklärte, dass 
es dieser seiner absieht wesentlich Vorschub leisten würde , wenn er 
mit Witold zuvor darüber verhandeln könnte , so wurde ihm der zu- 
tritt zu demselben in Ritterswerder ohne jeden arg gewährt. Wer 
hätte auch arg haben sollen gegen diesen lebenslustigen und weltlich 
gesinnten jungen bischof-herzog von etwa 22 jähren? Wer hätte 
ahnen sollen, dass der romanheld von dem könige von Polen, dem 
die mächtige Unterstützung Witold's durch die europäische ritterschaft 
und dessen von tag zu tag ansteigendes ansehen in Litthauen selbst 
die heftigste unruhe bereitete, geheime antrage desselben an den 
exilirten vetter zu überbringen hätte? Wer hätte in dem weltfrohen 



Die historischen demente in Shakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen« 17 1 

jungen cleriker aus Masowien, das ein abendländischer minstrel der 
geographischen läge gemäss in das klangvollere »Trapalonien« J ) um- 
getauft haben mag, einen agenten Polens sehen sollen? — Es war 
zwar wahr, dass der Plozker etwas lange dort in Ritterswerder weilte, 
schon an die sechste woche. Aber was man von seinem treiben dort 
vernahm , schien seinen charakter als romanhelden nur noch weiter 
auszuführen, denn man berichtete von dorther ein, wie die preussischen 
Chroniken sich ausdrücken, »nie erhörtes ereigniss.« Der junge 
Plozker bischof fand nämlich ein mächtiges gefallen an Remigal 
(Ryngal), der Schwester Witold's, und entbrannte in heftiger liebe zu 
ihr. Ohne rücksicht auf den willen seines vaters, der ihn zu einer 
ganz andern laufbahn und zu einem andern stände bestimmt hatte, 
ohne rücksicht auf seinen stand — r- was kehrt die liebe sich an standes- 
vorurtheile und canonische gesetze — warf er das geistliche gewand 
ab, hielt um die hand der schönen Remigal an und wurde erhört 2 ). 
Wer hätte daran denken sollen, dass diese seltsamen hochzeitsfreuden, 
die dort in Ritterswerder gefeiert wurden, den schnödesten verrath 
verhüllten r 

Am wenigsten scheinen es die Engländer, wie sehr auch ihnen 
»das unerhörte ereigniss« aufgefallen sein mochte, geglaubt zu haben. 
Denn eben um die zeit des hochzeitsjubels in Ritterswerder hatten 
sie sich unter führung des edlen grafen Percy aufgemacht 3 ), um 
dorthin zu ziehen »als succurs für YVitold«. Auf dem wege aber, 
mitten in der »wildniss« 4 ), kam dieser ihnen schon entgegen, und rief 
ihnen — etwa wie Prospero seinem Ariel — zu: »sie möchten nur 
nach hause zurückkehren, er bedürfe ihrer hülfe nicht mehr, er ge- 
denke jetzt andere wege einzuschlagen«. — Die sache war, er hatte 
die ihm durch den bischof von Plozk überbrachten anerbietungen 
Jagiell'os angenommen. Die heidenfahrt der Engländer war zu nichte ; 
sie kehrten nach Königsberg zurück. 

Um dieselbe zeit, als Heinrich v. Derby auf seiner zweiten 
Preussenfahrt wieder an der baltischen küste ans land gestiegen war, 
stand Witold wieder vor seinem vetter, dem könige von Polen. Die 
uns erhaltenen Urkunden (vom 4. august 1392) zeigen die lösung des 
Schauspiels. Witold wurde wieder in das grossfürstenthum in Wilna 
eingesetzt und erkannte den könig von Polen als »sein lehnshaupt« 
an 5 ). Skirgal musste sich wieder mit seiner früheren bescheidenen Stellung 

1) Vgl. Greene's, Dorastus und Fannia: »Ich bin Meleagrus aus Trapalonien«. — 
2) Joh. v. Posilge, 179. Ann. Thorun. 182. — 3) Wigand von Marburg, 64S. — 
4) An der Szeszuppe. — S) Caro, Gesch. Polens III, in. 



172 J. Caro 

begnügen. Ein bruder Jagiello's, der sich diesen anordnungen wider- 
setzen wollte, wurde mit gewalt zur anerkennung derselben gezwungen. 
(Sebastian im /Sturm« 1) Und Witold sass auf seinem throne 38 jähre 
lang, und wurde einer der mächtigsten und einflussreichsten regenten 
Europa's im fünfzehnten Jahrhundert, mit welchem der könig Heinrich IV 
von England in mannigfacher correspondenz stand. — Dem bischof 
von Plozk aber war es übel ergangen. Sobald der abfall Witold's 
vom deutschen orden bekannt geworden, floh er mit seiner nach den 
bestehenden gesetzen unrechtmässigen gemahlin nach Suraz in Maso- 
wien. Die Ordensritter aber brachen in das Städtchen ein , und 
brannten es nieder, und der bischof von Plozk und seine gemahlin 
entkamen mit knapper noth nach Luck. Hier glaubte er sich sicher. 
Aber den jungen ehemann ereilte sein geschick, denn in Luck trank 
man ihm den giftbecher zu. Wer es gethan, das ist nicht bekannt 
geworden. Seine gebeine wurden in die fürstengruft nach Plozk 
gebracht '). 

Leider haben wir über die zweite Preussenfahrt Heinrich's 
v. Derby kein rechnungsbuch wie über die erste, und können nicht 
sagen, wie lange er sich dieses zweite mal in Preussen aufgehalten habe, wo 
ihm der aufenthalt, wie gesagt, durch die gewaltthat seines gefolges 
gegen den ritter Hans von Tergowitz peinlich geworden war. Von 
dem Chronisten Johann Capgrave 2 ) erfahren wir nur, dass er von 
Preussen durch Polen, gewiss nicht ohne den könig gesehen zu haben, 
nach Ungarn gezogen ; der herzog von Oesterreich (wol Wilhelm, der 
held des Hedwig-processes) sei ihm freundlich entgegengekommen; 
dann sei er über Venedig nach Candia, Rhodus und Jerusalem ge- 
reist ; von dort sei er über Cypern nach Pavia und Mailand gekommen, 
habe die gräber des heiligen Augustin, des philosophen Boetius, und 
Lionels, des ehemaligen herzogs von Clarence besucht, und sei dann 
endlich, von dem könige von Böhmen und deutschen fürsten nach 
Frankreich geleitet, nach seiner heimath wieder zurückgekehrt. Als 
er aber etwa sieben jähre später den englischen thron bestieg, so 
merkte der preussische ordenschronist 3 ) , dem wir gar viele einzeln- 
heiten für diese erzählung entnommen haben , in seinem buche an : 
und der herre von Lantkastel, von deme vor ist geschrebin, der vor 
jarin vor der Wille was , wart köning zu Engelant mechtig und ge- 
waltig; und schreib czu deme homeister und deme ganezen ordin, 



1) Joh. v. Posilge III, 179. — 2) Liber de illustribus Henricis ed. by Kingeston, 
p. 99 f. — 3) Joh. v. Posilge III, 234. 



Die historischen demente in Shakspeare's «Sturm« und »Wintermährchen« 17 X 

und danckte yn groslich aller czocht und erbarkeit, die sie ym hattin 
irczeyget, als her by yn was czu Pruszin, und wolde der woltat und 
erbarkeit nymmer vorgessin , die sie im und den synen lyplichen 
hettin irczeyget. 

Unsere erzählung ist damit zu ende. Wenn wir nun aber an 
die nutzanwendung gehen, so ist vor allem noch einmal mit nachdruck 
hervorzuheben , dass hier der nachweis der quelle zu den beiden 
Shakspear'schen mährchendramen keineswegs der beabsichtigte zweck 
ist, sondern dass es nur darauf ankommt, die vermuthung zu erhärten 
und wahrscheinlich zu machen , dass es in England in welcher form 
auch immer eine darstellung der Preussenfahrten Heinrich's von Derby 
und seiner genossen gegeben hat. An sich schon würde eine solche 
vermuthung mit vollem rechte einhergehen , denn das gewicht der 
persönlichkeiten , die zusammengedrängte masse romanartiger , oder 
wenn man will, epischer Vorgänge, die von romantik getränkte zeit 
ihrer erscheinung, somit also die aufforderung des Stoffes wie des 
colorits zu einer dichterischen Verarbeitung würden der annähme 
schon als geeignete stützen dienen können. Wie oft ist nicht der- 
gleichen in dem späteren mittelalter historischen Stoffen widerfahren, 
die ungleich weniger das anrecht auf eine poetische Verklärung in 
sich trugen. Das aber gestehen wir wol zu , dass die mannigfachen 
anklänge und oft frappanten Übereinstimmungen mit den mährchen- 
dramen des britischen dichters uns als weiterer, ja als der durch- 
greifendste anhaltspunkt unserer vermuthung gelten können. Shakspeare 
ist für uns daher nicht zielobject, wol aber das mittel des beweises. — 
In solchem gedankengang ist dann aber die frage nicht abzuweisen, 
wie es denn eigentlich bei dem gegenwärtigen stand der Shakspeare- 
forschung mit den meinungen über die quellen der mährchendramen 
bestellt sei. Für einen laien unter den eigentlichen Shakspeare- 
forschern darf wol die annähme gestattet sein, dass Simrock's erst 
vor fünf jahren in zweiter aufläge erschienenes buch >Die quellen des 
Shakspeare« den gegenwärtigen stand der ansichten bezeichnet. Dar- 
nach gibt es in rücksicht des »Wintermährchens« weder eine frage 
noch einem zweifei, insofern sich Robert Greene's »Pandosto, the 
triumph of time« oder »Das mährchen von Dorastus und Faunia« 
als augenscheinliche und unabweisbare quelle darbietet. Und es kann 
gegenüber dieser in die äugen springenden evidenz nun und nimmer- 
mehr meine absieht sein, Greene's erzählung aus dem besitz dieses 
Vorzugs drängen zu wollen, wenngleich die von Simrock über das 



i74 J- Car0 

verhältniss des Schauspiels zum mährchen* angestellte Untersuchung 
zeigt, dass die acten über die Ursprungsfrage doch noch keineswegs 
so endgültig geschlossen sind, als es den anschein hat. — Zunächst 
erfahren wir aus diesen bemerkungen, dass man eine zeit lang in England 
die meinung hegte, dass nicht das Schauspiel aus dem mährchen, 
sondern das mährchen aus dem Schauspiel geflossen sei — ein gegen- 
satz der behauptungen , welcher dadurch seinen abschluss fand, dass 
»dr. Farmer auf einem abdruck des Greene'schen mährchens die 
Jahreszahl 1588 entdeckte.« Mag nun der fund des dr. Farmer 
immerhin die zeitliche priorität des Pandosto vor dem >.< Wintermährchen« 
unzweifelhaft feststellen, so bleibt doch meines erachtens immer noch 
der bedenkliche anstoss , dass Shakspeare überhaupt eine dichtung 
Greene's bearbeitet haben soll, eines dichters, von dem wenigstens 
nach einigen anzeichen die Überlieferung sagt, dass er mit ihm nicht 
auf dem besten fusse gestanden habe. Dass Shakspeare gerade die 
dichtung eines zeitgenössischen rivalen und gegners zum Stoffe seines 
Wintermährchens gewählt haben soll, und zwar zu einer zeit, in welcher 
dieser selbst zwar schon gestorben, aber seine erzählung ganz bekannt 
war , das erregt doch wol einiges bedenken. Jedenfalls setzte das 
einen verzieht auf den durch die neuheit des Stoffes hervorgebrachten 
reiz voraus, der bei den hellenischen tragikern eher als bei Shakspeare 
angemessen erscheint. Unter dem druck dieser Schwierigkeit ist auch 
wol die von einigen ausgesprochene ansieht entstanden, dass das 
»Wintermährchen«' von Shakspeare schon in frühester jugend verfasst, 
und gegen den abschluss seiner schöpferischen thätigkeit erst in seine 
gegenwärtige form gebracht worden sei. Damit wäre die möglichkeit 
gewonnen, trotz dem von dr. Farmer gefundenen jähre 1588 dennoch 
Greene aus Shakspeare entlehnen lassen zu können. Allein abgesehen 
von der völligen willkür einer solchen Voraussetzung, ist es denn 
nicht eben so unwahrscheinlich, dass Greene aus dem dramaShakspeare's 
geschöpft habe, wie es bei dem gegenseitigen verhältniss der dichter 
bedenken erregt, dem Shakspeare ein stoffanlehn bei Greene zuzu- 
schreiben ? 

An die nahe liegende vermuthung einer beiden dichtem gemein- 
samen vorläge scheint nicht gedacht worden zu sein. Und doch, 
dünkt mich, deuten die neben den Übereinstimmungen zwischen er- 
zählung und drama sich zeigenden beträchtlichen abweichungen darauf 
hin. Denn mag man auch immerhin in der einfügung der figur der 
Paulina, in der erhaltung der Hermione, in der edleren charakterisirung 
des Leontes durch Vermeidung des ekelhaften motivs jener blutschände- 



Die historischen elemente in Shakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen* iye 

rischen anwandlung im Pandosto , u. a. m. nur die ungleich tiefere, 
feinere, durchbildende und reinere poesie Shakspeare's gegenüber der 
gezierten und blumenreichen brutalität eines Greene finden ; mag man 
die umwandelung aller namen auf irgendwelchen antrieb des geschmacks 
und des Wohlklangs zurückführen — aber mühe wird man haben, 
einen annehmbaren grund dafür aufzustellen, dass bei Shakspeare der 
eifersüchtige der könig von Sicilien, der besuchende und verdächtigte 
der könig von Böhmen ist , während bei Greene der eifersüchtige 
Pandosto der könig von Böhmen , und der verdächtigte Egistus 
der könig von Sicilien ist. Wäre es nicht ein bei Shakspeare 
undenkbarer pedantismus , wenn er in einer derartigen durch nichts 
geforderten abwandlung einen schein der Originalität zu erhaschen 
gestrebt hätte ? Würde er denn nicht , wenn er sich einmal auf ein 
derartiges gewerbe einliess , den pedanten der nachweit lieber die 
kopfschmerzen über die läge »Böhmens am meere« beseitigt haben? 
Auch Simrock hat diese geographische verirrung als völlig irrelevant 
angesehen, wobei er freilich in einen interessanten irrthum verfällt. 
»Böhmen, meint er, war aus Greene's novelle als Schauplatz der be- 
gcbenheit bekannt und wurde als solcher gleich am anfang der erzäh- 
lung genannt. Die anfange der überlieferten erzählungen, fährt er 
fort, sind für den bearbeiter feste punkte, an welchen er ungern rüttelt, 
weil sie stärker als alles andere im gedächtniss der leser oder zuhörer 
haften, deren Widerspruch er nicht herausfordern mag. « Und Simrock 
erweist das an einem analogon. Aber wenn man auch in der that 
sich den hier aufgestellten grundsatz aneignen wollte, dann hätte man 
herrn Simrock nur auf das übersehen aufmerksam zu machen , dass 
Shakspeare wirklich an Greene's Überlieferung gerüttelt hat, denn bei 
ihm ist der Schauplatz der begebenheiten eben nicht Böhmen, sondern 
Sicilien ; dann hätten wir dem Simrock'schen lehrsatz zu folge erst 
recht einen beweis dafür, dass Shakspeare einer anderen Überlieferung 
folgt, als derjenigen, die ihm Greene's novelle bot. — So gleichgültig 
im gründe genommen die localfragen sind, so möge doch die be- 
merkung erlaubt sein, dass auch sie aus den wirklich historischen be- 
gebenheiten ihre erklärung finden könnten. Wenn unsere hypothes« 
richtig ist, dass irgend ein romancier die Preussenfahrt der Engländer 
zum gegenständ eines romans gemacht, dessen weitere denaturirung 
uns in der novelle Greene's und im drama Shakspeare's vorliegt, 
dann würde auf diesem wege der abwandlungen der herzog Premislaus, 
der ankündiger der Übeln gerüchte über die heldin zu dem veran- 
lasser derselben geworden sein, und dabei könnte sehr wohl aus dem 



17 6 J. Caro 

king of Silcsia ein king of Sicilia geworden sein, denn die corruption 
des namens Silcsia und Sicilia ist in mittelalterlichen Schriften mehr- 
fach nachweisbar. Und was nun Masowien anbetrifft, so würde der 
vorausgesetzte romancier sich ganz streng an die historischen Verhält- 
nisse gehalten haben , denn die herzöge von Masowien betrachteten 
sich in der that zur zeit der Preussenfahrt der Engländer seit einem 
halben Jahrhundert und noch ein halbes Jahrhundert darnach als Va- 
sallen der römischen kröne, ein verhältniss, das erst 1460 endgültig 
gelöst wurde. Insofern dürfte HaliweU's vermuthung (bei Simrock 
a. a. o.) , dass die scene in irgend einer »dezendenz Böhmens« zu 
suchen sei , sehr wohl bestätigen , obgleich nun freilich auch diese 
dezendenz »nicht bis an die küste reicht.« Unserer hypothese gemäss 
darf die Verlegung der beiden in betracht kommenden länder über- 
haupt nicht wunder nehmen, da der maritime Charakter des ganzen 
Vorgangs durch die anknüpfung an ein in den rahmen einer Seereise 
gedrängtes abenteuer von hause aus gegeben war. Den stärksten 
anklang an Masowien aber finden wir in der stelle der Greene'schen 
novelle, wo Dorastus sagt: »ich heisse Meleagrus und bin aus ritter- 
lichem geschlecht, in Trapalonien geboren und erzogen«. Für einen 
Engländer war Masowien in der that Transpolonien. — Neben allem 
dem aber kommt meines erachtens der hypothese, dass die oben er- 
zählten historischen ereignisse , in denen heidenkampf und ritterthum 
den wesentlichsten kern bilden, den grundstock der fabel ausmachen, 
die einleitung der Greene'schen novelle weit entgegen , denn hier 
heisst es: »Ehe noch das christenthum in der weit erschienen war, 
regierte in Böhmen ein könig, Pandosto genannt, welcher mit einer 
prinzessin von ausgesuchter Schönheit und tugend, mit namen Bellaria, 
vermählt war, und so glücklich mit ihr lebte, dass die eintracht des 
königlichen paares allen ihren unterthanen zu sonderlicher erbauung 
gereichte. Nach dem ersten jähre ihrer ehe wurde Bellaria von einem 
söhne entbunden, der den namen Garrinter erhielt. Die nachricht 
von seiner geburt verbreitete jubel über ganz Böhmen, und der könig, 
sowol um seine eigene freude über dies glückliche ereigniss auszu- 
drücken , als den wünschen seines volkes zu begegnen , schrieb ein 
grosses turnier zu ehren des jungen prinzen aus, zu welchem, ausser 
seinen eigenen mannen und lehnsleuten , viel benachbarte könige, 
fürsten und herren herbeieilten , ihre tapferkeit und gewandtheit 
zu bewähren. — Endlich möge noch des interessanten umstandes er- 
wähnung gethan sein, dass Greene die gemahlin des Egistus, des 
königs von Sicilien, eine tochter »des kaisers von Russland«, sein 



Die historischen elemente in Shakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen« 177 

lässt, was Shakspeare der von ihm vorgenommenen vertauschung 
entsprechend auf die gemahlin des Polyxenes hätte übertragen müssen, 
aber er lässt vielmehr Hermione , die heldin , eine russische kaiser- 
tochter sein, aber auch dieser beiden dichtem gemeinsame zug fällt 
keinesweges aus dem bezirke desjenigen locals , in welchem die 
zu gründe liegenden begebenheiten sich abgespielt haben. Im Zu- 
sammenhang damit steht wol diejenige abweichung des dramas von der 
noveüe, durch welche Shakspeare seinem gegenständ den borealischen 
charakter gewahrt, oder vielmehr erst aufgedrückt hat, auf welchen 
der titel hindeutet , und durch welchen das drama ein echtes mähr- 
chen aus dem norden geworden ist. Während Greene nämlich die 
aussetzung des im gefängniss geborenen kindes dadurch bewirkt 
werden lässt, dass man es auf befehl des königs »in ein boot setzt, 
bedeckt mit zweigen, um es vor dem unglimpf des wetters zu 
schützen, und es in die see stiess, als sich eben ein gewaltiger stürm 
erhoben hatte« — — also ungefähr wie Prospero der Miranda seine 

aussetzung schildert lässt Shakspeare bei dieser unthat Paulina's 

gatten, Antigonus, in jener wunderbar nordischen und winterlich 
colorirten bärenscene zum opfer werden, für welche bei Greene nicht 
der mindeste anhaltspunkt , wol aber in den historischen ereignissen, 
wie oben schon angedeutet , zu finden ist. Vielleicht lohnt es sich 
noch anzumerken, dass für Shakspeare Russland, überall wo er es 
erwähnt — das land der baren ist. 

Ungleich freier ist für uns die bahn in betreff des »Sturms«, in- 
sofern bis jetzt eine irgendwie wahrscheinliche , unmittelbare quelle 
nicht nachgewiesen ist. Wie auch immer es sich mit der angezwei- 
felten ballade »The inchanted island« verhalten mag, jedenfalls kann 
sie doch nur mit demjenigen theile des dramas zusammengehalten 
werden, der dort nur als episode und ingredienz fungirt, d. i. mit 
dem zauberspuk , und hat im besten falle keine viel höhere bedeu- 
tung als quelle für das drama, als die bekannte beschreibung einer 
neu entdeckten insel bei Montaigne I, 10, welche Shakspeare fast 
wörtlich dem Gonzalo in den mund gelegt hat. Ebenso wenig braue! I 
irgendwie in abrede gestellt zu werden , was Douce als vermuthung 
aufgestellt, und was wir selbst noch bald näher zu beleuchten haben 
werden, dass die gleichzeitigen berichte über die neuesten Seereisen 
und die entdeckung der Bermudas-inseln (sie werden act 1 . sc. 2 
ausdrücklich als sehr fern liegende erwähnt) von grossem einfluss auf 
die darstellung unseres autors gewesen sein mögen. Der dichter knüpfte, 
so drückt Gervinus sich aus, um das stück desto lebendiger zu 

Kölbing, Englische Studien. II. 1. 12 



i7 8 J. Caro 

machen, an ein ganz neues ereigniss an, das die londoner weit be- 
schäftigt hatte. Im jähre 1609 war Sir George Sommers mit neun 
schiffen nach Virginien abgegangen; ein stürm trennte die schiffe, die 
zum theil Virginien erreichten, zum theil 16 10 nach England zurück- 
kehrten und die nachricht von dem wahrst heinlichen Untergang des 
ad miral schiffes (Sca-Venture) brachten, das aber zu den Bermudas- 
inseln gelangt war. Im jähre 16 10 erschien von Silvester Jourdan 
eine kleine schrift , »Entdeckung der Bermudas-, sonst Teufelsinseln 
genannt«, worin der stürm beschrieben war, der das admiralschiff 
abgetrennt hatte. Das schiff war leck geworden, die matrosen waren 
über dem pumpen ermüdet, zum theil in schlaf gesunken und hatten 
schon abschied von einander genommen, als Sommers land erblickte 
und das .schiff zum glück zwischen zwei felsen geklemmt wurde; die 
inseln fanden sie unbewohnt , die luft mild , das land übermässig 
fruchtbar; man hatte diese eilande früher immer für bezaubert ge- 
halten ; ihrer steten stürme wegen , auf die auch Shakspeare anspielt, 
hatte sie schon Raleigh (1596) verrufen. Man sieht aus diesen stellen 
hinlänglich, dass Shakspeare einzelne züge in seinem »Sturm« diesem 
berichte entlehnt hat, und es ist glaublich genug, dass er zu der 
ganzen composition den anlass davon nahm. Man kennt sonst keine 
quelle zum »Sturm«. Also auch nur vanknüpfung« und ^einzelne 
züge«. Auch alles das, was Simrock zum behufe des nachweises 
von anklängen an deutsche mährchen heranzieht, und was zum theil 
recht sehr herangezogen ist , betrifft doch allerwärts nur die 
partie der Zauberei. Aber immer bleibt doch die hauptsache der 
fabel, der von seinem herrschersitz mit seiner tochter von seinem 
bruder verdrängte fürst, welcher endlich durch eben den lehnsherrn, 
unter dessen mitwirkung seine entthronung erfolgt war, wieder restituirt 
wird, während seiner tochter glück durch eine erwünschte ehe und 
eine kröne sich vollendet. Davon ist denn doch weder »in der be- 
zauberten insel noch bei Montaigne, in den Seereisen und entdeckungs- 
schilderungen , noch auch in den mährchen« die rede. Nur allein 
von allen vorgeblichen quellen Jacob Ayrer's komödie von der 
schönen Sidea hat auch zu diesem kern der fabel ein verhältniss, 
das allerdings nicht stich hält, wenn man davon ausgeht, die deutsche 
comödie für Shakspeare's directe quelle ansehen zu wollen, was sich in 
Simrock's analyse ausreichend schon zeigt, das aber für unsere these, 
wie oben schon auseinandergesetzt ist, eine viel beweisende bedeutung 
gewinnt, wenn man dem fast unabweislichen gedanken an eine ge- 
meinsame quelle des englischen wie des deutschen drama's sein recht 



Die historischen demente in Shakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen* I7Q 

einräumt. Und meine vermuthung geht darauf hinaus, dass es eben 
der roman, oder das epos oder die ballade war, welche die Preussen- 
fahrt Heinrichs v. Derby und des Percy erzählte. 

Völlig gefasst bin ich auf die sentimentale gegenrede wider diese 
vermuthung, dass alle jene mehr oder weniger zuzugebenden Überein- 
stimmungen zwischen historie und dichtung denn doch nur wieder 
den allumfassenden, weltumspannenden gedankenflug des dichters er- 
kennen liessen, welcher die öfter sich wiederholenden erscheinungen 
der geschichte in sichern typen bis zu immer wieder bestätigter und 
überall anwendbarer Wahrheit ausgearbeitet hat. Ganz gut; wol 
wiederholen sich die züge der hier vorliegenden handlung oft genug 
in der geschichte, aber man weise nur erst ein gleiches mass von 
Übereinstimmungen, so wie hier in einem einzigen rahmen zusammen- 
gefasst, nach, und zwar in einem rahmen, der nicht von irgendwelchem 
subjectiven gedanken gebildet, sondern in der historischen materie 
selbst begründet ist — dann würde allerdings der hier aufgestellten 
hypothese der rechtsanspruch entzogen werden. Und auch das ist 
vorauszusehen , dass sich aus einem gewissen — wie soll ich nur 
gleich sagen — aus einer art von racengefiihl die vorwiegend in 
Deutschland und England sich findenden Shakspeare-forscher dagegen 
sträuben werden , die prototypen der leuchtendsten und herrlichsten 
gestalten des dichters in einer geographischen zone suchen zu sollen, 
wohin bis jetzt noch niemals ein strahl ihrer Sympathie gefallen ist. Aber 
vielleicht führte doch gar dieser ästhetische Widerwille zu einer Ver- 
nachlässigung culturgeschichtlicher momente aus der lebensepoche 
Shakspeare's, die, so sehr sie auch für das ihm zeitgenössische und 
ihn umgebende geschlecht von Wichtigkeit und einrluss waren, doch 
in Vergessenheit kamen, als sie von einer veränderten richtung und 
von einem ungleich reichern inhalt überflogen wurden. Es sei ge- 
stattet, dies durch einige bemerkungen und erinnerungen zu erläutern. 

Von allen dramen Shakspeare's hat keines einen so ausgeprägt 
maritimen oder nautischen Charakter wie der »Sturm« und das 
»Wintermährchen«, die beiden recht eigentlichen mährchendramen. 
Schon dieser eine umstand, dessen erweis einen weitgehenden auszug 
der dichtungen erfordern würde, der aber auch ohnehin sich schon 
dem leser aufdrängt, gibt ihnen einen Zusammenhang, der von vorn 
herein auf eine identität der Stimmung, in welcher sie erzeugt wurden, 
mit bestimmtheit hindeutet. Nun ist es ja bekannt, dass diesem 
innern gründe für die annähme der gleichzeitigkeit ihrer entstehung 
die äussern vollkommen entsprechen. Nach Cunningham's »Auszügen 



180 J- Caro 

aus den rechnungen der hoffestlichkcitcn« ist »der Stürmt am 
i. november 1611 in Whitehall vor dem könige aufgeführt worden, 
und nach einer von Malone gefundenen notiz hat das » Winter- 
mährchen« von Sir George Bück zuerst die licenz zur aufführung er- 
halten, der sein amt als master of the revels im october 16 10 an- 
getreten hat; am 15. mai 161 1 sah dr. Forman das stück im Globe; 
zwischen beiden daten muss es entstanden sein, gleichzeitig mit dem 
stürm. In Whitehall wurde es am 5. november 161 1, vier tage nach 
dem Sturm, aufgeführt. »In Shakspeare's quelle zu dem Winter- 
mährchen, setzt Gervinus, dem wir diese notizen entnehmen, hinzu, 
ist die aussetzung Perdita's auf's meer sehr ähnlich der aussetzung 
Miranda's und ihres vaters im Sturm geschildert : der dramatiker 
wich hier in seiner darstellung ab, um sich nicht zu wiederholen«. 
Eine andere begründung ist oben angedeutet worden. Auch die 
beissende bemerkung Ben Jonson's in seiner Bartholomew fair, die 
Gervinus anführt, fasst die beiden stücke als »Drolleries« in einem 
griff zusammen. Am unzweideutigsten aber würde nur gar ihr Zu- 
sammenhang hervortreten , wenn es sich bestätigen sollte , dass sie 
beide aus einer zusammenhängenden quelle, aus einer Schilderung der 
Preussenfahrt hervorgegangen sind. Die bemerkung Douce's aber 
über den einfluss der neuesten Seereisen auf die entstehung des 
»Sturm« ist demnach auf beide dramen auszudehnen. Beide dramen 
liegen also in der Sphäre der entdeckungsreisen. Wenn aber xon 
solchen die rede ist, dann richtet sich der blick unserer zeitgenössischen 
forscher gemäss der entwickelung und der unermesslichen erfolge der- 
selben in einer späteren epoche auf der stelle nach westen, nach den 
transatlantischen gebieten, und ein Douce und Gervinus können 
glauben, dass eines Silvester Jourdan kleine schrift über die Bermudas 
unmittelbar nach ihrem erscheinen bis in die kreise der Schauspieler 
und dichter mit packendem interesse dringen konnte. Das aber ent- 
spricht dem stand der dinge in der epoche Shakspeare's keinesweges 
vollkommen. Wenn man in der zweiten hälfte des sechzehnten Jahr- 
hunderts und im anfang des siebzehnten in England von entdeckungs- 
fahrten sprach, dann richtete sich die Vorstellung nicht nach westen, 
sondern nach osten , und zwar ganz speciell nach Russland 1 ). Seit 
dem jähre 1553 bestand in London die sogenannte russische handels- 
compagnie zur ermittelung neuer überseeischer abzugswege für die 
einheimischen ausfuhren, und Sebastian Cabot, der von der kröne 



1) Vgl. Peschel, Gesch. d. erdkunde, p. 286 ff. 



Die historischen elemente in Shakspeare's »Sturm« und »Wintermährchen* i3i 

eingesetzte vorstand derselben, hatte den folgenreichen rath zur auf- 
suchung eines nördlichen seewegs nach China ertheilt. Schon bei der 
ersten ausführung desselben unter Sir Hugh Willoughby ereigneten 
sich solche scenen unter ungleich eindrucksvolleren umständen, wie 
sie Sir George Sommers bei den Bermudas begegneten. Und auf 
Sir Hugh Willoughby folgte Chancellor, der mit den erstaunten 
Russen, die noch nie grössere schiffe gesehen hatten , in freundliche 
berührung trat; und auf Richard Chancellor folgte Master Stephen 
Burrough, der die erdkunde mit der ältesten Schilderung der Samojeden 
bereichern konnte, aus welcher hundert züge auf Caliban passen ; und 
auf Stephen Burrough folgte Thomas Jenkinson, der gar nach Moskau 
und dem neu eroberten Astrachan gekommen und bis nach Bochara 
gedrungen war. Schiffe der londoner compagnie fuhren fortan die 
Wolga hinab und das kaspische meer hinauf bis nach Persien. Aber 
damit waren die eiswüsten des nordens, in denen man noch immer 
die möglichkeit einer durchfahrt nach China vermuthete , nicht auf- 
gegeben. Im jähre 1580 sandte man »mit gespannter erwartung« unter 
Arthur Pet und Charles Jackmann zwei schiffe der russischen handels- 
gesellschaft nach Chatai aus. Und als in London im jähre 1598 die 
grosse Sammlung Hakluyt's , The principal navigations erschien, 
mit all den nachrichten der entdeckungsreisenden und der von der 
kröne an den zaren von Russland abgeordneten gesandten ; als alle 
die berichte eines Chancellor, Jenkinson, Bajus, Randolph und Horsey 
veröffentlicht wurden, da erschloss sich für dichter und erzähler, für 
neuigkeits-lüsterne und »kuriose« leser ein panorama von Wunderlich- 
keiten, neuheiten, Seltsamkeiten, dessen Schauplatz Russland war, und 
vor dessen eindruck jedenfalls das zehn jähr später gekommene be- 
scheidene abenteuer Sir George Sommers verschwinden musste wie 
das summen der bienen vor dem getöse des donners. Es ist nicht 
zuviel gesagt, wenn man annimmt, dass im Zeitalter Shakspeare's in 
England das interesse für Russland und die Russen ebenso gross 
und allgemein war, als im achtzehnten Jahrhundert für Amerika und 
die Amerikaner. Man musste in der that annehmen, dass Shakspeare 
ausserhalb der interessen seiner zeit und Umgebung stand, wenn man 
glaubte, dass er von diesen die kröne , den hof und die handelsweit 
bewegenden dingen, welche sich noch durch die ankunft russischer 
kaufleute in London ganz unmittelbar vor die äugen drängton, nicht 
berührt worden wäre. 

Aber gesetzt auch, dass die litteratenkreise Londons dieser seite 
des öffentlichen interesses an sich ganz fern gestanden hätten , so 



182 J- r - u " 

vermögen wir doch wenigstens einen (anal zu bezeichnen, durch 
welchen ihnen nachrichten und theilnahme für Russland und russische 
dinge zugeführt sein können. Einer der gesandten nämlich , durch 
welche die Verhandlungen der königin Elisabeth mit dem zaren Iwan 
Wassiljewicz geführt wurden, war der kanzler Giles Eletcher (1588), 
der bruder des bischofs von London , der oheim des dramatikers 
John Fletcher, und der vater des Verfassers von »The purple Island« 
und anderer dichtwerke. Diese letzteren sind mir nicht zur hand, 
und ich kann daher nicht sagen , wie viel von den reiseeindrücken 
seines vaters sich auch in den dichtwerken des sohnes abgesetzt 
hat. Von dem neffen Giles Fletcher's aber, von dem nacheiferer 
und nachfolger Shakspeare's , besitzen wir ein drama, The loyal 
subjeet, das in Russland spielt, und nach Moritz Rapp's Cha- 
rakteristik von einer so ausserordentlichen naturwahrheit in der 
Schilderung der nationalen eigenthümlichkeiten der Russen belebt ist 
(Boris ist der name des helden), dass Rapp die vermuthung ausspricht, 
er möchte wol aus Russland, aus den Wladimir -liedern geschöpft 
haben. Rapp übersah, dass John Fletcher in seinem oheim eine 
quelle besass, die ihn der mühseligen reise, von der man doch sonst 
etwas wissen müsste, überhob. Hier bietet sich aber jedenfalls ein 
schlagender beweis , dass die kenntniss von Russland und russischen 
dingen in die litteratenkreise gedrungen war, und wie hätte es auch 
anders sein können, da ja Giles Fletcher selbst denselben angehörte. 
Im jähre 1 591 war sein buch: Of the Russe common - wealth , in 
London erschienen, jenes meisterhafte tablau des russischen despoten- 
reichs, das neben Herberstein' s »Commentarien« zumeist die Völker 
der lateinischen kirche mit dem Moskowiterstaat bekannt gemacht 
hat. Es war der königin Elisabeth gewidmet. Und so ausserordent- 
liches aufsehen hatte diese ungeschminkte darstellung der regierung 
Iwans des schrecklichen gemacht, dass die londoner russische handels- 
compagnie in der besorgniss , der russische hof könnte sich beleidigt 
fühlen und seinen zorn die englischen kauffahrer entgelten lassen, 
eine klage wider Fletcher beim lord schatzkanzler einreichte und die 
Unterdrückung des buches seitens der regierung durchsetzte. Erst 
die verstümmelten spätem ausgaben durften frei passiren. 

Nach allem dem aber wird man wol zugeben müssen, dass auch 
Shakspeare, sei es durch das allgemeine gespräch, sei es durch Flet- 
cher's buch und die Hacluyt'sche Sammlung über das hervorragendste 



1) Studien über das englische theater, p. 73. 



Die historischen demente in Shakspeare's »Sturm» und »Wintermährchen« jg^ 

der ungeschlachten, an die vorchristlichen zeiten des abendlandes 
erinnernden Vorgänge im russischen reiche unterrichtet sein konnte. 
Und welchen eindruck musste auf einen feurigen und phantasievollen 
geist die gestalt eines Iwan des grausamen machen, der die Neronen 
und Caligula an blutdurst und cäsarentollheit überragt. Heben wir 
aber nur einen punkt hervor. Sieben mal war dieser brutale tyrann 
vermählt; seine letzte gemahlin Maria trug ihr erstes kind noch unter 
dem herzen und lebte noch an seiner seite, als er daran dachte, eine 
vornehme Engländerin , eine verwandte der königin Elisabeth , Maria 
Hastings zu heirathen , vorausgesetzt, dass er die bürgschaft erhält, 
dass sie gross, wohlbeleibt und weiss ist. Elisabeth will von dieser 
Opferung ihrer verwandten nichts wissen , aber der lüstling auf dem 
zarenthrone kommt noch in seinem letzten lebensjahre auf diesen 
heirathsplan zurück , obwohl ihm Maria , seine gemahlin, inzwischen 
einen söhn geboren hat , der den namen Demetrius erhielt. Seinen 
ältesten söhn hatte der tyrann in einem anfall von zorn ermordet, 
weil dieser ihm bittere vorwürfe wegen misshandlung seiner schwangern 
gemahlin gemacht hatte. Als nun aber der tod den schrecklichen 
zaren ereilt hatte , wurde die wittwe Maria sammt ihrem kinde De- 
metnus in das weit entlegene Ughtsch geschickt , wo sie still und 
zurückgezogen lebte. Inzwischen war Fedor auf den thron gelangt, 
der sich nach Fletcher's malerischem bericht um die regierung grade 
so viel kümmerte , als Prospero um die regierung in Mailand. Das 
überliess er seinem Schwager Boris Godunow, während er selbst von 
einer messe zur andern , von einem kloster zum andern , von einer 
geistlichen Übung zur andern ging. Bis zur narrheit abergläubisch 
und in geistlichen Übungen untertauchend , schickte er die suppli- 
canten, die an ihn sich wandten, zu Boris; der verstand es gar bald, 
wie man gesuche gewährt, wie abschlägt; wen man muss erhöhen 
und wen als üppigen schössling fällen. Dass nun für Boris aber, 
der bald der unumschränkte herrscher selbst sein wollte, jener in den 
einöden von Uglitsch bei seiner mutter weilende Demetrius der ge- 
fährlichste schössling war, gibt Fletcher ausdrücklich an ; und alsbald 
schickte auch der reichsverweser seine mörder nach Uglitsch aus, 
liess den prinzen ermorden, und die mutter als nonne einkleiden und 
in das wüste kloster Wyska, jenseits des Beloczero bringen. Fedor 
starb sieben jähre später, und Boris bestieg den xarenthron. Schon 
hatte er sechs jähre lang das seepter geführt, da erscholl plötzlich 
der ruf durch alle lande: Demetrius, der in den einöden ermordete 
ist nicht todt; er lebt, und mit einer polnischen Jungfrau an seiner 



184 J* Caro, Die hist. demente in Shakspeare' s »Sturm« u. »Wintermährchenc 

scitc, mit Marina, zog er heran, um den thron seiner väter von dem 
Usurpator zu fordern. Das weitere kennt jeder. 

Wenn es gelungen sein sollte, die- Überzeugung zu erwecken, 
dass diese Vorgänge in England allgemein bekannt und besprochen 
wurden, dann wird man sich dem gedanken nicht verschliessen 
können , dass Skakspeare diesen Verhältnissen , in denen wesentliche 
und besonders eindrucksvolle motive aus dem »Sturm« und Winter- 
mährchen« enthalten sind, seine anregung verdankt. Aber nur eben 
die anregung, nicht den Stoff. Denn beides will scharf unterschieden 
sein. Wie in der historischen erscheinung anlass und Ursache genau 
von einander zu halten sind, so bei dem poetischen werke anregung 
und fabel. Ist es denn nicht erlaubt zu denken , dass der drama- 
tische dichter unter dem eindruck der um ihn her erzählten und be- 
sprochenen Vorgänge aus einer fremdartigen weit sich eines romans, 
eines epos, einer ballade erinnert, welche erzählen, wie einst die 
lieblinge seiner seele, Heinrich von Derby und Heinrich Percy, 
auf einer romantischen heidenfahrt in dieselben gegenden gekommen 
sind und dinge erlebten, die den zeitgenössischen so ungemein ähnlich 
sind, und dieselben züge, in derselben verschränkung zeigen? Und 
hierbei möge an zwei umstände noch erinnert werden. Nirgends 
macht Shakspeare sich so viel mit balladen zu schaffen, als im 
vierten und fünften act des »Wintermährchens«. Antolycus hat »die 
artigsten balladen, gedruckte, lustige, traurige, von mittwoch den 
achtzigsten april, und solche, die die aufmerksamkeit so fesseln, dass 
kein gehör, kein gefühl mehr übrig bleibt« ; und »so viel wunder- 
bare dinge sind in dieser stunde zum Vorschein gekommen, dass es 
nicht balladenmacher genug gibt, sie zu besingen«, und weiterhin 
wird gradezu an »ein altes mährchen« erinnert. Der andere umstand 
aber ist, dass Shakspeare von den wallfahrten Heinrich's v. Derby 
kenntniss gehabt zu haben scheint, obgleich sein Holinshed es ihm 
nicht sagte, denn am schluss des dramas »König Richard der zweite« 
lässt er Bolingbroke sagen: »Ich will die fahrt thun in das heilige 
land, dies blut zu waschen von der schuldigen hand«, und die ersten 
schönen worte könig Heinrich's (in Heinrich IV., erster theil) : 

Darum Freunde, 
So weit hin bis zur grabesstäte Christs, 
Dess krieger nun, mit dessen heil' gern kreuz 
Wir sind gezeichnet und zum streit verpflichtet, 
Woll'n wir ein heer von Englischen sofort 
Ausheben, deren arm im mutterschoss 
Geformt schon ward, zu jagen jene heiden 



Ed. Tiessen, Beiträge zur feststellung und erklärung des Shakspearetextes j g e 

Im heil' gen lande, über dessen hufen 
Die segensreichen füsse sind gewandert, 
Die uns zum heil vor vierzehnhundert jähren 
Genagelt wurden an das bittre kreuz — 

sowie die thatsache, dass »Heinrich Percy's angriff auf Archibald, 
den immer tapfern und gepriesenen Schotten zu Holmedon das 
geschäft zum heiligen lande abbrach«, versetzen uns sofort in den 
kreis der dinge, die den gegenständ unserer oben gelieferten erzählung 
bilden. Berechtigtere forscher als ich werden vielleicht »die Über- 
einstimmung in den beweisen« hier und dort abschwächen oder stärken, 
aber immerhin dünkt sie mich zu gross, um ganz unberücksichtigt 
abgewiesen zu werden. Am glücklichsten freilich wäre es, wenn die 
darstellung der Preussenfahrt Heinrich's von Derby, auf welche sich 
unsere vermuthung richtet, in der that gefunden würde. 

Breslau, märz 1878. 

J. C a r o. 



BEITRÄGE ZUR FESTSTELLUNG UND ERKLÄRUNG DES 
SHAKSPEARETEXTES. 



Von diesen beitragen, die sich an die vierte aufläge der Shak- 
speare-ausgabe des professors Delhis anschliessen, sind einige im vori- 
gen jähre in Herrigs Archiv erschienen. Ich veröffentliche jetzt hier 
eine neue folge derselben. 



Love's Labours Lost. 

Im hinblick darauf, dass ein anderes Shakspearesches stück den 
titel Love's Labours Won geführt hat, dürfte eher Love's La- 
bours Lost als Love's Labour's Lost zu schreiben sein. 

Der entstehungszeit nach steht das stück ohne tweifel in engster 
Verbindung mit Romeo and Juliet; die Übereinstimmung der an 
coneepten und antithesen reichen spräche, der charaktex Birons und 



j36 '-''• Tiessen 

Mercutios, und zahlreiche Wechselbeziehungen im text beider stücke 
sprechen dafür. Erinnert sei an die anspielungen auf King Co- 
phetua, auf das wegcrichblatt als heilmittel für ein verletztes Schien- 
bein, an den refrain: An I cannot, another can, in parallele 
mit dem : And i f T cannot, T ' 1 1 find th o s e t h a t can, der 
amme; — alles ideenverbindungen mit gedächtnisseindrücken von 
offenbar flüchtiger natur, mithin um so mehr auf eine gleichzeitige 
coneeption der beiden dichtungen hinweisend, wenn diese auch nicht 
gleichzeitig zur Vollendung gediehen sein mögen. Immerhin werden 
wir die reifezeit beider stücke in die jähre 1501 bis 1593 setzen 
dürfen, und zwar halte ich dafür, dass Romeo and Juliet von 
vornherein die gestalt gehabt hat wie in der Quarto von 1599; die 
von 1597 halte ich für eine aufzeichnung nach dem gedächtniss, 
ähnlich wie die erste Hamletquarto , durch einen menschen von ge- 
ringer bildung und namentlich von ungebildetem gehör , unfähig, die 
innere musik Shakspearescher verse zu erfassen, durch die der dichter 
in seiner unmusikalischen nation fast einzig dasteht. 

Zu Love's Labours Lost zurückkehrend, möchte ich darauf 
aufmerksam machen , dass der sophist , dem Grandgousier die er- 
ziehung Gargantuas anvertraut, Thubal Holoferne heisst. Sollte 
Shakspeare den namen seines pedanten daher genommen haben? 

A. I. sc. 1. When, spite ofcormorant devouring time, 
Delhis meint, cormorant-de vouring sei vielleicht als compo- 
situm zu fassen, schlingend wie ein rabe. Cormorant-devouring 
würde aber wörtlich heissen : einen seeraben verschlingend. 

Ibid. If study's gain be thus, and this be so, 

Pope's emendation this für thus gehört unstreitig in den text. 

Ibid. Than wish a snow in May 's new-fangled shows; 
Da die reime hier alterniren und ein reim auf b i r t h gefordert wird, 
ist shows unbedenklich durch mirth zu ersetzen. 

Ibid. of many a knight 

Frora tawny Spain, lost in the world's debate. 
Lost in the world's debate heisst gewiss nichts anderes als : 
von dem in der weit nicht mehr die rede ist, ziemlich übereinstim- 
mend mit Johnsons erklärung, welche D. für weniger plausibel hält, 
als die wunderbar weit hergeholte annähme Warburtons, the world's 
debate beziehe sich auf die kreuzzüge, in denen die fabelhaften 
helden der spanischen ritterbücher umkamen. 



Beiträge zur feststellung und erklärung des Shakspearetextes 187 

Ibid. It may beso, but if he say, it isso, heis, in 
telling true, but so, — 
But so gibt keinen sinn; Hanmers Verbesserung but so so hätte 
aufgenommen werden müssen. 

Sc. 2. I think scorn to sigh: methinks I should out- 
swear Cup id. 
D.: »Ich sollte, statt sentimental vor liebe zu seufzen, so grimmig 
fluchen und schwören, dass Cupido davor die flucht ergriffe.« I 
should heisst aber: ich würde; to outswear Cupid heisst: 
Cupidos schwüre überbieten; die stelle ist daher wahrscheinlich zu 
übersetzen: Wenn ich nicht verschmähte zu seufzen, würde ich mit 
meinen seufzern oder liebesschwüren Cupido überbieten. 

A.II. sc. 1. 'Tis deadly sin to keep thatoath, mylord, 
And sin to break it. 
Die erklärung dieser stelle ist nicht befriedigend. Der zweite vers 
war schwerlich von hause aus unvollständig, und erhält offenbar den 
richtigen sinn, wenn man ihn folgendermassen ergänzt: 

And a redemption 'tis from sin to break it. 

A. III. sc. 1. No egraa, no riddle, no l'envoy, no salve 
in the mail, Sir. 
In the mail, das die herausgeber für i n thee male der Q. und Fol. 
setzen, ist kaum weniger unverständlich. Vermuthlich ist in them 
all oder in the world zu lesen. Bei l'envoy scheint Costard an 
lenitive zu denken. 

Ibid. A whitely wanton with a velvet brow. 
Diese stelle hat D. missverstanden. Er sagt: »Whitely = die 
blasse gesichtsfarbe , und velvet brow = die sammet weiche Stirn, 
soll das verzärtelte und verwöhnte der Rosaline andeuten.« Velvet 
brow ist indess keine sammetweiche stirn, sondern eine stirn mit 
sehr schwarzen und ausgebreiteten augenbrauen, so dass sie mit 
einer schwarzen sammetmaske verglichen wird. 

Ibid. Ay, and, by heav'n, one that will do the deed. 
D.: »Dass Biron seufzen muss um eine, die sonst nicht eben spröde 
ist, beklagt er noch besonders.« Herr professor Delhis hat doch 
nicht etwa die scherzhafte herabsetzung Rosalinens, welche Biron nur 
zur Verstärkung seiner selbstverspottung dient , für ernst genommen ? 

A. IV. sc. 1. Do not cur st wives hold that self-sove- 
reignty? 



i88 Ed. Tiessen 

D.: »Vielleicht ist self= same und demgemäss von sovereignty 
zu trennen.« Diese möglichkeit ist nicht zuzugeben; man denke sich 
nur das hauptwort im plural stehend. Dass those sei v es sove- 
reignties nicht englisch wäre, ist evident. 

Sc. 3. Soft! Whitheraway so fast? 

A true man, or a thief, that gallo ps so? 
D. : »Biron unterbricht sich mitten in seiner strafrede und eilt davon, 
da er Costard kommen sieht, in welchem er, als in dem Überbringer 
seines briefes an die Rosaline, den verräther seiner liebe wittert.« 
Bewahre: Biron hat sich in seiner Verleugnung der liebe so in eifer 
hineingeredet, dass der könig ihn unterbricht, mit einer frage, die be- 
deutet: ist dieser eifer nicht verdächtig? Biron antwortet : I post from 
Love, ich eile von dem liebesgott fort. Körperlich davonzueilen 
hat er um so weniger veranlassung, als er nicht ahnen kann, dass 
Costard die briefe verwechselt hat. 

Ibid. Black is the badge of hell, 

The hue of dungeons, 'and the scowl of night; 
The scowl ofnight gibt nur einen lahmen sinn ; ich bin geneigt, 
in dem school der Q. und Fol. entweder cowl oder scrowl zu 
vermuthen. With scrowls upon their heads, steht in einem 
ms. aus dem j. 1538. 

Ibid. O vile! then, as she goes, what upward lies 

The street should see, as she walk'd overhead. 
D. versteht what upward lies = that which upward lies; 
lies ist aber der plural von dem hauptwort lie. Welche lügen würde 
die Strasse über sich sehen, während sie darüber hinginge! Die 
stelle müsste also auch im text mit einem ausrufungszeichen schliessen. 

Ibid. When the suspicious head of theft is stopp'd? 

Mit beziehung auf alover's earist vielleicht heed of theft zu 
lesen. 

A. V. sc. 2. So portent-like wotild Io'erswayhis State, 
That he should be my fool, and I his fate. 
Perttaunt-like der Q. und Fol. ist wahrscheinlich das von 
Shakspeare gebrauchte wort, aus dem man das • Wortspiel portent- 
like nur heraushören soll. Ersteres correspondirt mit he should 
be my fool, letzteres mit I should be his fate. 

Ibid. They do, they do, and are apparell'd thus, — 
Like Muscovites, or Russians: as I guess, 



Beiträge zur Feststellung und erklärung des Shakspearetextes ign 

Eine zwischen diesen beiden versen jedenfalls ausgefallene zeile lässt 
sich nach der von D. aus Halls chronik angeführten stelle etwa wie 
folgt ergänzen: Hats furr'd, boots pik'd, in long and 
motley dress. AsI guess kann sich nur auf 1 i k e Musco- 
vites or Russians heziehen, da Boyet den plan des königs und 
seiner gefährten kennt, darüber also nicht mehr zu vermuthen braucht. 
Das kolon hinter Russians ist demnach durch ein komma und das 
komraa hinter guess durch ein Semikolon zu ersetzen. 

Ibid. I am, as they say, but to perfect one man in one 
p o o r man, — 
Pompion the Great, sir. 
Gegen Malones augenscheinlich richtige emendation : one man, 
e'en one poor man, wendet D. ein, Costard würde schwerlich 
Pompejus den grossen so bezeichnet haben. Dass Costard dies thut, 
ist ja eben der humor davon. 

Ibid. The carv'd-bone face on a flask. 
D. meint, dies beziehe sich auf den aus einem geschnitzten köpf be- 
stehenden Stöpsel eines pulverhorns. Es bezieht sich auf das flache 
relief auf dem pulverhorn. 

Ibid. But more de v out than this, in our respects, 
Have we not been; 
In our respects, von D. durch: »in unserer berücksichtigung 
eurer huldigungen« übersetzt, heisst einfach: »was uns betrifft.« 

Ibid. your task shall be, 

With all the fierce endeavour of your wit, 
To enforce the pained impotent to smile. 
Der gedanke erinnert an die einleitung zum Gargantua. — Fierce 
übersetzt D. durch rücksichtslos, dreinschlagend. Es soll doch gewiss 
nur all the endeavour verstärken : mit der angestrengtesten be- 
mühung eures witzes. 



Gerade als ich Love's Labours Lost, dieses köstliche 
schatzkästlein der englischen spräche , aus der band gelegt hatte, 
las ich in der Times von einem attentat auf den dichter. Lord 
Lytton, Verfasser von leihbibliothekenstoff, wie sein verstorben er vater 
und sein gönner Disraeli, und zur zeit, tantulä quantulä sapientia, 
vicekönig von Indien, hat den Zöglingen einer indischen unterriohts- 
anstalt erklärt, Skakspeare sei obsolet, man könne aus ihm weder 



T 90 



Ed. 'I'iessen 



die heutige Umgangssprache noch die heutige ausspräche lernen. Die 
feinen köpfe unter den indischen Pundits werden diesen Marsyas zu 
schinden wissen; ich empfehle ihn der fürbitte des seligen Holofernes. 



The Merchant of Yenice. 

A. I. sc. 1. And see my wealthy Andrew, docks in 
sand, 
So ändert D. das docks in sand der Q. und Fol., und übersetzt 
demnach: »Mit dem verdeck und dem mast nach unten gekehrt. 
Den richtigen sinn gibt Rowes emendation: dock'd in sand. 

Ibid. That therefore only are reputed wise, 

For saying nothing; when, I am very sure, 
If they should speak, would almost damn those 
ear s; 
Zu would, wie D. will, ein auf ifthey should speak bezüg- 
liches i t hinzuzudenken, scheint mir nach Shakspearescher construetion 
ebenso unmöglich wie nach irgend einer andern ; statt when muss 
vermuthlich who gesetzt werden. 

Ibid. Sometimes from her eyes 

I did reeeive fair speechless messages. 
Wenn Bassanio sagen will, dass dies nur einmal, zu einer zeit, ge- 
schehen ist , muss es nicht sometimes, sondern sometime 
heissen. 

Sc. 2. will, no doubt, never be chosen by any rightly, 
but one who you shall rightly love. 
D. fasst dies so auf als hiesse who you shall rightly love soviel 
wie who shall rightly love you. Abgesehen davon, dass dies 
eine in prosa ganz ungewöhnliche construetion voraussetzt, wider- 
spricht es auch dem wahrscheinlichen sinn. Offenbar will Nerissa sagen, 
nur einer, den Portia wahrhaft liebe, werde richtig wählen; mithin 
steht who für whom, ohne dass letzteres in den text gesetzt zu 
Averden braucht, da Shakspeare öfter who als aecusativ setzt. 

Ibid. that I have a poor penny-worth in the English. 
D.'s. erklärung: »dass ich vom Englischen nur soviel verstehe, wie 
man für einen armen pfennig kauft,« ist nicht ganz genau; um- 



Beiträge zur feststellung und erklärung des Shakspearetextes inj 

schrieben würde die stelle lauten : that my pennyworth of 
English is but a poor one. 

Ibid. theFrenchman became his surety, and seal'd 
under for another. 

Worauf bezieht sich for another? Soll es heissen for another 
box of theear, oder for one another? D.s. erklärung gibt 
darüber keinen aufschluss. 

Sc. 3. I like not fair terms, and a villain's mind. 
Fair terms heisst hier eher »billige bedingungen« , als »gute 
worte « . 

A. II. sc. 1. By this scimitar, — 

That slew the Sophy, and a Persian prince 
That won three fields of Sultan Solyman, — 

D. interpungirt und construirt, als beziehe sich das zweite that auf 
a Persian prince. Offenbar bezieht es sich ebenso wie das erste 
auf this scimitar, hinter prince muss daher ein komma gesetzt 
werden. 

Sc. 2. Well, the most courageous fiend bids me pack: 
Nach D.s. annähme sagt Launcelot courageous aus missver- 
ständniss für outrageous oder ein ähnlich lautendes wort Diese 
erklärung zerstört die eigentliche pointe der stelle. Launcelot, der 
die fremdwörter richtig gebraucht, nennt mit bewusster ironie den 
teufel, der ihn die flucht ergreifen lässt, einen höchst muthigen. 

Ibid. a s I h a v e s e t u p m y r e s t t o run away. 
To set up one's rest heisst ebensowenig hier wie in der von D. 
angezogenen stelle aus Romeo and J u 1 i e t : » Alles an etwas 
setzen«, sondern: »die lanze einlegen«, in demselben spasshaften 
Widersinn wie vorhin: the most courageous fiend bids me 
pack. 

Ibid. and to be inperil ofmylifewiththeedgeofa 
feather-bed : 
D. : »d. h. in gefahr gerathen, sich verheirathen zu müssen.« Un- 
möglich 1 Launcelot hat sich aus der band gewahrsagt, dass er 
fünfzehn weiber haben werde, (eilf wittwen und neun Jungfern ;) nun 
soll er auf einmal von einer gefahr sprechen , sich verheirathen zu 
müssen , zumal als von einer gefahr , der er entgehen werde? Er 
wird eben, wie dreimal durch ertrinken, so einmal durch einen stoss 
an die »scharfe kante« eines federbetts, beinahe ums leben kommen. 



192 



Ed. Tii 



Sc. 6. For the close night does play thc runaway. 

D. : »Die nacht, deren stille uns schützen soll. < Close night 
heisst ausdrücklich : verschwiegene nacht. 

A. III. sc. 1. a bankrupt, a prodigal, 

Ein Verschwender ist Antonio in Shylocks äugen nicht, weil er den 
Bassanio unterstützt oder geld zinslos verliehen, sondern weil er das 
Unglück gehabt hat, sein vermögen einzubüssen. 

Sc. 2. Happiest of all is, that her gentle spirit 
Commits itself to yours to be directed, 

Die von D. früher gebilligte, jetzt aber gar nicht erwähnte lesart des 
alten Collierschen correctors, 

Happiest of all, in that her gentle spirit 
stellt offenbar den text wieder her. 

Ibid. You lov'd, I lov'd; for intermission 

No more pertains to me, my lord, than you. 
Intermission erklärt D. als die Zwischenzeit, die man ungenutzt 
verstreichen lässt. Graziano müsste demnach sagen wollen: Die 
Zwischenzeit, die wir ungenutzt verstreichen lassen, gehört weder mir 
noch euch. Er will aber sagen : Es ist nicht unsere art , etwas das 
wir thun wollen, aufzuschieben. 

Ibid. Signior Antonio 

Commends him to you. 
D. bemerkt, es sei unwahrscheinlich, dass Antonios brief eine empfeh- 
lung des Lorenzo enthalte, indem dieser offenbar mit Bassanio enger 
befreundet war, als mit Antonio. Es ist nicht unwahrscheinlich, 
sondern unmöglich ; Solanio bringt den Lorenzo zufällig und ohne 
wissen Antonios mit, und commends him to you bezieht sich 
nicht auf den inhalt des briefes, sondern steht für commends 
himself to you und ist eine mündliche empfehlung, die Solanio 
an Bassanio ausrichtet. 

Ibid. Rating yourself at nothing, you shall she 
She für see, — einer der seltenen druckfehler der Deliusschen 
ausgäbe. 

Sc. 5. O dear discretion, how his words are suited! 
Suited kann nicht närrisch angethan, sondern nur übel zusammen- 
passend heissen. 



Beiträge zur feststellung und erklärung des Shakspearetextes iq^ 

Ibid. And, ifon earth he do not mean it, then 

In reason he should never come to heaven. 
D. : »Wenn er nicht meint , wenn er nicht erkennt , dass er in dem 
besitz eines solchen weibes schon hienieden die freuden des himmels 
findet etc. « Nein : ifon earth he do not mean it bezieht sich 
auf: It is very meet, The lord Bassanio live an upright 
1 i f e ; wenn er nicht beabsichtigt, auf erden ein rechtschaffenes leben 
zu führen, sollte er billig nicht in den himmel kommen. 

A. IV. sc. i. To su ff er with a quietness ofspirit 
The very tyranny and rage of his. 
Nicht, wie D. construirt, his very tyranny and rage, sondern 
the very tyranny and rage ofhis spirit. 

A. V. sc. i. Such harmony is in immortal souls; 

But, while this muddy vesture of decay 
Does grosslycloseitin, wecannothearit. 
D. versteht , die harmonie , von der die rede ist , sei in den seelen 
der menschen. Sie ist vielmehr zwischen den unsterblichen seelen 
der cherubim und den gleichfalls unsterblichen seelen der weltkörper, 
deren jeder in seiner sphäre wie ein engel singt. It, in does 
grossly close it in, kann sich nur auf decay beziehen ; vielleicht 
muss es durch us ersetzt werden. 

Ibid. No woman had it, but a civil doctor, 
Unter dem civil doctor ist vielleicht eher ein doctor of Civil 
Law, als ein ehrbarer doctor zu verstehen. 

Ibid. In summ er, where the ways are fair enough. 
Where steht nicht für whereas, sondern für when. 



King Richard II. 

A. I. sc. i. What my tongue speaks, my right-drawn 
sword may prove. 
Right-drawn heisst: »mit recht oder für das recht gezogen«, 
nicht, wie D. erklärt, »stracks gezogen.« 

Ibid. Ol let my sovereign turn away his face, 
And bid his ears a little while be deaf, 
Till I have told this slander ofhis blood, 
His, in his blood, bezieht D. auf Bolingbroke ; es bezieht sich auf 

Kölbing, Englische Studien. II, I. 13 



194 



Ed. Tiessen 



my sovereign. Bolingbroke ist von königlichem geblüt und wird 
eine schmach für dasselbe genannt. 

Sc. 3. Nor never write regreet, nor reconcile 

This lowering tempestofyourhome-bredhate; 

To write regreet ist nicht Englisch, die von D. veränderte gewöhn- 
liche interpunction : 

Nor never write, regreet, nor reconcile 
ganz richtig und einen völlig klaren sinn gebend. 

Ibid. the presence strew'd, 

Presence ist nicht prunkgemach schlechtweg, sondern der thronsaal. 

A. II. sc. 1. This fortress, built by nature for herseif 
Against infection, and the hand of war; 
Infection passt schwerlich zu fortress und wird nach Farmers 
vorschlage durch infestion zu ersetzen sein. 

Ibid. Now, He that made me knows I see thee ill; 
111 in myselfto see, and in thee seeing ill. 
D. hält to see für unentbehrlich; über die erklärung von ill in 
myself, d. h. I see thee, being ill myself, könnte aber 
schwerlich ein zweifei entstehen , so dass man durch fortlassung von 
to see getrost den vers wiederherstellen darf. 

Ibid. That blood already, like the pelican, 

Hast thou tapp'd out, and drunkenly carous'd. 
D. spricht von einem nur in weiterem sinne zu verstehenden ver- 
gleich mit dem pelican, der sein eigenes blut hergibt. Der dichter 
kann doch nur von dem jungen pelican, der von der mutter mit 
ihrem eigenen Blute genährt wird, haben sprechen wollen. 

Ibid. His time is spent; our pilgrimage must be. 
Der unsinnigen erklärung M. Masons : our pilgrimage is yet to 
come, setzt D. zu schüchtern die einzig mögliche: our pilgri- 
mage must he spent, mit einem »vielleicht« entgegen. 

Ihid. The commons h a t h h e p i 1 1 ' d w i t h g r i e v o u s t a x e s, 
And quite lost their hearts: the nobles hath he 

fin'd 
For ancient quarreis, and quite lost their hearts. 
Es liegt auf der hand, dass in der zweiten zeile quite gestrichen 
werden muss. 



Beiträge zur feststellung und erklärung des Shakspearetextes ige 

Sc. 2. Now hath my soul brought forth her prodigy, 
Prodigy heisst nicht, wie D. übersetzt, ungeheures, sondern miss- 
geburt. 

Sc. 3. My lord, my answer is to Lancaster, 
Auf Berkleys worte : My lord of Hereford, my message is 
to you, will Bolingbroke offenbar antworten: My lord, my ans- 
wer is: your message is to thedukeof Lancaster, wie 
Malone richtig erklärt; hinter is muss also ein kolon stehen. 

Sc. 4. As well assur'd Richard, their hing, is dead. 
Das würde heissen: da der sehr zuversichtliche Richard todt ist. 
Wahrscheinlich ist das komma hinter assur'd nur durch druckfehler 
fortgefallen. 

A. III. sc. 2. As a long-parted mother with her child 
Plays fondly with her tears and smiles 
in meeting. 
D. will in meeting auf tears and smiles beziehen, wobei with 
her child in der luft steht. Malone hat die richtige construction 
angegeben: as a long-parted mother, in meeting with her 
child, plays with her tears and smiles. 

Sc. 3. This swears he, as he is a prince, is just; 
D. versteht: He swears, as truly as he is a prince, that 
this is just. Es soll aber heissen : This swears he, asheis 
a prince and as he is just. 

Sc. 4. And I could sing, would weeping do me good, 
And never borrow any tear of thee. 
Durch Ds. erklärung wären die herausgeber, welche I could sing 
nicht verstanden und deshalb mit Pope I could weep lasen, 
schwerlich eines besseren belehrt worden. Es kann nur I could 
weep heissen. 

Ibid. In your lord's scale is not hing but hi 111 seif, 
And some few vanities that make him light; 
Unter vanities versteht D. die dem könige treugebliebenen leicht- 
sinnigen gefährten; es sind sicher nur die verschiedenen formen der 
eitelkeit des königs oder die eigenschaften , auf die er eitel ist , ge- 
meint. 

A. IV. sc. 1 . My care is loss ofcare, by old care done; 
Your care i s g a i n o f c a r e, bvnewcarewon: 

13* 



196 



Ed. Tiessen 



M y care i3 und your care is übersetzt I).: Mir liegt daran, und, 
euch liegt daran. Es bedeutet vielmehr: Mein kummer ist, und, 
euer kummer ist. 

A. V. sc. 1. He shall think, that thou, which know'st 
t h e way. 
Warum denn nicht mit den herausgebern lesen : And he shall 
think,? And markirt die antithese und verbessert den vers. 

Ibid. The love of wicked friends converts to fear, 

That fear to hate, and hate turns one, or both, 
To worthy danger and deserved death. 
One, orboth, von D. auf wicked friends bezogen, bedeutet 
wahrscheinlich love, or fear, or both. 

Sc. 2. That, had not God, for some strong purpose, 
steel'd 
The hearts ofmen, 
D.: »Strong purpose ist ein zweck, bei dem es gilt, stark zu 
sein.« Danach müsste es sich um einen zweck der menschen han- 
deln ; der wichtige zweck, zu welchem gott ihre herzen gestählt hat, 
ist aber ein zweck gottes. 

Sc. 3. Which he, young wanton, and effeminate boy, 
Ich vermuthe , dass young wanton, letzteres wort als Substantiv, 
nur auf ein frauenzimmer angewendet werden würde ; aber auch sonst 
ist gar kein grund vorhanden, von der interpunetion: young, wan- 
ton, and effeminate boy, abzuweichen. • 

Sc. 5. And these same thoughts people this little 
world, 
unter this little world versteht D. den könig selbst, Sh. wahr- 
scheinlich das gefängniss. Der könig hat vorher gesagt: I have 
been studying how I may compare this prison, where I 
live, unto the world. 



King John. 

A. I. sc. 1. Lord of thy presence, and no land be- 
sides? 
D. erklärt Lord of thy presence: »Als der besitzer deiner selbst, 
deiner person,« als sollte damit eine einschränkung des besitzes aus- 



Beiträge zur feststellung und erklärung des Shakspearetextes 107 

gedrückt werden. Diese einschränkung geben aber erst die folgenden 
worte, während lord ofthypresence auf Philipp's Standeserhö- 
hung, zum edelmann aus eignem recht, bezug hat. 

A. II. cc. 1. To make a more requital to your love. 

»Bis er eure liebe besser vergelten kann als seine mutter mit ihrem 
dank,« ist der klare sinn. D. will more mit requital als compo- 
situm verbinden, und erklären: »Eine Vergeltung, die den geleisteten 
liebesdienst übertrifft.« 

Ibid. And all the unsettled humours of theland. 

Humours hat hier nicht die von D. angenommene bedeutung von 
launen oder Stimmungen, sondern unsettled humours sind un- 
stäte safte, wildes blut. 

Ibid. King, — Lewis, determine what we shall 

do straight. 

D. theilt diese worte dem herzog von Oesterreich zu und verwirft 

unbegreiflicher weise Malones sehr einfache emendation, nach welcher 

der könig sagt : Lewis, determine what we shall do straight. 

Ibid. That he isnot only plague'd for her sin, 

But God hath made her sin and her the plague 
On this removed issue, plagu'd for her, 
And with her plague, her sin; his injury 
Her injury, the beadle to her sin, 

in die vierte und fünfte dieser zeilen lässt sich nur ein sinn bringen, 

wenn man mit Staunton liest: 

And with her plagu'd; hersin his injury; 
Her injury the beadle to her sin. 

Ausserdem muss aber in der zweiten zeile für sin wahrscheinlich 
son gesetzt werden; das spiel zwischen beiden worten geht aller- 
dings durch die ganze stelle. 

Ibid. to cry aim. 

D. übersetzt dies: »rufen: ziele I schiess los 1« Es heisst: »Rufen: 
« Getroffen I » 

Ibid. For our advantage, therefore, hear us first. 

D. : »Johann setzt, Philipps Unterbrechung nicht beachtend, die oben 
begonnene rede fort.« Abgesehen von der Unterbrechung, würde 
also Johann gesagt haben : 



198 



Ed. Ti essen 



You men ofAngiers, and my loving s u b j e c t s ; 
For our ad van tage, therefore, hear us first. 
Offenbar ohne sinn. Eben an Philipps Unterbrechung mit den vvorten : 

Our trumpet call'd you to this gentle parle, — 
schliesst sich das for our advantage, womit Johann dem Philipp 
wieder in die rede fällt : es muss also statt eines komma ein Semiko- 
lon dahinter stehen. 

Sc. 2. Kings, of our fear, until our fears, resolv'd, 
Be by some certain king purg'd and depos'd. 
Danach wäre die construction in Verbindung mit den unmittelbar 
vorhergehenden worten : Kings! we do lock our former 
scruple in our strong-barrd gates of our fear. Dieser 
»Verbesserung« wäre selbst das Kings of our fear der Fols. bei 
weitem vorzuziehen. Nun findet sich aber in andern ausgaben die 
von D. nicht erwähnte, aber augenscheinlich richtige lesart: King'd 
of our fear. 

A. III. sc. 1. In likeness of a new-uptrimmed bride. 
Eine änderung des alten Collierschen correctors, eine der wenigen, 
die D. seiner zeit billigte. Aber das new untrimmed der Fol. 
ist wohlverständlich und viel charakteristischer, daher jedenfalls bei- 
zubehalten. 

Ibid. And even before this truce, but new before, 
der satz bleibt nicht, wie D. meint, unvollendet, sondern wird nach 
einem Zwischensatz ganz regelmässig fortgesetzt in den worten : t h e y 
(our hands aus dem Zwischensatz zu ergänzen) were besmear'd 
aud overstain'd with slaughter's pencil. 

Ibid. A chafed lion by the mortal paw, 
während D. sonst vielleicht an den lesarten der Fol. zu fest hält, 
ändert er sie in diesem stück öfters ohne noth und nicht zum bes- 
sern; so auch hier, wo die Fol. a casedlion hat. Die physische 
möglichkeit, einen löwen bei der tatze zu fassen, ist überhaupt nur 
vorhanden, wenn der löwe eingesperrt ist ; die gefahr des experiments 
ist ziemlich dieselbe, ob der löwe gereizt ist oder nicht ; wer ihn bei 
der tatze fassen wollte, würde ihn jedenfalls reizen. 

Ibid. the truth, thou art unsure 

To swear, swears only not to be forsworn; 
dies gibt gar keinen sinn; man muss entweder mit andern heraus- 
gebern lesen: 



Beiträge zur feststellung und erldärung des Shakspearetextes ign 

the truth thou art unsure 

To swear, swear only not to be forsworn, 

oder den letzten absatz: swearst only not to be forsworn. 

A. IV. sc. i. Well, see to live; 
nicht: Sieh, damit du lebest, sondern: Sieh dich leben. 

Sc. 2. A fellow by the hand of nature mark'd, 

Quoted, and sign'd, to do a deed of shame. 
To quote übersetzt D. durch: Jemanden beurtheilen oder beobach- 
ten. Da nun aber quoted and sign'd ebenso wie mark'd auf 
by the hand of nature bezogen werden muss, so würde gegen 
jene Übersetzung einzuwenden sein, dass die hand eigentlich nicht 
das organ zum beurtheilen oder beobachten ist. Marke d, quoted 
und signed sind eben synonyme begriffe, so gehäuft, um dem ge- 
danken nachdruck zu geben. 

Sc. 3. Tilllhave set a glory to this hand 
By giving it the worship of revenge. 
Ueber diese stelle, sollte man glauben, müssten die ausleger einig 
sein, so klar fordert der sinn die ersetzung von hand durch head. 
D. erklärt, Salisbury wolle seine eigene hand verherrlichen, indem er 
ihr die würde zuwende, Arthurs tod zu rächen. Aber to set a 
glory to hat die bestimmte bedeutung: mit einem heiligenschein 
umgeben, und worship ist hier demnach unzweifelhaft die Vereh- 
rung oder anbetung, die man heiligen zollt. Als object für beides 
kann wol Arthurs haupt, nicht aber Salisburys hand gedacht werden. 

A. V. sc. 1. Our discontented counties do revolt, 
D. übersetzt counties durch grafen; vermuthlich verleitet durch 
Romeo and Juliet, wo des verses wegen county für c o u n t 
steht. Counties kann nur grafschaften heissen ; our people 
quarrel withobedience bildet zu der vorhergehenden zeile einen 
gegensatz nur insofern, als die allgemeine Volksbewegung in ihren 
individuellen äusserungen von dem organisirten aufstände der pro- 
vinzen unterschieden wird. 

Sc. 2. (I mustwithdraw, and weep 

upon the spot ofthis enforced cause), 
Das heisst entweder: »ich muss die statte dieses uns aufgezwungenen 
Streites beweinen,« oder: »ich muss auf dieser statte weinen«, keinen- 
falls aber, wie D. glaubt: »weinen über den flecken, den ich durch 
diese erzwungene parteiergreifung an meiner ehre erleide.« 



2QO Ed. Tiessen 

Sc. 5. The stumbling night did part our weary 

powers.« 

Nicht »die nacht selbst wird als die ungeschickt hereintappende stö- 

rerin bezeichnet,' sondern es wird gesagt, dass die nacht, in der 

man stolpert, also nicht marschiren kann, den streit geschieden hat. 

Sc. 6. Unkind remembrancel thou, andendless night, 
Da D. zu endless nichts bemerkt, ist nicht zu ersehen, ob er damit 
einverstanden oder ob es ein druckfehler seiner ausgäbe ist. Jeden- 
falls muss es eyeless heissen. 

sc. 7. As I upon advantage did remove, 
p. »Da sich eine günstige gelegenheit darbot.« Vielleicht eher: Um 
eine bessere Stellung zu gewinnen. 



Much Ado About Nothing. 

A. I. cc. 1. I see, lady, the gentleman is not in your 

books. 
To be in one's books übersetzt D. richtig durch: bei jemandem 
gut angeschrieben sein , lässt aber unter den näheren bestimmungen 
dieses ausdrucks gerade die hier anwendbare aus: in den büchern, 
in welche die kaufleute Forderungen an diejenigen ihrer künden ein- 
tragen, denen sie credit geben. 

A. II. sc. 1. Now you strike like the blind man: 'twas 

the boy that stole your meat, and you'll beat 

the post. 
D. erwähnt nicht der von Braunfels im sechsten Jahrgang des Shak- 
speare-jahrbuchs zur erklärung dieses satzes angeführten stelle aus 
Lazarillo de Tormes, welche übrigens Sh's. gedächtniss nur in unbe- 
stimmten umrissen vorgeschwebt haben kann, falls er sie gekannt hat. 
Dort ist es der blinde, der dem Lazarillo die wurst weggeschnappt 
hat und den dieser aus räche den köpf an einem pfeiler zerstossen 
lässt. 

Ibid. I found him here as melancholy as a lodge in 

a warren. 

D. meint, die einsame läge eines Wächterhäuschens in einem gehege 

mache einen melancholischen eindruck. Das bild passt indess weder 

zu Benedicks ausdrucksweise noch überhaupt auf einen schmachten- 



Beiträge zur feststellung und erklärung des Shakspearetextes 2 Ol 

den liebhaber, der den köpf hängen lässt. Ich vermuthe daher in 
lodge einen druckfehler für dog: ein hund in einem kaninchen- 
gehege mag wol grund haben den köpf hängen zu lassen , wenn 
die kaninchen sich unter die erde flüchten ; und wenn er dabei sehn- 
süchtig am boden herumschnopert , ist er gewiss ein vollendetes bild 
der melanchoüe. 

Ibid. F faith, lady, I think your blazon to be true, 
though, I'll be sworn, if he be so, his conceit 
is false. 
D. spricht in der anmerkung zu blason von einem wappen und 
dessen deutung; blazon ist jedoch nicht das wappen, sondern das 
farbige wappenfeld. Die von D. nicht hervorgehobene fortsetzung 
des bildes steckt in dem worte conceit: devise und einbildung. 

A. III. sc. 1. No; not to be so odd, and from all 
fashions , 
As Beatrice is, cannot be commendable. 
Ursula hat gesagt : Sure, sure, such carping is not commend- 
able; Hero will sagen: Und Beatricens sonderlingsart auch nicht; 
es muss also statt not jedenfalls nor heissen. 

Ibid. Which is as bad as die with tickling. 
D. will des verses wegen tickling dreisylbig, tickeling, lesen. 
Dieses ungewöhnliche aushülfsmittel lässt sich vermeiden , wenn 
man liest: 

Which is as bad a death as die with tickling. 

Ibid. Contempt, farewelll and maiden pride, adieul 
No glory lives behind the back of such. 
D. : »Hohn und jungfräulicher stolz haben keinen rühm hinter sich 
oder in ihrem gefolge.« Nicht deutlich genug; es wird hinter dem 
rücken derer, die jene eigenschaften besitzen, schlecht über sie ge- 
sprochen. 

Sc. 2. Think you of a worse title, and I will fit her 
to it. 
Auf you und I liegt der nachdruck, und I will fit her to it darf 
man nicht mit D. übersetzen durch : ich will sie ihr beilegen. Die 
stelle heisst: Besinnt ihr euch auf eine schlimmere benennung für 
Hero, und ich will beweisen, dass sie solche verdient. 

Sc. 3. Well, give them their charge, 
charge ist Instruction, nicht bestallung. 



202 Ed. Tiessen 

Ibid. We are likely to provc a goodly commodity, 
being taken up of these men's bills. 
Nach D. wäre der doppelsinn von to take up: ^auf credit auf- 
nehmen,« und von bill »Schuldschein, rechnung.« Beides ist un- 
richtig; das etwas lahme Wortspiel beruht auf dem technischen aus- 
druck: to take up a bill, einen Wechsel honoriren. 

Sc. 4. Set with pearls down sleeves, side sleeves, 
D. übersetzt: »Die ärmel herunter mit perlen besetzt, und diese ärmel 
lang herabhängend.« Set with pearls bezieht sich indess auf das 
vorhergehende ; die stelle heisst : Mit perlen besetzt ; anliegende är- 
mel; weite offene ärmel. Hinter pearls muss mithin ein Semiko- 
lon stehen. 

Sc. 5. ifl were as tedious as a king, 
Das wort , welches Dogberry unter tedious im sinne hat , muss 
einen directeren gegensatz zu p o o r bilden , als das von D. vermu- 
thete gracious. 

Ibid. it is a world to see, 
Das heisst : Was erlebt man nicht alles ! 

A. IV. sc. 2. Dogb. Come, let them be opinioned. 
Verg. Let them be in the hands — 
Con. Off, coxcombl 
Colliers alter corrector liest diese stelle, offenbar richtig: 
Dogb. Come, let them be opinioned. 
Sept. Let them be bound, 
Con. Hands off, coxcomb! 
Diese von D. früher als wesentliche Verbesserung des textes ange- 
sehene lesart erwähnt er zwar in der anmerkung, gibt aber jetzt aus 
nicht ersichtlichen gründen Warburtons version den vorzug. 

A. V. sc. 1. And — sorrow, wagl — cry hem, when he 
should groan; 
Bid sorrow wag, — stellt die in D.s fassung unverständliche 
stelle her. 

Ibid. We are high-proof melancholy. 
High-proof ist vielleicht mit beziehung auf den anklang an 
alcohol in melancholy gewählt. 

Ibid. you break jests as braggards do their blades, 
which, God be thanked, hurt not. 



Beiträge zur feststellung und erklärung des Shakspearetextes 2 03 

Vor b lad es wäre nach D. genau genommen ein anderes verbum als 
to break zu suppliren, da dieses nur zu jests passe. Mich dünkt, 
es passe gerade zu b 1 a d e s ganz vortrefflich : die renommisten zer- 
brechen ihre klingen, um glauben zu machen , sie hätten es im ge- 
fecht gethan. 

Ibid. But, softyou; letme be: pluck up, my heart, 
and be sadl Did he not say, my brother was 
fled? 
D. : »Let nie be = lass mich gewähren, sagt Pedro, indem er das 
gespräch abbricht, da er die leute kommen sieht, die ihn als richter 
in anspruch nehmen wollen. In demselben sinne ermahnt er sich 
zum ernste mit den folgenden worten. — Let nie be verändern die 
späteren folioausgaben in 1 e t m e s e e. « — Sie stellen damit nur den 
sinn wieder her. Dies ist einer der fälle, in denen D. durch fest- 
halten an der ersten lesart sich und seinen nachfolgern eine wahre 
Penelopearbeit macht. Woher weiss denn Pedro , angenommen er 
sähe die wache mit den gefangenen schon kommen, dass sie ihn als 
richter in anspruch nehmen wollen? Er ist ja gar nicht ihr richter; 
sie gehen zu Leonato und treffen zufällig auf den prinzen , der von 
Claudio erst gebeten wird , sich nach dem vergehen der gefesselten 
zu erkundigen. Was den prinzen im augenblick beschäftigt, ist die 
meidung von der flucht seines bruders; deshalb ermahnt er sich, 
mit der freilich sehr humoristischen wendung pluck up, my heart, 
zum ernste, und deshalb eben muss er auch sagen wollen: let 
me see. 

Ibid. Who have you offended, masters, that you are 
thus bound to your answer? 
Der nachdruck liegt auf thus; jeder angeklagte ist bound to his 
answer, ohne dass er deshalb wirklich gebunden zu sein 
braucht. 

Ibid. there's one meaning well suited. 
Well suited heisst nicht: schön mit kleidern ausstaffirt, sondern: 
mit einer anzahl von anzügen versehen. 

Ibid. How her acquaintance grew with this lewd 
f e 1 1 o w. 
Lewd ist nicht sowol: gemein, roh, als vielmehr: liederlich. 

Sc. 2. Claudio undergoes my challenge, 
D. übersetzt: »lässt meine herausforderung über sich ergehen, fallt 



204 F ' ttobertag 

ihr anheim.« Undergoes ray c hall enge hei.sst indess soviel 
wie goes under my challenge, hat meine herausforderung 
erhalten. 

Stettin. 

Ed. Tiessen. 



ZU POPES RAPE OF THE LOCK. 

(Schluss.) i) 



Bedeutende und ins äuge fallende Veränderungen in dem cultur- 
leben der Völker der neuzeit, erscheinungen in Wissenschaft und 
kunst, in dichtung und literatur, einrichtungen im Staats- und rechts- 
wesen der letzten Jahrhunderte, welche durch ihr charakteristisches 
gepräge und durch ihre tragweite sich dem historischen interesse be- 
sonders aufdrängen, pflegt man gern in beziehung zu den grossen 
umwandelungen zu setzen , die das XVIII. Jahrhundert den in der 
neuesten zeit an der spitze der civilisation einherschreitenden nationen 
gebracht hat. Dass die Franzosen Rousseau und Voltaire hervorge- 
bracht und die revolution von 1789 gemacht oder, wenn man lieber 
will, erlebt haben, hat ihnen mehr als alles andere, wovon sie das 
recht herleiten zu dürfen glauben, unter den die spitze haltenden 
Völkern wieder zuerst genannt zu werden, einen wirklichen anspruch 
auf dieses recht verliehen, allerdings nur für eine gewisse periode, 
die schon in der grossen revolution oder bald nachher ihren abschluss 
findet, und nur für gewisse, freilich wichtige und eine centrale Stellung 
beanspruchende gebiete. Rousseau und Voltaire haben den verhält- 
nissmässig vollständigsten und entsprechendsten ausdruck für die auf- 
fassung der einzelnen menschlichen persönlichkeit im lichte der neu- 
esten zeit gefunden, die französische revolution war das ergebniss des 
zusammenstosses neuer und alter interessen und bedürfnisse, welche 
durch das gemeinschaftsieben der menschen im Staate hervorgerufen 
werden und durch dasselbe befriedigt werden wollen. Man ver- 
schiebt ohne zweifei die bedeutung dieser grossen geschichtlichen 
thatsachen , wenn man die hauptsache und den ausgangspunkt der 
gedanken Rousseaus und Voltaires in der Stellung dieser männer zur 



1) Vgl. bd. I p. 456 — 480. 



Zu Popes Rape of the lock 2 05 

politischen und socialen gemeinschaft der menschen und das wich- 
tigste an der französischen revolution — wozu allerdings weniger ver- 
anlassung ist — in den Veränderungen sieht, welche sie auf dem 
gebiete der religion, der moral, der anschauungen vom menschen als 
einzelner person in ihrem gefolge gehabt hat. Es wird auch , ohne 
dass man die vielfachen und verwickelten beziehungen , welche die 
im XVIII. Jahrhundert zu umgestaltenden historischen mächten werden- 
den auffassungen vom einzelnen menschen und vom gemeinschafts- 
ieben der menschen verbinden , übersieht , die besonderheit beider 
gebiete sogleich einleuchtend, wenn man klar ins äuge fasst, dass das, 
was der Stellung und dem verhalten des einzelnen modernen men- 
schen als solchen zu gründe liegt, wesentlich und im gründe denken, 
empfinden, urtheilen, Vorstellungen, begriffe und begehrungen, also 
thätigkeiten des vernünftigen subjectes sind, dass dagegen die gestal- 
tung des Staats-, rechts- und wirthschaftlichen gemeinschaftslebens der 
modernen Völker ihre lezten bewegenden Ursachen in äusseren, that- 
sächlichen, concreten und praktischen Verhältnissen haben. Die per- 
sönlichen eigenschaften und Überzeugungen eines menschen hängen 
wesentlich von seiner natürlichen anläge und dem grade ihrer ent- 
wickelung ab, seine wirthschaftliche läge, seine häuslichkeit, auch sein 
familienleben gründet sich auf äussere gegebene Verhältnisse, und 
analog ist auch das culturleben ganzer nationen aufzufassen. Wo es 
sich um das kriegswesen, die auswärtigen politischen beziehungen, 
die innere regierungsform, um den ackerbau, die industrie und den 
handel eines volkes handelt, da hat die historische betrachtung zu- 
nächst und hauptsächlich in der geographischen läge und gestaltung, 
den producten des landes, der volkszahl und anderen äusseren bedin- 
gungen der cultur festen fuss zu gewinnen, poesie, religion, kunst und 
Philosophie fordern der hauptsache nach wesentlich andere erklärung, 
und mit einem absoluten monismus wird es, wo die achtung vor den 
thatsachen in beiden culturgebieten nicht ganz aufhört, noch lange 
gute wege haben. Wenn wenigstens derselbe durch ableitung der 
kunst, religion und philosophie eines volkes aus der regenmenge, 
temperatur und küstenbildung des von ihm bewohnten landes, des 
fehlens des handeis und der industrie bei einem andern volke aus 
dessen gemüthsbeschaffenheit erzielt werden soll, so mag man sich 
vor der hand lieber noch mit dem feststellen der blossen thatsachen, 
der anhäufung des schätzbaren materials, begnügen, anstatt dass man 
derartige Systeme durch methodische kunstgriffe erkauft, welche dem 
gesunden menschenverstande die haare zu berge stehen machen. 



2o6 *• Bobertag 

Die richtigkeit der eben versuchten ausführung angenommen — 
was hat sie nun aber mit der locke der schönen Arabella Fermor zu 
thun? Nun, so gar fern liegt es vielleicht nicht, wenigstens ist es 
beiläufig eben nicht befremdlicher, den Lockenraub mit Rousseau und 
Voltaire und der französischen revolution in Verbindung zu setzen, 
als die locke der schönen lady in einer dichtungsart zu besingen, in 
welcher die grossen dichter des alterthums heldenthaten und bedeu- 
tende ereignisse verewigt haben. Pope ist selber, wie die in ihrer 
richtung mit ihm verwandten dichter seiner zeit, ein begeisterter Ver- 
ehrer der alten, er ist der berühmteste Übersetzer des Homer in seine 
muttersprache, er hat gesagt: 

Be Homers works your study an delight, 

Read them by day, and meditate by night; 

Thence form your judgment, thence your maxims bring, 

And trace the Muses upward to their spring. 

Still with itself compar'd, his text peruse; 

And let your comment be the Mantuan Muse, 
und er und sein commentator haben den werth seiner dichtungen 
unter anderem auch dadurch in das rechte licht zu stellen geglaubt, 
dass sie fortwährend auf die nachahmungen und entlehnungen aus 
den hochgelobten alten aufmerksam machten. Pope handelt also, 
wenn es bei einem dichter seiner art überhaupt in einem einzelnen falle noch 
eines besonderen beweises bedarf — Pope handelte mit vollem be- 
wusstsein, und er huldigte durchaus dem grundsatze Boileau's, »qu'un 
poeme hdroique pour etre excellant , devoit etre charge de peu de 
matiere et que c'etoit k l'invention ä la soutenir,« ja wir können 
sagen, er war geneigt , sich noch etwas darauf einzubilden , dass er 
aus so wenig Stoff so viel verse gemacht, oder vielleicht richtiger, er 
mochte in der wähl seines motivs, das allerdings sehr wenig mit Stoff 
belastet ist , sich nach seiner meinung als ein ganz besonders ein- 
sichtsvoller künstler bewährt haben, während Homer und Virgil ihre 
schiffbrüchigen helden und zürnenden götter wol mit einem viel ge- 
ringeren aufwände ästhetisch-kritischer doctrin gefunden hatten. 

Doch dies sei nur nebenbei bemerkt, um noch einmal ausdrück- 
lich auf die nahe geistesverwandtschaft Popes mit seinem französischen 
Vorgänger hinzuweisen und uns zu vergegenwärtigen , dass uns in 
Popes Lockenraub grundsatze und anwendung mindestens in derselben 
schärfe und bestimmtheit vorliegen wie in Boileau's Chorpult. Die 
hauptsache bleibt für uns — und darum mussten wir auch soeben 
auf scheinbar fernliegende dinge genauer eingehen — die hauptsache 
bleibt für uns, die Verbindung zu erkennen, in welcher die in Boileaus 



Zu Popes Rape of the lock 207 

und Pope's beiden dichtungen vorliegende thatsache aus der geschiente 
des geschmackes und der poesie der modernen nationen, mit dem 
geiste der ganzen zeit, die sie hervorgebracht, und namentlich mit den 
so grossartigen Veränderungen des ganzen Zeitgeistes steht, welche sich 
mehrere Jahrzehnte nachher als vollendete thatsachen zeigten. Wenn wir 
uns oben gegen einen unberechtigten monismus in der historischen auf- 
fassung des central-geistigen und des peripherisch-materiellen cultur- 
lebens der Völker verwahrten , so geschah es , um von vornherein 
klarheit darüber zu erlangen, nach welcher seite wir unsere blicke zu 
richten haben, wenn es auf die historische erklärung einer erscheinung 
im gebiete der poesie und des geschmackes ankommt. Popes ge- 
schmacksrichtung ist bekanntlich eine aus Frankreich nach England 
verpflanzte, aber nicht bloss im allgemeinen, auch im besonderen wies 
uns das, was er geschaffen hat, nach Frankreich, und so liegt uns 
natürlicher weise das, was sich in Frankreich im achtzehnten Jahr- 
hundert vollzog, hier am nächsten, und von den vielen grossen Ver- 
änderungen wieder diejenigen, die zunächst im gebiete der literatur 
als ereignisse hervortreten. Es ist denn aber doch auf einen gattungs- 
unterschied sehr bestimmt aufmerksam zu machen , der uns hindert, 
die uns interessirende literarische thatsache mit den grossen geistigen 
bewegungen, welche durch Rousseau und Voltaire sich als literarische 
thatsachen darstellen, in allzunahe beziehung zu setzen. Wenn 
Voltaire auch als dichter, ja als classiker in der französischen literatur- 
geschichte figurirt, so entspricht dem wesen und dem eigentlich wirk- 
samen in seiner literarischen thätigkeit doch weit mehr die bezeich- 
nung Schriftsteller, Rousseau kann man gar nicht als dichter in 
strengem und namentlich nicht in dem noch seiner zeit gültigen sinne 
bezeichnen, er ist gradezu ein typus des modernen schriftstellerthums 
auch im gegensatze zum poeten, dem erzeuger von gelehrt-höfischen 
kunstwerken zur Unterhaltung der hochgebildeten und vornehmen gesell- 
schaft, soviel tiefe poesie in seinen Schriften und noch mehr in seiner 
ganzen geistigen und moralischen persönlichkeit auch liegen mag. Denn 
so fruchtbar und lebendig seine phantasie ist, so glühend sein pathos, 
in dem jeder gedanke wie ein aufschrei der leidenschaft erscheint, 
die hauptsache ist bei ihm wie bei Voltaire doch eben der gedanke, 
der lediglich seiner neuheit und seiner tragweite wegen ein so leiden- 
schaftliches und glänzendes äussere gewinnt, der sich aber, wenn nur 
die bedingungen zu einer ruhigeren Stimmung vorhanden sind, rein 
sachlich und in völlig begriff lieher methode vortragen und beweisen 
oder bestreiten lässt. Und dieser gedanke bewegt sich um einen 



208 F- Bobertag 

mittelpunkt , von dem wol eine belebende wirkung auf poesie und 
kunst ausgehen kann, der aber mit diesen gebieten doch keineswegs 
in unmittelbarer Verbindung stellt. Die freiheit des menschlichen süb- 
jectes im denken, empfinden und handeln, die rückkehr des menschen 
von dem unberechtigten zwange einer auf irrwege gerathenen cultur 
zur Selbstbestimmung der natur haben Rousseau und Voltaire in ihren 
Schriften glänzend vertreten , für die befreiung der poesie und kunst 
dagegen hat der eine nur indirect gewirkt, der andere hat direct und 
offen grade in den höchsten gattungen dem ^falschen regelzwange < 
gehuldigt. Von dem Zeitpunkt an, wo dies geschah, änderte sich die 
machtstellung der europäischen nationen in dem gebiete der poesie. 
Seitdem die häupter der französischen literatur in erster linie schrift- 
steiler und nicht mehr dichter waren, ja, wie Voltaire, den fortschritt, 
den sie als Schriftsteller vertraten, als dichter, als künstler verneinten, 
war die führerstelle in dem gebiete der dichtung, das amt des gesetz- 
gebers in sachen des geschmacks unbesetzt, und den hervorragenden 
geistern der anderen nationen war es anheim gegeben , sich an die 
spitze zu stellen, wenigstens eigene wege zu gehen und auf eigene 
rechnung und gefahr weiterzuarbeiten. Den umfassendsten und erfolg- 
reichsten gebrauch von dieser neuen Stellung der kräfte machte die 
deutsche nation, und eben deswegen erscheint bei uns die freiheit 
von dem einflusse des französischen geschmackes genommen und 
nicht gegeben, wenn wir die grossen und spontanen geister, Lessing, 
Herder, Goethe, Schiller ins äuge fassen, betrachten wir dagegen 
Wieland und namentlich in seinen prosaschriften, so werden wir 
gewahr, wie er nicht sowol die nun nicht mehr gehinderte 
Umgestaltung der höchsten kunstgattungen in die hand nimmt, son- 
dern in der form, die er mit glück und geschick zum grossen theil 
seinen französischen Zeitgenossen abgesehen , die ideen , zu denen er 
durch Rousseau und andere Franzosen wenigstens angeregt war, zu 
deutscher gangbarer münze umprägte. Eine ähnliche nicht sowol 
gegensätzliche als anknüpfende Stellung nehmen die Engländer ein, aber 
die weit grössere Selbständigkeit der einzelnen geister, der starke 
zug zu entschieden nationaler gestaltung der literatur in form und 
inhalt, wie wir ihn bei Addison, Fielding, Smollett, Goldsmith, Sterne 
und anderen finden , bewirkt , dass das , was in England geschieht, 
ein weit volleres , lebendigeres und farbensatteres bild darbietet, als 
das, was wir in Deutschland durch Wieland geschehen sahen. In 
anderer beziehung verschieden waren die bestrebungen und erfolge 
hier und dort in den höchsten gattungen der poetischen kunst, im 



Zu Popes Rape of the lock 20g 

drama, in der tragödie vorzugsweise. Die englische nation war ja in 
ihrer poetischen literatur im engeren sinne bereits viel besser aus- 
gerüstet, ihre fruchte lagen gereift unter dach und fach, sie hatte 
ihre producte wohl assortirt auf lager, während in Deutschland erst 
an die production gegangen werden musste. Shakespeares werke 
brauchten bloss hervorgeholt und zur geltung gebracht zu werden, 
die Goethes und Schillers waren erst zu schreiben, und vergessen 
waren jene doch in England eigentlich nie gewesen , wenn auch zur 
zeit des französischen geschmackes weniger beachtet und genossen 
als geachtet und berühmt. 

Nun können wir zu Pope und seinem Lockenraub zurückkehren, 
es wird jetzt nicht mehr schwer halten , den punkt der literarischen 
entwickelung der modernen nationen zu bestimmen, für den er und 
sein gedieht zur Signatur dient. Popes ganze thätigkeit als dichter 
und sein Lockenraub insbesondere stellt den äussersten punkt der 
entwickelung der gesammten modernen literaturen unter dem fran- 
zösisch-classischen einflusse dar, in Pope und seinem Lockenraub liegt 
uns die letzte consequenz dieser geschmacksrichtung vor, eine so 
vollendete consequenz, dass nach ihr nur noch ein Umschlag, eine 
Veränderung der richtung erfolgen kann. Es ist eigentlich eine blosse 
Wiederholung des schon gesagten, wenn wir mit hinweisung auf die 
soeben dargethane Übereinstimmung Popes und Boileaus in ihrer 
meinung von der erzählenden dichtung und auf den schon mehrmals 
citirten satz Boileaus den von Pope eingenommenen künstlerischen 
Standpunkt als den des reinsten, absolutesten formalismus bezeichnen. 
Es ist von ästhetikern und kunsthistorikern gesagt worden, dass das 
charakteristische des rocoeco in dem überwiegen des Ornaments, des 
rahmens, des beiwerks, ja in dem aufgehen des bildes in dem rahmen, 
des verzierten in der Verzierung liege. Ich muss es den in der kunst- 
geschichte erfahreneren überlassen, zu entscheiden, wie weit diese be- 
stimmung das wesen der sache trifft, ist sie aber richtig, so könnte 
man Popes Lockenraub die vollkommenste rocoecopoesie nennen. Es 
werden uns dichterische arabesken geboten, die etwas verzieren. Diese 
arabesken sind insofern sehr schön, als sie als solche ausserordent- 
lich hoch entwickelt sind , ihre zierlichen formen breiten sich nach 
allen denkbaren seiten hin aus, mit der sichersten hand arbeitet der 
künstler einen breiten und bis ins kleinste genau und geschmackvoll 
ausgeführten, höchst complicirten rahmen um ein bild. Um welches 
bild? Was ist das, was seine arabesken verzieren? Genau genommen 
und geradeheraus gesagt: nichts. Einmal ist der Stoff an sich nichtig: 

Kölbing, Englische Studien. II. i. 14 



210 F- Kobertag 

Ein cavalier schnitt einer dame eine locke ab , daraus entstand ein 
streit und — hörte schliesslich einmal auf, verlief im sande , denn 
wir erfahren über das eigentliche ende des zwistes nichts. Das ist 
sehr wenig stoff, eigentlich nach unserem ges< hmack gar keiner, aber 
es liegt nicht viel- daran, wie uns der stoff vorkommt, viel interessanter 
für die historische bedeutung ist, wie der dichter den stoff angesehen 
hat, und wir müssen ohne bedenken zweitens sagen , dass er ihn 
auch wirklich als ein nichts behandelt, als stoff gar nicht ge- 
achtet hat. 

Einer ausführlichen analyse des allbekannten gedichtes bedarf 
es nicht , um sich hierüber durchaus klar zu werden , nur den ab- 
schluss, den das ganze im fünften gesange findet, brauchen wir etwas 
genauer ins äuge zu fassen, zugleich die partie des gedichtes, welche 
am meisten dem missverständnisse ausgesetzt gewesen zu sein scheint. 
Der höhepunkt des Streites ist bezeichnet durch die zwei verse : 

Restore the Lock ! she cries ; and all around 
Restore the Lock! the voulted roof rebound. 

Mit der wuth eines Othello vergleicht Pope — der ja auch Shakespeare 
herausgab — die aufgeregten leidenschaften, — und: 

The Lock, obtain'd with guilt, and kept with pain, 
In ev'ry place is sought, but sought in vain: 

Hierauf folgt nach witzigen Seitenblicken und literarischen anspielungen 
die erklärung des dichters, dass die locke an den Sternenhimmel ver- 
setzt sei. Diese wendung verlangt genau beachtet und in Popes 
sinne aufgefasst zu werden, wenn man die grundsätze seiner kunst- 
übung in ihr wiedererkennen und die folgerichtigkeit seines Verfahrens 
würdigen will. Es fragt sich, ob die erhöhung der locke als wesent- 
licher bestandtheil in die folge der begebenheiten und handlungen, 
welche der dichter als seinen stoff darstellt, hineingehört, oder nicht. 
Im ersten falle ist sie der befriedigende abschluss der geschichte, die 
lösung der Verwickelung, der einheitspunkt , die pointe des ganzen, 
im andern falle gehört sie in den rahmen , in die arabesken. Wer 
nun die letzten 40 verse unbefangen , mit aufmerksamkeit und ein- 
gedenk der art, wie der dichter bis dahin seine geschichte vorgetragen, 
durchliest, kann nicht in zweifei bleiben, dass Pope selber ganz klar 
und bestimmt sich den zweiten fall als wirklich gedacht hat. Wenn 
in dem, was der leser in v. 123 

but trust the Muse — she saw it upward rise 
der muse glauben soll, wirklich der abschluss der geschichte liegen 
sollte, so würde Pope die sache so dargestellt haben, und hierzu hätte 



Zu Popes Rape of the lock 2 1 1 

vor allen dingen doch wenigstens ein wort davon gehört, dass die 
betheiligten personen davon befriedigt gewesen seien , dass sie über- 
haupt einen eindruck davon erhalten hätten. Aber kein wort von der 
Stimmung, in der die helden abtreten, nichts von dem, was sie etwa 
zu diesem wunder gesagt haben, niemand verzieht eine miene. Wenn 

Hettner gesagt hat : » alle grossen und kleinen leidenschaften 

der menschlichen seele heben und regen sich, bis die geraubte haar- 
locke schönheitstrahlend oben unter die Sterne versetzt wird und nun 
die beleidigte schöne vor stolz und glück aufjubelt«, so hat hier aller- 
dings das leider vielverbreitete vorurtheil , die erhöhung der locke 
bilde wirklich die pointe der erzählung, eine irrthümliche hinzudichtung 
veranlasst, aber Hettners jüngster kritiker begeht genau genommen — 
und genau nehmen wollen wir doch eine sache, über die in so 
scharfen ausdrücken gestritten wird — denselben fehler, indem er 
den grundirrthum bestehen lässt und es bei ihm so scheint, als sei 
dass wort »zuletzt« in dem satze »er (Pope) stellte sie (Belinda) 
auch in Wirklichkeit bis zuletzt als von schwerer melancholie und von 
wildem zorne befallen dar« ... zu verstehen »bis nach der Ver- 
setzung der locke an den Sternenhimmel.« Wenn das so wäre, wenn 
überhaupt innerhalb von Popes geschichte die locke in den him- 
mel versetzt würde, so wäre weiter nichts zu sagen, als dass Hettner 
weit bessern geschmack gehabt als Pope selber, indem er sich ge- 
dacht, was geschehen musste, der dichter dagegen in unglaublicher 
Verblendung davon nichts gemerkt. Aber Pope ist im recht, er 
konnte seine helden zu dem wunder weder etwas sagen, noch dabei 
etwas empfinden oder denken lassen, denn sie wussten gar nichts 
davon und konnten nichts davon wissen, weil es in der reihe der er- 
zählten begebenheiten nicht vorkommt und nicht vorkommen konnte, 
denn das wunder geschah erst, als Pope mit seinem gedichte hervor- 
trat, die erhöhung der locke besteht einzig und allein in seinem 
poem, und Pope hat nicht unterlassen, dies ausdrücklich und bestimmt 
in den beiden versen zu sagen , mit denen er sein gedieht beschliesst : 
This Lock, the Muse shall consecrate to fame, 
And' midst the stars inscribe Belinda's name. 

Man muss ohne jedes bedenken dem dichter zugestehen, dass er 
methode besitzt und von dieser methode den feinsten und vortheil- 
haftesten gebrauch zu machen weiss. Die wunderbare erhöhung der 
locke bildet allerdings das glänzende schlusstableau seines gedientes, 
man kann diese wendung der sache auch die pointe des gedientes, 
aber nicht die der in dem gedichte erzählten geschieht e, des 

14* 



212 F. Bobertag 

Stoffes, nennen. Das kunstwerk hat einen abschluss , das in dem 
kunstwerk dargestellte hat keinen, darf keinen haben, denn dann wäre 
keine einheit vorhanden, weil zwei pointen vorhanden wären. Also 
fällt die pointe des gediehtes ausserhalb der erzählung, damit das 
ganze ein schönes, einheitliches ganze werde, treten die helden ab, 
unbefriedigt und unbefriedigend, und an ihrer stelle tritt der dichter 
auf und thut das , was eigentlich von allem , was gesagt wird , das 
erwähnenswertheste ist : Alexander Pope , der grosse dichter , hat 
ein meisterstück gemacht. Das bild ist im rahmen aufgegangen, das 
dargestellte ist nur mittel zur darstellung , das intcresse ist 
vollständig von dem verzierten auf die Verzierung übergegangen. 
Das ist der entwickeltste formalismus und subjeetivismus , aber er 
ist bewunderungswürdig fein und folgerichtig entwickelt, das 
kunstwerk ist in allen seinen theilen auf die geltendmachung der 
meisterschaft des künstlers berechnet , und mit dem glänzendsten er- 
folg danach behandelt, aber es ist darüber zum kunststück, zum 
spiel geworden. Von bewältigung eines grossen Stoffes, von harmonie 
der form mit dem inhalt , die zum wesen eines wahren kunstwerks 
gehört, kann gar keine rede sein, so wenig, wie man sagen kann, dass 
einer eine Schnupftabakdose mit kraft und gewandtheit regiere. 
Man kann , was bekanntlich die Stutzer zu Popes zeiten mit erfolg 
übten , mit einer Schnupftabakdose zierlich spielen — nicht einmal 
anmuthig spielen, denn schon dazu ist der gegenständ zu geringfügig, 
aber das thut auch nichts , wenn einmal die mode nur das zierliche 
spiel mit etwas möglichst geringfügigem verlangt. Dann kommt es 
aber einzig und allein auf die ausbildung des spiels als solchen an, 
der wird der rechte sein, der seinem spiele eine möglichst lange aus- 
dehnung zu geben weiss, ohne dabei durch eintönigkeit oder Wieder- 
holungen zu ermüden, der, da er bei der nichtigen sache nicht zu 
bleiben braucht, auch bei ihr nicht bleibt, sondern alle möglichen 
andern dinge in die behandlung der sache hineinzieht, alle möglichen 
artigen einfalle hat, seine Schnupftabakdose bald als ball gebraucht, 
bald sie einen wagen, ein schiff, ein buch, ein thier, eine waffe u. s. w. 
sein lässt. In der that, der vergleich zwischen dem den Lockenraub 
unsterblich machenden oder richtiger sich mit dem Lockenraub un- 
sterblich machenden dichter und dem mit seiner dose tändelnden 
Stutzer der zeit Popes passt wenigstens so gut, dass man in hinsieht 
auf den stoff, mit dem sich beide beschäftigen, die herbeiziehung des 
si licet parva componere magnis nicht nöthig hat, und auch Pope 
selber gegen die vergleichung seines Stoffes mit einem goldenen dös- 



Zu Popes Rape of the lock 213 

chen kaum etwas würde gehabt haben , denn er selber lässt mit ab 
sieht und bedacht seinen Stoff nicht bloss in seiner ganzen nichtigkeit 
verbleiben, sondern kehrt diese noch hervor, indem er ihm die eigene 
pointe entzieht. Aber in einer beziehung geschieht ihm durch diesen 
vergleich unrecht, insofern nämlich , als sein spiel ausdruck einer 
historisch begründeten geschmacksrichtung, die tändelei mit der dose 
dagegen eine alberne laune der mode war. 

Ich habe versucht, die durchführung des stilprineips Popes an 
dem Schlüsse seiner dichtung, wo es seine consequenteste ausprägung, 
wenngleich nicht seine einfachste und am leichtesten erkennbare an- 
wendung erfährt, aufzuzeigen, und es kann nun wol jedem überlassen 
bleiben, die anwendung derselben grundsätze in den vorhergehenden 
theilen des Lockenraubes, wo sie einfacher und deutlicher hervortritt, 
zu erkennen. Es ist nicht zu erdenken, wie jemand darüber in zweifei 
sein könnte, dass durchweg dasjenige, was der dichter zu den ereig- 
nissen sagt, oder seine personen sagen lässt, dass überall die allegorie, 
die anspielungen, die vergleichungen, die gelegentlich und neben dem 
Stoffe her gemacht werden, die hauptsache oder eigentlich alles sind, 
und es sei nur noch darauf hingewiesen, dass sich das stilprineip 
unseres dichters auch auf rein philologischem wege, d. h. durch ein- 
gehen auf die einzelheiten seines sprachlichen ausdruckes, die bilder, 
deren er sich bedient, auf die eigenthümlichkeit seines glatten und 
übersichtlichen und doch bequem und breit dahingleitenden und jeden 
Seitenblick, jede einschaltung leicht aufnehmenden satzbaues nach- 
weisen lassen würde. Dieser nachweis soll aber hier nicht geführt 
werden, weil er dem thema, das sich auf dem gebiete der geschichte 
des geschmacks zu halten hat, denn doch fremdartig sein und die 
Übersichtlichkeit der darzulegenden gedanken stören würde. Was da- 
gegen die historische bedeutung des Popeschen stilprineips. dessen 
einseitigkeit wir so scharf ins äuge gefasst haben, dass wir dem dichter 
wol auch die literarhistorische Würdigung, die er verdient, vollständig 
und ausdrücklich schuldig sind, anbelangt, so ist darauf noch zurück- 
zukommen , und wir thun dies , nachdem wir bereits die grösseren 
grundlinien dazu gezogen, zunächst durch nochmaliges anknüpfen 
an Boileau. Wenn wir die aufmerksamkeit, welche wir dem Schlüsse 
des Lockenraubes soeben zugewendet, auch auf den des Chorpultes 
richten, so werden wir — abgesehen davon, dass es, nachdem wir 
Boileaus doctrin aus seinem eigenen munde mit klaren lehrhaften 
Worten vernommen haben, hierzu keines weiteren nachweises bedarf — 
so werden wir sehen , dass sich auch hier ganz dasselbe stilprineip 



214 ' Bobertag 

angewandt findet. In dem ganzen sechsten gesange des Chorpultes 
ist der eigentliche Stoff schon so gut wie fallen gelassen, wenn am 
anfange der dichter auch einen neuen anlauf zu nehmen scheint. Die 
wahre frömmigkeit, welche zurückgezogen in den Alpen lebt ''in der 
grande Chartreuse) macht sich, begleitet vom glauben, von der hoff- 
nung und von der liebe , auf nach Paris , um dort der Themis eine 
sehr lange und pomphafte klagrede über den ärgerlichen Vorfall vor- 
zutragen. Auf ihre 70 verse lange rede, die eigentlich nur in ganz 
allgemeinen ausdrücken die übelstände des kirchlichen lebens schildert, 
antwortet Themis in 44 versen, sie wisse schon rath, die frömmigkeit 
möge sich nur an Ariste, 

Ariste, dont le Ciel et Louis ont fait choix — , 
wenden, welcher die sache bald beilegen werde. Dieser Ariste, dessen 
moralische und juristische qualitäten die hälfte der rede der Themis ein- 
nehmen, war der präsident de Lamoignon, und nach dem Boileau so sein 
compliment an den mann gebracht, eilt er rasch zum Schlüsse. Zwar 
apostrophirt die frömmigkeit, obgleich ihr Themis gesagt hat: 

Et pour obtenir tout, tu n'as qu'ä te montrer, 
den Ariste noch in neun versen, und dieser lässt sofort den prälaten 
und den cantor kommen. Nun aber ist es genug, die muse , heisst 
es, möge den dichter leiten, oder lieber noch möge Ariste selber es 
der weit erklären, wie er es dahin gebracht, dass der cantor mit eigner 
hand das pult an seinen alten platz gebracht, der prälat dagegen, mit 
der aufrechthaltung seines ansehens zufrieden, es sogleich wieder habe 
entfernen lassen. Er, der dichter, habe genug gethan : 

II me suffit, pour moi, d'avoir su par nies veilles 
Jusq'au sixieme chant pousser ma fiction, 
Et fait d'un vain pupitre un second Ilion, 

vor der aufgäbe, Ariste zu schildern, müsse er verstummen. 

Die zuletzt citirten verse beweisen, dass sich am Schlüsse seines 
gedichtes auch Boileau seinem Stoffe ebenso gegenüber stellte wie 
Pope, aber wie viel besser ist Popes schlusstableau ! Zunächst ist 
Boileaus letzter gesang, welcher in seiner ganzen ausdehnung als 
abschluss des gedichtes anzusehen ist, in mehrfacher beziehung un- 
geschickt. Von den 176 versen, aus denen er besteht, sind 123 
verse blosse reden, aber nicht reden voll gedanken, sondern frostige 
plaidoyers voll allgemeiner phrasen mit einigen matten persönlichen an- 
spielungen und Schmeicheleien, die wenigstens uns sehr fad erscheinen. 
Aber, was schlimmer ist, die ganze anläge des Schlusses und insbe- 
sondere die wendung zur Verherrlichung Aristes ist verunglückt und 



Zu Popes Rape of the lock 2 1 < 

mindestens höchst wirkungslos ausgefallen , während sie doch eine 
art prachtstück, ein schlusseffect hätte sein sollen. Denn — bei- 
läufig bemerkt — dass Boileau in den beiden langen reden, die in 
der that musterhafte specimina rhetorices und, was ja dasselbe ist, 
auch hochpoetische declamationen nach dem stile ihrer zeit sind, von 
denen man sagen kann, dass sie sich von manchen reden Racinescher 
helden nur durch ihre abstractheit und situationslosigkeit ungünstig 
unterscheiden, dass Boileau schon in diesen stücken einen genügenden 
abschluss des ganzen gesehen haben sollte, scheint nicht glaublich. 
So sehr wird doch der geschmack jener zeit von dem unsrigen nicht 
abstehen, das hervortreten der figur Aristens ist vielmehr der schluss- 
accord, und eben dieser ist ganz und gar verfehlt. 

De la Celeste fille (der frömmigkeit) il (Ariste) reconnait l'eclat 
Et mande au meme instant le chantre et le prelat. 

Was wird der herr präsident mit den beiden priestern gemacht 
haben, die uns Boileau als die kleinlichsten gesellen, den einen als 
einen schwachkopf, den andern als einen eitlen gecken, schildert? 
Monsieur de Lamoignon wird wol mit anwendung seiner autorität 
die sache sehr kurz beigelegt haben, sei es, dass er ihnen in höflicher 
form etwas für beide sehr unangenehmes gedroht, sei es, dass er das 
ganze scherzhaft genommen und beide zu guten speisen und ge- 
tränken eingeladen. Mit zwei solchen menschen fertig zu werden, war 
jedenfalls für einen Präsidenten de Lamoignon etwas geringes und 
nicht der art, dass man darin einen beweis seines Charakters und 
seiner richterlichen Weisheit , der poetisch und pomphaft zu verherr- 
lichen war, sehen konnte. Der dichter hat gegen seine eigene ab- 
sieht den vornehmen und bedeutenden mann , den er verherrlichen 
wollte, ironisirt, indem er ihn ob einer solchen nullität verherrlicht. 
Was würde man sagen, wenn ein dichter unserer zeit mit einem hoch- 
gestellten Staatsbeamten so verführe? Wäre die hochtrabende rede 
der Themis nicht, stellte sie nicht den Ariste als einen richter dar, 
den gott und sein ebenbild auf erden, Louis XIV auf seinen platz 
gestellt, so ginge es noch an, die verse: 

Ariste, c'est ä toi d'en instruire notre äge. 
Seul tu peux r^veler par quel art tout-puissant 
Tu rendis tout-a-coup lc chantre obeissant 

würden den sinn haben: :>Dir war es eine kleinigkeit, die zwei 
pfaffen zur Vernunft zu bringen, darum wollen wir hiervon nicht erst 
reden«, aber nach der hervorhebung der glänzenden eigenschaften 

des hochgestellten und hochachtbaren mannes erwartet man eine andere 



2I 6 F. Bobcrtag 

heldenthat von ihm. Kurz und gut, herr von Lamoignon erscheint 
durch die Verbindung, in die er mit den kleinlichen und beschränkten 
menschen gebracht wird , selber in einem zweifelhaften , ironisch 
schillerndem lichte. Wem man schmeicheln will, den muss man nicht 
an einen so ungünstigen platz stellen. 

Und wenn wir auch von dieser nach unserem geschmacke übel 
angebrachten und wenig geschickt ausgeführten huldigung ganz ab- 
sehen, oder wenn wirklich vor zweihundert jähren ein grosser herr 
in Paris mit einer solchen poetischen Verherrlichung zufrieden war, 
gegen Popes schlussverfahren im Lockenraub fällt das Boileaus un- 
endlich ab. Wenn der ehrgeizige Engländer sein gedieht schrieb, 
um den Franzosen zu übertreffen, so hat er das nicht bloss durch 
die einführung der sylphen und der sonstigen metaphysischen ma- 
schinerie, die er nach Warburtons pedantischer bemerkung der ^Philo- 
sophie« der rosenkreuzer verdankt, erreicht, sondern allein schon der feine, 
seine meisterschaft in dem rocoecostile der poesie glänzend beweisende 
schluss sichert ihm die palme vor Boileau. Im Lockenraub erscheint 
zuletzt, wo die helden abtreten, der wunderwirkende dichter selber 
in vortheilhaftester beleuchtung, bei Boileau muss ein mann, der als 
ein wunder seiner zeit gepriesen wird, kommen, die beiden narren 
zum tempel hinauswerfen, um sein meisterstück zu zeigen, während 
der dichter mit dem geständniss vom schauplatze verschwindet, sein 
werk zwar mit anstrengung (veilles) , aber doch glücklich bis zum 
sechsten gesange ausgedehnt zu haben. 

Werfen wir nun einen blick auf die art und weise, wie Tassoni 
zu ende kommt , so tritt uns zunächst die thatsache entgegen , dass 
Boileau nach ihm, wie Pope nach Boileau gearbeitet hat, nur dass 
Pope Boileau bedeutend verbessert — die berechtigung des stilprin- 
cips beider vorausgesetzt — Boileau dem Tassoni einfach im äusser- 
lichen nachahmt und dabei eine ungeschickte Wendung anbringt. 
Denn im »Geraubten eimer« tritt auch zuletzt ein hochgestellter ver- 
mittler, dem freilich keine besonders glänzende rolle zufällt, auf, und 
ein neuer militärischer erfolg der Modenesen muss erst das bewirken, 
was zuletzt herauskommt, nämlich nichts, da alles beim alten bleibt. 
Nach dem stilprineip Boileaus und Popes haben wir aber Tassonis 
gedieht nicht zu messen und folglich auch seinen abschluss nicht zu 
beurtheilen, und zwar einfach deswegen, weil Tassoni dieses stil- 
prineip gar nicht hat. Er erweitert allerdings auch seinen an sich 
selber unbedeutenden stoff, aber indem er neuen von anderwärts 
her dazu nimmt und das neue dem alten zwar lose , wie es sein 



Zu Popes Rape of the lock 217 

lustiges am blossen Stoffe vergnügen findendes fabuliren mit sich 
bringt, aber doch organisch als wirklichen stoff einverleibt. Er macht 
aus dem kleinen bilde ein grosses bild, die beiden andern ein kleines 
bild mit grossem rahmen und vielen zierlichen arabesken. Und so 
ist es auch ganz natürlich , dass sich bei Tassoni das hauptmotiv 
der dichtung, der contrast des geringfügigen mit dem heroischen, der 
bei Boileau und Pope einfach in dem verhältniss des Stoffes, der 
einen kämpf darstellt , mit der form , die den nichtigen streit wie 
einen grossen, des heldengedichts würdigen behandelt, zur anschauung 
kommt, dass sich bei Tassoni dieser gegensatz mehrfach ausgestaltet 
darbietet , erstens in dem erbitterten kämpfe zweier kriegerischen 
Städte und ihrer zahlreichen bundesgenossen um den werthlosen 
eimer, zweitens in dem turnier, welches der ritter von der insel ver- 
anstaltet, drittens in dem Zweikampfe der beiden memmen Titta Cola 
und Culagna und endlich noch in dem letzten zusammentreffen der 
erbitterten gegner bei dem kloster. Der männerehrende streit, der 
gegenständ der erhabensten dichtart, ist schon in der Batrachomyo- 
machie parodisch behandelt worden , und auch der deutschen volks- 
poesie ist dieses motiv nicht fremd, wir finden es in der noch räthsel- 
haften episode des prosaischen Siegfriedbuches von Jorcus und Civelles, 
Tassoni hat es in der ganzen Weltliteratur am manichfaltigsten und 
farbenreichsten behandelt, aber Boileau und Pope haben den rühm, 
es im rococcostile , als blosse rahmenfüllung durchgeführt zu haben. 
Dass das motiv selber zu diesem Stile in einer art von Verwandt- 
schaft steht, ist nicht zu leugnen, schon die komische auffassung des 
kampfes, das blosse parodiren ist ein merkmal der Zersetzung des epischen 
Stiles, ein zeichen des am heroisch-epischen Stoffe unbefriedigten inter- 
esses, aber die gänzliche aufhebung des Stoffes in der äusseren 
form der behandlung ist erst sache des rococco , und Pope kann, 
wie wir gesehen haben, den anspruch auf die würde des vornehmsten 
epikers dieses Stiles, auf den namen des rococco- Homer machen. 
Es ist unnöthig, nun noch eine genaue vergleichung des Lockenraubes 
mit dem Chorpult anzustellen , um die grössere feinheit und scharfe 
Popes in der durchführung des stilprincips auch in den andern theilen 
der beiden dichtungen aufzuzeigen, doch mag bemerkt werden, dass 
die Vorzüge Popes am Schlüsse bei weitem mehr als vorher zu tage 
treten, die übrigen theile des Chorpultes unterscheiden sich vom 
Schlüsse denn doch ganz erheblich zu ihrem vortheil. Sehr zu seinem 
nachtheile von Boileau und Pope unterscheidet sich unser Landsmann 
Zachariä, denn in seinem berühmtesten komischen heklengedichtc 



218 F - Bobcrtag 

hat er den ganzen Standpunkt seiner Vorbilder verkannt. Das beweist 
die satirisch - moralische tendenz und die auffassung des Stoffes, der 
eben , weil er als Stoff durch sich selber zur geltung kommen soll 
und doch zugleich nichtig und trivial ist, langweilig wirkt. Ohne 
rahmen und in bescheidenem rahmen ist eben ein solches bild nicht 
zu brauchen. Missrathen musste jede nachbildung Popes auch schon 
deshalb, weil er unübertrefflich war, unübertrefflich in dem schon 
oben angedeuteten sinne, dass sich weder der stil noch das genre, 
welches ja eben sein ganzes wesen im stile hat, weiter fortbilden 
Hessen, nachdem er sie auf die spitze getrieben. Man sage nicht, 
Zachariae habe das verdienst, das genre des komischen heldengedichts 
in die deutsche literatur eingeführt zu haben. Das genre gehörte 
keiner nationalliteratur an, sondern war der ausdruck einer allen 
neuzeitlichen Völkern gemeinsamen geschmacksrichtung , und nur, 
wenn sie eine Weiterbildung verdient und ermöglicht, kann von einer 
erspriesslichen Verpflanzung derselben aus einer modernen literatur 
in die andere die rede sein, andernfalls findet eine blosse und zweck- 
lose nachahmung statt, selbst, wenn sie, wie dies bei Zachariä nicht 
der fall ist, als solche gelungen ist, d. h. denselben formellen und 
inhaltlichen anforderungen wie das Vorbild stand hält. 

Doch Zachariä ist wirklich zu unbedeutend , als dass es sich 
verlohnte, uns länger bei ihm aufzuhalten, seine ansprüche auf die 
nachfolgerschaft Popes abzuwägen, und darin, dass er von Pope an- 
geregt wurde , auch nur einen kleinen theil der literarhistorischen be- 
deutung des letzteren zu suchen. Auf Thümmels Wilhelmine könnte 
etwa noch hingewiesen werden , aber hauptsächlich deshalb , weil 
dieses zierliche aber gattungslose ding das hinübergleiten von der 
poetischen erzählung zum roraan ausdrückt , ein Vorgang , den wir 
an anderen erscheinungen viel besser beobachten können und der 
bereits weiter oben als ein zeichen des ablenken s in andere richtun- 
gen des geschmacks bezeichnet ward. Und in der that war die hin- 
wendung des XVIII. Jahrhunderts zur prosadichtung der zeit nach 
das erste Symptom davon, dass die grossen geistigen Umwälzungen 
jener zeit auch auf das gebiet der poesie eine positive, die gesetze 
der kunst umgestaltende Wirkung hatten. Voltaire und Rousseau 
schrieben romane , ihnen folgten eine ganze anzahl von gesinnungs- 
verwandten in Frankreich, Wieland in Deutschland und die grossen 
erzähler der Engländer haben wir bereits genannt, und an allen diesen 
Schriftstellern lässt sich die bemerkung machen, dass es die die zeit 
bewegenden und aufregenden neuen ideen waren, welche zur aufnähme 



Zu Popes Rape of the lock 2 ig 

der bequemen und dem manichfachsten inhalte entsprechenden form 
drängten. Voltaire hat zwar seinen oppositionellen und revolutionären 
gedanken auch in kunstgerechten dichtungen ausdruck gegeben, aber 
das verlangen nach natürlichkeit und Wahrheit führte zu der einfachen 
und anspruchslosen prosa. War doch das buch, welches unabhängig 
von Rousseau dieses thema so zu behandeln wusste, dass ganz Europa 
daran den lebhaftesten antheil nahm, Defoes Robinson, zugleich der 
epochemachende anfang der classischen blüthe dieser gattung in 
England, und wie unmittelbar Pope mit seinem Lockenraub dieser 
totalen Umgestaltung der erzählenden dichtung vorausgeht, das wird 
schon durch die zeitliche nähe der beiden erscheinungen anschaulich 
genug. 

Es dürfte nicht überflüssig sein, zu erklären, dass wir hier nur von 
einer neuen belebung der prosadichtung, von der erfüllung einer schon 
vorhandenen form mit neuem gehalt reden, welcher allerdings auch 
auf die ausbildung der form einflussreich war, und dass es auch 
ausser unserer aufgäbe und absieht liegt, die folgerung zu ziehen, 
dass der roman das epos der neuzeit, das heisst die jetzt allein be- 
rechtigte und lebensfähige gattung der epischen poesie sei. Wir 
sehen einfach in dem aufblühen dieser gattung in der französischen, 
englischen und deutschen Literatur des XVIII. Jahrhunderts eine be- 
stätigung, dass wir in Popes Lockenraub einen endpunkt zu erblicken 
haben, auf den etwas anderes, positiv neues folgen musste, und 
haben um so weniger grund, hier mehr zu sehen und zu folgern, als 
die gesammte, mit den neuen ideen durchsetzte romanliteratur des 
XVIII. Jahrhunderts noch keineswegs uns die ganze bedeutung der 
Vorgänge in der geschichte der modernen poesie anschaulich macht und 
erklärt, welche unsern geschmack von dem Popes trennen. Wir haben 
am anfange unserer betrachtung den satz aufgestellt, dass der poe- 
tische werth der dichtungen Popes, wobei wir zunächst immer den 
Lockenraub im äuge hatten, und seine literarhistorische bedeutung in 
diametralem gegensatze ständen. Der literarhistorischen bedeutung 
unseres dichters und seines berühmtesten werkes haben wir gerecht 
zu werden gesucht. Wenn wir uns jetzt noch einmal die frage vor- 
legen, woher es komme, dass wir ihm von unserem Standpunkte den 
poetischen werth absprechen mussten, so werden wir die hauptursache 
des Umschwunges erkennen , welcher in dem anspruche an werke 
der poesie erfolgt ist. Die sache lässt sich in kürze sagen : Wir 
haben sinn für das stoffliche in der poesie bekommen, oder, wie wir 
leicht sehen können, wiedererworben, und damit auch sinn für die 



220 !'• Bobertag 

kraft des dichters, welche den stoff überwindet und gestaltet. Wir 
erwarten von der dichtung unmittelbarkeit und anschaulichkeit des 
eindruckes auf die phantasie und messen an der gewalt des eindruckes 
die kraft des dichters. Wo haben wir das gelernt? Woher diese 
Veränderung in dem geschmack der gebildeten ? Woher haben wir 
das recht, Pope den poetischen werth abzusprechen, weil seinen dich- 
tungen die unmittelbarkeit des eindruckes fehlt? Es wäre ungerecht, 
wenn wir verkennen wollten , dass der geschmack des einzelnen ge- 
bildeten in erster linie durch die grossen dichter der neuzeit gebildet 
und in seinen anforderungen an poesie überhaupt bestimmt werde. 
Aber es wäre ebenso ungerecht und zugleich unhistorisch , wenn wir 
uns mit dieser erklärung begnügen wollten. Wir können schon unsere 
grossen dichter nicht begreifen , ohne davon kenntniss zu nehmen, 
wie sie von Shakspeare und den Griechen angeregt wurden , welche 
sie anders verstehen gelernt, als sie von Corneille , Racine , Boileau 
und Pope verstanden wurden, aber vor allen dingen müssen wir uns 
erinnern, wie sehr sich vor den äugen der wissenschaftlich gebildeten 
seit hundertundfünfzig jähren das gebiet der poesie in die Vergangen- 
heit hinauf und über die grenzen bis dahin zum theil oder ganz un- 
bekannter eulturvölker hinaus erweitert hat , wie sehr durch die 
Wissenschaft, die historische und philologische forschung, unsere 
empirische kenntniss der dichtung zugenommen. Welche menge von 
imposanten werken der poesie sind in dieser zeit aus der finsterniss, 
der Vergessenheit in unsern gesichtskreis getreten ! Unsere eigene 
mittelalterliche dichtung , die des romanischen mittelalters , die des 
nordgermanischen alterthums, die der Araber, der Jnder, der Slaven, 
Finnen und Kelten, was wusste man zur zeit Popes davon? Und 
das Nibelungenlied, Walther von der Vogelweide, die Eddalieder, 
Beowulf, der Cid, die balladen der Schotten, die indischen epen und 
dramen und dergleichen mehr sind wol dinge, die eine allerdings 
durch mühsame wissenschaftliche arbeit bedingte und deshalb lang- 
same , aber radicale Umgestaltung des geschmackes hervorzubringen 
geeignet waren. Da müsste denn doch der innerste kern der geistes- 
anlagen der jetzigen europäischen eulturvölker um vieles weniger 
werth sein, wenn das ideal der poesie, wie es von Boileau und Pope 
in lehre und beispiel gegeben wurde, vor dem eindrucke, den die 
wiederauferstandenen Nibelungen, der Cid, die Sakuntala, der spruch 
der Vala, der ganz und einfach verstandene Homer, Aeschylos und 
Sophokles und die auch erst nach der mitte des vorigen Jahrhunderts 
als poesie entdeckten psalmen undHiob auf uns machen, nicht verblassen 



Zu Popes Rape of the lock 



221 



und zusammenfallen sollte. Und wenn uns an und für sich selbst 
aus der menge des neugewordenen alten die nothwendigkeit einer so 
durchgreifenden einwirkung nicht sofort anschaulich wird, dürfen wir 
uns nur erinnern, dass nur in der aus der erweiterung des gesichts- 
kreises hervorgegangenen gänzlichen Veränderung der wissenschaft- 
lichen betrachtung der poesie bis ins einzelne genau zu ermessen 
möglich ist, wie tief und vollständig sich durch das kennenlernen 
aller der unbekannten und vergessenen werke früherer zeiten und 
fremder Völker die anschauung von dem wesen der poesie , die mei- 
nung von dem, was man vor ihr zu erwarten habe, umgestaltet hat. 
Wir könnten von Popes Essay on Criticism einen eben solchen ge- 
brauch für die darlegung des Wendepunktes in der geschichte der 
theorie machen , wie wir ihn von seinem Lockenraub zur veran- 
schaulichung der grossen wandelungen des geschmacks an den pro- 
ducten der praktischen dichtkunst , welche seit jener zeit eingetreten 
sind , zu machen versucht haben , eine aufgäbe , deren lösung , wenn 
sie auch nur zum theil geschähe , des belehrenden sehr viel haben 
würde, die sich aber nebenbei auch nicht einmal andeutungsweise 
lösen lässt. Es genüge, schliesslich nur noch darauf hinzuweisen, 
dass die Umkehr des geschmacks , welche den unsrigen von dem 
trennt, der in Popes Lockenraub ein erzeugniss wahren poetischen 
genies, ein seitenstück zur Ilias und dergleichen sah, so entschieden 
sie auf die historische betrachtung und erforschung der poetischen 
Weltliteratur als auf ihre hauptursache zurückzuführen ist, denn doch 
auch mit den das XVIII. Jahrhundert bezeichnenden neuen ideen von 
natur, menschenrecht, freiheit des individuums und der Völker zu- 
sammenhängt. Denn erst, als man mit dem verlangen nach natur 
und reiner menschlichkeit ernst machte, gelang es, zum wahren ver- 
ständniss der werke der alten durchzudringen, und unserer deutschen 
nation bleibt das verdienst, durch ihren Lessing und Herder die 
anderen auf dem wege zu diesem verständniss geleitet zu haben. 
Erst der sinn für die menschennatur , wie sie im gegensatze zu der 
zeitcultur beschaffen ist, führte auf das interesse an den einzelnen 
Völkern und ihrer geschichte , liess die sinnesart und die geschicke 
entlegener Völker zum gegenständ objeetiver betrachtung werden. 

Wir haben mit vorbedacht und gutem gründe ein element in 
Popes literarischer persönlichkeit, seine philosophische und moralische 
weltansicht, von unserer betrachtung ausgeschieden, um uns in der 
auffassung und historischen Würdigung der grundsätze seiner kunst- 
übung nicht durch fremdartiges stören zu lassen. Hätten wir den 



222 F« Bobcrtag, Zu Popcs Rape of the lock 

denker Pope neben dem dichter ins äuge gefasst, so würden wir 
mehr directe und nähere beziehungen zu der geistigen Signatur des 
XVIII. Jahrhunderts an ihm leicht haben aufweisen können. Aber 
der erfolg vieler erörterungen über den vielbesprochenen dichter 
schien uns zu lehren , dass diese trennung zum verständniss des 
dichters als solchen nothwendig sei. Ein meister des sprachlichen 
ausdrucks, ein glänzender Stilist in versen wird Pope immer bleiben 
und das interesse der wissenschaftlich gebildeten , die sich mit eng- 
lischer literatur beschäftigen, dürfte ihm für alle zeiten sicher sein, 
ja, man kann es geradezu sagen, es gibt kaum einen neuenglischen 
dichter, aus dem der literarhistoriker so viel wie aus Pope und auf 
so angenehme weise lernen könnte, dass aber der poetische geschmack 
der gebildeten in den modernen Völkern von Pope zu Goethe und 
Shakspeare übergegangen, dass wir statt Popes Lockenraub das Nibe- 
lungenlied, die romanzen vom Cid und von Marco Kraljewitsch, die 
altenglischen und schottischen balladen als echte erzählende poesie 
geniessen und bewundern gelernt haben, das gehört zu den erfreu- 
lichsten fortschritten, zu den reinsten errungenschaften , die wir dem 
XVIII. und XIX. Jahrhundert verdanken. 

Breslau, december 1877. 

Felix Bobertag. 



LITTERATUR. 



Bernhard Schmitz, Encyclopädie des philologischen Studiums der neueren 
sprachen, hauptsächlich der französischen und englischen. Zweite verbesserte 
aufläge. Leipzig, C. A. Koch's Verlagsbuchhandlung (J. Sengbusch.) 

i. theil. Die Sprachwissenschaft überhaupt. 1875. M. 2,50. 

2. theil. Die litteratur der franz. -engl, philologie. 1876. M. 5. 

3. theil. Methodik des selbständigen Studiums der neueren sprachen. 1875. M. 2,50. 

4. theil. Methodik des Unterrichts in den neueren sprachen. 1876. M. 5. 

Anhang. Systematisches verzeichniss der auf die neueren sprachen bezüglichen programm- 
abhandlungen , dissertationen und habilitationsschriften. Mit einer einleitung. Von 
Hermann Varnhagen. 1877. M. 2,50. 

Der Verfasser spricht in der vorrede den wünsch aus , es möge seiner Ency- 
clopädie in vervollkommneter gestalt vergönnt sein, erfolgreich zur »vollständigen 
constituirung unseres faches« mitzuwirken, dem die Universitäten noch immer feind- 
lich gegenüberständen. Wenn wir es als unser ziel ansehen, »durch praktische 
tüchtigkeit in unserm eigentlichen objecte, der lebenden spräche, sogar vor 
blossen routiniers uns auszuzeichnen«, wenn wir »nur der etymologie und Sprach- 
geschichte wegen (was heisst das ?) altfranzösische und altenglische sprachproben 
und wortformen kennen, wenn wir uns ausserdem etwa mit Einern (!) altfranzösi- 
schen hauptwerke, dem Rolandslied, vertraut (?) machen, wenn wir ferner mit den 
wichtigsten lebenden nebensprachen einigermassen bekannt zu werden suchen» 
(III, 6), dann können wir im Zeitalter der Sprachvergleichung und der descendenz- 
theorie eben nicht »in allgemein sprachwissenschaftlicher bildung mit der zeit fort- 
schreiten« und dürfen überhaupt keinen anspruch erheben, »unser fach» als ein 
wissenschaftliches betrachtet zu sehen. Glücklicherweise gibt es ja aber neben 
dem praktischen »betrieb unseres faches« auch eine neuere philologie , mit deren 
Stellung auf den Universitäten es so schlimm nicht aussieht. 

Mit dem »philologischen Studium« auf dem titel der Encyclopädie ist also 
jenes mehr handwerksmässige erlernen der neueren sprachen behufs verwerthung 
derselben im Staatsexamen und in der Schulpraxis gemeint. — »Die formen und 
regeln« : sagt der Verfasser in der »Methodik des Studiums« III, 56, »bilden ein 
fest abgegränztes pensum, das erlernt werden will und kann.« Schade nur: »das 
Wörterbuch kann niemand auswendig leinen.« Aber trotzdem — und obgleich 
»spräche (sie) zugleich kunsi und Wissenschaft« ist, hat zu diesem Sprachstudium 
»jeder gesunde mensch talenl, wenn sich auch nicht jeder zu vollendeter redege- 
wandtheit emporschwingt« (1, 4). Unter den »berühmten beispielen« (hervorragender 



224 



Litleratur 



philologen?) erscheinen neben Buddha u. a. »ein deutscher bauer, namens Schmid«, 
»ein gewisser Müller zur zeit Karl's II.« etc.! — Um einer fremden Sprache '-wirk- 
lich mächtig« zu werden, muss der philolog, wie der Verfasser zu glauben scheint, 
auch schriften wie »Der fertig franzosisch und englisch sprechende — kellner« 
kennen lernen (II, 287); er muss auch um die »existenz und einrichtung« von 
büchem über kaufmännische briefe und dgL wissen, um ^ie — «in verschiedenen 
vorkommenden fallen empfehlen zu können« (II, 90). »Trefflich ist fnach II, 
254) und besonders jedem die englische spräche treibenden landmanne (man denkt 
an den bauer Schmid!) zu empfehlen: Stephens, Catechism of Practical 
atltiue.« — Da es sich bei der lectüre um »erkenntniss und einübung« 
der spräche handelt (III, 29 f.), so ist das lesen älterer Schriftsteller eine bedenk- 
liche sache. »Beim Studium Skakspeare's« will man »bei seinen absonderlichen 
oder veralteten Wendungen« auch wissen, »dass diess kein Englisch mehr ist und 
wie man es jetzt geben würde. Wird hierauf in den anmerkungen nicht hinge- 
wiesen, so lernen viele leser s chlechtes Englisch « etc. (II, 281). Natürlich! »Die 
spräche Shakspeare's ist in einem solchen umfange veraltet, dass der gewöhnliche 
gebildete (!) Engländer an der lectüre seiner werke kein gefallen finden kann« 
(III, 63). Der erste »gute englische prosaist« ist eben Sir Thomas More (III, 83), 
sowie in Frankreich die »gute prosa« von Balzac oder von Descartes und Pascal 
datirt wird (III, 77)! 

Die vorliegende »zweite verbesserte aufläge« ist keine edition reellement 
nouvclle , wie sie der Verfasser II, 84 hoch leben lässt. Die »nachtrage« zur 
ersten aufläge und wenige kleine zusätze sind in den text aufgenommen, die 
»Sprachgeschichte« ist aus dem zweiten in den dritten theil verlegt, die bücher- 
preise sind in die neue reichswährung umgeschrieben. Die »weiterführung bis auf 
die neueste zeit« beschränkt sich fast ausschliesslich auf anführung der autoren 
und der stelle in den »Supplementen« (1860. 1861. 1864; zusammen M. 8. 30), 
oder den »Neuesten fortschritten« (1866, resp. 1873. 1868. 1872; zusammen M. 
7. 30), wo ihre schriften erwähnt oder besprochen sind. Was beim erscheinen 
der ersten aufläge »jetzt,« »soeben«, »nächstens* etc. war, ist auch in der zweiten 
aufläge noch »jetzt,« »soeben« und « nächstens < (IV, 96 wird »gegenwärtig« — 
1859 — und »nun gegenwärtig« — 1876 — unterschieden); und wenn, wie z. b. 
II, 158. 194. 250. 262 u. o. das »(1859)«, resp. »(1876)« dahinter vergessen ist, 
so hat der »geehrte leser« zwischen beiden zahlen die wähl. Die neuen auflagen 
sind nur in seltenen fällen nachgetragen. Und nun waren schon in der ersten 
aufläge nicht überall die neuesten auflagen angegeben ! Komisch ist es , wenn es 
II, 264 — von Behnsch's Geschichte der englischen spräche — heisst: »Ferner 
ist bezeichnend für den Charakter des buches von anno 1853, dass s. 140 
sehr gelehrt gefragt wird, ob die angekündigte ausgäbe des Layamon von Fr. 
Madden schon erschienen sei, und diese war schon 1847 erschienen.« — Man ver- 
gleiche damit — nur wenige beispiele von vielen ! — II, 245 (Köhler), 246 
(Strathmann), 248 (Weigand), 261 (Grein), 268 (Warton) der Encyclopädie, wo es 
sich nicht um 6, sondern um 17 oder mehr jähre handelt! — Dass auch mit der 
alten Unordnung (vgl. u. a. II, 171 ff.: Altfranzosisch, und IL 262 f.: Alteng- 
lisch) die alten ungenauigkeiten und nachlässigkeiten — wie »irgendwo« I, 34 
u. ö. , »oben vergessen« II, 122 u. dgl. — getreulich reproducirt sind, kann 
hiernach nicht überraschen. Auch die curiosa und die nicht immer sehr feinen 
anekdoten sind noch vollzählig vorhanden. Zu den orthographischen absonderlich- 



B. Schmitz, Encyclopädie 225 

keiten: CUTer, dosier, Prophetzeiung , becritteln, Bellettristik etc. (der stilistischen 
ganz zu geschweigen) sind zwei oder drei hinzugekommen; Tweitmeyer, oeil, 
soeur etc. das grosse a mit nachfolgendem accent sind noch nicht corrigirt; 
Trübener, &tget, tpvSM z - b. sind neue druckfehler. 

Noch einige sachliche einzelheiten. — I, 16. II, 129. 240 ff. wird das nicht- 
unterscheiden von e in steht und feder getadelt. Man sollte es endlich ein- 
mal aufgeben, andere von der alleinigen richtigkeit der eignen provinziellen aus- 
spräche überzeugen zu wollen. Uebrigens lautet das a im Englischen pale (»pehl« 
nach II, 208), weder e noch e, sondern diphthongisch wie ei (ej, nicht ei 
= ai). In England wissen und lehren die sprachkundigen schon seit jähren, dass 
a in pale und o in note diphthonge {ei und ou) sind. In Deutschland hat es 
wol zuerst Sievers, Lautphysiologie 1876, ausgesprochen. — Die benennung 
»cerebral«, gegen die der Verfasser I, 17 eifert, ist nun einmal recipirt und 
ganz zweckdienlich. — Der Verfasser hätte III, II. II, 228, wo er mit recht das 
j-uvale« oder uvalare r (meist »guttural« genannt) in englischer ausspräche 
bekämpft, als das richtige nicht einfach »linguales«, sondern genauer »cerebrales« 
r bezeichnen sollen. Vgl. auch hierüber Sievers a. a. o. — I, 22 waren die 
neueren raceneintheilungen nachzutragen. — Soll brechung, diphthongirung 
und vriddhi identisch sein? — I, 23 fängt die »Literatur der geschichtlich-verglei- 
chenden Sprachforschung« mit dem jähre 1536 an! Grimm, Bopp, Schleicher sind 
(neben Rapp !) nicht gebührend hervorgehoben. — I, 26 ff. wird »der etymologie 
ein besondrer abschnitt gewidmet«, aber der begriffswandel zuerst, der lautwandel 
nachher besprochen. Dass man »in einzelnen fällen irren kann« (I, 33), wenn 
man in der dort vorgeschlagenen weise »der etymologischen kunst (!) eine gewisse 
künstlerische freiheit zugesteht«, wird niemand bezweifeln. Man halte daneben 
IV, 214, wonach »in der oberprima bisweilen eine ganze seite der französischen 
oder englischen lectüre wort für wort etymologisirt werden muss« ! — I, 30. Das 
gesetz der lautverschiebung lässt sich noch kürzer ausdrücken: TAM (tenuis, 
aspirata, media). — 1 , 40 daleth »höhle«? — I, 53 ist das Niederländische 
vom Niederdeutschen ganz losgerissen ; die bemerkung über Schwedisch und Dänisch 
ist etwas bedenklich. — I, 55 fehlen beim Gothischen ai , aü. — Wo bleibt I, 
65, wo die grössten dichter aufgezählt werden, Sophokles? — II, 133 muss 
trotz allem, was der Verfasser dort und vorher darüber sagt, zu der »grund- 
lehre« über den französischen accent noch die bemerkung gesetzt werden : der ton 
wird viel schwächer markirt als im Deutschen. — II, 141 ff. Zwei seiten über 
— die bewegung des krebses ! — II, 143. Das »guttural« wird sich wol mehr 
auf das e als das g beziehen. Die beiden g in guenon und guerre spricht nicht 
nur Landais, sondern ein jeder etwas verschieden; ähnlich wie k vor a und /nicht 
dasselbe ist. — II, 145 ff. Jetzt, nachdem das Wörterbuch von Sachs erschienen) 
drei seiten über Mozin- Peschier I — II, 192 ff. findet sich unter der Überschrift 
»Einige critische werke, ausgaben etc.« folgende eintheilung: »I. — 2. Einige 
wohlfeile ausgaben einzelner werke. 3. Einige gute und wohlfeile ausgaben von 
verschiedenen buchhandlungen nachgewiesen. 4. Einige wohlfeile in deutschland 
gedruckte ausgaben. 5. Wohlfeile illustriite ausgaben.' 111, 16, Auch/, i'u, 

u (frz.) können nasalirt werden und sind es z. b. in mittelrheinischen volks- 
dialekten. — Nach III, 31 hatten wir in der »Tauchnitzer ausgäbe- einen reinen 
guten« Shakspeare - text — von Alex. Dyce. — III, 63 u. ö. »Das Edinburgh 
etc. Review*, neben »Die Newyork Tribüne*; weshalb? — IV, 179 wird 
Kölbing, Englische Studien. II. 1. 15 



2 26 Litteratur 

Diez vorgeworfen, er »halte es nicht für der mühe werth,« »nur auf die (nämlich 
zum lernen!) nothwendigen formen zu reflectiren«, und gebe »bei croire sogar 
croyais, croyions, croyaient.« Der Verfasser schlägt dann (für die schule) ein ab- 
leitungsschema vor: »Die wenigen formen von aller, savoir etc., die sich in unser 
ableitungsschema nicht fügen oder aus demselben nicht ergeben , werfen wir auf 
einen häufen zusammen und lernen sie apart als 'widerspenstige formen' (formcs 
refractoircs).« 

Der anhang ist als nachschlagebuch für vonviegcnd praktische zwecke 
brauchbar. 

DUESSELDORF. 

Wilh. Vieler. 

Nachschrift. Bei der einsendung obiger recension sprach ich der redaction 
den wünsch aus, die englischen laute und ihre behandlung in der schule in dieser 
Zeitschrift an einer andern stelle eingehender besprechen zu dürfen. Da nun aber 
mittlerweile dr. M. Trautmann, Anglia I, 587 ff. dasselbe thema in trefflicher 
weise behandelt hat, so beschränke ich mich darauf, hier einige bemerkungen an 
die von Trautmann gegebene Übersicht der in den bekannteren sprachen vor- 
kommenden laute anzuknüpfen. Trautmann's Zusammenstellung der vocale und 
consonanten ist die folgende (ich behalte »tönend« und »tonlos« statt »stimmhaft« 
und »stimmlos« bei und gebe bei den consonanten kurz die articulationsweise an) : 

I. Vocale. 



e 



a o 







IL ( 


Konsonanten 








Verschlusslaute. 




Reibelaute. 






tönend 


tonlos 


tönend 


tonlos 


I. 


[bilabial] 


b 


P 


W 


fi 


2. 


[labiodental] 


— 


— 


W2 [v] 


U [f] 


3. 


[interdental] 


— 


— 


zx [d] 


si [p] 


4- 


[dental] 


d 


t 


Z2 [z] 


S2 [s] 


5- 


[cerebral] 


— 


— 


Z 3 [z] 


S3 [sj 


6. 


[palatal] 


— 


— 


j 


ch 


7- 


[guttural] 


g 


k 


r 1 


X 1 


8. 


[uvular] 


— 


— 


y 2 


X 2 


9- 


[glottis-laut] 


— 


' 


— 


' M 



Von den engl, vocalen ist, wie T. angibt, a in all = [langem, in not = 
kurzem] o, a in bad liegt zwischen a und e, a in fate wäre etwa = ei, o in 
bone etwa = bu. Nach Sievers ist a in fate = ei; nach Ellis, der persönlich langes 
e und 6 vorzieht, ei (mit langem /) oder «, o in bone = du (mit langem o). 
Der «-laut in then liegt wol zwischen e und / in der mitte, wie auch das e in 
there. Ich füge hinzu: u in but = ö »mit passiver lippe« (vgl. Sievers s. 46. 124); 
das u in burn näher an ö ,* e in her zwischen u in burn und den ^-lauten oder alle 
drei einfach = ö (Ellis); z in fine = ai; 011 in out = au; oi in oil = bi; w in 
wet ist halbvocal u. 



E. Fiedler, Wissenschaftliche grammatik der englischen spräche 227 

Von engl, consonanten bestimmt T. v als w? (nordd. w in weit), f als /"a 
(wie d. /); th in thou als z*, th in thin als ji; [s in is als 22,] s in sich als ^2; 
s in pleasure als 3 3 [, j-/; in j^y als j-3; vgl. aber Sievers s. 70 ff.!]; y in j^j 
als / [halbvocal *?]; den anlaut in out als ', den in hotind als '. 

Dazu kommen III. die mittellaute (näsler, r- und /-laute). T. setzt vi in 
die 1 . , «, r und / in die 4., den »^-laut in die 7. und ein zweites r (nicht im Engl.) 
in die 8. reihe. Die trennung eines pal. g, k und n (ng) von gutt. g, k und 
n (ng) kann sich die schule allerdings wol erlassen; dagegen halte ich eine 
Scheidung , wenn nicht des cerebralen engl, d, t und n, so doch des meist noch 
entschieden cerebralen engl, r und / von den dentalen (deutschen) lauten für 
durchaus nothwendig. Für das Englische müssten r und / in der 4. reihe ganz 
wegfallen und in die 5. gesetzt werden. 

Es ist in der that sehr wünschenswerth, dass lehrbücherschreiber , lehrer und 
schüler mit den internationalen hauptlauten und ihrem verhältniss zu einander ver- 
traut werden, damit die wirklich oft »grauenvolle« schulaussprache des Englischen 
(und Französischen) aus unsern schulen schwindet und einer besseren platz macht. 
Trautmann's Zusammenstellung wird lehrenden und lernenden dabei gute dienste 
leisten. — Beim englischen Unterricht sollte kein satz laut gelesen werden, ohne 
dass sich vorher der schüler darüber klar geworden ist, welche s und th tonlos, 
und welche tönend sind; eventuell bezeichnen sich die schüler vorher unter bei- 
hülfe des lehrers die tonlosen etwa mit einem akut, die tönenden mit einem gravis. 
Ferner müsste jeder lehrer auf passive (»nur von den bewegungen des Unter- 
kiefers abhängige«) lippenarticulation der vocale und cerebrale aus- 
spräche zum mindesten des r und / halten. »Der vordere zungensaum ist bei 
der bildung dieses r rings herum aufgebogen und dem harten gaumen hinter 
den alveolen der vorderzähne genähert. In dieser Stellung verharrt der zungen- 
saum während der ganzen dauer des r ohne Schwingungen« . . . (Sievers s. 52). 

W. V. 

Eduard Fiedler. Wissenschaftliche grammatik der englischen spräche. Erster 

band. (Geschichte der englischen spräche, lautlehre, Wortbildung, formenlehre.) 

Zweite aufläge, nach dem tode des Verfassers besorgt von Eugen Kölbing. 

Leipzig, verlag von Wilhelm Violet, 1877. 337 seiten. 8°. Pr. 6 mark. 

Auf dem gebiete der französischen grammatik finden wir neben den grösseren 

werken das für sludirende eingerichtete kleine handbuch von A. Brächet, welches 

neben manchen ungenauigkeiten im einzelnen, doch im ganzen und grossen einen 

guten überblick gewährt. Die grosse anzahl von neuen auflagen beweist , welcK 

dringendem bedürfnisse diese grammatik entgegengekommen ist. 

Für die englische grammatik besassen wir bisher kein solches handbuch, wel- 
ches die hauptresultate der wissenschaftlichen forschung, wie sie in den grösseren 
grammatiken und in einzelnen abhandlungen niedergelegt sind, den studirenden in 
kurzer, übersichtlicher fassung vorführte. Die erste aufläge der grammatik von 
Fiedler, deren erster band schon 1849 erschien, und welche als eine für die da- 
malige zeit ganz bedeutende leistung hervorgehoben zu werden verdient , war im 
laufe der jähre veraltet. Viele punkte sind auf dem gebiet der englischen gram- 
matik in neuester zeit geändert, so dass die erste aufläge der Fiedler' sehen gram- 
matik zu einem handbuch in letzter zeit nicht mehr geeignet war. 

15* 



22 8 Litteratur 

Indessen lag unzweifelhaft das bediirfniss vor, ein solches zu besitzen, und 
deshalb ging ich mit dem plane um, eine kurzgefasste englische grammatik zu 
schreiben, die sich aber auch dadurch von der von A. Brächet verfassten unterscheiden 
sollte, das ich das in Zeitschriften und sonst zerstreute material, sowie auch die 
bezüglichen stellen bei Koch und Mätzner als anmerkungen unter dem text an- 
führen wollte, damit ein jeder gelegenheit hätte, sich über den einen oder andern 
punkt genauer zu informiren. Den text hätte ich, um die Übersicht nicht zu er- 
schweren, nicht durch anmerkungen unterbrochen und ausserdem das buch in eng- 
lischer spräche verfasst, ein umstand, welcher verschiedene vortheile bietet und der 
Verbreitung in Deutschland nicht hinderlich sein kann. Die betreffenden vorarbei- 
ten hatte ich schon begonnen — da kam mir die eben erschienene zweite aufläge 
der Fiedler' sehen grammatik, herausgegeben von E. Kölbing, in die hände. Ich 
war dadurch einer grossen mühe überhoben und freue mich, gelegenheit zu haben, 
diese grammatik hier besprechen zu können. 

Zunächst halte ich es für leichter, eine neue grammatik zu schreiben, als eine 
neue aufläge einer veralteten zu besorgen. Es liegen im letzteren falle streng 
gezogene grenzen vor, welche nicht überschritten werden dürfen, plan und ein- 
theilung des ganzen muss möglichst genau beibehalten werden, und der heraus- 
geber der neuen aufläge muss mit grosser mühe die Umarbeitung von abschnitten 
vornehmen, welche keine geltung mehr haben, er muss sich in den geist des frem- 
den buches hineinleben und so seine besserungen vornehmen, damit das buch 
nicht mosaikartig wird. • 

Der herausgeber hat in der einleitung zu der zweiten aufläge p. VIII und IX 
selbst angegeben, welche änderungen und abweichungen von der ersten aufläge 
vorgenommen worden sind. Wir brauchen also darauf nicht näher einzugehen. 
Auch gibt er p. XIII und XIV ein verzeichniss von den werken, welche ausser 
den für die erste aufläge benutzten, in betracht gezogen sind. Gefreut hat es mich, 
dass p. VIII gegen das auch mir anstössige urtheil über Fiedlers grammatik in 
B. Schmitz, Encyclopädie protest erhoben wird. Am Schlüsse der einleitung wird 
der Wirkungskreis des buches, welches eben ein handbuch für studirende sein soll, 
meiner ansieht nach sehr richtig präcisirt. 

Dem beurtheiler dieses buches wird seine aufgäbe von dem herausgeber inso- 
fern leicht gemacht, als in der einleitung p. VIII die zwei fragen gestellt werden, 
welche der besprecher der grammatik zu beantworten hat. Die erste heisst: Dür- 
fen die in der zweiten aufläge vorgenommenen änderungen durchweg besserungen 
des Originals nach dem jetzigen stände der Wissenschaft genannt werden? Diese 
frage muss jeder, der die beiden auflagen vergleicht, unzweifelhaft bejahen. In- 
dessen hätte ich doch noch einige zusätze gewünscht. Zunächst erkennt der her- 
ausgeber in der einleitung selbst an, dass die behandlung des consonantismus nach 
den neuen prineipien sehr wünschenswerth ist. Es ist schade , dass die neue auf- 
läge so schnell erscheinen musste, dass dem herausgeber die zeit fehlte auch diesen 
theil der lautlehre umzuarbeiten. Ich hätte es auch für passend gehalten, in einem 
besonderen abschnitt eine Charakteristik der hauptdialekte, besonders der alten zeit 
zu geben. Es finden sich wol hier und da über diesen punkt einzelne bemerkun- 
gen, aber eine zusammenfassende behandlung fehlt. Gerade in neuerer zeit ist die 
bearbeitung der dialekte mit in den Vordergrund getreten, so dass dem studirenden 
auch hierin entgegengekommen werden muss. 

Ausserdem dürfte es sich vielleicht empfehlen, auch die entstehung der eng- 



K. Körner, Einleitung in das Studium des Angelsächsischen 320 

lischen Schriftsprache eingehender zu besprechen. Dann wäre es, glaube ich, bes- 
ser, wenn pag. 34 ff. etwas ausführlicher behandelt wäre. Wir finden dort bei 
der gothischen declination angegeben: männliche hauptwörter: stamme auf a, ja, 
i, u etc., ohne dass irgendwie angegeben wird, warum z. b. fisks zu den a-stäm- 
men, gards zu den i-stämmen gehört. Das Hesse sich mit verhältnissmässig weni- 
gen worten andeuten, um das verständniss zu erleichtern. 

Diese punkte sind es hauptsächlich , welche ich vermisse , die sich aber bei 
dem erscheinen einer neuen aufläge leicht ergänzen lassen. 

Die zweite frage: Kann die zweite aufläge so wie sie ist, denen, welche sich 
anschicken, mit den nöthigen praktischen Vorkenntnissen die englische spräche wis- 
senschaftlich zu studiren, als handbuch empfohlen werden? muss ich ebenfalls mit 
»ja« beantworten, obgleich ich, wie oben bemerkt, die äussere einrichtung anders 
gestaltet hätte. Indessen liegt es in dem wesen einer neuen aufläge, sich äusser- 
lich möglichst genau an das original zu halten, sonst entsteht eben ein ganz neues 
buch. Daran dürfte sich also nicht viel ändern lassen. Für den praktischen ge- 
brauch würde es aber sehr vortheilhaft sein, ein genaues Wortregister anzuhängen, 
wenn auch das inhaltsverzeichniss sehr sorgfältig ausgearbeitet ist; denn noch 
ungeübten fällt es sonst schwer, sich schnell über einen punkt zu belehren. 
Auch in bezug hierauf lässt sich leicht abhilfe schaffen. 

Nach allem vorhergehenden halte ich also das buch für sehr brauchbar und 
glaube, es wird von allen freunden der englischen spräche, besonders aber von den 
studirenden, freudig willkommen geheissen werden. 

Rostock, december 1877. 

Dr. F. Lindner. 



Karl Körner. Einleitung in das Studium des Angelsächsischen. Grammatik, 
text, Übersetzung, anmerkungen, glossar. Erster theil: Angelsächsische formen- 
lehre. Heilbronn. Gebr. Henninger. 1878. Pr. 2 mark. 

Der Verfasser spricht sich im Vorwort über den zweck dieser »Einleitung • und 
speciell des ersten theiles, der formenlehre , folgendermassen aus: »Diese einlei- 
tung verdankt ihre entstehung hauptsächlich der mehrfach an mich ergangenen auf- 
forderung von Schulmännern , sie auf eine ihre berufsgeschäfte berücksichtigende 
weise mit der ältesten periode der englischen spräche bekannt zu machen. Dieser 
zweck bedingte die ganze art der behandlung. Voran steht eine angelsächsische 
formenlehre, die, obschon auf ein paar bogen zusammengedrängt, doch vollstän- 
diger sein dürfte, als irgend eine der bisher erschienenen , was durch strenge be- 
schränkung auf die zu behandelnde spräche erzielt wurde.« Der Verfasser will also 
nicht das verhältniss des Angelsächsischen zum Neuenglischen darstellen , er will 
auch nicht eine ags. laut- und flexionslehre vom historischen Standpunkte aus geben, 
sondern vielmehr in der hauptsache nur das grammatische matcrial mittheilep, 
welches zum verständniss des zweiten theiles, der lesestücke, durchaus erforderlich 
ist. Diesem Standpunkte soll meinerseits die berechtigung durchaus nicht abge- 
sprochen werden; nur möchte ich allerdings glauben, dass gerade für schulmänner 
die betreibung des Ags., welche das verhältniss dieser sprachstufe zum Neueng- 
lischen fortwährend im äuge behält, mehr reiz haben durfte, weil sich da eine 
menge ankniipfungspunkte an schon bekanntes bieten, als eine solche abgesonderte 



230 



i.itur 



behandlung. Doch darüber muss der erfolg entscheiden ; unsere sache ist es 
nur, ein urtheil darüber zu gewinnen, ob das heftchen dazu geeignet ist, dem 
vom Verfasser angegebenen zwecke zu dienen und ob es auch abgesehen davon 
wissenschaftlichen werth besitzt. 

Um den zweiten punkt vorauszunehmen, so ist vor allem rühmend das stre- 
ben nach Vollständigkeit in der aufführung der nachweisbaren formen anzuerken- 
nen; der Verfasser hat recht, wenn er behauptet, dass unter den vorhandenen ags. 
grammatiken die vorliegende die vollständigste ist ; seine grosse belesenheit , be- 
sonders in der ags. poesie, von der die zahlreichen, über einzelne stellen handeln- 
den anmerkungen ein erfreuliches zeugniss ablegen, hat ihm dafür natürlich die 
wesentlichsten dienste geleistet. Dieses gern gemachte zugeständniss schliesst 
aber keineswegs die thatsache aus, dass auch diese Übersicht über die ags. formen- 
lehre eine nach den jetzigen hülfsmitteln absolut vollständige nicht genannt wer- 
den kann. Ich habe mir folgende einzelheiten angemerkt: 

Substantiv-declination. Dass im gen. sing, der masc. sich vereinzelt die en- 
dung as findet, bemerkt Körner richtig p. 8 unter e); man vgl. auch Dan. v. 30: 
eordan dreamas; ebenso v. 115; s. auch Grein unter cyning 1) (I p. 179 u.); die 
mittelform ä zwischen a und e weist Greg. past. care. edd. Sweet, p. 291, 9 in 
gaesdäs auf; auf den dat. earda macht Sweet ebendas. p. XXXVI aufmerksam. 
Die endung os für das gewöhnliche as des nom. plur. weist Sweet a. a. o. in der 
anm. zu p. 59, 20 auch für Caedm. v. 980 nach. Im nom. sing. fem. der a-decl. 
findet sich neben der endung u auch o, vgl. cearo, Cri. v. 1286 u. 1663. Zu den 
poetischen belegsteilen für das a des dat. sing, der ableitungen auf ung und ing 
(Körner p. 10) fügt sich Greg. p. 5, 23 f: for dsere wilnunga. Warum ist der 
gen. plur. sunena (Grein II, p. 497), dessen vorkommen in der tabelle p. 17 zu- 
gestanden wird , p. 13 im paradigma nicht erwähnt? p. 15. Die form eären im 
gen. und dat. sing, vermag ich nicht zu belegen, ohne dadurch die möglichkeit 
ihrer existenz in frage stellen zu wollen, dagegen findet sich für den nom. plur. 
neben der endung an auch on, z. b. eägon, Ps. 68 3, 138 14. Besonders viel ist 
noch in betreff der r-stämme nachzutragen ; im nom. sing, findet sich für brodor 
auch brödur (Ps. 1077); für modor auch modur (An. v. 687) und moder (Gen. 
v. 2609); neben sveostor auch svuster (By. 115). Der nom. plur. weist die form 
brodur auf (Ps. 132 1), der acc. dohtra (Gen. v. 1729) und döhter (Ps. 10527). 
P. 16 z. 14 v. o. soll es doch wol statt »gen. auch meder« dat. heissen? Der 
dat. sing, von sce lautet nicht nur saeve, sondern auch sae (Ps. 1346, Exod. v. 134 u. 
sonst). P. 19. »Für e des nom. und acc. plur. [sc. der starken adjeetiva] kommt 
vereinzelt a vor«. Ich füge hinzu: auch ä; vgl. Zup. Uebungsbuch III, 54: ealls 
ödrä cristnä diöda, wo die hs. B. allerdings odra cristena bietet, p. 26 fehlt für 
das neutrum der dreizahl die form priä, Sat. v. 290, die auch durch Schippers 
neue lesung der hs. bestätigt wird. p. 31. Für he im nom. sing, des pron. der 
dritten person findet sich auch hi , hie , umgekehrt für den nom. plur. he (vgl. 
Sweet a. a. o. p. XXXVIII). p. 38. Für die endung e der ersten person sing, praes. 
ind., wie binde, kommt vereinzelt auch o oder u vor (Sweet p. XXXIII f.). In 
der dritten person sing, erscheint für binded ausser bint auch bindet , bind und 
bind; auch die dritte plur. zeigt vereinzelt bindat für bindad. (vgl. Sweet a. a. o. 
p. XXXIV.) Andere werden weiteres nachzutragen wissen. 

Die darstellung ist im ganzen praktisch und leicht fasslich , also für anfänger 
wol geeignet; ich möchte mir nur im interesse des buches noch erlauben, eine an- 



K. Körner, Einleitung in das Studium des Angelsächsischen 231 

zahl punkte namhaft zu machen, wo ich glaube, dass der Verfasser nicht das rich- 
tige getroffen hat. 

p. 2 u. konnte bei der ervvähnung von ags. facsimiles auch auf das grosse 
facs. in Bouterwek's Caedmon verwiesen werden. 

Daselbst lautet die anmerkung: »Eine wissenschaftliche darstellung der ags. 
lautverhältnisse ist von Grein (1. Grimm), Koch und Holtzmann in ihren gramma- 
tiken versucht worden. Sie erfordert kenntniss der verwandten dialekte, ist aber, 
wie sich schon aus dem folgenden ergeben wird, für das Ags. von besonderer 
Schwierigkeit und geringem nutzen; daher ist hier auf sie verzichtet.« — Eine wis- 
senschaftliche darstellung des ags. vokalismus, von der ich nicht zugeben kann, 
dass sie für das Ags. von geringem nutzen ist , muss allerdings meiner ansieht 
nach vom gothischen lautbestande ihren ausgang nehmen; eine solche, auf die 
neuesten forschungen basirt, habe ich kürzlich in der von mir besorgten zweiten 
aufläge von Fiedler's Wissenschaftlicher grammatik I, p. 11 1 — 119 zu geben ver- 
sucht. 1) Körner konnte dieselbe bei ausarbeitung seiner »formenlehre« jedenfalls 
noch nicht benutzen. 

Ueber die Schwächung von a nach i zu werden, was ich sehr bedaure , auch 
hier wieder p. 30 und besonders p. 12, anm. 7 die veralteten und oft widerlegten 
ansichten vorgetragen (vgl. Fiedler p. 113 — 16.) 

p. 3 . .« Bezüglich der consonanten ist zu merken, dass sc und g die ein- 
schiebung eines e gestatten». Es musste hinzugefügt werden, dass dies e blos ein 
aussprachezeichen ist (Fiedler p. 113 o.). — Dasselbst wird als beispiel für ohne 
grund verdoppelten consonanten reccan, sich kümmern, für recan, angeführt; da 
man aber hier geneigt ist, an das alts. rokjan, das ahd. ruohjan, ruohhan zu denken, 
so hätte ich lieber modder (Rät. 422) und medder (Ex. 33) für moder, nieder 
als beispiel gewählt. — p. 23. Wenn neben betra z. b. auch die form betera 
vorkommt vom stamme bat, so ist es ungenau, wenn gesagt wird: »Das Ags. 
verwendet zur bildung des comparativs -r», wenn auch nachher dessen Ursprung 
erklärt wird. — p. 37. Mit des Verfassers ansieht über die präterita reduplicirender 
verba bin ich gar nicht einverstanden. Wenn er formen wie *r&rod ansetzt, oder 
* ktläc, so scheint er dies se für got. ai und folglich letzteres für einen diph- 
thong zu halten (vgl. über die redupl. verba Fiedler p. 283 ff. und über die redu- 
plicationssylbe p. 267). p. 61. Von willan, wollen, wird gesagt: »Sein präsens 
war ursprünglich conjunetiv des Präteritums.« Vgl. dag. Fiedler p. 309. 



1) Diesen versuch hat der recensent des buches in der Jenaer litteraturzeitung 
so wenig eines Wortes gewürdigt, wie alle anderen abschnitte, welche ich ganz neu 
ausgearbeitet habe, als die neuags., alt- und mittelengl. formenlehre, besonder- 
auch die darstellung des goth. und ags. verbums. Einer erwiderung darauf ent- 
hebt mich die unparteiische besprechung des werkes durch professor Sachs in 
Brandenburg in Anglia I, p. 562 ff. [Man vgl. jetzt auch die eingehende und 
sachkundige recension von Conrat in der Ztschr. für österr. gymn.] Bemerkungen 
wie folgende (Jen. lit. 1878, p. 70): »Von den Verschiedenheiten des Ost- 
und Westgermanischen sprechend, sagt z. b. Kölbing s. 7: »So 
lautet vom Germ, neman die 2. person sing. ind. prät. goth. und 
altn. namt, ahd. und altsächs. numi, ags. nume«. Das ist jeden- 
falls keine besserung des Originals nach dem jetzigen stände der 
Wissenschaft!« wo jeder billig urtheilende sofort sieht, dass er es mit einem 
zweimaligen Schreibfehler zu thun hat , solche bemerkungen bedürfen einer er- 
widerung überhaupt nicht. 



232 



Litteratur 



Wird somit die vermuthung nahe gelegt, dass der Verfasser in den letzten 
jahren nicht gelegenheit gehabt hat, den forschungen auf dem gebiete der germa- 
nischen grammatik durchweg zu folgen, so soll andrerseits ausdrücklich hervorge- 
hoben werden , dass die schon oben erwähnten anmerkungen , in denen einzelne 
stellen in den ags. denkmälern besprochen werden , ein durchaus günstiges vorur- 
theil für seine weiteren leistungen in textkritik und erklärung derselben erwecken, 
und dass referent aus diesem gründe den weiteren arbeiten des Verfassers auf be- 
sagtem gebiete mit lebhaftem interesse entgegensieht. 

Der Verlagshandlung ist nachzurühmen, dass sie auch diesem artikel ihies 
fröhlich aufblühenden Verlages eine sehr (geschmackvolle ausstattung hat zu theil 
werden lassen. 

Breslau, märz 1878. 

E. Kölbing. 



Carl Abel, dr. phil. Die englischen verba des befehls. Berlin, Leo Liep- 
mannssohn. 1878. 28 ss. 8°. 

Der gelehrte Verfasser, dem wir bereits eine schöne Studie über das wort 
»liebe« verdanken, bietet uns hier eine neue über die englischen verba des befeh- 
len s, wie ich vorziehen würde es auszudrücken. Und da sei gleich hier die be- 
merkung hinzugefügt, dass sein constanter gebrauch des plurals »worte« statt 
Wörter vom anfang der schrift an bis zu ende störend wirkt, und gerade bei ihm, 
der uns ja auch hier wieder einen neuen beweis für die schärfe seiner unterschei- 
dungsgabe liefert, um so auffallender ist. Zwar kommt dieser gebrauch hin und 
wieder bei unseren ersten klassikern vor (siehe Sanders' Wörterbuch der haupt- 
schwierigkeiten der deutschen spräche s. v. »wort«); dennoch möchte ich behaup- 
ten, der allgemeine Sprachgebrauch sei entschieden dagegen und gerade ein syno- 
nymiker müsste die so nützliche Unterscheidung um so strenger festhalten und ge- 
gen die vermengung, selbst obgleich sie von den häuptern der spräche sanctionirt 
ist, sich stemmen. 

Zunächst hätte ich gewünscht, der Verfasser hätte seine schrift eine »synony- 
mische Studie« benannt, damit der leser gleich von vorn herein auf den richtigen 
Standpunkt der beurtheilung gesetzt worden wäre und wüsste, dass er es hier nicht 
sowol mit einem lehrbuche, als eben vielmehr mit einer »studie« zu thun habe. 
Nicht als ob man nicht sehr viel aus dem buche lernen könnte ; ganz im gegen- 
theil, aber eben weil es seinen gegenständ so erschöpfend behandelt, eignet es sich 
weniger zur praktischen verwerthung, als zum Studium. Und zwar hat der verf. 
bei seiner Untersuchung so tief geschöpft, ist er dabei so gründlich zu werke ge- 
gangen, dass seine schrift höchst anregend wirkt, und eine bessere eigenschaft 
kann ein buch wol nicht leicht besitzen; sie ist es, die den leser am meisten för- 
dert und bildet. Daher wünsche ich auch, dass was ich hier vorbringe, in diesem 
sinne aufgefasst werden möge, dass man nämlich darin nur gedanken erblicken 
möge, welche die schrift in mir, wenn auch nicht hervorgerufen, — denn ich be- 
schäftige mich fast unausgesetzt mit der Synonymik , so doch wieder von neuem 
angefacht und belebt hat. 

Was nun die Synonymik überhaupt betrifft, so ist sie, wie ja die vergeistigung 
einer spräche in ihr gipfelt, gewiss auch das anziehendste Studium. Man gestatte 



C. Abel, Die englischen verba des befehls 233 

mir, mich deutlicher hierüber auszudrücken. Ein wort kann physisch und psychisch 
untersucht werden, insofern es nämlich einerseits der körper- andrerseits der gei- 
stesweit angehört. Als bestandtheil der ersteren wird man seine wurzel, geschichte,. 
und seinen lautwandel, als der letzteren angehörig, sein etymon, seine bedeutung 
und — will man diese gründlich ermitteln und feststellen — seine Unterscheidung 
von sinnverwandten Wörtern zu erforschen haben. Man könnte hier recht passend 
die Hegel'sche terminologie anwenden und sagen, man müsse das wort in seinem 
ansichsein, fürsichsein und anderssein betrachten und könne auch hier die beliebte 
trichtotomie wieder finden. Der sprachkundige wird mir übrigens sofort beipflichten,, 
und sich an die verschiedenen disciplinen der heutigen Sprachforschung erinnern, 
die mit meiner obigen eintheilung zusammenfällt. Da haben wir denn die Sprach- 
wissenschaft im allgemeinen, die sich mit den sprachwurzeln beschäftigt und deren 
entstehung und Verwandtschaft zu erforschen, oder sie, wie der zoolog die thiere, 
und der botaniker die pflanzen, wissenschaftlich zu classificiren sucht. Die histo- 
rische grammatik verfolgt dann die geschichte des Wortes ; die lautlehre , dessen 
lautwandel ; die etymologie oder auch das etymologische Wörterbuch geht aus die- 
sen beiden disciplinen hervor und begnügt sich mit der Verfolgung des Wortes in 
der ausgebildeten spräche, unternimmt es aber nicht, wie die Sprachwissenschaft, bis 
zur wurzel hinauf ihm nachzuspüren ; es folgt dann das Wörterbuch , welches die 
bedeutung des einzelnen wortes festzustellen hat, endlich die Synonymik, welche 
die sinnverwandten wörter in gruppen zusammenfasst und sie wieder , behufs der 
grösseren deutlichkeit und bestimmtheit des ausdrucks, so scharf als möglich von 
einander unterscheidet. Von hier müsste der Übergang zur spräche als kunst gemacht 
werden, wie Gerber sie behandelt hat; doch diese disciplin liegt jenseits der grenzen 
unsers, der Sprachforscher, gebiet. 

Es leuchtet ein, dass jene drei ersteren disciplinen, die sich zunächst nur mit 
dem worte an sich beschäftigen, es nur als etwas physisches betrachten und be- 
handeln. Sie berühren sich dann natürlich auch wiederum mit der anthropologie 
und physiologie und dürften demnach wie diese zu den naturwissenschaften zäh- 
len; während die drei letzteren nur den geistigen inhalt des wortes auffassen, die 
seele desselben, und sich daher mit der psychologie und ethnologie berühren und 
zur philosophischen Wissenschaft gehören, wie ja auch die philologie an Universi- 
täten in der philosophischen facultät mit inbegriffen ist. 

Die art und weise nun, wie Abel seinen gegenständ behandelt hat, wird jedem 
das zutreffende des hier dargelegten klar machen und dies wiederum für seine 
richtige auffassung der aufgäbe, die er sich gestellt, sprechen. Gleichwol muss 
aus dem gesagten hervorgehen, dass man über Synonymik, also über die innerste 
seele des wortes oder der wörter einer bestimmten spräche, über deren efflorescenz, 
wenn ich mich so ausdrücken darf, eigentlich nur in dieser spräche selbst schreiben 
musste, wenn die blume nicht verloren gehen soll. Man wird das gar oft bei der 
lectüre der vorliegenden schrift empfinden, wo der Verfasser zu hybriden oder di- 
glossen ausdrücken greifen muss, um uns seine definitionen mitzutheilen. Sehr 
nahe liegt daher auch die gefahr, dass seine so fleissige und tiefdurclulachte Studie 
im gründe für den Deutschen überflüssig sei, da die blosse Übersetzung in seine 
muttersprache, mit ausnähme der zwei wörter to command und tu Order, für alle 
übrigen zur Unterscheidung genügt. Und dies führt mich auf die nächste frage, ob 
Abel eine passende gruppe für seinen zweck gewählt und deren grenzen richtig ge- 
zogen habe. 



274 Litteratur 

Die wähl anlangend, so darf sie, insofern die wörtergruppe des bcfehlens so 
treffliche Gelegenheit zum eingehen auf den englischen volksgeist bot, unbedingt 
eine glückliche genannt werden. Was a!>er die begrenzung betrifft, die freilich, 
da wo es sich um die praktische anleitung handelt, mehr ins gewicht fällt und 
zu berücksichtigen gewesen wäre, als bei einer blossen Studie, so wäre doch auch 
hier vielleicht eine etwas grössere beschränkung geboten gewesen. Die gruppe 
besteht nämlich aus folgenden Wörtern : 

To appoint, bid, charge, command, decree, dictate, direct, enjoin, ordain, 
Order und perscribe. 

Aus diesen II Wörtern aber sind für den Deutschen streng genommen doch 
nur, wie gesagt, to command und order = «befehlen«, als sinnverwandt zu betrach- 
ten. Indessen ist die hier aufgestellte alphabetische reihenfolge bloss die der am 
schluss gegebenen beispiele. In der schrift selbst ist die reihenfolge systematisch 
nach der näheren und ferneren Verwandtschaft der begriffe und zwar wie folgt: 
command, order, ordain, decree, enjoin, charge, dictate, prescribe, direct, appoint, 
bid, geordnet. Ein strenges princip kann ich jedoch auch in dieser reihenfolge 
nicht erkennen, denn bid z. b. hätte m. e. gleich nach order folgen müssen. Doch 
begründet Abel dessen Stellung am ende der reihe damit, dass ursprünglich in die- 
sem worte, wie ja auch das etymon zeigt, der begriff des bittens vorgewaltet hat. 

«Ein wort von weiter bedeutung», sagt er s. 36, «das die ganze scala des 
heischens umfasst, die zwischen bitten, wünschen, auffordern und befehlen liegt. 
Der grundton, der in all diesen modulationen durchschlägt, ist ein dringendes ver- 
langen, das gewährung erwartet. Diese Zuversicht auf erfüllung des vorgetragenen 
anspruchs, die in dem worte liegt, hat es allerdings mit sich gebracht, dass sich 
seine bedeutung im laufe der zeit mehr und mehr nach der seite des befehlens hin 
verschob, auf der seite des bittens dagegen allmälig verblich« .... 

Nachdem er die genannten Wörter so der reihe nach im einzelnen definirt und 
mit beispielen belegt hat, was ihm als die erste methode gilt, bietet uns Abel eine 
synoptische tabelle derselben zur vergleichung und zur veranschaulichung dessen, 
was er als die zweite und dritte methode bezeichnet. Es werden hier, wie er sich 
s. 82 ausdrückt, «die gemeinsamen züge, die sich in allen diesen worten (sie) wie- 
derfinden, beobachtet und in ihrer verschiedenen stärke und färbung dargelegt«, 
dies ist die zweite methode. Nach der dritten werden «die bedeutungsnüancen, 
die einzelnen worten (sie) ausschliesslich innewohnen», gesammelt. Die rubriken 
der tabelle besagen nun 1) worauf der befehl beruht, 2) die art der berech tigung, 
3) ob der befehl bindend ist oder nicht, 4) ob dessen zweck betont ist oder nicht, 
5) welches der zweck sei und 6) von wem der befehl ausgeht. 

Hieran schliesst sich dann die vierte methode, nach welcher die wesentlich- 
sten züge der einzelnen Wörter und deren bedeutungen in einem gemeinsamen bilde 
vereint werden. In ihr hätten wir «das wirksamste mittel«, meint Abel (S. 44), 
«die eigenthümlichkeiten in der denkweise einer spräche durch synonymische Zu- 
sammenstellung zu erkennen. Indem wir die worte (sie) nach den wesentlichsten 
ingredienzen ihrer bedeutung classificiren , erhalten wir den ausgangspunkt für 
eine betrachtung, die der natur des lebendigen objeetes entspricht. Wir legen 
das entscheidende gewicht auf das charakteristische, und erwähnen untergeordnete 
punkte nur nach dem masse ihres geringeren werthes.» 

Man sieht, die behandlung des gegenständes ist eine musterhafte, jedoch, wie 
ich bereits erwähnt habe, für den praktischen gebrauch, eine allzu erschöpfende, 



K. Elze, William Shakspeare 2 X =5 

oder richtiger gesagt, zu breite. Zu diesem zwecke empfiehlt sich eine knappe Zu- 
sammenfassung des ergebnisses solcher tiefgehenden Untersuchungen, wie die Abel' s, 
schon aus rücksicht auf die handlichkeit und die kosten, weit besser. Auf solchen 
gebrauch hat es der Verfasser aber nicht abgesehen; er hat ja eben nur eine 
probe davon geben wollen, wie man synonymische Untersuchungen anzustellen 
habe, und als solche können wir ihr unbedingten beifall zollen. In einem zweiten 
artikel beabsichtige ich Abel's definitionen mit denen englischer synonymiker zu ver- 
gleichen und noch einige weitere bemerkungen über Synonymik hinzuzufügen. 
Indem ich dazu die spalten der »Englischen Studien» in anspruch zu nehmen mir 
gestatte, stütze ich mich auf Abel's einleitende worte , die ich vollständig unter- 
schreibe. Sie lauten : »Die worte (sie) der englischen spräche zeichnen sich 
im vergleich zu denen der meisten anderen europäischen idiome durch bestimmte, 
feinnüancirte und ansprechend enge bedeutungen aus. Da sie aber von einem 
reichen volksgeist geschaffen sind, der mannigfache auffassungen und gedanken 
allen seinen angehörigen mitzutheilen hat, so sind sie, eben wegen ihrer bestimmt- 
heit, feinheit und enge, ungemein zahlreich geworden. Diese vier, sich aus einan- 
der entwickelnden bedingungen machen die englische spräche zu einem besonders 
dankbaren gegenständ synonymischer Studien.» 

Hierbei hat Abel nur vergessen , den der englischen spräche ganz eigenthüm- 
lichen charakter einer misch spräche hervorzuheben, woraus ihr bekanntlich eine 
noch aussergewöhnliche bereicherung sinnverwandter Wörter erwächst. Ueberhaupt 
hat er das etymologische dement in seinen definitionen vielleicht zu wenig be- 
rücksichtigt. 

Zum schluss mögen noch, als einer streng wissenschaftlichen Zeitschrift an- 
gemessen, einige druckfehler und andere sprachliche ungenauigkeiten, die mir auf- 
gestossen sind, erwähnt sein. 

S. 9 z. 3 v. u. Hess Beefsteak statt Beafsteak. S. 12 z. 18 würde ich «geoffen- 
bartes» dem «offenbarstes» vorziehen. S. 21 scheint mir »telling them» besser durch 
»und kündigte ihnen an» anstatt «indem er ihnen ankündigte» übersetzt werden 
zu sollen. Ibid. z. 3 v. u, «mit einer anspielung an», sollte wol heissen «auf». 
S. 31 z. 11 v. u. möchte ich für «directed his assistant» «wies seinen gehülfen 
an» dem «trug seinem gehülfen auf», vorziehen. S. 43. «Diese methoden gehören 
mehr der abstracten thätigkeit des metaphysikers, der die weit in kategorien zer- 
fällt» u. s. w. ist unbeholfen ausgedrückt, weil man glaubt, dass «der» beziehe 
sich auf den metaphysiker, in welchem falle das «zerfällt» etwas anstössiges hätte, 
weil dem Sprachgebrauch zuwider, nach welchem es in der regel nur intransitivisch 
angewendet wird. Endlich muss es S. 63 z. 12 v.o. «auf den statt «auf die 
höchsten zweck», oder vielleicht statt «zweck», »zwecke» heissen. 
Leipzig, im märz 1878. 

Dr. David A s h e r. 



Karl Elze, William Shakspeare, Halle. Verlag der buchhandlung des Waisen- 
hauses. 1S76. Pr. IO mark. 

Die letzten jähre sind den Shakspeare -Studien ungewöhnlich günstig gewesen. 
Von den fleissigen , vielseitigen arbeiten der neuen englischen, wie der älteren 
deutschen Shakspeare - gesellsehaft abgesehen, sind mit jenem werke deutschen 



236 Litteratur 

fleisscs, welches von dem eigentlichen, engeren gegenständ dieser Studien den grund- 
stoff, das Shakspeare'sche Sprachmaterial, unübertrefflich durchgearbeitet hat, sind 
mit dem Shakspeare- lexikon von Alexander Schmidt fast gleichzeitig zwei werke 
bedeutender art erschienen , die die allgemeinste literarhistorische Seite dieser ar- 
beiten hervorragend zu unterstützen angethan sind: die grosse Dodsley' sehe Samm- 
lung der alten englischen dramen, von Hazlitt völlig umgestaltet und vermehrt, 
und A. W. Ward's treffliche geschichte des englischen dramas. Zwischen jenem, 
das speciellste, philologische detail zusammenfassend behandelnden meisterwerk und 
letzteren beiden werken von allgemeinerem charakter, jenes von einem Deutschen, 
dieses von Engländern ausgehend , stehen mitten inne zwei werke , von denen 
gleichfalls das eine deutschen, das andere englischen Ursprungs ist: Edward 
Dowden's »Shakspeare' s Mind and Art« und Karl Elze's »William Shakspeare<. 
Beide arbeiten ergänzen sich zur gestaltung des Shakspeare' sehen lebens und Cha- 
rakterbilds , indem Dowden dabei die abstractere , Elze die concretere seite behan- 
delt. — Dowden's buch — eines der allerbesten, die je über Shakspeare geschrie- 
ben worden sind, — sucht hauptsächlich das geistige wesen des mannes aus einer 
poetisch psychologischen erfassung der dichtungen heraus, und nach gewissen 
wechselnden grundzügen in denselben auch zum ersten mal die fortschreitende, 
seelische entwickelung des menschen in gewissen, grossen zügen darzustellen. Da- 
gegen liegt der Schwerpunkt des Elze' sehen buches mehr im concreten detail. Es- 
ist ein unentbehrliches , kritisches handbuch auf dem gebiete der philologischen 
arbeit, die das leben und schaffen des grössten dramatikers zu ihrem gegenständ 
macht. 

In diesem sinne lässt Elze's »William Shakspeare* alles weit hinter sich, was 
in England oder in Deutschland ähnliches bisher geschaffen worden ist. Auch 
war ja der, der seit mehr als einem Jahrzehnt das deutsche Shakspeare- Jahrbuch 
herausgibt und daher, abgesehen von seinen eigenen, zahlreichen und werthvollen 
arbeiten, den beherrschendsten überblick über das gesammte, so überaus reich 
angebaute gebiet besitzt, vielleicht mehr als irgend ein anderer der aufgäbe ge- 
wachsen, die er sich gestellt hat. Sein werk erscheint denn auch als das produet 
langjähriger, vorbereitender arbeiten, umfassender gelehrsamkeit und unablässigen, 
auch das kleinste nicht verschmähenden Sammler- und forscherfleisses. Es ist mit 
seiner reichen mittheilung der quellen und seiner wissenschaftlichen behandlung 
derselben ein kostbares repertorium für jeden Shakspeare -scholar. — Die gering- 
fügigkeit und Unsicherheit dessen, was uns über Shakspeare's persönlichkeit über- 
liefert ist, machen die aufgäbe des biographen, wenn von einem solchen im eigent- 
lichen sinne hier wirklich gesprochen werden kann, zu einer eminent schwierigen. 
Elze sagt darüber einmal: »In den abgerissenen lebensnachrichten , welche uner- 
müdlicher forscherfleiss aus dem actenstaub hervorgezogen hat, [besitzen wir so zu 
sagen mosaikstückchen, aber die Zeichnung, nach welcher dieselben zum bilde zu- 
sammenzusetzen sind, ist uns unwiederbringlich verloren gegangen, und das höchste, 
was wir erreichen können, ist die herstellung eines, dem original möglichst nahe- 
kommenden musivischen gemäldes.« Verblasst und verwischt ist jene Zeichnung 
leider nur zu sehr, allein so »unwiederbringlich verloren« kann sie nicht sein, sonst 
wäre es eben unmöglich, »aus den einzelnen mosaikstückchen ein musivisches ge- 
mälde herzustellen.« Einige feste punkte und charakteristische linien sind doch 
erhalten geblieben , und es ist Elze gelungen , die linien nach möglichkeit zu er- 
gänzen und die flächen mit warmen färben zu beleben. Freilich beruhen auch 



K. Elze, William Shakspeare 237 

viele der kleinen einzelzüge, mit denen Elze das mangelhafte lebensbild des grossen 
dichters auszugestalten weiss, wenn auch auf dem gründlichsten Studium der quellen, 
doch immerhin auf combinirenden vermuthungen. Sehr häufig ist er daher auf jene 
mannigfaltigen sprachformeln angewiesen, welche den ton der positiven erzähl ung 
und Schilderung mit dem der hypothese verbinden und in allen ähnlichen werken 
über Shakspeare ja leider nur zu häufig sind. Gar manche einzelheit wird der 
kritische leser dem bereich jener möglichkeiten überlassen , welche durch nichts 
widerlegt, aber auch durch nichts eigentlich bewiesen werden können, und über 
den grad der verschiedenen Wahrscheinlichkeiten anderer meinung sein als der 
autor. — Oft sind aber die suppositionen an sich so unschuldiger art und ver- 
breiten andererseits ein so lebendiges licht über die zu schildernden dinge, dass 
man die hier und da zu grosse Sicherheit gern in den kauf nimmt , welche das 
vergnügen der combinirenden, biographischen gestaltung bisweilen erzeugt. "\\ er 
wird nicht der phantasie des biographen , der oft in seiner anschaulichen darstel- 
lungsweise fast zum dichter wird, mit vergnügen folgen, wenn er z. b. bei gelegen- 
heit der schauspielvorstellungen in Stratford sagt : »Die Schauspieler mussten , ehe 
sie die erlaubniss erhielten, in der regel vor dem bailiff und seinen eingeladenen 
freunden eine probe ihrer kunst ablegen , wofür sie dann ein besonderes gratial 
erhielten. Wir dürfen uns immerhin die befriedigung ausmalen , mit der es den 
bailiff John Shakspeare erfüllen mochte, die namhaftesten Schauspieler der residenz 
vor sich und seinen mitbürgern auftreten zu lassen , wir dürfen ihn uns vergegen- 
wärtigen , wie er in seiner sella curulis dem Vorhang gegenüber sass und seinen 
fünfjährigen söhn auf den knieen oder neben sich stehen hatte.« Illustriren doch 
solche bilder , indem sie der phantasie greifbaren stoff geben , auf das trefflichste 
ganze Verhältnisse und zustände, — so hier das verhältniss des platten landes und 
Stratford's insbesondere und der knabenzeit Shakspeare's zu dem schauspielerthum 
und der dramatischen production der zeit ! — Um aus Elze's Schilderungen von 
Shakspeare's Jugendzeit ein charakteristisches motiv zu nennen , so heisst es z. b. 
s. 42: »Es kann wol geringer zweifei darüber obwalten, dass der dichter später 
den Thomas Hunt als Holofernes, in Verl. Liebesmüh den Thom. Yenkins — 
dieser und Hunt waren in den siebziger jähren lehrer an der Stratfordischen 
Grammar-school — als Sir Hugh Evans in den Lustigen Weibern verewigt hat. Es 

sind das die beiden einzigen lehrer, die in seinen werken vorkommen 

Die köstliche scene in den Lustigen Weibern sc. I, wo sir Hugh den kleinen Page 
— er heisst nicht umsonst William — in gegenwart seiner mutter examinirt, hat 
gewiss ihr vorbild in des dichters eigenem schulleben gehabt. Vermuthlich fand 
das examen statt, als Jenkins — oder Hunt — einmal bei Shakspeare's ellern zu 
tisch geladen war, gerade wie Holofernes erzählt (L. 1. 1. sc. 2): Ich dinire heute 

bei dem vater eines meiner zöglinge u. s. w Wir dürfen daher nur 

Thomas Yenkins an sir Hugh's stelle, mrs. Shakspeare an stelle der Mrs. Page und 
eine alte nachbarin an stelle der mrs. Quickly setzen, und das cabinetstück aus 
des dichters knabenzeit ist fertig.« Und weiterhin fahrt Elze fort: »dass das 
examen vor der mutter und nicht vor dem vater statt fand , ist ein sehr natur- 
wahrer und charakteristischer zug. Der letztere hatte jedenfalls seinen köpf so voll 
von den verschiedenen zweigen seiner ausgedehnten wirthschaft , wie von den an- 
gelegenheiten der städtischen Verwaltung, dass er sich um die lateinischen Studien 
seines sohnes, von denen er obenein nichts verstand, wenig kümmern konnte. Ja, 
das bild gewinnt noch an schlagender Wahrheit und prickelndem reiz, wenn wir in 



238 Litteratui 

erwägung ziehen, dass Page ein in Stratford wirklich vorhandenef name war." 
Abgesehen von den unwesentlichen einwänden , die man im einzelnen machen 
kann, dass des jungen Shakspeare's besuch der Grammar- School von Stratford 
und seine beziehungen zu den herren Yenkins und Hunt wenn auch wahrscheinlich, 
doch durchaus nicht nachweisbar sind, und dass Shakspeare in seiner reichen 
lebensbeobachtung zur Schilderung eines pedanten nicht gerade jene beiden Strat- 
forder lehrer brauchte, von denen gar nicht irgendwie zu erweisen ist, dass sie 
als charakteristische originale dazu taugten, so ist nicht zu leugnen, dass an stellen 
dieser art die grenzen jenes gebietes scharf berührt, ja schon ein wenig überschritten 
sind , welches dem historischen roman , dem dichter mehr als dem biographen zu- 
gehört. Der dichtung ist der zufall des historischen einzelereignisses gleichgültig, 
sie behandelt die geschichtlichen Stoffe in bezug auf wesen und Charakter der 
dinge und der personen, der Verhältnisse und zustände, sie gibt uns, was nach 
diesen hätte geschehen können, und was jene wesentlichkeit zu illustriren ge- 
eignet ist. Sollten die räume des Shakspeare'schen Vaterhauses auch nie etwas 
jener prüfungsscene ähnliches in Wirklichkeit gesehen haben, sie hätte doch so statt- 
finden können, wie Elze sie aus den Shakspeare'schen dichtungen unter Zuziehung 
anderer biographischer hiilfsmittel sich componirt, und sie ist höchst charakteristisch 
für die locale und nationale färbung der Zeitverhältnisse und für die lebensatmo- 
sphäre, in der Shakspeare's Jugend aufwuchs und erstarkte. Nur ungern wird es 
sich der liebevolle philologische fleiss versagen, so reizende, lebensvolle motive in 
die lücken und leeren einzutragen, die das bild des grossen, herrlichen dichter- 
lebens für uns darbietet. Allein es ist nicht zu verkennen, dass diese darstellungs- 
weise, — die übrigens bei Elze's vollständiger und offener darlegung der unter- 
lagen den wissenschaftlichen werth seines werks nicht mindert, — etwas schil- 
lerndes hat, dass es in dem vorliegenden einzelfall nicht nöthig war , Shakspeare 
selbst zum helden der kleinen scene zu machen , und dass diese und ähnliche 
dinge zu charakteristisch belebender Schilderung besser in den hintergrund des 
lebensbildes sich gefügt hätten. — Der erste abschnitt desselben — es sind ihrer 
im ganzen acht — schildert in lebendiger höchst interessanter weise Shakspeare's 
»heimath und kindheit«. Er verbeitet sich auf das gründlichste über die an zwei- 
feln so reichen fragen, die des dichters herkommen, seine familie, besonders Shak- 
speare's vater betreffen. Weiterhin ist auf das eingehendste von der Grammar-School 
des kleinen Stratford und den sich hieran knüpfenden dingen die rede, sowie von 
dem, was über Shakspeare's erste erziehung zu vermuthen steht. Von der zweifel- 
los richtigen annähme ausgehend, dass der dichter als knabe gewiss »kein Stuben- 
hocker« gewesen, stellt der biograph in anziehendster weise die natureindrücke 
dar , die Skakspeare's junge phantasie erfüllt haben müssen : die landschaft um 
Stratford und ihren Charakter. Und hieran knüpft sich die Schilderung der haupt- 
sächlichsten nachbarorte , der städte der grafschaft , darunter natürlich Stratford 
selbst, und der bedeutenden historischen reminiscenzen, welche die heimath Shak- 
speare's erfüllten. Es folgen dann die theatralischen anregungen , welche das 
schauspiellustige Stratford dem jungen Shakspeare gegeben haben muss, das häufige 
auftreten von schauspielertruppen Londons und das muthmassliche repertoire der- 
selben , das Elze aus einem überblick der zeitgenössischen bühnenproduetion un- 
gefähr construirt. Nach der vortrefflichen Schilderung dieses breiten hintergrunds, 
auf dem die erste Jugend Shakspeare's sich abgespielt haben muss, kehrt die 
darstellung zurück zur familie des dichters, zur lebensgeschichte John Shakspeare's, 



K. Elze, William Shakspeare 2^Q 

und der zeit, in welcher^, dessen Wohlstand niederging, und in die auch sodann 
die frühzeitige verheirathung William Shakspeare's fiel. Die in bezug auf letztere 
thatsache entstehenden fragen werden im zweiten capitel (»Jünglingsalter und ehe«) 
behandelt, in welchem auch die verschiedenen traditionen über Shakspeare's be- 
schäftigung vor seinem übertritt zur bühne zur besprechung kommen. Haupt- 
sächlich gestützt auf des lord High Justice Campbell treffliche Untersuchungen über 
»Shakspeare's Legal Acquirements« nimmt auch Elze an, dass der dichter (als 
»Noverint«, wie Nash in spottender anspielung auf Shakspeare die advocaten- 
lehrlinge — - nicht etwa advocatenschreiber — nennt) auf dem büreau eines anwalts 
längere zeit gearbeitet haben muss. Shakspeare's jugendtreiben — auch nach der 
heirath des achtzehnjährigen — wird sodann sehr anziehend geschildert, die ge- 
schichte seines wilddiebstahls mit recht als thatsächlich angenommen, doch nicht 
als ehrenrührig aufgefasst. Aus der Verspottung des geschädigten jagdeigenthümers 
in den »Lustigen weibern« schliesst Elze auf die entstehungszeit dieses Stückes. 
Wir sehen dann , wie die drohenden folgen des Vergehens zu der dürftigkeit und 
dem Unfrieden der häuslichen Verhältnisse treten, um Shakspeare's wegzug nach 
London (nach Elze nicht 1586 oder 1587, sondern schon 1585) herbeizuführen. 
Die Blades'sche annähme, dass Shakspeare als buchdrucker (in dem geschäft seines 
angeblichen landsmanns Richard Field) gearbeitet und ebenso die sage von den 
Shakspeare's boys werden natürlich zurückgewiesen. Nachdem weiterhin verschie- 
dene , mehr oder weniger in der luft schwebende , wenn auch zum theil sehr an- 
muthende hypothesen über des dichters reisen zur Untersuchung gekommen, bildet 
sodann »Shakspeare's London« den gegenständ des dritten abschnitts. In diesem 
wird der grossartige aufschwung Englands, und als mittelpunkt des reichen, keime 
und blüthen und fruchte zugleich in fruchtbarem dränge treibenden nationalen 
lebens die englische hauptstadt geschildert. Nach einem anschaulich bunten bilde 
der Stadt und des sie erfüllenden lebens, interessant und charakteristisch besonders 
auch durch den vergleich mit dem London des heutigen tages, empfangen wir 
eine ausführliche Schilderung des geistigen lebens in London. Elze legt das^ 
selbe nach seinen beiden hauptrichtungen und kreisen dar, dem »gelehrt-höfischen« 
und dem »volksthümlich- nationalen«. Auf jener seite schildert er die glänzende, 
reihe von gestalten, wie sir Thomas Wyat , Surrey , Sidney, Pembroke, Spenser, 
Daniel , und bespricht besonders , in anschluss an den letztgenannten namen, die 
in diesen kreisen erblühende sonettendichtung nebst Daniel's vorbildlicher ein- 
wirkung auf Shakspeare , andererseits die italienischen einflüsse in diesen gebieten 
(Marini's Adone und Shakspeare's Venus und Adonis nebst seinem Rape of 
Lucrece). Auf der anderen seite schildert Elze dann jene volkstümlicheren rieh- 
tungen, deren hauptmittelpunkt das drama war, und deren führer Shakspeare wurde. 
Er lässt die Greene, Kyd, Peele , Lilly, Marlowe, Lodge, dann auch Jonson 
Fletcher, Beaumont, Massinger, Chapman, Munday, Chettle, Dekker revüe passiren, 
indem er bei allen in bezug auf Shakspeare persönliche beziehungen und (gegen- 
seitige) einwirkungen voraussetzt. Ausser den dramatikern zieht er dann in sein 
Literarhistorisches ensemblebild nebst Spenser's und Daniel's gestalten auch Shak- 
speare's Landsmann Drayton, die Satiriker Thomas Nash und Green, den com« 
ponisten Dowland und den baumeister Inigo Jones hinein; sodann Florio, den ver- 
fasset des berühmten Wörterbuchs, und endlich die Schauspieler Burbadge, rleming 
und Condell. So stellt denn Elze weiterhin von dem gesellschaftlichen treiben, 
zu dessen mittelpunkte Shakspeare gehörte, ein sehr lebendig interessantes bild, 



240 



Litteratur 



her, und wir werden mitten in die convivialität der Mennaid, der Mitre und der 
Three Cranes hineingeführt, so lebhaft, das^ wenn Elze hierbei sagt, »es konnte 
sich natürlich nicht um trinken an sich, sondern nur um die poesie des trinken- 
handeln«, man erwidern möchte, dass auch poesie und geist, dass witz und genie 
den durst an und für sich und seine directen forderungen nicht ausschlies>cn. 
Drummond's worte über Ben Jonson, die Elze citirt, braucht man hierbei noch gar 
nicht allzu ernst zu nehmen: Drink is one of the elements of which he lives. — 
Die parallele, die Elze zwischen Shakspcarc und Ben Jonson zieht, ist vortrefflich. 
I >ie gesammte frage über beider verhältniss bespricht er ausführlich und lässt 
vielleicht nur, zu gunsten seines helden, den schwächeren rivalen etwas zu schlecht 
wegkommen. — Nach dieser ausgeführten Schilderung des hintergrundes, auf dem 
sich des dichters londoner leben bewegte , kehrt der biograph zu seinem engeren 
gegenstände zurück. In bezug auf Shakspeare's ehe beantwortet er die frage, ob 
dessen gattin und familie den londoner aufenthalt dauernd getheilt, in einem ent- 
schieden verneinenden sinne. In weiterer darstellung begleitet er seinen helden auf 
dessen vielfachen reisen nach Stratford, schildert den weg und die reiseverhältnisse, 
die landschaft und die hauptstationen, so das an erinnerungen reiche Woodstock 
und Oxford, an dessen wirthshaus zur kröne, sammt seiner freundlichen wirthin 
Mrs. Davenant, von Elze eine besprechung der zeitansichten über männliche tugend 
geknüpft wird. — Es wird weiter dargelegt , wie Shakspeare schon im vierund- 
dreissigsten lebensjahr an eine behagliche zurückgezogenheit denken konnte, wenn 
er in Stratford ein grundstück, bestimmt als Tusculanum zu dienen, ankaufte. 
Freilich ist wol kaum zu beweisen , dass er bei dem kauf nicht viel weniger an 
sich, als an die in Stratford ansässig gebliebene familie gedacht habe. — Die 
schwierige frage , auf welchem wege hauptsächlich der dichter so bald zu 
besitz und Wohlstand gelangt sei , wird nach allen richtungen auf das sachlichste 
geprüft. So ward mit scharfer kritik Shakspeare's verhältniss zu Southampton be- 
trachtet, und dann das geschäftliche verhältniss Shakspeare's zur bühne untersucht. 
Es werden seine mannigfachen, urkundlich bezeugten einzelnen kaufs- und verkaufs- 
geschäfte durchgegangen, seine erfahrung in solchen dingen (die er als »Noverint« 
einst sich vielleicht schon angeeignet), sein streben nach besitz und gesellschaft- 
licher Stellung (durch des vaters neues adelswappen) ausführlich besprochen. Der 
deutsche biograph wünscht diese praktische seite von Shakspeare's Charakterbild 
hinweg, er findet sie störend in dem idealen bilde des dichters. Er sieht hierin 
die »Achillesferse« seines wesens, — wenn auch — »nur die ferse, denn mit dem 
haupt stand er trotz alledem im äther.« — Wol mit unrecht nennt man diejenige 
charakterseite eines dichters seine »Achillesferse«, die ihm erlaubte, festen fuss zu 
fassen auf dieser erde, um schwindelfrei mit des geistes flug sich in alle wölken 
wagen zu können. — Wie anders urtheilt hierüber Edward Dowden, der praktische 
Engländer, der doch den dichter als dichter so tief und echt erfasst hat ! — Das 
verhältniss Shakspeare's zu Elisabeth und Jakob, und dann seine rückkehr nach 
Stratford bilden die Stoffe für den schluss des dritten abschnitts im Elze'schen 
buch. Der folgende, vierte, trägt den titel : Das theater. Hier weist der autor 
zunächst, im gegensatz zu Rümelin' sehen anschauungen, den nationalen Charakter der 
englischen bühne nach , — zuerst aus thatsächlichen Verhältnissen, indem er die 
allgemeine betheiligung aller stände seit frühen Zeiten schildert, des hofes wie der 
zünfte, der schulen wie der Universitäten, und der niedersten volksclassen, die die 
Schauspielhäuser füllten, und zwar in London sowohl wie in allen theilen des 



K. Elze, William Shakspeare 241 

reichs, nicht nur in Oxford und Eton, sondern auch in Städtchen -wie Shakspeare's 
kleiner heimathsort selber; — sodann aber aus allgemeinen gründen, indem er 
unter anderem nachweist, dass ein product wie das Shakspeare' sehe theater nicht 
ohne hochbedeutende vorentwickelung aus dem nichts entstehen, dass eine so 
mächtige ernte nur aus einer wirklich im nationalen leben keimenden saat erspriessen 
konnte. Sehr vortrefflich sagt Elze einmal: »Die dramatische poesie hätte un- 
möglich so schnell ihrem gipfel zugeführt werden können , wenn nicht das, was 
ihrer pflege an Zeitdauer abging, durch ihre Verbreitung über alle gesellschafts- 
kreise und das allgemeine interesse derselben ersetzt worden wäre.« In einer sehr 
werthvollen, kurzen entwickelungsgeschichte des englischen dramas weist der autor 
hier in übersichtlicher auseinandersetzung zunächst besonders den weltlich volks- 
thümlichen charakter nach , den schon in einer früheren periode , früher als bei 
anderen nationen , die mirakelspiele unter betheiligung der zünfte und weiter Ver- 
breitung im lande gewonnen haben. Diesen volksthümlichen charakter findet Elze 
mit recht auch in der den miracle-play* folgenden dramatischen entwickelungsstufe, 
in der morality mit ihrem vice und ihren foolartigen gestalten, — obgleich die 
allegorie, das charakteristische dement derselben in der that nicht volksthümlichen, 
sondern classicistisch scholastischen Ursprungs ist. »Morley (First sketch of 
English Literature) behauptet zwar , die moralität sei keineswegs eine Übergangs- 
stufe vom mirakelspiel zum wahren drama und habe nichts mit dem mirakelspiel 
zu schaffen, allein«, sagt Elze mit recht, »er dürfte wol wenige leser von der 
richtigkeit dieser behauptung überzeugen.« — Doch möchte ich andererseits auch 
folgendes wort Elze's nicht unterschreiben : »Im gegentheil bildete die allegorie den 
naturgemässen , ja den einzig möglichen Übergang von den mirakelspielen zum 
regelmässigen drama.« Die mysterien sind so reich an wirklich dramatischen de- 
menten, und insbesondere z. b. in den komischen partien derselben (z. b. in der 
anbetung der hirten in den Widkirk plays) finden sich, wenigstens in nuce, so alle 
keime des lustspiels in form der derben volksposse vorgebildet , dass wir nur die 
bald einwirkenden einflüsse der antiken Vorbilder uns zu vergegenwärtigen brauchen, 
um die litterarhistorische entwickehmg bis zu produetionen wie Ralph Roister 
Doister und Gammer Gurton's Needle, und — parallel dazu — so steifen nach- 
ahmungen der antike wie Gorboduc nicht unvermittelt oder unerklärlich zu finden. 
Als »einzig möglichen Übergang« von den mirakelspielen und der volkspo>se, (die 
jedenfalls auch unabhängig von jenen , wenn auch ohne literarische form und 
Überlieferung vielleicht als rest der classischen eultur und erbe der atellanen und 
mimen sich im volke, wie bis heute in Italien, auch in Frankreich und England 
fortgesetzt hatte) zum späteren , regelmässigen Schauspiel die an sich ja absolut 
undramatische form der allegorie zu betrachten , sehe ich keinen grund , obwol 
freilich die starke einwirkung der moralitäten in bezug auf verstandesmässige durch- 
bildung der kunstform durchaus nicht 7.11 verkennen ist. — In interessanter weise 
zeigt Elze die vereinzelten nachwirkungen des dramatischen ällegorismus noch 
weiterhin und selbst noch bis zu Shakspeare; nur in bezug auf Ralph Roister 
Doister ist nicht zuzugestehen, dass, wie Elze sagt, »der allegorische beigeschmack 
des ganzen nicht zu verkennen« sei. Abgesehen davon, dass die Damen dir han- 
delnden personen in dem Udall' sehen stücke, wie Elze hervorhebt, »die Schlüssel 
für die Charaktere abgeben«, was ja in mannigfachen, und völlig allegoriefreien 
gebieten der dichtung etwas sehr gewöhnliches ist, ist in der einfachen handlang 
(von dem täppischen, lächerlichen freier und der jungen wittwe) nichts von allegorie 

Kölbing, Englische Studien. 11. i. IÖ 



242 



Litteratur 



zu verspüren. — Neben der entwickclung des englischen dramas schildert Elze dann 
weiterhin insbesondere die anfange und einrichtungen des Londoner tlieaterv, ■ 
die verschiedenen einzelnen Schauspielhäuser der hauptstadt, ferner die aufführungen 
am hof, sodann die kindertheater werden besprochen, wie dann weil 
Charakter des londoner theaterpublicums, der kämpf der bUhnen mit den städtischen 
behörden und dem puritanismus , die bürgerliche Stellung der Schauspieler, und 
endlich die ausstattung und innere einrichtung der englischen bühnen. Bei der dar- 
stellung des letzteren gegenständes hat sich nebst anderem auch der seit Malone's 
»Account« und Collier's »Annais« so oft wiederholte fehler eingeschlichen: »der 
Zuschauerraum war von der biilme durch einen wollenen oder seidenen Vorhang 
getrennt« u. s. w. ; denn als einer von vielen beweisen , dass es vor dem vorder- 
und hauptraum der bühnc keinen Vorhang gab, kann z. b. die eine, so oft, wenn 
auch zu anderem zwecke angeführte stelle aus Dekker's »Gull's Hörn booke« 
gelten, in welcher dem Stutzer unter anderem gerathen wird: Present yourself not 

on the stage, unlil the quaking prologue is ready to 

enter for if you should bestow your person upon the vulgär, when the 

belly of the house is bnt half füll, your apparel is quite eaten up, the fashion lo^t, 

and the proportion of your body in more danger to be devoured « — 

Der weitere verlauf der Elze' sehen darstellung gibt auskunft über die truppe 
Shakspeare's und ihre geschichte, über die frage von des dichters schauspielerschaft 
und den rollen, in denen er gespielt haben soll, und über die bühnentheilhaber- 
schaft Shakspeare's, die durch die Halb well' sehen actenfunde ja in ein so wesent- 
lich verändertes licht gestellt worden ist. Nachdem dann unser geringes wissen 
über die aufführungen Shakspeare' scher stücke in kritischer weise beleuchtet 
worden, gibt der letzte theil des reichen, vierten abschnitts eingehenden bericht 
über diejenigen collegen Shakspeare's , die in der ersten gesammtausgabe seiner 
dramen als bei der auffuhrung derselben betheiligt verzeichnet sind. — Der fol- 
gende abschnitt — »Shakspeare's werke« — behandelt zunächst das immerhin 
inseressante curiosum der Bacon-Shakspeare-theorie , um dann weiterhin über die 
geniale instinetivität von unseres dichters einheitlicher gestaltungsweise sich zu 
verbreiten. Auch hier vergleicht Elze, wie an anderen stellen, Shakspeare mit 
Walter Scott. »Die dramen des ersten«, sagt er, »waren wie die romane des 
zweiten, prima-malerei , erzeugnisse eines glücklichen wurfes . . . . in einem ein- 
zigen gewaltigen guss entstanden« etc. Wie weit aber Shakspeare nicht an seinen 
werken gefeilt und gebessert, und um- und nachgeschaffen habe, ist doch in 
Wirklichkeit bei dem mangelhaften Charakter unserer quellenausgaben und der ge- 
ringen Sicherheit in bezug auf die geschichte der Shakspeare'schen texte kaum zu 
sagen. Viele abweichungen, viele verschiedenartige gestaltungen der details inner- 
halb verschiedener quellenausgaben mancher stücke sind ja doch in der that vor- 
handen, obgleich das verhältniss der verschiedenen ausgaben zu einander meist sehr 
unklar ist. — Elze sagt weiterhin: »Gleich lord Byron wird Shakspeare wol liebe 
und leichter etwas neues geschaffen , als das alte umgeformt haben. « Allein bei 
demselben »play-wright« , der, auch nach Elze's auffassung, seine ersten dichter- 
jahre wahrscheinlich meist zur neubearbeitung alter, fremder stücke angewendet, 
ist jene annähme doch gar nicht so ausgemacht. — Ein weiterer punkt , in dem 
Elze Shakspeare mit Scott vergleicht, ist folgender: »Noch ein zug, welchen Shak- 
speare und Scott gemeinsam haben, entfliesst ihrer schaffensweise, der nämlich, dass 
beide ziemlich gleichgültig auf ihre werke herabsehen und ihnen nur als »gold- 



K. Elze, William Shakspeare 24? 

bergwerken«, um Scott's ausdruck zu gebrauchen, werth beimessen.« Elze accep- 
tirt ohne weiteres Pope's : Shakspeare for gain, not glory wing'd his roving flight. 
Dass Shakspeare den nachruhm wenig bedacht, zeigt ja allerdings die art, wie er 
die ausgaben seiner werke vernachlässigte; allein wenn man nach den zielen fragt, 
die eines dichters — und eines dichters wie Shakspeare — «schwärmender geistes- 
flug« sich steckt, so ist ausser »gain« und ausser »glory< doch noch ein anderes 
drittes zu finden, das der elegante dichter des »Rape of the Lock< nicht in 
betracht zieht, weil Pope den Shakspeare mit Pope'schem masse misst: innerster 
machtvoller Schaffensdrang, die nothwendigkeit, das innere erlebniss künstlerisch 
zu gestalten, der kategorische imperativ des dichterischen Schaffens. Es ist ein 
mächtiges, tief bewegtes Seelenleben, das in des dichters werken gestalt annimmt, 
und auf King Lear und Hamlet, diese schmerzlichen geburten eines gewaltigen 
geistes, kann dieser geist, dem sie sich — gewiss nicht in spielend behaglicher 
arbeit — entrungen , nicht dann mit gleichgiltigkeit herabgeschaut haben. Die 
allerdings nicht zu bezweifelnde thatsache, dass Shakspeare' s genie nicht (wie Ben 
Jonson) sorglich um die litterarische form bemüht war , in der seine werke an die 
nachkommenschaft gelangen sollten , kann für uns nichts beweisen, als dass Shak- 
speare minder ruhmeitel war, als andere minder grosse dichter. — Diesen ausein- 
andersetzungen über Shakspeare's schaffen fügt übrigens Elze selbst hinzu, dass 
er es nicht mit »einer kritischen Würdigung von Shakspeare's werken, sondern 
lediglich mit ihrer litterargeschichtlichen und philologischen erläuterung« zu thun, 
dass er sie »nicht als ausflüsse göttlicher Wahrheit, sondern im gegentheil von 
ihrer menschlichsten äusserlichsten seite zu betrachten habe.« — Natürlich sind 
nach dieser richtung Elze's auseinandersetzungen ausserordentlich lehrreich , um- 
fassend und mit vollendeter sachkenntniss vorgetragen; so das, was er über die 
bibliographie der älteren originaldrucke, über ihre geschichte, über druck- und 
Verlagsverhältnisse der Shakspeare' sehen zeit, über das verhältniss der gesammt- 
ausgabe zu den einzeldrucken u. s. w., über die frage der unechten stücke einer- 
seits und der bearbeitungen fremder dramen durch Shakspeare andererseits uns 
vorträgt. Wenn er unter anderem einmal von des publicums verlangen nach druck- 
ausgaben der aufgeführten stücke sagt, dasselbe »konnte nur auf unrechtmäs 
weise befriedigt werden«, so ist mit dem »nur« wol etwas zu viel gesagt. Denn 
wenn auch schauspielergesellschaften und bühnendichter jener zeit in vielen fällen 
der herausgäbe ihrer dramen abgeneigt waren (weil , wie Marston in der vorrede 
zum »Poetaster« sagt »the life of a comedy rests much in the actors' voiee«, und 
aus anderen wichtigeren gründen), so ist die thatsache doch nicht ausgeschlossen . 
dass in manchen fällen ausgaben von bühnenstücken aus dem freien entschluss 
ihrer eigenthümer veranstaltet wurden. — Ganz vortrefflich ist Elze's auseinander' 
setzung über Shakspeare's verhältniss zu den quellen und über litterarhistorische 
reminiscenzenstudien. In letzterer beziehung sagt er unter anderem: »Das haupt- 
interesse derartiger nachweisungen liegt darin, das geistige ineinandergreifen der 
verschiedenen litteraturen aufzuzeigen, sowie bezüglich Shakspeare's die verschie- 
denen richtungen und den umfang seiner leetüre und folglich seiner bildung 
gewissermassen durch sichere marksteine festzustellen.« — Gleich vorzüglich ist 
sodann, was Elze über die Chronologie der stücke abhandelt, insbesondere treffend 
auch was er (im gegensatz zu Fleay) in bezug auf die metrischen kriterien sagt, 

die hierbei in rechnung kommen: •> dass die metrischen kriterien nichts 

weniger als die Sicherheit eines mathematischen gesetzes beanspruchen können, 

16* 



244 Litteratur 

welches bestimmt wäre, alle anderen massstäbe aus dein felde zu schlagen. Es 
i t mir ein gleichberechtigtes kriterium neben den übrigen, und nur von der Ver- 
flechtung und Übereinstimmung aller kriterien lässt sich, wie bemerkt, ein eigebnisa 
erwarten, das wenigstens eine relative gewissheit in sich trägt, obgleich es auch 
so den hypothetischen Charakter nicht völlig abzustreifen vermag.« Wenn nun Elze 
in dem folgenden haupttheil seines fünften abschnitts die einzelnen werke nach- 
einander (mit zugrundlage der traditionellen reihenfolge in der folio) durchspricht, 
so handelt es sich natürlich nicht um ästhetische Untersuchungen der dichtungen 
an sich oder um die psychologischen beziehungen in denselben zu Shakspeare's 
persönlichkeit; vielmehr gibt uns der autor gedrängte, kritisch zuverlässige Zu- 
sammenstellungen des wichtigsten thatsächlichen, treffliche sachliche auskunft über 
den stand der controversen, und viele werthvolle und anziehende einzelmittheilungen. 
An die reihenfolge der stücke aus folio A, denen er die nicht dramatischen dich- 
tungen vorhergehen lässt, schliesst er mit Perikles die sechs doubtful plays der 
dritten folioausgabe. — In dem sechsten abschnitt — Shakspeare's bildung — be- 
handelt Elze in ausserordentlich gelehrter, ^lehrreicher und interessanter weise 
zunächst die fragen, welche des dichters sprach- und litteraturkenntnisse, und 
sodann sein universales beherrschen des menschlichen wissens und der mensch- 
lichen erfahrung betreffen. Sodann verbreitet er sich über die speciellen sach- 
lichen kenntnisse, die aus Shakspeare's Schriften sich ergeben, so insbesondere 
sein wissen und seine beobachtungen über die lebendige natur, worüber bekannt- 
lich die fülle jener monographien handeln, die Shakspeare special istisch, z. b. 
je als botaniker, Zoologen, ornithologen, ja als entomologen (R. Patterson, Letters 
on the Nat. Hist. of the Insects mentioned in Shakspeare's plays. L. 1841) zur 
Untersuchung ziehen. Es kommen so auch des dichters Jäger- und gärtnererfahrung, 
seine kenntnisse in bezug auf haus-, feld- und selbst viehwirthschaft , dann sein 
reiches wissen über körper und natur des menschen, sein reichthum an physiologisch- 
psychologischen erkenntnissen, besonders auch die über die geisteskrankheiten zur 
mannigfaltigen besprechung. Vorzüglich und treffend ist insbesondere, was Elze 
über die geographischen und historischen licenzen sagt, die sich Shakspeare erlaubt. 
Nur finde ich, dass hierbei die entrücktheit von Shakspeare's epoche nicht genug 
in betracht gezogen und beispielsweise die anführang des Kaulbach' sehen refor- 
mationsbildes mit seiner Verleugnung der Chronologie unzutreffend ist. Man sollte 
überhaupt in bezug auf die .»freiheiten« und — im modernen sinne — Unzuläng- 
lichkeiten in Shakspeare mehr als dies zumeist geschieht, historisch objeetive, statt 
subjeetiv-moderne betrachtungsweisen und massstäbe anwenden , und in dieser 
beziehung ausführlicher auf die Charakteristik von kunststil, idealismus und natura- 
lismus bei Shakspeare's Zeitgenossen, — auch in anderen nationen und anderen 
kunstgebieten — vergleichsweise eingehen. Das ist ja freilich eben die unver- 
gleichliche grosse Shakspeare's , welche uns immer und immer wieder die that- 
sache vergessen lässt, dass die zeit seines Schaffens nun beinahe drei Jahrhunderte 
zurückliegt. — In sehr interessanter weise betrachtet Elze Shakspeare's verhältniss 
zu den verschiedenen künsten. Sehr gut ist besonders der abschnitt über des 
dichters auffassung der tonkunst , und nur was der autor (p. 479) über dessen 
Stellung zur kirchenmusik sagt, ist wenig überzeugend: »musik als ein ausfluss 
der gottesverehrung, als ein bestandtheil des gottesdienstes ist ihm fremd — nicht 
dass er sie nicht gekannt hätte, da er doch jedenfalls kenntniss von der katho- 
lischen kirchenmusik besass, sondern er wollte sie nicht als solche kennen, 



K. Elze, William Shakspeare 245 

Diejenigen, welche Shakspeare durchaus zu einem gläubigen Christen oder gar zu 
einem gläubigen katholiken stempeln möchten , sollten diesen punkt nicht über- 
sehen.« Diesen folgerungen aus der blossen zufälligen thatsache , dass kirchen- 
musik in Shakspeare's dramen nicht vorkommt, wird man sich schwerlich an- 
schliessen können. — Was die bildenden künste anlangt, so ist bei Shakspeare kaum 
ein verhältniss zur architektur und nicht viel mehr ein solches zur plastik zu er- 
kennen. Doch schliesst Elze daraus zu viel, wenn er (p. 480) sagt: »selbst die 
venetianischen paläste, wenn er sie sah, haben ihn als bauwerke kalt gelassene 
Wie wäre das bei einer phantasie, wie ;der Shakspeare's möglich gewesen, zumal wenn, 
wie Elze meint, der dichter »desto mehr von malerischem sinn durchdrungen ist.« 
Wenn als beweis für letztere annähme (p. 484) gesagt wird: »wie wäre er sonst 
im stände gewesen , uns mit so treffenden Worten beschreibungen von gemälden 
zu geben , gleichviel ob dieselben in Wirklichkeit vorhanden waren oder nicht ; 
namentlich die beschreibung des grossen bildes vom untergange Troja's in der 
Lucretia ist ein unübertreffliches meisterstück« , so ist dagegen zu sagen , dass bei 
allem glänz jener beschreibung und trotz des Jspezifisch malerischen Charakters 
von manchem ihrer motive es doch nur dem poetisch phantastischen, naiven idea- 
lismus jener dichtungsepoche möglich war, die Schilderung von Troja's Untergang 
als eine nicht blos poetische, sondern als die directe beschreibung eines wirklich von 
Lucretia geschauten , gemalten bildes auszugeben. Enthält die darstellung Shak- 
speare's ja doch eine menge dinge, die nicht gleichzeitig, sondern nacheinander 
geschehen , und eben so viele einzelscenen , die theils im Vordergrund , auf dem 
Schlachtfeld , theils im innern des im hintergrund sichtbaren Troja's vorgehend, 
unmöglich auf einem und demselben bilde darstellbar sind, — von dingen ganz 
abgesehen , wie »And from the towers of Troy there would appear the very eyes 
of men through loop-holes thrust , Gazing upon the Greeks with little lust: such 
sweet observance in this work was had, that one might see those far-off eyes look 
sad« oder von Symbolismen, wie »for Achilles' image stood his spear, Grip'd in 
an armed hand: himself behind Was^left unseen, save to the eye of mind. A 
hand, a foot, a face, a leg, a head, Stood for the whole to be imagined.« — 
In bezug auf die thatsache, dass bei Shakspeare »von der religiösen oder kirch. 
liehen maierei so wenig die rede ist , als von der religiösen oder kirchlichen 
musik«, sagt Elze weiterhin: »es ist klar, dass wer naturwahrheit und sinnliche 
lebensfülle als höchstes ziel der kunst betrachtet, von religiöser maierei und der 
darstellung der heiligen unmöglich hoch denken kann. Wer den Julio Romano 
so richtig beurtheilt wie Shakspeare, wird auch von seinem lehrer Kafael und der 
blüthe der italienischen kirchenmalerei künde gehabt haben; man kann nur sagen, 
er hat sie nicht kennen wollen, weil sie in seinem poetischen Weltbilde keine 
eignete oder berechtigte stelle fand. Was schon bezüglich der musik gesagt 
worden ist, muss hier wiederholt werden: diejenigen, welche Shakspeare durchaus 
zu einem gläubigen Christen stempeln wollen, sollten seine auffassung der kunst 
wol bedenken; sie spricht durchaus gegen sie.« Abgesehen davon, dass obige 
anschauungen über naturwahrheit und sinnliche lebensfülle im verhältniss nur reli- 
giösen maierei der rafaelischen richtung nicht viele sich anschliessen dürften, wird 
auch die gültigkeit des angesprochenen beweises wider Shakspeare's christlichkeit 
'loch kirchengläubigkeit leicht bezweifelt werden. Dieser punkt wird weiterhin 
sehr eingehend im siebenten abschnitt besprochen, welcher »Shakspeare's Charakter, 
seine weit- und lebensanschauung« betitelt ist, und es haben El sehen aus- 



246 



Litteratur 



einandersetzungen über Shakspeare im verhältniss zum christenthum schon eine 
interessante Gegenschrift von dem autOT der vortrefflichen »briefe über Hamlet 
und der »Shakspearestudien« hervorgerufen; »Dr. K. El/.e's William Shakspeare, 
besprochen von H. freiherrn von Friesen, Leipzig, C. L. Hirschfeld.« — Als 

kriterien für seine interessanten Untersuchungen in bezug auf Shakspeare's Charakter 
benutzt Elze sowol die überlieferten urtheile und anspielungen der Zeitgenossen, 
als die werke des dichters selbst. Sehr eingehend , klar und überzeugend ist ins- 
besondere die besprechung der sonnettenfrage, und Elze sagt am schluss darüber: 
»mag sich die sache verhalten haben, wie sie will, so viel ist sicher, dass die 
sonnette kein gewicht in die wagschaale legen dürfen, wenn es sich darum handelt, 
ein bild von Shakspeare's charakter zu entwerfen ; am wenigsten dürfen sie einer 
Charakteristik des dichters als grundlage oder ausgangspunkt dienen.« — Interessant 
ist unter anderem der excurs über Shakspeare's Patriotismus, über seine objeetivität 
gegenüber den Staatsverhältnissen und in seinem urtheil über andere nationen 
Diese objeetivität übrigens scheint ein wenig des dichters biographen da zu ver- 
sagen, wo er von Franzosen und der »von jeher fauligen Windbeutelei der Gallier* 
spricht, und auch da erscheint der Deutsche doch ein wenig subjeetiv, wo er aus 
Shakspeare das lob seiner landsleute heraushört: »Das schöne zeugniss . . . .« sagt 
Elze, welches uns in den Lustigen weibern IV 5 vom wirth zum hosenbande 
ausgestellt wird: »die Deutschen sind ehrliche leute.* Wird dies zeugniss doch 
leider so schmählich (durch die »eozen-germans«) lügen gestraft! — Dem letzten 
capitel »zurückgezogenheit in Stratford und tod« , in welchem eine menge 
interessante thatsachen und Verhältnisse in bezug auf Shakspeare's bürgerliche läge, 
seine wohnung und seine lebensweise , über familie und nachkommen , über die 
Vaterstadt des dichters und ihre reliquien zur besprechung kommen, folgen als 
anhang zwei werthvolle abhandlungen über die Schreibung des namens Shakspeare 
und über Shakspeare's bildnisse. 

Es sei dieser anzeige noch ein wünsch hinzugefügt , dessen erfüllung den 
wissenschaftlich praktischen werth des Elze' sehen Werkes noch bedeutend erhöhen 
würde; der wünsch nach Vermehrung der zweiten ausgäbe und der — sicherlich 
erforderlichen — englischen Übersetzung um ein register! 

Dresden, december 1877. 

Rieh. Koppel. 



A. Tanner. Die sage von Guy von Warwick. Untersuchung über ihr alterund 
ihre geschichte. Heilbronn. Gebr. Henninger. 1877. 6S ss. S°. 

In dieser verdienstlichen erstlingsarbeit gibt der Verfasser zunächst eine Inhalts- 
übersicht des französischen Guy (p. 7 — 20). Ich habe gegen dieselbe weiter 
nichts einzuwenden, als dass der Verfasser p. 9 nicht erwähnt, dass der interessante 
zug von dem dankbaren löwen, der in der mittelalterlichen litteratur so vielfach 
wiederkehrt, auch in diesem epos eine rolle spielt. Eigenthümlich erscheint in 
dieser fassung nur der umstand, dass der löwe von dem boshaften truchsessen 
Morgadour erstochen wird. Aber auch dieser zug ist nicht originell: er findet 
sich z. b. auch in der nordischen Sigurdar saga pögla, die höchst wahrscheinlich 
auf einem frz. gedichte beruht. Hier tödtet ein söhn des fürsten von Sicilien, 
namens Herbert, Sigurd's löwen, dessen leben dieser einst gegen einen drachen 



A. Tanner, Die sage von Guy von Warwick. 247 

vertheidigt hatte. Sigurd erschlägt dafür im zorn eine anzahl männer aus Herbert' s 
gefolge. Herbert bietet ihm zum ausgleich einen Zweikampf an, der resultatlos 
verläuft, worauf sie sich versöhnen. — Unter II (p. 20 — 38) und IV (p. 43 — 48) 
wird dann der für mich überzeugende nachweis geliefert, dass als kernpunkt des 
gedichtes der kämpf Guy's mit dem riesen Colbrond anzusehen ist, und dass wir 
darin eine Verherrlichung der Schlacht bei Brunnanburgh zu erblicken haben, 
während alles andere zuthaten des frz. dichters oder seiner vorläge sein dürften. — 
Unter III wird die fassung der sage in den Gesta Rom. besprochen und in scharf- 
sinniger weise wahrscheinlich gemacht, dass wir in ihr nur eine entstellte gestal- 
tung des frz. gedichtes, nicht eine ältere Überlieferung der erzählung vor uns 
haben. — Unter V (p. 49 — 63) endlich gibt der Verfasser eine übersieht über die 
frz. und englischen handschriften von dichtungen aus der Guy-sage und über die 
bis jetzt vorhandenen drucke. — Die letzten Seiten behandeln das verhältniss Lyd- 
gate's zu seiner quelle. Seit abschnitt V niedergeschrieben wurde, ist nun auch 
Zupitza's ausgäbe der einen englischen version des Guy vollständig erschienen, u. 
d. t. : The romance of Guy of Warwick. The second or I5th Century version. Edi- 
ted from the paper ms. Ff. 2. 38 in the University-library, Cambridge, by Julius 
Zupitza. London 1875 — 6, an der ich vorläufig besonders die über 100 druck- 
seiten einnehmenden, vortrefflichen sprachlichen und exegetischen anmerkungen 
hervorheben will, welche von der ausgebreiteten leetüre des Verfassers ein rühm- 
liches zeugniss ablegen. Zupitza handelt in der Preface, p. V von den hss. des 
frz. Originals. Bei einer vergleichung beider angaben stellt sich heraus, dass, unter 
der wol zutreffenden Voraussetzung, dass die von Tanner (p. 5 unter f) aufge- 
führten zwei Oxforder fragmente identisch sind mit dem bei Zupitza genannten 
Rawlinson-fragment, Tanner zwei hss. entgangen sind : Reg. ms. 8 F IX in Lon- 
don und die leider wol schwer zugängliche hs. in Cheltenham. Von hss., welche 
Lydgate's Guy überliefern, war ausser Laud 683 noch Lansd. ms. 699 im Brit. 
Mus. zu nennen (vgl. Germ. XXI p. 365 f.). 

Tanner sucht weiter das verhältniss der wolfenbütteler hs. (G) des frz. Guy zu 
der Cambridger (O) zu bestimmen, soweit die von Zupitza in seiner bekannten 
abhandlung aus letzterer abgedruckten proben eine vergleichung ermöglichen 
(p. 54 ff.). Die vermuthung Tanner's , dass O im verhältniss zu G eine viel- 
fach erweiterte abschrift des ursprünglichen textes sei, die dem Verfasser »fast zur 
gewissheit geworden ist« (p. 59), will mir doch noch sehr unsicher erscheinen. 
An einer stelle wenigstens ist G. nachweislich ausführlicher als O und letztere hs. 
lückenhaft. Meine auf grund der englischen texte aufgestellte hypothese (a. a. o. p. 
356 f.), es müssten in O zwei Zeilen ausgefallen sein, in denen der raub der 
Jungfrau berichtet wurde, wird schlagend bestätigt durch G, wo es an der ent- 
sprechenden stelle (Tannerp. 59) heisst : Si en pristrent demaintenant | m'amye, si 
l'ont amenee. 

Was die englischen texte angeht, so scheint mir zunächst Tanner's vermuthung 
(p. 61), dass bei der anfertigung der englischen Fassung A [bei Turnbull abge- 
druckt], weil sie verwandtes sowol mit O und den anderen Übersetzungen als auch 
mit G zeigt, zwei unter sicli abweichende frz. mss. vorgelegen hätten, von denen 
das eine mit O, das andere mit G verwandt war, sehr unwahrscheinlich. Es wäre 
das vielleicht das einzige beispiel in der ganzen englischen romanzenpoesie, wo 
bei der Übersetzung in einer derartigen weise kritisch verfahren worden wäre. 
Warum sollte nicht schon die frz. vorläge ebenso beschaffen gewesen sein? Denn 



248 



Litteratur 



dass von 3 DBS., a, b und c, c bald zu a, bald zu b stimmt, ist doch wirklich 
kein so seltener fall! — 

Im übrigen werden die von mir a. a. o. ausgesprochenen bedenken gegen die 
annähme verschiedener Übersetzungen hier, soviel ich sehen kann, nur an 6iner 
stelle durch die von Tanncr aus G ausgehobenen abschnitten beseitigt; p. 358 u. 
war mir auffallend gewesen, dass bei Übertragung des frz. verses: A mort m'unt 
naufre en dormant, kein Übersetzer die worte : a mort, beachtet habe; in der that 
liest G nur: Nafre me ont en dormant. Trotzdem neige auch ich jetzt zu der an- 
sieht Zupitza's, dass wirklich mehrere gesonderte Übertragungen frz. Guy - hss. 
in's Englische vorliegen, was ich ja übrigens auch nie direct bestritten habe. Die 
scheinbar oder thatsächlich gegen diese auffassung sprechenden punkte genau zu 
markiren, war ja trotzdem eine arbeit, der man sich nicht entziehen konnte. 

Ich schliesse meine anzeige mit dem wünsche, herr Tanner möge seine Studien 
über das frz. epos von Guy of Warwick rüstig fortsetzen und uns recht bald mit 
einer kritischen ausgäbe desselben erfreuen. Er hätte dazu kaum eine günstigere 
zeit wählen können, als jetzt, wo durch die im gange befindliche herausgäbe der 
englischen Versionen das interesse einmal auf diesen bisher so vernachlässigten 
sagenstoff gelenkt ist. 

Breslau, jan. 1878. 

E. K ö 1 b i n g. 



Beowulf. Traduit par L. Botkine. Havre 1877. 108 ss. 80. 

Ich hatte kaum die anzeige der früheren brochüre Botkine's [vgl. bd. I p. 495 f.] 
abgeschickt, als mir die vorliegende Übersetzung des Beowulf von demselben Verfasser 
behufs einer besprechung zuging. Dieser aufforderung komme ich um so lieber nach, 
als jene etwas dürftige brochüre nicht erwarten Hess, dass wir schon nach kurzer zeit 
eine im ganzen so brave arbeit wie diese erste französische Übersetzung des ags. epos 
von M. Botkine erwarten durften. Vorausgeschickt sind bemerkungen über die 
ags. poesie im allgemeinen (grossentheils nach Sharon Turner), eine recht lesbare 
analyse des gedichtes und eine zumal auf Greins bekannten aufsatz sich stützende 
skizze der im gedichte vorkommenden historischen und geographischen Verhältnisse. 
Die angehängten anmerkungen, meistens Ettmüller, Grein und Heyne entlehnt, 
sollen hauptsächlich dazu dienen, manche in der einleitung nicht erwähnten punkte 
aufzuklären. Die Beowulflitteratur ist auf den beiden letzten seiten vollständiger 
angegeben als irgend wo anders. 

Ein kritisches eingehen auf einzelheiten wird aber sehr erschwert durch den 
Standpunkt, den der Verfasser von vornherein bezüglich seiner Übersetzung 
einnimmt : wie er nämlich selber sagt, hat er »stellen des gedichtes unterdrückt 
und nicht genügend wörtlich übersetzt«. »Diesem doppelten vorwürfe, der ihn 
treffen könnte«, sucht M. Botkine durch einige, wie mir scheint, nicht ganz glück- 
liche bemerkungen entgegenzutreten. Sie Hessen sich recht wol hören, falls er 
sich mit seiner Übersetzung nur an einen gebildeten leserkreis wendete, kaum aber, 
wenn er »seine arbeit der prüfung der fachgelehrten anheim gibt.« Für die letz- 
teren ist jede Übersetzung eine fortlaufende genaue interpretation des gegebenen 
Originals und in fällen, wo jenes mittel nicht ausreicht, muss der commentar er- 
gänzend zur seite stehen. Von diesem gesichtspunkte aus betrachtet, lässt die 



L. Botkine, Beowulf 249 

arbeit namentlich für die Deutschen und Engländer manches zu wünschen übrig; 
ihr hauptvorzug besteht in der lesbarkeit und eleganz. 

Mit übergehung nun aller stellen, die gänzlich weggelassen sind , sowie der 
vielen allzu frei übersetzten, wende ich mich nur zu einigen, wie mich bedünkt, 
geradezu falsch aufgefassten. v. 109 ne gefeah he d&re f&hde »celui-ci n'eut pas 
lieu de se rejouir de la haine qu'il avait encourue«. 117 asfter beorpege »ä l'is- 
sue du festinc. 137 wses (seil. Grendel) to fsest on dam »cette affliction s'etait 
terriblement appesantie sur eux*. 138 wass eädfynde etc. »la haine de Grendel 
ayant ete manifeste^ au roi, il alla chercher« etc., die verse beziehen sich auf des 
königs mannen, nicht auf ihn selber, da er ja seine schlaf kammer nicht in der halle 
hatte. 157 Ne da;r nämig witena wenan porfte beorhtre böte to banan folmum 
«nul des conseillers ne pouvait esperer d'echapper a ses griffes par l'appätd'une 
haute rancon.» v. 168 no he done gifstol gretan moste, maddum for metode 
ne his myne wisse »dieu, dont il ne connaissait pas l'amour, ne lui permit pas de 
s'emparer du trone«. Diese Übersetzung ist nach Heyne (Grein lässst sich nicht 
näher auf die stelle ein), auf dessen raisonnements ingenieux bezüglich 
dieser verse verwiesen wird. Ich kann nun die ausführungen jenes gelehrten 
gerade nicht für so geistvoll halten, denn, von allem andern abgesehen, heisst 
gretan eben nie und nirgends: besitz ergreifen, und gifstol gretan ist durchaus nicht 
identisch mit bregostol healdan ; auf diese identität aber stützt sich vornehmlich 
Heyne' s auseinandersetzung. Ich will die »nombreux commentaires de ce passage 
obscur« noch um eine vermehren, die ich zwar schon bei meiner ersten leetüre des 
Beowulf vor zwölf jähren in mein präparationsheft eingetragen habe , die aber 
vielleicht trotzdem nicht schlechter ist , wie die anderen. Gifstol ist der gnaden- 
sitz, gabenstuhl, thron sowol eines irdischen herrschers wie auch gottes (vgl. Cri. 
572) ; an unserer stelle ist darunter das letztere zu verstehen ; dem dichter schwebte 
nämlich der folgende begriff metod schon vor, wodurch der artikel done erklärlich 
wird; (derselbe fehlt sonst überall bei gifstol, cynestol, heahsetl, bregostol etc. 
und wo er sich wie Sat. 220 daet heahsetl findet, steht er in seiner ursprünglichen 
bedeutung eines hinweisenden fünvortes.) For metode fasse ich gleich »bei dem 
schöpfer», wofür es allerdings grammatisch genauer und dem sinne entsprechender 
hiesse metodes = «dem throne gottesc. Ich erinnere aber zur erläuterung und zur 
bestätigung dieser auffassung an eine stelle in Alfr. Metra 20 "3, wo genitiv und 
präpositionale ausdrücke wechseln : 

D?et is agen croeft eägorstreämes, 
waetres and eordan and on wolcnum eac 
and efne swa same uppe ofer rodere. 

Der zweite halbvers ne his myne wisse ist hervorgerufen durch den vorangegange- 
nen ausdruck gifstol und maddum: die myne zeigt sich in der spende von klein- 
oden. Bei dieser auffassung der beiden verse scheinen sie sich besser wie bis- 
her in den gedanken/us;:nimenhang zu fügen: Grendel bewohnte nebelige moore 
und den menschen unbekannte gegenden, in düstern nachten hielt er sieh in H< 
rot auf, da ihm das himmlische reich verschlossen war. Hieran schliesst sich un- 
gezwungen: (last was wraec micel etc. — 

Mehr als frei sind u. a. übersetzt v>. 209 — 210; 249 und zumal ^77- — 285. 
v. 287 aghwadres sceal scearp scildwlga gescad witan »tout guerrier doit connattre la 
difference qui existe entre les paroles et les actes, anstatt: le guerrier doit avoii 
connaissance de Tun et de lautre des paroles et des actes. 462 hine Wedera eyn 



250 



Litteratur 



für herebrögao habban nc mihte »lcs Wederaa refuserent de le recevoir ä cause 
de c e 1 1 e a c t i o n. « 

489 — 90 Site nu tö symle etc. werden nach den bisherigen herausgeben! 

übersetzt: mais prends place au banquet et debarasse tes hommes des regles de 
l'£tiquette, si cela te fait plaisir, bei welcher Übersetzung aber die schwierigen 
worte sige-hred seegum unberücksichtigt geblieben sind; auch hiesse es nach der 
befolgten Heyne'schen auffassung besser anstatt: si cela te fait plaisir, «comme il 
te platt«. Also wenn es dem Beowulf vergnügen macht oder wie es ihm beliebt, 
soll er seine leute von der etikette befreien! Jedenfalls ein sonderbarer Zusatz! 
denn das konnte doch wol nur auf eine einzige weise geschehen , indem 
Beowulf seinen mannen einfach sagte, sie sollten ebenfalls platz nehmen oder 
etwas ähnliches. Wenn wir aber überhaupt spätere rittersitte auch auf diese zeit 
übertragen, so befremdet es sicherlich, dass der könig sich nicht direct an des 
haupthelden genossen wendet, die nach v. 402 hinter diesem stehend zu denken 
sind oder auch etwa den pyle mit jener aufforderung beauftragt. Ferner , wenn 
wir uns bemühen, auch die von M. Botkine ausgelassenen worte zu übersetzen, 
was bekommen wir dann? Dietrich's Verdeutschung: »entbinde das sinnen, den 
siegruhm den männern, hatte zwar früher auch Grein's beifall, ist aber später von 
dem letzteren aufgegeben worden. Man erwartet doch zu meoto einen mehr oder min- 
der synonymen begriff in dem folgenden verse, auch dürfte jeder an dem ausdruck 
»den männern den siegesruhm entbinden», mit recht anstoss nehmen. Heyne 
brachte zuerst in seiner ausgäbe eine neue erklärung von Leo, der zum theil auch 
jetzt Grein folgt. Um aber der willkürlichen, durch nichts zu rechtfertigenden 
deutung von sige-hred als adjeetiv (wofür überall sigehredig) zu entgehen, ist 
Grein zu der annähme eines compositums (sige-hred-secg) gezwungen, zu dem wol 
kein analogon vorhanden sein dürfte (man müsste denn das von Gr. Gl. versuchs- 
weise gegebene punor-räd-stefn ! für ein solches halten) ; auch bleibt bei dieser 
erklärung die Schwierigkeit mit dem folgenden swa din sefa hwette immer beste- 
hen. Kemble's und Thorpe's Übersetzungen und änderungen des überlieferten 
textes übergehe ich hier als noch unhaltbarer. Ich schmeichele mir nicht mit 
meinem eigenen folgenden deutungsversuche das richtige zu treffen , weil ihm 
seegum vielleicht etwas im wege zu stehen scheint; ich gebe ihn aber doch der 
erwägung der fachgenossen anheim. Die verba, die ausdrücken : ein denken wo- 
ran, bedacht sein worauf, und ähnliche (wenan, hycgan, pyncan, hyge settan etc.), 
werden häufig mit on und dem aecusativ construirt (ich erinnere nur an hycgan 
on eilen Fin. 11 und Exod. 218); meoto kann verschrieben sein für meota (wie 
etwa 2668 fullsestu für full&ste und 11 79 medo für meda), es kann auch das häk- 
chen am a mit der zeit ausgelöscht sein, oder vielleicht haben wir eine imperativ- 
form auf o (getrübtes a wie ahd. und altsächs.) noch in einzelnen fällen zuzulassen, 
s&l steht in derselben bedeutung wie in dem oft wiederkehrenden on s&lum 
wesan; dem on s&l schliesst sich, indem der dichter bei dieser auffassung, in der- 
selben gedankenverbindung verbleibt, ungezwungen sige-hred an, wie an dieses 
swa din sefa hwette , das durchaus nicht in der abgeblassten bedeutung und mit 
übersehung des conjunetiv, wie bei Leo-Heyne geschieht, genommen werden darf. 
Eine Schwierigkeit steckt nun noch, wie bereits bemerkt, in seegum; haben wir 
hier die dativ-form in ihrer eigentlichen bedeutuDg oder als localis oder als instra- 
mentalis resp. comitativus zu nehmen? Das erste halte ich für das unwahrschein- 
lichere und nur dann erklärbar, wenn man etwa übersetzt: sei jetzt auf frohsinn 



L. Botkine, Beowulf 



25 1 



bedacht, auf siegesruhm für dich und deine mannen; die annähme eines loca- 
tivs ergäbe etwa : denke an den siegesruhm unter den mannen, den du dir bei den 
menschen erwerben wirst, was dem sinne nach angemessen jwäre. Parallelstellen 
zu einem solchen gebrauch des locativ sind mir aber nicht zu hand. Secgum für 
den instrumentalis resp. comitativus zu nehmen, dürfte das richtigste sein : mit. 
nebst den (deinen) mannen. Für diesen comit. führe ich vorläufig folgendes bei- 
spiel aus dem Mathäus - evangelium c. XX an: gewordenre gecwidräjdene dam 
wyrhtum, he sealde £elcon fenne penig. Vgl. meine »Einleitung in das Stud. d. 
Angels.« zu der st. Der gedankenzusammenhang mit den im text unmittelbar vor- 
hergehenden versen wäre nun nach meiner auffassung folgender: bei Hrothgar's 
Schilderung des unheils, das Grendel zu Heorot anrichtet, ist Beowulf ebensowenig 
wie jener selber ungerührt geblieben. Der könig bricht daher mit seiner Schil- 
derung ab und schlägt ein anderes thema an, in dem er den Geatenhelden auf- 
fordert, sich jetzt nicht trüben gedanken hinzugeben , sondern an dem festgelage 
theil zu nehmen und sich einer freudigen, siegesgewissen Stimmung zu überlassen. 
Ich lese also ohne änderung im ms. : 

Site nu to symle and on ssel meoto 
sige-hred secgum, swa. dln sefa hwette, 
und übersetze etwa: doch nun lasse dich nieder zum schmause, und sei nur auf heiter- 
keit bedacht, auf den rühm, der dir nebst deinen mannen aus deinem siege erwachsen 
wird, hierzu treibt dich wol auch dein inneres an oder, den conjunctiv in seiner 
ursprünglichen Optativen bedeutung genommen, hierzu (nicht zum trübsinn) möge 
dich (auch) der trieb deines eigenen innern drängen. — 

v. 811 he fag wid god »il haissait le bien« 836 il (le bras) s'etendait sur 
toute la largeur du toit! das ist doch mehr als poetische hyperbel ! Allzu- 
leicht aber hat sich der Verfasser, zumal durch ungerechtfertigte kürzung, die so- 
genannte Heremod-episode gemacht; zur rechtfertigung werden wir auf eine anm. 
4) verwiesen, die aber nicht existirt. v. 1S48 swa hy m'efre man lyhd se de etc., 
»aucune personne ne pourra donc jamais lui infliger de blame ä ce sujet.« 
Die vv. 1056 — 63 konnten allenfalls ausgelassen werden, kaum aber 1063 — 67! 
11 17 — 18 Earme on eaxle ides gnornode, geomrode giddum. Güdrinc (-reoc) 
astah »eile poussait des lamentations en s'appuyant sur le bras de son 
fils. Le corps de celui-ci fut place sur le bücher! 1134 swa nu gyt ded da de 
singales sele bewitiad wuldortorhtan weder« (jusqu'a ce qu'une autre annee fut 
revenue) ainsi qu'il arrive toujours au temps fine et que la saison fut de nouveau 
belle«. Für 1145 äxs w&ron mid Eotenum ecge cüde steht: mais ce meurtre fut 
venge. 1166 gehwylc hiora his ferhde treöwde Axt he hrefde mod micel »tout le 
monde avait foi dans son caractere«. 

Ich breche hier dieses verzeichniss der nicht richtig verstandenen stellen ab, 
indem ich hoffe, dass das angeführte schon genügen wird, dem ersten französi- 
schen Übersetzer des Beowulf zu zeigen, dass ich seiner arbeit mit aufmerksamkeit 
gefolgt bin. Trotz der gemachten ausstellungen wünschen wir indess M. Botkine 
später wieder auf dem von ihm nicht ohne erfolg betretenen gebiete zu begegnen: 
eine noch gründlichere philologische Schulung aber dürfte nichts schaden. 

Hamburg, september 1S77. 

Karl K ö 1 n e r. 



252 



Litteratur 



Cynewulf's Elene. Mit einem glossar herausgegeben von Julius Zupitza. 
Berlin 1877. XII, IOO pp. Pr. 2 mark. 

Die allgemeinen bemerkungen, die sich mir zunächst beim einMick in diese 
separat-ausgabe von Cynewulf's Elene aufdrängten und die im innigsten Zusam- 
menhang mit meinen ansichten über den gegenwärtigen betrieb der modernen 
sprachen an unseren hochschulen stehen, werde ich in nächster zeit vor einem 
grösseren forum in ausführlicher darlegung veröffentlichen. Ich gehe also sofort 
auf die besprechung dieser neuen ausgäbe der angels. dichtung ein und beginne 
mit dem vorwort. In demselben werden wir belehrt, dass sich der herausgeber 
ohne neue vergleichung des ms. zu ihr entschlossen hat, »weil er sie für seine 
Vorlesungen braucht« ; dann über die streng alphabetische anordnung des glossars, 
so dass »ea. vor eb, eo vor ep steht« etc., über die bezeichnung der quantität der 
vocale (von der bekanntlich der altmeister sagt, es sei gleichgültig, wie man sie 
ausdrücke) und ferner auf zwei und einer halben seite über die neuerdings auf- 
geworfene frage von allergrösster Wichtigkeit, ob wir für das angels. g-zeichen (5) 
das lat. g setzen oder jenes beibehalten sollen. Die tausende von stellen in den 
angels. dichtem und prosaikern, die noch der erklärung harren, treten natürlich 
vor der entscheidung dieser frage einstweilen zurück. Selbstverständlich erwartet 
man nach solchen vorausschickungen die eingehendsten Untersuchungen über die 
sache selbst, über den Verfasser Cynewulf, über seine dichtungen und die einschlä- 
gigen fragen ; aber davon keine silbe. Es folgt zum vorwort nun noch eine nach- 
schrift, die ich mir aber erlaube da zu besprechen, wo sie ja eigentlich hingehört, 
am ende. 

It is never too late to mend : was im vorwort oder der einleitung fehlt, kann 
nach anderen seiten hin wieder reichlich gut gemacht werden in dem texte, in 
dem glossar, in anmerkungen. Solche aber finden sich in dem buche nicht und 
so bleiben für unsere betrachtung nur die beiden ersten punkte. In wiefern also 
bieten text und glossar einen fortschritt, den Vorgängern des herausgebers, zumal 
Grein gegenüber ? Zur beantwortung dieser frage wird ein näheres eingehen auf 
die ersten 275 verse genügen ; dieselben finden sich auch in meiner »Einleitung in 
das Studium des Angelsächsischen« übersetzt und erklärt, so dass jedem, der sich 
dafür interessirt, die gelegenheit geboten ist, auf's genaueste zu sehen, wie ich die 
einzelnen worte und die sätze in ihrem zusammenhange auffasse. Bei Z. ist diess 
platterdings unmöglich ; das glossar ist fast so dürftig , wie es die Engländer zu 
machen pflegen, wolgemerkt ! aber erst nachdem sie die Übersetzung gegeben haben 
und ein erklärendes glossar überflüssig geworden ist; es lässt sich mit verwandten 
arbeiten z. b. Heyne's für Heliand und Beowulf gar nicht vergleichen. Belege: 

v. 3. pinggemearc wird wiedergegeben durch »dingbezeichnung, Zeit- 
bestimmung«; wie wird demnach der Student diesen vers und die damit zu- 
sammenhängenden übersetzen? v. 11 leod-hwnet » sehr tapfer « ; da hwaet nach 
dem glossar tapfer heisst, so wird er denken, dass der begriff sehr in leod 
liegt! Sollte Zupitza etwa beod-bealu in der von Grein diesem beigelegten bedeu- 
tung cruciatus ingens (!) vorschweben und er das ungeheuer mir nichts dir 
nichts auf leod übertragen haben ? Das will ich doch einstweilen nicht annehmen. 
Woher aber sonst das »sehr«? ib. lindgeborga » schildbeschützer«. Den alten 
Deutschen kam zwar alles darauf an, wie J. v. Müller sagt, «den arm zu be- 
schützen«, aber dass sie den den körper deckenden schild selber geschützt hätten, 



Cynewulfs Elene, herausgegeben von Zupitza 253 

habe ich noch nirgends gelesen, es wäre überhaupt interessant zu erfahren, wie sie 
das bei dem anprall der pfeile, lanzen und sonstigen Wurfgeschosse angefangen 
haben. Oder schwebt Z. etwa dunkel die stelle aus der Germ, vor: scutum reli- 
quisse prsecipuum flagitium? Die höchste schmach also war es, ohne schild aus dem 
kämpf zurückzukehren und wer ihn daher nur schützt , wird deshalb kaum ein 
»sehr tapfrer held« genannt werden. Es ist unbedenklich schon wegen des drei- 
mal wiederkehrenden leodgeborga, se lindhwata leodgebyrga aufzunehmen ; lind- 
hwaet aber ist einer, der behende, tüchtig ist in der handhabung des Schildes. — 
v. 21 werden die nur zweimal im Beowulf erwähnten Hügas für Hünas gesetzt. 
v. 24 word heisst »wort«, bord »schild», hebban »erheben«, herecumbol »feldzei- 
chen« mit dahinter gesetztem fragezeichen. Also: »mit worten und Schilden erhoben 
sie das feldzeichen« ; man lese doch Tac. objectis ad os scutis. v. 31 
das schwierige burgenta wird gar nicht versucht zu erklären, v. 44 under 
earhfere: under mit acc. heisst: »unter, tief in, in«, earhfaru »pfeilflug, 
kämpf«, also (»unter, tief in,) in den kämpf«, bannan tö beadwe »rufen zum 
kämpfe« : der kaiser Hess die kriegsgefährten in den kämpf rufen zum kämpfe. 
Eine doch höchst sonderbare art eines zeugmas und mit vv. 764 und 765 gar 
nicht zu vergleichen. Man erzählt mir leider, dass es jetzt hie und da auf 
den Universitäten sitte sei , die Studenten schon in den ersten Semestern an- 
zuleiten auf den »unkritischen köpf« (gemeint ist der schöpfer der deutschen 
grammatik) mit mileidigem lächeln herabzusehen ; wir älteren aber haben uns zum 
theil wenigstens noch einen hohen grad der pietät gegen jenen unvergleichlichen 
mann bewahrt und empfinden es schmerzlich, wenn seine ansichten über unser 
germanisches alterthum kaum mehr der beachtung, geschweige einer bekämpfung 
werth gehalten werden. — v. 49 deah hie werod lsesse hcefdon to hilde, donne 
Hüna cyning ridon ymb rofne, ist nach dieser interpunktion falsch gefasst , der 
satz schliesst mit cyning und rofne bezieht sich auf das vorangegangene se casere. 
Wie sind die schwierigen verse 56 — 61 zu verstehen? lässt sich Grein's conjectur 
de für he, die hier aufgenommen wird, rechtfertigen und wie ? v. 86 hrederiocan 
onspeön, up löcade, nach dem glossar zu übersetzen: »er öffnete die brüst, blickte 
empor«; was haben wir uns darunter zu denken? v. 88 fridowebba » friedensweber, 
Engel«; bekanntlich kommt das wort noch zweimal von frauen vor, die letz- 
teren bilden also wol den Übergang zu jenem engel? v. 121 stundum »sogleich«; 
nirgends so! v. 141. In gescynded ändert Z. das handschriftliche gescyrded, 
aus dem die vorigen herausgeber ihrerseits gescyrted gemacht haben. Ich halte 
beide änderungen für verfehlt und habe in meiner Einleitung ohne weitere be- 
merkung gescyrded des ms. beibehalten. Selbstverständlich werden in meinen 
angels. denkmälern, deren III. band Cynewulfs dichtungen einnehmen sollen, alle 
derartigen fragen in den sprachlichen und sachlichen commentaren zur erörterung 
gelangen. Jene änderung gibt mir nur einstweilen veranlassung zu folgenden be- 
merkungen über die stelle. Gescyrtan heisst: kürzen, kürzer machen, und ist bis 
jetzt einmal belegt Ps. 8838 du his dagena tid gescyrtest; hier decken sich aller- 
dings die begriffe verkürzen (die zeit) und vermindern (die tage), die unter 
umständen weit auseinander liegen; also möchte ich nicht ohne zwingende nothwen- 
digkeit den einen für den anderen einsetzen, obschon ja eine solche Übertragung 
nicht sinnwidrig wäre. Jenes bedenken aber gegen die begriffsvennittelung ^ilt in 
erhöhtem masse von der neuen lesart gescyndan: »schänden; /u schände machen, 
vernichten«; gescyndan heisst überall nur confundere und confondere nie 



254 Litteratur 

und nirgends vernichten. Dass ich hingegen gescyrded beibehalten habe, grün- 
det sich auf folgende erwägung. Scyrdan verhält sich zu sceard wie scyrpan zu 
scearp; sceard aber heisst zunächst »beschnitten, abgeschnitten, abgemäht«. 
40 he waes bis m*ga sceard, freönda gefylled, stehen sceard und gefylled synonym, 
meinetwegen in der von Grein angeführten, abgeblassten bedeutung »beraubt ■ . 
Wir bekommen also gescyrdan = abschneiden, beschneiden, abmähen und der 
bildliche ausdruck mag hergenommen sein vom beschneiden der hecken , bäume 
oder vom abmähen einer wiese u. dg]., für das erstere sagen wir von einem heere 
»die reihen lichten«, für das andere »niedermähen«. Mit dieser auffassung der vor- 
liegenden stelle, steht dann An. 1315, wo man auch ändern will, in einklang; wie 
aber in dem eben aus Adelst, citirten verse von sceard zu gefylled , so wird hier 
zu bereäfod übergegangen und zu beiden gehört dugudum ; myree aber ist nicht, 
wie Grein will, adverb, sondern adjeetiv und gehört zu mänfreä ganz wie An. 1220 
zu manslaga. — v. 147 ziehe ich vor mit bezug auf Finsb. 8 nü schied des mona 
wadol under wolcnum zu übersetzen »in den himmeln« anstatt «der mächtige 
unter dem himmel« (von gott ist die rede.) v. 151 com frydbord stenan, burga 
neösan, sollen wir (nach dem vorgange Grein's) übersetzen, etwa: »er machte sich 
auf, den schild mit gemmen zu besetzen, die bürgen aufzusuchen; 
haben sich die herren unter dieser ausdrucksweise vorgestellt und was sollen 
die Studenten bei ihrer Vorbereitung damit anfangen? Freilich lässt sich nicht 
leugnen, dass es leichter ist, diese auffassung der herausgeber anzugreifen, als die 
stelle, wie sie dasteht, zu vertheidigen. Grimm nahm bereits an ihr anstoss, aber 
das von ihm vorgeschlagene scenan (»intr. von scinan bedeutet also: facere ut ali- 
quid appareat«) fördert uns nicht recht weiter: der könig machte sich auf mit 
seiner schaar den schild scheinen zu lassen, die bürgen aufzusuchen ! Gegen die er- 
stere auffassung aber bemerke ich folgendes. Zunächst steht com wie gewät 
(analog ßaivco) nur bei verben der bewegung, um deren anfang zu bezeichnen. 
Dann hat man stenan einmal = a-stäenan gesetzt und letzterem hinwiederum 
fälschlich die bedeutung »mit gemmen besetzen«, beigelegt, denn, wo d-st&nan vor- 
kommt, steht immer gimmum ! dabei; auch ist balteus bulliger = ast&ned gyrdel 
(Cot. 201) doch nicht ein mit edelsteinen besetzter, sondern einfach nur ein mit 
buckeln versehener gürtel. Dass stäman in diesem sinne mit stan zusammenhängt, 
ist mir unwahrscheinlich, ich lasse es aber unentschieden und denke bei dem worte 
zunächst an das, wie ich glaube, noch unaufgehellte englische: to stain und ver- 
gleiche z. b. Sh. Lucr. 56 when beauty boasted blushes in despite virtue would 
stain that ore with silver white.») Ebenso das Substantiv stain = irgend 
etwas, das von einem andern absticht, fleck, muttermal etc. a-stäman wird dem- 
nach einfach sein: überziehen mit, bedecken mit, besetzen, so dass sich eins von 
dem anderen abhebt. Liesse sich nun auch, vorausgesetzt stenan sei = a-stäman, 
pryd bord stenan an und für sich vielleicht durch »den schild schmücken« (vgl. Germ.: 
scuta tantum lectissimis coloribus distinguunt) wiedergeben, was soll dieser ausdruck 
hier? Constantin Hess sich seinen schild doch wol von anderen verzieren. Wie soll man 
endlich den parallelismus verstehen: er machte sich auf, den schild zu schmücken, 



1) Ags. efe wird bekanntlich englisch gewöhnlich ea (h&lan, heal), ae hingegen 
dann zu ai, wenn ein consonant dahinter ausgefallen ist (faeger, fair; wsgn, wain) ; 
dürfen wir ein ags. staegnan oder ein ähnliches wort annehmen , abgeleitet von 
einer wurzel stig cf. oti£co, stinguo (distinguo) ? — Gehört hierher ahd. stain? vgl. 
Hildebrl. staimbord chludun. 



Cynewulfs Elene, herausgegeben von Zupitza 255 

die heimath aufzusuchen? So lange mir diese bedenken nicht beseitigt sind, ver- 
werfe ich die bisherigen fassungen der stelle und wage folgenden deutungsversucru 
Wo die angels. dichter krieger auftreten lassen oder einen heeresaufbruch be- 
schreiben, unterlassen sie nie das geräusch von rüstung und waffen zu erwähnen, 
(das aber nichts zu thun hat mit dem von Tacitus und Amm. Marcellinus er- 
wähnten barritus) ; ich führe nur eine stelle aus der Judith an: foron to gefeohte 
ha?led under helmumj dynedon scildas, hlüde hlummon. So vermuthe ich auch 
hier ein verb des ertönens in stenan (das ms. hat hier keine längenbezeichnung). 
Cr&. 40 heisst es: (im kämpfe) bord stunad; nimmt man also, wie viele thun, ein 
starkes stünan an, so könnte man vielleicht stenan für stunan verschrieben halten 
oder stenan für stendan von dem schwachen stenan »stöhnen, erdröhnen«? Der 
könig nebst seiner »degen schaar machte sich auf, — die wuchtigen schilde erdröhn- 
ten — die heimath aufzusuchen.« Auf keinen fall , dünkt mich , wird prydbord 
stenan von com abhängig, sondern parenthetisch zu fassen sein. — 

V. 62. Mit boldes brytta ist allerdings wenig anzufangen; Z. schlägt blandes 
brytta vor, das aber nie vorkommt, ich in meiner »Einleitung« goldes brytta v. 184. 
Die änderung täcen für tacne ist ganz und gar unnöthig und darum zu verwerfen, 
täcne aber allerdings nicht mit Grein als dat. , sondern als instr. zu fassen ; wie 
so oft wechselt dieser casus mit einer gleichwerthigen präposition, so dass purh 
da ilcan gesceafte mit sigores täcne parallel steht , ganz so wie v. 207 aifstum 
und purh inwit. Das v. 189 und 1148 vorkommende gästgeryne wird durch 
»Geistesgeheimniss« wiedergegeben; da soll es mich wieder wundern, wie der sich 
vorbereitende Student hiernach die beiden stellen übersetzt ; gästgeryne ist zunächst 
die im innern vor sich gehende, also geheime berathung, erwägung, dann der 
sinnende, nachdenkende geist überhaupt, fast synonym mit gastgehygd, vgl. An. 
858 und 861, wo mit beiden ausdrücken gewechselt wird und gleäwlice zu gäst- 
gehygdum tritt, gerade wie El. 189 zu gästgerynum; endlich, wie oft, mit mehr 
oder minder verblasster bedeutung des ersten theiles der composition, nachdenken, 
erwägung überhaupt, v. 197 hyht nihst wieder durchaus unnöthig (nach Gü. 34?) 
in hyhta hihst geändert und zu verwerfen ; man vergleiche doch die vielen stellen 
bei Grein für nihst {£0%ciTog, ultimus, franz. dernier) oder überlege sich das wort 
an und für sich, um das angemessene der ihm beigelegten bedeutung heraus zu 
fühlen, v. 200 getengan heisst weder drängen, noch weniger widmen (auch nicht 
wie Grein iniungere, addicere, dedere), sondern sich nähern, herantreten, sich wo- 
hin begeben, wie der in prosa häufige gebrauch des Wortes und seine ableitung 
ergeben, v. 213 ergänzt Z. vor ford (nach An. 58?) zwei halbverse : freste bev lin- 
den, folees fruma, wogegen sich nichts einwenden Hesse, wenn die ergänz ung 
noth wendig wäre, was mir nicht der fall zusein scheint. Ich erkläre die etwas 
auffällige construetion entweder so, dass gemyndig als unflectirter dat. steht (vgl. 
meine Formenlehre p. 19): Christi lob und preis lag dem kaiser am herzen, der 
stets nachdachte über jenen herrlichen bäum, oder nach firhdsefan ist ein Semi- 
kolon zu setzen und bei ford gemyndig aus dam cäsere der nom. he (wxs) zu er- 
gänzen — ein auch in andern sprachen nicht seltenes anakoluth. v. 230 \v. 
heim in witges welm geändert; entschieden kein fortschritt gegen Grimm' S höhn, 
vgl. wag-liolm. v. 231 WendelsJfe = meer; der nachdenkende Student wird fra- 
gen : was ist denn wendel ? 

v. 251 sunde bewrecene. Diese von Grein stammende, aber wolweislich im 
texte wie im glossar mit f ragezeichen versehene conjcelur, ist von Zuphza 



256 



I ,itteratur 



wieder unbedenklich in den text aufgenommen worden , und zwar ohne jegliche 
begründung; wir erfahren aus dem glossar nur einfach, dass bewrecan »schlagen, 
peitschen« heisst!! Hier fehlt zunächst wieder die nöthige genauigkeit. Wrecan 
ist wahrscheinlich und heisst entschieden urgere und zwar in seinen verschiede- 
nen bedeutungen ; demgemäss ist Cri. 832 daes hi sculon onfon in f^rbade wn.l- 
mum biwrecene wrädlic andlean zu übersetzen : sie sollen dafür im feuerbad von 
den flammenwogen hart bedrängt einen grimmigen lohn empfangen. Die>e stelle 
nun käme der unsrigen am näi aber in der letzteren auch nur mit einer 

silbe einer schlimmen Seefahrt, die denn doch vorauszusetzen wäre, erwähnung 
gethan? Aber auch an den beiden andern stellen, die noch in betracht kommen, 
nämlich An. 269 und die unsrige, ist keine rede vom gepeitscht werden durch da~ 
meer oder vom umhertreiben auf dem meere. Die erstere lautet nämlich: Unser 
schneller nachen trug uns über das meer »od dxt we dissa leoda land gesohton 
wsere bewrecene; swa. us wind fordraf. Für dieses wsere nun gibt Grimm, dem 
sich Grein anschliesst, gestützt auf das altnord. vor die bedeutung »meer« ; diese> 
altn. vor hat aber auch die von »gestade«, gerade wie das angels. wrer 
(oder besser warn), wie aus den von Bouterwerk in Haupt' s Ztschr. (bd. XI) veröffent- 
lichten glossen, aus vielen stellen in der prosa und aus der Weiterbildung warud 
hervorgeht. Dass diese bedeutung auch hier angemessener ist als die bislang an- 
genommene, scheint sich überdies aus dem Zusammenhang zu ergeben ; ich über- 
setze demnach: »bis dass wir dem gestade zugetrieben, dieser leute land erreich- 
ten; so (dahin) hatte uns der wind getrieben«. Dieses wiederum angewendet auf 
unsere parallelstelle: ceolas leton ast saifearode sande bewrecene oncrum faeste on 
brime bidan, ergibt als Übersetzung derselben ; sie Hessen auf der wogenden see, 
auf dem meere die ans ufer getriebenen, an den ankern befestigten kiele harren 
auf etc. Nach meiner ansieht ist hier »vom meere gepeitscht» nicht einmal am 
platze, da ein solcher ausdruck für die in den hafen eingelaufenen schiffe gar nicht 
mehr passt. — Da also bewrecan nie und nirgends »peitschen« sondern immer 
urgere heisst (vgl. auch Virgil's : urgere naves in Syrtis), da, selbst diese bedeutung zu- 
gegeben, die von mir gegebene erklärung der in betracht kommenden stellen keinem 
einzigen worte gewalt anthut und sich überall auf's beste in den Zusammenhang 
einfügt, da weder das eine noch das andere bei der neuen lesart der fall ist, da 
— und dies ist für mich entscheidend — die handschriftliche lesart selber einen 
guten sinn gibt und eine besonnene, alle momente erwägende kritik nur im äusser- 
sten nothfalle von dem ms. abweichen darf, so weise ich diese und alle übrigen 
auf gleiche weise von Z. selbst gemachten oder von ihm aufgenommenen conjeeturen 
zurück. — 

v. 252 ald ydhofu sind »alte wogenhäuser« ; wenn ich sage, es waren neue, 
so habe ich ungefähr gerade so recht; die abgeleitete bedeutung gehört doch in 
das glossar einer separat-ausgabe. 

Wo Grein im irrthum ist, da finden wir sicher Z. in seiner gesellschaft ; belege 
hatten wir schon öfter und sie finden sich noch in den folgenden theilen 
häufig. Hier gebe ich schliesslich nur noch einen oben vergessenen. V. 35 heisst 
es: fedan trymedon eored-cestum. Feda heisst nun zunächst fussvolk, eored- 
cest reiterei, trymman stärken; darnach bekommen wir ganz einfach: sie 
hatten das fussvolk mit reiterschaaren verstärkt und erinnern uns natürlich sofort 
an Caes. B. G. I, 48, wo das aus fussvolk und reiterschaaren gemischte heer des 
Ariovist erwähnt wird und zumal an die Germania : eoque m i x t i proeliantur. 



Cynewulf's Elene, herausgegeben von Zupitza 257 

Unglücklicherweise hat nun Grein Exod. 159 nicht verstanden , wie im II. band 
meiner denkmäler zur stelle gezeigt wird; trymman heisst dort, wie oft, 
»in bereitschaft setzen, bereit machen , herrichten« (vgl. Alfr. Cur. Past. swä swa 
se here sceolde beon getrymed onbütan Hierusalem, swa sculon beon getrymed da 
word dass sacerdes ymbütan dset mod his hieremonna; ferner A. S. Chron. 1048 
Godwine and his sunu trymedon hi fasstlice ongeän; etc.). Auf grund dieser 
falsch verstandenen stelle gibt nun Grein für trymman impetuose versari aber — 
mit fragezeichen. Z. verdeutscht nun dieses latein und lässt uns übersetzen 
(feda »schlachtreihe, heer«, eored-cest »ausgewählte schare, trym- 
man »mächtig einherfahren, stürmen«): for fyrda nickst, fedan try- 
medon eored-cestum »der heere grösstes zog (fuhr dahin), die heere 
fuhren mächtig einher (stürmten) in ausgewählten scharen!« 
So wird hier wieder unsinn evTsltgeuf, was vorher bei Grein nur unsinn 
dvva[j.Et war. i) 

Ich hätte hier meine besprechung abgebrochen , wenn nicht die eingangs er- 
wähnte »nachschrift« zu weiteren bemerkungen geradezu herausforderte und viel- 
leicht schon auf den ton des vorhergehenden mehr eingewirkt hat als mir selber 
lieb ist. Man höre! Nachdem uns in jener »nachschrift« berichtet ist, dass herr 
P. Knöll noch einmal das ms. verglichen habe , heisst es weiter: »das hauptergeb- 
niss (dieser vergleichung) ist, dass vieles, was in meinem text steht, handschrift- 
liche lesart ist« und etwas weiter hin: »von allen als richtig erwiesenen vermu- 
thungen steht nur eine einzige nicht in meinem text«. Diesen bemer- 
kungen gegenüber folgt hier wort für wort und zeile für zeile das resultat der von 
herrn Knöll angestellten vergleichung des ms. zur bequemlichkeit des lesers tabel- 
larisch so geordnet, dass die Verdienste Zupitza's denen seiner Vorgänger gegenüber, 
sofort in die äugen springen. Alle diese Vorgänger fasse ich unter G(rein) zusam- 
men, womit also nicht ausgeschlossen ist, dass schon Thorpe, Grimm und einmal 
Leo das richtige hatten; die rasuren im ms. wie die übergeschriebenen buchstaben 
werden nicht besonders berücksichtigt. 



1) Aus meinen früheren äusserungen bezüglich der arbeiten Grein's auf angel- 
sächsischem gebiete geht zur genüge meine hochachtung vor den Verdiensten 
dieses gelehrten hervor; sie kamen mir erst recht lebendig zum bewusstsein, als 
ich von 1866 — 68 als assistent Bosworth's (der ausdruck passt nicht, aber herr 
professor Stengel in Marburg hat sich desselben bei gleicher gelegenheit bedient) 
veranlassung hatte, dessen fast wörtliche englische Übersetzung des 
lateinisch geschriebenen Lye täglich sieben stunden lang mit der arbeit 
des deutschen gelehrten zu vergleichen. Von ganzem herzen schliesse ich mich 
Stengel's wünsche an, die neue ausgäbe von Bosworth's Anglo-saxon dict. möge nie 
das licht der weit erblicken ! Sie wäre eine Verhöhnung des trefflichen Kemble noch 
im grabe (die eingeweihten wissen , was ich meine) und ein Schandfleck in der 
prächtigen Clarendon press series. Bosworth's einziges verdienst am das Angel- 
sächsische, dessen professur er bekanntlich zu Oxford inne hatte, ist, falls das 
testament nicht nach meiner zeit umgestossen wurde, sein Vermächtnis* von 10,000 pf. 
sterl. zur begründung einer ags. professur in Cambridge. Möge also Kemble dort 
bald einen würdigen nachfolger finden ! [Dieser wünsch ist inzwischen durch 
Skeat's ernennung erfüllt. E. A'.] 



Kölbing, Englische Studien. II. 1. 17 



258 



Litteratur 



MS. 

v. 12 rcdelnges 
16 middang 

34. 45 beadwe 

54 hreopan 

59 dast 

82 hwopan 

93 oferswidesd 
101 heria 

107 hebbao (fehlt) 
141 heap 
194 savlum 
202 unslaw 
206 rodetreo 
221 gehyrwan 
233 mearcpadu 
248 syddan 

294 widworpon 

295 wuldre 
310 sciran 
368 dass 
371 eallra 
373 findap 
379 fundm 

387 wrrecmsecggas 
392 waere 

400 du 

401 aebylgd 
429 trc'o 
437 sachms 
453 de 
461 sawla 
464 gmga 
473 bisaeton 
493 ac 

511 du 
513 wid 
520 latt/ow 
526. 663 du 
528 mec 
530 septe 
542 fyrngidda 
550 hreopon 

558 s '° 
568. 9. 71 hz'o 

576 pi^um 
582 da 
588 pe 

608 pafia-n 

609 gehdu 
637 US 
640 ic nat 
671 ahangen 
686 meotödes 
697 besylced 
716 stowe 
732 sigora 

735 maegenprymme 



richtig 
bei G. 
aedelinges 
middangeard 
beadwe 
hreopan 
daet 

hwopan 
oferswidesd 
(herna) 

heap 

(sf/lum) 

unslaw 

(rodetreoTc) 

gehyrwan 

mearcpadu 

syddan 

(widw^orpon) 

wuldre 

sciran 

daes 

ea/ra 

findad 

fundön 

wrascmaecgas 

wöere 

pu 

aebylgd 

txeo 

Sachms 

*» e 

säwla 

gmga 

bisaeton 

ac 

bu 

wid 

lätteow 

pu 

me 

fyrngidda 

hreopon 

seo 

h^o 

pysum 

pa 

pe 

pafian 

gehdu 

US 

ic nat 

ahangen 

meot?<des 

stowe 
sigora 
maegenprymme 



bei Z. 



herga 



Cynewulf s Elene, herausgegeben von Zupitza 



259 



MS. 

737 V* 
743 scinap 
750 ceraphin 
752 dses 
75S ecg 
770 peowned 
775 middang 
811 prym 
833 dasr 
838 ahofon 
842 geseh 
848 cneo 
856 rode 
875 dser 
878 lic 
880 wemend 
889 gegearwöd 
899 latt/ow 
901 ongan 
927 <zwecce 
938 gewitt 

952 wergdu 

953 ende 
955 halfa 
959 ymb 

967 gife (hinter wuldorf.) 
975 sigebeacna 
994 worlde 
1020 cudon 
1023 reord 
1029 asnbrece 
1038 weres 
1070 g/na 
1098 caluarie 
1104 on 
1137 weordöde 
1162 pe 

1208 freondroeö't/enne 
1214 lim 
1245 biesgum 
1257 secc 
1272 gelkrost 
1287 gehwylc 
1317 pKS 



richtig 
bei G. 

scinad 

Cenzphin 

paes 

ecg 

peowned 

middangearde 

prym 

pser 

ähofon 

(ywde) 

cneo 

rode 

pser 

lic 

gegeanvßd 

lätteow 

ongan 

äwecce 

gewitt 

wergdu 

ende 

halfa 

ymb 

sigebeacna 
worwlde 
cudon 
reord 

weres 

gt*na 

Caluarie 

on 

weordade 

freonr&ßenne 

lim 

bj'Sgum 

sec 

gelicost 

gehwylc 

pres 



bei Z. 



geseh 



Eines weiteren commentars bedarf diese tabelle nicht. — Ohne auch nur den 
geringsten werth darauf zu legen, bemerke ich, dass das in der poesie nie vor- 
kommende hema (von hera) schon Juli 1869 von mir in heriga, als auf der hand 
liegend, geändert wurde und ebenso beäcen geseh haiig durch strengen anschluss 
an das handschriftlich überlieferte, bei Grein als fussnote mitgeteilte, 
gewonnen war; den sinn hatte schon Grein, wie man sieht, getroffen. 

Jetzt sehen wir uns nun Zupitza's conjeeturen an, die nicht vom ms. be- 
stätigt werden, vv. 21 Hügas 140 darodas 141 geseynded 162 blfcdes 184 tacen 
197 hyhta hihst 213 die einschiebung 230 w*ges welm 251 sunde 302 to 304 
worn 355 me 360 gifad 370 eöwerne 477 h™ 531 giddum 54S gchw.vne 5SS 
cfdan 614 samod 631 tifehte für ne tfchte 657 neah 709 scead 756 hie seeolon 942 

17* 



2 6o Littcratur 

de 966 lcohte 967 wuldorfcestre 1004 nesan 1114 goldgimmas 1122 dxt 1135 
wuldre wses 1136 hie 1181 winnad. Also zweiunddreissig conjecturen, je eine auf 
vierzig verse, die keine bestätigung im ms. gefunden haben und was schlimmer 
ist, von denen keine einzige die anerkennung irgend jemandes erhalten 
wird , der über das ABC des Angelsächsischen hinaus ist. Dass aber wirkliche 
lesarten des ms., sobald sie von einem seiner Vorgänger einmal 'beanstandet waren, 
von Z. hergestellt würden, darauf hatte ich schon von vorne herein verzichtet. 
Das ms. hat z. b. richtig v. 1128 nreglan (siehe meine ags. Formenl. p. 17), das 
ms. hat richtig 789 und 1090 das runenzeichen W und dieses steht nie und nir- 
gends für wealdend. Das ms. hat richtig v. 787 gehywdest = gehiwdest = ge- 
hiwdest du liessest in leibhaftiger gestalt erscheinen etc. 

Die verhängnissvolle nachschrift! Es hält schwer, über sie wegzukommen. Es 
heisst dort weiter: »das über 530 und 1029 schwebende dunkel wird auch durch 
die neue abweichende lesung nicht gelichtet, höchstens scheint es jetzt sicher, dass 
auch Andr. 743 und Dan. 446 septon zu schreiben ist.« Zunächst ist zu bemer- 
ken, dass, wie im zweiten band meiner Angels. denkmäler stehen wird, Dan. 446 
die lesart des ms. stepton beizubehalten ist. Bezüglich der drei andern stellen 
wo septe und septon vorkommen, stehe hier einstweilen folgendes. Es ist män- 
niglich bekannt, dass englisches sh im anlaut überall einem angelsächsischen 
sc entspricht. Ich wies darum bei meiner zweiten lectüre der Cynewulf sehen 
dichtungen die Grein' sehe identificirung vo sewan und to shew (show) zurück und 
änderte beide male sefde von sefian (vgl. sefa), das ich als schwaches verb und als 
caus. des starken alts. sebbian und ahd. sebban fasste : wahrnehmen machen, zei- 
gen, belehren. Ich scheine mich geirrt zu haben und beuge mich zuerst vor der 
handschriftlich überlieferten lesart; aber den Zusammenhang unseres seppan mit 
jenen Wörtern gebe ich einstweilen nicht auf und gestützt auf die thatsache, dass 
ff im Angels. nicht vorkommt, auf scaept für sceaft in den Epinaler glossen, auf 
die trefflichen ausführungen Sweets über das altengl. b im Appendix I zur Cura 
Pastoralis und auf mehrere bemerkungen in Curtius' Grundzügen (s. v. oaiprjs, 
GO(fog etc.) gedenke ich ihn von sprachwissenschaftlichen Standpunkt aus ander- 
wärts zu erweisen. 

Nach der neuen vergleichung des ms. wäre ferner v. 880 rihtes wemend statt 
r. reniend zu lesen und nach Z. zu übersetzen »der verkünder! anrather des rech- 
ten, der Wahrheit.« Dass es mit reniend nichts wäre, ergab sich für mich bei 
der zweiten lectüre; ich vermuthete wenend und diese vermuthung möchte ich 
auch jetzt noch nicht aufgeben. Das epitheton: verkünder oder anrather des rech- 
ten, vorausgesetzt, dass wemend so heisst, passt schlecht in den Zusam- 
menhang, wol aber sehr gut rihtes wenend: er hob den leichnam über die beiden 
kreuze, in der hoffnung auf Wahrheit oder ein (himmlisches) gericht = erwartend 
so den wahren Sachverhalt bezüglich des rechten kreuzes zu erfahren. — 

Weiter heisst es in der nachschrift: »senbrece aber ist räthselhafter, als selbst 
anbroce schien.« anbroce schien räthselhaft? Nein, es war so räthselhaft, wie 
nur von Grimm (dem sich Grein anschliesst) je die bedeutung irgend eines wortes 
fixirt worden war. Aber Grimm hatte fast ein recht , sich in solchen einzelheiten 
zu irren und ein recht auf nachsichtige beurtheilung solcher irrthümer. Unser ge- 
sammtes alterthum in allen äusserlichkeiten und allen äusserungen des lebens , in 
seiner spräche, in seiner empfindungs-, anschauungs- und denkweise stand als leben- 
diger Organismus in seiner totalität beständig vor seinem grossen, sympa- 



Cynewulfs Elene, herausgegeben von Zupitza 26 1 

thischen geiste; wo wir mühsam durch betrachtung und erforschung der einzelnen 
theile zu einer ungefähren anschauung des ganzen zu gelangen suchen, beleuchtete 
er, ein echter künstler, aus jener sinnlichen anschauung des ganzen heraus das ein- 
zelne und ähnlich andern grossen künstlern gab er oft nur den ungefähren plan, 
die allgemeinen umrisse nach denen andere weiter arbeiten sollten. »Ich habe 
erst nur aus dem groben gehauen. Ehe der gewinn erschöpft ist, den Andreas 
und Elene für die künde des alterthums in sich schliessen, werden meiner bear- 
beitung manche andere folgen müssen.« Grein bezeichnet in dieser beziehung einen 
fortschritt ; diese ausgäbe der Elene auch ? — Doch ich kehre zu dem räthselhaften 
anbroce oder wie Z. will, zu dem noch räthselhafteren aenbrece zurück. Seltsamer- 
weise aber hatte ich schon vor neun jähren dieses räthselhafte aenbrece in mein 
handexemplar der Elene eingetragen, nur in der form on-brece (= un-brece) 
und dass dieses ae hier für o oder u steht (etwa wie ae für a v. 608 in pafiaen und 
927 aewecce) wird doch niemand bezweifeln. Aber aedelu? aedelu ist — Substantiv! 
Die ganze stelle : daer daet lifes treo, seiest sigebeäma siddan wunode, aedelu aen- 
brece lautet demnach: dort verblieb seitdem des lebens bäum, der 
siegesbäume trefflichster, unvergänglich an herrlichkeit , oder, 
wenn man den nom. vorzieht,' eine unvergängliche herrlichkeit; vgl. 
auch dorn, tir unbrece. So ist hoffentlich das räthsel gelöst! 

Eine fernere, von mir gemachte conjectur wird in dieser nachschrift bestätigt, 
besylced v. 697 für Thorpe's, Grimm's, Grein's und Zupitza's besyled ! Man hatte 
nämlich zuerst im ms. besyleed gelesen , dann kurzweg das eine e gestrichen und 
besylian = inquinare annehmend, särum besyled übersetzt durch von 
schmerzen besudelt!! Der neue herausgeber schliesst sich seinen Vorgängern 
in dieser, gelinde gesagt, absonderlichkeit wieder frischweg an und nicht einmal das 
ms. bringt ihn auf den richtigen weg. Und ihn zu finden, dazu braucht man es 
denn doch nur zu verstehen, die anhaltspunkte, die bis jetzt in den hilfsmitteln 
gegeben sind, einigermassen zu benützen. Wie etwa styrfan tödten zu steorfan 
sterben, so verhält sich sylcan schlaff machen, betäuben zu seolcan 
erschlaffen, mit beachtung der häufigen metathese, lautlich und der bedeutung 
nach das englische to slack. Da cleopigan ongan särum besylced on done seofedan 
daeg mede and meteleas d a begann er am siebenten tage von schmerzen 
erschöpft, müde und speiselos, zu rufen etc. — 

Stark ist auch, was Zupitza durch das v. 93S unbedenklich in den text ge- 
setzte gewilt für Grein's gewitt leistet. Da mir ein solches wort vollständig unbe- 
kannt geblieben ist , schlage ich sofort zu meiner belehrung in Zupitza's glossar 
zur Elene nach und was finde ich dafür ; welches wort, welcher versuch der er- 
klärung in einer se p a r a t - ausgäbe dieser dichtung? Nichts, gar nichts; gewilt mit 
fragezeichen dahinter!! Die hs. bietet gewitt (vgl. Zup. p. XI). — Für wigun 
snyttro ist mit bezug auf v. 544 und 592 mit Grein zu lesen witgan snyttro; zu 
fyrhät lufu habe ich als paralellen notirt: El- 62S him wffis geomor sefa hat set 
heortan ; An. 769 brandhäta nid weöll on gewitte; Met. 8*5 ac hit OD wüte \ve- 
allende byrnd; Ph. 477 daes de hi bäte at heortan higfi weallcnde dryhten lutiad. 
Hiernach dürfte die ganze stelle v. 936 — 93S weder sprachlich noch sachlich irgend 
welche Schwierigkeit mehr darbieten und gewitt ist unbedenklich im text beizubehalten ! 

Zupitza ist ordentlicher professor der englischen spräche und liiteraiur in 
Berlin. Um eine solche Stellung wirksam ausfüllen zu können, dazu gehört selbst- 
verständlich als grundlage, ausser einer gründlichen philologischen Schulung über- 



262 Litteratur 

haupt kenntniss des Angelsächsischen und Altcngliachen. Diese perioden des Eng- 
lischen können und dürfen aber nie und nimmerden mittelpunkt des Studiums 
jener spräche auf unsern hochschulen bilden ; für uns ist und bleibt das wich- 
tigste das Neuenglische. Auf diesem gebiete nun bleibt selbst nach den meister- 
werken Mätzner's und den verdienstlichen arbeiten Koch's und Fiedler's, — bei 
letzterem kommt besonders die durch Kolbing besorgte zweite aufläge des ersten 
bandes in betracht — fast alles zu thun übrig ; wir haben noch keine vorarbeiten 
zu einer englischen Stilistik, Wedgwood's Etymol. Dictionary verdient kaum eine 
erwähnung, auch Müllers Etymologisches lexicon genügt strengen anforderungen 
nicht, unsere lexica für den handgebrauch sind unter der kritik, Richardson, Web- 
ster, Ogilvie und die neue von Latham besorgte ausgäbe von Johnston etc. er- 
mangeln alle in erster linie der historischen auffassung; die wissenschaftliche, 
sprachliche und sachliche Interpretation der hervorragendsten werke des englischen 
geistes liegt noch in den windeln und mit vollstem rechte sehen die classischen 
philologen und Germanisten mit Verachtung herab auf die vorliegenden schmach- 
vollen ausgaben derselben und auf das »handwerksmässige gebahren« der meisten 
»neusprachler«. An den Vertreter nun der englischen philologie an der ersten 
deutschen hochschule stellen wir die anforderung, hier die keime zu besserem zu 
legen. Thut er dies, zeigt er seinen zuhörern , wie in der mächtigen sinnlichen 
auffassung der angels. dichter, die anfange liegen zu den höchsten gebildender 
menschlichen phantasie, wie jener furor poeticus zunächst und zumeist durch das 
Normannenthum mit neuen anschauungen bereichert in ruhigere bahnen gelenkt, 
und gelehrt wurde die idee auch in die entsprechende äussere form zu kleiden, 
führt er die akademische Jugend ein in das verständniss Williams des einzigen und 
seiner grossen zeit- und kunstgenossen, leitet er sie an zu einer fruchtbringenden leetüre, 
Spenser's und Milton's, Dryden's und Pope's, Burns' und Byrons und jener gross- 
artigen werke in philosophie, geschichte und beredtsamkeit, soweit sie eigenthum 
der nation geworden sind, mit einem worte führt er sie ein in die historische be- 
trachtung und erfassung des englischen geistes wie er sich in seinen vorzüglich- 
sten Schöpfungen mittels der spräche offenbart und lässt er auch uns aus diesem 
schätze seines wissens zuweilen etwas zu gute kommen, dann werden wir ihm 
unsern aufrichtigsten dank nicht vorenthalten. 

Hamburg, februar 1878. 

Karl Kö rner. 



ZUR ENGLISCHEN LITTERATURGESCHICHTE. II. 

H. Taine, Geschichte der englischen litteratur. Deutsch bearbeitet und mit an- 
merkungen versehen von Leopold Katscher. Autorisirte ausgäbe. Erster band. 
Die anfange und die renaissance-zeit. Erste lieferung (p. 1 — 96.). Leipzig. 
E. J. Günther. 1877. 80. Pr. mark 1,50. 

Mit dieser besprechung der deutschen ausgäbe von Taine's werk setze ich die 

bd. I p. 505 ff. begonnene umschau über die neuesten englischen litteratur- 

geschichten fort. 

Von der durch Leopold Katscher besorgten deutschen Übersetzung von Taine's 

Geschichte der englischen litteratur liegt mir das erste heft zur besprechung vor. 

Dieses werk selbst hier einer neuen beurtheilung unterwerfen zu wollen, liegt mir 

fern. Dass dasselbe, und zwar hauptsächlich wegen der geistigen durchdringung 



Zur englischen litteraturgeschichte. II 263 

des Stoffes, wegen des bestrebens, die litteraturproducte aus der anläge der geistigen 
und politischen Verhältnisse des Volkes heraus zu erklären und ebenso umgekehrt 
aus den werken den Charakter des volkes oder der zeitepoche zu studiren, mehr 
als wegen seines realen inhaltes eine hervorragende stelle unter den neueren eng- 
lischen litteraturgeschichten einnimmt, ist eine allgemein anerkannte thatsache. 
Schon die einleitung, in welcher der autor die principien seiner forschungsmethode 
darlegt, erweckt das günstigste vorurtheil über das ganze werk. Aus diesem 
gründe ist das unternehmen einer deutschen Übersetzung des franz. werkes an und 
für sich unzweifelhaft mit freude zu begrüssen. Aber eine solche arbeit musste in 
die hand eines mannes gelegt werden, welcher, wenn auch vielleicht nicht selbst 
productiv als forscher thätig, doch eingehende Studien in bezug auf englische 
historische grammatik und litteratur gemacht hatte. Denn abgesehen davon, dass 
ein solcher falsche oder veraltete ansichten oder thatsächlich unrichtige angaben 
in den anmerkungen verbessern könnte , so bedarf es schon einiger kenntniss der 
einschlägigen litteratur, um nur überhaupt die citate des Verfassers verstehen und 
richtig wiedergeben zu können. Dieser forderung wird aber in dem vorliegenden 
falle leider garnicht genüge geleistet, nicht einmal die elementarsten kenntnisse in 
römischer litteraturgeschichte stehen dem Übersetzer zu geböte; p. 43** wird von 
Tacitus, »De moribus Germanorum (XXII)« gesprochen; dann soll man wieder 
p. 48* die bücher II, 12, 13, 20 und 23 des Tacitus vergleichen; p. 50* streiche 
das komma nach domo und somno; p. 51 ist gar von dem »wolf Fenris« die rede! 
Dass Katscher Grein's : Dichtungen der Angelsachsen , stabreimend übersetzt. 
Kassel und Göttingen. 1857 — 59, nicht kennt, beweisen unter anderm die an- 
merkungen zu p. 58 und 74. Wie sich der leser den rath (p. 72*): »Man thut 
besser, statt des Beda' sehen Lateins die Übersetzung Alfred' s des grossen zu lesen« 
zu denken hat , ist mir nicht klar. Gemeint ist doch wol nur eine neuenglische 
Übersetzung davon? Denn die kenntniss des Angelsächsischen kann doch nicht bei 
allen lesern des Taine vorausgesetzt werden! Ebendahin gehört die note zu p. 78, 
durch welche wir erfahren, »die vollständigste und bequemste Sammlung der ags. 
dichter in der Ursprache dürfte C. M. W. Grein's Bibliothek sein«, als ob das 
nicht vielmehr die einzige Sammlung wäre, welche überhaupt existirt ! Nach p. 81* 
endlich soll Junius eine englische Übersetzung von Caedmons dichtungen ge- 
fertigt haben. 

Unter solchen umständen darf man sich freilich nicht wundern , wenn der 
bearbeiter faktische fehler Taine' s unberichtigt lässt; so wenn es p. 78 heisst: 
»Die namen sämmtlicher ags. dichter sind uns unbekannt, bis auf einen: Caedmon; 
vielleicht ist es derselbe, von dessen plötzlicher eingebung und erster hymne wir 
vorhin durch Beda kenntniss erlangten ; jedenfalls aber ähnelt er ihm. Er durch- 
dachte die bibel mit barbarischer kraft und Schwärmerei« etc. Erstens ist da der 
berühmte ags. dichtername Cynewulf vergessen, und zweitens zeugt alles, was hier 
und auf den folgenden zwei seiten gesagt wird, von gänzlicher unkenntniss über 
den stand der Caedmon-frage. P. 86 wird die Sachsenchronik noch nach Ingram, 
statt nach Thorpe citirt. P. 91 u. lesen wir die famose anmerkung: »Auf Island, 
sonst die statte der rohesten seekönige , kamen [wann, wird nicht gesagt] keine 
verbrechen mehr vor, so dass man die gefängnissc anderen zwecken widmen 
konnte. Man kam mit geldstrafen aus.« 

Um aber nicht mit einem tadel , sogar gegen den verdienten Taine selbst ge- 
richtet, die besprechung zu schliessen, soll ausdrücklich hervorgehoben werden, dass 



264 Litteratur 

die deutsche Übertragung des franz. werkes sich verständlich und fliessend liest, 
so dass man nach dieser seite hin dem bearbeiter gern ein gebührendes lob an- 
gedeihen lässt. 

Breslau, dec. 1877. 

E. Kölbing. 



Anglia. Zeitschrift für englische philologie. Enthaltend beitrage zur geschichte 
der englischen spräche und litteratur, herausgegeben von Richard Paul 
Wülcker. Nebst kritischen anzeigen und einer bücherschau herausgegeben 
von Moritz Trautmann. I. band. 1. 2. heft. Halle a./S. Lippert'schebuch- 
handlung. 1877. 

Als ich im october 1876 den ersten prospect für die »Englischen Studien« 
veröffentlichte, leitete mich die absieht, an stelle des englischen theiles in dem 
eingehenden Jahrbuche für rom. und engl, spräche und litteratur ein neues organ 
zu schaffen. Demselben nicht sofort den namen »Zeitschrift* zu geben, dazu be- 
stimmte mich die erwägung, dass für das Jahrbuch die englischen beitrage doch 
verhältnissmässig spärlich eingelaufen waren : der romanische theil war entschieden 
überwiegend. Es erschien mir deshalb zweckmässig , mit der erscheinungszeit 
nicht an das viertel- resp. dritteljahr gebunden zu sein; es ist eine bekannte 
sache , dass in diesem falle die herausgeber nicht selten gezwungen sind , auch 
unwichtigere, die Wissenschaft wenig fördernde aufsätze aufzunehmen, nur um den 
platz zu füllen. Die erfahrung , welche ich mit dem ersten bände der Engl. 
Studien machen würde, sollten über die weitere gestaltung dieses Unternehmens 
entscheiden. Die abwartende haltung, welche ich dabei einnehmen zu sollen 
glaubte, veranlasste mich auch, vorerst von einer öffentlichen aufforderung zur 
mitarbeiterschaft an die fachgenossen abzusehen. Die weglassung des Wortes 
»öffentlich« in dem betr. passus des prospectes konnte auch kaum zweifei erwecken 
über die absieht, welche ich verfolgte; in den worten; »Dadurch wird vielleicht 
aus der hier gebotenen grundlage nach und nach ein werthvolles organ für englische 
philologie heranwachsen können«, liegt dieselbe deutlich genug ausgesprochen. 
Etwa 14 tage später erschien der prospect der Anglia. Es bedarf kaum der Ver- 
sicherung, dass ich von der planung dieses Unternehmens bis dahin nicht die 
leiseste ahnung gehabt hatte ; ich würde sonst sofort das meinige , als überflüssig, 
unterdrückt haben. Vielleicht hätte es auch damals im interesse der sache (wobei 
ich die verlagshandlungen einbegreife) gelegen, die zwei blätter zu einem zu ver- 
schmelzen ; dass es nicht unsere sache war , dazu die hand zu bieten , nach- 
dem wir zuerst mit unserem plane hervorgetreten , liegt auf der hand. Die 
redaction der Anglia begnügte sich statt dessen mit einem seitenhieb auf die 
»Studien« und fand es im übrigen für gut, dieselben vollständig zu ignoriren. In- 
zwischen hat nicht nur »die stattliche reihe unserer fachgenossen, die sich bis jetzt 
als mitarbeiter angemeldet haben«, vor allem die mannichfaltigkeit, welche die drei 
letzten hefte aufzuweisen haben, die ausserordentlich freundlichen urtheile, die von 
unparteiischer seite gerade über das dritte heft vom bd. I gefällt worden sind 
(vgl. u. a. Revue crit. 1877. Nr. 52 in den inhaltsangaben), wol zur genüge 
bewiesen, dass die von anfang an bescheidener auftretenden »Englischen Studien« 
wol im stände sein dürften , es mit der prätentiöseren coneurrentin aufzunehmen. 



Anglia, Zeitschrift für englische philologie 265 

Da aber herr Wülcker sich gar so viel darauf zu gute thuti), dass er eine Zeit- 
schrift für englische philologie begründet hat, so seien darüber hier noch ein 
paar worte bemerkt. Wodurch unterscheidet sich denn eine Zeitschrift von einem 
anderen fachorgane, bei welchem ebenfalls 2 — 3 hefte einen band von einer un- 
gefähr bestimmten bogenzahl bilden und wo ein band jedes jähr erscheinen soll? 
Doch sicherlich nur dadurch , dass die erstere an eine bestimmte erscheinungszeit 
gebunden ist. Erscheinen jährlich drei hefte , so ist das erste am ersten mai, das 
zweite am ersten September , das dritte ende december fällig. Da nun das erste 
heft der Wülcker' sehen Zeitschrift erst in der zweiten hälfte des juni 1877, das 
dritte erst mitte märz 1878 ausgegeben worden ist, so liegt es nur allzu nahe, an 
das : lucus a non lucendo zu denken. 

Im übrigen kann herr Wülcker dessen sicher sein , dass ich mich in dieser 
und allen etwaigen späteren besprechungen von Angliaheften nicht solcher warfen 
bedienen werde, wie er sie nach meinem nachweise Angl. I p. 373 ff. gegen mich 
zu brauchen für gut befunden hat 2). 



1) Prospect: »Wir glaubten nun aber, dass unsere Wissenschaft jetzt kräftig 

genug sei, um eine eigene Zeitschrift beanspruchen zu können Wir 

haben daher die Anglia zu einer Zeitschrift gemacht... . Anglia I p. 374: 
»Die Studien sollen ein ersatz für das eingegangene Jahrbuch für rom. u. engl, 
spräche und lit. sein. Letztere behauptung trifft allerdings in sofern nicht zu, als 
die Studien keine Zeitschrift sind, sondern in zwanglosen heften erscheinend — 
2) Es wäre für ihn selbst sehr gut gewesen, wenn er die erwiderung auf meine bemer- 
kungen: Zu Anglia I p. 373 ff., im letzten hefte seiner Zeitschrift p. 559 1 nicht hätte 
drucken lassen. Hier über dieselbe nur kurz folgendes zur orientirung. l)W.sagt, ich 
scheine Grein einen Vorwurf daraus zu machen, dass er in dem bekannten aufsatze die 
einschlägige litteratur nicht benutzt habe. Meine worte lauten: »Oder was sollen 
unvollständige ergänzungen zu einem aufsatze , der auf die über den gegenständ 
vorhandene litteratur überhaupt keine rücksicht nimmt.« Das ist einfach die 
notirung einer thatsache, nichts mehr. Ueber den aufsatz von March siehe unten. 
2) »Auf die weiteren bemerkungen K.'s am angef. orte ist keine antwort nöthig, 
da sie keine factische Widerlegung enthalten.« Ist herr Wülcker wirklich — kühn genug, 
zu behaupten, er sei in Sachen der Ormulum-collation einer »gröblichen entstellung der 
Sachlage- nicht überführt? 3) Ich constatire , dass während herr W. in seiner 
recension der Studien mir »redactionelle nachlässigkeit« vorwarf, weil in der arbeit 
des herrn Stratmann an einer anzahl stellen fehler stehen geblieben waren, er a. a. o. 
erklärt, nur für druckfehler verantwortlich zu sein, welche in seinen aufsätzen 
und kritiken stehen. Eines commentars bedarf das nicht. 4) Ueber Wülcker' s 
schlusssatz muss ich etwas ausführlicher sein , denn ich will damit zeigen , warum 
ich mich ausser stände sehe , eine derartige polemik weiter fortzusetzen. Seine 
worte lauten : »Noch bemerkt sei , da Kölbing meint , wie ich collationire , müsse 
ich erst in zukunft beweisen, dass Kölbing meine art zu collationiren bereits sehen 
kann in der ausgäbe der räthsel des Tatwine durch prof. Ebert, eine ausgäbe, die 
ihm, der altenglische litteraturgeschichte liest, nicht unbekannt sein sollte.» — 
Die arbeit Ebert's war mir um so mehr bekannt, als der herausgeber selbst seiner 
zeit die freundlichkeit hatte, mir einen abzug davon zu schicken. Er sagt da 
p. 30: Von diesem handschriftlichen texte besitze ich aber eine mit grÖSSter Sorgfalt 
gemachte copie, welche mein College, prof. dr. Wülcker, für mich auszuführen die 
gute hatte . . . Ebenderselbe hatte ferner die freundlichkeit, den Eusebius der 
londoner hs. — welcher text bis jetzt gar nicht benutzt worden — mit der Giles- 
schen ausgäbe zu collationiren.« Wie lauten nun die worte von mir, auf die sich 
Wülcker in obigem bezieht? »Er selbst soll erst noch in zukunft beweisen, was er 
als editor unveröffentlichter texte zu lei>ten vermag.« Für das verfahren 
des herrn Wülcker gibt es eigentlich nur eine treffende be eichnung. Ich unter- 
drücke dieselbe hier, aber man wird es begreiflich finden, wenn ich. ihm auf 
solchen wegen nicht folge. 



2 66 Litteratnr 

Jedes heft der Anglia zerfallt in zwei theile , deren erster abhandlungen au- 
allen perioden der englischen sprach- und lilteraturgeschichte enthalten soll, unter 
der redaction von prof. Wülcker, während der zweite, für kritiken und bibliographie 
bestimmt, von dr. Trautmann redigirt wird. 

Sämmtliche abhandlungen der ersten zwei hefte sind originalarbeiten i). Es 
liegt in dem zuge , welchen die englische philologie — und meiner Überzeugung 
nach nicht zu ihrem schaden — in neuester zeit genommen hat, dass es thatsäch- 
lich schwieriger ist , gediegene neuenglische beitrage zu gewinnen , als solche, 
welche sich mit einer älteren sprach- und eulturepoche beschäftigen. So sind 
denn in dem ersten hefte der Anglia von 154 seiten nur 17 der neuenglischen 
philologie gewidmet [in dem eben erschienenen dritten unter 170 seiten gar nur 3]. 
Das ist, wie gesagt, an und für sich weder auffallend noch tadelnswerth ; aber es 
erhellt daraus, dass Wülcker herzlich wenig Ursache hatte, a. a. o. p. 378 über das 
»aufsätzchen» von A. Buff zu spötteln, durch welches »denn auch der neuenglische 
theil der Studien gebildet wird.« 

Ich wende mich zum inhalte der ersten zwei hefte. P. 1 — 5. Grein: Ist 
die bezeichnung »Angelsächsische spräche« wirklich unberech- 
tigt? Da dieser aufsatz viel früher ausgearbeitet war, als er zum druck gelangte, 
und der Verfasser nicht in der läge war, eine revision desselben vorzunehmen, so 
findet sich die neuere litteratur über diese frage nur wenig berücksichtigt: es 
wäre die sache des redacteurs gewesen, die bibliographie derselben in mög- 
lichster Vollständigkeit beizufügen ; die paar citate p. I u. verwirren den unkundigen 
höchstens, welcher damit das thema für erschöpft halten muss; es war also ausser- 
dem noch trotz Wülckers einspruch der aufsatz March's in den Transactions der 
American philol. Association 2) (jetzt auch Engl. st. I p. 367 ff.) zu erwähnen, 
ferner und der priorität wegen in erster linie die abhandlung von Stephens in 
Gentlemans Magazine 1852, april- und maiheft, auf die ich schon Germ. XX 
p. 363 hingewiesen hatte, ferner Sweet, Hist. of engl, sounds p. 158 ff. und Zup. 
in Ztschr. für österr. gymn. 1875 'p. 118 ff. — p. 5 — 38. Zupitza: Zum 
Poenia morale. Es wird hier das an verschiedenen orten in den neueren publi- 
cationen des E E T S. abgedruckte material vervollständigt durch einen genauen 
abdruck der Digby-hs. A 4 in der Bodl., die bisher nur auszugsweise durch die 
mittheilungen von Hickes im Thesaurus bekannt war. Daran schliesst sich p. 32 ff. 
eine classificirung der hss. dieses gedichtes, betreffs deren ich nach sorgfältiger 
nachprüfung dem Verfasser durchaus recht geben muss. Nur in bezug auf eine 
äusserlichkeit, welche wol der druckerei zur last fällt, erlaube ich mir eine bemer- 
kung. Es stört in unangenehmer weise die gleichmässigkeit , dass dieser text mit 



1) Ich erwähne dies deshalb, weil Wülcker (A. I p. 374) betont, dass die 
Studien nicht nur originalarbeiten enthalten, sondern auch wiederabdrücke ver- 
öffentlichter arbeiten. Er hält die aufnähme von March's aufsätzen für unnöthig, 
weil man in Leipzig die Transactions sehr wol kenne. Dagegen bemerke ich, 
dass gerade einer seiner angesehensten Leipziger collegen mit mir durchaus einer 
meinung ist. Prof. G. Curtius hat im 5. band seiner »Studien« einen aufsatz von 
James Hadley, übersetzt aus denselben Transactions 1869 — 70, abdrucken lassen 
und bemerkt dazu p. 409: »Da die amerikanische Zeitschrift, welcher das original 
angehört, in Deutschland wenig verbreitet ist, so glaube ich, wird es 
manchen fachgenossen willkommen sein, die neuen, von herrn H. aufgestellten 
erklärungen .... an dieser stelle wiedergegeben zu sehen.« Ich denke, das genügt 
zu meiner rechtfertigung ! — 2) So, nicht Society, wie Engl. st. p. 367 u. irrig steht. 



Anglia, Zeitschrift für englische philologie 267 

gewöhnlichen lettern gedruckt ist, die von Horstmann edirten (p. 67 ff.) mit Petit- 
schrift; eine folge davon ist auch die ganz unnöthige räum Verschwendung, da bei 
der kürze der Zeilen sehr gut auf jeder seite zwei columnen platz gehabt hätten, 
wodurch etwa 12 seiten erspart werden konnten. Ebenso ist es unschön, dass in 
dieser einen arbeit die abhandlung mit cursiv-schrift gedruckt ist ; der zweck ist 
nicht recht abzusehen, p. 38 — 44 u. nachtrag p. 186 — 8. R. Köhler: Zu 
Chaucer's The millerers tale. Aus Valentin Schumanns Nachtbüchlein und 
Müllenhoffs Schleswig- Holstein'schen sagen werden interessante gegenstücke zu 
der erzählung, welche Chaucer dem müller in den mund legt, und die man bisher 
für seine erfindung hielt, nachgewiesen. — p. 44 — 54. H. Düntzer: Zu Mar- 
lowe's Faust. Der verf. setzt sich mit den abhandlungen von Erich Schmid 
und Albers in Lemcke's Jahrbuch XIV u. XV auseinander und bemüht sich mit glück 
Birde und Rowley's interpolationen wieder auszuscheiden, p. 55 — 101. C. Horst- 
mann: Die legenden von Celestin und Susanna. Warum diese zwei 
legenden eigentlich vom herausgeber zusammengestellt worden sind, vermag ich 
nicht einzusehen; die erste ist nach Horstmann' s ansieht von demselben Ver- 
fasser wie der Gregorius, die zweite von durchaus anderem charakter und aus 
anderer zeit. Andererseits haben wir alle Ursache, herrn Horstmann für die mit- 
theilung dieser zwei dichtungen dankbar zu sein. Die legende von Celestin ist 
der form wie dem inhalte nach von grossem interesse ; was letzteren angeht , so 
handelt es sich , was ich zur ergänzung beifügen will , um eine im mittelalter 
ziemlich verbreitete sage doch wird dieselbe, soviel mir bekannt, sonst nur von 
papst Sylvester II berichtet: vgl. u. a. Döllinger: Die papstfabeln des ma. 
München 1S63. Eine dem engl, gedichte ähnliche version findet sich z. b. in 
Jansens Enenkels Weltchronik, u. d. t.: Des teuvels habest; separat edirt in 
v. d. Hagen's Gesammtabent. II p. 349 ff. Wenn also Horstmann p. 67 auf die 
einführung der allegorie in den personificirten sieben todsünden hinweist, welche 
redend aufgeführt werden , und hinzufügt , dadurch erinnere die legende an die 
moralitäten, welche den Übergang von den mvsterien zu den wirkliches leben dar- 
stellenden eigentlichen dramen bilden, so wird die tragweite dieser an sich gewiss 
nicht unwichtigen bemerkung dadurch doch bedeutend abgeschwächt , dass schon 
die lat. autoren, Vinc. Bellovacensis, Gilvasius von Tilbury u. a. in ähnlicher 
weise die todsünden als allegorische personen einführen , diese eigenthüinlichkeit 
also nicht auf erfindung des englischen dichters beruht. Auf wen die Übertragung 
dieser sage auf Coelestin zurückzuführen ist, bekenne ich nicht zu wissen. Viel- 
leicht können andere fachgenossen darüber auskunft geben. Ich füge nur zwei 
kurze sprachliche bemerkungen bei. V. 71 f.; Celestyn seyde : I wile becom pi 
knaue, | wip pat I mykel wisdom haue = Celestyn sagte: Ich will dein diener 
werden, damit ich grosse Weisheit erlange; diese verse bieten einen beleg für wip 
pat mit der seltenen bedeutung: damit; vgl. Zup. zum Guy v. 10870. V. 445: 
And he beo wip sorvve shriue, saue him hit may ! = Wenn er mit kummer bereut, 
so kann ihn das retten. Es ist bemerkenswerth, dass and hier, wie öfters, für 
»wenn« gebraucht ist; vgl. meine bem. zu Patr. I v. 48,5 (E. st. I p. 112) und 
folgende stellen: Alexiusleg. (Schipper Engl. Alex. leg. Erstes lieft.) v. 207 f.: 
Lavedi, he seyde, i wolde fayn, | and i wiste whilke. Guy, edd. Zupitza v. 
357 ff.: Knyghtys and erlys y haue forsake, | pat wolde nie to wyfe take; | and 
y loued now a yong knaue, | how schulde y my worsehyp saue? ües. an Alex, 
klingt an Guy v. 839 ff. : I wyll put nie forpe , as y can , | to be knowen .1 



2 68 Litteratur 

doghty man | and be preysed for my prowe, | and y wyste, what wey and howe. 
[Zusammenstellungen hierüber sind um so weniger überflüssig, als in Kochs Syntax 2 
and = wenn, nicht erwähnt wird.] 

Das gedieht von der Susanna kann zwar , wie es hier vorliegt , nicht als eine 
kritische ausgäbe angesehen werden, weil, wie Horstm. p. 93 1) selbst angibt, die 
ausgäbe von Laing in den Select pieces of ancient populär poetry und die unvoll- 
ständige hs. Cott. Cal. A II dabei nicht benutzt worden sind. Trotzdem ist bei 
der Seltenheit des erstgenannten buches diese publication als eine sehr willkommene 
zu bezeichnen. Nur würde man bei der unvollständigkeit der bisherigen ae. 
Wörterbücher gerade bei solchen stücken , in denen , wie hier , eine ganze anzahl 
schwieriger worte vorkommen, es dem herausgeber dank wissen, wenn er ein glossar 
beigäbe. — P. 102 — 9U.279 — 85. \V. Sattler: Beiträge zur präposi tions- 
lehre im Neu engl ischen. I. Ueber den unterschied zwischen : to expect from 
und to expect of, IL a visit to, ein besuch bei, in III. welcome to, willkommen 
in. P. 109 — 49. M. Trautmann: Der dichter Huchown und seine 
werke. Unter an Wendung derselben methode, von welcher er in seinem schrift- 
chen : Ueber Verfasser und entstehungszeit einiger alliterirender gedichte des Alt- 
englischen , ein speeimen geliefert hatte , wird hier weiter über die alliterirenden 
dichtungen des 14. jahrh. gehandelt, welche dem dichter Huchown zugeschrieben 
worden sind, Ich kann seiner beweisführung nur vollkommen beistimmen. Hier, 
wo die anderwärts durch die reime gebotenen kriterien wegfallen, muss die Unter- 
suchung über Wortschatz und versbau den ausschlag geben. Trautmann kommt 
denn auch auf diesem wege zu dem abschliessenden resultate, dass Morte Arthure 
und Susanna als die werke Huchown's anzusehen sind , während die ihm sonst 
noch von verschiedenen litterarhistorikern zugeschriebenen in Wegfall kommen. 
Dieser war ein Schotte und wahrscheinlich identisch mit dem von Dunbar in einem 
gedichte erwähnten Hew of Eglintoun. — P. 150 — 4. H. Sweet: Collation of 
the poetical Salomon and Saturn with the ms. Diese collation erschien 
um weniger später wie die ebenfalls auf einer vergleichung der hs. beruhende aus- 
gäbe Schippers, Germ. XXII p. 50 ff. Die correcturbogen dieses abdruckes konnten 
durch die gefälligkeit des Rev. W. W. Skeat nochmals mit der hs. verglichen 
werden. Eine vergleichung der resultate beider collationen hat mich wieder gelehrt, 
dass es doch um das peinlich genaue lesen oder collationiren ags. hss. keine so ganz 
leichte sache ist. Niemand wird diesen drei gelehrten gewandtheit und Sorgfalt im 
lesen von hss. absprechen, und doch ergeben sich zwischen den positiven angaben 
Sweets und dem Schipper-Skeat'schen texte folgende differenzen 1) : v. 86 gast] 
gzest. v. 96 hine] hiene. v. 102 leomena] leomona. v. 107 getuinnas] getuinas. 
v. 125 bigad] bizad. v. 136 fyr] f. . r. v. 139 ewicum] . . wicum. v. 142 twigena] 
tuigena. v. 153 stronges] Str.: nzes. Das. stynged] stinged. v. 182 Salomon] Saloman. 
v. 185 [le]ornenga] . . . nenz,a. v. 187 palestinion] palestinon. v. 209 saege] ssego. 
v. 219 aetereynn] atereynn. v. 224 cwsed] ewad. v. 246 woruld] worold. v. 248 
nihtes] niehtes. v. 252 seme] scire. v. 280 fruman] fruma. v. 304 he] hie. 
v. 306 fered] fsered. v. 311 swrerost] swarost. v. 356 maegn] maegnn. v. 376 fared] 
fsered. v. 399 gehnseged] gehaezed. v. 417 eorluw gesihde] eorl to zeschde. 
v. 418. dryhtnes] dryhtenes. v. 446. hwan drohtad] hwon drohtod. v. 447. heo] 
hie. In der anmerkung zu v. 451 ist dire (sie) als lesung des ms. angegeben, bei 



1) Ich lege Schippers text zu gründe ; die zu zweit angeführte lesart ist die Sweet' s. 



Anglia, Zeitschrift für englische philologie 260 

Sw. diere (sie), v. 464: bebead him] him bebead. v. 502. spaned] spsened? 
v. 504. MS. sagad] sagaed. — Da vier äugen selbstverständlich schärfer sehen als 
zwei, so ist man von vornherein geneigt, sich auf die Schipper-Skeat'sche seite zu 
stellen: immerhin werden für die zweite ausgäbe von Grein's Bibliothek die obigen 
worte nochmals nachgesehen werden müssen. Gewiss wird auch über manche 
stelle der Beovulf-hs. endgültig noch anders entschieden werden, als ich die 
lesungen in Herrig' s Archiv, bd. 56 p. 91 ff. angegeben habe; hier weniger als 
sonstwo wird selbst der erfahrene sich für unfehlbar halten: dass auf grund der 
neueren collationen, zu denen, wie ich höre, auch eine ungedruckte von A. Holder 
gehört, die zweite aufläge von Grein's einzelausgabe des B. veranstaltet werden soll, 
entnehme ich mit befriedigung aus Anglia I p. 556. 

P. 189 — 195. Zupitza: Ein verkannter englischer und zwei bis- 
her ungedruckte lateinische bienensegen. P. 195 — 197. Zupitza: 
Fragment einer englischen chronik aus den jähren 1113 und 1114. 
P. 197 — 251. Karl Regel: Spruch und bild im Layamon. Dieser vor- 
treffliche aufsatz, welcher sich an desselben Verfassers frühere arbeit : »Die alliteration 
im Layamon« (German. Studien I p. 171 ff.) anschliesst, ist unzweifelhaft die 
kröne aller arbeiten in diesen zwei heften. Des dichters Selbständigkeit und ver- 
hältnissmässige Unabhängigkeit von seinen quellen in betreff dieser punkte wird 
überzeugend nachgewiesen. — P. 252 ff. s. u. — P. 285 f. J. Zupitza: Lateinisch- 
englische Sprüche. P. 286 f. J. Zupitza: Das nicaeische symbolum 
in englischer aufzeichnun g des 1 2. j ahrhun derts. P. 287 — 331. Can- 
ticum de creatione, herausgegeben von C. Horstmann. Auch für 
diese arbeit sind wir dem unermüdlichen herausgeber sehr zu danke verpflichtet, 
und ich glaube meinerseits denselben nicht besser abtragen zu können , als wenn 
ich nach einer seite hin, mit welcher er sich nicht beschäftigt hat, seine forschung 
um ein weniges zu fördern versuche. Doch vorher ein paar worte über die sprach- 
liche einleitung p. 287 — 298. Ich habe an dieser, wie an einigen früheren, un- 
beschadet des Verfassers sonstiger Sorgfalt, das auszusetzen, dass bei der behandlung 
der lautlichen eigenthümlichkeiten eines denkmals die für die dialekt-bestimmung 
ausschlag gebenden reime nicht genügend vor den übrigen hervorgehoben werden. 
So hier p. 290 f. Dass von den dort angeführten belegen für o statt a vor m 
und n nur einer beweisend ist, hat Wülcker schon in einer anmerkung gesagt ; aber 
es ist bei den stellen, die für 6 statt altem ä citirt werden, nicht anders; beweisend 
ist nur byfore — more v. 796 f., und doch war hier kein mangel an'entscheidenden 
stellen; vgl, z. b. mon — don v. 777—780; to do — po v. 871 f.; also — do 
v. 927 — 930; fordo — so v. 1143 — 1146. — Bei der besprechung der nicht minder 
wichtigen färbungen von ags. y (aus u) werden die reimbeweise garnicht herbei- 
gezogen ; für i zeugen z. b. die reime kis — ywis v. 981 — 9S4; ligge — brigge 
v. 11 38 f. — In ganz besonders auffälliger menge finden sich in diesem gedichte 
die bekannten flickworte oder vielmehr - sätze , welche den erzeugnissen der nie.- 
poesie gerade nicht zur zierde gereichen; ich habe mir folgende angemerkt, v. 12 
^if ^e wille dwelle a whyle (dasselbe war nämlich bereits v. 4 ff. gesagt); v. 15 
er £e hannes wende; v. 25 wipoute stryf; v. 62 saun doute; v. 168 sortis wipouten 
doute; v. 289 wipouten oht; v. 311 saun dout; v. 337 wipoute gref; v. 376 as 
seip pis rym; v. 382 wipoute dred; v. 384 wipoute lye; v. 437 wipoute lesyng; 
v. 448 wipouten stryf; v. 466 pus in writ y haue it sayn; v. 493 £e mowe nie 
leue; v. 507 pus in writ fynde y; v. 512 as y 50W seye; v. 517 as y gesse; 



270 



Litteratur 



ebenso v. 532; v. 539 wipouten oth; v. 541 vvithouten mo; v. 549 y gesse; 
v. 553 withouten lye; v. 605 sikerly; v. 619 withoute drede; v. 669 as y gesse; 
v. 721 as y 50W teile; v. 739 withoute wane; v. 745 withouten lye; v. 752 with- 
oute dwel; v. 755 as seip bis boke; v. 797 withouten more; v. 803 with- 
outen nay; v. 815 y gesse; v. 817 saun fayle; v. 835 y wene; v. 842 
withouten dwelle; v. 925 withoute lesynge; v. 937 withouten mys ; v. 947 saun- 
fayle; v. 958 withouten wrong; v. 960 withouten let; v. 966 as y ges; 
v. 973 y wene; v. 979 as seyp bis geste; v. 986 y teile z.ow; v. 995 withoute 
lesyng; v. 997 withoute lye; v. 1000 withoute les; v. 1015 withouten let; v. 1040 
withoute lesynge; v. 1072 saun doute; v. 1090 as y gesse; v. 11 17 withoute blame ; 
v. 1141 y teile pe; v. 1169 as oure bok witnessep ham; v. 11 72 as Clerkes don 
vs to ken; v. 11 75 withoute lesyng. — Wichtiger als diese beobachtungen über 
die form ist für uns der inhalt des 1200 verse langen gedichtes, von welchem 
Horstmann p. 298 ff. eine analyse mittheilt. Was seine quelle angeht, so sagt 
uns der englische dichter selbst, er habe eine lateinische vorläge benutzt, welche 
auf ein hebräisches original zurückgehe (v. 11 89 ff.). Es ist da zunächst darauf 
hinzuweisen , dass wir ein mhd. gedieht besitzen , welches sich inhaltlich mit den 
ersten 462 versen des Canticum deckt ; dasselbe ist herausgegeben in v. d. Hagen's 
Gesammtabenteuern I, p. 1 ff. u. d. t. : Adam und Eva; eine verkürzende be- 
arbeitung desselben hat H. Fischer, Germ. XXII p. 316 ff., edirt. Ich stelle im 
folgenden eine anzahl stellen aus beiden fassungen, der englischen und der mhd.. 
gegenüber, um den grad ihrer Verwandtschaft genauer zu fixiren: 



Canticum v. 19 ff. : 

Alle ze haue herd told and rad, 
how and whanne god £>is world mad 
and Adam, as was his wille .... 
bus out of paradys he hem brest, 
and pez, jeden forp in to pe west etc. 

v. 73 ff-: 

Eft seyde Eue with ruful chere: 

»Lord, y praye zow, sie me here, 

pat god me namore se, 

ne non angel in heuene aboue, 

and pat god for my loue 

namore be wro£> with pe.« 

panne seyde Adam with ruful ble: 

»Eue, let swiche wordis be, 

pat god vs eft nojt werye. 



v. 14S ff.: 

panne seyde Adam to Jordon: 
»Water, come and make py mon 
and waymente here with me! 
Gadere alle be fisches pat in pe be, 
and do hem come aboute me 
to helpen me make mone. 



mhd. v. 7 ff. 

Nu habet ir dikke wol vernomen, 
wie ez zuo der rede ist komen, 
wan allenthalben ist geschriben, 
wie her Adam wart vertriben 
von dem paradise. 

v. 40: 

Eva do weinende sprach: 
»Adam, lieber herre min, 
gewer mich durch die guete din, 
unt tuo mich von dem libe, 
ob dich got [lihte] laezet bliben 
bi im und nimet dich wider in, 
wan du von den schulden min 
dine vröude hast verlorn, 
dar zuo dich got hete erkorn.« 
Do sprach her Adam, 
do er ir bete vernam : 
»Eva, du solt niht so sprechen, 
daz got iht mer an uns reche, 
daz wir wider in haben getan. 



Do sprach der wise Adam: 
»Ich bite dich, wazzer Jordan, 
und die vische, die dar inne sin, 
und in den lüften ouch diu vogelin 
und iueh tier alle gemeinefn], 
daz ir mir helfet weinen. 



Anglia, Zeitschrift für englische philologie 



271 



v. 178 ff.: 

pe deuel per with hadde enuye, 

and as an angel forp gan flye, 

to Tygre flod he cam 

per Eue stod in water depe. 

and whanne pe deuel sez here wepe, 

po gan he wepen sore 



v. 117 ff. : 

Daz was dem tiuvel leit 

er machte sich in engeis schin, 

als er ein engel wsere, 

der valsche lugenaere, 

unt kom zuo dem wazzer zehant, 

da vern Even er weinent vant, 

er begunde mit ihr weinen .... 



Aus Eva's klagerede: 

v. 397 ff.: 

»Lord!« pozte she in herte and word, 
»who shel teilen Adam, my lord, 
of my sorwe and care ? 
I praye zow, liz,t of firmament, 
sonne and mone, with guod entent, 
to pe eastward whanne z,e fare, 
tellep Adam, my lord dere, 
how y am stad in sorwes here!« 



v. 316 ff.: 

West' ez doch her Adam ! 

West' ich, wen ich vünde, 

der ez im wolde künden, 

ich wolt' im ez entbieten, 

daz er mir dar zuo geriete. 

Nu wil ich biten gerne 

dich, sunne, und ouch dich, sterne, 

swen ir zuo dem Orient kumet, 

daz ir mir ze miner ncete vrumet 

unt kündet dem lieben herren min 

daz ich han so grözen pin. 



Von Eva's kind heisst es: 



v. 442 ff.: 

Op he sterte in pat stounde, 

and zede and gaderede floures on grounde 

and bar his moder po. 



v. 378 ff.: 

Daz stuont ze hant üf und lief hin 
und braht ein gruenez kriutelin 
und gab daz der muoter sin. 



Diese stellen werden genügen , um die nahe Verwandtschaft beider texte zu 
beweisen ; die sachlichen differenzen sind sehr unbedeutend ; envähnenswerth ist 
höchstens, dass in engl. Eva 40, Adam 47 tage zur busse im flusse stehen will, 
in mhd. nur von 34 und 40 tagen die rede ist. Im übrigen ist meist engl., selten 
mhd. ausführlicher. Es weisen also beide direct oder indirect auf eine gemeinsame 
vorläge zurück ; dass die quelle der englischen version ein lateinisches gedieht war, 
dürfen wir aus des dichters eigenen Worten sowie aus der Überschrift: Canticum 
de creatione, die er jedenfalls direct aus der vorläge herüber genommen hat, 
schliessen. Zunächst wäre nun die von v. d. Hagen, a. a. o. bd. III p. 79° 
nachgewiesene lateinische prosafassung in einer wiener papier-hs. zu untersuchen; 
die vermuthung liegt nahe, dass in ihr eine prosaauflösung von dem ersten ab- 
schnitte des Canticum vorliegt. 

Ziemlich an derselben stelle, wo die mhd. version — wenigstens in ausführ- 
licher fassung — aufhört , beginnen zwei andere paralleltexte zum Canticum (C), 
eine altnordische, herausgegeben von Möbius: Analecta norroma , 2. ausgäbe, 
p. 204 — 207 u. d. t. : Seths för i paradisum, und eine zweite englische im Cursor 
Mundi I v. 1237 ff. 

Es ist da zunächst zu constatiren, dass alle drei Fassungen im wesentlichen 
dieselbe Überlieferung repräsentiren. Die folgenden stellen werden genügen, um 
diese behauptung zu erweisen. 



272 



Litteratur 



Adam beschreibt seinem söhne Seth den weg zum paradiese: 



isl. p. 204, 24 ff. : 

pä er Seth var til pessar ferdar 
biiinn, sagdi Adam, at hann skyldi 
ganga 1 austr ok «mantu hitta einn dal 
fyrir pe>, ok man [)ä upp hefjask vegr 
grcenn; ok at pü kennir pann veg gjörr, 
pä mantu hitta fötspor mfn ok mödur 
pinnar svardlaus ok svört, pau er vit 
genguni J>ä er vit värum rekin ör Para- 
diso ok hingat 1 penna sorgardal ; eil 
svä väru störar syndar okkrar , at aldri 
sfdan vöx par groent gras er vit gengum 
pä er vit värum ör Paradiso rekin par 
til er vit kömum hingat.« 



Cursor, Fairfax-ms. 1) v. 1249: 

»Sone«, he sayde, »I sal pe say, 

howgate pou sal take pi way. 

Towarde pe estende of pis dale 

finde a grene weye pou sale. 

In pat way sal pou finde forsop 

pi moders and myne our baper slop. 

pe gresse ys falow on pe grene, 

and euer sipen has hit bene. 

per we come gangande als vnwise, 

quen we wäre putte of paradi.-,e 

vnto pis werlde slade, 

per myselfe was first made ; 

for pe gretnes of oure sin 

sipen grew na gresse perin. 



Canticum v. 619 ff.: 

And Seth, sone wipouten drede 

a grene z) wey shel pe {mder lede 

and steppes sere of hew: 

ffor whanne we breken godis komandement, 

oure synne was so gret pat, per we went, 

neuere after gras ne grew. 



Der anfang der beschreibung des paradises: 



isl. p. 205, 15 ff. : 

. . . . pä sä hann svä mikla fegrd 
at engis manns tunga mätti ör leysa, 1 
ymsum kynum ävaxtar ok blömstrs, fugla 
söng ok ütöluligum ilmum ok scetum 
pef. I midri Paradiso sä hann hina 
skserustu keldu; ör peirri keldu runnu 
fjörar är er svä heita : Phison , Geia, 
Tigris ok Eufrates ; en pessar fjörar är 
fylla vatni heim allan. En yfir keld- 
unni sä hann apaldr einn standa med 
mörgum greinum ok pö barklausan. 
Hann undradi mjök hvi pat var bark- 
laust, ok er hann mintisk ä fötspor .... 



Cursor v. 1310 ff . : 



He sagh mykel welpe and wyn, 

pat in erp na tonge may teile, 

of floures frute and squete smelle, 

of blis and ioy sa mony pinge. 

In middes pe lande he saw a springe 

of a welle wipouten mys; 

perout ran foure stremys: 

Fison, Gison, Tigre, Eufrate: 

pes foure makis al pis erp wate. 

Out of pat welle loket he 

and sawe per stände a mykel tre 

wip branchesse mony of barke bare ; 

was ber na lefe on, lasse ne naare. 

Seth bigan to pink for quy 

at pis tree bicome sa dry ; 

of steppis he vmbepozt him pan, 

pat falowed for syn ofman; 

pat ilk skyle made him to myn, 

pis tree was dry for Adam syn. 



Canticum v. 717 ff.: 



. . . and sej merthis ynowe: 

of alle manere men my^te descrie. 



penken wip herte, sen wip eye, 
and briddes syngynge on bowe, 



1) Wenn eine lesart aus einer anderen hs. eingesetzt ist, werden die betr. 
worte durch gesperrten druck markirt. — 2) Horstmann bemerkt zu diesem verse; »Ms. 
undeutlich, ob grene oder greue^ grene scheint nicht zu passen.« Die vergleichung * 
von isl. : vegr grcenn und Cursor : a grene weye lehrt , dass er doch recht daran 
gethan hat, grene in den text aufzunehmen. 



Anglia, Zeitschrift für englische philologie 2 7 3 

and gut more, as y zpu teile: for per was oppon pat tre 

in myddes of paradys a welle, noper leues ne bark. 
foure stremes rennynge per fro ; As he stod and wondrede pere, 

of po foure stremes clere he pozte on pe steppis sere ; 

komep al pe water pat is here. anon he sikede sare, 

More Zut sez he po. and to him pis pozt kam, 

Vp by pe welle stonde he sez pat for Eue synne and Adam 

a mochel treo and an hez, pat tre was so bare, 
with bowes grete and stark ; and pozte peron withoute wane, 

po in pou^t wordrede he, Adam and Eue eten here bane. 

Die Übereinstimmung zwischen allen drei texten an beiden stellen ist frappant. 
Doch aber lehren sie uns zugleich, dass isl. und Cursor noch genauer zusammen- 
gehen , wie beide mit Cant. ; trotzdem sind diese beiden Versionen nicht als von 
einander direkt abhängig, sondern als gesonderte Übertragungen einer quelle an- 
zusehen. Dass Cant. nicht aus derselben geschöpft und etwa nur gekürzt hat, 
ergibt sich daraus , dass letztere fassung in kleinigkeiten abweicht , besonders aber 
mehrfach ausführlicher ist als isl. und Cursor. Die hauptdifferenz ist, dass, während 
hier Seth allein zum Paradise wandert, in Cant. er von Eva begleitet wird. In isl. 
und Cursor fehlt Adams gespräch mit seinen söhnen, Cant. v. 511 — 613; dass 
Seth auf dem wege von einer schlänge gebissen wird, Cant. v. 637 — 85; dass 
Adam der Eva vorwürfe macht, Cant. v. 826—46; dass bei Adams bestattung die 
engel erscheinen, Cant. v. 865 — 90; dass Seth Adams und Evas leben auf stein- 
tafeln schreiben soll und Eva stirbt, Cant. v. 897 — 954. — In Cursor schliesst die 
ausführlichere erzählung etwa v. 1422 , entsprechend Cant. v. 960. Dann gehen 
noch isl. und Cant. zusammen, doch fehlt in isl. die aufzählung der wunder Mosis, 
Cant. v. 979 — 90; der ganze abschnitt über David, Cant. v. 994 — 1066, und das 
an Maximille geschehene wunder, Cant. v. 1105 — 18, sowie die berechnung, Cant. 
v. 1165 — schluss. Da die plussstrophen in Cant. inhaltlich durchaus nicht den 
eindruck späterer hinzudichtung machen , so dürfte die gemeinsame vorläge von 
isl. und Cursor eine gekürzte fassung des lateinischen gedichtes sein, welches dem 
dichter des Cant. vorlag. Die von Fischer a. a. o. p. 339 — 41 edirte fortsetzung 
der mhd. fassung bietet im wesentlichen dieselben momente, wie die übrigen; nur 
ist beachtenswerth, dass hier Eva vor Adam stirbt, vgl. v. 4 ff. — Jedenfalls zeigt 
meine erörterung auf den vorigen Seiten , dass das Canticum auch für die all- 
gemeine litteraturgeschichte des ma. von nicht geringem interesse ist, wodurch 
andrerseits mein langes verweilen dabei sich rechtfertigen dürfte. — P. 331 — 37. 
J. A. Holder: Collationen zu angelsächsischen werken. I. De rebus 
in Oriente mirabilibus. — P. 338 — 49. K. Elze: Noten und conjec- 
turon zu n e u e n g 1 i s c h e n dichtem. — P. 349 — 54. R. W ü 1 C k e r : Chri- 
stian Michael Grein. Vgl. Stengel, Engl. stud. I p. 536 ff.; Germ. XXII 
p. 497 f.; Anglia I p. 556 ff.: lieber Greins nachlass. — 

Unter den recensionen verdient besondere erwähnung die lange und inhalt- 
reiche besprechung von Ward's History of english dramatic literature durch prof. 
Wagner in Hamburg, p. 164 — 77 und 355 — 70. Was Arnold's Beowulfausga.be 
anlangt, so stimme ich Wülcker's scharfem urtheil (p. 177 — S6) vollkommen bei; 
höchstens könnte man im zweifei sein, ob das buch überhaupt die ehre eine 
eingehenden besprechung verdient hat. Was endlich die recension von Sweet's Anglo- 
saxon reader durch M. Trautmann betrifft , so DOUSS gerügt werden , dass bei der 
erörterung der laute ea, eo etc. p. 3S1 ff. die neuere litteratur über dasselbe thema 
Kölbing, Englische Studien. II. 1. 18 



274 



LitteratuT 



(Scherer, Zgds. p. 140 u. sonst, ten Brink , Ztschr. f. d. a. XIX p. 218 ff., 
Zupitza, Anzeiger f. d. a. II p. 5 ff.), die z. th. gerade gegen dieselben ansichten 
Sweets, welche Trautmann bekämpft, gerichtet ist, vom Verfasser entweder nicht 
gekannt oder doch total unberücksichtigt gelassen wird. Die hauptresultate dieser 
forschungen hat rcferent schon voriges jähr als sicher feststehend in die 2. aufläge 
der Fiedler'schen grammatik eingetragen. 

Ich gestehe am Schlüsse meiner anzeige gern und neidlos zu, dass ich diesen 
zwei heften der Anglia reiche belehrung und anregung verdanke. Noch eins: Die 
Atiglia wie die Engl. st. haben die probe des ersten Jahrgangs glücklich bestanden ; 
unsere Wissenschaft erscheint also lebenskräftig genug, um für zwei organe ge- 
diegenen stoff zu liefern. Diese erfreuliche thatsache bricht jedem etwaigen — 
berechtigten oder unberechtigten — «ärger« über die doppclgründung die spitze ab. 

Breslau, märz 1878. 

E. Kölbing. 

P. 252 — 79. C. S. Weiser: Popes einfluss auf Byrons jugenddich- 
lungen. Von dieser abhandlung kann man die eigenen worte des herrn Verfassers 
»betreffs der Jugenddichtungen hoffen wir diese frage (die nach der Originalität 
Byrons) ausreichend beantwortet zu haben« durchaus gelten lassen. Denn der 
nachweis der abhängigkeit der von Weiser in betracht gezogenen dichtungen Byrons 
von Pope ist nicht blos in seinen verschiedenen einzelheiten genau und methodisch 
(vgl. besonders den abschnitt III über den einfluss Popes auf den versbau und reim 
in den Jugenddichtungen Byrons mit seinen trefflichen allgemeinen bemerkungen 
und den mühsamen tabellarischen Übersichten über besondere eigenthümlichkeiten 
beider dichter) , sondern er ist auch in der Veranlagung seiner verschiedenen ge- 
sichtspunkte erschöpfend und weiss die einseitigkeit zu vermeiden, welche dem 
untersucher von dergleichen litterarischen abhängigkeitsverhältnissen nur allzu nahe 
liegt. — Referent erklärt mit befriedigung, dass die thatsächlichen angaben Weisers 
über Pope entweder solche sind , aus denen er neues gelernt , oder solche , welche 
durch seine beschäftigung mit diesem dichter vollständig bestätigt werden. Gerade 
weil referent gelegenheit gehabt, einen möglichst scharfen ausdruck seiner eigenen 
ansieht von Popes wesen und bedeutung zu versuchen , muss er es auch als einen 
vorzug der Weiserschen abhandlung ansehen , dass der herr Verfasser im all- 
gemeinen wie im besonderen seine ausführungen von seiner ansieht über Pope 
und überhaupt von jeder ästhetischen oder historischen theorie unabhängig zu 
halten gewusst hat. Die resultate seiner Untersuchungen stehen für leute mit den 
verschiedensten auffassungen von Popes poetischem werth und historischer bedeutung 
gleich fest. Dass sich referent durch die begeisterung Byrons für Pope in seiner 
historischen auffassung des dichters nicht hat irre machen, oder vielleicht belehren 
lassen, glaubt er gezeigt zu haben; wie er sich aber die ausspräche Byrons dennoch 
ziemlich wol erklären zu können meint, das auszuführen, ist hier nicht der geeignete 
ort. Nur darauf möchte referent im anschluss hieran aufmerksam machen, dass es 
ihm unter allen umständen gewagt erscheint, Pope schlechtweg als einen epischen 
dichter zu bezeichnen, wie es Weiser s. 253 thut. Wenn man Pope einmal nach 
seiner thätigkeit für die gattungen der poesie schematisch einen platz anweisen 
will, so kann man ihn noch am ersten einen didaktischen dichter nennen, und in 
seinen didaktisch -satirischen oder mehr nur moralischen dichtungen hat ihm 
auch Byron vorzugsweise nachgestrebt. Wo Byron sich mehr zum epischen stile 
erhebt, da macht er sich bald von Pope los, ein beweis seines echten genies. 



Lehr- und Übungsbücher für die englische spräche. I 2 7 < 

Uebrigens wird Weiser dieser Sachlage selbst gerecht, indem er auf s. 254 hervor- 
hebt, dass Byrons Childe Harold, obwol den als Jugenddichtungen bezeichneten, 
meist viel weniger vollkommenen, moralisch-satirischen werken gleichzeitig, schon 
den Stempel der meisterschaft trage. Vielleicht hätte diese ohne zweifei höchst 
interessante thatsache eine etwas stärkere betonung verdient. 

Breslau, märz 1878. 

F. Bobertag. 



LEHR- UND ÜBUNGSBÜCHER FÜR DIE ENGLISCHE SPRACHE. I.i) 

I. Anleitung zur erlernung der englischen spräche und zum übersetzen ins Eng- 
lische. Von Dr. Emil Kade, professor bei dem königl. sächs. cadettencorps. 
Siebente, durchgängig verbesserte aufläge. Hamburg, Händcke und Lehmkuhl. 
1877. VIII und 276 seiten. 

»Dem englischen unterrichte in öffentlichen anstalten eine wissenschaftliche 
unterläge zu geben, ohne den praktischen bedürfnissen zu nahe zu treten, war der 
leitende gedanke bei meinen grammatischen arbeiten.« Mit diesen worten beginnt 
die vorrede, die dann noch einige erläuterungen gibt über die specielle art und 
weise, wie der Verfasser seine grundidee zu verwirklichen gesucht hat. Die 
durchsieht des buches zeigt, dass das aufgestellte programm in anerkennenswerther 
weise durchgeführt worden ist. Die verheissene wissenschaftlichkeit darf man al- 
lerdings nicht in linguistischen oder sprachgeschichtlichen begründungen und no- 
tizen, oder in einem einheitlichen syntaktischen system suchen, sondern in einer 
klaren und zuverlässigen darstellung des modernen Sprachgebrauchs. In dieser be- 
ziehung aber leistet das buch sehr gutes, was um so verdienstlicher ist, als der 
Verfasser es verstanden hat, seinem einfachen und übersichtlichen Schematismus zu- 
gleich die methodischen abschnitte auf das geschickteste einzuverleiben. Während 
viele der gangbarsten englischen lehrbücher mit dem trivialsten Übungsmaterial 
angefüllt sind, hat herr dr. Kade nur durchweg gediegene beweisstellen 
und übersetzungsstoffe in für alle bedürfnisse genügender reichhaltigkeit bei- 
gebracht. Als durchaus zweckmässig kann es bezeichnet werden, dass an pas- 
senden stellen listen der bekanntesten vocabeln eingereiht sind , so z. b. bei der 
lehre vom gebrauch des artikels: Christian Names, The five Continents, The coun- 
tries of Europe, The prineipal cities in Europe etc. Diese vocabeln bleiben aber 
kein todtes material, sondern sie werden sofort in den unmittelbar folgenden 
Übungsaufgaben ausgiebig verwendet. Ueberall, wo die ausspräche zweifei erregen 
könnte, ist sie nach der Worcester' sehen methode bezeichnet worden, so dass ein 
aufmerksamer schüler bald befähigt wird, sich auf diesem schwierigen gebiete 
selbständig zurecht zu finden. Wenn wir schliesslich noch erwähnen, dass die aus- 
stattung des buches eine gute und der druck musterhaft correct ist , so glauben 
wir die anleitung von Kade für eins der brauchbarsten lehrmittel zur erlernung 
der englischen spräche erklären zu dürfen. 



J ) Diese rubrik soll womöglich von jetzt ab in jedem hefte liguriren. 1 >ie 
redaction hat für die bearbeitung derselben einen erfahrenen schulmann gewonnen 
und hofft dadurch sich den dank besonders derjenigen leser der --Engl. Stadien« 
ZU erwerben, welche selbst lehrei des Englischen an schulen sind und sich Über 
einführung oder nichteinführung von neuerschienenen Lehrbüchern schlüssig EU 
machen haben. E. K. 

i8 # 



21 6 Litteratur 

2. Elemcntarbuch der englischen spräche zum schul- und Privatunterricht von Dr. 
Immanuel Schmidt, director des Victoria-instituts zu Falkenberg in der Mark. 
Fünfte, durchgesehene und verbesserte aufläge. Preis: ungebunden i m. 8o pf. 
Berlin 1876. Haude- & Spener'sche buchhandlung. X und 327 seiten. (Lehr- 
buch der engl, spräche. Erster theil.) 

3. Grammatik der englischen spräche für obere klassen höherer lehranstalten von 
Dr. I. Schm idt. Zweite, vollständig umgearbeitete aufläge. Preis: ungebunden 
3 mark. Berlin 1876. XII und 520 seiten. (Lehrbuch der engl, spräche. 
Zweiter theil.) 

4. Englische schulgrammatik in kürzerer fassung von Dr. I. Schmidt. Auszug aus 
der »Grammatik der englischen spräche für obere klassen höherer lehranstalten». 
Preis: ungebunden I mark 80 pf. Berlin 1876. VIII und 287 seiten. 

5. Uebungsbeispiele zur einübung der englischen syntax für höhere klassen von 
Dr. I. Schmidt. Preis: ungebunden I mark 60 pf. Berlin 1878. VI und 
244 seiten. 

Unter den neueren lehrbüchern der englischen spräche nehmen die des dr. 
Immanuel Schmidt eine hervorragende stelle ein. Sie zeugen von einem erstaun- 
lichen fleisse des Verfassers, nicht nur hinsichtlich der quantität des aufgespeicherten 
theoretischen und praktischen materials, sondern eben so sehr in bezug auf die der 
durcharbeitnng desselben gewidmete Sorgfalt. Der Verfasser ist ein ausgezeichneter, 
feiner kenner der englischen spräche und, wie man auf jeder seite erkennt, ein 
erfahrener pädagog, der bemüht ist, die reichen schätze seines wissens dem Unter- 
richt dienstbar zu machen, indem er alle seiten des wirklichen sprachlebens auf 
dem boden der grammatik in thätigkeit zu versetzen sucht. Die Schmidt' sehen 
lehrbücher haben etwas frisches, anregendes, das gewiss geeignet ist, in dem ju- 
gendlichen geiste ein lebhaftes interesse zu erwecken. Der schüler empfängt nicht 
ein trockenes gerippe des Sprachorganismus, sondern einen einblick in dessen lebens- 
funetionen, und da die spräche eng mit dem innersten wesen der nation, der sie 
angehört, zusammenhängt, so werden englische sitten, gebrauche und einrichtun gen 
in reichem masse berücksichtigt und erklärt. Sogar die illustration wird benutzt : 
seite 92 finden sich die drei englischen hauptmünzen (sovereign, Shilling, penny) 
abconterfeit. Analogien aus den übrigen schulsprachen, besonders aus dem Fran- 
zösischen und Lateinischen, hie und da auch aus dem Griechischen, werden herbei- 
gezogen, synonymische und didaktische bemerkungen in reichem masse eingestreut^ 
So werthvoll an sich diese gaben sind, so scheinen sie doch, wenigstens für das 
elementarbuch, einigermassen über das unterrichtsbedürfniss hinaus zu gehen. Das 
elementarbuch würde sicher gewinnen , wenn manches gestrichen und dem lehrer 
überlassen, anderes vielleicht in einen anhang verwiesen würde. Zu den überflüssig- 
keiten im elementarbuch rechnen wir z. b. anm. 3, p. 5 : Das scharfe th entspricht 
dem #, das weiche th dem S der Neugriechen. — Was wissen die schüler, was 
wissen die meisten lehrer vom Neugriechischen? — Als beiläufige notiz hat diese 
angäbe eben so wenig werth. — Pag. 6, anm. I werden experimente angegeben, 
wie das weiche s in Wales heraus zu bekommen ist; p. 9 wird auf das weiche s 
in dem (phonetisch bezeichneten) is und was, p. 12 auf den unterschied der star- 
ken und der schwachen declination im Deutschen aufmerksam gemacht. Solche 
dinge überlasse man doch dem lehrer ; sie sind nur in büchern für den Selbst- 
unterricht am platze. 



Lehr- und Übungsbücher für die englische spräche. I 277 

Uebrigens beeinträchtigen diese entbehrlichkeiten den eigentlichen lehrstoff 
keineswegs. Er behandelt die wortlehre und die unentbehrlichsten erscheinungen 
der syntax in gründlichster weise. Die Übungsbeispiele in beiden sprachen, beste- 
hend in einzelnen sätzen und zusammenhängenden stücken, sind gut gewählt und 
in grosser reichhaltigkeit vorhanden. Die ausspräche ist, wo es irgend wünschens- 
werth erscheint, nach einem eigenen, leicht verständlichen system auf das genaueste 
bezeichnet, eine grosse erleichterung für lehrer und schüler. 

Den zweiten cursus bildet die englische schulgrammatik. Sie bietet in einem 
einfachen, dem idiom durchaus angemessenen Schematismus alles, was in prima 
und secunda irgend gewünscht werden kann ; der praktische werth Hesse sich viel- 
leicht durch eine kleine Verslehre noch erhöhen. 

Uebungsstücke zum übersetzen in das Englische enthält die schulgrammatik 
nicht. Für solche ist durch ein besonderes buch (n. 5) in genügender ausdeh- 
nung gesorgt. Sie sind mit genauer anlehnung an die schulgrammatik geordnet 
und bearbeitet 'und ermöglichen durch reichliche fingerzeige und vocabeln eine 
correcte Übertragung. Einen besonderen werth erhält das vocabularium durch ein- 
gehende berücksichtigung der Synonymik, und der Verfasser nimmt mit recht an, 
dass die von ihm entwickelten begriffsbestimmungen auch den fachgenossen will- 
kommen sein werden. 

Die übersetzungsstoffe sind fast durchweg inhaltreich und gediegen; doch wird 
sich später wol veranlassung finden , hie und da einige änderungen eintreten zu 
lassen. So gestehen wir offen, dass wir die pointe des satzes 25, seite 64, und 
des satzes 19, seite ioi, nicht verstanden haben. Allzu lange sätze, wie z. b. satz 
14, seite 100, scheinen uns für die stilbildung nicht förderlich zu sein. — An 
grösseren zusammenhängenden stücken fehlt es fast ganz ; es ist dies ein auffallen- 
der mangel des sonst so brauchbaren buches. 

Zu den Übungsstücken des elementarbuchs und den Übungsbeispielen ist ein 
Schlüssel erschienen, der nur an lehrer, die sich als solche legitimiren, abgegeben 
wird. Angeblich hat sich der Verfasser zur herausgäbe desselben nur entschlossen, 
um zu verhüten, dass ein solcher von seiten eines unbefugten den schülern in die 
hände geliefert werde. Dies hätte sich aber auch durch den vermerk : Die her- 
ausgäbe einer Übersetzung der in diesem buche enthaltenen Übungen ist untersagt 
— erreichen lassen. Wenn ferner bemerkt wird, dass vielfach der wünsch nach 
einem Schlüssel ausgesprochen worden sei, so glauben wir das gern ; halten aber 
trotzdem die existenz einer solchen eselsbrücke für schädlich. Was dem schüler 
zugemuthct wird, muss doch mindestens der lehrer leisten können. Ist ein Schlüs- 
sel einmal vorhanden, so ist ein missbrauch mit unbedingter Sicherheit nicht zu 
verhindern. Das beste mittel, um solche hülfsmittel entbehrlich zu machen , i-:. 
dass man im übersetzen aus dem Deutschen in eine fremde spräche überhaupt nur 
angemessene, d. h. massige anfurderungen stellt. 

Die grammatik der englischen spräche desselben Verfassers (u. j) gibt eine 
ausführliche darstellung des gesammten lehrgebäudes genau nach der anordnung 
der schulgrammatik, so dass strebsame schüler, welche nach der schulgrammatik 
unterwiesen sind und selbständig weitere belehrung suchen, sich ohne Schwierig- 
keiten zurecht linden können. Die materiell der schulgrammatik sind hier ver- 
mehrt vorn durch eine einleitung (Kurze geschichte der englischen Sprache und lii- 
teratur. Charakteristik des Englischen) Und eine lautlehre, die an Vollständigkeit 
und Zuverlässigkeit nichts zu wünschen übrig lässt, im anhange durch eine kurze. 



2 7 8 Litteratur 

aber für schulet ausreichende Verslehre. Für eine grammatik hätte zwar die ge- 
schichte der spräche genügt, doch wird die kleine litteraturgeschichte gewiss man- 
chem willkommen sein. — Eine werth volle bereicherung ist ferner die wortbil- 
dungslehre, die auf 44 Seiten eine klare einsieht in die entstehung, bedeutung und 
gestaltung des englischen Wortschatzes gewährt. 

Was oben von den Schmidt'schen lehrbüchern überhaupt gesagt wurde, gilt 
von der grammatik für obere klassen in hervorragender weise. Die Sorgfalt in der 
behandlung jeder einzelnen materie kann nicht überboten werden. Für das mo- 
derne Englische ist die darstellung erschöpfend zu nennen. Recht glücklich ist 
die Verbindung der systematischen mit der heuristisch entwickelnden methode, 
wodurch das buch geeignet wird, sowol als grundlage beim unterrichte , wie als 
nachschlagebuch und zum ergänzenden Selbststudium zu dienen. Die ausstattung 
ist sehr gut, der druck von musterhafter correetheit. 

Drittes programm der städtischen realschule II. o. zu Borna. Inhalt: 1) Abriss 
der englischen formenlehre. Von oberl. dr. H. Wernekke. 4. 38 Seiten. 
2) schulnachrichten. Borna, 1876. Progr. Nr. 438. 

Während die lehrbücher von Kade und Schmidt den hergebrachten gramma- 
tischen Schematismus zu gründe legen, für den die lateinische und die deutsche 
grammatik vorzugsweise massgebend ist , sucht herr dr. W. seine formenlehre der 
natur der englischen spräche selbst und der verfahrungsweise der englischen 
nationalgrammatiker (?) anzupassen , indem er zugleich beabsichtigt , einen der 
Klotz' sehen methode, welche die leetüre zur grundlage und zum mittelpunkt des 
neusprachlichen Unterrichts macht, angepassten leitfaden in die hand des schülers 
zu geben. Der grammatische Schematismus des abrisses weicht von der allgemein 
gebräuchlichen anordnung sehr stark ab, da ihm eine art philosophischer grammatik 
zn gründe liegt; z. b. werden bei der conjugation zwölf zeiten angenommen, die 
aus den combinationen der drei hauptzeiten (present, past, future) und ihrer vier 
beziehungen (als imperfect , perfect , continuous , indefinite) sich ergeben. Nach 
dieser methode treten die formen der Umschreibungen der dauernden thätigkeit 
(von einigen grammatikern wol auch progressive form oder durative genannt) sofort 
in das conjugations-paradigma. So sinnreich diese idee ist, so sehr sie das ver- 
ständniss der bedeutung der zeiten bei vorgerückten schülern unterstützt, so scheint 
sie uns doch in ihrer anwendung beim elementarunterricht verfrüht. Nicht nur ist 
eine terminologie, die ausdrücke enthält wie: indefinite present tense, perfect con- 
tinuous past tense, imperfect future tense etc., für den anfänger viel zu schwer, 
sondern es scheint uns auch ein methodischer irrthum zu sein , wenn die syntax 
der verbaltempora zugleich mit der conjugation erschöpfend gelehrt werden soll. 
Für den anfänger dürfte es erspriesslicher sein, wenn er das gebräuchliche con- 
jugationsschema lernt und nach und nach beim fortschreiten der leetüre und durch 
besondere belehrung auf das wesen der einzelnen zeiten und die periphrastischen 
ergänzungen anfmerksam gemacht wird. Ob übrigens die beiden formen des im- 
perfect und perfect continuous future tense (he will be writing, he will have been 
writing) wirklich vorkommen, dürfte sehr zu bezweifeln sein. Anerkannte gramma- 
tiker statuiren für diese periphrase nur präsens, imperfect, perfect und plusquam- 
perfect. Eine Situation , in der die form : he will have been writing , gebraucht 
werden könnte, ist nicht recht denkbar. — Auch mit dem Schema der decli- 
nation : 



Lehr- und Übungsbücher für die englische spräche. I 279 

possessive case 
Nom. & objective case ^ 

singular — of — — 's 

plural — s of — s — s ' 
vermögen wir uns nicht zu befreunden. Wir ziehen die anordnung: 

Singular Plural 

n. — n. — s 

g. of — ('s) g. of — s (s') 

d. to — d. to — s 

acc. — acc. — s entschieden vor. 

Noch zweckmässiger erscheinen uns übrigens einige durchdeclinirte substantiva. 
Ganz abweichend von dem bisherigen usus ist ferner die behandlung der pronomina 
und der adjectiva; wir müssen auch hier der alten methode den vorzug der prak- 
tischen brauchbarkeit einräumen. 

Im allgemeinen können wir so durchgreifenden neuerungen im grammatischen 
Schematismus keinen besonders hohen werth beilegen. Die bisherige Systematik 
ist zum verständniss der spräche jedenfalls ausreichend, und da sie in der haupt- 
sache bei den verschiedenen schulsprachen dieselbe ist, so werden die gegenseitigen 
beziehungen , die Unterstützung der einen spräche durch die andere hierdurch 
wesentlich erleichtert. 

Wünschenswerth ist allerdings die kenntniss der Originalterminologie der 
fremden spräche, sowie der ansichten der fremden grammatiker über ihr eigenes 
idiom. Beide punkte werden von den deutschen grammatikern wol nicht so sehr 
vernachlässigt, als der Verfasser anzunehmen scheint (p. 5 u. 7). Was er selbst 
in dieser hinsieht bietet, verdient jedenfalls anerkennung und macht nach unserer 
meinung den lehrern der englischen spräche die kenntnissnahme vom »Abriss« vor- 
zugsweise empfehlenswerth. Sie werden ohne zweifei manche belehrung und an- 
regung daraus schöpfen. Als Schulbuch wird er seinen Wirkungskreis wol haupt- 
sächlich^ da finden, wo die Klotz' sehe methode eingeführt ist. Dass er sich 
dabei recht brauchbar erweisen kann, darf bei der tüchtigkeit des lehrstoffs bereit- 
willig zugestanden werden. 

Englisches lesebuch für töchterschulen von dr. Otto Ritter, Oberlehrer an der 
Sophienschule zu Berlin. 2. aufl. Berlin 1877. E. Weidling. IV u. 235 seiten. 

Zur einführung in die leetüre neuerer sprachen erscheinen uns chrestomathieen 
unentbehrlich oder wenigstens in hohem grade wünschenswerth. Zu den besten 
derartigen Schulbüchern kann vorgenanntes lesebuch gezählt werden. Der umfang 
desselben ist massig, doch reicht er für die bedürfnisse der ersten zwei oder drei 
jähre völlig aus. Der inhalt zerfällt in: I. Anecdotes , II. Tales and Stories, 
III. History. Biography. Literature , IV. Poetry. Die auswahl ist eine nach 
form und inhalt ganz vorzügliche und wird nicht nur die kenntniss einer muster- 
gültigen spräche, sondern auch werthvoller und anziehender Stoffe vermitteln. 
Ueberall ist nur der text gegeben; annierkungen und ein specialwörterbuch fohlen. 
Mit dieser einrichtung können wir uns aus pädagogischen gründen nur einverstanden 
erklären; dagegen vermissen wir ungern einige orthoepische beihiilfen bei Wörtern, 
deren ausspräche besondere Schwierigkeiten macht. — Die äussere ausstattung des 



280 Litteratur. M. Ketzsch, Outlines to Shakespeare's dramatik wofks 

büchleins ist gefällig, der druck correct. Wir empfehlen es der beachtung der- 
jenigen schulen, an die es sich zunächst wendet. 
Breslau, april 1878. 

W. Bertram. 



Outlines to Shakespeare's dramatic works. Designed and engraved by Moritz 
Retzsch. Fourth edition. With a biographical sketch and explanations. 
Leipzig. Ernst Fleischer (C. A. Schulze). 1878. Pr. 20 m. 

Es würde ein heraustreten aus der Sphäre der *Engl. Studien« sein, wenn ich 
es unternehmen wollte, über den künstlerischen werth dieses mir zur anzeige vor- 
liegenden werkes ein urtheil auszusprechen und seine begiündung zu versuchen, 
auch dürfte das eine sehr überflüssige mühe sein, da Retzsch's illustrationen zu 
Shakespeare und Goethe als hervorragende leistungen schon längst anerkannt sind. 
Ich begnüge mich also damit, zu bemerken, dass die bilder sich auf acht stücke: 
Hamlet, Macbeth, Romeo and Juliet, King Lear, The tempest. Othello, The merry 
wives of Windsor und King Henry IV erstrecken, und dass die sehr schöne aus- 
stattung und der englisch abgefasste text (NB. Sollte es sich nicht bei einer 
neuen ausgäbe empfehlen, den deutschen text in einer parallelcolumne beizufügen?) 
zu seiner Verbreitung besonders auch in der heimath des dichters wesentlich bei- 
tragen dürften. Auch der verhältnissmässig sehr billig gestellte preis ist rühmend 
hervorzuheben. 
Breslau. 

E. Kölbing. 



MISCELLEN. 



ZUR LEGENDENFORSCHUNG. 

Zarncke : Ueber den ahd. gesang vom heiligen Georg (Berichte der kgl. sächs. 
ges. der wiss, Hist. phil. kl. 26 bd. 1874) p. 4 bemerkt über die Georgslegende: 
»Beide redactionen der legende (d. h. die griech. und die lat.) haben im ma. auf 
einander eingewirkt. Wir sehen die griechische redaction interpolirt aus der la- 
teinischen , die lateinische corrigirt und interpolirt aus der griechischen , die auch 
im ma. bereits grössere historische fides beanspruchen zu können schien, so dass 
also mischredactionen entstanden .... Diese Vorgänge in der geschichte der legende 
liegen aber theihveise noch sehr im unklaren, weil die ausreichende kenntniss des 
materials noch nicht ermöglicht ist.« 

Diese beobachtung hatte ich bei abfassung meiner arbeiten über die Theo- 
philus- und Caeciliensage unberücksichtigt gelassen und auch den beurtheilern der 
betreffenden aufsätze scheint sie entgangen zu sein , sie würden sonst wol darauf 
hingewiesen haben ; denn die thatsache, dass die verschiedenen prosaversionen von 
legenden gegenseitig auf einander eingewirkt haben — das von einer bewiesene 
hindert uns niemand, wenn wir grund dazu haben, auch auf andere zu über- 
tragen — ist sehr geeignet, ein licht auf die resultate zu werfen, zu welchen ich 
durch meine Untersuchungen gelangt bin. Bei der Theophilussage handelt es sich 
hauptsächlich um die beiden lateinischen prosafassungen G. und P. G. ist eine 
genaue Übersetzung des griech. Vindob. ; wenn nun eine anzahl späterer fassungen, 
zu b. L (Stud. I p. 25), ferner Marbod, Adgar, Radewin, Hroswitha (vgl. Beitr. 
P- 37 1 Stud. p. 20 f.) im allgemeinen /auf P zurück weisen, daneben aber an 
mehreren stellen unverkennbar mit G gehen, so liegt die vermuthung sehr nahe, 
dass ihre vorlagen durch mit hinzunahme <des Vindob. corrigirte und ergänzte hss, 
von P repräsentirt werden. Ebenso sind bei der lat. Caecilienlcgendc misch- 
redactionen anzunehmen, entstanden dadurch, dass £ine version die andere direct 
beeinflusste. Damit sind_wir nun allerdings schon an der grenze der forschung an- 
gelangt; aber was sollte auch noch weiter geleistet werden? Die aufstellung eines 
Stammbaumes der verschiedenen Versionen wird durch das von mir gewonnene 
resultat eben unmöglich gemacht. Und ist es nicht schon ein anerkennenswerther 
fortschritt, dass überhaupt das Vorhandensein von mischredactionen durch minutiöse 
und mühsame vergleichung erwiesen worden ist, \\.> andere -ich mit oberflächlichen 



282 Miscdlen 

urtheilcn begnügten? Wenn dagegen kürzlich ein recensent von Engl. st. I 2. 3 
(Jen. literaturz. 1878, p. 70) behauptet hat, meine früheren aufsätze hätten viel- 
fach mit einem »non liquet« abgeschlossen, so ersuche ich ihn direct, mir die 
vielen aufsätze, die er dabei im äuge hat, zu nennen! 

E. Kölbing. 



AUSLASSUNG DES RELATIV-PRONOMENS IM AGS. 

Die »Satzlehre der englischen spräche von Friedrich Koch» enthält auch in 
ihrer zweiten, von prof. Zupitza besorgten aufläge § 362 die bemerkung, dass im 
Angelsächsischen das relativ - pronomen nur »scheinbar« fehle, und es wird dann 
als »völlig vereinzelt« eine allerdings verdächtige stelle aus Beda angeführt. Da 
sich der bearbeiter unter andern auch die aufgäbe gestellt hat, »von ihm bemerkte 
versehen des Verfassers in einzelheiten zu berichtigen < (p. X), und dies auch viel- 
fach geschehen ist, er aber zu der oben angeführten behauptung nichts notirt hat, 
so erlaube ich mir , kurz darauf hinzuweisen , dass ich in meinen Untersuchungen 
über den ausfall des relativ-pronomens in den germ. sprachen , Strassburg 1872, 
p. 15 ff. eine ganze anzahl belege für den wegfall des relativ-pronomens aus der 
ags. poesie nachgewiesen habe, gegen deren richtigkeit, so viel ich weiss, niemand 
einsprach gethan hat. Da bei dergleichen selteneren grammatikalischen er- 
scheinungen jedes neue beispiel von interesse ist, so füge ich hier ein paar weitere 
bei. 1) Wegfall des relativ-pronomens im aecusativ: Gen. 1424 ff.: pser se 
hälga bäd j sunu Lameches sodra geh ata | lange präge, hvonne 
him lifes veard | freä älmihtig frecenra sida | reste ägeäfe, psera 
he rüme dreäh — Dort harrte der heilige söhn Lamechs der wahr- 
haften verheissungen lange zeit, wenn ihm des lebens hüter, der 
allmächtige herr, ruhe gäbe von den furchtbaren reisen, die er 
weithin vollführt hatte; djreögan regiert nicht den genitiv. — 2) Wegfall 
des relativ-pronomens im nominativ: Cynew. Cri. v. 22 f. : Hüru ve for pearfe 
päs vord sprecad, | [ m 6 d geömre halsijgead Jjone mon gescop = 
Ja, wir sprechen aus noth diese worte, beschwören bekümmerten 
herzens den, welcher den menschen schuf. 

Gelegentlich sei noch bemerkt, dass ich über die a. a. o. § 489 angeführte 
stelle Beda I, 1 : And, for pan pe pis eälond under päm silfum nord- 
dsele middangeardes nyhst liged, and |leöhte nihte on sumera 
hafad, im hinblick auf den betreffenden paragraphen bei Koch gehandelt habe 
in Zeitschr. f. d. phil. IV p. 348 f. 

Breslau. 

E. Kölbing. 



ENTGEGNUNG. 

Zu prof. Zupitzas besprechung des ersten bandes der »Englischen Studien« 
in Steinmeyers Anzeiger IV p. 247 — 257 erlaube ich mir folgende bemerkungen. 
1) Ueber meine ausgäbe der jüngeren englischen fassungen der Theophilussage 
sagt Z. p. 247: »Die legende ist in zwei paralleltexten gedruckt, für den einen 



Entgegnung 283 

sind zum theil zwei handschriften benutzt. Feste kritische grundsätze in der text- 
behandlung vermisse ich.e Da dieser letztere Vorwurf nicht weiter begründet 
wird, so muss er sich wol auf die nur theilweise benutzung zweier hss. be- 
ziehen. Die sache liegt so: die hs. T stimmt sachlich und graphisch sehr genau 
zu H. H wurde zu gründe gelegt und alle nennenswerthen (d. h. sach- 
lichen und dialektischen) Varianten von T in den noten mitgetheilt, soweit die hs. 
vorhanden und lesbar war. Höchstens einer oder der andere offenbare Schreib- 
fehler ist unerwähnt geblieben. Alle die stellen genau anzugeben, wo T unlesbar 
oder verbrannt ist , hätte nur dann einen zweck , wenn H sehr verderbt wäre, 
damit man genau wüsste , wo möglicher weise das verlorene T anders gelesen 
haben könnte. Die hs. H ist aber im gegentheil sehr sorgfältig geschrieben : 
auch Zupitza macht p. 248 nicht eine verderbte stelle namhaft ; folglich wären 
diese angaben über T absolut zwecklos gewesen. Dass bei meiner damaligen kennt- 
niss von den hss. mein verfahren, paralleltexte zu formiren, zu billigen war, haben 
z. b. Schipper und Wülcker direct hervorgehoben. Zupitza's Vorwurf erscheint also 
als unbegründet. 2) Ueber meine ausgäbe des Purg. Patr. I. äussert sich Zupitza 
p. 248 u. a. : »Auch dem text selbst ist nicht die wünschenswerthe aufmerksamkeit 
geschenkt worden. < Er macht dann — abgesehen von einigen, meist sehr harm- 
losen druckfehlern — einwendungen gegen c. sechs worte, resp. verse meines textes. 
Dass damit der Stoff erschöpft oder wenigstens nichts wichtiges mehr übrig ist, 
schliesse ich daraus , dass auch die grössten kleinigkeiten erwähnt worden. Ich 
möchte bezweifeln, dass bei einem texte von ca. 1200 zeilen diese ausstellungen 
genügen, um das obige abfällige urtheil zu begründen. 1) 3) Die von mir edirte 
Caecilienlegende angehend, bemerke ich nur, dass die lesarten of sipes (v. 4), 
all permost (v. 7), cold (v. 32), swilkin (v. 70), has (v. 282), pi (v. 450) 
[nicht pi, wie Zupitza vermuthet], cyuyn (v. 453) sämmtlich in der hs. stehen. 
Dass diese dinge alle sehr leicht zu ändern sind, liegt auf der hand ; ich gebe auch 
gern zu, dass, wenn ich sie im texte lassen wollte, ich sie mit (!) versehen musste. 
Repe in v. 201 ist verdruckt für Kepe. Einmal hat Zupitza selbst einen fehler in 
den text hinein gebracht, wenn er sagt: »Nach v. 245 ist ein punkt zu setzen.« 
Die stelle lautet im Zusammenhang v. 241 ff.. And efter bis, rizt as god 
walde, | Tyburcyus, pat I of talde, | bat brober was to Valiriane, | 
opon a day come him allane, | to luke how pat his brober ferd | for 
halines he of him herd. — Ich hatte nach v. 245 gar kein zeichen gesetzt, 
weil ich for als präp. auffasste und nach halines den ausfall eines pron. rel. 
annahm; doch kann man »for« allerdings auch mit »denn« übersetzen und 
dann gehörte hinter ferd ein komma, aber nimmermehr ein punkt. Oder liegt 
etwa in »v. 245« ein druckfehler ? Dergleichen finden sich nämlich auch in Zu- 
pitza's arbeiten, nicht nur bei mir; z. b. p. 249^ lies 69, 2, statt 69, 1; Anz. 
p. 14515 lies gleggr statt glagrr. Wichtiger ist: Uebungsbuch XXIV 
v. HO (von mir früher übersehen): lies: of be dryztyn statt of dryz- 
tyn u. s. w. 4) Eine beurtheilung der ausführlichen litterarischen und sprach- 
lichen einleitungen zu meinen ausgaben fehlt; die sprachlichen erörterungen 
werden überhaupt garnicht erwähnt. 5) Es fehlt jedes urtheil über die fünf auf- 



1) Das misstrauensvotum : »falls Kölbings darlegung des Sachverhaltes ganz 
richtig ist« (p. 2516)! begnüge ich mich, kurz zu registriren. 



284 Miscellen 

Sätze aus der neuenglischen litteraturgeschichte. 6) Statt eines zusammenfassenden 
urtheils über den vorliegenden band, wie es jedem erwünscht sein müsste, welcher 
über den werth dieses fachjournals aus Zupitza's recension unterrichtet zu sein 
wünschte, findet sich am Schlüsse nur wieder eine rüge über die druckfehler, ob- 
wol es dem Verfasser eben so gut wie uns anderen fachgenossen bekannt sein 
wird, dass der herausgeber einer Zeitschrift durchaus nicht für alle in derselben 
sich findenden druckfehler verantwortlich gemacht werden kann und darf. 

E. Kölbing. 



HEINRICH LEO. 

Am 24. april starb zu Halle Heinrich Leo nach langem leiden. Ihn hatte 
das fürchterliche geschick getroffen , dass eine tückische krankheit langsam , und 
schritt für schritt seinen geistigen menschen verzehrte , so dass der tod, als er an 
das lager trat, nur noch eine schale hinweg zu nehmen fand. 

Von den nekrologen, welche die Zeitungen über ihn brachten, waren manche 
nicht mit der pietät geschrieben, welche nach einem alten merkworte der todte, 
und zumal der geistig bedeutende todte, fordern darf. Man hat ihm eben noch 
nicht vergessen können , dass er sich einer herrschenden zeitströmung mit eifer 
und leidenschaft, sowie mit unleugbarem geschick und erfolg entgegengestellt hat. 
Die geschichte unserer zeit, die ja jetzt mit objectivität noch nicht geschrieben 
werden kann, wird über den conservativen parteimann Leo wol ein anderes urtheil 
zu fällen haben , als manche landläufige tages- und Wochenblätter es thaten , und 
auch den historiker Leo nach seiner eigenthümlichen begabung und seinem wirken 
besser würdigen. 

Von dem herausgeber dieser blätter aufgefordert, eine biographische skizze 
Heinrich Leo's zu liefern, werde ich, wie es sich für den ort schickt, den Sprach- 
forscher Leo hervorheben , den historiker und politiker aber nicht mehr als an- 
deutend erwähnen. 

Heinrich Leo war am 19. märz 1799 in Rudolstadt geboren. Er hat in 
seinen letzten lebensjahren, ungefähr um 1872, ein kleines schriftchen von 36 Seiten 
octav, nur für seine freunde und bekannten, unter dem titel »Zur geschichte 
unserer familie von H. Leo«, drucken lassen, in welchem er die nachrichten über 
sein geschlecht, wie er sie durch lange nachforschungen festgestellt hatte, mittheilt. 
Darnach war sein vater, Johann Wilhelm Friedrich Leo, milizprediger in Rudolstadt, 
dann seit 1799 pfarrer in Braunsdorf, der den 12. august 1807 starb, und seine 
mutter Sophie Johanna Katharina geb. North, eine tochter des hof- und consistorial- 
raths North zu Rudolstadt, die bis zum i. august 1845 lebte. Die familie Leo's 
lässt sich bis zu den letzten jähren des dreissigj ährigen krieges sicher zurück ver- 
folgen , wo Leo's in Erfurt angesessen waren. Eine familiensage von grosser 
Wahrscheinlichkeit berichtet aber, dass die Leo's aus Italien stammen, und von 
einem oberst Leo Jacopo dei Medichini , einem erst spinolaschen , dann wallen- 
steinschen , dann tillyschen heerführer nach Deutschland verpflanzt worden seien, 
welcher sich, zum protestantismus übergetreten, in Erfurt ansässig gemacht habe, 
und mitglied des erfurter stadtadels geworden sei. Er entstammte einer mailän- 
dischen adelsfamilie. 



M. Heyne, Heinrich Leo 285 

Heinrich Leo ward auf dem gymnasium von Rudolstadt für den gelehrten 
beruf vorgebildet, und bezog im jähre 18 16 die Universität Breslau, anfänglich um 
medicin zu studieren , wandte sich aber bald der geschichte zu , und gehörte als 
Student noch den Universitäten Jena und Göttingen an. Die früheste frucht seiner 
historischen Studien ist das kleine buch über die Verfassung der freien lombardischen 
Städte im mittelalter, Rudolstadt 1820. Er war kurze zeit privatdocent der geschichte 
zu Erlangen, erhielt dann anstellung an der Universität und bibliothek zu Berlin, 
eine stelle, die er im Jahre 1827 aufgab, und wurde nach kurzem privatisiren an 
die Universität Halle berufen, an der er unausgesetzt über 40 jähre gewirkt hat. 

Wie früh das interesse Leos an germanistischen Studien geweckt worden ist, 
lässt sich genau nicht sagen. Der boden dafür war lange in ihm bereitet ; gehörte 
er doch nach seiner ganzen geistesrichtung der romantischen schule an, und stand 
er doch in vaterländischer begeisterung hinter seinem väterlichen bekannten , dem 
turnvater Jahn, nicht zurück. In bestimmte bahnen gelenkt wurden diese germa- 
nistischen Studien durch Grimm 's Grammatik , von welcher sich eine unbedingte 
abhängigkeit in allen grammatischen fragen auf lange hinaus bei Leo zeigt. 
Das capitel über die spräche der Langobarden in dem ersten 1829 erschienenen 
bände seiner Geschichte der italienischen Staaten , ist die früheste germanistische 
arbeit Leos , ein capitel von nur sechs Seiten , in welchen er die uns erhaltenen 
worte der langobardischen spräche in ihren grammatischen beziehungen untersucht, 
und auf grund der Untersuchung zum schluss kommt, dass die mundart der Lango- 
barden der altsächsischen näher als der althochdeutschen gestanden habe. 

Von da ab gewahren wir ein eifriges Sprachstudium Leos., das er inmitten 
anderer historischer und polemischer arbeiten nie mehr vernachlässigt. Hierbe: 
zeigen sich alsbald gewisse eigenthümlichkeiten. Die sprachen , die Grimm bei 
seinen arbeiten in den Vordergrund stellt , die gothische und mittelhochdeutsche, 
vernachlässigt Leo. Im Mittelhochdeutschen sind seine kenntnisse nicht sehr ein- 
dringend , das Gothische kennt er 1838 noch gar nicht, und holt das Studium 
dieser spräche erst später in bescheidenem masse nach ; dagegen fesseln ihn die 
dialekte, die die nördliche grenze des Deutschen bilden, das Angelsächsische und 
das Altnordische, in denen er sich bald ausgezeichnete kenntnisse erwirbt. Lud 
ferner, weit weniger zeigt er interesse für das äussere sprachgewand, als vielmehr 
für den geist des volkes, den ihm die spräche offenbart; die grammatische form 
ist ihm bis zu einem gewissen punkte gleichgültig , und feinheiten der laut- und 
flexionslehre, sowie der verskunst, bringt er wenig Sympathie entgegen. Dagegen 
das geistesleben, das ihm die spräche vermittelt, macht er sich bald mit vollstem 
verständniss zu eigen. 

. Seine weise zu studiren ist auch sonst eine seine geistesart kennzeichnende. Er 
nimmt sich eine spräche, in die er sich ganz versenkt, sie geistig so zu sagen auf- 
saugt, und die den mittelpunkt seines ganzen interesses bildet, um sie nach einer 
intensiven ausbeutung mit einer andern zu vertauschen , auf welche nunmehr das 
interesse eben so hervorragend übergeht. So können wir in den Leo'schen Sprach- 
studien drei perioden sehr scharf unterscheiden. In den dreissiger jähren bis 1842 
studirt er Altnordisch und Angelsächsisch, und beinahe alle seine germanistischen 
publicationen beziehen sich auf diese beiden sprachen. Im jähre 1842 hat er, 
jedenfalls durch das Angelsächsische angeregt, sich den keltischen sprachen zu- 
gewendet, und von nun an herrscht in seinen publicationen die tendenz vor, 
wechselbezüge der alten keltischen und der deutschen sprachen aufzufinden, 



2 86 Mi .eilen 

zwischen denen er sich eine Zeitlang sogar ein ähnliches mischverhältniss denkt, 
wie im Englischen rücksichtlicli der deutschen und romanischen demente besteht. 
Endlich im jähre 1850, in seinem 51. Lebensjahre, wirft er sich mit jugendlichem 
eifer auf das Sanskrit, und wiederum spiegelt sich dieses Studium in Untersuchungen, 
von denen die bedeutendste und umfänglichste einen viel innigeren Zusammenhang 
zwischen Indien und Germanien annimmt, als man beute zugestehen kann. 

Ein gebiet, dem sich leider Leo später nicht mehr zugewandt hat, betritt er 
in den jähren 1835 — 37 durch zwei culturgeschichtliche aufsätze in Raumers 
historischem taschenbuche: »Einiges über das leben und die Jebensbedingungen in 
Island in der zeit des heidenthums« und »Ueber burgenbau und burgeneinrichtung 
in Deutschland vom 11. bis zum 14. Jahrhundert«; zwei aufsätze auf grund einer 
reichen und sorgfältigen belesenheit geschrieben , und durch den vorzug des Leo' 
sehen geistes ausgezeichnet, dass er, man möchte fast sagen instinetiv, das eigen- 
tümliche leben unserer vorzeit erfasst , und in seiner darstellung von moderner 
denkweise fast gar nicht beeinflusst wird , wodurch diese aufsätze , wie fast alle 
späteren verstreuten bemerkungen über leben und geistesart der alten deutschen, 
den eindruck der unmittelbarsten Wahrhaftigkeit machen. 

Dem lernen des Angelsächsischen und des Altnordischen folgte das lehren 
auf dem fusse. Er kündigte schon in der ersten hälfte der dreissiger jähre 
neben seinen geschichtlichen Vorlesungen auch angelsächsische und altnordische 
an , und da namentlich für die angelsächsische spräche dem deutschen Studenten 
so gut wie gar keine hülfsmittel existirten, so Hess er im jähre 1835 , nur in 
IOO exemplaren, für seine zuhörer »Angelsächsische sprachproben« drucken, die 1838 
unter dem titel »Altsächsische und angelsächsische sprachproben« in vermehrter 
gestalt und mit einem verzeichniss angelsächsischer worte erschienen ; die anord- 
nung des letzteren lehnt allerdings an die Wortverzeichnisse in Grimms Grammatik 
an, ist aber in der durchführung doch wieder durch die Leo' sehe neigung charak- 
terisirt , worte vielmehr nach ihrer inneren Zusammengehörigkeit , als nach ihrer 
äusseren form und alphabetischer folge zu betrachten und zu ordnen ; diese neigung 
ist nachher bei seinem letzten werke, dem angelsächsischen glossar, besonders 
scharf durchgeführt. 

Das erscheinen des Kemble'schen Beowulf richtete die Leo'schen Studien sehr 
eindringlich auf dieses gedieht, und brachte 1839 jene berühmte und noch heut zu 
schätzende monographie , in der das gedieht namentlich nach seinen historischen, 
geographischen und mythologischen beziehungen gewürdigt wurde, eine arbeit, auf 
deren gründe alle späteren einschlägigen stehen. Die 1842 herausgekommenen 
Rectitudines singularum personarum, nebst einer einleitenden abhandlung über 
landansiedlung, landbau, gutsherrliche und bäuerliche Verhältnisse der Angelsachsen, 
schliessen die angelsächsischen publicationen Leo's derart ab , dass später bis zum 
jähre 1872 nur einzelne kleine abhandlungen in form akademischer gelegenheits- 
schriften nachtropften. Jene Rectitudines, eine mit den feinsinnigsten bemerkungen 
durchsetzte schritt, war den mitgliedern der juristischen facultät zu Halle gewidmet, 
als dank für die kurz vorher verliehene doctorwürde ; angeregt war sie durch 
Thorpes nicht in den buchhandel gekommene ausgäbe der ancient laws and institutes 
of England, welche die Rectitudines zum ersten male publicirt. 

1842 war Leo auf das Studium der keltischen spräche gerathen. Er hatte 
sich kaum einige monate damit beschäftigt, so glaubte er die entdeckung gemacht 
zu haben, dass die Malberg' sehe glosse der Lex salica nicht fränkisch, sondern 



M. Heyne, Heinrich Leo 287 

keltisch sei, brachte diese entdeckung schleunigst zu papier und Hess nur 25 exem- 
plare für freunde und bekannte drucken. Noch in demselben jähre führte er seine 
ansieht ausführlich vor: »Die Malbergische glosse, ein rest altkeltischer spräche 
und rechtsauffassung. Beitrag zu den deutschen rechtsalterthümern« (das zweite 
heft dieser abhandlung 1845). Ausserdem publicirte er von keltischen Studien 
neben kleineren aufsätzen in Haupt' s Zeitschrift (unter denen die keltische deutung 
des namens Germani) , und einem irischen lobgedicht auf den heiligen Patricius, 
1847 u. 1852, in zwei heften die Ferienschriften, meist grammatisches zu keltischen 
sprachen enthaltend, wovon wenigstens die grammatik der manxischen spräche eine 
durchaus selbständige arbeit ist. Damit schloss die reihe der keltischen publi- 
cationen. 

Die beschäftigung mit dem Sanskrit zeigte sich zuerst in kleineren 1853 er- 
schienenen arbeiten in Kuhns Zeitschrift, dann aber in ausführlicher und wuchtiger 
weise in dem ersten bände der Vorlesungen über die geschichte des deutschen 
volkes und reiches, der 1854 erschien. Ob die in diesem buche gegebenen aus- 
einandersetzungen über religiöse , politische , sittliche , grammatische Verhältnisse 
der Arier und der Germanen, ob die Zusammenstellung der Geten mit den Gothen, 
ob eine innigere gemeinschaft der Arier mit den Germanen geglaubt wird oder 
nicht — der vorzug der lebendigsten, anschaulichsten und anregendsten Schilderung 
kann nicht abgesprochen werden, und es ist ein grosser vorzug des buches, dass 
es an vielen stellen zu Widerspruch und nachprüfung anregt. 

Von 1854 bis 1872 hat Leo, abgesehen von kleinigkeiten, nichts sprachwissen- 
schaftliches veröffentlicht , aber sein interesse an den einmal ergriffenen Studien 
blieb durch Vorlesungen rege, die er in jedem semester, neben seinen eigentlichen 
fachcollegien, über Angelsächsisch und Altnordisch hielt, und zu denen sich immer 
eine kleine, aber treue zahl von zuhörern fanden; auch keltisch hat er einige mal 
privatissime gelesen. Seine letzte publication , das angelsächsische glossar , fällt 
in den beginn seiner unheilbaren krankheit. Die erste hälfte seines glossars vermochte 
er, wiewol mühsam, noch im drucke zu leiten, die zweite hälfte hatte er im manuscript 
zwar vollendet, war aber nicht mehr im stände, den druck zu überwachen ; konnte 
doch schon die einleitung, die er der ersten abtheilung vorausschickte, nicht ohne 
Überarbeitung gedruckt werden. 

Persönlich war Heinrich Leo einer der liebenswürdigsten und anregendsten 
menschen. Von der schärfe, die seine politischen artikel durchzieht, war im um- 
gange nichts zu spüren. Dass er keine fliege tödten konnte, ist ganz buchstäblich 
zu nehmen , denn wenn ihn eine störte , so fing er sie und liess sie durch das 
fenster in das freie. Die theilnahme für seine schüler kann nicht genug gerühmt 
werden. Ueber die Unabhängigkeit seiner gesinnung, auch der regierung gegenüber, 
der er diente, wäre manches zu berichten, wenn es hier gälte, den politischen Leo 
zu zeichnen. Man stellt auf gewisser seite Leo gern als einen politisch bekehrten 
hin , der von liberalen ideen zu reactionären gekommen sei. Gewiss ist , 1 
schon der Jüngling Leo von jener mittelalterlichen gesinnung durchdrungen war, 
aus der der kämpf gegen unsern Zeitgeist sein ganzes leben lang Boss. Man lese, 
was der einundzwanzigjährige in dem vorwort zu seinem erstlingswerke schreibt 
(s. XI ff.): »Darin unterscheidet sich eben die gesinnung und das leben im mittel- 
alter von dem unserer zeit, dass der entwicklungs- und bildungstrieb nicht auf das 
abschleifen der besonderheiten gerichtet war; jeder suchte in eigentliiimlicher dar- 
stellung seiner selbst seine bildung, und das allgemeine, welches das besondere 



288 Miscellen 

umschloss, war nichts gemachtes, nichts., was durch einen äussern zweck hervor- 
gerufen gewesen wäre, sondern es war das bewegende, was in jeder besonderheit 
von selbst sich fand , und was mächtig den einzelnen an sein Vaterland knüpfte ; 
es war das thun des volkes gleich dem thun des einzelnen , und das letzte nur 
eine eigentümliche entwicklung des ersteren. Der Staat hatte in diesem natür- 
lichen , nothwendigen band ein gewaltigeres, als in den bodenlosen lehren der 
schlaffen Sittenlehre unserer zeit, welche die lehre der unsiülichkcit ist, weil sie 
dem wahren wesen des lebens , in dem allein wahre Sittlichkeit besteht , höhn 
spricht und nirgends ihren grund hat, als in dem geist- undj[muthlosen gehirn 
derjenigen, welche das leben zii einer stereotypendruckerei machen, und den ewigen 
frieden durch ein bett des Procrustes herbeiführen möchten , damit sie dann in 
dulei quiete des lebens zweck erfüllen , und neue nützliche kartoffel- und kinder- 
erziel- oder erziehmethoden , oder andere brauchbare dinge der art zum heil der 
menschheit ungestört ausdenken können. Darin liegt aber der hass, der das 
mittelalter getroffen, dass in ihm noch keine weinerliche liebespredigten gehalten, 
und die gleichheit aller menschen noch nicht zur basis der Staatsverfassung ge- 
macht worden ist, sondern, wenn auch unbewusst, in jedem das gefühl lebte, dass, 
wenn in allen menschen etwas gleiches sei, dies nichts sein könne, als das, was 
auch die ganze natur theilt , die darstellung der gottheit in ihnen. Noch fiel es 
niemand ein , dass der stolz der stände unmenschlich sei , und , weil auch im 
bürger kraft lebte, und er sich seine besonderheit in ihrer ganzen darstellung als 
6ins ansah , war auch er stolz ; ihn drückte der stolz des ritters nicht , weil nur 
der schwache, der es verdient, gedrückt wird; jeder sah in sich und in andern die 
kraft des willens , die regsamkeit des lebens und die schärfe des geistes als das 
an , was ihn heben müsse , und man war noch nicht darauf gekommen , dass 
schwäche und dummheit von der kraft und dem verstand aus mitleid oder aus 
pflicht (aus humanität!) ihnen gleichgestellt werden müsse, sondern man überliess 
jede besonderheit sich selbst, damit ihr ihr recht geschähe.« Diesen ideen , die 
sein innerstes leben stets getragen haben, konnte er zu keiner zeit auch nur einen 
moment untreu geworden sein. Zur betheiligung an der burschenschaft hat ihn 
das deutsche moment, nicht das liberale, eine zeit lang gezogen. 

Das bild, welches die Illustrirte zeitung nach einer in Halle häufigen Photo- 
graphie Leo's aus dem ende der sechziger jähre in holzschnitt brachte, trifft die 
form des kopfes, aber nicht genau die züge, die etwas eigenthümlich strenges und 
doch wieder mildes hatten , und die durch ein paar äusserst freundliche , schöne 
braune äugen noch besonders belebt wurden. Der verstorbene war unter mittel- 
grosse , von feinem körperbau und kleinen gliedmassen , mit runden und raschen 
bewegungen. Mit Vorliebe trug er in früheren jähren einen blauen frack mit 
goldenen knöpfen , später allerdings häufiger einen schwarzen oder dunkelfarbigen 
rock. Besonders auffallend war an Leo, dem im herzen von Thüringen geborenen, 
dass er aller musikalischen enipfindung baar ging. 

Ich gebe nachstehend ein verzeichniss der sprachwissenschaftlichen schriften 
Leo's, ohne für Vollständigkeit einzustehen. Namentlich sind die artikel, die Leo 
für das Staats- und gesellschaftslexikon von Wagener geschrieben, nicht aufgeführt, 
weil mir das erwähnte werk hier nicht zugänglich ist. 

1829. Die spräche der Langobarden. In: Geschichte der italienischen Staaten 
von H. Leo (Hamburg 1829) th. I, s. 128 — 133. 

1835. Angelsächsische sprachproben (nur in 100 exemplaren). 



M. Heyne, Heinrich Leo 280 

1835. Einiges über das leben und die lebensbedingungen in Island in der 
zeit des heidenthums. In Raumers Histor. taschenbuch, 6. Jahrg., s. 375 — 548. 

1837. Ueber burgenbau und burgeneinrichtung in Deutschland von II. bis 
zum 14. Jahrhundert. In Raumers Histor. taschenbuch, 8. Jahrg., S. 167 — 245. 

1838. Altsächs. und angelsächs. sprachproben, herausgegeben und mit einem 
erklärenden verzeichniss der angelsächs. wörter versehen. Halle. 

1838. Die neue gestaltung der deutschen alterthumswissenschaft. In: Deutsche 
vierteljahrsschrift 1838, i. heft, p. 118— 136. 

1839. Von den sieben Vrumicheiten. Eine gelegenheitsschrift zur 25jährigen 
Jahresfeier des tages , an welchem herr prof. dr. Karl Witte die meisterschaft in 
den sieben freien künsten erwarb. Von Heinrich Leo, L. L. A. A. Mag. 1839 
am tage sct. Danielis (o. o., 18 s. 8°). 

1839. Beowulf, das älteste deutsche, in ags. mundart erhaltene heldengedicht 
nach seinem inhalte, und nach seinen historischen und mythologischen beziehungen 
betrachtet. Ein beitrag zur geschichte alter deutscher geisteszustände. Halle. 

1839. Zu mythologie und grammatik aufgelesenes. 1) Der name der Ni- 
belungen. 2) Der name der tauben. 3) Angelsächsischer ausdruck für Zauberei. 

4) Beitrag zu der lehre von der einwirkung der conjunctionen auf den casus. 

5) Soolaffe. 6) Der name Schilbung. In: Neue mittheilungen aus dem gebiete 
historisch-antiquarischer forschungen, 4. bd., 2. heft, Halle und Nordhausen 1839, 
s. 93—104. 

1842. Rectitudines singularum personarum; nebst einer einleitenden abhand- 
lung über landansiedlung , landbau , gutsherrliche und bäuerliche Verhältnisse der 
Angelsachsen. Halle. 

1842. Einiges zur lex Salica. In Haupt's Zeitschr. 2, 158 — 163. 

Chrenechruda. Ebenda, s. 163 — 167. 

Zur lex Salica. Ueber die ausdrücke , die in den stellen der lex Salica, 
welche von gräbern und deren Verletzungen handeln, vorkommen und nicht sich aus 
älterem latein erläutern. Ebenda, s. 297 — 301. Zur lex Salica. 1) Die Malbergische 
glosse der lex Salica. 2) Vorläufige bemcrkungen zur grammatik der Malbergischen 
spräche. Zuerst statt handschriftlicher mittheilung an freunde und befreundete in 
25 exemplaren gedruckt, wiederholt in Haupts's Zeitschr. 2, 500 — 533. 

1842. Die altdeutsche stammsage bei den Schotten. In Haupts Zeitschr. 2, 

533—535- 

1842. Die Malbergische glosse, ein rest altkeltischer spräche und rechts- 
auffassung. Beitrag zu den deutschen rechtsalterthümern. Halle, I. heft 1842. 
2. heft 1845. 

1843. Spicilegien zur deutschen grammatik aus der keltischen. Haupts 
Zeitschr. 3, 182—184. 531—534- 

Verschränkung der allitteration im angelsächsischen. Ebenda, 185. 
Kleinigkeit zur deutschen thiersage. Ebenda, 186. 

Etymologische vergleichung der deutschen götternamen, mit keltischen Wort- 
familien. Ebenda, s. 224 — 226. 

1844. Madoc. Ebenda 4, s. 565 — 567. 

Belgisches Keltisch noch anderwärts als in den Malbergischen glossen. 
Ebenda, s. 567 — 572. 

1845. Keltisches. 1) Alode. 2) Zeidel. 3) Halle und Säle. 4) Zeter. 
5) Germani. Ebenda 5, s. 509—514. 

Kölb in g, Englische Studien. II. 1. 19 



290 



Miscellen 



Commentatio de carmine vestuto hibernico in s. Patricii laudem scripta. 
Hälfe Saxonum. Universitätsschrift zur Veröffentlichung der Preisfragen. 

1847. Ferienschriften. Vermischte abhandlungen zur geschiente der deutschen 
und keltischen spräche. Halle. 1. heft : 1) Ueber das verhältniss der deutschen 
spräche zu den keltischen sprachen. 2) Einige bemerkungen zu altdeutschen 
eigennamen. 3) Grammatik des auf der insel Man gesprochenen dialekts der gae- 
lischen spräche oder des Manxischen. 

1848. De Anglosaxonum literis gutturalibus. Ilalis. Universitätsschrift zur 
Veröffentlichung der Preisfragen. 

1852. Ferienschriften. Halle. 2. heft: 1) Grammatik der irischen spräche. 
2) Rabe, blut und schnee. 3) Nachträge zu dem aufsatze des ersten heftes: Ueber 
das verhältniss der deutschen spräche zu den keltischen sprachen. 4) Die gaelischen 
Wörter zur bezeichnung der vierfüssigen hausthiere. 5) Die malbergische glosse. 

1853. Walhen und Deutsche. In Kuhns Zeitschr. für vergleichende Sprach- 
forschung, bd,. 2, 252 — 259. 

Frigg, Fiörgyn und rodor. Ebenda, s. 477 — 478. 

1854. Vorlesungen über die geschichte des deutschen volkes und reiches. 
1. band. Auch unter dem titel: Des deutschen volkes und reiches Ursprung und 
werden. 

1854. Einige bemerkungen über die spräche der Geten. Kuhns Zeitschr. 
Bd. 3, 176—193. 

1856. Denken und sprechen. Kuhns Zeitschr. 5, 423 — 430. 6, 150 u. 151. 

1857. Weser, Werra. Ebenda, s. 157. 

1857. Commentatio: quae de se ipso Cynevulfus, sive Cenevulfus , sive 
Coenevulfus poeta anglosaxonicus tradiderit. Halis. Universitätsschrift zur Ver- 
öffentlichung der preisfragen. 

1864. Recension von Heyne's Beovulf. Kuhns Zeitschr. bd. 12, s. 235 — 238. 

1864. Vom Ursprünge und character unserer spräche. In: Nominalistische 
gedankenspäne, reden und aufsatze von Heinrich Leo. Halle. S. 122 — 130. 

1865. Carmen anglosaxonicum in codice Exoniensi servatum quod vulgo 
inscribitur Ruinae edidit emendavit in linguam vernaculam transtulit et adnotationes 
adjunxit Henricus Leo. Halis. Universitätsschrift zur Veröffentlichung der Preis- 
fragen. 

1870. Die intensiven der deutschen sprachen. In Zachers Zeitschr. für deutsche 
philologie, bd. 2, 167 — 172. 

1872. 1877. Angelsächsisches glossar. Alphabetischer index dazu von Walther 
Bissegger. Halle. 

Basel, anfangs juni 1878. 

Moritz Heyne. 



VORLESUNGEN ÜBER ENLISCHE PHILOLOGIE AN DEN 

UNIVERSITÄTEN DEUTSCHLANDS, ÖSTERREICHS UND 

DER SCHWEIZ, 

IM SOMMERSEMESTER 1878. 

Basel: Historische grammatik der englischen spräche — pro f. Heyne. 
Shakespeare's Julius Caesar — prof. Soldan. 



Vorlesungen über engl, philologie an den Universitäten Deutschlands etc. 291 

Berlin: Abriss der mittelenglischen literaturgeschichte und erklärung von 
Chaucer's Canterbury tales — pro f. Zupitza. Erklärung von Dickens Cristmas 
Carol im seminar — derselbe. 

[An der akademie für moderne philologie: Einführung in das Studium des 
Ags. nach Körners gleichnamigem buche — Zernial. Spenser's Fairy queene — 
Herr ig. Shakespeare' s Julius Caesar — Leo. Byron' s dramatische werke — 
Rauch. The history of english literature since the restoration — Boyle. Exer- 
cices in english style — W r i g h t. Leitung von Übungen in freien engl, vor- 
tragen — derselbe.] 

Bern: Das vorlesungsverzeichniss war mir hier nicht zugänglich. 

Bonn: Shakespeare' s Heinrich VIII — pro f. Delius. Geschichte der eng- 
lischen litteratur — derselbe. Anfangsgründe der englischen spräche — lector 
Bischoff. Englische grammatik für geübtere — derselbe. Englische gesell- 
schaft — derselbe. 

Breslau: Beövulf — privatdocent Kölbing. Shakespeare' s Macbeth — 
derselbe. Engl, abtheilung des seminars für rom. und engl, philologie: Leetüre 
von Chaucer's Canterbury tales — derselbe. 

Czernowitz: Vac. 

Erlangen: Chaucer's Canterbury tales — pro f. Vollmöller. 

Freiburg i. B. : Vac. 

Giessen: Romanisch-englische gesellschaft — prof. Lemcke. 

Göttingen: Hebungen in der englischen spräche — prof. Müller. Angel- 
sächs. grammatik und leetüre des Beövulf — privatdocent Wilken. 

Graz: Englische grammatik und leetüre — lector Oppler. Ueber eng- 
lische spräche und litteratur — d e r s eil b e. 

Greifswald: Angelsächs. und altengl. sprachproben nach Zupitza' s Uebungs- 
buch — prof. Hoefer. König Alfred's angelsächs. Übersetzung des Boethius 
(edd. Fox. London 1864) — prof. Schmitz. Shakespeare-Übungen im seminar — 
derselbe. 

Halle: Englische litteraturgeschichte seit der restauration — prof. Elze. 
Spenser's Faerie-queene im seminar — derselbe. Englische grammatik. I. theil — 
lector Aue. Dicken's Cristmas Carol und praktische Übungen im seminar — 
derselbe. 

Heidelberg: Altengl. Übungen im seminar — prof. Bar t seh. Chaucer — 
prof. Ihne. Englisch -deutsche und [deutsch -englische Übungen im seminar — 
derselbe. Englische grammatik — lector Otto. 

Innsbruck: Erster cursus: Englische grammatik mit Übungen — lector 
Roes. Zweiter cursus: Practical exercises — derselbe. 

Jena: Vac. 

Kiel: Chaucer's Canterbury tales — prof. Stimming. Uebungen im Alt- 
ernd Neuenglischen — derselbe. 

Königsberg: Shakespeare's König Lear — prof. Kissner. Uebungen 
im neuphilologischen seminar — derselbe. 

Leipzig: Neuenglische litteratiirgeschichtc von anfang des 16. jahrli. bis 
mitte des 19. jahrh. — prof. Wülcker. Allenglisclie gesellschaft : Uebungen 
nach seinem lesebuchc. II. theil — derselbe. Geschichte der schottischen litte- 
ratur, nebst erklärung der gedichte Burns' — derselbe. Neuengl. grammatik — 
privatdocent Traut mann. Shakespeare's Othello — derselbe. 

19* 



292 



Mi ci llen 



Lemberg: Englische spräche — lector Kropiwnicki. 

Maiburg: Romanisch-englisches Seminar — prof. Stengel. 

München: Einführung in das Studium Shakespeare's (fortsetzung) — prüf. 
Bemays. Altenglische Übungen — |>rof. Hofmann. 

Münster: Englische grammatik — prof. Körting. 

Prag: Englische grammatik für fortgeschrittnere — lector Holzamer. 
Mario we's Faust im seminar — derselbe. Conversatorium über Bchwieri 
parthien der englischen syntax — derselbe. 

Rostock: Neuenglische Übungen — p ri vatd ocen t Lindner. 

Strassburg: Englische metrik — prof. ten Brink. Einführung in das 
Studium des Altenglischen — derselbe. Im englischen seminar: Cynewulf '* 
Elene und Shakespeare's Macbeth — derselbe. Byron's Childe Harolds pil- 
grimage — lector Levy. Einführung in das Studium der englischen spräche — 
derselbe. Englisches seminar, neuere abtheil ung — derselbe. 

Tübingen: Popes Essay on man and Essay on criticism — prof. Milner. 
Englische grammatik für anfänger — derselbe. Englische Übungen im seminar 
für neuere sprachen, I. und 2. — derselbe. 

Wien: Shakespeare's Hamlet — prof. Schipper. Geschichte der eng- 
lischen litteratur von Chaucer bis Spenser — derselbe. Im englischen seminar: 
Zupitza's Uebungsbuch — derselbe. Fortsetzung der praktischen Übungen — 
derselbe. 

Würzburg: Altenglische Übungen — prof. Mall. 

Zürich: England's öffentliches leben und dessen technische spräche — 
prof. Breitinge r. Shakespeare's Heinrich VIII. 1. theil — derselbe. Eng- 
lische stilübungen — derselbe. Erklärung altenglischer Sprachdenkmäler — 
prof. Tobler. 

Besondere professuren für englische philologie bestehen in Berlin, Bonn, Halle, 
Strassburg , Wien (ordinariate) , Heidelberg , Leipzig , Tübingen , Zürich (extra- 
ordinariate). Mit der professur für romanische philologie verbunden ist die eng- 
lische in Giessen, Göttingen, Königsberg, Marburg, München, Münster, Würzburg 
(ordinariate) , Erlangen , Greifswald , Kiel , Zürich (extraordinariate) , mit der für 
germ. phil. in Basel. Neben diesen ist ein privatdocent habilitirt in Leipzig und 
sind lectoren angestellt in Basel, Bonn, Halle, Heidelberg, Strassburg. Nur durch 
privatdocenten wird die englische philologie vertreten in Breslau und Rostock, 
nur durch lectoren in Graz, Innsbruck, Lemberg und Prag, unvertreten erscheint 
sie in Czernowitz, Jena und Freiburg i. B. 

E. Kölbing. 



ZEITSCHRIFTENSCHAU. ') 

Anglia I, 3. lieft. Inhalt: Ein beitrag zu Celestin von C. Horstmann. 
Zwei mittelengl. legendenhandschriften von J. Zupitza. Zu R. Morris, An 
old english Miscellary pp. 156 — 159 von J. Zupitza. Die alliterirende engl. 



1) Diese neue rubrik wird in den folgenden heften noch erweitert und ver- 
vollständigt werden. Die redaction. 



Zeitschriftenschau 



2 93 



langzeile im 14. jahrh. von F. Rosenthal. Zur ersten Verdeutschung von 
Milton's Verlornem paradiese von C. Brandl. Verbesserungen und erklärungen 
zu altenglischen Schriftstellern von J. Zupitza. Ueber den dichter Cynewulf von 
R. Wülcker. Collationen zu angelsächsischen werken von A. Holder. Bei- 
träge zur englischen lautlehre von B. ten Brink. Ludwig Ettmüller von 
R. Wülcker. Ueber Greins nachlass von R. Wülcker. Anzeigen und 
Kritiken: Der Münchener Brut. Herausgegeben von K. Hofmann und K. Voll- 
möller. Von G. Bai st. Ed. Fiedler, Wissenschaftl. grammatik der engl, spräche, 
2. auf!., bes. von E. Kölbing. Von K. Sachs. R. Koppel, Textkritische 
Studien über Shakespeare's Richard III. Von N. Delhis. Cynewulfs Elene. Mit 
glossar herausgegeben von J. Zupitza. Von E. Sievers. Besprechung einiger 
Schulbücher. Von M. Trautmann. Recensionsexemplare. — Die bibliographie 
des jahres 1876 wird dem ersten hefte des 2. bandes beigegeben werden. 

Archiv für das Studium der neueren sprachen und literaturen. 
Herausgegeben von L. Herrig. 57. bd. 1877. Gregorius auf dem steine, 
aus ms. Cotton. Cleop. D. IX, nebst beitragen zum evangelium Nicodemi, von 
Carl Horstmann, p. 59 — 83. Beiträge zur feststellung und erklärung des 
Shakespeare-textes. Von Ed. Tiessen, p. 171 — 188; p. 371 — 382. Unter der 
regierung — in the reign. Von W. Sattler, p. 219 — 224. Die evangelien- 
geschichten der homiliensammlung des ms. Vernon, ausgezogen von Carl Horst- 
mann, p. 241 — 316. Layamon und Orm nach ihren flexionsverhältnissen ver- 
glichen, p. 317 — 370. Recensionen. William Shakespeare von Karl Elze. 
Von D. Asher. The lady of the lake, a poem in six cantos by Sir W. Scott. 
Herausgegeben von W. Wagner. Von D. Asher. The merchant of Venice, by 
W. Skakespeare. Erklärt von L. Riechelmann. Von A.Hoppe. On the existence 
of mixed languages being an examination of the fundamental axioms of the foreign 
school of modern philology, more especially as applied to the English. Prize 
essay by J. C. Clough. Von W. Henze. — 58. band. 1878. Beiträge zur 
feststellung und erklärung des Shakespeare-textes von Ed. Tiessen, p. I — 22; 
159 — 170; 311 — 320. Shakespeare's Julius Caesar und Kruse's Brutus. Von 
H. Palm, p. 23 — 42. Ueber Ossian. Von F. A. Nicolai, p. 129; — 158. Die 
mannigfaltigen Wendungen des deutschen »lassen« im Englischen. Von Wilh. 
Dreser, p. 379 — 394. — Recensionen. Anglia I, 1. Von D. Asher. 
Historische skizzen über die Ursachen des bunten und wirren in der neueng- 
lischen Orthographie und Orthoepie; 5 vortrage von H. G. Migeult. The poets 
and poetry of Scotland from the earliest to the present time. By G. Wilson. 
Von A. Weddigen. The succession of Shakespeare's works and the use of 
metrical tests in setting it. By Fred. A. Furnivall. — 59. band. 1S7S. 
Heft 1 u. 2. Alexiuslegenden. Von C. Horstmann, p. 76 — 107 (fortsestzung 
und schluss). Die vermittler des deutschen geistes in England und Nordamerika. 
Von dr. Weddigen, p. 129 — 154. Zu den sonetten Shakespeare's. Von Her- 
mann Isaac, p. 155 — 204. Ueber das reflexive verb im Englischen, nebst 
einem Verzeichnisse Macaulay' scher construetionen. Von E. Beckmann, 
p. 205—238. 

Beiträge zur geschichtc der deutschen spräche und literatnr. 
Herausgegeben von II. Paul und W. Braune. IV. band. 1877. Ueber 
die angelsächsische bearbeitung der Soliloquien Augustins von R. P. Wülcker, 



2(>4 Mi .rillen, Eingegangene recensionsexemplare 

p. 101 — 131. Zur Überlieferung der sage von Amicus und Amelius von E. Köl- 
bing, p. 271 — 314. Ueber die sage von Offa und prydo von II. Suchier, 
p. 500 — 521. 



EINGEGANGENE RECENSIONSEXEMPLARE. 

Bis zum abschluss dieses heftes sind ausser von den oben besprochenen von 
folgenden werken recensionsexemplare bei der redaction eingegangen: 

The romance of Guy of Warwick. The second or 15 th Century Version. 
Edited from the paper ms. Ff. 2. 38 in the university library, Cambridge, by 
Julius Zupitza. London. Published for the early english text society by 
N. Trübner and Co. 1875— 1876. 

Barlaam und Josaphat, eine prosaversion aus ms. Egerton 876 fol. 301. Von 
dr. Horstmann. [Programm des gymnasiums zu Sagan.] Sagan. 1877. 

Ernst Regel: An inquiry into the phonetic peculiarities of Barbour's Bruce. 
[Nachgelieferte arbeit zum programm der realschule erster Ordnung mit Vorschule 
zu Gera.] Gera. 1877. 

The poetry of Germany, consisting of selections from upwards of seventy of 
the most celebrated poets, translated into english verse, with the original text on 
the opposite page, by Alfred Basker vi 11 e. Fourth stereotype-edition. Baden- 
Baden and Hamburg. Haendcke & Lehmkuhl. 1876. 

Altenglische dichtungen des ms. Harl. 2253. Mit grammatik und glossar 
herausgegeben von K. Böddeker. Berlin. Weidmannsche buchh. 1878. 

The libell of englishe polieye 1436. Text und metrische Übersetzung von 
Wilhelm Hertzberg. Mit einer geschichtlichen einleitung von Reinhold Pauli. 
Leipzig. Hirzel. 1878. 

Zeitschrift für romanische philologie. Herausgegeben von dr. Gustav Gröber. 
1. band. 2. — 4. heft. Halle. Lippert'sche buchhandlung. 1877. Supplement- 
heft I, bibliographie 1875/76. Halle. 1878. 

II. band. 1. heft. Halle. 1878. 

Giornale di filologia romanza , diretto da Ernesto Monaco. Torino, Roma, 
Firence. Ermanno Loescher. 1878. Nr. 1. 



Bei dieser gelegenheit erlaube ich mir, zu bemerken, dass bei vor länger als 
2 — 3 Jahren erschienenen werken selbst dann von einer eingehenden besprechung 
abstand genommen werden muss, wenn vom Verleger ein freiexemplar geliefert 
worden ist. Ueber programm-abhandlungen werden nur dann ausführlichere recen- 
sionen erscheinen, wenn dieselben wirklichen wissenschaftlichen oder pädagogischen 
werth besitzen. Im übrigen aber wird die redacti,on sich bemühen, nicht nur den 
neu erschienenen, von den herren Verlegern ihr übermittelten werken eine ein- 
gehende und unparteiische beurtheilung angedeihen zu lassen, sondern auch 
in der rubrik »litteratur« auf möglichste Vollständigkeit zu halten, wenigstens keine 
wichtigere, ihr zugegangene, litterarische erscheinung unbesprochen zu lassen. 

E. K. 

Pierer'sche hofbuchdruckerei. Stephan Geibel & Co. in Altenburg 



ZU AMIS AND AMILLOUN. 



In Paul u. Braune's Beitr. IV. p. 282 ff. habe ich den nachweis 
zu liefern versucht, dass das mittelenglische gedieht Amis and Amilloun 
die bislang unbekannte französische dichtung Amys et Amillyoun als 
quelle benutzt hat. Seitdem oder richtiger währenddem hat ten 
Brink in seiner englischen literaturgeschichte die behauptung auf- 
gestellt, das englische gedieht beruhe auf der französischen chanson 
de geste Amis et Amiles (Ch). Kürzlich hat derselbe gelehrte mir gegen- 
über brieflich die vermuthung aufgestellt, ob das verhältniss des fran- 
zösischen textes (L) zum englischen (E) nicht das umgekehrte sein 
könne, als ich es dargestellt hatte. »Es ist freilich dem üblichen 
brauche entgegen , Franzosen Engländern nachahmen zu lassen statt 
umgekehrt. Da es aber eine thatsache ist, dass manche französische 
dichter (normannische und anglonormannische eingeschlossen) englische 
sagen bearbeitet und somit höchst wahrscheinlich englische gedichte 
benutzt haben , so ist es doch gewiss nicht unmöglich , dass auch 
einmal ein englisches gedieht, das aus französischer quelle geflossen, 
in seiner modificirten gestalt nun wieder einen französischen Über- 
arbeiter fand. Die fragen von zeit und ort u. s. w. sind nicht mit 
einem schlag zu lösen und jedenfalls nur von einem solchen , der 
über das gesammte material verfügt. Was mir im gegenwärtigen fall 
aber jene hypothese wahrscheinlich macht, ist namentlich die erwä- 
gung, dass die vertauschung der namen des Amiais und Amelius 
leichter im munde eines englischen spielmannes vor sich gehen 
konnte, als unter der feder eines französisch schreibenden dichters. 
Ferner , wenn in der französischen vorläge von L die heldin auch 
Belisant hiess, woher jene neue seltsame änderung in Mirabele und 
Florie, die sich auf anderem wege (missverständniss des englischen 
textes?) vielleicht leichter erklärt. Im ganzen aber macht die Sache 
mir den eindruck, als ob E eine vermittelnde Stellung zwischen L 
und Ch einnähme. Wenn dies nun nicht für alle fälle zutrifft, so ist 
zu bedenken, dass dem dichter von L ausser E auch andere quellen 



296 E - Kölbing 

bekannt sein konnten. Sofern wir aber zu verlorenen vorlagen unsere 

zuflucht nehmen wollen, darf ich daran erinnern, dass wir uns die 
gestalt von E von vorn herein als in hohem grade flu< Uiirend ZU 
denken haben, was von I, in gleichem masse a priori wenigstens 
nicht gilt.« Diese sehr beachtenswerthen bemerkungen ten Brink's, 
die sich natürlich nur auf das von mir selbst in der abhandlung ge- 
botene material stützen konnten, so wie neuerdings mir zugänglich 
gewordenes, nicht unwichtiges material veranlassen mi< h , die frage 
nach der quelle des englischen gedichtes nochmals aufzunehmen und 
womöglich einige schritte weiter zu führen. 

Herr dr. Behaghel in Heidelberg hatte die gute, mich auf ein 
zehn pergamentblätter umfassendes fragment des französischen ge^ 
dichtes in kurzzeilen aufmerksam zu machen, welches sich in einer 
sammelhandschrift, Cod. Durlac. 38, der grossherzoglichen bibliothek 
in Carlsruhe befindet. Für die erlaubniss , dieselbe längere zeit hier 
benutzen zu dürfen, sage ich der dortigen bibliotheksverwaltung hiemit 
meinen besten dank. 

Verloren ist der abschnitt, welcher von dem Zweikampfe zwischen 
Amilyoun und dem seneschall handelt, sowie der schluss. Uebrigens 
sind die blätter verbunden und die schrift zum theil recht mühsam 
zu entziffern, so dass ich an den von mir ausgehobenen stellen trotz 
aller Sorgfalt die lesung nicht durchweg als unfehlbar bezeichnen 
möchte. 

Wenn wir aus einer vergleichung zwischen der Londoner hs. (L) 
und der Carlsruher (C) die summe ziehen , so ergibt sich , dass C 
im ganzen einen besseren und vollständigeren text bietet, als L, 
Das wird vor allem bewiesen durch eine anzahl stellen in C, welche 
zu dem englischen gedichte genauer stimmen, als L. Diese stelle 
ich hier zusammen. 

Die Schönheit der Jünglinge wird hervorgehoben: 

C f. 59^1, 33 ff. : E v. 82 ff.: 

Mult overist en eus dame nature Alle thei saide, withoute les, 

de corssage e de estature, fairer childe than thes wes, 

tant furent beaus, ce dyt l'estorie, ne saw thei never ere. 

unques, pus que ly rey de glorie 
fist primes home a sa semblance, 
II plus beaus de apparaunce 
ne furent en qui lu (?) aioynt, 
ce dist l'escrit en cheeun poynt. 
De totes beautes qe hom sout iuger, 
en eus II pout hom trover. 



Zu Amis and Amilloun 



297 



Vergl. Ch. v. 42. . . . que nus plus biax ne puet on deviser. 
L sagt kurz v. 16: Angeles resembleient de faiture. 

Ihre freundschaft : 
C f. 59a 2 , 13 ff.: 
Cil dui vallet dont voil parier, 
taunt ce pristrent entreamer, 
a si forte fratemite, 
que de quanque furunt unques ne, 
ne fu trove si leal amour .... 



E v. 139 ff.: 

So wele tho children loved hem tho, 
nas never children, loved hem so, 
noither in word no in dede. 
Bitvix hem tvai, of blöd and bon, 
trever love nas never non, 
in gest as so we rede. 



Allem anschein nach ist der eine text die Übersetzung des 
anderen. L ist viel kürzer, v. 17 f. Taunt s'amerent fierement, | que 
freres se firent par serement. x ) 

Bemerkepswerth ist, dass in C und E der bösartige seneschall 
an genau derselben stelle der erzählung eingeführt wird: 



E v. 205 ff.: 
Than hadde the douke, ich understond, 
a chefsteward of alle his lond, 
a douhti kniz.t, at crie .... 
for thai were so gode and hende, 
and for the douke was so wele her frende, 
he hadde therof gret envie. 
To the douke with wordes grame 
ever he proved to don hem schäme 
with wel gret fei o nie. 



C f. 59b!, 17 ff.: 
Si tenent entre euz si fort enuie 
da la trefine compaygnye, 
si l'enpleient durement, 
e li senechaus nomement 
sur touz autres les (?) guayte hounte, 
ce est tote la force de cunte; 
il les surquert a tele enuie, 
que tote manere felounye 
que unqes compasser savoyt, 
A ce II chivalers fesoyt. 

In L kommt diese persönlichkeit zum ersten male in der ab- 
schiedsrede des Amilyoun vor. Man beachte auch die gleichheit 
einzelner worte in beiden texten. 

In E wird an dieser stelle ausdrücklich erzählt (v. 241 ff. ; 
v. 313 ff.), dass Amiloun , als er das erste mal von seinem freunde 
abschied nimmt, bei einem goldschmied zwei becher machen lässt, 
und jenem einen derselben schenkt. Davon erfahren wir allerdings 
an der entsprechenden stelle von L und C nichts; es wird da von 
den bechern überhaupt erst gehandelt, wo durch dieselben die 



1) Durch dieses par serement, welches ich früher fibersehen hatte (in C fehlt 
es wirklich), wird die vergleichung von M, E und Ch a. .1 0. p. 295 ". twecklos 
und ist einfach zu streichen. — Ich will bei dieser gelegenbeit gleich ein and 
versehen corrigiren. S. 2S6 heisst es: »Zunächst fehlt (druckfehler für; folgt) frei- 
lich jetzt in L v. 153 ff. die Vermählung Amiloun's, die in E erst an späterer 
stelle nachgeholt wird». Dabei ist übersehen, dass von dieser Vermählung in E 
bereits v. 334 ff. die rede war. 



298 E. Kölbing 

Wiedererkennung angebahnt wird, doch mag dieser zug hier schon 
besprochen werden: 

C f. 5832, 21 ff. ; L v. 1043 ff.: 

Seyngnurs, escotez un poy ! Amis une coupe avoit, 

Quant sire Amys servyt au roy, qe mout ferement amoit, 

al houre ke il fut botiller, car Amillioun, qe tant amoyt, 

si servi Charles du mester ; cele coupe li donait. 

II. coupes fyt il fere al houre Amillioun mesmes avoit le per, 

de une taylle, du une forgoure. qe ne vout vendre ne doner .... 

Celui dui hanap tant resembleient, Les deus hanaps tant resembleint, 

ke si en une mayn esteyent, qe si en une mayn estoient, 

n'est hom ke tant de overayne sust, n'est home, qe tant del overaigne seust, 

qe Tun de l'autre iuger peust, qe Tun del autre deviser deust. 

dunt Tun a sei tynt en baundoun, 
e l'autre dona Amilloun 
en remembrance de lour departyr, 
si ke de lui deit sovener 
quant la coupe regardast, 
qe Tun ne l'autre ne ubbliast. 

Die entsprechende stelle in E lautet, v. 313 ff.: 

As thai stode so, tho bretheren bold, 

sir Amis drouz, forth tvo coupes of gold, 

wäre liehe in al thing, 

and bade sir Amis, that he schold 

chese, whether he have wold, 

withouten more duelling, 

and seyd to him: »Mi leve brother, 

kepe thou that on, and y that olher; 

for godes love, hevenking, 

lete never this coupe fro the, 

bot loke her on and thenk on me ! 

It tokneth our parting!« 

Zunächst ist nur in C und E hervorgehoben, dass die becher 
erinnerungszeichen sein sollen. Nur in diesen zwei fassungen ist 
ferner die zeit markirt, wenn die becher von einem der zwei freunde 
gestiftet worden sind. Ich drücke mich absichtlich so vorsichtig aus, 
denn mit unseren bisherigen hülfsmitteln ist es unentscheidbar, welcher 
von ihnen die becher hat machen lassen ; nach C ist es Amis, nach 
L Amillioun, während in E v. 314 und 16 beidemal Amis steht, wo 
einmal dafür Amiloun eingesetzt werden muss, ein fehler, den der 
herausgeber übersehen hat. Ob aber Amis das erste oder das zweite 
mal zu ändern ist, lässt sich schwer ausmachen, denn auch E v. 2053 ff. 
entscheiden nichts. Für C spricht aber FP II, wenn wir das 



Zu Amis and Amilloun 2QQ 

zeugniss dieser fassung wollen gelten lassen, denn dort heisst es (bei 
Mone p. 164): Or avint, que quant Amiles s'en ala de la court 
Charlemainne, que Amis avoit II. hanas d'argent, tous d'un 
pris et d'une fac,on et dune semblance; si en donna aAmilesIet 
li pria, qüil le gardast por l'amor de li. (p. 165) Si fu le roy tout 
esbahi de che, qu'il vit les II hanas estoient tous deus d'une fagon 
et d'un semblant, si li sovint d'Amiles, a qu'il en avoit I 
tout autel donne, quant il se parti de li. Demnach wäre 
also E v. 316 für Amys, Amiloun einzusetzen. Ueber die aus dieser 
Übereinstimmung sonst zu ziehenden folgerungen s. u. p. 308 f. 

In C fordert Amilloun seinen freund auf, ihn »a mun pays en 
Lumbardye« zu begleiten. Amys schlägt es ab, da er seinen herrn 
nicht verlassen wolle. Etwas ähnliches muss auch in der vorläge 
von E gestanden haben, nur dass hier (v. 256 ff.) Amis den fürsten 
um die erlaubniss bittet, mit seinem freunde den hof verlassen zu 
dürfen, dieser aber ihm die bitte abschlägt. In L und Ch ist von 
dieser idee überhaupt nicht die rede. 

Von noch grösserer bedeutung ist die Übereinstimmung zwischen 
C und E im gegensatz zu L an der folgenden stelle, welche ich in 
PB. aao. p. 287 ff. besprochen habe. Es handelt sich um die 
liebeserklärung der prinzessin. Ich habe darüber (p. 289) bemerkt: 
-Nach L geht das mädchen nun ove une soule chambere, parier a 
Amys que ele ama, und zwar: par conge de sa mere (v. 255 ff.), 
nach E (v. 511 ff.) trifft sie den geliebten im garten , wohin die 
mutter sie selbst zu ihrer erholung geschickt hat: es sind also die 
coulissen verschieden.« Vergl. man nun die entsprechende stelle in 
C f- 53» a 2 > J 7 ff - : 

Flurie estreit sa (!) purpensa, 

cudait de amur, ke la tocha 

a si treforte e longe grevaunce, 

qe si plus tost n' eust allegaunce, 

en perd (?) fut e en aventure. 

»E« fet ele, »si ad trop demure, 

si ne rae face nienies (?) e ayder». 

A celes (!) se prent matyn lever, 

e vent tut dreit a sa mere 

a contenaunce de triste chere ; 

asez se plein e ce desmente : 

»E dame!» ele di, >su dolente 

de un ague ke en chef m'est mounte, 

dount au quer su maumene 

e a couste e a rlancs, 



3oo 



E, Kölbing 



ke tut me tremble char e saunks ; 

Dount tut sui, dame, en despen 

e si, dame, ne le preysez a grevaunce, 

le conge, veir, demandase, 

si ke en desport m'en alase, 

pur prendre le eyr de matyn 

tut soule ci en gardyn, 

si croy, ke le meuz me avendra ' « 

La reyne la regarda 

e de doel gette un suspyr, 

car nature ne put mentyr. 

»Hee, fylle!« fet ele, »Flurye, 

ja mar pensez de maladye ! 

Mes alez la ou vus plerra, 

vus dedyre (!) ca e la, 

parmy ci par tut un (!) gardyn, 

e pus prendre un supe en vyn 

pur sustenance de la servele ! < 

Ore esgardez de quele cautele 

la damoysele ore se entremist : 

Amur tut la venquist. 

Flurie quant ad le congee, 

asez est joiouse e lee, 

tote soule san chambrere 

s'en aloyt de gre sa mere 

parier a Amys, qe tant ama. 

Dass diese fassung der von E sehr ähnlich ist, leuchtet sofort 
ein. L ist kürzer und weit weniger ansprechend. 

Aus dem gespräche des Amys mit der prinzessin ist hervor- 
zuheben : 



C f. 53b2, i ff.-. 

Amys estroit se purpensa, 

Tun mal e l'autre mut dota, 

pensoit: »Si Joe la preigne, 

e li rois de ce me ateigne, 

honi sui a remenant, 

e si ne m'i assente niant, 

par unt de teu mal me brace, 

pur ren ke contre sace, 

jugez serroi a mauveise mort ! 

Mut il ad, fet 11, convenant fort, 

coment qe la bosigne va, 

de ambe parz peryl i a ; 

qe meuz me seit, certis ne say, 

si la prenderay ou guerpiray. 

Mes en eyde du fyz Marie, 



E v. 6 3 7 ff.: 
Than stode that hendy knijt füll still, 
and in his hert him liked ille; 
no word no spac he tho. 
He thou^t : »Bot y graunt hir wille, 
with hir speche sehe wil me spüle, 
er than y passe hir fro ; 
and £if y do mi lord this wrong, 
with wilde hors and with streng 
y schal be drawe also.« 
Loth him was that drede to don, 
and wele lother his lif forgon, 
was him never so wo. 
And than he thought, withouten lesing, 
beter were to graunt hir asking, 
than his liif for to spüle. 



Zu Amis and Amilloun 



301 



coment ke me ert eist giu partie 
al eschap de ceste querele 
l'amur de la damoisele 
ne refusera ioe ia ! 

L bietet für diese ganze erwägung nur zwei zeilen, v. 291 f.: 

Amis mout se purpensa, 

le un mal e lautre mout dota. 

Nur in C f. 54 b 2, 1 ff. und E v. 877 mengt sich die prin- 
zessin in die Verhandlung über die für Amis zu leistende bürgschaft ; 
nach C fordert sie ihre mutter auf, sich dem könig als bürgen an- 
zubieten, nach E bietet sie sich selbst an. In L ist von ihr an 
dieser stelle nicht die rede. 

Die fürstin fragt Amis, weshalb er nun immer noch betrübt sei : 

C f. 60a 1, 28 ff. : E v. 925 ff.: 

E sire Amys, ke tant se doelt, So it bifel opon a day, 

a la reine vet meintenant : he met the levedi and that may 

»Sire chivaler!« fet ele atant, under an orchard side. 
»qe vus est, ke ensi desmentez, »Sir Amis,« the levedi gan say, 

pus qe la condicioun savez, »wi mornestow so withouten 
qe en moun peryl vus ay plevi: play? 

ja mar seyez vus esbay ! Tel me that sothe this tide ! 

Aynz lessez tote kuuuardie, No drede the noujt,« sehe sayd than, 

vengez serroms, ne dotez mye »for to fizt with thi foman!« 
du mauveis seneschal, 
ke nus ad brace teu batestal ! « 

L nichts. 

Amys hofft, sein freund werde ihm helfen : 
C f. 6oai, 3 v. u. ff. : 

Mes si moun frere suit le cas, 

mult lui serroit fort le message, 

car nel tendreit champ ne boscage, 

ne autre reen ke deu formast, 

ke moun estast (!) visitast 

Mun mesehef le dei nuncier, 

car ja ne er certis de quer hetee, 

tanke averay 011 lui park-. 

Diese fassung bildet den Übergang von L zu E, wo Amys der 
königin geradezu gesteht, er wolle seinen freund den kämpf aus- 
fechten lassen (v. 952 (\. . 

Nachdem Amilloun den seneschall besiegt hat, lasst der könig 
(nach C) die grossen seines reiches zusammenkommen: 



302 



E. Kölbing 



E v. 13S1 ff.: 
Into the palais when thai were gon, 
al that was in that worthli Won, 
wende sir Amis it wäre. 
Sir Amis,« seyd the douke anort, 
»bifor this lordinges everichon 
y graunt the ful zare, 
for Belisent, that miri may, 
thou hast bouzt hir ful dere tu day 
with grimli woundessare: 
therfore y graunt the now here 
mi lond and mi douhter dere, 
to hald for ever inare. 



C f. 6iai, I3 {(. ; 
Quant le barnage i est venu, 
lui roys ad parlement tenu : 
»Seignurs, barouns,« se dyt Charloun, 
«ja avez cy un chesun (?) 
e la force du maundement: 
eist chivaler ci en present 
de un teu debat estoyt suspris, 
ke si le meus ne ust eschevys, 
ja ne ust le hounte recoverie, 
mes ore le aj promys e plcvie, 
honurable garison, 
e pur ce le vus dy en comoun, 
qe ma fylle en durray 
e de grand tere eir le fray 
de IV (?) countes, veir, e demy 

A oy serra sei-i. 

en te niaunce de nus barouns, 

pur ceo vus fys ce somouns. 

Anders L ; vergl. PB. p. 296. 
Amilloun wird aussätzig. 

C f. 56«, 7 ff. : 
. . . car ne put estre defayllant 
ce ke deu l'out dyt devant, 
al huis du muster ou estoit, 
ke si vil leprus devyndroit, 
qe home en mounde ne trovast, 
qe une foiz lui visitast. 

Dieser hinweis auf die prophezeihung fehlt in L. 

Neben diesen stellen wäre noch eine anzahl anderer zu nennen, 
wo C dadurch E näher steht, als L, dass beide direkte reden bieten, 
während L nur in aller kürze den inhalt der rede mittheilt. Dahin 
gehört namentlich das gespräch Ouwain's mit Amylloun's gemahlin 
(E v. 1765 ff.) und dasjenige des ritters, der dem aussätzigen den 
wein gebracht hat, mit Amys (E v. 1951 ff.). 

Aus alledem geht soviel hervor, dass C an einer ganzen anzahl 
stellen einen besseren und vor allem vollständigeren text bietet, als 
L, wo wir den englischen text zur controllirung herbeiziehen konnten. 
Denn für die entscheidung dieser frage ist es ja ganz gleichgültig, 
ob die französische oder die englische fassung das original reprä- 
sentirt. — Daran reihen sich einige episoden, wo C einen ausführ- 
licheren text bietet als L, und zwar, fügen wir hinzu, wahrscheinlich 



E v. 1543 ff.: 
Also that angel had him told, 
fouler messel thar nas non hold 
in world, than was he. 



Zu Amis and Amilloun ^^ 

den ursprünglicheren, obwol E sich nicht vergleichen lässt. Ich führe 
nur das wichtigste kurz an. 

Als Amys nach dem ersten abschiede von seinem freunde allein 
an den hof zurückgekehrt ist , ist sein schmerz so gross , dass er 
14 tage krank zu bette liegen muss (f. 52 b, 1, 2 ff.) Nur hier 
sind die klagen des Amys , als er keinen bürgen für sich findet 
(f. 54 b, 1, 7 ff.) und ebenso, als er den Zweikampf vor sich sieht 
(f. 60 a, 1, 7 ff.) besonders hervorgehoben. Im letzteren falle be- 
lauscht ein diener seine klagen, macht der königin davon meidung, 
und diese lässt Amys zu sich entbieten. Amys erschrickt, als er, 
im begriff, zu seinem freunde zu reisen, bei seinem erwachen im 
walde das getümmel von pferden und reitern sieht (f. 60 b, 1,10 ff.). 
Nur hier wird berichtet , dass Amylloun , nachdem er die warnende 
stimme vernommen , sich auf eine zeit zurückziehen muss , um sich 
zu sammeln , und zwar unter dem vorwande , er leide an kopf- 
schmerzen (f. 61 b, 1, 6 ff.). Nur hier endlich bittet Amylloun nach 
der hochzeit den könig um die erlaubniss , zu seinem freunde reisen 
zu dürfen, unter dem vorwande, es habe ihm geträumt , dass jenem 
ein unheil zugestossen sei (f. 55 b, 2, 14 ff.). 

Wichtiger als alles dies sind eine anzahl hinzufügungen in C, 
welche unverkennbare berührung mit einer andern phase der sage 
zeigen, als welcher L und E angehören. 

Zunächst bietet C eine einleitung, besser gesagt, eine art vorwort, 
welches vor allem die authenticität der erzählung betont. Es lautet 
f . 5 9 a 1 , 1 ff . : 

Troverez vus im romaimz 

de II chivalers si fyns amaunz, 

l'uns Amys, l'autre Amilioun; 

pus qe (ms. qe pus) deu suffri passiun, 

ne (ms. si) fu trove si leal amour 

ne pur leaute si grand dolour, 

[si] grand variaunce (?) en mervaile, 

si grand grace en bataile, 

si grand peyne ne >i grand perte, 

si grand meseyse sauz deserte, 

de tote maneris encumbrers, 

cum avynt a ce II chivalers, 

ne greygnur miracle apres, 

qe lur fu destine ades, 

dount nus avums auctorite 

par seynte eglyse conferme 

en lur legende de propre estoyre, 

par unt fet le meuz a croyre. 



304 E - Kölbin 8 

So beginnt inhaltlich auch die chanson degeste; vergl. v. 5 ff.: 
Ce n'est pas fable que dirc voz volons, | ansoiz est voirs autressi com 
sermon etc. 

C f. 59 a, i, 25 f. heisst es von den zwei Jünglingen: a la court 
Charles estoient | e pur lur armis le servoyent. Das stimmt zu Ch. 
v. 17: com il servirent a Paris a Charlon | par lor grant com- 
paingnie. L bietet für Charles, un counte, und dem entsprechend E 
v. 62 : a douty douke. 

Der seneschall wird in C f. 52 a, 2, 10 Haidre genannt und 
von ihm gesagt- .• 

Haidre est eist feloun mmiee, 

nevuz (ms. ventiz) au riche duc Millou.r 

e cosin germein Guenylloun, 

celui ke trai Oliver, 

Roland e ce XTI per; 

mut l'en avynt ben du linage 

cum tut li autre du parage, 

estre feloun e tretour, 

car felloun sunt si aunsessour. 

In den anderen texten wird über seine abkunft garnichts bemerkt. 
Von Amilloun heisst es C f. 52 b, 2, 12 ff. : 

Une gentifs femme esposa, 
fylle au duc de Pavie, 
a ly decend la seignurie 
del eritage donk du duche, 
Ozille esteit ele nome. 
Mut fut bele, ce dyt l'escrit, 
car de quanqe deux unqe fyst, 
ne fu creature plus bele, 
si ele ust este bone e lele; 
mes mut fut male e rampouse, 
en cheeune poynt conrarouse (?), 
desnaturele a sun seignur, 
cum il apparust a chef de tour. 

Die entsprechende stelle in L nennt keinen namen und ebenso 
wenig bespricht sie den Charakter der fürstin; es heisst da nur 
v. 172 ff . : 

Une gentile femme esposast, 

qe fille d'un counte estoit 

e pere e mere perdu avoit 

pur heritage la moyte, 

qe fuit eschen del counte. 



Zu Amis and Amilloim 305 

De beaute avoit le pris 
sur touz les dames du pays ; 
bien furent entre eux couples 
de parage e de beautez. 

Sehr wichtig ist schliesslich die einfügung einer ganzen episode 
in C, von der L und E nichts wissen. Amylloun ist aussätzig ge- 
worden und in ein haus vor der Stadt verbannt. Da heisst es 
f. 56 b, 1, 24 ff. : 

Seyngnurs, vus plest ore escoter ; 

car ne fet pas a ubblier 

sire Amille, quant fust baroun 

de grand feerce, cum dyt auom, 

un fys avoyt il engendre 

de ceste dame malure. 

Mult fu beaus cestui enfant, 

en checun poynt si tres avenaut, 

qe si auqes en fust de age, 

ne croy qe de ci en Cartage 

ust este un plus prudome : 

Florentyns le appelleit hom. 

mes il ne out ke VI auns entiers, 

quant a sun pere vynt l'encumbres. 

La dame, a ceo ke dyt la geste, 

par un jour tynt une feste, 

si avoyt meine la jurne 

grand carole demene 

en la vile des petys clergouns. 

Florentyn le fys Amyllouns, 

pur ce ke fu haut en parentez, 

en le devaunt est ordeyne/. 

Si vunt chauntan parmy la vile. 

e si fust dunke sire Amylle 

en sun bordel, ou il sestut, 

e sun fyz vener aperceust, 

de pite prent a plurer, 

les lermes des oyls avaler: 

«Florentyn,« feit il. »vens a moy, 

tu es raoun fys, certes ce croy, 

e si aukes de ben entendisei 

graund pite de inoy ussez ; 

mais ci ove moy tener te porroy 

uncore mei serreit a grand joye, 

coment qe unqes me avenj 

Atant de plurer il reprist 

e sonn meschef 

KLöl b in g, Englische Studien. II. ;. 



306 E. Kölbing 

Le jour comence a decliner, 

si aproche la vespree; 

l'enfaunt est en courd dcmaunde, 

pur qi prenen grand noyse fere. 

La dame le fet partut quere 

de un e de autre, petyt e grand, 

e lors se est venu avaunt 

ausi cum fut un lavendere : 

»Ma dame,« fet ele, »peca miere (?) 

aley a bout de la vile, 

si vi l'enfaunt ou sire Amylle, 

qe illoqes demurout grand pose, 

.^i enparlerent de meynte chose, 

si crny joe, ke uncore i seyt.« 

La dame par mautalent dysoyt: 

»Ore fetes le quere ja, 

certes moud eher en compara 

le amur du mauveys meseal, 

qe diable fit il a bordeal.« 

L'enfaunt, qe tantost fu quys, 

du manaz (?) moud fu marryz, 

si s'en vent vers mesun ploraunt: 

»Hee!« dyt ele, >ribaud puaunt. 

Ou as tu tant demurrez, 

ja ne te ert garaund, sachez, 

cestui mauveis meseal leprus ! « 

E lors leve la mayn sus, 

si fert a tel irrour l'enfaunt, 

qe as sez, pez chet meyntenaunt, 

e pus entre sez braz le prent 

par yre e par mautalent 

en sa chambre le aportout 

e de sez pez le defolout ; 

si bati flaunks e counstez, 

tant fut de felounie en enflez, 

qe mes ne manga ne bust, 

mes dedenz le III jours turnrust (verseht: für ieune ust ?) 

Genau an derselben stelle der erzählung hat auch in Ch ein 
.söhn des Amiles eine rolle zu spielen v. 2230 ff. Die berichte decken 
sich allerdings nur in einigen punkten ; erstens ist er noch ein kind 
von 6 — 7 jähren; zweitens hat er mitleid mit seinem vater und sucht 
ihn auf, wird aber dafür von seiner mutter geschlagen und gemiss- 
handelt; drittens wird dem aussätzigen auf grund dieses besuches 
seines sohnes oder wenigstens in nahem zusammenhange damit die 
fernere lieferung der lebensmittel verweigert. Diese berührungen 
dürften genügen , um die ursprüngliche identität dieser episoden in 



Zu Amis and Amilloun 



507 



beiden texten sehr wahrscheinlich zu machen. Die unterschiede sind 
allerdings auch nicht unerheblich. In C heisst das kind Florenteyn, 
in Ch Girard. Nach C sieht der vater ihn bei einer procession 
unter den petys clergouns , und ruft ihn zu sich ; nach Ch. kennt 
das kind seinen aufenthaltsort , bringt ihm brod und verschafft 
ihm einen pfauenbraten. — L und E wissen von einem söhne des 
Amylloun garnichts. 

Aus den hier aufgeführten stellen ergibt sich , dass C , was die 
gestaltung der sage anbetrifft, in der mitte steht zwischen E L einer- 
seits und Ch andrerseits. 

Endlich muss noch bemerkt werden, dass in C einige momente 
ausgefallen sind , in denen L und E zusammen stimmen. Dahin 
gehört der tod des fürstenpaares , wodurch Amys zur herrschaft ge- 
langt (L v. 871 ff. = E v. 1528 ff), ferner das geständniss von 
Amylloun's gemahlin, Amys habe in der nacht das blosse schwert 
zwischen sie gelegt (L v. 88j ff. = E v. 1465 ff.). 

Um schliesslich zu zeigen, dass trotz dieser differenzen wir es 
nur mit zwei redactionen eines französischen gedichtes zu thun haben, 
hebe ich statt vieler stellen die eine ominöse hervor, welche von den 
namen der prinzessin handelt ; sie lautet : 

L v. 249 ff.: C f. 5322, 13 fl.; 

Nomer vous dey la pucele: Nomer vus porra la pucele: 

son dreit noun est Mirabele, les uns l'apelent Mirabele, 

mes Florie fust apele mes Flurie estoit nome 

de ceux qe furent de >a meisne. au muster ou fut baptise. 

Ich gehe nunmehr auf das verhältniss der verschiedenen redac- 
tionen zu einander ein. Nehmen wir an, ten Brink's vermuthung 
wäre richtig und L in stellenweise vollkommnerer gestalt , wie sie 
durch die vergleichung zwischen C und E oben erschlossen wurde, 
aus E geflossen, was ergäbe sich dann für die quelle von E? Dann 
wären nur zwei fälle möglich (denn , dass E überhaupt nach einem 
französischen original gedichtet ist, beweist der öfters gebrauchte aus- 
druck : geste, um die quelle zu bezeichnen). Entweder der englische 
dichter hat nach einem jetzt verlorenen, L sachlich nahe stehenden 
französischen vorbilde gearbeitet, und das ist nach den analogen 
fällen , wie sie die englische romanzenliteratur aufzuweisen hat , das 
wahrscheinlichste; dann hätte ich wenigstens inhaltlich trotz meines 
directen irrthums mit meinem Stammbaume nicht unrecht; oder die 
quelle von E ist Ch, und dahin spricht sich ten Brink in seiner 
literaturgeschichte aus. Dieser annähme scheinen mir aber bedenk- 



308 E. Kölbing 

liehe Schwierigkeiten im wege zu stellen. Wir hatten dann ;ms 
frz. v (vergl. meine figur, aao. p. 311) Ch abzuleiten, was ja 
auch früher von mir angenommen wurde. Der sprung von Ch 
nach K aber, welcher nun folgen nnisste, wäre ein sehr auffallender. 
Alle die momente, welche ich aao. p. 303 ff. al> Ch eigentüm- 
lich und der tendenz der chansons de geste entsprechend aufgeführt 
habe, müssten von dem englischen bcarheiter sorgfältig wieder aus- 
ges< hieden worden sein, um durch eine anzahl neuer ersetzt zu 
werden. Der englische dichter hätte somit den Stoff der alten 
lateinischen legende wieder wesentlich näher gebracht, als ihr seine 
vorläge stand , er müsste denn ausser Ch noch jene selbst benutzt 
haben, was wenig wahrscheinlich ist. Aber noch mehr. Aus E wäre 
nun L* geflossen, daraus einerseits durch verschiedene kürzungen und 
sonstige kleine änderungen in den Situationen L, andrerseits ebenfalls 
durch einzelne kürzungen und — was wichtiger ist, durch beeinflussung 
einer ganz ähnlichen phase der sage, als welcher Ch angehört — C. 

Eine dritte möglichkeit, die auf den ersten blick viel für sich 
zu haben scheint, nämlich dass C den Übergang zwischen Ch und E 
bildete, ist schon darum abzuweisen, weil C, wie wir sahen, direct 
aus derselben quelle geflossen sein muss, wie L (vergl. u. a. die 
namen der prinzessin). 

Der wichtigste einwand gegen teil Blink' s ansieht scheint mir — 
um das noch einmal hervorzuheben — in der grossen Selbständigkeit 
zu liegen, die er dem Verfasser des englischen gedichtes vindicirt, 
ein zutrauen, welches in dem verhältniss der übrigen englischen ro- 
manzen zu ihren französischen Vorbildern, soweit dasselbe genauer 
festgestellt ist, keine bestätigung findet. Ich muss offen gestehen, 
dass selbst , wenn L und C sich nicht gefunden hätten , ich nie auf 
die idee gekommen sein würde, Ch für die quelle von E anzusehen, 
und bleibe noch jetzt bei meiner früher ausgesprochenen ansieht 
stehen , die nur durch die einordnung von C, sowie durch eine Ver- 
änderung der Stellung von FP II kleine modificationen erleidet, 
lieber diese letztere fassung habe ich zuerst kurz zu handeln. Ich 
habe in meiner früheren abhandlung allerdings FP II direct aus 
frz.y abgeleitet, dabei aber ausdrücklich bemerkt (p. 313), es sei 
auffallend, dass diese version mit frz. x die personenvertauschung ge- 
meinsam habe, indem ich hinzufügte, wir könnten uns dieser Schwierig- 
keit dadurch entledigen, dass wir FP II nicht von frz.y- sondern 
erst von einer zwischen frz. >' und frz. * statuirten mittelstufe ableiteten. 
Ich lehnte aber diese annähme ab, weil mir dafür dieser eine umstand 



Zu Amis and Amilloun 



309 



nicht gewichtig genug schien. Dabei hatte ich leider übersehen, 
dass, wie oben p. 299 erörtert wurde, FP II sich auch in der frage 
vom Ursprung der becher zu frz. * stellt, während Ch v. 29 ff. noch 
genau zur lateinischen legende stimmt. 1 ) Diese zwei momente sind 
nun wohl genügend, um die Wahrscheinlichkeit einer Zwischenstufe 
zu erweisen. 

Ich gebe also die figur nochmals von frz. y aus. 




Aus frz.y, dessen merkmale ich aao. p. 281 f. angegeben 
habe, ist einerseits Ch , andrerseits frz. z geflossen. Diese version 
glich in der hauptsache noch frz. y ; sie enthielt namentlich noch 
die zwei momente, welche ich aao. p. 302 f. als Ch und FP II 
gemeinsam erwiesen habe. Dagegen unterschied sie sich von 
frz.y 1) durch die namenvertauschung ; 2) durch den veränderten 
bericht vom Ursprünge der becher. Aus frz.* lässt sich direct als 
freie bearbeitung FP II ableiten ; andrerseits frz.*, das werk eines 
begabten dichters ; über diese fassung habe ich aao. p. 313 f. ge- 
handelt. Hier muss z. b. nach meiner aufstellung die prinzessin 
noch Belissant geheissen haben, wie in Ch und E. Auf frz.* ist 
direct zurückzuführen 1) E; 2)1. >■ . In dieser letzteren fassung muss 
die prinzessin statt Belissant schon die zwei gänzlich abweichenden 
namen (vergl. 0. p. 307 geführt haben. Den namen Florie suchte 



■ Dem zufolge ist natürlich auch aao. p. 281, 
herabsinken, zu streichen 



7 mc keimen — 10 



?IO Henry Sweet 

au( h ich (aao. p. 297) aus dem einflusse einer anderen sagenform 
herzuleiten, während ich mit Mirabele allerdings auch heute nocl 
nichts anzufangen weiss. Aus L* ging durch starke kürzung L 
hervor, durch mindere kiirzungen an anderen stellen, sowie durch be- 
deutende interpolationen aus einer fasssung der sage , welche Ch 
nahe stand, C. Jedenfalls geht — um dies noch gegen ten Brink 
zu bemerken — aus den differenzen zwischen L und C zur genüge 
hervor, dass wir uns gerade den französischen text — für den eng- 
lischen gibt es wenigstens keine beweise — als in hohem grade fluc- 
tuirend zu denken haben. 

So glaube ich vorläufig meine ansieht in betreff einer frage 
formuliren zu sollen, deren Schwierigkeit ich selbst am allerwenigsten 
verkenne. Wie sich die mir bisher nicht zugängliche Cambridger hs. 
zu diesen resultaten stellen wird, bleibt abzuwarten. 1 ) 

Breslau, oct. 1878. 

E. Kölbinsr. 



SOME OF THE SOURCES OF THE ANGLO-SAXON 

CHRONICLE. 



In the introduetion to his edition of the Chronicle, or rather 
Chronicles (Two of the Saxon Chronicles Parallel, Oxford 1865), 
Professor Earle gives an analysis of their strueture and the materials 
on which they are based. We are here concerned only with the 
oldest of them, the Winchester Chronicle, written in one hand up to 
891. Although mainly composed during Alfred's reign, Earle has 
made it extremely probable that older chronicles existed , to which 
many of the entries nearly down to Alfred's time are due. Another 
main source for the before Alfred period is Bede's Ecclesiastical history. 
Of the period from 455 to 634 Earle says in his introduetion (p. X): 
»No general assertion can be made concerning the historical quality 
of this section: each clause must be estimated and valued for itself. 



1) Neues material zur Amicus - Ameliussage hat Schönbach beigebracht, in 
den Sitzungsber. der phil.-hist. klasse der kaiserl. akad. d. wiss., bd. LXXXIII, 
p. 807 ff. Es gereicht mir zur besonderen freude, einige meiner resultate durch 
die Untersuchungen dieses gelehrten bestätigt zu sehen. 



Some of the Sources of the Anglo-Saxon Chronicle ^ n 

Some parts are pure dream-work, while others have a historical and 
trustworthy appearance. These prevail more and more towards the close 
of the period.« He also says, speaking of the residue left after sub- 
tracting the entries taken from Bede (p. IX): »It is such history as 
could still be made out of oral traditions, and it probably represents 
the collected Information of the bardic memory aided by the runic 
stones, and the roll of kings.« 

Now what I wish to point out here is, that some of these non- 
historical portions are ofa distinctly poetical character — , 
a fact which is only vaguely hinted at in the remarks of Earle quoted 
above, and has not, as far as I know, been noticed by any one eise. 
The most unmistakeable passages are the following : 
473. Her Hengest ond ^Esc gefuhton wip Walas , ond genamon 
unarimedlico herereaf; ond pa Walas flugon pa Englan swa fyr. 

584. Her Ceawlin ond Cupa fuhton wip Brettas in pam stede pe 
mon nemnep Fepanleag. Ond Cupan raon ofslog. Ond Ceawlin 
monige tunas genom, ond unarimedlice herereaf, ond ierre he hwearf 
ponan to his agnum. 

These passages stand in the strongest contrast to the historical 
and purely genealogical entries. Historically they convey no informa- 
tion whatever beyond the mere names and the single fact that Cüda 
was killed. A slight comparison with the earliest circumstantial 
narrative in the Chronicle , the account of the death of Cynewulf 
and Cyneheard under 755, will show the wide difference between 
contemporary prose and prose which relies entirely on poetical 
traditions. These passages have, indeed, preserved their original form 
almost unaltered, the original allitteration being clearly discernible in 

unarimedlico herereaf. 

/lugon da Engle swä /yr. 

Ceawlin ond Cüda. 

ierre he" hwearf donan tö his agnum. 
It need scarcely be remarked that the diction is strikingly poet- 
ical, such expressions as »they fled the English as if they were nrc 
»he departed thence angry to his own countryt being quite out of 
place in a prose narrative. Indeed, the latter passage is so utterly 
uncalled for and unintelligible in its connection with the pieceding 
Statement — for we should rather expect some such epithet as »re- 
joicing in victory« , »satiated with booty« etc. — that one cannot 
help suspecting that in the original it referred to some other event 
afterwards forgotten, as, for instance, a quarre! between Ceawlin and 



ii2 ' lenrj S% 

Cuda about the division of the spoil. The expression unärimcdlif o 
herereaf is also poetical, and occurs nowherc eise in the Chroniclt, 
the prose word being herehyd: gefengon micle herehyd 
([.. oo. 23. Earle), herehyd niman (93. 20.). The pbrase tö his 
ägnum, with Ion de omitted, althongh poetical in character, does 
occur in prose, as, for instance in the Orosius (80.7 Bosw.): hi him 
gefylstan paet hie eft to hiora agnum becoman'), where 
the Latin has »restituti«. 

There are, besides many other passages, whose poetical character, 
though not certain , is probable. Thus in vpa Brettas pa forletun 
Centlond, ond mid micle ege flugon to Lundenbyrg*: 1457 wre 
have a superfluous and probably poetical amplification. Note the al- 
litteration and diction in . . ymbsaeton Andredes cester, ond ofslogon 
^lle pa pe paer /nne <?ardedon : ne wearp paer for pon an Bret U > 
lafe« (491)- The Statement about the mythical king Port — invented 
to cxplain the name Portsmouth — that he and his sons ofslogon 
anne giongne Brettisc(ne) monnan, swipe aepelne monnan • (501) 
looks very like an attempt to eke out a few poetical epithets into an 
histurical statement. 

Whether these passages were taken from fragments of epic poems 
(possibly inscribed on runic stones) or from metrical genealogies is 
quite uncertain. All that is certain is, that those first quoted were 
originally allitterative lines of poetry. 

London. 

Henry Sweet. 



OLD ENGLISH ETYMOLOGIES. 



1. 

Beöhata. 

In that passage of Csedmon in which he describes the passage 
of the Red Sea, Moses is described as a »beald beöhata (Grein 
Exod. 253): 

1) I quote from the Lauderdale Ms. 



( >ld english etymologies 313 

ähleöp pä for haeledum hildecalla, 
beald beöhata, bord up ähöf, 
heht pä folctogan firde gestillan, 
penden mödiges maedel monige gehi'rdon. 

The general sense of the word is clear from the context, it must 
be vhero«, »chief« or something ofthesort, but the precise meaning 
has never yet been satisfactorily settled. Grein in his text follows 
Ettmüller, and inserts a t, reading beöthäta = boast-promiser« 
or simply »boaster«. In his glossary he abandons this view, and 
retaining the MS. reading makes is out to be a derivative ofbehätan 
= promise«, and accordingly translates in his German version der 
kühne verheissungbringer« = vthe bold promiser. 

The first step is to settle the meaning of hata, which, accord- 
ing as it is read with a short or a long vowel signifies either 
hater or promiser.« The latter interpretation, which is favoured 
by Grein, is quite inadmissable in the case of two of the three other 
Compounds of hata, daedhata — »persecutor« and leödhata = 
»tyränt.« The third and last — scyldhata can be perfectly well 
explained on the analogy of the other two as sinful hater or 
»persecutor«, and Grein's forced and prosaic identification of the word 
with the German schultheiss is quite superfluous. 

Every analogy leads us then to suppose that the second element 
of beöhata is the word hata = hater«, which often passes into 
the more active sense of »persecutor , just as the corresponding 
hete = »hatred« is employed in the sense of »violencte« or 
nvarfare.« 

The first half of the word as it Stands cannot well be anything 
eise than the Substantive beö = 'bee. .^ But what sense is there 
in the combination »bee-hater ? Are we to have recourse to the 
violent process of conjectural emendation, or to explain the word as 
it is? I have no hesitation in aeeepting the latter alternative, and I 
explain bee-hater« simply as an epithet of the bear, who'se love 
of honey has long been proverbial in all countries. Beöwulf in 
the same way is simply the wolf 01 Spoiler« of the bees, in short, 
a »bear«, not as implying any uncouthness of behaviour, but as a 
flattering comparison with the lion of the north the hive-plunder- 
ing bear. 

The comparison of men with wild animals in old times is so 
well known as scarcely to need Illustration. The word beorn itself 



314 Henry Sweet 

is ;i striking instance. In Icelandic björn LS not only used in the 
general sense of »bear , but is also one of the commonest propei 
names, while in Old English the word is quite lost in the meaning 
of »bear«, but survives in that of hero< or warrior. The [celandic 
use of björn as a proper name is exactly analogous to that of 
beöwulf, while the O. E. beorn affords an equally apt Illustration 
of the developement of the word b e ö h a t a. 



The explanation of Beöwulf as »bee-wulf« or »bear< suggested 
itself to nie many years ago, long before I was aware that the same 
view had been previously brought forward by Simrock, and I read a 
paper on the subject before the Philological Society of London, 
which, however, was not published. I think that the fact of the same 
explanation having suggested itself independantly both to Simrock 
and myself is a strong argument in favour of its probability. 



IL 
Gärsecg. 

The origin of the word gärsecg, which not only in poetry, 
but frequently also in prose (as in the translation of Orosius) is used 
in the sense of »ocean«, has never yet been satisfactorily settled. 
The meaning of the word as it Stands is clear enough — »spear- 
warrior«, but the connection of such a meaning with that of » ocean 1 
is the reverse of self-evident. The older school of English philologists 
saw in the word a welcome reminiscence of Neptune and his trident, 
but this explanation has no support in Northern mythology. To the 
various explanations referred to by Grein in his Sprachschatz under 
the word may now be added that of Leo (Ags. Glossar 145. 36): 
»das meer wird hier wegen derweilenspitzen gedacht als ein röhricht, 
ein ried von Speeren« — ingenious, but fanciful, and not more con- 
vincing than its predecessors. 

I have for some time entertained the belief that this unexplainable 
Compound is probably a » volksetymologisch « corruption of some 
older form, like the English sparrowgrass for asparagus, and I 
think I have now identified this older form. 



Old english etymologies •» ! c 

1 have lately had occasion to study the oldest runic inscriptions 
in English with some care. One of these, the verses on the Franks 
Casket (Stephens p. 470) runs thus : 

Hronaes ban fiscflodu ahof on fergenberig ; 

warp gasric grorn, paer he on greut giswom. 

The meaning is perfectly clear, with the exception of the word 
gasric, which Stephens refers to the whale , translating »he was 
gasht to death in his gambols, as aground he swam in the shallow- 
It seems to me much more likely that gasric is parallel to fiscflodu 
in the first line, as we are thus enabled to translate paer literally, 
instead of giving it a temporal sense, as Stephens has to do. I would 
translate the whole : 

»The fish-flood lifted the whale's bones on to the main-land; 
the ocean became turbid, where he swam aground on the shingle. 

The only difficulty is that we are obliged to take grorn in a 
sense for which there is otherwise no authority. But it is not un- 
reasonable to assume that the word occurs here in its more material 
meaning, from which the usual one of »sad« is derived in the same 
way as with gedrdfed, which occurs both in the sense of » turbid < 
and in that of »sad. ■■ I am glad to be able to State that professor 
Sievers , of Jena , to whom I communicated these views , teils me 
that he has always explained the passage in the same way as I 
have done. 

The connection of this gasric with garsecg is self-evident and 
prof. Sievers assumed it to be simply a mistake for the ordinary word. 
But when we consider the numerous cases in which consonant-combina- 
tions with r are transposed in O.E., it seems quite as probable that ga 1- 
secg is formed from gasric by transposition of the .s- and ;•. The 
relation between gärsecg and gasric is, indeed , exactly parallel 
to that between Cynegils and original Cynegisl, both of which 
occur in Bede, and between gyrdels and the gyrdisl of the Kpinal 
glossary, the forms in which the liquid follows the ^ being the ori- 
ginal ones. This gasric may be explained as gas- = gais-, Old 
Norse geisa »to chafe, rage with the affix -ric. The meaning 
the word would then be «the rager« — a very appropriate epithet 
of the ocean. Prof. Sievers reminds me of the name of the 
Vandal king Gaisaricus, and compares the German Wüterich 
which, indeed, corresponds exactly to gasric both in affix and 
meaning, if my explanation is correct. At any rate , I think niost 



»l(j F. II. Stratmann, Notizen ztl! alt* nglischen grammatik. 

will agree with me and prof. Sievers in rejeeting as improbable 
Hofmann's identification (Sitzungsberichte der Mtinch. akad. 1871 of 

gasric with gänser ich. 

London. 

1 1 y Sweet, 



NOTIZEN ZUR ALTENGLISCHEN GRAMMATIK. 



Angls. ea (= got au) 
lä$St sich, glaube ich, einfacher erklären, als bisher geschehen ist ') 

Im fürstenthum Lippe-Detmold hört man noch jetzt eau für au 
(z. b. leaun, eauk, breaud). Nehmen wir diesen Vorschlag von e, 
vielleicht veranlasst durch das folgende u, auch für das älteste angls. 
an und lassen das u, wie im altfriesischen säm, lan, bräd, grät, später 
abfallen, so erhalten wir ohne alle Schwierigkeit ea. Im altenglischen 
findet sich provinziell auch ä für ea, z. b. bräd, grät. 

Was die ausspräche betrifft, so ist anzunehmen, dass gewöhnlich 
der erste vokal das übergewicht hatte , also ea gesprochen wurde, 
weil der diphthong sich später meistens zu e verdichtet; dass aber 
auch in einigen gegenden der zweite vokal das übergewicht hatte 
beweist chäp (so ist wol , anstatt chap, zu lesen). Aehnlich verhält 
es sich mit ea = got. a, woraus später theils e, theils a wurde: 
berd, eld ald, erm arm, lehter lahter, keif calf, chef chaf, scheken 
schaken, al. 



Sc (= nhd. seh) für s 

ist im englischen eine merkwürdige erscheinung, weil das nieder- 
deutsche sonst nichts davon kennt. Es findet sich in denkmälern 
von 1200 bis 1470. Das gebiet, in welchem es gebraucht wurde, 
lässt sich nicht genau bestimmen ; mit Sicherheit ist nur Warwickshire 
anzugeben. 



*) Grimm, gram. (3 ausg.) I, 366; Koch, gram. r. 43; Holt/mann, gram. 
1, 203; Scherer, z. gesch. d. d. spr. 128. 



E. Kölbing, Zu Sir Beves of Hamtoun ■ 317 

Die bemerkten beispiele sind 

sclepen rel. ant. i, 177; sclepe lud. Cov. 41. 

scheht La$. 1795 1 (slseht 11252, slaht 28730); scla^t a. p. 

2, 56 (sla^t 1, 800). 
sclakien p. l. s. YIII, 19. 
sclon s. a. c. ed. Wr. XLIII ; sclawen (part.) Hick. thes. 

i, 228. 
scle^ li b. disc. 351. 
scleir Langl. 6, 7. 7, 7. (neben sieh), 
elender Mand. 291; Chauc. C. t. a 587. 

Krefeld. 

F. H. S trat mann. 



ZU SIR BEVES OF HAMTOUN 



Die englische version des sagenstoffes von Beuve de Hanstone 
ist, abgesehen von einer reihe alter drucke, nur einmal herausgegeben 
u. d. t. : Sir Beves of Hamtoun. A metrical romance. Now first 
edited from the Auchinleck ms. (Presented to the members of the 
Maitland club by William B. D. D. Turnbull). Printed at Edinburgh 
1838. Das erscheinen meiner neuen ausgäbe, welche unter benützung 
von 4 hss. schon seit mehreren jähren in Vorbereitung ist, ist durch 
verschiedene Umstände sehr verzögert worden , und ist auch jetzt 
noch durchaus nicht so weit gediehen, als es mir selbst und wol 
auch manchen anderen, welche sich für das gedieht interessiren, 
wünschenswerth erschiene. Aus diesem gründe ist es vielleicht man- 
chen lesern dieses blattes willkommen, wenn ich hier vorläufig die 
resultate meiner collation des Auchinleck-ms. mit Turnbull's ausgäbe 
mittheile. 

V. 23. had] hadde. v. 50. kneue] knaue. das. hede] hedde. 
v. 53. seue] seue. v. 82. bonte] boute. v. 95. bis] is. v. 140. what] 
whan hit. v. 182. desired] disired. v. 207. to] te. v. 220. hong 
hanged. v. 229. prwede] prikede. v. 232. themperur] pempeur. ms. 
das. smote] smot. v. 235. traitour] treitour. v. 250. N vris > wis. 
v. 251. meister] meistre. v. 278. her] ber. v. 295. schalle] schölle, 
v. 301. his] is. v. 318. yilde] $ilden. v. ^2^. toke] tok. v. 337. 
thou] pow. v. 346. childe withe] < hild wip. v. 36^. another] anopr. ms. 



318 F Kolhing 

v. 364. schell| schel. v. 368. seife] seif. v. 370. to] te. v. 371. 
thine] pin. v. 377. awent] awente. v. 401. schell] schel. v. 443. 
him] him him. ms. v. 491. to] lo. \. 496. Painim paimi; ebenso 
v. 514. v. 515. when] whan. v. 520. were] wer. v. 526. kowthe] 
koupe. v. 532. aboute] aloute. v. 538. fairie] faire. \ 553. wex] wx. 
ins. v. 554. when] whan. v. 584. wrethe] wreppe. v. 597. noughte] 
nou^t. v. 622. to] te. v. 631. smarte] smerte. v. 663. o nie oine. ms. 
v. 684. his 1 is. v. 692. hethen] hepene. v. 715. intentj entent. v. 751. 
his] is. v. 752. mighte] mi^t. v. 780. andeten] ieten. v. 789. smat] smot. 
v. 792. any] eni. v. 810. füll] ful. v. 826. his] is. v. 830. well] wel. 
v. 835. head] hed. v. 845. noght] nou^t. v. 851. seigh] se$. v. 863. 
honde] hond. v. 865. helme] heim. v. 883. armes) arwes. v. 899. maide] 
maide maide. ms. v. 902. went] wente. v. 914. loued] louede. v. 925. 
a wile] i wile. v. 930. his' is. v. 983. i-wroughte 1 iwrouzt. v. 999. 
gold] golde. v. 1015. wer] were. v. 1020. homeward] homward. 
v. 1034. Josiane] Josane. ms. v. 1039. his] is. v. 1077. Thame] panne. 
v. 1078. his] is. v. 1092. confaile] consaile. v. 1104. liej he. v. 
it 20. old] olde. v. 1134. in] in in. v. 1144. wille] wile. v. 1146. 
him] hinn. ms. v. 1152. londe] loude. v. 1155. hir] hire. v. 1161. 
yerne| ^orne. v. 1162. to terne] terne. v. 1170. a-seide] asede. v. 
n 73. was] nas. das. cherles] chrles. ms. v. 12 16. the] me. v. 1229. 
ye] zhe. v. 1236. atfer] after. v. 1239. in] in in. v. 1260. his] is. 
v. 1269. euerie] eueri. v. 1293. ridde] ride. v. 1351. com] come. v. 1355. 
sleugh] sloi.13. das. was ther] per was. v. 1362. here] her. v. 1368. seid] 
seide. das. my] me. v. 1372. gret] grete. v. 1383. here] her. v. 1389 
Brademonde] Brademond. v. 1396. seide] sede. v. 1398. welcometh 
wolcomep. v. 1399. hi] hü. v. 1406. swith] swipe. v. 1428. his] is. v. 1449 
Ynorj Yuor und so stets, v. 1455. his] is. v. 1464. knighte] knizt das 
Southe Hamtoun] Souphamtoun. v. 1468. iloued] ilouede. v. 1478 
Habiloine] babiloine. v. 1481. com] come. v. 1483. na more] na mor. 
v. 1487. ane] and. v. 1507. Ynor] Yuer. v. 1533. com] come. v. 1636 
raken teie] rakenteie. v. 1638. nett] ne et. v. 1643. his] is. v 
1648. gone] gönne, v. 1649. gret] grete. v. 1670. on] in. v. 1675 
An] And. das. wrai] wrai. v. 1677. were] wer. v. 1686. prisoun 
prsoun. ms. v. 1690. alas] alias, v. 1707. toward] towarde. v. 1709 
schalle] schölle, v. 17 21. ther] par. v. 1724. Trinchesis] Trinchens 
v. 1729. Trenchesis] Trenchefis. v. 1754. a-flintes] oflintes. v. 1759 
his] is. v. 1782. Frensch] frnsch. ms. v. 1785. Strenchesis] strenchefis 
v. 181 1. his] is. v. 1852. gee] gete. v. 1864. a-knewe] aknew. 
v. 1866. Trenchesis] trenchefis. v. 1873. I] ich - v - l8 75- meiff] 



Zu Sir Beves <jf Hamtoun ,jq 

meise (?). v. 1888. heued] heurd. ms. das. Trenchesis] tre«chefis. v. 1889 
dede] ded. v. 1899. swerde] swerd. v. 1902. can] can i. v. 191 5 
The] po. v. 1966. truethe] treupe. v. 1984. his] hs. ms. v. 1999 
thankede] panked. v. 2009. gone] gon. v. 2028. stable] stabe ms 
v. 2029. arneied] aneied. v. 2048. parte] parti. v. 2080. leueth] louep 
v. 2083. faine] faire, v. 2084. yene] yeue. v. 2137. atour] atom. v. 2142 
warsoun] warisoun. v. 2147. it] mt - v - 2 161. made] made made. ms 
v. 2170. nie] ne. v. 2190. to] in to. v. 2197. wer] were. v. 2215 
fond] fonde. v. 2229. some] sum. v. 2230. Ynor is] Yuoris his. v. 2238 
As] Ase. v. 2244. is] his. v. 2249. stode] stod. v. 2291. hire] hire 
moup. v. 2300. bout] boute. v. 2304. brought] brouzte. das. nght] rizte. 
v. 2306. worth] worpe. v. 2315. hard] harde. v. 2328. furth] forp. 
v. 2332. thrette fete] pretti fote. v. 2345. champioun] chaumpioun. 
v. 2355. hir] her. v. 2382. som] some. v. 2385. schippe] schipe. 
v. 2388 to the] to. v. 2393. com] come. das. ensoin] ensoine. 
v. 2395. lond] londe. v. 2409. gret] grete. v. 2420. to] te. v. 
2434. wille] wile. v. 2442. distreude] distruede. v. 2445. he] hü. 
v. 2454. deliure] diliure. v. 2479. an ^] an. v. 2482. Colayne] 
Coloyne. Ebenso v. 2484. v. 2536. a-lithe] alip. v. 2544. No] 
Ne. v. 2570. the sonne] sonne, v. 2575. scheltow] schelt pow. 
v. 2591. sprede] opnede. v. 2600. dai] of pe dai. v. 2616. barst] 
brast. v. 2625. of] and of. v. 2663. Lazararoun] lazaroun. v. 2678. 
herte] hertte. v. 2685. Helpe] Help. v. 2717. Beues] belles. v. 2727. Ne] 
Nai. v. 2738. londe] londes. v. 2750. to] te. v. 2768. beschop] bischop. 
v. 2799. a-sede] aseide; ebenso v. 2808. v. 281 1. or] er. v. 2815. 
proude] proud. v. 2818. hem] him. v. 2874. in to] inte. v. 2878. 
sorwe] serwe. v. 2881. Gither] Eiper. v. 2894. seniori] seinori. 
v. 2896 to] te. v. 2901. message] mesage. v. 2905. a-went] awente. 
v. 2916. seniori] seinori. v. 2919. to] te. v. 2973. went] wente. 
v. 2978. fast] faste, v. 2979. Josian] Josiane, v. 2984. more] nore. 
ms. v. 2987. les] lese. v. 3007. behet] he het. v. 3020. non] none. 
v. 3030. most] moste, v. 3036. seif] seif. v. 3057. long] longe. 
v. 3061. to] te. v. 3062 sonne] soune. v. 3063. bohlest] holdeste, 
v. 3070. slepede] sleped. v. 3085. without] wip oute. v. 30Q4. to- 
broke] to brokew. v. 3100 his] is. v. 3102. And] And rew. v. 
3113. hire] hire hire ms. v. 3124. into] in. v. 3133. knight] kniete. 
v > 3 1 37- she] he. v. 3139. Te] ze. v. 3 141. yowr] ^our. das. com] 
come. v. 3162. and hardi] an hardi. v. 3163. gone] gon. v. 3182. 
gret] grete. v. 3189. hem] he. v. 3345. it] hit. v. 3348. hadde] 
badde. ms. v. 3367. praisede] prisede. v. 3413. holde] wolde, 



320 



I.. Kölbing, Zu Sil Beves of Hamptoun 



\. .5416. fülle] falle, v. .3422. hadde had. das. meche] miche. v. 

3438. And] And forp. v. 3458. won the] worpe. v. 3460. might] 
mi^te. v. 3463. vverc] wer. v. 3483. light] lite. v. 3486. to] 
te, v. 3489. here] hire. v. 3492. Josian] Josiane, v. 3503. sem- 
blaunt] semlaunt ; ebenso \. 3511. \. 3521. letidi] leuedi. v. 3535. 
benam] he nam. v. 3536. becam] cam. v. 3547. longel long. 
v. 3564. seuer] seilen. v. 3600 he] he. v. 3604. light] li^te. v. 
3623. lede] leide, v. 3682. schipe] schip. v. 3704. isj bis. v. 
3722. noughte] mouz,te. v. 3738. euerich] eueriche. v 3762. priue] 
priue. v. 3787. sire] sere. v. 3789. Josian] Josiane, v. 3793. 
pauiloun] pauilioun. v. 3797. Krmyn] Ermin. v. 3807. slough] 
slowe. v. 3814. ransoun] raunsoun. v. 3819. selke] selk. v 3824. 
hem] hom. v. 3850. Inglelonde] Ingelonde. v. 3888. destrer] deistrer. 
Nach diesem verse hat der herausgeber vier zeilen übersprungen, in 
folge davon , dass die letzte derselben ebenfalls mit dem worte 
deistrer schliesst ; sie lauten : par he stod and abod. | A proud sara- 
sin per on rod. | Mahou// pe saue, seide Saber, | fro whanne komep 
pis fair deistrer? \. 3891. ternede] ternde. v. 3908. ^ade] ^ilde. 
v. 3915. com] come. v. 3928. koipe] koppe. v. 3931. and] an. v. 
3935. pauilouns] pauiliouns. v. 3952. of seleue] vs selue. v. 3969. 
help in] helpe hiw. v. 3973. hard] harde. v. 3988. to] til. v. 4008. 
yf] 2,if. v. 4081. forthe] forp. v. 4084. meche] meche te. v. 4094. 
kniete] kniz,tes. v. 4100. Robaunt] Robaund. v. 4130. come] come to. 
v. 4139. London] Londen. v. 4155. sleugh] slouz,. v. 4170. scholde] 
scholde holde, v. 4188. toke] tok. v. 4214. to] te. v. 4219- on ] 
in. v. 4220. might] mi^te. v. 4222. clobes] clobbes. v. 4226. he] 
hü. v. 4227. te] to. v. 4239. a-\vold] awolde. v. 4245. all] al. 
v. 4284. pain] payn. v. 4304. mn] man. v. 4307. childrer] 
children. v. 431 1. may] mai. v. 4433. religioun] riligioun. v. 4440. 
Gode] god. — Nachtr. v. 567. domnand] doum and. 

Uebergangen sind die fälle, wo für ein 5 der handschrift in der 
ausgäbe y oder g eingesetzt worden ist. Für 2jhe = sie, schreibt dieselbe 
stets she. Was das der ausgäbe beigegebene facsimile anlangt, so 
müsste man ihm zufolge in v. 30 für hadde, badde lesen: Aber das 
ms. bietet deutlich hadde. In v. 40 gibt a-pruede , wie der heraus- 
geber liest keinen sinn. Aber auch aus den zügen der handschrift 
vermag ich keinen befriedigenden sinn zu gewinnen , denn auch 
aernede, was man dort lesen könnte, ist unvertändlich. Selbst die 
anderen handschriften helfen nicht auf die spur. 

Breslau, jan. 1879. T , T , , , . 

E. Kölbins;. 



F. Lindner, The tale of Gamelyn. II 321 



THE TALE OF GAMELYN. 



IL 

Die in unserem gedieht vorkommenden culturgeschichtlichen 
momente deuten ebenfalls darauf hin, dass dasselbe im 13. Jahr- 
hundert verfasst wurde. Es wird die halle-dore 461 genau unter- 
schieden von dem gate 286 etc. in der äusseren Umfassungsmauer, 
die ausserdem ein postern gate besitzt v. 589. Die hall ist der 
mittelpunkt des hauses; um sie herum liegen die bowers v. 405. 
Das haus muss ausserdem ein Stockwerk gehabt haben nach v. 127. 
Der keller, welcher sich unter der hall befand , wird häufig erwähnt. 
Das trinken von rothwein, v. 427, deutet auf eine zeit, in der dies 
getränk, welches erst durch die Normannen eingeführt wurde, schon 
allgemein verbreitet war. Das ganze besitzthum umschloss eine 
mauer, zwischen welcher und dem hause sich der oft erwähnte yard 
befand. Diese beschreibung lässt uns ein anglo-normannisches manor- 
house des 13. Jahrhunderts erkennen. Cf. Wright: A history 01" 
english eulture, London 1874. 

Zur bezeichnung der einzelnen handschriften werden folgende 
abkürzungen gebraucht werden: R = Royal-ms. 18. c. 11. H = 
Harleian 1758. Sl = Sloane-ms. 1685. C = Corpus-ms. P = 
Petworth-ms. Ld = Landsdowne-ms. Ausserdem: Ms. -Reg. = 
ms. -Reg. 17 DXV. zur ergänzung von Sl. von vers 827 an. 

Von diesen handschriften finden sich folgende beschreibungen in 
den katalogen : 

1) A Catalogue of the Manuscripts of the king's library etc. London 
1734: Seite 280. 18. C. IL Folio. G. Chaucer's Tales of Canterbury. 
XV Ihdt. Seite 270. 17 D. XV. 1. in 4 . G. Chaucer's Tales. Pap. 
Imperfect at Beginning and End. XV Ihdt. Aussei den C. T. enthält 
vol. 17. D. XV. noch: 2) The Waking Maus Dream. äx&paXog. 
3) Articles of Marriage between the Dauphin o( Fran< e and the 
Lady Elizabeth of England. 1475. 4^ Sir John Fortescu's Decla- 
racioun upon certayn VVrytingis sent oute of Scotteland ayenst the 
kingis title of his Roialme of Englond. 5) Ballets. 

Kölb'. ng, Englische Studien. II. 2. -I 



322 



\r . Linda« 



2) A Catalogue of the Harleian Collection of Manuscripts etc. 
London 1759. Vol. I. nr. 1758. A Velom-book in fol. given by 
thc Very-Reverend and Learned Dr. Francis Atterbury, now Dean 
of Christ-church ; being a vcry antient and fair Copie of Geffrey 
Chaucer's Canterbury-Tales, of which it may be worth while to give 
the following particular account , because the Manuscript-books of 
this Treatise differ not a little from one another. 

5. The Cokes Tale and Prologue, both imperfect; a Leaf being 
Cutt or Tom out. fol. 45. b. Here Room is left for his Picture, 
which was not inserted. 

I am of Mr. Urry's Opinion that the Story about Gamelyn doth 
not tally with the former part thereof; and perhaps it might have 
been , what he judges it. The Tale of the Squires Yeoman or 
Part of it. 

This book in the Reign of Queen Elizabeth , belonged to the 
Family of Foxe of Pichford , and hath divers Entrances relating to 
the said family; as may be perceived at the beginning and End. 
ffoll. 126. b. 127. 204 etc. 

3) A Catalogue of the Manuscripts preserved in the British 
Museum , hitherto undescribed etc. Including the Collections of Sir 
Hans Sloane Bart etc. London 1782. Vol. IL p. 815: nr. 1685. 
Poems. On vellum. Geoffry Chaucer. 1686. Another copy. (Enthält 
ebenfalls the Tale of Gamelyn.) 

Both the above copies were lent by Sir Hans Sloane to 
Mr. Urry. 

4) Catalogus Codicum-ms. qui in collegiis aulisque Oxoniensibus 
hodie adservantur. Oxonii 1852. Die Corpus-manuscripte sind im 
2. theil, 4. abtheilung enthalten. Die beschreibung unserer handschrift 
lautet: CXCVIII. Codex membranaceus in folio ff. 265, sec. XV. 
ineuntis ȟber CCC. ex dono Guilielmi Fulman< hie illic mutilus. 

The Canterbury Tales by Geoffrey Chaucer with the prologues 
prerixed. Beg. with the line, in the knights prologue : 

»For to teil 30W of his array 

His hors was goode but he was not gay.« 

They end with the parson's tale which is very imperfect , be- 
ginning: »of which synne the fame is openly spoken in the contre« 
edit. Urry p. 191. col. 2. I. 28; and ending, »whiche workes ben 
the foode of God and he schal soupe with« p. 195. col. 1. I. 41. 



The tale of Gamelyn. II 323 

At the beginning of the vol. is the note following: Jeffrey 
Chaucers Canterbury Tales, Imperfect. NB. They are not here in 
the same order as they are printed, and here is one tale of Sir John 
of Boundis which is not in the editions of London 1561 and 1627. 
[first printed by Urry p. 36, as the Coke's tale of Gamelyn.] Several 
leaves are misplaced and there is little wanting. 

5) A Catalogue of the Landsdowne Manuscripts in the British 
Museum. 181 2. Part I. Preface p. XI: In poetry, besides two 
beautiful manuscripts of the fifteenth Century, on vellum, one con- 
taining the Sonnets of Petrarch (nr. 787) the other the Comedia of 
Dante (nr. 839), is a very fair and perfect copy, also on vellum, of 
the Canterbury Tales of Chaucer (no. 851), written about the reign 
of Henry the Fifth (a. 1413 — 1422), in the initial letter of which is 
a full-length portrait of the author. 

Part II p. 210. no. 851. folio. A very fair, perfect, and well 
preserved copy of Chaucer' s Canterbury Tales , elegantly written on 
vellum about the reign of Henry the Fifth. 9. Fabula Coce. fo. 53 b. 

In the initial letter to this volume there is a small and neatly 
executed whole length portrait of Chaucer, with a book in his hand 
and a knife suspended from his neck. He is dressed in a long 
greyish gown with red stockings, and a kind of sandals. His head 
is uncovered, and the hair rather closely shorn. This miniature, 
though a little damaged, may be of considerable use to an artist. 
Many of the other pages and letters are painted and gilt in the 
usual style of the time. 

The manuscript formerly belonged to Mr. Philip Carteret Wcbb, 
and was consulted by Mr. Tyrwhitt and cited by him under the 
letter W. See his admirable edition of »The Canterbury Tales« vol. I. 
p. XXIII, edit. 1775, in 8vo. 

Einen katalog der Petworth-ms. habe ich nicht erhalten können ; 
es ist auch, wie ich höre, noch kein gedrucktes verzeiehniss dieser 
handschriften-sammlung erschienen. Im übrigen ist mir aufgefallen, 
dass im Six-text dieselbe handschriften-sammlung einmal Royal-ms. 
und dann am ende die ergänzung des Sloane-ms. 1685 — ms. Reg. 
genannt wird, wodurch leicht die Vorstellung erweckt wird, dass sie 
verschiedenen Sammlungen angehören. Dann weiss ich nicht, weshalb 
Sloane-ms. 1685 durch ms. -Reg. ergänzt wird und nicht durch 
Sloane-ms. 1686, welches ebenfalls the Tale of Gamelyn enthalt. 
Freilich ist aus der obigen beschreibung nicht ersichtlich, ob etwa 
auch im Sloane-ms. 1686 das ende der erzählung von Gamelyn fehlt. 

21» 



324 



F. I. meiner 



Das alter des Harleian-ms. 1758 wird nicht angegeben. Wir dürfen 
aber wohl annehmen, dass es wie die anderen handschriften am anfange 
des 15. Jahrhunderts geschrieben worden ist. 

Zu dem oben gegebenen reimverzeichnisse ist im einzelnen noch 
nachzutragen : 

, r o n r j stonde „ ,, D stounde c , stünde 

Vers 27 — 28: R. Ld. , H. C. P. , Sl. , 

' grounde grounde gründe 

ir o i> there u ^ T) thare C1 . , there c „ 

Vers 89 — 00: R. H. C. P. Sl. Ld. cf. Vers 703 — 

^are yare ^ere ' yo 

704: R. :, die andern handschriften: \ nördlicher reim. 

' y ^ there thare 

Vers 105—106: H. ye " g R. Sl. C. P. Ld. yy " g cf. v. 147- 
J gadlyng gadlyng ^' 

148: H. Jng die andern: yyng. cf. V. 650—660: Ld. , l g 

^ yeng JJ ° Jy kenge 

die andern kinge. 

Vers in — 112: R. H. Sl. C. P. , ^ Ld. ,. ähnlich v. 42? — 

bet bitte * ° 

„ „ T , stede „ C1 stede n styde 
424: R. C. Ld. , , H. Sl. ,., P. ,/, 
^ ^ dede dide dide 

Vers 259—260: C. Sirk , R. H. Sl. P. Ld. serk , e 
J y werk werke 

Vers 319—320: Ld. j^ re R. H. Sl. C. P. j^ re dagegen hat auch 

, , frere v 

chere 534- 

Vers 341-342: P- tUngC R- H. Sl. C. tonge Ld. fehlt. 
°^ °^ yonge yonge 

Vers 405-406: R. Sl. ^ H. C. P. Ld. *°™ 

^ D ^ fraitour traitoure 

_, . bondes u Cl n „ , , bondes 

Vers 409 — 410: R. , , H. Sl. C P. Ld. , , 

n y ^ landes Ion des 

-ir . 01 sonde „ n „ T , sonde 

Vers 41 9 — 420: Sl. , , R. H. L. P. Ld. , , 
hande honde 

, T ^ handes „ tt ei /- t j hondes 

Vers 439 — 440: P. , , R. H. Sl. C Ld. , , 
toy tt bondes bondes 

Vers 45,-458: R. SL P. ^ H. C. Ld. ££ cf.Vers8 37 - 

838: R.-Ms. Reg. £°^ die andern handschriften: {j^ cf. pl. 

d. subst. 

, 7 . t, TT ci o wirche ^ werche T , worche 

Vers 507-508. R. H. Sl. P. ^.^ C cherche Ld. cherche 



bemerkenswerthe 
reime. 



The tale of Gamelyrt. II 3 2 5 

Vers 651-652: P. Sllu ^ R. H. Sl. C. Ld. **? 

J J twelue twelue 

, T D C1 cours u „ T , curs ^ cors 

Vers 7^o — 740: R. Sl. H. C. La. P. 

' Jy '^ wors wurs wors 

Vers 770—780: R. H. Sl. P. Ld. COrS C. CUrS 
' Iy ' wors wors 

Vers S75— 876: R. Ms. Reg. C. P. Ld. CUrS H. CUrS 

' D ' ö wors wurs 

Vers 885 — 886: alle Handschriften zeigen die reime ' 

3 ö curs 

Vers 7 SS — 7SÖ: R. ^ , die andern handschriften , 

' DJ ' J wynde wende 

behelde 
Vers 787 — 788: H. ,.,, die andern handschriften felde 

Vers 831-832: Ms. Reg. Ld. jjj 1 ^ R. H. C. P. ^ — bemerkens- 

werthe reime. 

ir n o o n se *e tt stide £., , , .. ~ sete „ sede T , , . 
Vers 857-858: R. did£ H. ^ Sl. tehlt. C. dede P. dede Ld. hat 

ganz andere verse. 

Vers 887-888: R. Ms. Reg. H. { on ^ C. Ld. ^ P. ^ 
1 & kynge kinge kmge 

Vers 893 — 894: Ld. ° . die andern handschriften ö ., . 

Auch aus diesem nachtrag ergibt sich, dass wir es hier mit 
einem gedieht zu thun haben, welches nicht in südlicher mundart 
verfasst ist. Die reime sind theils mittelländisch , theils nördlich. 
Manche sonst noch abweichende reime müssen als Schreibfehler an- 
gesehen werden : 

Vers 37— 38 : Ld. JJ 1 * 8 . statt that is 

eve 
Vers 129 — 130: Sl. a statt pleye und ähnlich vers 131 — 132: 

Ld. * h * statt flee 

,, , D C1 I was . .. ywis 

Vers 155 — 156: R. Sl. ... statt ;,. 
DD J this this 

Vers 485 — 486: Ld. ,. statt . ,,> oder dialektische eigenthümlich- 

keit? cf. R. H. Sl. hire statt ire 698 u. ehe statt heire cf. substant, 
auch Sl. 96 : armes statt harmes etc. etc. 

Vers 487-488: R. H. Sl. F. J? reve statt f? riue 
^ ' n hue liue 



326 



F. Lii 



Vers 697—698: R. H. 81. FF* statt ire 

,. , , baille baillie 

Vers 700 — 710: La. . statt 

' 7 cne crR- 

Vers 861—862: Ld. rest statt quest. Cf. V. 871 — 872: Ld. qu ^ st 
quost ' rest 

\r 00 00 d rewe * « rekke 
Vers 881 — 882: R. ., statt ,. . 
nekke nekke 

Ferner will ich hier einige von den stellen anführen, aus denen 
mir hervorzugehen scheint, dass bei der Vervielfältigung des gedichtet 
mehrere Schreiber nach dietat geschrieben haben , um so zugleich 
mehrere abschriften zu erhalten. Denn fehler wie die folgenden 
scheinen sich am besten dadurch erklären zu lassen, dass der Schreiber 
das betreffende wort verhört hat: 

Ld. 35: be seke statt beseke. Sl. 96: armes statt harmes. 
R. u. Sl. 123: can he lepe statt gan he leper P. 165: pe kny^t 
thou2jt ou treson and gamelyn anon statt on none. R. H. Sl. 192: 
his brother lokid yit after pate statt lokked it. Ld. 206 : to halden 
him sore statt to handelen. R. H. St. C. Ld. 226: Sire John of 
Boundes was his narae and I Gamelyn statt I am G. wie P. zeigt. 
P. 246: his owne arme statt his oon arme. P. 248: Schall it bihold 
statt be hold. R. H. Sl. P. 259: anon without serk statt alone. P. 270: 
pis fare is done statt faire. Sl. 312: He lete in alle pat gone old 
or ride statt pat gone wold. Ld. 324: pat we haue spent ^ore statt 
he hap spared $ore. C. Ld. 351: ftbrp cam pe false knight out of 
pe sellere statt solere, welches letztere richtiger ist, denn es heisst 
v. 329: In a litel turret lay his broper steke. Sl. 352: ho statt who. 
C. Ld. 393: that treson — die andere pe treson. C. 456: That is 
a god counsail yeuyng for the nones statt given. Ld. 486 : that 
were in the alle statt halle. Ld. 489 : Now seide G. die andern 
handschriften haben: Ow. Ld. 499: he toke pe to staf statt pat 00 
staf. (Bei pat other hommt die Spaltung in pe tother in Ld. häufig 
vor z. b. v. 594. v. 39. etc.) Ld. 555: to fette away, C. be way 
die andern handschriften by her fay. Ld. 610: nest bot no nay 
statt non ay. Ld. 673: Sin we walke not heere men härm to do, 
die andern handschriften: none härm to do. Ld. 697 : was scherreue 
of the schire, die andern: and sire. Ld. 752: Let do liuer him 
statt deliuer. Ld. 888 : and pesed with the kyng, die andern passed. 
Sl. 756: forth fro you, die andern for sop fro you. iVndere ab- 
weichungen lassen sich theilweise auch durch verschreiben erklären: 



The tale of Gamelyn. II -»2 7 

Ld. 20 : If they wolde speke wip hym , if pey were on lyue statt 
whil he was on lyue. R. Sl. 29: hem statt him. C. 8: deseruep 
statt deserved. C. 74: forfare ausgelassen, ebenso v. 78: will. 
P. 101 : pat rape was and rees — die andern: of rees. Sl. 103: 
thou schalt fayne to haue statt be fayn to haue. C. Ld. 104: Ga- 
melyn — die andern gadelyng. C. Ld. 109: neer a fote go — die 
andern neuer. Sl. 130: tho he gan to nee statt play. P. 177: fresh 
fro the spores — die andern to the spores. Sl. 186: might ye 
statt I (wohl verlesen aus y = I, welches auch sonst vorkommt: 115. 
201. 210. 323.) Ld. 188: faire on his feet statt faste. C. Ld. 276: 
whi lakkest thou his wäre — die andern pis. Ld. 304 : pat he 
began to brake — die andern: that the bone to-brak. Ld. 348: G. 
stood pan alone — die andern anon alone. C. Ld. 349 : Tho 
afterward füll sone — die andern feil sone. Sl. 380: thou schalt be 
forswore — not ist ausgelassen. R. Sl. 426 : And Adam so dede 
statt Gamelyn. Ld. 432: pat is worpe tuo — die andern: worth 
the two. R. Sl. C. 437 : as thou were hond fast — die andern 
bound fast. R. S. 487 u. 784: priue statt priue. Ld. 488: It is 
moche sorwe and skape bope pat pou art on lyue, die andern : statt 
bope: boy. Ld. 537: the rigge-bot to-brast statt rigge bone. C. 
Ld. 540: py blood — sonst body. C. P. Ld. 592 : Adam felled tweyne 
— die andern feil. Ld. 600: and eyper of hem — die andern 
euery. Ld. 618: loked statt liked. C. Ld. 630: haue ^e no doute 
statt I (verschrieben aus y = I, was sonst noch steht Ld. 138. 515. 
cf. Sl. 186.) C. 643: sette hem to me statt fette. C. 663: he be 
kinde — die andern : hende. H. Ld. 688 : Tho the maister statt to. 
C. 817: Than saide Gamelyn statt Adam. 

Ich habe hier einige der hauptsächlichsten stellen aufgeführt, 
aus denen unzweifelhaft hervorgeht , dass vorliegende handschriüen 
abgeschrieben sind, sonst könnten solche fehler wie z. b. priue statt 
priue gar nicht erklärt weiden. Daneben sind eine reihe stellen ge- 
geben , aus denen wiederum hervorgeht , dass viele fehler nur durch 
verhören entstanden sein können. Ich glaube, dass diese beiden 
punkte nur durch die annähme /u vereinigen sind, dass unsere hand- 
Schriften von solchen nach dietat geschriebenen, abgeschrieben sind. 

Wenn wir die spräche des gedichtes näher ansehen, finden wir 
dass sie mit der dem inhalt entsprechenden abfassungszeit nicht 
stimmen will. Es sind wol noch alterthümliche tonnen hier und d 1 
erhalten, indessen zeigt sie doch im allgemeinen einen neueren typus. 
Wir dürfen uns jedoch dadurch nicht täuschen lassen , denn es ist 



•j 2 8 Fi Lindnei 

bekannt, wie leicht abschreibe! ihnen unverständlich gewordene 
worte, veraltete flexionen etc. durch die ihnen bekannten und ge- 
läufigen ersetzt haben. Dadurch bekommt das ganze ein jüngeres 
■;iL, r e. Ks sind also bei der bestimmung der abfassungszeit be- 
sonders die innern aus dem inhalt hervorgehenden gründe massgebend. 

Zunächst ist nun zu untersuchen . welche grammatische und 
dialektische eigenthümlichkeiten jede der vorliegenden handschriften 
aufweist. 

Rein äusserliche orthographische eigenthümlichheiten sind wenig 
vorhanden. R. Sl. C. P. ziehen im allgemeinen p und 3 vor, 
während H gewöhnlich th und y anwendet. Ld. schreibt nach 
ags. weise statt ght oder 2jt stets ht : miht 16. knyhtes 17. 21. nyht 
22. ariht 29. nouht 31. ywrouht 32. etc. C. bezeichnet den langen 
vocal gern durch Verdoppelung: soone 132. pee 131. boone 149. 
good 840. keepen 792 u. s. w. R. liebt es die romanische endung 
ion durch ioun wiederzugeben: Champioun 218. 219. 223. 227. 
Die andern handschriften zeigen fast ohne ausnähme (z. b. H. 218.) 
die endung ion. Auch wird selbst bei eigennamen nicht immer ein 
grosser anfangsbuchstabe gesetzt, obgleich manche worte einen solchen 
haben, die klein geschrieben werden sollten z. b. R. Sl. P. Ld. 321: 
Catour, R. Sl. P. 342: Game etc. C. hält sich am meisten von 
solchen Verwechselungen frei. 

VERBA 1 ). 

Infinitiv. 

abide, abyde 24, 264. 742. abigge 816. answere 112. H. Sl. 
vnsware. auntre 217. auenture 666. axe 150. 314. C. asken 150. 
aske 314. Ld. axen 150. aske 314. be 156. C. ben. Ld. bene. bete 
118. bigynne 132. borrow 441. P. borowe. bryngen. bringen 186. 
cast 438. clothen 72. Ld. cle. colen 540. come 260. delen 18. done, 
don 32. 207. 217. draw 212. P. drowe. dressen 18. Ld. drisse. 
fare 740. fede 72. fette 118. flee 132. fynde, finde 232. gird 430. 
P. gerd. gone, goon, go 126. 210. 220. 224. handle 206. C. han- 
delen. P. handel. R. hangen 786. 801. hong 840. H. hangen 786. 
801. Sl. hangen 786. 801. ms. -Reg. honge 840. C. = R. P. hongen 
786. honge 840. hangen 801. Ld. honge 786. hangen 801. haue 144. 



1 Die zuerst stehende form gilt für alle handschriften , die etwaigen ab- 
-weichungen sind besonders bemerkt. 



The tale of Gamelyn. II 220 

P. han 144. 146. here, heeren 2. hold, holden, holde 286. 378. 414. 
C. halde 378. Ld. halde 414. halden 206. hye 19. ^^^. C. hy^e 19. 
Ld. hihe 19. ^^^. kepe 209. lene 176. lepe 123. lerne 112. C. lere. 
Ld. leren, late 722. R. lete. leue 438. lyen, lien 598. lyuen 12. 27. 
La. leuen 12. leue 27. nome 782. preuen 174. prouen 242. H. 
preuyn 174. Ld. stets prouen. ride 177. saught 150. seke 702. beseke 
440. P. biseche. seen, sene 146. send 34. shit, schit 286. Ld. schette. 
sitte 381. spede 210. speke 724. stonde 381. 808. C. stände 831. 
Ld. stand 808. 831. stroyen , stroien 354. Ld. streye 354. stryue, 
striue 158. synge , singe 197. teche 136. 432. the 234. thryue 227. 
R. thyue. warne 452. werne 662. Ld. warne. P. warne, wende 173. 
340. 756. R. wynde 756. wirke 261. worche 500. wirche 507. 518. 
Sl. werke 261. C. werke 261. werche 507. 518. P. worch 261. 500. 
wirch 507. 518. Ld. wirche 261. 500. worche 507. worth 491. 
wrath 80. C. wrappe 80. P. wrepe. Ld. wreppe. wrynge, wringe 198. 
wyte, wite 572. P. wete. ^eue 48. 205. C. ^iue. 

In bezug auf die flexion ist zu bemerken , dass im allgemeinen 
das bestreben, die form auf en vor vocalen zu gebrauchen, in allen 
handschriften deutlich hervortritt. In den fällen , wo das nicht der 
fall ist, dürfen wir ein versehen des Schreibers annehmen. Unsicherer 
ist die behandlung des infinit, auf e, wegen des so häufig willkürlich 
gesetzten end-e. Die formen to done, to gone etc. sind als gerundia 
zu erklären. Bemerkenswerth ist H. 174: to preuyn, welche endung 
im plur. d. praet. wiederkehrt, cf. daselbst. Für die lautlehre ist 
hervorzuheben der Wechsel von o u. a bei hangen, halden, standen 
etc., die Umstellung in axen u. asken, die mischung von ch mit dem 
nördlichen k in wirken, wirchen. P. schreibt han = hauen vor 
vocalen und h. Ld. liebt es e zu setzen statt y oder i: leuen 12. 
27. schette 286. 

Die formen auf ing. 

Theils partic. praes., theils gerundia oder Verbalsubstantive. 
Formen auf inde, ende oder ant sind nicht vorhanden. Ld. schreibt 
häufig einge, z. b. v. 122. 147. 170. 527. 745. P. schreibt ing, 
nur einmal yng 799. H. Sl. C. zeigen fast ohne ausnähme die 
endung yng, wogegen R. ing u. yng verwendet, nur einmal rarienge 
693. Folgende formen finden sich: coming 799. fasting470. tonding 
147. R. playng 772. H. Sl. plaiyng. C. P. pleying. Ld. playing. 
riding 527. sitting 745. stondeinge nur Ld. 122. talking 170. 625. 
626. tarying 693. Walking 89. yeuyng nur C. 456. 



33© 



F. Lindnei 



Wir erkennen hier südliche oder mittelländische rlexion. Di< 
endung inge drang in die südlichen und mittelländischen dialekte am 
anfang des 14. Jahrhunderts ein, statt inde und ende. 1 ) Das von R. 
gebrauchte tari<?nge 693, welches um so auffallender ist, als es im 
reim mit kynge steht, zeigt noch deutlich Mi d 1 an d-flex ion, 
freilich schon mit palatalem n. 

Participium praeter. 

ben 13. 502. Ld. bue 13. aber be 502. beten 115. H. betyn. 
bond 382. 394. Ld. bowden 382. i-bonde 350. bounden 548. C. 
hat nur bounde(n). bore 201. 252. borne 108. bought 278. C. 
y-bought. bredde 359. broken 85. 97. cast 726. comen 10. 29. R. 
Sl. comyn. cried 171. 183. deled 49. H. delid. dight 87. 344. idight 
628. 641. H. C. Ld. adiht. don. done, do, idoo 54. 211. 144. 529. 
idrawe 84. dressed 15. H. dressid. Ld. ydressed. dronke(n) 334. 421. 
C. drunken aber ydronke 428. eten 421. flowe 133. i-fond 393. 
H. founde. C. yfounde. geten 108. 365. P. gete. gone 257. C. ygo 
aber ygone 347. graue(n) 69. 900. handeled 258. H. handelid. 
hanged 882. H. hangid. honged 842. H. hanged aber honge 840. 
C. stets hanged. E. stets honged. Ld. hanged 882. hongede 842. 
honge 840. hold 248. behold 561. lad 528. 884. ms.-Reg. ledde 884. 
C. Ld. ledde 528. lad 884. leide 162. C. yleyd. byleued 86. 98. H. 
bileuyd. lore 202. 301. P. ylore 301. Ld. lorene. nonie 584. 683. 
i-nome(n) 119. 741. proved 241. putte 144. reised 162. H. reisid. 
reued 85. H. reuyd. byreved 97. H. berevyd. riden 191. Ld. reden 
191. 347. vnsawe 83. Sl. onsawe. P. vnsowe. sowe 161. P. sawe. 
sett(e) 172. 184. C. yset. shent 704. shet 292. H. schit. Ld. schot. 
slayn 204. P. selayn. Ld. sleine. sought 277. sold 272. spended 362. 
H. spendid. Ld. spende, bestad 676. steke 329. swore 302. Ld. 
sworne. forswore 380. C. Ld. forsworne. taken 350. tolde 684. 
panked 419. H. thankid. Sl. pankid. P. Ld. ponked. wax 232. C. 
woxe. P. wexe. went 703. wist 393. H. wonne 5. wounden statt 
wounded, welches nur C. und P. hat, 548 — zu erklären aus dem 
unmittelbar davor stehenden bounden. wreke 346. P. wroke. awreke 
723. 824. wroken 541. wrought 203. ywrought 32. 2jeue 394. ms.-Reg. 
youen 847. C. youe 394. 

H. liebt die vorsilbe y oder i oder a, die wir in den andern 
manuscripten häufig finden, nicht. Es wendet sie nur in drei fällen 



1) Cf. Ayeubite of Inwit ed. Morris, 1866. p. LXIV. 



The tale of Gamelyn. II 331 

an: v. 529. 641. 741. Dagegen zeigt H. fast durchgängig als endung 
des schwachen part. praet. -id oder -yd. Sl. hat id nur selten 
z. b. v. 419. Besonders hervorzuheben ist in Ld. das part. bue 13. 
cf. Ayenbite of Inwit p. VIII. : »In the printed examples of the 
Herefordshire dialect ue often takes the place of eo as . . . buen 
(to be) for beon . . . .« Die vorsetzung des y, i oder a, sowie der 
häufige abfall des n in der endung der starken part. ist eine 
den südlichen und mittelländischen dialekten angehörige eigenthüm- 
lichkeit. Auch bei diesen part. ist das schwanken von a nach o zu 
bemerken. 

Imperativ : 

ariseth 643. P. arisith. axe (sing.) 153. C. aske. betith 111. Sl. 
bethet. Ld. bete, chese (sing.) 180. come (sing.) 135. delith 37. C. 
delep. dightep 793. C. dighte. Ld. diht. drede (sing.) 214. dresseth 
36. H. dressith. fette (plur.) 643. C. sette. for5etep 38. Ld. fordete 
go (sing.) 180. goth 36. in. 713. Ld. gope. greteth 713. Sl. gretith. 
haue (sing.) 100. 446. P. haf 446. helpe (sing.) 209. (plur.) 47S. 
herken (sing.) 364. (plur.) 858. C. herkne. Ld. herken 364. herke 
858. herkenyth 1. 343. H. harkenepe 1. herken yth 343. C. Ld. 
herkenep. P. harknep. hold (sing.) 102. 208. (plur.) 769. H. P. holde 
102. 208. hold 769. C. holdeth 769. holdith 169. 341. Sl. C. P. Ld. 
holdeth. late (sing.) 752. C. let. C. lat 376. 377. late 519. Ld. latt 
519. lete (plur.) 112. 260. Sl. lette 112. C. lat. P. lat 112. Ld. lat 
112. let 260. lynthenyth 169. H. Sl. lyitheneth. C. lipenep. P. lypenep. 
Ld. lythes. listenep 343. 551. 769. H. Sl. listneth. C. lestenep. P. 
lipenep. Ld. lipen. listenyth 1. 341. H. listenepe 1. listenyth 341 
Sl. listeneth. C. lestenep. P. listnep 1. lythen 341. listen 341. 551. 
listenythe 289. H. listeneth. Sl. lysteneyth. C. lestenep. P listnep. 
Ld. listenep. lysteneth 169. H. listeneth. Sl. lystnyth. C. lestenep. 
Ld. lysten. R. tithen 1. H. lythen. Sl. erthen. C. lithen. P. lipes. 
(Die formen in R. und Sl. rühren wohl davon her, dass der Schreiber 
den ersten buchstaben ausliess , damit der illuminator die initiale 
malen konnte. So kommt es häufig vor, dass der spater gemalte 
anfangsbuchstabe gar nicht zu dem worte gehört, ('f. A. Catol. of 
the ms. of the king's library etc. London 1734, Preface p. XI 
lithep 289. 341. 551. 769. Sl. lytpep 289. P. lithenes 289. lose (sii 
401. 409. H. Sl. C. lese 401. lose 409. Ld. lesse 401. lese 400. 
reueth in. spare (sing.) 180. stand (sing.") 102. H. stonde. C. P. 
stond. stände (sing.) 571. H. Sl. P. Ld. stonde. C. stund, talke (plur.) 



332 



F. Lindner 



616. R. take. take (sing.) 752. takip 39. H. Sl. C. taketh. teile 
(sing.) 182. wende (sing.) 2I3 worth (sing.) 482. C. worpe. wrath 
(sing.) 355. P. wrep. C. Ld. wrappe. yeldeth 648. ^yue (sing.) 268. 
H. yeue. 

Im plur. findet sich vorzugsweise die endung eth res]), -ith, 
yth, die dem südlichen und East-Midland - dialekt angehören. Auf- 
fallend ist daher P. 1. lipes. (es -endung des West-Midland dialektes.) 
Daneben steht häufig die flexionslose form und die auf -e. Kine 
masse Schreibfehler kommen vor. Vor dem pronom. finden wir im 
plur. die form auf e: talke 616. (Gen. ü. exod. p. XXIX.) lete 
112. 260. etc. 

Indicat. praes. 

1. singul. 

1 bequethe 62. I bere 321. Ld. I berep. I beseke 63. I beseche 
399. P. I biseche 63. 399. I brok 273. I broke 297. C. Ld. I biouke 

273. 297. P. 1 broke 273. 297. I lete 405. Sl. I let. I see 620. I 
swere 139. 159. P. I swer 139. I swere 159. I warne 26. 1 wene 
202. I 2jeue 361. C. 1 yiue. Das e der 1. sing, ist meist erhalten. 

2. singul. 

R. Answerist 93. H. Sl. vnswarest. C. answerest. P. answerst. 
Ld. answeres. art 114. Ld. art 114. 392. arte 222. ert 240. dost 94. 
lakkest 276. Sl. lakkist. Ld. lakkes. lixt 297. makest 199. H. makist. 
P. mast. Ld. makes. seest 768. H. seist, seist 368. Ld. seiste. seilest 

274. Sl. sillest. P. sellep. Ld. selles. spekest 104. thinkest 368. H. 
thynkist. C. P. Ld. haben hier conj. formen: thenke. 

Bemerkens werth , dass Ld. die zweite person sing, gern auf es 
enden lässt, was im West-Midland-dialekt gern gebraucht wurde. 

3. singul. 

bieth 274. Sl. bief (Schreibfehler oder ausspräche von th = f ?) 
clepith 106. H. C. P. Ld. clepeth. cometh 250. 631. C. cometh 250. 
conies 631. Ld. comes 250. 631. drawes 28. C. drawep. P. drouep. 
Ld. drauep. drawith 208. H. C. Ld. draweth. goth 99. Ld. gothe. 
hath 203. lith 161. H. C. Ld. lieth. spreynyth 503. H. P. spreyneth. 
C Ld. sprengeth. stant 812. Sl. stondith. P. stout = stont = stond- 
eth. thinkith 95. 398. Die in C. und besonders Ld. vorkommende 
endung es statt südlichem eth gehört den nördlichen oder Midland- 
dialekten an. 



The tale of Gamelyn. II -??? 

Praes. plural. 

We ben 517. they ben 97. 162. 516. 522. 641. 642. 675. C. 
been 641. P. bene Ld. bene 97. 516. 641. 642. 675, ben 162, bue 
522. 583. we han 708. P. we han 582. 708. ^e han 54. ^e haue 
54. pei han 439. P. Ld. pei hab. they leden 757. they lyuen 758. 
Ld. leuen. they make 470. Ld. maak. ^e seen 40. C. Ld. see. 2je 
seke 670. P. seche. ^e serue 468. thei stonde 294. H. C. stondeth 
181. Sl. stond 294. P. Ld. stonden 294. we walke 673. P. walk, 
they werne 457. H. P. warne, we wirken 832. ms.-R. werke. C. 
werken. P. worchen. Der Midi, plural auf en ist meist beibehalten, 
oft fällt n, auch en ab, selten ist südliches -eth anzutreffen, bue cf. 
part. praet. 

Praeteritum. 

1 . s i n g u 1. 

bak 712. Ld. brakke. did 147. Sl. dede. fond 206. H. Sl. P. 
fonde. C. Ld. fand, halpe 60. H. Sl. C. halp. Ld. helpe (verschrie- 
ben?) knew 228. H. Sl. P. Ld. knewe. toke 96. C. took. wrastelet 
257. H. wrastlid. C. wrastlede. P. Ld. wrasteled. Auch hier ist das 
end-e vielfach abgefallen. 

2. singul. 

come 222. Ld. com. knew 224. H. C. P. Ld. knewe. spakest 
94. Sl. spakkest. C. spake. P. spekest. Ld. spak. were 230. threw 
372. H. C. P. Ld. threwe. 

3. singul. 

R. answerde 671. answerid 137. 223. vnswared 255. H. ans« 
werde 137. 223. 671. vnswarid 255. Sl. answeride 671. vnswarul 
137. 223. vnsward 255. vnswared 473. C. answerde 137. 223. 255. 
473. 671. P. ansuerde 137. answerd 223. 255. 473. 671. Ld. anse- 
warde 137. 223. 671. anseward 255. 473. asked 564. bad 238. H. 
Sl. C. bade. R. Sl. bade 286. H. C. P. Ld. bad. bond 817. Ld. bonde. 
brake 245. 298. C. Ld. brak. P. breke. cared n. H. carede. cast 
237. 498. C. caste 237. R. H. Sl. Ld. kest 245. came 89. 215. 285. 
come 68. 151. P. come 89. Ld. came 68. cam 89. 151. clepid 110. 
C. clepede. P. Ld. cleped. clothed 73. dalt 65. C. Ld. dalte. dide 
75. C. dede. died 68. C. P. Ld. dirde. disserued 8. H. desaruede. 



334 



F, Lindnei 



drank 608. P. dronkc. Ld. dranke. droff 124. C. P. drof. Ld. droue. 
fare 616. feddc 73. C. Ld. felde 593. P. felled. ferde 780. R. ferd. 
Sl. farde. fley 127. H. C. fleigh. Ld. fleyhe. bigan 6. 82. H. bigonne. 
P. by ganne 82. by gönne 198. Ld. begannt 6. bygat 748. gut 
304. 536. C. gort, had 5. 8. 13. 119. H. hadde. Sl. hcd 119. hadde 
14. Sl. P. had. handlid 10. 266. H. handelede 10. Sl. handelid 10 
C. handled 266. P. handled 10. P. Ld. handcled 266. held327. H 
P. Ld. helde. hent 590. C. hente. herde 197. herd 29. H. Sl. C. Ld 
herde. byhete 418. H. Sl. byhette. C. biheet. kissed 166. kyste 168 
C. P. Ld. kist. lad. 424. C. P. Ld. ladde. lay 11. 21. 23. 25. H 
laye. Ld. leye 11. 21. R. lei 67. Ld. 23. 25. laye 66. 67. laide 
leide 125. left 782. C. lefte. lete 74. 311. 312. C. leet. light 196 
C. lighte. likid 52. C. P. Ld. liked. lokked 288. R. lokkid. lyued 9 
H. lyuede. Ld. leuede. mad(e) 118. 128.339. mettesn. name 733 
C. nam. biquath 99. 157. P. Ld. bequathe. Ld. quod 751. rood 190 
P. Ld. rode, sat 538. satte 799. Sl. Ld. satt. R. seigh 120. sei 126 
sighe 121. sauhe 134. seie 285. sey 299.330. say 494. 634. se 628 
sawgh 638. H. sigh 120. 121. 126. 285. 299. 330. 494. 628. say 
634. saugh 134. 638. Sl. seigh 120. 121. sei 126. sauhe 134. seie 
285. sey 299. 330. say 494. 634. se 628. sawgh 638. C. seigh 120. 
121. 126. 285. 330. seih 299. 494. say 628. 634. saugh T34. 638. 
P. segh 120. 121. 126. 134. 494. 634. see 285. 330. seie 299.628. 
saugh 638. Ld. sey 120. 121. seyhe 285. sauhe 299. 634. sawehe 
330. sawhe 126. 494. sawe 628. 638. sawh 134. seide 25. 47. 95. 
110. saide 53. C. saide 95. sette 189. 588. Ld. sete. sent(e) 17. 19. 
384. Sl. sende 384. shete 127. H. C. P. schette. Ld. schotte, shewid 
244. Sl. C. P. schewed. Ld. schewde. smote 298. C. smot. shone 
235. C. schon, soght 133. H. Sl. C. P. sought. Ld. souht. bisought 
193. C. bisoughte. spake 33. 101. 483. Sl. C. spak 101. P. speke 
33. spake 101. Ld. spak 483. spette 806. sterte 219. 288. P. Ld. 
stert. stood 81. 122. Sl. stode 81. P. stode 122. R. stode 196. 238» 
H. stood 196. 238. stoed 397. C. P. stood. bystrood 189. P. Ld 
bestrode, swere 91. sware 295. C. P. Ld. swore 295. taght 254 
H. Sl. P. Ld. taught. C. taughte. toke 71. C. took. told386. Sl. C 
P. tolde. Ld. tolden. thought 83. 164. C. thoughte 164. Ld. thouhte 
83. thwrew 305. H. P. Ld. threwe. wan 5. Ld. wanne, went 88 
166. 284. H. wente 166. C. wente 88. 284. P. wente 166. Ld 
wente 88. wrake 303. C. wrak. wreke 896. ms. R. Ld. wrake. C 
wrak. wraped 91. C. wrapped. Ld. wrepped. wroghte 309. H. Sl 
C. P. Ld. wrought. ^ede 243. 311. 352. 729. Ld. $ed 243. ^ede 



The tale of Gainelyn. II otc 

311. 729. ^ode 352. £af 246. Ld. gaf 533. R. H. Sl. ^eue 556. C. 
yaf. P. Ld. ^aue. for^ate 800. C. foryatte. 

Bei den schwachen verben ist der bindevokal meist i, in man- 
chen fällen ist das e der endung erhalten geblieben , was darauf 
schliessen lässt, dass das e der endung noch gehört wurde. Ferde' 
(feran = ire — derivativ von faran) cf. Schipper Alexiuslegd. p. 53. 

Praeter, plural. 

answerde 659. Sl. answeride. P. answerd. Ld. ansewerd. come 
23. 268. comen 5c. C. comen 23. camen 50. Ld. cam 23. 268. 
dalten 45. douteden 78. H. doutedyn. Sl. doutenden. P. douted. Ld. 
douten cf. talken. dreden 309. H. dredyn. Sl. dredein. C. P. dredden. 
dronken 681. Sl. drunken. C. dronke. R. H. drowhen 130. drowen 
308. Sl. drowen 130. 308. C. drowen 130. drewen 308. P. droughen 
130. drowen 308. Ld. drouhe 130. drowen 308. eten 681. fei 504. 
C. P. feile. Ld. feilen, fonde 668. C. founde. P. fond. grette 668. 
706. Ld. grete 668. gretten 706. helden 553. P. Ld. helde. herden 
21. P. harden. R. H. Sl. C. Ld. herde 653. P. hard. lay 83. C. Ld. 
layen. leten 41. 46. 507. H. letyn 46. C. lete 507. P. lete Ld. lete 
41. 507. loked 388. H. lokid. C. lokeden. loued 7. H. louede. 
maden 381. Ld. maad. metten 646. name 216. H. nam. säten 476. 
H. P. seeten. seiden 31. C. seyde. P. seide. Ld. seid. R. H. Sl. P. 
Ld. seide 269. C. sayden. sterten 645. H. stertyn. stod 504. C. 
stoode. P. stode. R. Sl. C. P. Ld. stoden 507. H. stodyn. talkeden 
775. C. talked. Ld. talken cf. douten. told 51. H. Sl. P. Ld. tolde. 
C. tolden. wasshen 542. C. wisshen. Ld. wissen, wenten 42. H. 
wentyn. wroght 525. C. wroughte. ^eden 510. 

Die endung en ist besonders vor vokalen und h geblieben. Viel- 
fach keine plur. - endung. H liebt die endung -yn. Der plur. - ablaut 
ist manchmal erhalten. 

Praeterito-Praesentia. 

Thou shalt 92. 103. 159. 233. R. shat 159. Sl. schal 232. C. schat 
92. Ld. schall 580. it shal 161. 184. we shul 150. 434. C. we schulle. Lei. 
we schal 150. 434. 450. we schol 156. 158. P. we shal 150. ^e shul 
2. 170. H. schulne 2. st hüll 170. C. schulle 2. schul 170. Ld. 
schuhen 2. schal 170. 290. thou shuldest 374. H. Sl. schuld ist. C. 
Ld. scholdest. C. Ld. he scholde 44. they shuld 12. 19. H. schulde. 
C. schulde 12. scholden iq. Ld. schold 12. scholden iq. 



33 6 



)■'. Lindnei 



I con 432. C. P. can. Ld. kau. we <:on 63. C. P. Ld. conne. 
R. he couthe 164. 224. 466. coude 4. 174. cowde 48. H. couth 
164. 466. couthe 4. coude 174. 224. cowde 48. Sl. couthe 224. 466 
coude 4. 174. cowde 48. C. couthe 4. 164. 174. 224. 466. coude 
48. P. couthe 164. 466. coude 4. 174. cowde 48. Ld. couthe 4. 
164. 174. 224. 466. coude 48. 

I may 27. thou may 401. Ld. niaie. hema>'32. 200. Ld. maye 
32. maie 200. may 34. they mow 675. Sl. C. P. mowe. he myght 
16. C. P. mighte. they myght 48. (C. P. Ld. mow 48.). 

R. he dorst 109. 853. durste 217. H. dorst 109. dorste 217. 
durst 853. Sl. dirst 109. dorste 217. durste 109. 853. dorste 217. 
P. dorst 109. 853. durst 217. Ld. dorste 109. 217. 853. 

R. H. I wot 34. wote 433. Sl. P. Ld. wote 34. 433. C. wot 
34. 433. R. we witten 644. H. Sl. C. witen. P. Ld. weten. R. H. 
Sl. Ld. he wiste 167. wist 369. C. wist 167. wiste 369. P. wist 
167. 369. 

R. Sl. I most 178. mote 227. moste 141. H. P. I most 141. 
178. mote 227. Sl. C. I most 141. mote 227. moste 178. Ld. I 
mot 127. 141. moste 178. R. thou mote 114. 116. 233. most 156. 
158. 176. H. thou mote 114. 116. muste 156. 158. moste 176. 
Sl. thou mote 114. 116. most 156. 176. moust 158. C. thou mot 
114. 131. mote 116. 233. most 156. 158. 176. P. mote 114. 116. 
most 156. 158. 176. Ld. thou most 114. 156. 158. must 116. 
moste 176. he mote 106. ze mote 131. 

Das Verbum: Wollen. 

R. I wil 56. 92. 210. wol 205. H. I will 56. 92. 210. woll 
205. Sl. I wil 56. 92. 210. wole 138. 518. wel 205. C. I wol 56. 
92. 138. 229. wil 136. wel 189. P. I wil 56. 92. 205. 210. Ld. I 
wil 56. 92. 205. 210. R. H. thou wilt 182. 207. 819. wil 414. Sl. 
thou wilt 182. 207. wolt 819. wil 414. C. thou wolt 182. 819. wilt 
207. wil 414. P. thou wilt 182. 207. 819. wil 414. Ld. thou wilt 
182. 207. wilte 819. wil 414. C. he wol 262. R. H. P. Ld. we will 
314. Sl. we wille 314. C. we wiln 314. 831. wol 324. R. H. C. P. 
Ld. ze will 132. Sl. ze wille. P. they willen 441. R. Sl. thou wold 
142. woldest 160. H. C. Ld. thou wolde 142. woldest 160. P. thou 
wold 142. 160. R. Sl. P. he wold 15. 80. 265. H. C. he wolde. 
Ld. he wolde 15. wold 80. it wald 16. R. Sl. they wold 20. 144. 
H. C. Ld. wolde. P. they wölk 20. wold 144. 



The tale of Gamelyn. IT -»^y 

NUMERALIA. 

On, one, oon 242. 244. twei, twey, tweie, two, tuo, tweyne 
204. 242. 734. pre 245. fyue 316. C. seue 327. Ld. seuen. ten205- 
C. fiftene 358. sixtene 358. 361. ffoure and twenti 553. R. Sl. C. 
the thridde 687. H. thnd. Ld. thred. 

PRAEPOSITIONEN. 

afore 656.792. P. afor 656. tofore 792. after 384. H. aftir. P. 
efter. Ld. affeter. at 8. by 53. H. P. Ld. be. fro 144. Ld. from. 
into 127. C. Ld. intil. thorgh 844. C. thorugh. Ld. thoruh. til 742. 
745. C. P. to. Ld. vnto 742. 

ADVERBIEN UND CONIUNCTIONEX. 

algate 115.449. P. algates. altogidre, altogider 730. Ld. alto- 
geder. and (= if) 367. 819. P. and if 367. and 819. arst 538. azen, 
azein, azens, azeinst 255. 548. 778. bitterly 198. boldeliche 718. H. 
C. P. Ld. boldely. but 13. 108. 110. Ld. bot. bysiden 597. P. besi- 
des. Ld. beside. deolfully 475. C. P. dolfully. Ld. dolfoly. eke, eek 
73. 480. er 516. 568. 596. 864. H. yer 568. C. ar 605. R. H. Sl. 
C. P. or 394. Ld. ar 394. 596. or 864. paste 127. Sl. C. P. Ld. 
fast, for 44. hard 676. C. Ld. harde. haluendel 272. H. hauyndell. 
P. haluendele. here, hire 222. Ld. hider. I-wis, ywis4.11. Ld. I-wisse. 
lenger 27. 337. 604. C. longere 604. Ld. longer 27. 337. 604. 
long(e) 77. lowe 162. P. lawe. manly 832. ne (statt nor) 214. C. Ld. 
nor. ne-nought 147. not 37. 38. etc. C. nat 37. nought 37. not 41. 
Ld. nouht. nolher 22. 390. C. neither 22. P. Ld. neyther 22. 390. 
on lyue 225. 228. 488. P. alyue. Ld. alive 488. on twyne 317. C. 
P. Ld. atwynne. or (ob) 148. H. Ld. if. P. wher 1= whether), sithen 
257. Ld. seppe 257. 356. swithe 152. 541. R. sucche 541. Sl. swich 
152. to good chepe (ä bon niarche) 278. than33- then 25. C. thanne 
P. Ld. than. thenne 545. P. thenne. Ld. then. R. tlici 652. thoghe 
484. H. theigh 484. Sl. though. 652. theigh 484. C. they. 4S4. 65.'. 
P. thoo 652. though 484. Ld. tliouh 484. 652. per 11. 1115. 511. 
Ld. thar 511. there 89 794. H. Sl. C. P. thaiv Ld. thare 794. 820. 
thider 123. Ld. theder 123. 310. 527. 684. when 110. C. P. Ld. 
whan. whether 249. 758. Sl. where 249. P. fvfoedere 249. whidei 
133. 182. H. whither. wonderly 266. C. wunderliche, jre 44.7. C. ya 
yesterday 315. P. zusterday. Ld. zjsterdaie. ^et 54. 158. 204. C. P. 

Kölbing, Englische Studien. II. 2. -- 



33* 



1- . Lindner 



Ld. ^it. jjif 20. 115. H. yf 20. if 115. yef 158. 204. C. Ld. if 20. 
115. 158. 204. P. if 20. 115. 158. 

Von interjectionen und betheuerungsformeln kommen etwa vor : 
alas, alias 167. 201. 530. R. Sl. waylaway 197. H. welaweie. C. 
wayloway. P. weiloway. Ld. walawaie. parde 743. Ld. pardie. 

PRONOMINA. 

Personalia. 

1. un d 2. per son. 

R. y = I 632. Sl. y 115. 201. 210. 323. P. y 257. Ld. y 
138. 515. R. pu 368. 443. Ld. pu 230. 252. 437. pue 230. $e 
nomin. 2. 3011, yow acc. 27. Ld. sehe statt ^e 678. zowe acc. 26. 

3. person. 

R. hit 8. 14. 262. 583, aber it : 15. H. hitt 8. hit 262. 583. 
it 14. 15. Sl. hit 14. 15. 262. 311. it 8. C. nur it wie P und Ld. 
C. Ld. hem statt him 482. R. pai 19. 516. thei 20. 30. pe 337. 
hem 438. H. thei 19. 20. 30. hem 438. Sl. pei 19. pai 20.30. hem 
438. C. pey 19. 20. 337. pay 30. 45. 337. 522. 554. 557. 597. 
hem 438. pam 438. 485. 561. P. pei 19. 20. 30. hem 438. Ld. 
pei 19. 20. 30. 126. hem 553. hem 438. ham 544. peim 438. paym 
485. Ld. pei 126, wo die andern handschriften he haben. 

Possessiva. 

my (sones) 36. Ld. myne. his (children) 12. 85. 86. 87. C. 
hise 12. 87. 

here 7. 462. C. pair 462. Ld. peire 462. peire 569. Sl. ther. 

Die reflexiva in der form des Personalpronomens: him 91. 
hem 130. Als relativum dient that. Die interrogativa zeigen 
keine abweichungen ; zu bemerken nur whiche 864. P. what. Sl. ho 
353. statt who. 

Demonstrativa. 

po 279. 388. P. po (lordes) 718. such 411. C. swich. 411. 738. 
747. Sl. sich 738.747. pis (pl.) 358. 361. 404. pis und that als be- 
stimmter artikel gebraucht 117. 194. 201. C. zeigt 117. H. 201. P. 
194: the. Zusammensetzungen mit seif: himself, selue, seluen (Ana- 
logie mit lui- meme) 72, my seif 212. py seif 92. 



The tale of Gamelyn. II •23 g 

Indefinita. 

R. Ld. any 40. 395. 423. H. Sl. any 40. H. ony 395.423. C. 
ony 40. Sl. C. P. eny 395. 423. eche 16. 443. Ld. iche. every 119. 
C. euerych. euerychon 866. P. euerechone. non vor h 13. Ld. no. 
some 129. 504. Ld. sum 504. 543. 

ADJECTIVA. 

sike 11. 21. 25. C. Ld. seek 21. P. seke 21. Sl. C. the gode 
knight 9. 11. 25. R. good 11. 25. H. good 25. P. good 9. 11. 25. 
Ld. good 25. my $ong sone 37. C. Ld. porige. Ld. zin 190. C. 
z/jnche 190. zvng 148. H. P. yeng. moche 650. Sl. mich. Ld. muche. 
hende 755. R. hynde. Plural: gode stedes 62. H. P. good. good 
men 63. C. goode. faire okes 84. P. fare. alther 256. 321. Ld. aller 
321. grete lordes 476. H. gret. 

Comparativ. 

eider 70. older 232. C. oldere 70. 232. Ld. alder 70. 232. 
worse 107. 740. H. C. Ld. wurs 740. Ld. wers. bette 112. better 
299. C. bet 112. bettre 299. Ld. bitte 112 (im reim auf witte.) mo 
260. 642. Sl. more 642. leuer 621. H. leuyr. C. leuere. 

Superlativ. 

gongest 44. H. yongist. myddlest 59. H. myddlist. C. P. middelest. 
Ld. meddelest. strengest 78. Ld. strongest. lest 460. H. C. leste. 
meste 460. P. mest. next 714. 714. C. nexte. worst 870. C wors. 
Ld. werst. 

SUBSTANTIVUM. 

(Gen. sing.) 

R. Ld. Adame lord 415. H. Sl. C. P. Adams 1. my brother 
seier 316. P. brothers s. brothres 77. brotheris 81. brothers 124. 
H. brothris 77. brothers 81. brethers 124. Sl. brothers 77. 124. C. 
brotheres 77. 124. brothers 81. P. brothers 77. brotheres 81. 124. 
Ld. brothers 77. brothere 81. brethes 124. R. his fader curs 8. 
fadres 58. 748. H. ffadres 8. fadris 58. 748. Sl. fadris 748. C. faderes 
8. fader 748. P. faders 8. 58. fader 748. Ld. faders 58. Gamelyn 
wordes 677. C. Gamelynes w. P. Gamelyns w. goddes wille 24. H. 
goddis. P. goddys. heuen kynge 193. H. heuyn k. P. heuene k. 
Sl. mannys 294. 624. H. mannes 294. mannes 624. C. Ld. mannes 



34Q 



F. I.iwlncr 



294. 624. P. mennys 294. St. Marie curse 322. C. P. Ld. Maries. 
Alle handschriften zeigen St. Maries curse 480. wode bough 633. 644. 
wode lyride 676. 702. wode rys 771. 803. wode shawe 638. 670. 696. 

Zusammensetzungen: 

Broke back scherreue. 720. deeth-bed 24. 66. 360. P. dethes- 
bedde 24. 360. Ld. dede-bedde 360. halle-dore 461. 496. P. haldore 
461. mote-halle 717. sonday 434. Ld. sonondaye 434. sondaie 459. 

Zur lautlehre: 

Awe 543. eye 129. 253. eye {egg) 610. H. C. ay. P. ayc. Ld. 
aie. contik 132. H. contek. P. contecte. chirche 436.508. Ld. cherche. 
gyrdel 537. H. gyrdill. Ld. gardel. heire 365. H. Sl. P. Ld. here. 
C. heer. eyer 366. H. Ld. eire. C. heir. P. beire. hire 698. C. P. 
Ld. ire. honde 250. 420. Sl. hande 420. C. hand 374. 377. Ld. 
hande 250. honde 420. husbonde 13. H. husbande. C. housbond. 
londe 14. P. land 895. messagere 729. P. massager. Ld. messagier. 
(Aehnlich Ld. wrastelier 282. portier 293. 295. 299. aber portere 
303.) solere 351. C. Ld. seilere, tydyng 687. H. tithyng 687. 690. 
692. 703. 708. Ld. tidynge 687. sonst: tithinge, wike 687. Sl. woke. 
C. P. Ld. weke. wrastlyng 171. P. Ld. wrestlinge 194. 

Plural. 

Bondes 409. 457. H. bondis 409. bendis 457. C. beendes 457 
Ld. bendes 457. brethrin 48. bretheren 7. 736. H. bretherne 7. Sl 
brethren 7. 48. britherne 736. P. brether 7. bretheren 48. Ld. bre 
therne 7. 48. brethern 736. bretherne (dat.) 734. H. bretheryn. C 
P. bretheren. Ld. brether. children 12. H. childron. clothes 209. 214 
H. clothis 214. fadame 306. H. fadome. C. fadmen. P. fadme. Ld 
fathem. fetres 454. H. feters. Sl. feders. C. fetteres. P. Ld. fetters 
flone 648. foon 541. 574. handes 198. hondes 417. H. hondis 198 
417. Sl. hondes 198. 417. C. hondes 198. handes 417. P. hondes 
198. 417. handes 439. Ld. hondes 198. 417. hosen 269. keys 416 
621. H. Sl. keyes. C. kayes 416. P. Ld. kayes 416. 621. londes 18 
landes 83. 410. H. londis 18. 83. 410. Sl. londes 18. 410. landes 
83. C. Ld. londes 18. 83. 410. P. londes 18. 410. landes 83. lede 
71. 104. 895. ledes 61. H. ledis 61. Ld. lede 61. lendes 458. H. 
lendis. legges 524. H. Sl. leggis. P. logges. myle 545. nyght 327. 
nyghtes 396. H. nyghtis. pound 205. H. Ld. pounde. P. u X li. ribbes 
245. score 628. seruauntes 544. H. seruantis. C. Ld. ser antz. shone 



The tale of Gamelyn. II 34 1 

208. 212. 269. sones 5. 251. H. Ld. sonnes 5. C. sone 251. Ld. 
son 251. 294. staffes 118. H. C. P. Ld. Staues, tonne 316. H. toun 
Ld. tun. wodes 788. H. wodis. Ld. wode. ^ere 358. 361. 404. C. ^er. 

Der artikel. 

Bei dem bestimmten artikel pe und the ist nur zu bemerken, 
dass das neutrum manchmal durch that bezeichnet und das pron. 
dem. this auch als artikel verwendet wird. Cf. oben die pron. dem. 
Als unbestimmter artikel wird a vor consonantisch-, an vor vokalisch- 
anlautenden worten gebraucht , wogegen die formen mit dunklem 
vokal : on, oon, etc. als zahlwort gelten. Cf. oben die numeralia. 

Das Substantiv. 

Unorganische anhängung eines -e an Wörter, welche im Ags. 
consonantisch auslauten, ist sehr häufig in allen handschriften. Der 
volle vokal am ende ags. Wörter ist überall zu -e geschwächt. Der 
plur. wird meist auf es gebildet. Einige plurale auf -n kommen vor. 
H. wählt fast jedesmal die nördliche endung -is, -ys. Einige alte 
plur. ohne flexion haben sich erhalten , wenige enden auf -e. Be- 
merkenswerth ist noch: der nördliche plural brether, der in P. und 
Ld. auftritt, wobei jedoch leicht eine — auch sonst in unseren hand- 
schriften häufige — Verkürzung durch abfall von -en aus dem sonst 
gewöhnlichen bretheren stattgefunden haben kann. Als dat. pl. steht 
bretheren etc. = ags. brödrum. Die plur. fadame etc. von fadom 
= ags. faedm. Der ags. plur. leöde in lede meist erhalten, daneben 
ledes. Ld. hat den plur. wode. Der ags. plur. suna ist in sone, 
son erhalten — daneben sonnes. Das südliche lenden ist überall 
durch nördliches lendes ersetzt. C. Ld. haben die französische endung 
in seruantz. Die Wörter auf er, cf. fetters elidiren entweder das e 
des Stammes oder das der flexion, ebenso im gen. sing. H. childron 
cf. Ayenbite of Inwit p. XIII (ms. Cott. Tib. D. VII). H. C. Ld. 
haben noch den ags. plur. bendes = bendas, sonst bondes. Die plur. 
flexion zeigt also starke alterthümlichkeiten. 

Der gen. sing, wird oft durch of umschrieben. Allgemein gilt 
die endung es, wofür jedoch in allen handschriften, nicht blos in H., 
die nördliche endung -is, -ys eintritt. Die worte fader und 1 »rother 
werden mehrfach unflectirt angetroffen. Uebereinstimmeml findet sich 
stets der gen. wode, der in südl. dialekten vorkommt, cf. Ayenb. p. 
XXXV. Ebenso: heuene king. Von fem. eigennamen fleetin Marie 
auf e in R. H. Sl. an einer stelle. Sonst findet sich Maries. Auch 



342 



F. Lindncr 



einige mascul. eigennamen, wie Adam, Gamelyn sind im gen. un- 
verändert. 

Der vielen unorganischen end-e wegen ist es schwierig festzu- 
stellen, ob die noch häufig auftretende endung e im dat. und acc. 
mit bewusstsein angewandt wurde, oder nur versehen des Schreibers 
ist. Einige dative auf e sind sicher, bei andern kann das e ein 
schon früh in den nomin. eingedrungener vokal sein. 

Das adjectiv. 

Auch hier ist vielfach unorganisches e hinzugetreten. Die definite 
form ist noch manchmal erkennbar, sie wird meist durch e bezeichnet. 
Auch der plur. zeigt meist die endung e. Ausser dem singl. flexi- 
vischen -e ist sonst von flexionsendungen zu bemerken der gen. plur. 
alther, aller. 

Das adverb. 

Viele adverb. auf e. Auch im compar. cf. C. 604. Die süd- 
liche endung -liehe in R. Sl. 717. u. C. 266. sonst -ly. 

Conjunctionen. 

Algate in allen handschriften ; im südlichen dialekt unbekannt. 
C. P. Ld. zeigen mehrfach die südliche vorsilbe a — aliue, atwinne, 
wo die andern on verwenden. Das südliche eke in allen hand- 
schriften; ebenso thenne, thennes. Dagegen häufig nördl. thare. 

Pronomina. 

Das personalpronomen der ersten person lautet stets I oder y, nie 
ic oder ich. Das der zweiten person sing, pu oder pou. Das pron. 
der 3. sg. mas. gibt zu keiner weiteren bemerkung anlass, als dass 
es auch reflexiv gebraucht wird. Pron. 3. sing, neutr. ist hit und it. 
Das pronom. 3. plur. ist meist thei oder thai. Nur einmal findet 
sich in R. H. Sl. C. P. he, wo freilich Ld. auch thei setzt. Der dat. 
und accus, ist hem, und them mit verschiedener vocalisation, die auf 
nördlichen midland-dialekt schliessen lassen. 

Die gen. der pron. pers. werden allenthalben als pron. possess. 
verwendet ; mi, my wird lieber vor conson. anlautenden worten ge- 
braucht, obgleich sich auch mine so findet. Der plur. lautet mine. 
Als plur. von his findet sich in C. hise. Das pron. poss. 3. pl. ist 
here und theire. Besonders ziehen C. und Ld. letztere form vor. 



The tale of Gamelyn. II iai 

Als pron. relat. wird nur that verwendet. Die pron. demonstr., 
interrog. und indefin. geben zu keinen bemerkungen anlass. 

Zur lautlehre. 

Um mich kurz zu fassen verweise ich auf die darstellung der 
lautlehre in Schippers Englische Alexiuslegenden. Die beispiele er- 
geben sich aus obigem, nur abweichendes hebe ich hervor. 

Die behandlung der vokale stimmt in allen handschriften mit der 
der Alexiuslegenden überein. Der diphthong eo steht nur in R. H. 
Sl. deolfully 475, wofür die andern handschriften o eintreten lassen. 
Bei r ist ausser dem aao. bemerkten zu erwähnen die metathesis 
in C. 309. wreke für werke Ld. gars statt gras 69. Aber gras 196. 
Die behandlung von ags. ht cf. oben. Im reim auf chirche steht 
wirche 507, sonst wirke. 

Aus mangel an zeit musste ich mich bei den bemerkungen sehr 
kurz fassen, doch hoffe ich später gelegenheit zu haben, besonders auf 
die lautlehre näher eingehen zu können. Ich kann jetzt leider nur an- 
deutungen geben. Besonders kam es mir an auf die feststellung des 
materials, eine zeitraubende arbeit, durch welche aber allein ein über- 
blick gewonnen werden kann. So will ich auch nur kurz meine an- 
sieht über den muthmasslichen dialekt des dichters ohne nähere be- 
gründung geben, denn aus der obigen Zusammenstellung kann sich zu- 
nächst jeder leicht ein urtheil bilden. Die handschriften zeigen durchaus 
den Midland-typus. Einige südliche formen kommen vor. Viele den 
nördlichen dialekten eigene formen und worte finden sich in allen 
handschriften. Ausserdem sind viele alterthümlichkeiten berührt , so 
dass meine ansieht schliesslich ist, der ursprüngliche text ist in dem 
nördlichen theile des West-Midland dialekts etwa am ausgang des 13. 
Jahrhunderts verfasst. 

Rostock, oct. 1878. 

F. Lindner. 



344 



K. Böddeker 



ÜBER DIE SPRACHE DER BENEDIKTINERRE( ,KL 

(pag. 60 ff. d. bandes). 

EIN BEITRAG ZUR KENNTNISS DES NORDHUMBRISCHEN 

DIALEKTS. 



UNTERSUCHUNGEN ÜBER DEN LAUTWERTH EINZELNER 
VOKALZEICHEN. 

Alexander J. Ellis hat in seinen Untersuchungen über die aus- 
spräche des englischen in den vergangenen Jahrhunderten (On Early 
English Pronunciation, with especial reference to Shakspere and Chaucer) 
die lautverhältnisse der dialekte des nordens in ihrer älteren gestalt, 
des nordhumbrischen und des schottischen dialektes, nur gelegentlich 
berührt. Die von ihm im 1. theile seines werkes, pag. 411, fuss- 
note, erwähnten arbeiten von Murray über die ausspräche des alt- 
schottischen sind mir nicht zugänglich. — Mit Henry Sweet's ver- 
dienstvollem werke (A History qf English Sounds, London 1874), 
welches eine gesetzmässigkeit auch in dem übergange eines vokal- 
lautes in einen anderen nachgewiesen hat, müssen wir eine neue ära 
für das Studium der lautentwicklung datiren, speziell auf dem gebiete 
der englischen spräche. Es dürfte seitdem niemand mehr wagen, 
die lautwerthe der zeichen irgend eines altenglischen Sprachdenkmals 
zu besprechen oder lautwandlungen aufzustellen, ohne zu jenem buche 
Stellung zu nehmen. Aber die schätzenswerthen resultate der for- 
schungen von Sweet machen gleichwohl Spezialuntersuchungen über 
die laute, welche wir den zeichen eines einzelnen produktes der älteren 
litteratur beizulegen haben, nicht überflüssig, denn 

1) die von Sweet nachgewiesenen lautwandlungen finden nicht 
in allen theilen Englands zu gleicher zeit statt, vorausgesetzt, 
dass sie überhaupt für alle dialekte konstatirt werden können. 

2) keimt innerhalb eines dialektes das bestreben auf, einen vokal- 
laut unter gewissen bedingungen zu modifiziren, so macht sich 
dieses bestreben der lautänderung zunächst an einzelnen Wörtern 
bemerkbar; nach und nach gewinnt der wandlungsprozess an 
intensität und greift immer weiter um sich, bis er, wenn nicht 
alle, so doch die grosse mehrzahl der Wörter, welche unter 
die betreffende regel fallen, ergriffen hat. 



Ueber die spräche der Benediktinerregel 245 

3) die lautwandlungsgesetze — um die zu gewissen zeiten auf- 
tretenden regungen, gewisse lautgruppen nach einer bestimmten 
richtung hin zu modifiziren, als vgesetze« zu bezeichnen, da 
sie ja für die masse des Sprachschatzes gesetzlich bindende 
kraft erlangen — sind nicht für alle dialekte dieselben. Die 
gesammtheit der laute eines dialektes trägt ein eigenartiges 
gepräge, in welchem eigenartige keime der fortentwicklung 
schlummern. — Dass daneben anregungen von aussen statt- 
finden können, zeigt vielleicht keine spräche so deutlich wie 
die englische, in welcher wir eine Wanderung von wortformen 
und lautklängen von norden nach süden durch mehrere Jahr- 
hunderte verfolgen können. Gleichwohl gehen in jedem 
dialekte einzelne lautübergänge aus spontanen regungen hervor, 
und wenn auch diese regungen innerhalb verschiedener dialekte 
und selbst verschiedener sprachen oft genug identisch sind, so 
können sie doch auch für den einzelnen sprachzweig eigen- 
artig sein. Sweet hat den laut, den die sprachweise des ge- 
bildeten Südengländers gegenwärtig den einzelnen Wörtern 
beilegt, genetisch zurückverfolgen und auf den verschiedenen 
stufen seiner entwicklung vorführen wollen. Sein buch macht 
daher nicht den anspruch, über die geschichte der laute jedes 
einzelnen dialektes aufschlüsse geben zu wollen. 

ai, ay. 

Die beantwortung der frage, wie diese Verbindungen in der 
Benediktinerregel zu sprechen seien , bietet nicht geringe Schwierig- 
keiten. Wenn Ellis (a. a. o., 2. tfieil, pag. 63 j ß.) für Chaucer 
eine zweifache lautgeltung der zeichen ai, ay mit voller bestimmtheit 
glaubt annehmen zu dürfen, so kann das für den nordhumbrischen 
dialekt nicht massgebend sein. Sweet, welcher in erster linie a priori 
verfährt, auf die schriftliche darstellung eines lautes daher sich 
nur dann beruft, wenn dieselbe seine hypothese kräftig befürwortet, 
berührt den lautwerth von ai, ay — der ja auch in verschiedenen 
gegenden und zu verschiedenen zeiten ein verschiedener war - nicht. 
Auch der von ihm aufgestellte und der mitte des 17. Jahrhunderts 
zugeschriebene Übergang des diphthonges a - 1 in e - 1 (auf genauere 
bezeichnung der lautfärbung verzichte ich) in romanischen und ger- 
manischen Wörtern — in letzteren für älteres ar, ag — darf uns 
nicht zu voreiligen Schlüssen fortreissen , da dieser Übergang nur für 
die spräche des Südens nachgewiesen ist. 



346 K. FJoddeker 

Stützen wir uns auf das material, «reiches der reim zu 110 
Untersuchung bietet. 



Wir finden 


in v. 


474 f- 


den 


reim 


->|<are 




aire 




in v. 


320 f. 


- 


- 


fuiir (dort) 


fare fiter) 




in v. 


"95 >'• 


- 


- 


[jer (dot 





mayr 




in v. 


2402 f. 


- 


- 


air 




euermair 




in v. 


994 f- 


- 




snare 




(air (dort) 




in v. 


1098 f. 


- 


- 


reward 




spaird 




in v. 


400 f. 


- 


- 


herd 




fraward 




in v. 


3 2 4 f 


- 


- 


were 




fare (pulcher) 




in v. 


1251 f. 


- 


- 


hare (liier) 


lare 




in v. 


889 f. 


- 


- 


warkes 




Clerkes. 



Die älteren formen dieser reimwörter zeigen in sechs fällen das 
zeichen ce, resp. ce, nämlich für per, (pair), air, lare, spare, fare 
(pulcher) , fare (iter) , altnordhumbrisch ddr, är, leera, spcera, 
fceger, feer. Dass altnordh. ce in den fünf letztgenannten Wörtern 
(är, Idra, spcera, fceger, fcer) ä lautete, nach Sweet ee (lang), e (kurz), 
duldet keinen Zweifel. Nach der von Sweet aufgestellten regel 
hat sich der laut ee beim übergange in die sprach periode, die er als 
Middle English bezeichnet, erhalten ; e ist in vielen fällen, speziell im 
worte fceger, zu ee gedehnt worden. Für die annähme, dass der 
ältere laut ee sich im norden Englands nicht ebenso erhalten haben 
sollte, dass derselbe in der mitte und im süden des landes unverändert 
beibehalten wurde, ist kein grund erfindlich. Die mit bezug auf das 
mittelland und den süden nachgewiesene dehnung des e ist für den 
norden wenigstens als möglich, wenn nicht als wahrscheinlich anzu- 
nehmen. So dürfen wir für air, lare mit Sicherheit die ausspräche 
eer, leer annehmen, für spare, fare (pulcher), fare (iter, ire) wenigstens 
als wahrscheinlich die lautgeltung Speer, feer, feer 1 ) hinstellen. Die 
ausprache von snare muss der von spare analog sein. 

Es bliebe noch zu untersuchen, wie wir pair (per) zu sprechen 
hätten. Die gründe, welche Sweet veranlassten, für das angelsäch- 
sische zeichen ä zwei werthe anzunehmen, nämlich ausser ee noch c 
(ii), wenn dieses zeichen gothischem e, neuhochdeutschem ä entspricht, 
sind unwiderleglich : aus gleichem konnte unter gleichen Verhältnissen 
nicht verschiedenes erwachsen. Hiernach wäre im süden Englands 
dar ausgesprochen worden deer. Ob dieselbe Unterscheidung auch 
hinsichtlich des Altnordhumbrischen beobachtet werden muss, ist noch 



1) Im mittellande und im süden hatten die formen, welche obigem spare 
bez. fare (iter, ire) entsprachen, einen anderen lautwerth, da sie aus anderen vor- 
formen (sparian, bez. faran) hervorgegangen waren. 



Ueber die spräche der Benediktinerregel ^47 

zu untersuchen. Für uns ist das resultat einer solchen Untersuchung 
vorläufig gleichgültig, da auch älteres ee vor ;- beim übergange in 
Middle English nach he auswich (a. a. 0. pag. 11g, oben) x ). 

In folge des erwähnten lautüberganges von ee vor r zu ee mussten 
her 2 ) (hier) und herd (gehört) nach Kehr und hccrd ausweichen. 

Das kurz£ e schliesst sich an folgendes r viel unmittelbarer an, 
als die entsprechende vokallänge. Die folge davon ist, dass der laut 
\ durch den einfluss von r nach ä hin modifizirt wird , oder , wie 
Sweet sich ausdrücken würde, aus der »mid positioti« in die *low 
Position hineingezogen wird. Der ältere laut e vor einfachem con- 
sonanten zeigt aber im Mittelenglischen die entsprechende vokallänge, 
ee, so dass wir bei Sweet eine grosse zahl von Wörtern finden, in 
denen sich aus älterem er resp. cer später her entwickelt hat. Das 
gesetz, welches sich in dieser lautentwicklung bethätigt, ist ein so all- 
gemein gültiges und naturgemässes , dass wir annehmen müssen, es 
habe auch in den nördlichen dialekten Englands umbildend gewirkt, 
wofern wir diese annähme auf irgend etwas thatsächliches stützen 
können. Eine solche stütze aber bieten uns die obigen reime. Das 
erste Stadium des prozesses , in folge dessen er in Irr umgelautet 
wurde, nämlich der Übergang von er zu er, wird ausserdem bewahr- 
heitet durch formen wie sarue neben serue: a und e konnten sich in 
keinem andren laute begegnen, als in dem laute ä (e). — Wir haben 
demnach dem worte were den lautwerth wehr beizulegen , warkes. 
Clerkes dagegen zu sprechen Werkes, Clerkes, der mehrfachen con- 
sonanz wegen, welche auf ursprüngliches e folgt. 

Der laut der vokalverbindung ai im worte mair y ) ist noch nicht 
festgestellt. Angelsächsisches ä vor ;■ ist in den dialekten des mittel - 

1) Wenn zwei der hierhin gehörigen Wörter, far und dSr, neuengl. fear und 
Her, in der jetzigen spräche den ursprünglichen laut nicht mehr zeigen, sondern 
den lautwandel von ee zu t mit erfahren haben, so sind dabei offenbar ganz ab- 
sonderliche motive der deutliehkeit wirksam gewesen. Im Mittelenglischen werden 
beide den lautwerth feer, beer gehabt haben, den Sweet wenigstens für erstere- 
annimmt. — 2) Sweet stellt für die mittelenglische vorform des beutigen hert 
(hier) den laut hier auf. Ob in der that im Süden Englands bis ins 16. Jahr- 
hundert hier gesprochen wurden ist, vermag ich ohne sorgfältige Untersuchungen. 
die vielleicht auch nicht einmal alle zweifel aufhellen würden, nicht zu entscheiden. 
Im norden ist sicherlich nicht heer gesprochen worden, denn niemals hätte sich 
dieser laut durch die form hare darstellen lassen. — 3) Wir linden neben ■■>•■ 1 
auch »more*, eine form, die dem +northern dialect* nicht angehört. Die spräche 
der Benediktinerregel ist nicht ganz rein nordhumbrisch, sie lä^st beeinflussung von 
Seiten eines mittelländischen dialektes erkennen. — Ob das n in mar und ver- 
wandten wörtem bei Richard Rolle de Hampolt (um 1350) bereits ee zu sprechen 
ist, lässt sich bei der einheitlichen Orthographie dieses Schriftstellers schwer 
entscheiden. Ich halte es aber für wahrscheinlich, da •••mir. mehrfach mil 
•pan reimt. 



438 



K Böddeker 



landes und des Südens ohne ausnähme in ob ao gerundet« worden, 
Sweet, a. a. o. pag. 94. Andrerseits hat beim übergange von Mittel- 
englisch in Neuenglisch ein anderer lautwandel stattgefunden, nämlich 
der von ä vor r zu ee, Sweet pag. 84. Da nun maire in unsrer 
handschrift an zwei stellen mit Wörtern reimt, denen der laut < i zu- 
kommt, so müssen wir nothwendig schliessen, dass jener lautübergang, 
den wir zu beginn der neuenglischen sprach periode im süden be- 
obachten, im norden bereits vor 1400 sich in einigen Wörtern vollzog, 
während im süden gleichzeitig oder früher das entsprechende ä in ob 
auswich. — Der Übergang von a zu ee zeigt sich gleichzeitig in ro- 
manischen Wörtern, man vergleiche depayrted, v. 34, und ähnliche 
wortformen. 

Eines der bis jetzt erzielten resultate unserer Untersuchung ist 
die Wahrnehmung, dass ai, ay vor r den laut ee repräsentiren. — Zu- 
gleich haben wir gefunden, dass e, a vor einfachem r, wenn diesen 
vokalen früheres d>, ee, e entspricht, ee lauten; dass e, a vor r mit 
folgendem consonanten , wenn früher e an der betreffenden stelle 
stand, e zu sprechen sind; dass demjenigen e, welches für früheres e 
eingetreten ist, vor r der laut ee zukommt. 

In welchem umfange ä in ee umgelautet ist, lässt sich aus einem 
einzelnen Sprachdenkmal von beschränkter ausdehnung nicht be- 
stimmen. 

Der lautwerth von ai, ay ist demnach festgestellt für den einen 
fall, dass r darauf folgt. Alle anderen fälle bleiben noch zu unter- 
suchen. Wir benutzen wieder den anhält, den uns die reime bieten: 

Wir finden in v. 364 f. den reim bayne 

in v. 562 f. - 

in v. 1040 f. - 

in v. 1276 f. - 

in v. 1413 f. - 

in v. 1838 f. - 

in v. 554 f. - 

daneben in v. 1012 f. - 

in v. 1860 f. - 

in v. 2341 f. - 

in v. 2355 f. - 

Endlich ist beachtenswerth die form »soueray/i« in 1678. Diese 
reime belehren uns zunächst über zwei punkte: 

1) Das ältere a der Wörter same, schäme, name, wast, hast hat 
einen neuen lautwerth erhalten. Genau derselbe lautwerth, 



bayne 


souerane 


bayn 


sufferane 


sertane 


gayne 


ilkane 


tayn 


same 


nayme 


schäme 


blaym 


prays (lobenj 


sais 


prase 


sais 


glade 


mayde ("gemacht j 


hate 


laite 


hast 


waist. 



Ueber die spräche der Benediktinerregel ^aq 

den das ursprünglich kurze a dieser Wörter hat, ist dem ur- 
sprünglich langen a des wertes ane (unus) beizulegen. 
2) Das ältere ai sowohl in germanischen Wörtern, in denen dieser 
diphthong der erweichung des consonanten in den früheren 
Verbindungen ac , ag seinen Ursprung verdankt (suis, tayn, 
mayde), wie in romanischen Wörtern (praise, blaym, gayne), hat 
genau dieselbe lautliche geltung, wie das a in same, schamew. s. w. 
Die zeichen a, ai, ay in obigen reimwörtern sind also lautlich 
identisch und können unter einander vertauscht werden, was 
nicht ausschliesst, dass für das eine wort die eine, für das andere 
wort die andere darstellung des betreffenden lautes den Vor- 
zug hat. 
Welches ist nun der laut, der den drei zeichen a, ai, ay ge- 
meinschaftlich zukommt? Einige der erwähnten Wörter liessen in der 
vorangehenden sprachperiode den laut ä oder ä hören, andere den 
laut ä (c), wie glade, hate, laite (altnordhumbrisch glced. het, licet), noch 
andere wiederum den diphthongischen laut a-i (sais, tayn, mayde; 
fraise, blaym, gayne). — Den laut a müssen wir von vorn herein 
ausschliessen, da bei dieser annähme die darstellung nayme für älteres 
name geradezu absurd wäre. Wir stellen folgende erwägung an : 

1) Einzelne der in frage stehenden Wörter liessen auf der voran- 
gehenden sprachstufe im inlaute den vokal ä hören ; es ist 
wahrscheinlich, dass diese ihren laut beibehalten haben. 

2) Schon das Altnordhumbrische lässt im gegensatze zu den 
gleichzeitigen dialekten des Südens eine starke neigung er- 
kennen, den laut a in ä zu modifiziren. 

3) Der Übergang des diphthonges ft*t in ä ist ein naturgemässer 
prozess, den wir auch in anderen sprachen beobachten. 

4) Wir haben bereits nachgewiesen, dass in einzelnen fällen ai 
und ay den ä-laut darstellen, nämlich vor /-. 

Fassen wir diese vier momente zusammen , so ergibt es sich 
als in hohem grade Wahrscheinlich , dass der gemeinschaftliche laut, 
welcher den vokalzeichen a. ai. ay in den erwähnten reimwörtern zu- 
kommt, der laut ä ist. (Wir nehmen vorläufig nur auf die farbung 
des lautes rücksicht, nicht auf die quantität desselben.) 

Diese Wahrscheinlichkeit wird zur gewissheit, wenn wir die nach- 
folgenden reime mit in betracht ziehen : 

in v. 1237 f. reimt leres mit prayers 

in v. 1656 f. - late - hete (heiss) 

in v. 577 f. - counsell mit tr.uiayK'. 



35° 



K. Böddeker 



Was den ersten dieser reime betrifft, so sind bude reimworier 
einsilbig. Die lautliche geltung von leres ist bereits festgestellt als 
Peers, somit fordert das reimwort die ausspräche pre'ers. Hieraus er- 
gibt sich, dass ay den laut ee darstellt. ') 

Das wort, welches der zweite reim uns in der form hete vor- 
führt, hatte im Altnordhumbrischen die form T>htet?> mit dem lautwerthe 
heet. Dieser laut hat sich entweder erhalten, was das wahrschein- 
lichere ist , oder er ist nach £i ausgewichen ; ein drittes ist nicht 
möglich , auf keinen fall kann das inlautende e in hete einen di- 
phthong bedeuten. Gegen die ausspräche Jtiä spricht das reimwort 
late, welches ebenfalls litt lauten müsste. Dies ist unmöglich, da 6i 
sich nicht durch a darstellen lässt. Somit bleibt die ausspräche heet 
als die einzig denkbare übrig, woraus sich dann mit Sicherheit für 
late (laite, layte) der laut Veit ergibt. — Aus dem lautwerthe von 
laite lässt sich weiterhin der von hate (hassen) bestimmen mit hülfe 
des reimes hate — laite, v. 2341 f.; und ebenso derjenige von gate mit 
hülfe des reimes gate — layte, v. 2501 f. 

Der dritte reim (counsell-trauayle) belehrt uns, dass ay einen ein- 
heitlichen, nicht diphthongischen laut hat, der sich durch das zeichen 
e darstellen lässt. Der einzige monophthong, welcher aus der Ver- 
dichtung von a*t unmittelbar erwachsen konnte, ist ä, und zwar die 
länge dieses lautes (ee). Mit der ausspräche von trauayle ist aber 
auch zugleich die von assayle, falle, gayne, blaym gefunden, und durch 
den lautwerth dieser Wörter bestimmt sich mit hülfe des reimes wieder 
die ausspräche von nayme, sais, mayde u. s. w. 

Wir haben allen Wörtern, deren ä-laut einem früheren diphthong 
entsprach, die länge dieses vokallautes zuerkennen müssen. Hat 
aber blaym den laut bleem , dann ist schäme zu sprechen schchn (v. 
1837); lautet mayde = mied, so hat glade den laut gleed (v. 1859). 
Nach analogie von schäme haben wir aber auch same und vame, und 
nach analogie von hate und late auch gate zu sprechen. Mit anderen 
worten: diejenigen Wörter, deren kurzer a-laut nach ä ausgewichen 
ist, haben zugleich die länge des neuen lautes angenommen. 

Fassen wir die resultate unserer bisherigen Untersuchung nun zu- 
sammen : 

älteres ä vor r ist beibehalten (ee), dargestellt durch ai, a, e. 
älteres ce vor r ist geworden ee, dargestellt durch ai, a, (e). 



1) Die form »lere« neben »lare« kann als weiterer beweis dienen, dass dem 
worte die ausspräche "leer* zukommt. Die buchstaben a und e können sich nur 
in Einern laute begegnen, in dem laute ä. 



Ueber die spräche der Benediktinerregel 5 e j 

älteres e vor r ohne folg. cons. = ee, dargestellt durch a. e. 

älteres e vor r mit folg. cons. = e, dargestellt durch a, e. 

älteres e vor r ist geworden ee, dargestellt durch a, e. 

älteres ä vor r in einzelnen Wörtern ee, dargestellt durch ai, a. 

älteres ai ist geworden ee, dargestellt durch ai, a, e. 

älteres a vor ;;/, i, st ist geworden ee, dargestellt durch ai. a. 

älteres ee in einsilbigen Wörtern ist gedehnt zu ee , dargestellt 
durch ai, a. 

älteres ä vor n ist geworden ee, dargestellt durch ai, a. 

Schliesslich erwähne ich noch zweier autoritäten, deren urtheil, 
betreffend die ausspräche von ai, ay, sich auf unmittelbare erfahrung 
gründet. Um die mitte des 16. Jahrhunderts gab es nach dem aus- 
drücklichen Zeugnisse von Hart, einem der gewährsmänner von 
A. J. Ellis (On Early English Pronunciation, II, pag. 6j/ ff.) für ai, ay 
nur einen laut, nämlich den laut des e, und dr. Gill, auf dessen 
mittheilungen sich Ellis ebenfalls vielfach stützt, bestätigt dies in hin- 
sieht auf die spräche der nördlichen landschaften Englands, lässt es 
aber nicht für den süden gelten. Dies zeichen e soll offenbar nicht 
U, sondern ee bedeuten, für welchen laut Hart eine vollständig ad- 
äquate bezeichnung nicht zu finden wusste. Schon ein Jahrhundert 
vor Hart war der diphthong a - 1 zu einem einheitlichen laute ver- 
dichtet, wie unsere Untersuchung ergeben hat ; augenscheinlich war 
dies derselbe laut, der noch zur zeit von Hart gehört wurde. 

ey. 

In v. 2329 f. finden wir den reim: alleyn-tayn (genommen). 
Auch ohne uns auf das reimwort zu berufen, können wir mit be- 
stimmtheit behaupten, dass alleyn (daneben allane , man vergleiche 
auch ilkane) nur als alleen hat ausgesprochen werden können. In 
diesem falle stellt ey also den lautwerth ee dar. — In v. 1463 reimt 
clene mit maynteyn.. Die altnordhumbrische form des ersteren wort es 
ist ckene ; es ist höchst wahrscheinlich, dass der laut des u- (ee) un- 
verändert geblieben ist. Wenn also der reim clene - maynteyn ganz 
rein ist, so ist die wah r seh ein lieh k ei t gross, dass ey in maynteyn 
denselben laut darstellt, den wir oben derselben Verbindung in 
einem andren worte mit noth wendigkeit haben zuerkennen 
müssen. — V. 591 f. bietet uns den reim: steyl-wele (opulentia). Das 
altnordhumbrische wala musste nach der regel , nach welcher kurze 
vokale in einsilbigen Wörtern gedehnt werden, zumal wenn ihnen eine 
iquida folgt, den laut weil annehmen. Nach derselben regel musste 



352 K. Böddeker 

der vokal der Stammsilbe das altnordlmmbrische stela gedehnt werden. 
Mit beziehung auf die dialekte <les Südens und des mittellandes hat 
Sweet nachgewiesen, dass i nicht in rV, sondern in ee gedehnt wurde. 
Da dieser Übergang als ein naturgemässer betrachtet weiden muss, 
da ferner steyl mit wele reimt, da endlich ey zur bezeichnung des 
neuen vokallautes gewählt ist, so müssen wir mit Sicherheit an- 
nehmen, dass steyl zu sprechen ist steil. — Wenn wir den lautwerth 
von ey = ee nun als erwiesen ansehen dürfen , so erlaubt uns der 
reim: bitweyn —sene (v. 492 f.) noch ein urtheil über die ausspräche 
dieser beiden Wörter, denen wir die ausspräche bitween-sehn beizu- 
legen hätten. 

Als produkte dieser Untersuchung haben wir die resultate ge- 
wonnen : 

älteres £6 vor n ist übergegangen in ee, dargestellt durch ey, e. 

älteres ce vor / ist gedehnt worden zu Fe, dargestellt durch e (ey). 

älteres e vor / ist übergegangen in ee, dargestellt durch ey (e). 

au. 

Gleichzeitig mit der condensirung des diphthonges a*t zu ee 
pflegt auch der Übergang von au (a*lt) zu dem monophthonge ä, nach 
Sweet ob, stattzufinden. Wenn auch aus der Benediktinerregel gra- 
phische evidenz für diesen lautübergang nicht beigebracht werden 
kann, so ist doch ein zweifei an demselben nicht gerechtfertigt. 
Hiernach wäre z. b. der reim saule — paule (v. 504 f.) zu sprechen 
sbbl — pbbl. 

U, V. 

Dem zeichen ?/ ist die darstellung des kurzen u-lautes verblieben, 
während die entsprechende vokallänge in der regel durch ou , den 
französischen ausdruck für denselben laut, dargestellt wird. — Da 
aus dem germanischen bestandtheile der spräche der ü-laut gänzlich 
verschwunden und in folge dessen der buchstabe y, welcher vordem 
diesen laut auszudrücken hatte, mit * identisch geworden ist, so eig- 
nete er sich zur darstellung des ü-lautes in den , der französischen 
spräche neu entlehnten Wörtern nicht mehr. Es wurde daher in 
diesen Wörtern das französische zeichen u mit dem lautwerthe ü bei- 
behalten. Beispiel: 



a) iesus 


cals vs. 


v. 128 f. 




bUS 


vs. 


v. 971 f. 




vun 


kun, v. 


17 f. 




kun 


sun, v. 


480 f.; turn, v. 


73- 


b) refuse 


excuse, 


v. 382 f. 





Ueber die spräche der Benediktinerregel 



353 



FÄLLE, IN DENEN DIE ZEICHEN »O« UND 

WERTH HABEN. 



-l'< DENSELBEN LAUT- 



Eine besondere aufmerksamkeit fordern die nachfolgenden reime 
heraus : 

gude reimt mit mode in vv. 292 f., 609 f. 

mode - - gude in vv. 306 f., 666 f.. 1030 f. 

luf - - be hove in vv. 587 f., 2551 f., 856 f. 

bi houe - - luf in v. 2285 f. 

lufe - - reprove in v. 621 f. 

pruefe - - lufe in v. 2325 f. 

proues - - lufes in v. 924 f. 

reproues - - be houes in v. 406 f. 

cum - - dorn in vv. 519 f., 2317 f., 131 1 f. 

cristyndome - - cum in v. 1898 f. 

wouke - - luke in v. 1549 f. 

Um der Untersuchung eine breitere grundlage und dem eventuellen 
resultate derselben eine möglichst grosse Solidität und allgemeinere 

gültigkeit zu verschaffen, füge ich aus dem Pricke of Conscience von 
R. Rolle de Hampole einige reime hinzu, welche unter dieselbe 
beurtheilung fallen : 

luke reimt mit büke in vv. 928 f., 11 28 f. 

luk - - buk in v. 368 f. 

luke - - boke in vv. 205 f., 1946 f. 

büke - - loke in v. 526 f. 

boke - - toke in v. 1778 f. 

wode - - gude in vv. 99 f., 1608 f. 

gude - - wode in v. 1650 f. 

gude - - müde in v. 2390 f. 

gude - - fude in v. 652 f. 

lufe - - byhufe in v. 69 f. 

lufed - - byhufed in v. 944 f. 

loffes - - byhoves in v. 1364 f. 

lufe - - prove in v. 1086 f. 

lufes - - profes in v. 1112 f. 

lufes - - pruves in v. 1844 f. 

loves - - proves in v. 1080 f. 

profe - - behove in v. 936 f. 

byhufe - - prüfe in v. 1016 f. 

proves - - droves (betrüben) in v. 1318 f. 

dorn - - bughsom in v. 49 f. 

dorn - - .comei) (inf.) in v. 358 f. 

bousom - - com (inf.) in v. S5 f. 



») Die Bencdiktinerregel gehört mit dem Pricke of Conscience demselben 
dialekte, dem northern dia'.ect an, aber die spräche ist, auch wenn man vofc dem 
Kölbing, Englische Studien. IF. 3. 23 



.^54 



K. l;..ddeker 



Da diese und verwandte reime in zwei dichtungen des nord- 
humbrischen dialekts so überaus häufig sind — die zahl der , dem 
Pricke of Conscience entnommenen beispiele könnte leicht verfünffacht 
werden — , so ist nicht zu bezweifeln , dass dieselben durchaus rein 
sind, auch wenn in dem einen der reimwörter das vokalzeichen // . 
in dem entsprechenden das vokalzeichen »o* erscheint. 

Die meisten der Wörter, die wir in obiger Zusammenstellung 
finden, hatten vordem im inlaute 66 hören lassen, wie tndd } god, 
pröven, behof, dorn, locian, vod, boc, ioc. — Andere zeigen in ihren 
altnordhumbrischen vorformen ein kurzes o, wie bühsotn, com (sg. 
praet.). — Zweien endlich war auf der früheren sprachstufe der kurze 
U-laut eigen gewesen, nämlich /u/o (subst.), lufia (inf.) und cuma in f. . 

Der ältere o-laut kann den obigen Wörtern nicht verblieben sein, 
da derselbe nach wie vor durch das zeichen »0« ausgedrückt wird. 
Die erscheinung, dass an stelle des älteren »0« ein »«« auftritt — 
neben welchem das frühere zeichen als Variation fortdauert — , zwingt 
zu der annähme, dass der ursprüngliche vokallaut in einen anderen 
übergegangen ist. — Diesem neuen vokale entspricht in dem korre- 
spondirenden reimwort ein u, welches auf älterem kurzem u beruht. 
Altnordhumbrisches kurzes u hat aber seinen platz behauptet, (bei- 
spiele sind auf jeder seite der Benediktinerregel und des Pricke of 
Conscience zu finden), mithin ist in allen hier in betracht kommenden 
Wörtern früheres oder in kurzes u übergegangen. — Dies beweist 
auch die graphische evidenz : das in jenen Wörtern neu auftretende 
vokalzeichen u dient zur darstellung des kurzen U-lautes, während die 
entsprechende vokallänge ihren ausdruck findet in ou, welche Verbin- 
dung obigen Wörtern an der betreffenden stelle durchaus fremd ist. 

Wenn wir also dasselbe wort bald mit 0, bald mit u geschrieben 
finden, so ist als archaistische Schreibweise anzusehen , während u 
den vokallaut in korrekter weise darstellt. — Der beständige Wechsel 
zwischen u und hat zur folge gehabt , dass wir letzteres zeichen 
bisweilen in Wörtern antreffen, denen es auch als archaismus nicht 
zukommt, wie in love. 

Der Übergang von 66, seltener 0, zu u, der sich im nordhumbri- 
schen dialekt bereits vor der mitte des 14. Jahrhunderts vollzog, steht 



altersunterschiede absieht und allem, was damit zusammenhängt, nicht vollkommen 
gleich. Ein charakteristischer unterschied ist z. b. der, dass das praet. zu com 
in der Benediktinerregel heisst com, cum, bei R. Rolle de Hampole aber nie anders 
als cam. — Auch lässt die spräche der Benediktinerregel nicht unbedeutenden ein- 
fluss von Seiten des mittellandes erkennen. 



Ueber die spräche der Benediktinerregel -255 

nicht isolirt da. Der südliche dialekt zeigt genau dieselbe erscheinung, 
freilich viel später, erst nach 1700.: 66 wich nach u aus, und zwar 
in der regel unter gleichzeitiger kürzung des lautes (look, took, book, 
stood, good, foot, hoof). Diese kürzung fand immer statt vor k. Man 
vergleiche Sweet, History of English Sounds, pag. 67. — Wir haben 
es also hier mit einem der fälle zu thun, in denen eine lautverände- 
rung sich weit früher im norden vollzog als im Süden. 
Es hat sich aus dieser betrachtung ergeben : 
älteres ö vor k, d, /, m ist übergegangen in u, dargestellt durch u, 0. 
älteres o vor ;;/ ist übergegangen in U, dargestellt durch u, 0. 
älteres u vor m und n hat seinen laut beibehalten (wie dieser 
laut überhaupt eine änderung nicht erfahren hat), doch wird 
er zugleich durch u und ausgedrückt. Neben den oben 
erwähnten belegen mögen hier noch erwähnung finden: long, 1 ) 
lung ; fon (gefunden), fun. 

ou, ow. 

Ou, das französische zeichen für die länge des lautes il, hat auch 
in englischen Wörtern die darstellung desselben lautes übernommen, 
ist also an stelle des früheren ü getreten ; daneben ow. Den beweis 
liefern die nachfolgenden reime : 

in v. 1002 f. reimt pou mit bow 

in v. 928 f. - myrour mit sauiour 

in v. 360 f. - towne - saluacioune 

in v. 724 f. - bown - religiown 

in v. 829 f. - visioun - doun u. s. w. 

Schon in Pricke of Conscience hat ou diesen lautwerth : 

in v. 580 f. reimt doute mit withoute 

in v. 694 f. - colour - flour 

in v. 1602 f. - doune - dampnacyoune u. s. w. 

Sofern oun den französischen nasallaut vertritt, finden wir da- 
neben auch on: 

in v. 556 f. reimt descrecioun mit reson 
in v. 1962 f. - seson mit deuocioun. 

So auch im Pricke of Conscience. 



1) Die handschrift zeigt uns dasselbe wort auch in der mittelländischen form 
*%ing* y die R. Rolle de Hampole nicht kennt. — yhong neben yhung finden wir 
auch bei ihm. 

*3 9 



•? c(j K. Böddi U?i 

eu, ew. 
Beide zeichen .sind als etymalogische reminiscenzen erhalten in 
Wörtern, denen vordem der diphthong e = U zukam, wie in new, treu.', 
reule neben ravle, eschew. In der Benediktinerregel ist ihnen der 
laut »ü« beizulegen. Dies wird bewiesen einmal durch den reim: 
eschew — iesu in v. 1156!"., dann ferner durch den umstand, dass das 
wort, welches uns v. 21 in der form »reule' und v. 6 in der form 
»rezv/e« vorführt, gewöhnlich in der form *rowle* erscheint. 

i, y- 

Diese vokalzeichen sind hinsichtlich ihres lautwerthes identisch ; 
vergleiche das, was über y bei der besprechung von u, v gesagt 
worden ist. Einige reime mögen die identität erweisen : 

in v. 1604 f. reimt in hi mit preuelyj 

in v. 912 f. - seruyse - vnwise . 

in v. 113 f. - hyll - tili" 

in v. 672 f. - louyny - 3mg u. s. w. 

Als konsonant hat / in gemeinschaft mit g den laut des franzö- 
sischen j in romanischen Wörtern darzustellen: soietes, v. 785, neben 
sugetes in v. 796 u. s. w. — So auch im Pricke of Conscience. 

e. 

Was unter ai, ay über den lautwerth dieses vokalzeichens in 
gewissen Verbindungen gesagt ist , soll hier nicht wiederholt werden. 

Beachtenswerth ist, dass e vor den lingualen s, d, t und n einen 
höheren laut annimmt, also dem i gleich oder ähnlich klingt, weshalb 
denn auch i für e und umgekehrt e für i vor jenen konsonanten 
eintreten kann. Sweet zieht aus dem Wechsel zwischen e und i in 
der darstellung eines wortes den schluss , dass es sich um den ton- 
losen vokallaut handle, den die mehrzahl aller unbetonten silben in 
der heutigen spräche Englands hören lässt, wie z. b. die zweite silbe 
des wortes botto?n. Diese bedeutung kann der Wechsel zwischen e 
und * in der Benediktinerregel nicht haben , da er sich auch in ton- 
silben zeigt. So hat sit (sitzen), welches mehrfach in der form set 
auftritt, ohne zweifei diesen laut nie gehabt. Auch für eremete ist 
er nicht anzunehmen, da die silbe ftiet den ton trägt. 

Die neigung des e nach i hin erhellt aus folgenden reimen: 

in v. 278 f. finden wir parfite reimend mit eremete 
in v. 439 f. - - heued - - leuyde 

in v. 476 f. - - vvise - - chastese, 



lieber die spräche der Benedikünerregel 257 

in v. 525 f. finden wir es reimend mit peris, 

in v. 738 f. - semys - - demys. 

Ich füge hinzu die formen eris (v. 26), haldyn (v. 18), opyn 

(v. 66), heuyn (v. 65). 

KONSONANTEN. 

Hinsichtlich der konsonanten mögen nur drei beachtenswerthe 
eigenthümlichkeiten der Benediktinerregel erwähnung finden: 

1) Die handschrift liebt es, den endkonsonanten zu verdoppeln, 
wenn demselben ein kurzer betonter vokal vorangeht. 

2) Auslautendes nd stösst in einzelnen Wörtern das »d« ab, 
so in fun (gefunden), bun (gebunden). — Dieselbe erscheinung ist 
auch im Niederdeutschen zu beobachten. 

3) Die zeichen / und v (konsonant) wechseln mit einander in 
demselben worte. 

ÜBER DEN ACCENT. 

In Wörtern romanischer herkunft liegt der ton auf der letzten 
volltönenden silbe, er ist also nicht vorgerückt. Den beweis dafür 
liefern folgende reime: 

in v. 700 f. reimt thre mit dignite 



in v. 


437 


f. 


pouerte 


- be 


in v. 


902 


f. 


- fle 


- entre 


in v. 


•034 


f. 


bete 


prophete 


in v. 


1042 


f. 


me 


- plente 


in v. 


1249 


f. 


Company 


■ iy 


in v. 


•348 


f. 


power 


maner 


in v. 


1791 


f. 


infere 


- soppere 


in v. 


2371 


f. 


maneres 


- leres 


in v. 


358 


f. 


lere 


- power 


in v. 


1902 


f. 


labore 


- oure 


in v. 


1191 


f. 


present 


- entent. 



TONLOSES SCHLUSS-E. 

Das tonlose schluss-e ist in der Benediktinerregel in allen fallen 
stumm , mag es nun einem früheren flexionsvokal entsprechen oder 
ganz unorganisch sein. Das vollständige verstummen des schluss-e, 
welches gleichwohl als historische reminiscenz in der schriftlichen 
darstellung der betreffenden Wörter festgehalten wurde, hat eine wahre 
Verwilderung der Orthographie im gefolge gehabt. Man vergass all- 
mälich , welchem worte ein solches stummes schluss-e gebührte — 
wodurch hätte man auch die historische erinnerunc hinreichend fest- 



358 K. Böddeker 

halten können? — und schaltete mit diesem inhaltlosen zeichen ganz 
nach willkür. — Ueber das e der suftixe es, ed, en belehrt die kon- 
jugation. 

FORMENLEHRE. 
DEKLINATION. 

I. Substantive und adjektive. 

Das prineip , die mannigfaltigkeit der formen durch assimilation 
unter eine typische grundform zu bringen, hat in der deklination des 
nordhumbrischen dialekts viel durchgreifender gewirkt, als in den 
gleichzeitigen dialekten des mittellandes und des Südens. 

Der plural wird auf s, resp. es, is gebildet. Die frage, in 
welchen fällen der vokal des suffixes es sich erhalten habe, wird 
beim verbum berücksichtigung finden. Beispiele: doghters, schos, wase 
(ways) — hartes, cris, saulcs, 

Folgende pluralformen haben dem bestreben der assimilation 
siegreich widerstanden : 

men (altnordh. men) zum sg. man 

women, wenien (altnordh. wifmen) zum sg. woman 

eghen (altnordh. gen. pl. egend) zum sg. ee. 

schep (altnordh. seip, setpo) zum sg. schep 

hende, hend (altnordh. dat. pl. hendum) zum sg. hand 

childer (altnordh. ei/der) zum sg. child 

feie (altnordh. foet) zum sg. fot. 

Die form mens in v. 591 kann als genitiv aufgefasst werden. — 
Eine dunkle erinnerung an die frühere deklination der konsonantischen 
stamme auf r bekundet sich in der pluralform mafier (v. 1627), neben 
welcher übrigens auch maners (v. 1622) vorkommt; ebenso yre 
(v. 2438); sister (v. 2460). — Eine ähnliche erklärung fordert die 
pluralform vwneth (v. 2164) neben moneths (v. 2180). 

Der genitiv wird durchweg gebildet durch angehängtes s oder 
es. Dies suffix kann jedoch mit leichtigkeit unterdrückt werden, 
und zwar bei allen Substantiven, mögen sie nun vordem im genitiv 
ein 5 gezeigt haben, oder nicht. Beispiele: for godes sake neben for 
god sake (v. 1004), god saruyse (v. 626); per souerans wil (v. 1641) 
neben pair souerayn wil (v. 728); nokins nede (v. 1624), alkins thyng 
(v. 176), neben whatkyn ping (v. 1683); in crisl name (v. 2022); 
pe awter end (v. 2272); mi eghen sight (v. 815); his fader rede 



Ueber die spräche der Benediktinerregel 3 59 

(v. 949); our saule bi hone (v. 857); // sister ee (v. 420) u. s. w. — 
Das genitivsuffix m u s s abfallen, wenn das betr. wort auf s schliesst : 
A priores bord (v. 21 17); in pe noues sei (v. 2175.) 

Der dativ hat jedes charakteristische suffix verloren, seine 
form ist daher der des akkusativs vollkommen gleich : To gif esaumpil 
mor 6° lese, grösseren und geringeren (v. 951); So pal none do oper 
disese (19 10). 

Beziehungen, die der genitiv oder der dativ auszudrücken hat, 
finden bei Substantiven in der regel durch die präpositionen of und 
to ihre bezeichnung , nur bei den fürwörtern hat die eigentliche 
kasusform ihr Vorrecht behauptet. Den flektirten genitiv finden 
wir neben dem präpositionalen ausdruck der betreffenden beziehung 
in: domes day (v. 301) neben day of dorne (v. 638); days lyght 
(v. 1789) neben light of day (v. 1787). 

Die adjektive haben im Singular wie im plural alle früheren 
flexionen eingebüsst : pe dede die todten (v. 605), febil schwache 
( v - 675), enyl, gude, riche, pouer, substantivisch gebrauchte adjektive 
im plural, v. n 89 f. — Als einzige reste flektirter adjektivformen 
findet sich fonc wenige (v. n 16) und der gen. pl. aller: peir aller 
chose (v. 2312), in hir aller way (v. 1868). 

Mit dem absterben der deklinationsunterschiede hörte auch die 
gruppirung der Substantive nach dem historischen geschlechte auf: 
hatte sich doch in der deklinationsflexion wesentlich das genus zum 
ausdruck gebracht. — Zwei stellen unseres textes sind auffällig. In 
v. 1106 ist auf hali writ das pronomen he bezogen, und in v. 1359 
weist dasselbe pronomen auf schep (schaf) zurück. Wenn wir auch 
annehmen, dass in dem ersteren falle in ungebundener weise an 
sensum konstruirt ist und dass he auf ein vorgestelltes pe prophet 
hinzeigt , so lässt doch die zweite stelle eine ähnliche deutung nicht 
zu. Andrerseits ist schep auch vorher nie ein männliches wort ge- 
wesen. Es bleiben nur zwei erklärungen möglich: entweder ist die 
Verwirrung hinsichtlich der geschlechtigen bezeichnung des von natur 
geschlechtlosen so gross, dass auch neutra gelegentlich als masculina 
erscheinen; oder he wird im nominativ auch als neutrum des personal- 
pronomens gelegentlich angewandt. 



360 



K. Boddeker 



II. Pronomina. 
i. Das Personalpronomen. 



2. pei . 




3. pers. 






masc. 


fem. 


neutr. 


pOll 


he 


sehe, sehn 


it 'he ; ) 


(of pe) 


his 


hir, her 


— 


pe 


hym 


hir, her, er 


— 


pe 


hym 


hir, her 


it 


5 e 




pai, pay 




(of ^ow) 




per 




30W, 30U 




pam 




30W, 5011 




]iam, paim. 





1 . pers. 

sg. nom. I 

gen. (of me) 
dat. me 
:;kk. me 

pl. nom. we- 
gen, (of vs) 
dat. vs 
akk. vs, hus 



Die eigentlichen genitive des Personalpronomens der 1. und 
2. person haben ihre frühere Selbständigkeit ganz eingebüsst und sind 
ausschliesslich possessive adjektive geworden. — Der eingeklammerte 
präpositionale ausdruck des genitivverhältnisses hat auch objektive be- 
deutung : for Inf of pe, v. 1060. 

Auch die genitive der 3. person sind possessive pronomina 
geworden, doch haben sie daneben ihre selbständige Verwendung als 
genitive des Personalpronomens beibehalten , wie folgende stellen be- 
weisen : Bot aynly his ßat hase nie sent , dessen der mich gesandt 
hat, v. 744 \ for his sähe ßat so lief yd me, um dessen willen der . — , 
v. 985 ; to ßer bi houe pat, um derer willen, welche . . ., v. 689 f. — 
In v. 1878 ist: in hir aller way wahrscheinlich zu emendiren in: 
in per aller way. Die form hir« kommt in der zunächst voran- 
gehenden und in der zunächst folgenden zeile vor und mag sich 
durch eine flüchtigkeit des abschreibers in den erwähnten- vers ein- 
geschlichen haben. Nicht unmöglich ist es freilich auch , dass »her« 
wie manche andere form dem idiom des mittellandes entlehnt ist. Auf 
alle fälle aber beweist dieser vers, dass »hir« oder »ßer« als genitiv 
empfunden wird, nicht als adjektivisches Possessivpronomen, da es 
mit »aller ■« verbunden ist. Aehnlich: ßeir aller chose (v. 2312). 

Ueber das eingeklammerte (he) vergleiche das, was am Schlüsse 
des vorigen abschnittes gesagt ist. 

In dem verse 958: -»of al pai pat suffers here« haben wir ohne 
zweifei für »pai« einzuführen pam«. 



Ueber die spräche der Benediktinerrege] ^ 6 1 

2. Die possessiven für Wörter. 

I. pers. 2. pers. 3. pers. 

masc. fem. neutr. 
sg. mine, min, mi pine, pin, pi his hir, her — 

pl. oure, our zoure, Z.our, zor (5er? 355) pare, pair, per. 

Die formen, welche ein i enthalten, erscheinen auch mit y. — Die 
unverkürzten formen der 1. und 2. person (mine min; pine pin) 
werden gebraucht , wenn das folgende Substantiv , zu dem sie ge- 
hören, vokalisch anlautet: pine awin vn bowsumnes, v. 35 ; pine eris, 
v. 26 j mine entent, v. 743; min eris, v. 121; myne eghen, v. 120. 
Daneben auch ohne zweifei, wenn das betr. Substantiv ergänzt werden 
muss. — Die verkürzten formen (mi, pi) stehen vor konsonantisch 
anlautenden Substantiven, auch vor h: // sight; pi tnng, v. 112; my 
highnes, v. 1074. 

3. Die reflexiven fürwörter. 

1. pers. 2. pers. 3. pers. 

masc. fem. 

sg. my seif pi seif him seif hir seif 

pl. our seif (5 0Ur seif) pam seif. 

Bei Richard Rolle de Hampole finden wir me seif, vs seif u. s. w. 
neben thi seif, hir seif, p<zir sehen. Der alte dativ , welcher zu seif 
pleonastisch hinzugefügt wurde (man vergl. den entwurf einer gram- 
matik , welchen der Verfasser dieser zeilen seiner ausgäbe der dich- 
tungen des ms.-Harl. 2253 vorangeschickt hat), hat sich also bis in 
die mitte des 14. Jahrhunderts erhalten. Doch ist das verständniss 
für denselben bereits derart getrübt, dass an stelle dieser dativformen 
auch possessive genitivformen eintreten können. Der prozess, welcher 
in verschiedenen der betr. Verbindungen den alten dativ dauernd 
durch das possessivpronomen ersetzte , hatte also schon begonnen. 
In der Benediktinerregel haben die reflexiven formen bereits festigkeit 
erlangt: in mi seif, pi seif, our seif, yur seif hat das possessivum 
den platz des älteren dativs eingenommen und lässt sich denselben 
nicht mehr streitig machen ; in den formen der dritten person ist der 
dativ des personalpronomens siegreich aus dem kämpfe mit dem 
possessivum hervorgegangen. 

Die Verwendung der obigen Verbindungen weicht von dem heu- 
tigen gebrauche der entsprechenden formen nicht ab, doch kann die 
form für die dritte person selbständig als subjekt auftreten : if /<//// 
seif pe suth had Saide, s. 1601. 



3 6z 



K. Böddeker 



Auch die personalpronomina können reflexive beziehung aus- 
drücken : Sc ho .... wil hir atnend, v. 1866 f.; Absknand f>a»i fro 
drynk cV mete, v. 1948; pan sal ßai hast pam, v. 1824. 

4. Demonstrative für Wörter. 

a) sg. pat, pl. po, der, derjenige, jener. Das prinzip der .1- 
similation hat im singular die form des nom. und akk. neutr. (altnordh. 
deei) die oberhand gewinnen lassen, im plural hat die form für den 
nom. und akk. (altnordh. da) sich allgemeine gültigkeit verschafft. 

Die geschwächte form dieses pronomens, sg. und pl. pc , wird 
als artikel verwandt. Im plural ist das ältere po daneben im gebrauch. 

Der instrum. hat sich erhalten in dem adverb for pi und in 
ße vor komparativen. 

b) sg. pis, pl. pos; per, pir, pes, pis; dieser jener. Die plural- 
form , welche sich organisch aus altnordh. vorform entwickelt hat, 
ist pos. Neben dieser finden wir aber schon bei R. Rolle de Hampole 
»/^r« und »pir«. als pluralia zu pis . Die pluralformen >ßes* und 
»pis« , welche dieser nicht kennt , gehören den südlichen dialekten 
an, welchen andererseits »pos«* ganz fremd ist. Wir müssen daher 
das auftreten der formen -»pes«. und »pis« dem einflusse eines nachbar- 
dialektes zuschreiben. Beispiele: ßos days (v. 1773), Per er pe pontes 
dies sind die punkte (v. 680), pir Clerkes (v. 890), pes thynges (v. 706), 
pis wordes (v. 928). 

c) sg. pat same , pl. po same , derselbe. An stelle von pat, po 
finden wir auch die geschwächte form pe: pe same payn (v. 13 17), 
po same kalendes (v. 1^73), — und pis: to pis sam (v. 480), of pis 
same (v. 507). — Dies pronomen gehörte früher ausschliesslich dem 
norden an. 

d) pis ilk (vergl. ilk unter den indefiniten fürwörtern) dieser, eben 
derselbe: pis ilk siegh (v. 831), pis ilk rewle (v. 264). 

e) swilk (altnordh. suähucelc , sua>lc)so\c\iex. Dieses für wort 
kann auch den unbestimmten artikel mit sich verbinden, welcher 
alsdann folgt